Deepwater Horizon (2016)

Originaltitel: Deepwater Horizon
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand
Kamera: Enrique Chediak
Musik: Steve Jablonsky
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Ethan Suplee, J.D. Evermore, Brad Leland
Genre: Katastrophenfilm, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

 

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Die Ölbohranlage Deepwater Horizon steht 2010 kurz vor ihrer Inbetriebnahme.  Mehr als 100 Millionen Barrel Öl sollen nur in 70 Kilometer Entfernung vom amerikanischen Festland entfernt gefördert werden. Doch die beiden Chef-Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg) und Jimmy Harrell (Kurt Russell)  entdecken, dass der Druck, der auf dem Bohrloch lastet, viel zu hoch ist. Doch ihre Warnungen werden ignoriert und so kommt es unweigerlich zu einem katastrophalen, sogenannten, „Blowout“, bei dem das Öl unter enormen Druck an die Oberfläche schießt. Die Bohrinsel explodiert. Die Männer auf der Plattform müssen sich einem tödlichen Flammeninferno stellen und um ihr Überleben kämpfen.

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Regisseur Peter Berg ist definitiv kein unbeschriebenes Blatt. Ob als Schauspieler (Hauptrolle zum Beispiel in Wes Cravens „Shocker“oder Nebenrollen in u.a. „Copland“ und „Collateral“) oder Regisseur („Very Bad Things“, „Battleship“ oder „Lone Survivor“) kann er überzeugen. Und genauso verhält es sich auch mit seinem neuen Film „Deepwater Horizon“, bei dem er wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen hat.
Der Film schildert wahre Ereignisse, die am 20. April des Jahres 2010 geschahen. Durch das auslaufende Öl kam es zur schwersten Umweltkatastrophe, die durch einen Bohrturm ausgelöst wurde. Sehr authentisch schildert Berg die Geschehnisse, die der Tragödie vorangingen. Das liegt nicht nur an seinem sicheren Inszenierungsstil, sondern auch an den hervorragenden Schauspielern, die aus meiner Sicht bis in die kleinste Nebenrolle optimal besetzt sind. Kurt Russell und Mark Wahlberg sind Spitzenklasse, wenn sie um das eigene Überleben und das der Arbeiter kämpfen.

Emotional wird vor allem das Schicksal der Arbeiter während der Katastrophe beleuchtet. Sicherlich widmet sich Berg auch den geldgierigen Ölmagnaten, die nichts anderes als Profit im Kopf haben und sich genau genommen einen Dreck um die Sicherheit der Arbeiter und drohenden Umweltschäden kümmern. Aber in erster Linie richtet sich das Augenmerk auf die Opfer dieses Dramas auf dem Ozean. Es dauert eine Weile, bis das Unglück passiert, doch in keiner Sekunde kommt auf irgendeine Art und Weise Langeweile auf. Im Gegenteil, der Spannungsbogen bis zum unweigerlichen Katastrophenfall baut sich unglaublich dicht und atmosphärisch auf. Und mit dem Wissen, dass das alles tatsächlich (zumindest so ähnlich) passiert ist, erhält „Deepwater Horizon“ einen bitteren Beigeschmack, der einen während des gesamten Films nicht loslässt.

Begleitet von einem absolut passenden Score von Steve Jablonsky zeigt Regisseur Berg in spektakulären, bombastischen Aufnahmen, wie die Bohrinsel explodiert. Man fühlt sich an Filme wie „Flammendes Inferno“ oder „Backdraft“ erinnert, wenn die Flammen in die Höhe schießen und Menschen töten. Gerade die Spezialeffekte bestechen in ihrer bedrohlichen, realitätsnahen Machart und gehen eine faszinierende Symbiose mit den Schauspielern ein, so dass sie niemals in den Vordergrund treten. Und das macht „Deepwater Horizon“ zu einem realistischen Actionfeuerwerk, bei dem aber die Emotionen und die schrecklichen Ereignisse, die in Wirklichkeit passiert sind, nie zurückstecken müssen. Trotz der Action stehen die realen Begebenheiten immer im Vordergrund. Herausgekommen ist ein Film, der zwar auf fantastische Weise unterhält, sich aber den wahren Schicksalen dieser Männer widmet. Die aus dem Unglück resultierende Umweltkatastrophe wird daher nur angedeutet.
„Deepwater Horizon“ ist durchweg spannend und fesselnd. Bei manchen Szenen spürt man den förmlich den Druck und die Todesangst der Männer, als sie versuchen, ihr Leben zu retten. Auch wenn einige Szenen patriotisch und übertrieben wirken mögen, so kann ich mir ohne weiteres vorstellen, dass es diese Art von Heldentum auf der Bohrinsel tatsächlich gegeben hat.
Peter Berg ist ein Blockbuster gelungen, der eigentlich kein Blockbuster ist, sondern den Opfern der Ölkatastrophe aus dem Jahr 2010 ein filmisches Denkmal setzt. Vor allem während des Abspanns gewinnt der Film beim Zuschauer eine Bedeutung, die jedem gefühlvollen Mensch einen Schauer über den Rücken jagen und Tränen in die Augen treten lässt.

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Fazit: Realitätsnah, emotional und unglaublich spannend, gewürzt mit bombastischen Spezialeffekten. Absolut zu empfehlen!

© 2017 Wolfgang Brunner

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Suicide Squad (2016)

Originaltitel: Suicide Squad
Regie: David Ayer
Drehbuch: David Ayer
Kamera: Roman Vasyanov
Musik: Steven Price
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Will Smith, Jared Leto, Margot Robbie, Joel Kinnaman, Viola Davis, Cara Delevingne,  David Harbour, Ben Affleck, Karen Fukuhara, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Ike Barinholtz, Adam Beach
Genre: Comicverfilmung, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Die Superhelden sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Und so muss die Regierung auf eine bunt zusammengewürfelte Spezialeinheit zurückgreifen, als sich ein bedrohliches Wesen manifestiert und die gesamte Welt bedroht. Deadshot, Harley Quinn, Killer Croc, Slipknot, Diablo und Captain Boomerang heißen die Antihelden, die Metawesen, die in den Kampf gegen das Böse ausgesandt werden.

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Es fällt mir irgendwie schwer, die richtigen Worte zu „Suicide Squad“ zu finden. Zum einen ist David Ayer ein solides Comic-Feuerwerk gelungen, in dem die Charaktere, wenngleich so manches mal etwas schwach und flach ausgearbeitet, auf geheimnisvolle Art und Weise definitiv hängenbleiben. Der Plot fängt auch sehr überzeugend und unterhaltend an, verliert aber im Verlaufe des Films leider immer mehr Farbe und Eigenwilligkeit. Aber dazu später.
Erst einmal werden die Figuren sehr interessant und teils amüsant eingeführt. Das Ganze wird in einem flotten, bunten Comicstil präsentiert, der auf Größeres hoffen lässt. Die kurzen Einschübe anderer Superhelden aus dem DC-Universum machen unglaublich Spaß, wenngleich sie leider viel zu selten sind. Dennoch versprühen sie einen coolen Flair.

Rollentechnisch lässt sich eigentlich nicht viel jammern. Alle geben eine gute und überzeugende Performance ab, allen voran aber Margot Robbie als Harley Quinn, die in ihrer Rolle vollkommen aufgeht. Sie stiehlt sogar Jared Leto die Show, der als Joker zwar überzeugen kann, aber eine gewisse Härte, bei der Heath Ledger eindeutig die Meßlatte sehr hoch angesetzt hat, nicht erreicht. Und genau diese Härte hätte ich noch zu der super dargestellten Verrückheit erwartet. Aber schauspielerisch ist, wie gesagt, kaum etwas zu meckern. Und dennoch funktioniert das Team im Film nicht richtig. Zu wenig Augenmerk wird auf die verschiedenen Facetten der Charaktere gerichtet, zu plump wirkt das Zusammenspiel zwischen den Kämpfern. Da kommt kein richtiges Zusammengehörigkeitsgefühl auf. Schade, denn die Figuren hätten ein tolles Potential abgegeben. Aber das ist gar nicht der wirkliche Grund, der für mich den Film nicht überzeugend aussehen lässt. Es ist die Entwicklung der Handlung, die von einer durchaus spannenden Ausgangssituation, die große Erwartungen in mir freigesetzt hat, in eine vorhersehbare, altbackene Geschichte abgedriftet ist. Was wie eine im Comicstil inszenierte Version des Actionkrachers „The Raid“ beginnt, endet in einer inspirationslosen „Ghostbusters“-Kopie. Im Nachhinein habe ich dann in irgendeiner Rezension gelesen, dass es mir da wohl nicht alleine so ging.

„Suicid Squad“ macht den gleichen Fehler wie so viele Filme dieser Art. Man möchte zwanghaft bombastischere Effekte als die Konkurrenz inszenieren und verliert dabei den eigentlichen Sinn eines Films, nämlich eine Geschichte zu erzählen, in der die Protagonisten, und nicht die Effekte, die Hauptrolle spielen. Der Plot funktioniert einigermaßen bis zum Finale, dann geht dem Film die Luft aus, wo eigentlich hätte der meiste „Wumms“ drin sein sollen. Trotz guter Ansätze und vielen interessanten Szenen, die aber leider zu oberflächlich und kurz behandelt wurden, kann „Suicide Squad“ zwar unterhalten, vermittelt aber am Ende den Eindruck, als hätte man den Film schon vor über zehn Jahren einmal gesehen. Künstlerisch wertvoll und innovativ empfand ich die Szene, in der Joker seine geliebte Harley Quinn aus einem Becken einer chemikalischen Aufbereitungsanlage befreit, durch dessen toxische Stoffe sie zu einer irre grinsenden, verrückten Superheldin wird. Und auch das Mundtattoo auf Jokers Hand kommt ideenreich zur Geltung und erinnert kurzzeitig an Jim Hensons fabelhaften Film  „Die Reise ins Labyrinth“. So kurz diese Szenen auch sind, hinterlassen sie dennoch einen prägenden Eindruck.
„Suicid Squad“ wirkt im Nachhinein besser als er eigentlich ist. Schade, denn da hätte weitaus mehr daraus werden können.

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Fazit: Anfangs noch reizvoll entwickelt sich der Plot zu einem unausgegorenen Mischmasch  aus Superheldenfilm der Neuzeit und „Ghostbusters“-Klon der 80er Jahre.

© 2017 Wolfgang Brunner

Penthesilea (2013)

Originaltitel: Penthesilea
Regie: Stefan Kaufhold
Drehbuch: Michael John Cherdchupan
Kamera: Nicolai Mehring
Musik: Simon Theißen
Laufzeit: 28 Minuten
Darsteller: Juli Klement, Wolfram Schorlemmer, Meri Husagic
Genre: Kurzfilm, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Penthesilea ist ein Haushaltshilferoboter. Sie verliebt sich in ihren Besitzer, den verschlossenen Jeremy, kann sich ihm aber anfangs nicht mitteilen, weil sie nicht fähig ist, ihre Gefühle zu zeigen. Während Jeremy von Yukari, einem hübschen aufgeweckten Mädchen, in Besitz genommen wird, vermeint Penthesilea in diesem Verhalten eine Bedrohung für Jeremy und ihre Liebe zu ihm zu erkennen. Kurzerhand beschließt sie, etwas gegen ihre Rivalin zu unternehmen.

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Sehr locker interpretiert Regisseur Stefan Kaufhold die griechische Sage um die Amazonenkönigin Penthesilea und verlegt die Handlung in die Zukunft. Die Roboterbedienstete Penthesilea wird grandios und unglaublich authentisch von Juli Klement verkörpert, der man vom ersten Moment an jede Bewegung und Handlung abnimmt. Klement zeigt in jeder Sekunde ihr außergewöhnliches Talent und nimmt den Zuschauer ohne Umschweife für sich ein. Es ist eine wahre Wonne, ihren roboterhaften und gleichzeitig ungemein menschlichen Handlungen zu folgen. Zusammen mit dem zwar kühlen, aber sehr stylisch und präzise gehaltenen Inszenierungsstil funktioniert das Science Fiction-Drama vorbehaltlos. Die „Mimik“ der Künstlichen Intelligens, als sie sich in ihren Besitzer namens Jeremy verliebt, ist unglaublich intensiv, obwohl sie irgendwie auch wieder gar nicht richtig zu sehen ist. Es ist wirklich Wahnsinn, wie Kuli Klement das hin bekommt. Daumen hoch!
Doch auch Meri Husagic als „menschliche Konkurrentin“ und Wolfram Schorlemmer als Jeremy geben eine wunderbare Performance ab, an die man sich noch lange erinnert.

Doch die tolle Stimmung liegt nicht nur alleine an den Schauspielern, die allesamt gut und glaubwürdig sind, sondern auch an dem sicheren Händchen, das Stefan Kaufhold als Regisseur beweist. Er benutzt keine hektischen Kamerafahrten oder Schnitte. Ohne unnötige Schnörkel wird eine Geschichte erzählt, die sich mehr auf die Emotionen der Protagonisten (in erster Linie auf die Protagonistin Penthesilea) konzentriert und nicht auf Spezialeffekte, die hier nur stören würden. Kaufhold meistert die Gratwanderung zwischen SF-Story, Liebesdrama und Erotik hervorragend und lässt mit seinem knapp halbstündigen Kurzfilm keine inszenatorischen Wünsche offen. Hier zeigt sich wieder einmal, welch vielseitige, ideenreiche Filmkünstler Deutschland besitzt, die von den Branchenverantwortlichen schlichtweg ignoriert werden, weil sie nicht ins Schema F passen. Kaufhold zeigt mit seiner gesamten Crew einfach unglaublich großes Talent.

Ein bisschen erinnert das Thema an „Der 200 Jahre Mann“, noch mehr aber an den aus meiner Sicht SF-Meilenstein „Her“. Kaufhold geht, wie im letztgenannten Film, sehr intensiv und emotional an seine Geschichte heran und lässt dadurch die Gefühle eines Roboters vollkommen nachvollziehbar werden. Der Zuschauer fühlt teilweise mehr mit der Künstlichen Intelligenz als mit den Menschen.
Was der Atmosphäre ebenfalls äußerst zugute kommt, ist die, wie oben schon erwähnt, unspektakuläre, dafür aber umso intensivere Kameraführung von Nicolai Mehring. Wie George Lucas in seinem Debütfilm „THX 1138“ fängt Mehring perfekt ausgeleuchtete Momente ein, die aufgrund ihrer schlichten Schönheit im Gedächtnis haften bleiben. Einige Bildkompositionen könnte man sich ohne weiteres als Ölgemälde an die Wand hängen. 😉
Wer Gelegenheit dazu hat, sollte sich „Penthesilia“ mindestens zweimal ansehen, um die gesamte Bandbreite der Filmemacher und Schauspieler zu inhalieren, denn man entdeckt immer wieder Neues.
Stefan Kaufhold legt mit seiner „Penthesilea“-SF-Interpretation ein tiefgründiges, elegisches kleines Meisterwerk vor, das zum Nachdenken über die eigenen Gefühle anregt und sich natürlich auch mit der Thematik beschäftigt, ob Liebe auch tatsächlich von Künstlichen  Intelligenzen empfunden werden kann. Tja, und wenn man seinen Film gesehen hat, kann man die letzte Frage eindeutig mit „Ja“ beantworten. Und „Penthesilea“ zeigt desweiteren, wohin Liebe auch führen kann – nämlich zu unendlicher Eifersucht.

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Fazit: Elegisch, melancholisch und emotional, aber auch erschreckend und kaltblütig. Mit „Penthesilia“ ist der gesamten Crew unter Regisseur Stefan Kaufhold ein kleines Meisterwerk gelungen, nach dem man süchtig werden kann.

©© 2017 Wolfgang Brunner