Interview mit dem Schauspieler Langston Uibel


© Dominik H. Müller

 

Langston Uibel wurde 1998 in London geboren. Er wuchs zweisprachig (Deutsch und Englisch) auf. Seit 2006 lebt Uibel in Berlin und führte dort seine Schulbildung auf einem deutsch-englischen Gymnasium in Berlin fort.

Nach einer kleineren Nebenrolle in “Speed Racer“ der Wachowski Brothers spielte Langston Uibel seine erste Hauptrolle im Kurzfilm “The String Puppet“ des Regisseurs Alexander Frank, der 2008 auch bei den “Berlinale Talents“ vorgeführt wurde.
Neben seiner Schauspielerei ist Uibel auch in Theaterproduktionen wie zum Beispiel „Der Ring: Next Generation“ oder aktuell in „Herr der Fliegen: Survival Mode“ im Deutschen Theater Berlin zu sehen. 2008 konnte er nochmals eine Nebenrolle bei „Hanni & Nanni 3“ in seiner Vita verzeichnen, bevor er 2015 durch den Kinofilm “Freistatt“ bekannt wurde. Dort übernahm er die Rolle des Anton, der sich als afrodeutscher Schüler gegen die Schikanen seiner Mitschüler wehren muss. Ab 14. September kann man Langston Uibel neben Emilia Schüle, Jannis Niewöhner, Katja Riemann und Iris Berben in der Komödie „High Society – Gegensätze ziehen sich an“ im Kino bewundern.
Film-Besprechungen freut sich sehr, dem jungen, talentierten Schauspieler ein paar Fragen zu stellen.

1. Welcher Schauspieler war schuld daran, dass Du selbst einer werden wolltest?

Oh Gott, die erste Frage und ich muss passen! 🙂
Ich habe leider gar keine Schauspielvorbilder, bewundere aber so viele. Eins meiner Vorbilder ist aber auf jeden Fall Rosa Parks. Wir haben sogar am gleichen Tag Geburtstag!

 

2. Stell Dir vor, Du dürftest Dir die Hauptrolle in einem Remake Deiner Wahl aussuchen. Welche Rolle wäre das und warum?

Mr. Wonka aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Ich stelle mir die Dreharbeiten sehr lustig vor und ich glaube, man könnte mit einem erneuten Remake sehr viele Menschen glücklich machen!

 

3. Du spielst Haupt- und Nebenrollen, bist in Kino- und in Fernsehproduktionen, aber auch am Theater zu sehen. Wo fühlst Du Dich mehr daheim: Kino, Fernsehen oder Theater?

Ich komme vom Film und werde dort auch bleiben. Aber mich zieht es schon immer wieder mal auf die Bühne. Es ist einfach eine ganz andere Erfahrung, vor Publikum auf einer Theaterbühne zu stehen. Jedoch ist die Vorbereitung viel anstrengender und auch länger als bei einem Film. Deswegen: lieber weniger Theater, aber dafür gutes Theater. Ich werde im Oktober zum Beispiel wieder in Berlin spielen!

 

4. Auf welche eigene Leistung bist Du besonders stolz?

Mit „FREISTATT“ kam 2015 Film mit mir in die Kinos, auf den ich sehr stolz bin. Das hat aber nicht unbedingt mit meiner Leistung zu tun, sondern eher damit, dass wir uns mit der Geschichte von deutschen Kinderheimen auseinandergesetzt haben und damit ein wenig zur Aufklärung beitragen konnten. Das macht mich wirklich stolz.

 

5. Welchen Schauspieler, Musiker oder wen auch immer würdest Du gerne einmal persönlich treffen?

Mit Michelle und Barack Obama würde ich schon gerne mal Essen gehen. 😉

 

6. Was wäre Deine absolute Traumrolle?

Sie wird noch kommen und dann werden wir es alles wissen!

 

7. Gibt es Rollen, die Du auf keinen Fall annehmen würdest?

Prinzipiell nicht. Ich gucke mir alles genau an und versuche, nicht voreingenommen zu sein. Aber natürlich bekommt man auch Angebote, die man aus qualitativen oder politischen Gründen nicht annehmen möchte.

 

8. Welche 5 Bücher würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Den Koran, die Torah, die Bibel, „Unterm Rad“ von Hermann Hesse und „Matilda“ von Roald Dahl.

 

9. Magst Du uns etwas über Deinen neuen Film „High Society“ erzählen? Worum geht es und wie empfandest Du die Dreharbeiten?

Es geht darum, dass zwei junge Frauen bei der Geburt vertauscht worden sind. Die beiden sind jeweils in ganz verschiedenen Milieus aufgewachsen: Eine ist sehr reich und die andere sehr bescheiden. Wir spielen mit diesen beiden Klischees aufs heftigste und ich finde, am Ende ist eine sehenswerte Komödie dabei herausgekommen.

 

10. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

Familie, Freunde , Bildung, Gutes Essen und Vergnügen

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche Dir alles Gute für Deine berufliche und auch private Zukunft.

© 2017 Langston Uibel / Wolfgang Brunner

 

 

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Interview mit der Schauspielerin und Produzentin Caprice Crawford


©deebeephunky

Caprice Crawford ist eine amerikanische Produzentin und Schauspielerin, die derzeit in Berlin lebt. Bereits seit ihrem 16. Lebensjahr ist sie vor der Kamera tätig und hat im Laufe der Jahre in Fernseh- und Kinofilmen neben Jamie Foxx, Don Johnson, Orlando Bloom und Burt Reynolds gespielt.
Noch während sie als Schauspielerin arbeitete, interessierte sich Crawford immer mehr für die Dinge, die hinter der Kamera vor sich gingen. Sie begann als Fotografin zu arbeiten und fotografierte auch viele Promi-Schauspieler/innen. Danach wurde sie als Filmproduzentin und Talentsucherin für neue Gesichter tätig. Caprice Crawford betreibt seit 2016 die „Crawford Talents International Actors Management Agency“.
Film-Besprechungen freut sich sehr, Caprice Crawford einige Fragen stellen zu dürfen.

1. Von der Schauspielerin zur Filmproduzentin und Talentsucherin. Wie kam es zu diesem Schritt, der vor der Kamera begann und schließlich hinter der Kamera endete?

 Schauspielen war eine Leidenschaft, aber beim Drehen faszinierte mich die Welt hinter den Kulissen. Wie überhaupt ein Film zustande kommt. Welch komplexer Vorbereitungen es bedarf. Der kommunikative Prozess der Zusammenarbeit liegt mir sehr. Schon in Los Angeles fing ich neben meinen Filmrollen an zu produzieren, wodurch ich zahlreichen anderen Künstlern eine Plattform gab und sie mit richtigen Leuten in Verbindung brachte.

2. Du warst als Schauspielerin in sehr unterschiedlichen Rollen zu sehen. War es schwierig, sich in diese Charaktere einzufinden? Was war Deine Lieblingsrolle?

Es war immer eine spannende Herausforderung, sich in verschiedene Figuren zu versetzen. Dieser Aspekt meiner Arbeit hat mir immer großen Spaß gemacht. Aber der direkte zwischenmenschliche Kontakt, der unmittelbare Austausch, hat mir auf Dauer mehr gegeben. Daher ist meine Lieblingsrolle die Vernetzung und Kommunikation mit Menschen und versteckte Potentiale zu finden. Als Agentin habe ich die Möglichkeit Talente zu entdecken, zu fördern und beruflich zu begleiten.


3. Strebst Du als Ziel an, nur noch als Produzentin und Talentsucherin zu agieren, oder willst Du mit der Schauspielerei dennoch weiter machen?

Mein Fokus liegt in der Vermittlung meiner Schauspieler und für sie die richtigen Rollen zu finden.

4. An welchen Projekten arbeitest Du im Moment?

Täglich suche ich für meine Schauspieler das jeweils perfekte Projekt und momentan besetze ich einen Langspielfilm für die Regisseurin Sheri Hagen.

5. Wenn Du eine berühmte Persönlichkeit treffen könntest (bereits verstorben oder noch am Leben), wen würdest Du wählen und warum?

Ich lebe für die Zukunft und nicht in der Vergangenheit. Daher freue ich mich auf die noch unbekannten Talente, denen ich morgen und übermorgen begegnen werde.

6. Bleibt Dir bei Deiner vielfältigen, zeitintensiven Arbeit überhaupt noch Zeit für Hobbys? Was machst Du in Deiner Freizeit?

Früher war ich neben meiner Karriere als Schauspielerin das erste erfolgreiche schwarze Fitness-Model, das für amerikanische Magazin-Covers fotografiert wurde. Sportlich aktiv bin ich immer noch, aber genau so gerne genieße ich das Leben.

7. Fünf Bücher für eine einsame Insel wären für Dich welche?

Die nächsten fünf Drehbücher, die meinen Schauspielern angeboten werden.


8. Fünf Filme für eine einsame Insel wären für Dich welche?

The Way We Were – Falls ich Heimweh habe und weinen muss, aber es nicht kann, würde ich den genau zu dem Punkt vom film vorspulen und Rotz und Wasser heulen.

Finding Neverland – Es bringt mich sehr nah an „our inner child“ – wir dürfen einfach nie aufhören zu träumen.

The Notebook – So eine schöne Liebesgeschichte; ob jung oder alt Liebe hat kein Verfallsdatum Liebe ist grenzenlos.

Blow – Wegen dem klasse Soundtrack so sexy „arranged“ vom Amanda Demme

The Door 


9. Du castest gerade für den neuen Film von Sheri Hagen, mit der Film-Besprechungen ebenfalls schon ein Interview führen durfte. Wie darf man sich so ein Casting vorstellen? Kannst Du uns einen kleinen Einblick in diese Tätigkeit geben?

So ein Casting gehört zum kreativen Denken. Man lernt auf unterschiedlicher Art viele verschiedene Facetten von Menschen kennen und kann schon sehr persönlich werden. Speziell wenn es um „life casting“ geht und die wundervollen Schauspieler/innen ihr Herz und Blut geben für diese eine Rolle. Es ist das schon fast wie eine Neugeburt.

10. Was fällt Dir spontan ein bei

– David Lynch

Seine auffällige Frisur und die speziellen Filme und Serien wie Mulholland Drive , Twin Peaks. Vor allem aber die wunderbare Casting-Szene mit Naomi Watts in Mulholland Drive

– John Carpenter

Was sind das für Horrorfragen 🙂

– American Horror Story

Sollt ich mir unbedingt anschauen.

– Akte X

David Duchovny – sonst hat mich diese Show nie so richtig interessiert

– Dein erster Kinofilm 🙂

Poltergeist von Steven Spielberg. Ich hatte eine Angst, ich war grade 11 Jahre

11. Was sind für Dich die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

Gesundheit , Liebe , Lust am Leben und streben nach seinem eigenen Glück, um es währenddessen mit anderen zu teilen.

Ich bedanke mich für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche Dir viel Erfolg in allen beruflichen und privaten Belangen.

© 2017 Caprice Crawford / Wolfgang Brunner

Interview mit dem Schauspieler Eugene U-Gin Boateng


© Sven Soares (TAPS-Photography)

Eugene „U-gin“ Boateng wurde 1985 in Düsseldorf geboren. Mit 19 Jahren begann er zu tanzen und spielte zwei Jahre lang Theater im Jungen Schauspielhaus in Düsseldorf. Im Jahr 2006 wurde er zum Dancestar (Hip Hop/Newstyle und Krump) und wohnt und arbeitet seitdem in Berlin.
Er spielte Rollen in der TV-Komödie „Dörte’s Dancing“, im TV Film „Liebe macht sexy“, dem ZDF Fernsehfilm „Einmal leben bitte“ und in Leander Haußmanns Komödie “Robert Zimmernann wundert sich über die Liebe“. Außerdem spielt Boateng in diversen Werbespots mit. Im Film “Becks letzter Sommer“ ist er zum ersten Mal auch in einer Hauptrolle als Kinoschauspieler unterwegs. Durch diesen Erfolg bekam er gleich die nächste Hauptrolle, und zwar in dem Kinofilm „Plan B – Scheiss auf Plan A “ unter der Regie von Ufuk Genc und Michael Popescu.
Film-Besprechungen freut sich, dass der gebürtige Düsseldorfer Zeit für ein paar Fragen gefunden hat.

1. Wo liegen Deiner Meinung nach Deine Stärken? Und wo Deine Schwächen?

Meine Schwächen liegen definitiv in meiner Ungeduld.
Ich will alles sofort. Mein Bruder sagte mir mal, als ich klein war. „Wenn du was willst, dann geh und hol es dir.“ Das hab ich mir so sehr eingeprägt, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, um zu warten, bis etwas zu mir kommt. 😉
Über meine Stärken zu schreiben ist merkwürdig. Da könnten andere besser über mich erzählen, glaube ich.
Meine Stärken liegen wahrscheinlich darin, dass ich mir das hole, was ich will. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann tu ich alles dafür, dass ich es bekomme, erlerne oder dass ich da hin komme, wo ich will.

2. Welche Rolle würde Dich als Schauspieler am meisten reizen?

Puh. Ich würde gerne einen Boxer spielen. Vielleicht Lennox Lewis :). Ich würde gerne meinen Vater in seiner Biographie verkörpern. Er hat, meiner Meinung nach, ein sehr krasses Leben geführt. Von Ghana nach Deutschland. Das Leben eines Soldaten, das eines Gejagten. Dann das Klarkommen in der neuen Welt. Mit 8 Kindern. Er kannte die Sprache nicht. Musste sich mit so vielen Dingen auseinandersetzen und zur selben Zeit heftige Entscheidungen treffen, damit nicht alles aus dem Ruder lief.
Ich will Samson, den stärksten Menschen, den es jemals gegeben hat, verkörpern. Ich will Geschichten erzählen und Figuren verkörpern, die die Menschen entertainen und inspieren.

3. In „Becks letzter Sommer“ spielst Du eine der Hauptrollen. In einer besonderen Szene spielst Du einen LSD-Trip nach, in dem Du im Sekundentakt von euphorisch auf total depressiv umschwenkst. Wie hast Du Dich auf diese emotionale Achterbahnfahrt vorbereitet?

Oh wow. Das war ein Trip. Hm, wie habe ich mich vorbereitet? Mit mir wurde beim Coaching eine Familienaufstellung gemacht. In der Rolle von Charlie natürlich. In dieser Familienaufstellung ging es mir (in der Rolle von Charlie) so schlecht, dass ich nach einem Ausweg gesucht habe. Da es in Charlies Leben schon Drogen gab, war das die Möglichkeit, um aus diesem schlechten Gefühl zu fliehen. Mit den Drogen ging es mir (Charlie) besser. Jetzt hatte ich die Erfahrung gemacht, wie man zu diesen Mitteln greift.
Von manisch zu depressiv. Hin und Her. Ich habe mir natürlich sehr viele Videos angeguckt und sehr viel über diese Droge (MDMA) gegoogelt.
Leider findet man auch ein paar lustige Videos 🙂
Die Droge macht einen glücklich und leicht. Man kann kurz die Probleme vergessen und auf einer heilen Welle surfen und alle lieben.
Doch Charlie sucht nach seinem Platz in der Gesellschaft und findet keinen. Er kann nicht mehr studieren und ist alleine und hat versagt. Sein kleiner Bruder ist der Star.
Somit hat er trotz dieser Droge immer wieder Gedankensprünge. Das heisst: Er freut sich kurz über die Erkenntnisse, die er im Moment macht, doch dann erinnert er sich an seine Situation. Das geht hin und her und somit konnte ich mit seiner Situation arbeiten und mich vorbereiten, damit ich in der Szene das spielen konnte.

4. Welchen Schauspieler, Musiker oder wen auch immer würdest Du gerne einmal persönlich treffen?

Will Smith, Denzel Washington, Usher, Nate Parker, Darnell Martin

5. Kannst und darfst Du uns schon von Deinen nächsten Projekten erzählen?

Der nächste Film der jetzt in die Kinos kommt ist

Plan B – Scheiss auf Plan A:
Dieser Film ist schon ein Traum. Es ist eine Independent-Geschichte, also ein Projekt unter Freunden. Nachdem der Film gedreht wurde, stand die ganze Zeit die Frage im Raum: Wer wird unser Verleih sein? Nach langer Suche hat 20th Century Fox den Film gesehen und sich in den Film verliebt und bringt ihn jetzt am 08.Juni 17 in die Kinos. Unglaublich! 
Dieser Film ist sehr besonders und wichtig für die Jungs und auch für mich, da die Hauptcharaktere eine bunte Mischung sind.
Wir haben einen Tscherkessen, der Türkisch spricht.. Einen Koreaner. Einen Vietnamesen und Chinesen. Und einen Ghanaen. Zur selben Zeit sind wir alle deutsch und sprechen deutsch ohne Akzent :).
Mit dem Film hoffen wir, in Deutschland und in der Deutschen Filmszene eine Veränderung zu schaffen, da wir das Bild, welches man auf den deutschen Strassen in Deutschland sieht, auf die Leinwand bringen. Wir hoffen auf eine Filmische Revolution … 🙂
Ich bin dankbar, weil es weitere Projekte gibt, die in Planung sind. Doch darüber werde ich noch nicht viel erzählen. Erst wenn es spruchreif ist … 🙂

6. Welche 5 Filme würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Matrix, Antoine Fisher, Inception. Bad Boys, und dann kam Polly.
Ich glaube die Filme sprechen alle für sich 🙂

Matrix – für Action und zum Nachdenken.

Antoine Fisher – wegen der Geschichte, die mich sehr berührt.

Inception – wegen der Idee und der Spannung.

Bad Boys – weil ich einfach Will Smith feiere.

Und dann kam Polly – weil es eine geile Komödie ist.

7. Und welche 5 Bücher würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Der Medicus – weil es mein Lieblingsbuch ist.

Sokrates, der friedvolle Krieger – weil es mich so beeindruckt hat.

Der Weg, wenn Gott dir eine zweite Chance gibt – weil es mich so sehr inspiriert hat.

Die Bibel – weil ich daraus sehr viel ziehe.

Die Gesetze von Erfolg und Resonanz – weil es mich motiviert und diszipliniert

8. Welcher Schauspieler war schuld daran, dass Du selbst einer werden wolltest?

Bastian Sierich.
Ich war damals 19 und in einem Kinder und Jugend Theater Projekt. Ich war dort als Tänzer und wir probten für ein Stück. Es hieß: „Die dunkle Seite der Sonne“. Am Tag der Premiere beobachtete ich Bastian, wie er sich vorbereitete, und während der Vorstellung, wie er spielte. In den Proben hatte ich es gar nicht so mitbekommen, doch als ich ihn auf der Bühne sah, wie er spielte, während ich mit ihm auf der Bühne war,  fühlte ich mich so geehrt, mit so einem Menschen und Schauspieler auf der Bühne zu sein und beschloss daher, seinem Weg zu folgen und auch Schauspieler zu werden. Heute sind wir immer noch Freunde und ich bin froh so eine Inspiration in meinem Leben zu haben.

9. Du hast noch eine andere große Leidenschaft außer der Schauspielerei: Tanzen. Gibt es hier auch Pläne für die Zukunft?

Ja ich bin durch und durch Tänzer. Es ist mein Zuhause und dort kann ich immer hin und mich austoben. Mittlerweile ist es nicht mehr mein Hauptberuf, doch es bleibt mein Zuhause 🙂
Pläne für die Zukunft? Ja. Ich plane, es mit der Schauspielerei zu verbinden.
Schauspielerei, Tanz und vielleicht noch eine weitere Kunstform auf die Bühne zu bringen ist schon ein Traum, welchen ich seit langem verfolge.
Also bleibt gespannt 🙂

10. Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Da oben 🙂

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

Glaube
Familie
Meine Leute
Vision
Gerechtigkeit

Ich bedanke mich recht herzlich für Deine interessanten Antworten und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

Ich bedanke mich bei dir, bei euch, dass meine Geschichte erzählt wird.
Bis bald hoffe ich :-).

© 2016 Wolfgang Brunner / Eugene Boateng

Interview mit der Schauspielerin Jeniffer Mulinde-Schmid


© Lena Stahl (www.framtidsbild.de)

Jeniffer Mulinde-Schmid wurde in Mombasa, Kenia, geboren und wuchs in der Schweiz auf. Nach einer Tanzausbildung absolvierte sie eine Schauspielausbildung. Neben ihrer Schauspielerei („Tag und Nacht“, „Die Standesbeamtin“ und Stand Up Comedian bei „Night Wash“, betätigt sich Mulinde-Schmid auch als Wirtin eines Berliner Restaurants.

Sie spielt zur Zeit außerdem am Theater Strahl in Nathan der Weise und hat in der in der schweizerisch-nigerianischen Filmproduktion „Amara“im Jahr 2016 neben der Co.Produktion auch die Hauptrolle übernommen.
Film-Besprechungen freut sich sehr, der vielseitigen Künstlerin ein paar Fragen stellen zu dürfen.

1. War die Schauspielerei schon immer Dein Traumberuf oder schwebte Dir auch einmal etwas anderes vor? Wie kam es letztendlich dazu, dass Du vor der Kamera stehst?

Nein, als Kind wollte ich eigentlich immer Ärztin werden. Bin jedoch bereits mit 7 Jahren vor der Kamera gestanden, denn ich habe eine Kindersendung: KIDZ moderiert.Es war für mich immer sehr natürlich vor der Kamera zu stehen und nichts aussergewöhnliches. Mit 17 Jahren wurde ich dann durch meine Modell-Agentur zu einem Film Casting eingeladen, wo ich dann auch genommen wurde. Mein erster Spielfilm: Dragan und Madlaina. Da wurde mir erst klar, dass ich Schauspielerin werden will.

2. Wie gehst Du mit negativer Kritik um?

Sagen wir es so, immer besser 🙂 Ich musste mit der Zeit lernen, dass ich negative Kritik nicht zu persönlich nehme. Mittlerweile klappt es ganz gut.

3. Welche Rolle wäre die größte Herausforderung für Dich?

Ganz klar, der in Lagos gedrehte Nollywood Film: Amara, denn wir hatten meistens nur einen Take und es musste sitzen. Wir waren unter extremen Zeitdruck und ich musste dazu noch in Englisch sprechen.

4. Was war die für Dich schlimmste Begebenheit bei Dreharbeiten?

Früher habe ich jeden Schrott mitgemacht, und habe für einen Studentenfilm mich nackt ausgezogen und mich gelb anmalen lassen, bin im Wald rumgerannt und habe mit einem Ball rumgeworfen, alles ohne TEXT…völlig bescheuert und ohne Sinn und ohne Geld….hahaaaa…. Würde ich jetzt nicht mehr machen 🙂
5. Hast Du Dein berufliches Ziel bereits erreicht oder gibt es noch Dinge, die Du anstrebst?

Ich habe viele Ideen und möchte meinen ersten Spielfilm selber schreiben, produzieren und drin mitspielen. Das Projekt ist schon in Arbeit.

6. Was macht Jennifer Mulinde-Schmid in ihrer Freizeit?

Ich gestehe, dass ich nicht viel Freizeit habe…aber wenn es soweit ist, dann gehe oft mit meinem Hund Tadeus in den Rehbergen spazieren. Treffe mich mit Freunden zum quatschen oder genieße zu Hause die Ruhe.

7. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Zuschauern / Fans?

Eigentlich hatte ich nur einmal diesen Kontakt mit richtigen Fans: In Nigeria, denn dort sind die Fans etwas anders und aufdringlicher wie in Europa. Es war für mich zuerst sehr befremdlich, ich hatte am Anfang fast Angst von den Fans. Wusste nicht, was sie von mir wollten… Aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und nehme mir auch sehr viel Zeit für sie, mach alles mit, auch die Selfies 🙂 und bin einfach nur Dankbar und fühle mich geehrt.
8. Welche Filme haben Dich am meisten beeindruckt und/oder auch beeinflusst?

Es klingt vielleicht etwas schräg, aber mich hat die Komödie „Sister Act“ mit Woopy Goldberg am meisten beeinflusst und ich schaue den Film noch heute gern. Mich inspirieren und berühren vor allem Filme, über die ich von Herzen lachen und weinen kann. Außerdem mag ich auch Filme, die mit Musik zu tun haben. 

9. Welche Persönlichkeit (noch lebend oder auch bereits verstorben) würdest Du gerne einen Tag lang treffen?

Ich war in meinem Leben nur von einem Menschen so richtig Fan: Michael Jackson…sonst fällt mir niemand ein. Michael hätte ich liebend gerne getroffen.
10. Gibt es etwas in Deiner Schauspielerkarriere, was Du heute anders machen würdest?

non…je ne regrette rien (ich bereue nichts)

11. Was sind die fünft wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

1. Dass ich glücklich bin 2. Gesundheit 3. Familie 4. Freunde 5. Erfüllung im Beruf

Ich bedanke mich ganz herzlich für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche Dir alles erdenklich Gute für Deine berufliche (und natürlich auch private) Zukunft.

© 2017 Wolfgang Brunner / Jennifer Mulinde-Schmid

 

 

Interview mit dem Schauspieler Errol Trotman

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© Oliver Betke, Berlin.
betke-bilder.de

Errol Trotman wurde 1955 in New Amsterdam, Guyana, Südamerika geboren. Nach einer kreativ Kindheit – er malte, zeichnete und spielte Schlagzeug – verschlug es Trotman zum Theater. 1998 stand er dann das erste Mal an der Seite von Dennis Hopper in „Straight Shooter“ vor der Kamera. Fernseh- und weitere Kinofilme folgten, unter anderem auch eine Rolle in Roman Polanskis „The Ghostwriter“.
Trotman nahm Schauspielunterricht bei Geraldine Baron, Walter Lott und John Costopoulos, die alle ihre Ausbildung an Lee Strasbergs „Actors Studio“ in New York absolviert hatten.
Mit der Serie „Deutschland 83“ hat er als einer der Hauptdarsteller gerade den „International Emmy Award“ gewonnen. Die Serie wurde als bestes Drama gekürt. Errol Trotman wohnt heute die meiste Zeit in Berlin. Neben seiner Arbeit als Schauspieler ist er auch als Schauspieldozent und Sprecher tätig.

Film-Besprechungen freut sich sehr, dass der außergewöhnliche und sympathische Schauspieler ein paar Fragen beantwortet hat.

1: Du hast gerade den „Emmy“ gewonnen. Hierzu gratulieren wir Dir erst einmal ganz herzlich. Wie sehen Deine Pläne für 2017 aus? Darfst Du uns schon verraten, in welchen Filmen wir Dich zu sehen bekommen?

Dankeschön erstmal für die Gratulation zum International EMMY Award. Ich habe ihn nicht direkt gewonnen, aber als Teil des Hauptensembles. Ich habe mich sehr gefreut in einer Erfolgsstory meinen kleinen Beitrag als Schauspieler geleistet zu haben. 2017 sieht gut aus.  Als erstes spiele ich in einer Tivoli Filmproduktion Arthur & Claire von Erfolgsregisseur Miguel Alexandre neben Josef Harder und Hanna Hoekstra. Es ist eine originelle Geschichte über Leben und Tod und das Schöne, was Menschen miteinander teilen. Danach beginnt die Probezeit für das spannende Theaterstück „Just Call Me God“ von Theaterregisseur Michael Sturminger. John Malkovich und Sophie v. Kessel spielen die Hauptrollen. Ich bin sehr gespannt auf dieses Projekt. Wir werden in der Elbphilharmonie Premiere feiern und danach eine europaweite.Tournee machen, beginnend in Wien. Ich freue mich besonders, weil es lange her ist, dass ich das letzte Mal getourt habe. 

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© Errol Trotman

2: Auf welche Deiner Leistungen bist Du besonders stolz?

Momentan bin ich zufrieden mit meiner Leistung als General Jackson in Deutschland 83. Das hat sehr viel Spass gemacht, vor allem die Recherche für meine Rolle als amerikanischer General in den 80ern, all die Erinnerungen an diese Zeit. Ich hatte das Glück, dass einige Produzenten und Caster meine Möglichkeiten erkannt haben und mich entgegen des vorgesehenen Typ besetzt haben; wie in Deutschland 83.  

3: Hand aufs Herz: Würdest Du den Beruf des Schauspielers noch einmal ergreifen oder Dich für etwas anderes entscheiden? Welcher Beruf wäre eine Alternative zur Schauspielerei für Dich? 

Ohh, das ist schwer- ich liebe diesen Beruf. Aber vielleicht wäre reisender Musikkomponist eine Alternative. Musik und auf Reisen gehen sind nämlich weitere Leidenschaften von mir. 

4: Könntest Du Dir vorstellen, auch einmal auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen? Was würden die Zuschauer von Dir zu sehen bekommen? 

Die Arbeit eines Regisseurs ist verdammt hart, intensiv und erfordert sehr viel Disziplin. Diszipliniert bin ich ja schon, Durchhaltevermögen habe ich auch, den Umgang mit Künstlern könnte ich also ganz gut machen; also ja, vielleicht. Wenn ich es aber tun würde, dann wohl eher mit einem Drama. Etwas über die Würde oder das David gegen Goliath Syndrom. Menschen an sich faszinieren mich. 

5: Horror, Science Fiction, Thriller, Drama oder Liebesgeschichte? Welches Genre bevorzugt Errol Trotman privat?

Thriller auf jeden Fall. Ob es SciFi oder Drama Thriller, Liebesromane mit Thrillereinflüssen, all das hat seinen Reiz. Auch Horrorthriller …. Ich liebe Ridley Scotts Alien.Filme, War of the Worlds, Exorzist, Hunt for Red October …  

6: Welche Entwicklung in der Filmbranche würdest Du Dir für schwarze Deutsche wünschen? 

Genau das Gleiche wie für meine weißen deutschen Kollegin/en. Dass Casting Directors, Redaktionen, Produzenten und Regisseure, sich einfach trauen, uns mehr zu besetzten. Ich weiss, dass Autoren auch Rollen für schwarze Schauspieler schreiben, aber dass eben die, die auf der anderen Ende des Tisches sitzen, sich oft nicht trauen, uns zu besetzen. Offensichtlich kann sich die Branche einfach nicht vorstellen, dass, wenn eine Rolle „Heinrich“ heißt, man einen Schwarzen vorschlägt. Komischerweise gibt es  kein Problem schwarze Schauspieler zu besetzen für Rollen als  „Türsteher“ oder „Valet“-komisch, nicht wahr? Für einen Charakter muß dann erst eine Hintergrundstory hinzu erfunden werden.   Es wird viel zu viel Zeit mit der Herkunft eines Menschen verschwendet.   

7:  Jeder Mensch hat Träume. Welche sind Deine in beruflicher und privater Hinsicht?

Beruflich, dass ich die Welt erkunden kann durch abenteuerliche Dreharbeiten und dass ich neue Freundschaften knüpfen kann in verschiedenen wundervollen Ländern. Das habe ich schon auf Barbados, Tel Aviv, Mauritius und anderen Orten erlebt.  Mit der heutigen Technologie kann man Freundschaften auch auf Distanz pflegen. 

8: Du übernimmst neben Filmrollen auch Theaterengagements. Was verschafft Dir mehr „Glücksgefühle“?

Ich habe “Glücksgefühle” bei beiden. Film ist ewig, die Bühne ist vergänglich. Schön wäre es natürlich, wenn es mehr professionelle Aufzeichnungen von Theateraufführungen gäbe. Das wäre schon für mich und meine Kollegen von Vorteil. ‘Get with the Times’, sage ich immer.

09: Erzähle uns doch mal das lustigste Erlebnis, das Du je bei einem Filmdreh erlebt hast.

Beim Bully Herbigs’ Dreh, ‘Traumschiff Surprise: Periode 1’. Während des Drehs trug Bully teilweise künstliche Narben und Make-up Röhrchen auf seinem Gesicht, die die ganze Zeit abplatzten. Natürlich immer dann, wenn wir einen Dialog hatten. Es war sehr lustig, wir mußten ständig lachen, er natürlich auch. Ich glaube das war ein sehr schlauer Clou von ihm; er wollte die Stimmung aufheitern, was er wirklich geschafft hat, und die zu einem guten Dreh und vor allem einem erfolgreichen Film geführt hat. 

10: Gibt es eine(n) filmischen TraumpartnerIn, mit der / dem Du gerne einmal drehen würdest?

Should I be so lucky, dann mit Tom Hiddleston, Viola Davis, Cillian Murphy, Denzel Washington…Ulrich Tukur. Eine sehr gute junge Schauspielerin namens Janina Stopper- she is bloody good, und Florence Kasumba, sie ist nicht nur eine fantastische Schauspielerin, wir sind auch gut befreundet, und das würde die Arbeit ganz besonders machen. Aber wirklich gibt es so viele tolle Schauspieler/innen. Ich könnte zwei Seiten voll schreiben.

Vielen Herzlichen Dank für dieses Interview.

Wer mehr über Eroll Trotman und seine Arbeit erfahren möchte, sollte sich auf seiner Homepage einmal umschauen.

© 2017 Wolfgang Brunner / Eroll Trotman

Interview mit der Schauspielerin Anita Olatunji

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© Jeanne Degraa

Anita Olatunji wurde in München geboren, verlebte aber einige Jahre in Lagos, Nigeria, und kehrte dann zurück nach Deutschland ins Ruhrgebiet.
Sie studierte an der Folkwanghochschule in Essen Schauspiel und verbrachte dann ein Jahr durch ein Stipendium an der Webber Douglas Acadamy of Dramatic Arts in London.
Nach verschiedenen Film, TV und Theaterrollen nahm sie an einem Kurs für Creative Writing in London teil und studierte dann Film und Drehbuch an der Hamburg Media School. Jetzt widmet sie sich auch dem Schreiben von Gedichten, Kurzgeschichten und Drehbüchern.

1. Wie bereitest Du Dich auf Deine Rollen vor? Nimmst Du auch schon mal eine Rolle mit nach Hause ins Privatleben?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt darauf an, wieviel Zeit mir vor dem Dreh zur Vorbereitung bleibt. Bei meiner allerersten festen Fernsehrolle (eine durchgehende Rolle als Lernschwester bei der RTL Serie „Stadtklinik“) hatte ich kaum Schauspielerfahrung, habe aber zwei Wochen lang in einem Krankenhaus auf der HNO Station ausgeholfen.
Für meine Rolle als blinde Jazzsängerin in dem Film „Auf den Zweiten Blick“ habe ich mit einer ganz fantastischen blinden Frau gearbeitet. Ich trug eine Augenbinde und wir sind zu zweit durch Berlin gelaufen und U-Bahn gefahren. Ich denke, wir haben recht viel Aufmerksamkeit erregt. Nicht sehen zu können, und ganz auf Gehör, Gespür und Blindenstock angewiesen zu sein, war eine Erfahrung, die mich bis in meine Träume verfolgt hat. 

2. Du schreibst Gedichte, Kurzgeschichten und Drehbücher. Ich bin selbst Schriftsteller und interessiere mich deshalb natürlich brennend, welchen Ursprung diese Leidenschaft hat.  Wie kamst Du zum Schreiben und kannst Du uns ein paar Vorbilder nennen?

Ich habe einen Drang zum Geschichten erzählen, ob dies nun als Schauspielerin vor der Kamera, auf der Bühne oder beim Schreiben ist. Bei Gedichten folge ich eher einem starken Gefühl, während ich bei Prosa oft von einer Figur motiviert bin, einem Charakter, der mich besonders fasziniert und meine Fantasie anregt. Vorbilder zum Schreiben sind für mich Elena Ferrante, Damon Lindelof und das Autorenteam von der dänischen Krimi-Serie „The Killing“.

3. Was macht Anita Olatunji in ihrer Freizeit? Filme schauen oder auch mal lesen? Was ist Dein bevorzugtes Genre im Film und welche Art von Büchern liest Du?

Ich lese viel und schaue auch gerne Serien Box Sets – vor allem Krimis. Besonders begeistert war ich zuletzt von Elena Ferrante. „Meine geniale Freundin“  und die drei Folgebände habe ich mir in London gekauft und in kürzester Zeit verschlungen. Spannend finde ich gerade auch Yuval Noah Hararis Buch „Sapiens“.
Ansonsten habe ich mir neuerdings angewöhnt, so viel wie möglich zu Fuss zu Terminen zu gehen, selbst wenn es mich eine ganze Stunde „kostet“: Man sieht und lernt dabei so viel Neues und Überraschendes von der Stadt, in der man lebt!

4. Auf welche Leistung als Schauspielerin bist Du besonders stolz?

Das schönste Kompliment wurde mir nach einer Kinovorführung von „Auf den Zweiten Blick“ gemacht. Es war eine Vorstellung, in der viele Sehbehinderte und Blinde mit Begleitung da waren, und dort sagten mir einige Betroffene aus dem Publikum, dass sie meine Darstellung der Jazzsängerin, die ihren Verlobten durch ihr plötzliches Erblinden verliert, echt und deshalb berührend fanden. Ich schreibe dies der grossartigen Frau zu, mit der ich üben durfte. Meine damalige Agentin sagte mir nach der Vorstellung, sie hätte an meiner Stelle einiges anders gemacht, aber das war mir nach dem Lob dieses besonderen Kinopublikums egal.

5. Welche Schauspielerin und welchen Schauspieler bewunderst Du und warum?

Ich liebe Barbara Auer, vor allem in „Polizeiruf 110 Wölfe“: Zum Niederknien. Ich habe mir kürzlich auch einmal wieder „Der Prinz von Zamunda“ angesehen und halte Eddie Murphy und Arsenio Hall für absolute Genies.  

6. Ein Künstler entwickelt sich während seiner Karriere ständig. Welche Rolle wäre Dein größter Wunsch?

Ich würde sehr gerne eine deutsche Polizistin spielen. Das ist mein absolut grösster konkreter Rollenwunsch!

8. An welchen Projekten arbeitest Du derzeit?

Ich arbeite zur Zeit an einem TV Krimi über eine afro-deutsche Polizistin mit einem sehr schwierigen Verhältnis zum Vater, die durch einen Fall mit ihrer Herkunft konfrontiert wird – ein sehr persönliches Thema für mich.

9. Was fühlt sich für Dich besser an? Für das Fernsehen oder das Kino zu drehen?

Ich liebe Fernsehen. Ich wollte schon als Kind immer zum Fernsehen, vielleicht weil ich nicht mit einer starken Kinokultur aufgewachsen bin. Das habe ich dann auf der Filmhochschule ausgiebig nachgeholt. Seitdem sind Kinodrehs für mich eine grosse Ehre, weil ich jetzt viel mehr begreife, welches Risiko bei jedem Dreh, mit jeder Entscheidung, mit jeder Besetzung eingegangen wird. Das gilt natürlich auch fürs Fernsehen.

10. Welchen Menschen aus der Gegenwart oder der Vergangenheit würdest Du gerne treffen oder hättest Du gerne getroffen?

Wenn ich für einen sehr kurzen Zeitraum in die Vergangenheit reisen dürfte, dann wäre ich gerne Augenzeuge für den Moment, als Rosa Parks sich weigerte, ihren Sitz im Bus aufzugeben und sich damit 1955 in den USA der Rassentrennung widersetzte.

11. Legst Du auch etwas Persönliches von Dir in die Rollen, die Du spielst, oder hältst Du Dich strikt an das Drehbuch bzw. die Vorgaben des Regisseurs?

Es ist immer etwas persönliches von mir in jeder Rolle, auch wenn ich mich strikt an das Drehbuch und die Vorgaben des Regisseurs halte. Letztendlich ist jede Rolle eine Kollaboration der drei Bereiche.

Film-Besprechungen bedankt sich ganz herzlich für die ausführliche Beantwortung der Fragen und wünscht Dir alles Gute auf dem privaten und beruflichem Weg.

© 2016 Wolfgang Brunner / Anita Olatunji

Interview mit der Schauspielerin Dela Dabulamanzi

Dela3 © Tom Wagner

Dela Dabulamanzi wurde 1980 in Köln geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung an der Reduta Schauspielschule und
bestand die Sat 1 Actors Class. Im Jahr 2012 erhält Dabulamanzi den INTHEGA-Preis für „Licht im Dunkeln“
und wird für ihre Rolle in „SchwarzWeißLila“ am Grips-Theater in Berlin für den Ikarus-Preis nominiert.
Sie ist seit 2003 in Kurz- und Langfilmen sowohl im Kino als auch Fernsehen zu sehen.
Aber sie steht auch auf Theaterbühnen wie zum Beispiel im Ballhaus Naunynstrase und Atze Musiktheater (beide in Berlin) am Theater Konstanz und ab Winter 2016 im Hamburger Winterhuder Fährhaus.
Dela Dabulamanzi ist Teil des afrodeutschen Künstlerkollektivs Label Noir, das sich zur Aufgabe gemacht hat,  einen künstlerischen Raum zu schaffen, in dem die Hautfarbe oder die Herkunft schwarzer SchauspielerInnen nicht darauf beschränkt wird, nur Fremdheit und Exotik darzustellen. Hinter der Vereinigung steht das Verlangen nach einem Theater, in dem die SchauspielerInnen nicht nur ihre Hautfarbe, sondern schlichtweg ihr Menschsein verkörpern dürfen.
Dabulamanzi arbeitet immer wieder mal auch noch als Synchronsprecherin.
Film-Besprechungen durfte dem vielseitigen Talent einige Fragen stellen.

1. Zuerst einmal würde mich brennend interessieren, welche Person oder welches Ereignis der Auslöser war, warum Du Schauspielerin geworden bist.

Es gab tatsächlich keinen konkreten Auslöser. Im Alter von 5 Jahren hatte ich schon 3 klare Berufswünsche: Stewardess, Ärztin oder Schauspielerin. Stewardess fiel mit 16 weg, da nach einer Kanadareise die Flugangst bei mir einsetzte, die ich mit Mühe und Not wieder los wurde. Ärztin schied kurz darauf auch aus, als ich bei ’ner Klassenkameradin, dessen Vater Pharmazeut war, mir sämtliche Bildbänder über Krankheiten reingezogen habe und da ist die romantische Vorstellung dieser Form der Nächstenliebe ganz schnell verflogen. Und da ich eh sehr früh in Theater AGs aktiv war, blieb nur noch das Schauspielen übrig. Und was alle 3 Berufe für mich verbindet: Meinem Gegenüber eine bessere Zeit zu bereiten.

2. Du machst auch Synchronisationen. Achtest Du bei dieser Arbeit auch darauf, wie die Schauspielerinnen agieren? Ertappst Du Dich manchmal dabei, dass Du denkst: ‚Das hätte ich jetzt aber anders gemacht.‘?

Ich muß drauf achten, wie die Schauspielerinnen agieren, da ich ja das Spiel von ihnen abnehme. Es ist aber nicht immer gefragt, es eins zu eins abzunehmen. Und die eigene Note kommt sowieso immer mit hinzu. Ehrlich gesagt gab es eine Produktion, wo ich mich bei dem Gedanken ertappte, es anders umzusetzen, als die Schauspielerin es tat. Schließlich gibt es viele Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen bzw. eine Figur darzustellen. Doch zu 99% empfinde ich eher Demut, lang erarbeitete Figurenarbeit in Minutenschnelle zu synchronisieren. Ich hege dabei den Anspruch, die Arbeit der Kollegen bestmöglichst zu übersetzen. Insbesondere bei meiner Rolle „Crazy Eyes“ in „Orange is the New Black“ denke ich mir oft : „Alter, Uzo Aduba spielt die Rolle so genial, wie kann ich dem denn gerecht werden“ – mit dem Regieteam denke ich aber, daß wir das Beste rausgeholt haben bzw. noch tun.

3. Was spielt sich in Deinem Kopf ab, wenn etwas nicht so geklappt hat, wie Du Dir das vorgestellt hast? Frustration oder eher ‚Jetzt erst recht‘?

Früher noch Frust und Angst. Mit der Erfahrung aber eher eine Gelassenheit, da man nur durch Sackgassen die Figur erst kennenlernen kann. Ich reagiere aber sehr allergisch drauf, wenn einem nicht der Raum gewährt wird, um probieren zu können. Es ist vermessen zu denken, daß ein Schauspieler auf Knopfdruck funktioniert. Eine Figur muß sich entwickeln. Beim Theater geht nach der Premiere das Eigenleben der Figur doch auch erst richtig los. Ich erarbeite mir für einen Charakter im Vorfeld,  einen variationsreichen Fahrplan, und dann muß man durch Austausch mit der Regie die Haltestellen gemeinsam festlegen. Beim Casting kriegt man aber schon ein Gespür dafür, wie die Kommunikation funktioniert, und wenn man besetzt wurde, ist eh die halbe Miete drin.

4. Was gehört zu Deinem Alltag als Schauspielerin, außer dem Schauspielen selbst?

FB abhängig sein, Emails checken, mal die Homepages updaten, Kameratraining für die Zeit zwischen den Jobs, mal wieder neue Schauspielerporträts machen, ich sollte mehr auf Premieren und Partys präsent sein, was wichtig in dem Job ist, aber wenn ich in Stimmung bin, bin ich phasenweise gerne unterwegs. Und sonst selber Projekte auf den Weg bringen. Derzeit arbeiten wir an der Umsetzung von Hedda Gabler unter der Regie von John Gould Rubin, an einer Drehbuchadaption von der wunderbaren Sharon Dodua Otoo, die den diesjährigen Ingeborg Bachmann Preis gewonnen hat. Dann an einer Theaterreihe mit Filmelementen über 30 Jahre Schwarze Bewegung in Deutschland, und vor kurzem habe ich ein Projekt abgeschlossen: „ Die Gelegenheit“, das in Zusammenarbeit u.a. mit Label Noir, SFC, E.o.t.o . und BDS (Black Diaspora School) ISD, Amadeu Antonio Stiftung stattgefunden hat und da habe ich ein Drehbuchabend und -workshop veranstaltet.

5. Du bist Mitglied der Gruppen „Schwarze Filmschaffende in Deutschland“ und „Label Noir“. Wie intensiv ist es, sich mit diesen Projekten neben der Schauspielerei zu befassen.

So intensiv, dass ich ehrlich gesagt, keinen Bock habe, mich damit zu befassen. Es ist kein Projekt, es ist eine Notwendigkeit und Überlebensstrategie. Es geht ja gerade nicht nebenher, es ist ein fester Bestandteil meines Berufes und meines alltäglichen Lebens und ich hasse es. Ich hasse es, ein Politikum zu sein, und ich hasse es, dass mein Sohn und Millionen anderer Kinder mit ihrer Geburt zum Politikum gemacht werden. Und alle anderen auch ein Politikum sind, diese sich aber selber nicht als solches wahrnehmen. Es ist einfach alles absurd. War es nicht Bukowski, der gesagt hat, dass der Mensch aus Blut, Wasser und Scheisse besteht? Kann man sich nicht einfach auf diese Gemeinsamkeit besinnen und dass wir alle keinen Plan haben, was nach dieser Nummer hier auf Erden passiert. Wir haben alle Minderwertigkeitskomplexe, und ja die tun weh, aber die mit einem ethnischen und genderbezogenen etc. Feindbild ausgleichen zu wollen, lässt einen geistig nicht wachsen. Und wenn da noch Narzissmus hinzukommt, na denn „Good Morning dear so called civilisation“.  Um aber auf Deine Frage  konkret zurückzukommen, es ist schön und aufbauend, zu sehen, dass sich da ein so großes kreatives Netzwerk entwickelt, das sich weitgehendst unterstützt. In diesem Rahmen hatte ich im Juni den Drehbuchabend „Die Gelegenheit“ im moviemento Kino veranstaltet. An diesem Abend wurden unglaublich tolle, spannende Bücher von Autoren vorgestellt,  die dann von SchauspielerInnen in einer szenischen Lesung präsentiert wurden. Und es ist einfach empowernd, wenn sich politisch geprägte Erfahrungswelten  mit deiner decken. Die junge neue frische Generation an FilmemacherInnen wird die Landschaft aufmischen und alltägliche, spannende Geschichten und Biografien auf die Mattscheibe bringen. 

6. Wie verbringst Du Deine Freizeit? Wo findest Du am besten Entspannung?

Als noch relativ frischgebackene Mutter, mein Sohn ist 2 Jahre alt, ist er die beste Entspannung ever. Entspannung hat für mich eine neue Dimension bekommen. Ich verstehe es nun auf privater Ebene, was das tatsächliche Einlassen bedeutet. Wirklich im Moment zu sein. Der Beruf erfordert es, aber du hast tausend Rädchen im Kopf, die laufen und permanent überprüfen, was Du gerade spielst. Als Eltern sind die Instinkte sowieso permanent aktiv, die dafür Sorge tragen, dass beim Raufen hoffentlich nichts passiert und mit so einem kleinen Menschen darf ich die Zeit stehen lassen, spazierengehen, die Berliner Bären auf den Autokennzeichen zählen … Und seit kurzem treibe ich wieder Sport: Fitnessboxen (geil!). Außerdem Handwerken , Musik hören, bei nem Glas Rotwein oder Cremant mit Freunden Zeit verbringen.

7. Welche fünf Bücher und welche fünf Filme würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Das ist jetzt aber eine Zustandsbeschreibung, nächste Woche kann die Liste anders ausschauen:

Bücher:
Lichtjahre von James Salter : 
Eine wunderbar erzählte Liebesgeschichte, über die Liebe auf Zeit

Set this house in order von Matt Ruff: Cool und kurzweilig geschriebenes Buch über multiple Persönlichkeiten

Alle Bücher von Chimamanda Ngozi Adichie: Ich habe dabei das Gefühl, immer etwas mehr über mich zu erfahren und somit auch über die Welten, zwischen denen ich lebe

Sammelband der Glaubensbücher (Bibel, Koran, Thora …):  Da hab ich mal endlich Zeit, die zu lesen, und die Ruhe drüber zu sinnieren, um festzustellen, daß die wohl mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede haben.

Filme:
Blue Valentine: So wie das Leben spielt: Du hast alles Glück dieser Welt, aber Du scheiterst trotzdem. Weil Dein Glück nicht das Glück des andern sein muß.

L.A. Crash: Zutiefst real, mit Hoffnung auf Besserung

Toni Erdmann: Lass Deinen inneren Clown nicht vor die Hunde gehen; Und ein so ehrliches Vater Tochter Porträt, das mich einfach sehr unterhalten und bewegt hat.

Kevin Hart: Brauch ja noch was zu lachen. 🙂

Netflix: Selbst auf ’ner einsamen Insel gibt es W-Lan. 😉

8. Welcher Mensch steckt in Dir? Was sind Deine Wünsche, Hoffnungen und Ziele?

Was für eine Frage (hehe)! Das versuche ich auch gerade herauszufinden. Es steckt eine gute und friedliche Seele in meinem Körper, die in Situationen, in der sie das Gefühl hat, sich behaupten zu müssen, mal verquert rüberkommt. Ansonsten bin ich ziemlich gelassen, und hasse es, wenn diese als Prinzipienlosigkeit interpretiert wird. Es gibt das Lied von Tony Allen, daß mich seit langem begleitet: „ Don’t take my kindness for weakness“.

Und ansonsten in der Zeit des gesellschaftlichen und politischen Positionierungszwangs, lerne ich meine Weiblichkeit neu kennen und feiere sie. Das setzt unglaubliche Kräfte frei. Und mit dieser positiven Kraft, die zur Ressource wird, erlebe ich mehr Selbstliebe und mit dieser Selbstliebe nehme ich mein Gegenüber mit mehr Humor und weniger Verbissenheit wahr und auch an. Das ist meine kleine persönliche und praktische Erleuchtung. Und diese Erleuchtung impliziert die Wünsche, Hoffnungen und Ziele, die ich habe.

9.  Welchen Schauspieler, Musiker oder wen auch immer würdest Du gerne einmal persönlich treffen?

Es gibt so viele positive spannende Menschen mit interessanten Perspektiven aufs Leben, da lass ich mich doch immer wieder gerne überraschen.

Auf der andern Seite aber gern den ein oder anderen machtbesessenen Politiker / Lobbyist auf den heißen Stuhl setzen und immer wieder die Frage stellen: Was fühlst Du, wenn …?

10. Welche(r) SchauspielerIn war schuld daran, dass Du diesen Beruf gewählt hast?

Meine Familie, alles Schauspieler … you know what I mean …

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

Familie & Freunde, meine Gesundheit, meine Wohnung, mein Cappuchino am Morgen, ach ja, und mein deutscher Pass.

Ich bedanke mich für die Beantwortung Deiner Fragen und wünsche Dir für die Zukunft alles Gute.

© 2016  Wolfgang Brunner / Dela Dabulamanzi