Engel, Marc (Schauspieler)

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Marc Engel, Jahrgang 1971, wuchs in Norderney und Herne auf. Schon als Kind war er von der Magie des Films angetan. Er wurde regelrecht hineingeboren, da einige seiner Verwandten unter anderem als Kleindarsteller arbeiteten und sein Onkel Lichtspielhäuser und eine kleine Produktionsfirma im Ausland besaß. So kam es, dass er bereits seine 1. Rolle in einem Kinofilm als Zweijähriger bekam. Nach einigen „Pflegefamilien“-Wechsel und Umzügen hatte er so gesehen seinen 1. Job als 6-Jähriger im Kino nebenan auf Norderney. Dort fegte er für den Besitzer den Gehweg zum Lichtspielhaus mit seinem Bruder zusammen, als Lohn durften die Beiden die Filme immer umsonst schauen. Über einige Jahre hinweg wurde so die tiefe Liebe zum Film, durch den Besitzer des Kinos und durch Filme wie „Superman“, „Godzilla“, „Star Wars“, die Shaw Brothers, Bud Spencer, Winnetou und Co. entfacht. Es kam nicht selten vor, dass er einige dieser und andere Werke über 20 mal im Kino sah. Jedoch ruhte der Wunsch, etwas in dem Bereich selbst zu bewegen, sehr lange, etwa bis Mitte, Ende seiner 20er Jahre. Erst dann fing er an, mehr aus Hobby, Amateur-Kurzfilme für kleinere Wettbewerbe zu machen, die er selbst inszenierte und in denen er meistens mitwirkte. Nach kleineren Preisgewinnen widmete sich Engel allerdings anfangs mehr dem Schreiben von Gedichten, Kurzgeschichten, Kinder- und Drehbüchern.
Eher durch Zufall rutschte er die letzten Jahre wieder ins Filmgeschäft, wo er durch seine Darstellungen beeindrucken konnte. Engel will sich in Zukunft aber auch wieder mehr dem Schreiben zuwenden und seinen 1. Feature Film in Eigenregie „Blue Sparrow“, nach seinem eigenen Roman/Drehbuch, inszenieren.

Film-Besprechungen wollte mehr über den Schauspieler, der zuletzt in Timo Roses „Reeperbahn“ brillierte, wissen.

1. Welcher Schauspieler war schuld daran, dass Du selbst einer werden wolltest?

Oh, das ist schwierig, Wolfgang. Zuerst aber sehe ich mich selber gar nicht wirklich als Schauspieler. Schauspieler sind für mich jene, die es gelernt haben, diese hart arbeitenden Menschen, die täglich da rausgehen, Castings wahrnehmen, Workshops besuchen, Meetings und in 47 Rollen pro Jahr schlüpfen und ihren Job machen. Ich tänzle hin und wieder hier und da rein, gebe mein bestes und versuche mitzuhalten. Jedoch, hmmm, es dürfte langsam bekannt sein, dass Sylvester Stallone für eine Menge verantwortlich zu machen ist, was ich so verzapfe. Man kann schon sagen, dass Sly und wie er auf mich als Kind und Teenager gewirkt hat, durch seine Lebensgeschichte, seine Art zu schreiben, sein Talent, seinen Outsider-Figuren Leben einzuhauchen, einen starken Einfluss auf mich hatte. Wenn ich es an einer Person festmachen müsste, hat mich Stallone am meisten inspiriert, aber nicht nur als Mime. Besonders als Schreiber und auch Regisseur. Es gibt Stimmen, die ihn mimisch nicht so stark sehen und ihn nur als Action-Helden wahrgenommen haben und ihn darauf reduzieren. Das finde ich aber nicht angemessen, Stallone war kurz davor, schauspielerisch ein De Niro werden zu können und auf dem Weg dahin, wurde er doch auch zum Beispiel mit „Rocky 1“ als neuer De Niro und Brando gefeiert.
Deswegen differenziere ich Sly stark als Mime mit Talent und den Action-Helden, der er wurde, dem Regisseur und dem Schreiber Stallone. Ich war wirklich ein Riesenfan als Kind und bin es immer noch, besonders, was er in den 70er und 80ern gemacht hat. Ich denke, ohne ihn, seine Filme und meine Ex-Freundin wäre ich sicherlich nicht mehr hier oder im Gefängnis, haha? Zum Glück konnte ich ihm dafür mal danken, stand ewig auf meiner „To do Liste“!

Dasselbe gilt aber auch für Bruce Lee, der leider viel zu wenig geschätzt wird für sein gesamtes Wirken und Können. Der Mann war nicht nur DER „Martial Arts Typ“, er war auch ein Lehrer, Philosoph, ein fantastischer Schauspieler mit enormer Präsenz und einem Charisma, das seinesgleichen sucht. Etwas später, als ich dem „Stallone Universum“ langsam entsagen konnte, ist natürlich Robert De Niro, der besonders in den 70er, 80er und bis 90er Jahre, seinen Stempel bei mir hinterließ, ebenfalls zu erwähnen. Sprich, er war mein absolutes mimisches Vorbild neben Brando, Pacino, Chaplin, James Dean und auch der 80er Mickey Rourke sind ganz weit oben. Später kamen Ausnahme-Mimen wie Gary Oldman, Daniel Day Lewis, Javier Bardem und Christan Bale dazu. Im Grunde sind alle Genannten Schuld daran, dass ich irgendwie nie wirklich vollkommen aufgegeben habe, haha!

2. Wie gehst Du mit negativer Kritik um?

Hier unterscheide ich sogar noch stärker, da ich selber eine zeitlang Filmkritiken/Reviews und News für ein Film-Portal geschrieben habe und es mühsam erlernen musste, größtenteils das Subjektive aus der Rezension zu lassen und so gut es ging, objektiv das Werk zu begutachten. Obwohl einige Mimen oder Filmemacher dabei waren, die bei mir persönlich nicht hoch im Kurs standen. Am Ende, sind die Kritiken, was mich angeht, konstruktiv, objektiv und zum Thema passend, dann nehme ich mir das an. Was mich aber eher motiviert, daran zu arbeiten, es besser zu machen, als in die Ecke zu gehen und zu heulen. Verlieren sich die Kritiken in der subjektiven, selbstgefälligen Wahrnehmung und dienen nur dem Schreiber/Kritiker und seinem Ego, was man schnell erkennen kann, dann ist sie mir völlig egal. Dann geht es an mir vorbei, weil ich das gut filtern kann.
Ich bin immer offen für Ansichten, Meinungen und Anregungen, alles zu seinem Wert. Kunst, Kreativität in jeglicher Form, ist halt immer Geschmackssache, es gibt zig Personen und Werke, die von anderen gefeiert werden, die mir nicht gefallen und umgekehrt. Du kannst 5 Filmfans in einen Raum stecken, die sich über „The Dark Knight“ austauschen, unterhalten und bewerten sollen. Dann wird es den einen Marvel-Fan geben, der ihn prinzipiell doof findet und immer den einen, der über Christian Bales Stimme schimpft, dazu den einen, der grundsätzlich anders sein will und Anti-Hype eingestellt ist und gar nichts gut findet. Die anderen 2 lehnen sich zurück und sagen „Wow, das war ein verdammt geiler Film.“
Im Grunde bin ich wirklich, auch wenn man das öfter mal gehört hat, mein schlimmster Kritiker. Nicht mal mir Nahestehende sind so kritisch wie ich, was „mein Kreatives“ anbelangt. Es fällt mir schwer, mich selbst zufrieden zu stellen, egal ob als Darsteller, Schreiber oder Macher. Ich feiere eher meine Kollegen, als dass ich es sofort sehe, ob ich etwas „gut“ gemacht habe. Ich suche stets die Verbesserung und Weiterentwicklung.

3. Du spielst Haupt- und Nebenrollen, bist in Kino- und in Fernsehproduktionen wie zum Beispiel „Tatort“. Wo fühlst Du Dich mehr daheim: Kino oder Fernsehen? Haupt- oder Nebenrolle?

Das ist einfach. Ich betrachte alles erst mal in meiner eigenen „Reihenfolge“. Ich bin in erster Linie, vor allem anderen, Filmfan. Dann gehe ich als Schreiber/Autor da ran, dann betrachte ich, was es auch ist, das Projekt mit dem Auge eines Filmemachers, versuche die Szenen so gut ich kann in meinem Kopf zu sehen. Zum Schluss gucke ich, was sagt das bisschen Darsteller in mir dazu. Sprich, erst muss es mich als Fan ansprechen, egal was es auch ist. Dann kommt die Story, die Figur, dann: wie könnte etwas in Szene gesetzt werden, wie wird das aussehen usw.? Danach denke ich darüber nach, wie die Figur aussieht, denkt, redet, tickt etc … Darum herum muss mittlerweile alles passen, dann ist es mir fast egal ob Serie, TV oder Kino, wobei meine Liebe zum Film/Kino größer ist. Im Grunde komme ich da her und da will ich das bisschen auch noch bleiben. Halt die paar Jahre, die ich in dem Zirkus noch dabei sein will. Jedoch bin ich, was Haupt- oder Nebenrollen angeht, völlig uneitel. Selbst Komparserie würde ich noch machen, weil man auch da noch viel lernen kann. Aber das Kapitel ist erst mal abgeschlossen, da gehe ich nur noch evtl. als Fan hin, falls ein Stallone-Film oder eine coole Comicverfilmung etc. Typen sucht, zu denen ich passe. 😀
Sonst bleibt es dabei, die Rolle/Figur muss etwas haben, sonst mache ich es erst gar nicht. Jedenfalls ab jetzt nicht mehr, das bin ich mir als Filmfan immer zuerst schuldig. Ich mache ja nicht in Blockbustern mit. Aber mein Filmfan-Herz muss höher schlagen, wenn das Buch gut ist, die Figur oder die Monologe, das Projekt an sich. Dann ist es mir auch schnuppe, wenn man keine 100, 500000, 5, oder 10 Millionen Budget hat, dafür aber Filmliebhaber und Talente um sich hat, die brennen und was cooles schaffen wollen, mit geringen Möglichkeiten. Dann bin ich dabei und blute.

4. Du hast das Drehbuch zu einem romantischen Fantasy-Drama namens „Blue Sparrow“ geschrieben. Möchtest Du Näheres darüber erzählen?

Ok, dann hole ich mal etwas weiter aus. Witzigerweise ist „Blue Sparrow“ ja schuld daran, dass ich überhaupt wieder ein Tick mehr in die „Darsteller/Film Szene“ gerutscht bin und ihr mich ertragen müsst, haha. Nur so viel für die, die es nicht wissen. Ich wollte zwar mal mit Mitte 20 Schauspieler werden, aber ich wollte auch mit 18 Rockmusiker werden, mit 13 Boxer, mit 10 Supermann und mit 8 Bruce Lee. Na jedenfalls hat sich das im Laufe der Zeit zum Glück verändert, mit Cape durch die Gegend laufen würde schon arg albern aussehen. 😀 Ich sehe mich eher als Schreiber und Filmemacher in spe, dieser Kurs ist klar. Ich habe knapp 10 Jahre Amateur-Kurzfilme, unnötige Videos und Clips etc. gemacht, ganz viele schlechte und richtig üble. Damit viel zu viel Zeit verplempert. Das war mir dann zu wenig, weil es nicht vorwärts ging. Also habe ich 2007/2008 damit vollkommen aufgehört und mich auf das Schreiben konzentriert.
Es war immer klar, dass ich irgendwann meinen 1. Feature im Indi Low Budget Bereich machen werde und “Blue Sparrow” basiert auf meinem 1. Roman, den ich 2006 bis 2010 geschrieben habe und der bisher (beabsichtigt) nicht veröffentlicht ist, da ich 2013 die ersten Schritte mit einem Vorab-Trailer in die Wege leiten wollte, der für Crowdfunding Seiten dienen sollte und um Sponsoren zu finden. Dann habe ich mitten beim Dreh vom Trailer meinen Hauptjob verloren und aus der Not angefangen, mich bei Filmen/Serien als Komparse etc. zu bewerben, um extra Geld für den Trailer zu verdienen, aber auch etwas nebenher zu lernen, sprich „learning by doing“ wie es in Filmen für TV, Kino bei Pros abläuft.
Während ich meinen Job gemacht habe, habe ich nebenbei alle Positionen beobachtet, fast schon studiert, ohne dass es andere groß mitbekommen haben. Na ja, das wurde im weiteren Verlauf des Jahres immer erfolgreicher, bis ich zu meinem eigenen Erstaunen sogar 2 kleinere Nebenrollen in internationalen Filmen an Land gezogen hatte. Die trotz Zusagen, Meetings, Handshakes von begeisterter Regie etc. dann aber doch nicht passiert sind. Was auch eine hilfreiche Lektion war, wie es in der Filmszene ablaufen kann. Ehrlich gesagt, wollte ich im Herbst meines Lebens gar nicht mehr die Darsteller- Geschichte angehen. In meinen eigenen Filmen, eine kleine Nebenrolle hier und da ja, aber in anderen, das war gar nicht mehr der Plan. Jedoch, weil es bis dahin ganz ok lief, habe ich weiter gemacht, mich hier und da auch etwas mehr beworben und immer, wenn ich wieder ganz aufhören wollte und die Nase voll hatte, um mich auf meine Projekte zu konzentrieren. Dann kommt dieser anstrengende Mann aus Hamburg (Timo Rose) um die Ecke und bietet mir eine coole Rolle nach der anderen an. Ich denke, falls ich irgendwen nerven sollte mit meinem Dasein oder Schauspiel, was auch immer, dann sollen die sich bitte an den lieben Onkel Rose wenden und sich bei ihm beschweren. Er ist auch schuld daran, dass ich noch nicht vollkommen in „Darsteller-Rente“ bin, hiermit erneut Danke auch dafür, Amigo. Haha. Oops, jetzt bin ich aber vom Thema abgekommen. Sorry, das passiert hin und wieder, wenn es um mein Lieblingsthema „Movie Magic“ geht. Nur noch so viel: „Blue Sparrow“ sollte immer mein 1. Indi/Low Feature werden. Aus jetziger Sicht mache ich ihn nicht vor 2018 und werde definitiv einen anderen Film vorher machen, der etwas kleiner angelegt sein wird. Da „Sparrow“ komplexer ist und ich denke ich werde dem Stoff gerechter, wenn ich ihn als 2. Film in Eigenregie angehe. Auf jeden Fall wird es gesamtheitlich etwas, dass es so noch nicht gab. Zumal der Stoff auch schon immer als „Trilogie“ angedacht war. Jedoch einen Schritt nach dem anderen. Zum anderen habe ich noch etwas Wichtiges gelernt in den letzten 2 Jahren: Es kommt eh immer anders, als man denkt und vieles ist auch immer vom lieben Geld abhängig. Schauen wir mal… 😉

5. Wie bereitest Du Dich auf Deine Rollen vor? Und wie klappt das mit dem Text? 😉

Mit den teilweise genannten Vorbildern, mit denen ich groß geworden bin, ist es klar, dass ich schon mittlerweile „Method“-ähnliche Wege gehe, bzw. für mich persönlich gehen muss. Ich habe damit bereits für meine letzten beiden Amateur-Kurzfilme 2006 und 2007 angefangen. Als es mich nicht mehr reizte, „nur“ noch eine Geschichte durch die Bilder oder das „klassisches Spiel“ zu erzählen. Ich fing an mit den körperlichen Veränderungen für meine Figuren, dann mit dem „mentalen Hineinleben“. Suchte halt zusätzliche Herausforderungen. Dann wurden 10 kg abgenommen, oder 10 kg zugenommen, Muskeln aufgebaut oder abgebaut. Ich will sagen, sobald ich ein Buch selbst geschrieben habe oder von anderen gelesen habe, sehe ich ein klares Bild von dieser Figur, wie sie aussieht. Und danach arbeite ich dann. Bedeutet: Dann wird trainiert, abgenommen, Muskeln aufgebaut oder abgebaut, schmal, breit, normal usw … Um dieses „Erscheinungsbild“ baue ich den Rest auf, wie er spricht, geht, welche Ticks er hat. Gibt es keine „Backstory“, webe ich mir eine zurecht usw …
Bei Uffuk (Reeperbahn) war alles klar und sehr gut beschrieben, er ist einfach nicht nett, gar nicht. Nur nicht, wie er aussieht. Also habe ich Timo immer genervt, er muss so aussehen, nicht „attraktiv“ und so, die Frisur usw. haha. Also habe ich gut 5 Wochen trainiert wie ein Irrer, mit ein paar kleinen Verletzungspausen dazwischen und 8 kg abgenommen. Ich habe ihn nicht als kleinen, breiten Schrank gesehen, wie eher in der Szene üblich. Es sollte immer klar sein, wenn man mir klassische Riesen an die Seite stellt, dass Uffuk trotzdem „streetsmart“ und gefährlich ist, unberechenbar. Eher der schmale, drahtige, trainierte Schläger und wenn es darauf ankommt, sehr gefährlich ist und nicht nur Knochen bricht. Jemand, bei dem man nie weiß, was er als nächstes tut. Ich habe in den 5 Wochen Training, nur einmal am Tag gegessen, für mich als Genussmensch die Hölle. Ich wusste, dass ich dadurch reizbarer werde und zusätzlich zum permanenten Muskelkater durch das Training hatte ich überall leichte Schmerzen. Somit beam ich schnelleren Zugang, um „wütend“ zu werden. Das habe ich auch bei der gesamten Drehzeit so beibehalten. Das war wiederum nicht leicht, weil ich auch ein paar andere Aufgaben übernehmen wollte und Timo mir diese auch gewährte, wie zum Beispiel Regie-Assistent oder Second Unit Leitung. Es gab schon Momente, wenn man für andere da sein sollte, wo ich mich zusammenreißen musste, sie nicht in Grund und Boden zu schreien, weil ich sehr oft mit dieser inneren Ungeduld, dem ewigen Muskelkater und dem Hunger kämpfen musste. Ich denke den Wenigsten ist es aufgefallen, hoffe ich zumindest. 😀 Im Grunde habe ich zu 95% nur gegessen, wenn ich abgedreht war, damit ich von gleich auf jetzt umschalten konnte. Da Uffuk ja im Grunde permanent auf 180 ist mit kleinen Abstufungen. Es gab noch ein paar andere Tricks und hin und wieder hat mich Timo auch gepuscht, wenn ich noch nicht voll drin war.
Ja, Text ist so eine Sache, als Schreiber ist es mit das A und O, aber es gibt immer mal Sätze, die nicht funktionieren wollen, auf Papier ja, aber hin und wieder gibt es zungenunfreundliche Lines, mittlerweile klappt das ganz gut!

6. Welche 5 Filme würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Ey, das geht gar nicht. Das darfst du einen Film Freak nicht fragen … man, haha. Ich versuche es nach Bedeutung zu ordnen und die Filme, die ich in den letzten 30 Jahren am meisten geschaut habe irgendwie da hineinzubekommen und für mich selbst zu rechtfertigen, man. Mir fallen sofort mindesten 22 ein, die auch hier rein gehören…

Rocky 1, The Dark Knight, Die Zeitmaschine (1960), Old Boy, Die Klapperschlange. SORRY, ich muss mehr erwähnen, es geht nicht anders. Die Verurteilten, Braveheart, Fight Club, Heat, Leon der Profi, Magnolia, Cape Fear, Warrior, Drive, The Matrix, The Wrestler, Unforgiven und noch weitere 138 andere, haha.

7. Welche 5 Bücher würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

„Hamlet“. Auch wenn es kein wirkliches Buch ist, aber durch Hamlet habe ich meine Liebe für die Art, wie Shakespeare schreibt, entdeckt und irgendwie habe ich immer einen Zugang zu der Zerrissenheit der Figur gehabt. Aber ohne diese „Mami Note“ halt, haha.

„Der alte Mann und das Meer“. Ich liebe die klar formulierte „Einfachheit“ und „Botschaft“ des Buches.

„Das mechanische Klavier“ von Gaddis hat mich schwer beeindruckt, als ich es „damals“ gelesen habe.

Dasselbe gilt für „Also sprach Zarathustra“, obwohl es ewig her ist, dass ich es gelesen habe. Und damals habe ich natürlich nicht alles verstanden. Denke, es wird Zeit, das Ganze wieder aufzufrischen. Jedoch bin ich ehrlich: Seit dem ich selber mehr schreibe, habe ich noch weniger Zeit zum lesen, als zuvor schon. Da das auch immer im Konflikt steht mit meiner Filmleidenschaft oder meiner kreativen Ader, verliert meistens „Das Buch“ gegenüber den genannten Punkten.

Zum Schluss kommt wieder etwas Untypisches: Obwohl ich es hier auch mit Jim Morrisons „The American Night“, Chaplins „Die Geschichte meines Lebens“ oder „Interview mit einem Vampir“ etc. beenden könnte, muss ich das Drehbuch zu „Rocky 1“ nehmen. Für mich ist das Drehbuch durch und durch Poesie. Die Figuren, die Story, die Monologe, gesamtheitlich einer der besten Drehbücher aller Zeiten. Da steckt so viel Liebe in den Figuren, selten wurde in meinen Augen dieser Grad an Perfektion erreicht.

8. Welche Rolle würde Dich als Schauspieler am meisten reizen?

Im Augenblick schreibe ich nebenher 2 Drehbücher, die sich zu den 3, die ich dieses Jahr bereits schon geschrieben habe, gesellen. Das eine ist ein klassischer „Actioner“, aber das andere Drehbuch ist sehr dunkel, düster und zeigt nach und nach die Abgründe der menschlichen Seele. Die Hauptfigur reizt mich unheimlich, weil sie weder das eine noch das andere ist. Die Figur entwickelt sich und führt den Zuschauer/Leser in die Irre. Abgesehen davon, entspricht die Rolle kein Stück dem, wie ich gerade aussehe. Ich bin regelrecht verliebt in die Geschichte und die Figur, was mir auch aufzeigt, das irgendwas mit mir nicht stimmt, haha. Jedenfalls, das ganze Projekt wächst mir unheimlich ans Herz. Wenn ich damit fertig bin, es beiseite lege und dann nach einiger Zeit wieder aus der Schublade hole, ist es durchaus möglich, dass ich dieses Buch zuerst verfilmen werde. 2017, möglich?

Abgesehen davon gibt es noch eine Figur, auf die ich mich mental schon langsam einstelle. Ein Stoff von einem anderen Filmemacher, den wir nächstes Jahr angehen wollen, falls alles klappt. Auch eine höchst interessante Figur …, schauen wir mal. So oder so, habe ich eine gewisse Vorstellung davon wie die nächsten 3/4 Jahre aussehen sollen, als Darsteller. Ich werde nur noch in diesem Zeitraum Rollen annehmen und dann, wenn alles aufgeht, egal ob ich auf meine geplanten 10 Haupt- oder Nebenrollen komme, aufhören. Angedacht ist, dass „Blue Sparrow“ auch meine vorletzte Rolle überhaupt sein wird, die ich spielen werde. Ich lasse mir nur noch eine Option offen, dass ich evtl., wenn ich irgendeiner Rolle oder einem sehr guten Buch nicht wiederstehen kann, nur noch einmal etwas annehmen könnte/ würde. Dann ist ganz Schluss als Darsteller. Als Fan will ich irgendwann zurückblicken und sagen: Egal welchen Film ich in größeren oder kleineren Parts angenommen habe – das Buch, das Projekt oder die Figur war cool. Egal, ob viel Geld dahinter steckt oder nicht. Ich habe zu dem Zeitpunkt mein bestes gegeben, unter welchen Voraussetzungen auch immer und kann dann stolz sein. Sprich, dass ich nicht jeden Käse angenommen habe, nur um dabei zu sein, mein Gesicht in die Kamera zu halten, das will ich nicht. Ich will für mich auch eine „Projekt-Treue“ schaffen. Auch nach 2, 5 oder 10 Jahren sagen: Ja, zu „Reeperbahn“ stehe ich. Auch wenn nicht immer alles 100 Pro verlief, wir hier und da mit Pannen und Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, war das Buch gut, die Cast und Crew waren Hammer und wir haben unser bestes gegeben. Der Beginn von „Team/Family Rose“. Es soll nicht meine 23. halbarschige Performance gewesen sein wegen der Kohle. Das bin ich nicht und das suche ich nicht. Ich will auch nicht jeden Scheiß mehr annehmen, um auf mich aufmerksam zu machen. Das soll auch keine Wertung für andere sein. Es gibt viele, die wollen auf der Bühne stehen und Theater spielen, das ist nicht meins, das könnte ich nicht und will ich auch nicht. Andere müssen annehmen, was geht, weil es ihr Beruf ist und sie die Miete zahlen müssen. Auch dafür mein Respekt, ich weiß wie schwer es für viele ist, gute Rollen zu bekommen.
Das ganze Schauspieler-Ding ist kein Zuckerschlecken. Viele, die nicht aus der Szene sind, sehen nur den möglichen „Ruhm“ dahinter. Für die ganzen Schauspieler da draußen, die nicht Brad Pitt oder Til Schweiger sind, ist das ein großes Stück Arbeit, Tag für Tag. Und ein jeder, der sich auch nur ein kleines Standing aufgebaut und erarbeitet hat, weiß, dass es mit sehr viel Hingabe und Entbehrungen einherging. Ein Tick schlimmer ist es sogar für Schauspielerinnen. Da wir in einer sehr oberflächlichen Welt leben, ist das „Verfallsdatum“ für Frauen fast schon eingegrenzt in knappe 10 – 15 Jahre, danach wird man schon fast als zu alt eingestuft, weil man die „Hübsche“ nicht mehr geben kann. Deswegen, ein jeder der sich diesen Beruf ausgesucht hat, verdient meinen Respekt. Trotzdem, ich mache das Ganze, weil ich Bock darauf habe und wenn ich das nicht sehe für ein Projekt oder eine Figur, dann gehe ich lieber in einem 0815 Job weiterarbeiten, um meine Miete zu zahlen. Ich will keine 137 Einträge in meiner Vita. Wenn ich am Ende mit 5,7 oder 10 guten Rollen aufhöre, dann weiß ich, die waren es wert, dass ich mir den Hintern aufgerissen habe. Das meine Figuren nie gleich aussahen, gesprochen, gewirkt haben. Dann wird dieses Kapitel geschlossen und ich gehe weiter zur nächsten „Bestimmung“. Das ist mein Vorhaben, mein Weg.

9. Welchen Schauspieler, Musiker oder wen auch immer würdest Du gerne einmal persönlich treffen?

Mit die interessantes Menschen sind leider nicht mehr unter uns. Ob John Lennon, Chaplin, Bruce Lee, Beethoven, Hemingway, Brando, Robin Williams. Als Nerd/Fan/Mensch gibt es locker 100 Kreative, die man mag und in seinem kleinen Tempel verehrt. Ich denke, um nicht zu langweilen, sind, abgesehen von Stallone in einem 4 Augen Gespräch, Robert De Niro, Angelina Jolie, Michael Caine, Jane Goodall, Bruce Springsteen, Tarantino, Eastwood, Spielberg und John Carpenter weit oben, was den Unterhaltungsbereich oder Persönlichkeiten angeht.

10. Du hast gesagt, dass Du Deine eigentliche Bestimmung im Bücher schreiben siehst. Wie sehen da Deine Pläne aus, welche Genre bedienst Du?

Wie erwähnt: Erst noch die paar Jahre, bis ich an den „Blue Sparrow“ Verfilmungs-Punkt komme, falls alles aufgehen sollte in den kommenden Jahren. Danach werde ich sehr wahrscheinlich mein Smartphone an die Wand schmeißen, mich 1 Jahr fettfressen, die Welt erneut ein Stück bereisen und danach nur noch schreiben. Für mich, für andere, je nachdem, was das Leben dann so zu bieten hat. Die Fortsetzung zum „Blue Sparrow“ Roman lauert da ganz ganz hinten in ferner Zukunft, ein Gedichtband auch. Abgesehen davon habe ich immer 38 Ideen in der Schublade, genretechnisch gibt es irgendwie wirklich alles. Ich denke, ich suche auch immer das, was ich vorher nicht konnte. Das zeichnet sich in meinem „normalem Lebenslauf“ ab und in meiner Vita. Wenn man bedenkt, dass ich viel zu oft in meinem engeren Umfeld gehört habe „Das geht nicht“, „Dafür bist du zu alt“, „Das wird nichts“ habe ich schon etwas bewegt und will noch einiges weiter bewegen in Bereichen, in denen ich eigentlich auf dem Papier laut Werdegang nichts zu suchen hatte. Zum Glück bin ich trotzig und es gab auch immer 1 – 2 Stimmen, die gesagt haben „das geht, du kannst das“. Mal schauen, vielleicht werde ich auch noch Fischer. Denn das schlummert tief in mir, wenn alle erwähnten Punkte abgearbeitet sind und mir die Zeit dafür weiterhin gewährt wird. Ich würde sicherlich nicht einen Fisch fangen, aber täglich hinausfahren und mich innerlich vor der Schönheit der Natur verneigen. Verdammt ich will jetzt sofort ein Boot, haha. 😀

Ich bedanke mich bei Dir für das angenehme Gespräch und wünsche Dir film- und buchtechnisch alles Gute für die Zukunft.

Dito Wolfgang. Danke, hat mir echt Spaß gemacht. Sorry, dass es etwas länger gedauert hat, aber bei mir hast du das Pech, einen Film-Freak, Schreiber und Darsteller in einem zu haben, da ist das „Ausschmücken“ vorprogrammiert, haha. Ich wünsche Dir ebenfalls alles Gute, auch für Deine Bücher. Cheers.

©2015 Marc Engel / Wolfgang Brunner

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