Hepzibah – Sie holt dich im Schlaf (2009)

hepzibah

Originaltitel: Hepzibah – Sie holt dich im Schlaf
Alternativtitel international: The Village
Regie: Robert Sigl
Drehbuch:  David Tully
Kamera: David Sanderson
Musik: Frank Nimsgern
Laufzeit: 93 Minuten (uncut)
Darsteller: Eleanor Tomlinson, Finn Atkins, Christopher Elson, Marketa Frosslova, David Bamber, David Fellowes, Murray Melvin, Kevin Colson, Helen Mutch, Emily Cox
Genre: Horror. Mystery
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Angabe

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Drei Tage vor ihrem achtzehnten Geburtstag findet Kirsten heraus, dass sie adoptiert ist und ihre echten Eltern in einem Dorf namens Selmen wohnen. Sie macht sich auf den Weg in das Dorf, in dem sie geboren wurde und entdeckt, dass dort eine vor mehreren hundert Jahren unschuldig verbrannte Hexe jedes Jahrhundert neun Opfer fordert. Alle diese Mädchen können nicht schlafen und stehen kurz vor ihren achtzehnten Geburtstag. Schon bald muss Kirsten feststellen, dass sie dieses Mal das neunte Opfer sein soll …

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Robert Sigls ruhiger Mystery-Horror-Film, der als TV-Film von PRO7 produziert wurde, hat weitaus mehr zu bieten, als so mancher denken mag. Die Regiearbeit, mit der sich Sigl fast schon „back to the roots“ in Richtung seines Langfilm-Debüts „Laurin“ bewegt, besticht mit einer ungewöhnlichen Atmosphäre, die sich durch den gesamten Film zieht. Zu der sauberen Inszenierung gesellen sich eine wunderbar ausgewogene Kameraarbeit von David Sanderson und eine extrem gute und vor allem passende Filmmusik von Frank Nimsgern.
Gerade in Verbindung mit Nimsgerns Klängen hypnotisieren manche Szenen geradezu und heben „Hepzibah“ von anderen deutschen Mystery- bzw. Horror-Produktionen erfrischend ab. Sigl versteht sein Handwerk, das merkt man alleine schon an den hervorragend ausgewählten Schauplätzen (gedreht wurde in und um Prag), die eine wirklich hervorragende Gruselatmosphäre der alten Schule verströmen. Da sieht man auch schon mal über vereinzelte Drehbuchschwächen hinweg, die Sigl allerdings gekonnt mit seiner stimmungsvollen Inszenierung überspielt.

Sandersons Kamerafahrten harmonieren perfekt mit der Regie (Sigl und Sanderson haben auch einige SOKO Donau-Folgen miteinander gedreht) und lassen „Hepzibah“ eher wie eine Kino- als eine deutsche TV-Produktion erscheinen. Zusätzlich findet dieser Eindruck seinen Grund wahrscheinlich auch darin, dass mit englischen Schauspielern gedreht wurde, was (zumindest in der Originalfassung) einen gewissen (internationalen) Touch hervorruft. Ich hatte das Glück, die ungekürzte englische Originalversion zu sehen.

Die Schauspieler agieren durch die Bank gut und überzeugend. Vor allem Eleanor Tomlinson (sie war wenig später nach „Hepzibah“ in Tim Burtons „Alice im Wunderland“ und Bryan Singers „Jack And The Giants“ zu sehen), Finn Atkins (ihr Auftreten in der Rolle der Marie Schwarz war genial) und David Fellowes waren es, die mir besonders positiv aufgefallen sind.

Wenn Kirsten aus einem alten Tagebuch vorliest und Sigl meisterhaft Szenen zwischen Gegenwart und Vergangenheit vermischt, die von einer an dieser Stelle mehr als grandiosen Musik Nimsgerns untermalt werden, nimmt das Ganze schon fast Ausmaße eines Peter Greenaway an. Für mich waren diese Szenen inszenatorisch, musikalisch und schnittechnisch absolut hervorragend gemacht.

Die locker verstreuten Anspielungen auf Horrorfilme wie zum Beispiel „Nightmare On Elm Street“ waren sehr unaufdringlich und passend, da sie niemals nachgemacht wirkten. Die stilsichere Inszenierung mit düster-schaurig-schönen Bildern von Friedhöfen, Gruften, einsamen Waldabschnitten, aufkommenden Unwettern und märchenhaft verstaubten Bibliotheksräumen macht einfach Spaß. Und auch wenn das Drehbuch nicht wirklich viel Neues zu bieten hat, so gab zumindest Regisseur Sigl sein Bestes und präsentiert einen manchmal erschreckenden, aber vorwiegend melancholisch ruhigen Gruselfilm mit einer verdammt guten Atmosphäre.

Als Grund für oftmals geradezu vernichtende (und aus meiner Sicht völlig unbegründete) Kritiken über diesen Film kann ich nur in der Tatsache sehen, dass das Film- und Kinopublikum unserer Zeit in erster Linie seine Aufmerksamkeit auf Spezial-  und Schockeffekte richtet und das echte Handwerk des Filmens außer acht lässt, denn sonst würde man das Talent aller Beteiligten dieser Produktion sehen. Für mich ist „Hepzibah“ ein sehr atmosphärischer Gruselfilm, der trotz Drehbuchschwächen hervorragend unterhält.

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Fazit: Stilsicher inszeniert und mit einer hervorragenden Filmmusik untermalt ist „Hepzibah“ ein Ausnahme-Horrorfilm aus Deutschland, der meiner Meinung nach völlig  unterschätzt wird.

© 2015 Wolfgang Brunner

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