Pfreundner, Klaus (Komponist)

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© Jürgen Wunderlich

Klaus Pfreundner kam als Sohn eines Musikers zur Welt und bekam natürlich die Musikbegeisterung bereits „in die Wiege“ gelegt. Mit sechs Jahren erlernte er schon Akkordeon, Gitarre und Trompete.
Im Alter von 12 Jahren entdeckte er dann das Klavier und gründete zeitgleich seine erste Band namens Radspitz, mit der er noch heute aktiv tätig ist.
Nach einer Ausbildung an der Berufsfachschule für Musik in Kronach besuchte Pfreundner anschließend das Konservatorium für Musik der Stadt Nürnberg.
Nach professionellen Erfahrungen im Bereich Tonstudio folgte das Komponieren von eigenen Stücken. Durch das Projekt „.Amadeus rockt.“ mit den Hofer Symphonikern erwachte im Jahr 2006 Pfreundners neue Leidenschaft, nämlich die Filmmusik.

Ich freue mich sehr, dass der Komponisten für Film-Besprechungen einige Fragen beantwortet.

1. Deine Klänge zum aktuellen Remake „Blood Feast“ von Marcel Walz sind oftmals sehr ruhig und pianolastig. Orientierst Du Dich dabei an klassischer Musik oder wo finden sich Deine Vorbilder?

Als Pianist tendiere ich natürlich immer zuerst zum Piano.
Mit diesem Instrument kann ich Emotionen einfach am besten ausdrücken und auch transportieren.
Lustige Geschichte am Rande: Dem ersten Schnitt von „Blood Feast“ fehlte die Eröffnungsszene, was ich aber zu diesem Zeitpunkt nicht wusste. Ich begann also mit der für mich ersten Szene des Films und komponierte dafür ein leichtes Pianothema mit Variationen.
Ca. drei Wochen später bekam ich dann von Kai Bogatzki einen neuen Filmschnitt. Du kannst dir denken, wie überrascht ich war. Die Eröffnungsszene von „Blood Feast“ ist ja absolut extrem!
Im ersten Moment war ich natürlich irritiert und nicht mehr sicher, ob mein Pianothema nach dieser Eingangsszene funktionieren kann. Ich nahm die Musik erstmal heraus, doch Marcel Walz hatte sich schon so sehr in das Pianothema verliebt, dass er es drin lassen wollte. Und die Entscheidung war goldrichtig!
Na ja, und so blieb es dann im weiteren Verlauf des Film bei dieser Kombination. Piano für die Emotionen und der Rest ist extreme Eskalation.
Um nochmal kurz auf deine Frage zu kommen:
Natürlich ist die klassische Literatur ein großer Topf, aus dem ich auch gerne schöpfe. Es verbietet sich für mich aber, nur platt zu kopieren. Ich denke, es geht mir wie allen Komponisten dieser Welt beim täglichen Prozess des Schaffens: Ich bin immer auf der Suche nach dem Eigenständigen im großen Universum des schon Vorhandenen.
Vorbilder habe ich nicht explizit, es faszinieren und inspirieren mich viele Künstler quer Beet.

2. Wie muss ich mir Deine Arbeit vorstellen? Komponierst Du schon, bevor Du etwas von dem Film gesehen hast oder gehst Du erst am Ende ans Werk?

Meine kompositorische Arbeit beginnt meist dann, wenn ich den ersten Schnitt des Films in meinen Händen halte.
Vorab bekomme ich ab und an auch schon mal das Drehbuch und kann mich – ähnlich wie ein Schauspieler – in den Film einlesen.
Bei „Blood Feast“ habe ich schon weit vor Beginn der Dreharbeiten auf Wunsch von Marcel Walz das „Main Theme“ geschrieben, welches am Schluss des Filmes erklingt.
Dabei bestand die Aufgabe darin, möglichst viel von der originalen Filmmusik aus dem Jahr 1963 in den neuen Score einzubinden.
Das war auch ein sehr interessanter Prozess, da die Originalmusik von „Blood Feast“ sehr minimalistisch ist.

3. Welche sind die Deiner Meinung nach besten Filmmusiken aller Zeiten?

Ich bin ein großer Bewunderer von John Williams’ Arbeit. Daher auch leider befangen. Für mich hat er einige der bedeutsamsten Filmmusiken geschrieben.

4. Was macht Klaus Pfreundner in seiner Freizeit? Welchen Hobbys gehst Du nach?

Wenn ich freie Zeit habe, gehe ich gerne Biken. Viel zu selten besuche ich dann auch mal Freunde. Und dann versuche ich mich auch ab und zu mal in der Kunst, NICHTS zu tun (was gar nicht so einfach ist).

5. Fünf spontane Antworten auf Namen:

– Michael Jackson

Schade. Ich wünschte, er wäre noch da.

– Jerry Goldsmith

Star Trek. Ich liebe es!

– John Carpenter

The Fog – mein erster Horrorfilm.

– Philip Glass

The Truman Show. Klasse Film, klasse Score.

– Marcel Walz 😉

Ein toller Typ.

6. Was wäre Dein größter Traum als Filmmusik-Komponist?

And the Oscar goes to… Und bis es soweit ist, wäre ein weiterer Traum von mir, einmal Musik für einen Tatort zu schreiben.

7. Welche Musikrichtung bevorzugst Du privat?

Quer Beet. Privat höre ich gerne coole Musik z.B. Ed Sherran oder James Bay. Ich mag Künstler, die authentisch sind und auch ein oder mehrere Instrument spielen. Das kann dann aber auch z.B. Stefan Dettl und seine LaBrassBanda sein. Aktuell habe ich auch eine Rammstein-Phase. Ich finde es für mich gut, dass ich da wenig Berührungsängste habe. Alles ist interessant, wenn ich mich dafür interessiere.

8. Was sind aus kompositorischer Sicht Deine größten Herausforderungen?

Die richtige Stimmung für den Film als Ganzes zu finden. Und mich dann aus Zeitgründen musikalisch nicht zu wiederholen, das ist die größte Herausforderung für mich.

9. Welche Persönlichkeit aus der Vergangenheit hättest Du gerne einmal kennengelernt?

Jesus von Nazareth – das wäre sicher interessant geworden. 🙂

10. Gibt es schon neue Musikprojekte? Darfst und willst Du uns schon etwas darüber verraten?

Na klar. In meinem Studio geht selten das Licht aus. 🙂 
Vor kurzem habe ich mit meiner Band RADSPITZ (http://www.radspitz.de) einen neuen Song produziert. Der Song heißt „Der Isländer“. Gerade arbeiten wir an der englischen Version. Auch eine Dance Version ist in Arbeit.
Dann entsteht gerade das erste Album der NEWCOMER Band ANGIZ (http://www.angiz.de) für die ich einige Keyboardsachen einspielen werde. Die Jungs stehen im Newcomer Contest 2016 von Bayern 3 und machen tolle Mukke!
Das nächste Filmmusikprojekt steht Anfang des kommenden Jahres auf dem Plan. Und wie es eben so üblich ist, darf ich im Vorfeld noch nichts darüber sagen. Es wird mir nicht langweilig. 🙂

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben.

Gesundheit

Familie und Freunde

Vertrauen

Freiheit

Emphatie

Ich bedanke mich ganz herzlich für die tollen Antworten und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

Ich bedanke mich auch bei dir für die interessanten Fragen und wünsche Dir ebenfalls alles Gute für die Zukunft.

© 2016 Wolfgang Brunner / Klaus Pfreundner

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