Ohne dich (2018)

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Originaltitel: Ohne dich
Regie: Benjamin Bechtold
Drehbuch: Benjamin Bechtold
Kamera: Marc Schiemann
Musik: Richard Albert, Aljoscha Reinhardt
Laufzeit: 9 Minuten
Darsteller: Nikolai Will, Lilly Volk, Swantje Riechers
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ein Mann auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Und nach etwas vollkommen anderem …

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Da ist es wieder: Das Gespann Benjamin Bechtold und Nikolai Will, das mich schon mit der kleinen Nachtgeschichte „Dämonisch“ begeistern konnte. Und mit „Ohne dich“ tun sie es aufs Neue. Es ist immer wieder toll, Nikolai Will dabei zu beobachten, wie er in seinen Rollen aufgeht. Hinzu kommt die sehr feinfühlige, fast schon poetische Inszenierung durch Benjamin Bechtold, die dem knapp neunminütigen Genremix aus melancholischem Liebesschmerz und kaltblütigem Thriller wieder einmal eine ganz besondere Note verleiht. Ich hätte den Bildern und dem Agieren von Nikolai Will gut und gerne eineinhalb Stunden zusehen können, so eindringlich ist das Ergebnis wieder geworden. „Ohne dich“ kann man gar nicht so einfach beschreiben, denn er bewegt sich, wie oben schon erwähnt, tatsächlich zwischen verschiedenen Genre und hinterlässt den Zuseher einerseits mit einer schmerzlichen Sehnsucht nach Liebe und andererseits mit einer schockierenden Konsequenz, mit der man am Ende konfrontiert wird.

Doch über die an sich grauenhafte Handlung legt sich ein nostalgischer Schleier, der wunderschön ist.  Genau diese Gratwanderung, nämlich ein „schlimmes“ Thema zu verzerren und sozusagen aus der geschönten Sicht eines „Täters“ zu zeigen, möchte ich fast schon typisch für die Zusammenarbeit von Bechtold und Will bezeichnen. „Ohne dich“ ist die erste Produktion von Nikolai Wills „Tante Dora Film“ in Zusammenarbeit mit Fearling Entertainment und kann sich absolut sehen lassen. Was den faszinierenden Kurzfilm noch auf optimale Weise abrundet, sind zum einen die von Kameramann Marc Schiemann wunderschön eingefangenen Bilder und zum anderen die tieftraurigen und elegischen Kompositionen von Richard Albert und Aljoscha Reinhardt. Der Score und die gemäldehaften Bilder erschaffen in der kurzen Laufzeit eine unglaublich intensive Atmosphäre, der man bereits nach den ersten Einstellungen verfällt. „Ohne dich“ entwickelt sich von einer Ode an die Liebe in einen deprimierenden Thriller, bei dem der Zuschauer nicht nur die Opfer, sondern auf bestimmte Art und Weise auch den Täter bedauert und bemitleidet. Es ist wirklich erstaunlich, dass Nikolai Will in dieser Rolle auch eine gewisse Sympathie auf den Zuschauer überträgt und Empathie empfinden lässt.

Man wünscht sich unweigerlich ein Langfilmprojekt, wenn man sich „Ohne dich“ ansieht. Gerade die inszenatorische Handschrift von Benjamin Bechtold in Verbindung mit der natürlichen Rollenbewältigung und -darstellung von Nikolai Will würde Großes versprechen. Es wäre mit Sicherheit ein besonderer, ruhiger und „schöner“ Film (selbst, wenn er, wie bei „Ohne dich“, ein unangenehmes Thema behandeln würde). „Ohne dich“ erzählt eine Geschichte die berührt und gleichzeitig schockiert. Man weiß nicht genau, was man über den Plot denken soll, empfindet auf der einen Seite „schöne“ und auf der anderen irgendwie „unschöne“ Gefühle. Und genau deswegen packt „Ohne dich“ den Zuschauer, denn er befindet sich in der Zwickmühle, weil er für einen „bösen“ Protagonisten Sympathie empfindet. Das nenne ich mal Zuschauerbeeinflussung: Chapeau! an die Herren Bechtold und Will. Aber auch an die gesamte Crew um diese kleine Kurzfilmperle, die über Kamera, Musik und perfekten Schnitt bis in die toll gespielten Nebenrollen fantastisch besetzt ist.

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Fazit: Wunderbar gespielter und fantastisch inszenierter Poesie-Thriller, der den Zuschauer auch nach Sichtung noch beschäftigt.

© 2018 Wolfgang Brunner

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Z-Office (2017)

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Originaltitel: Z-Office
Regie: Douglas Stahl
Drehbuch: Douglas Stahl
Kamera: Dustin Stahl
Musik: Christian Dominik Dellacher, David Rodrigues Noguieira
Laufzeit: 47 Minuten
Darsteller: Nikolai Will, Alexandra Schiller, Florian Simbeck, Klaus Thiel-Kenner, Uwe Choroba, Moloch, Julian Laur de Manos,  Dustin Stahl, Robin Stehr
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ein Büroalltag, bei dem alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Gleich am frühen Morgen wird Karl nach 14 Jahren loyalster Mitarbeit entlassen. Doch Karl gibt nicht auf und will den letzten Arbeitstag noch hinter sich bringen, um zu zeigen, wie wichtig ihm die Firma ist. Aber die Entlassung ist nicht das Schlimmste, dass ihm an diesem Tag widerfährt. Denn eine Zombie-Apokalypse ist ausgebrochen und die fleischhungrigen Untoten finden natürlich auch den Weg ins Büro …

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Eine Horror-Komödie aus Deutschland, die unglaublich viel Spaß macht? Gibt’s sowas überhaupt? Douglas Stahl ist mit seinem Zombie-Büro-Film ein kleines Wunder gelungen, von dem ich dachte, dass so etwas in Deutschland gar nicht mehr möglich wäre: Eine Komödie, die einen wirklich zum Lachen bringt. 🙂
Das liegt zum einen an der gut platzierten Situationskomik, zum anderen aber an den hervorragenden Darstellern. Allen voran muss man Nikolai Will erwähnen, der sich hier sichtlich in seinem Element befindet. Auch wenn ich ihn persönlich  in seinen ernsten Rollen lieber mag ( 😉 ), so ist Will hier einfach unglaublich passend besetzt und geht in seiner Rolle auf, dass es nur so eine Freude ist, ihm bei seinem Überlebenskampf zuzusehen. Doch genauso erwähnenswert sind seine „Kollegen“, die von Klaus Thiel-Kenner und Alexandra Schiller gespielt werden. Ihr teils trockener Humor kommt richtig gut und verursacht in vielen Augenblicken ein amüsiertes Schmunzeln beim Zuseher. Wenngleich er nicht eine der Hauptrollen übernommen hat, so kann aber auch Florian Simbeck absolut überzeugen und macht die Vierergruppe an sympathischen Hauptdarstellern komplett. Moloch als Infizierter ist einfach nur genial und hätte aus meiner Sicht gut und gerne eine größere Rolle verdient.

Stahl hat eine wunderbare Gratwanderung zwischen Humor und Funsplatter geschafft. Seine Zombies sind nicht richtig böse, sondern eher doof vertrottelt, was aber nicht heißt, dass sie nicht in einigen Passagen (Moloch) gefährlich sind. Die Dreiviertelstunde vergeht wie im Flug und an manchen Stellen wird der Film so richtig schön trashig, an anderen nimmt der Streifen einen höherwertigen Charakter an. Insgesamt wirkt aber alles, wenngleich der Plot nichts wirklich weltbewegendes ist (obwohl einige Ideen wirklich sehr, sehr gut sind 😉 ), sehr professionell und vor allem unterhaltsam.

Aber Douglas Stahls Zombiestreifen kann nicht nur durch äußerst fähige Schauspieler überzeugen, sondern er glänzt auch von der Inszenierung her. Da werden zum Beispiel stylische Bildkompositionen mit der Kamera eingefangen, die den ganzen Film künstlerisch auflockern, und es kommen einige Slow-Motion-Szenen vor, die schlichtweg begeistern. Hinzu kommen geschickt eingesetzte Anspielungen auf diverse Genre-Klassiker, die der Film-Nerd sofort begeistert erkennt und seine wahre Freude daran hat. „Z-Office“ zeigt wieder einmal, dass sich in Deutschland fähige Jungregisseure tummeln, die inszenatorische Ideen haben und diese auch mit geringen Mitteln gekonnt umsetzen können. Zudem stimmt auch der Rest der Crew, wie zum Beispiel Kameramann oder die Filmmusik-Komponisten. Ich bin wirklich sehr angetan von diesem (Kurz-)Film und hätte noch weitere 45 Minuten zusehen können. Douglas Stahl kann Geschichten erzählen und diese auch professionell in Szene setzen, so dass ich wirklich sehr gespannt bin, was er uns als nächstes Projekt präsentiert.

Ab 01.März 2017 wird „Z-Office“ über Amazon Prime als VOD angeboten.

Infos über den Film kann man auf folgenden Seiten erhalten:

Hashtag: #ZOfficeFilm
Facebook: https://www.facebook.com/ZOfficeFilm
YouTube: https://www.youtube.com/Zofficefilm
Twitter: https://twitter.com/ZOFFICEfilm
Instagram: https://www.instagram.com/zofficefilm/

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Fazit: Witziger Genrebeitrag aus Deutschland, der neben trashigen Einlagen auch sehr künstlerisch und professionell ist. Tolle, gutgelaunte Darsteller schaffen eine Funsplatter-Zombie-Komödie, die Lust auf mehr macht.

© 2017  Wolfgang Brunner

 

Der Staat gegen Fritz Bauer (2015)

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Originaltitel: Der Staat gegen Fritz Bauer
Regie: Lars Kraume
Drehbuch: Lars Kraume, Olivier Guez
Kamera: Jens Harant
Musik: Julian Maas, Christoph M. Kaiser
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg, Jörg Schüttauf, Lilith Stangenberg,   Laura Tonke, Götz Schubert, Robert Atzorn, Matthias Weidenhöfer, Cornelia Gröschel, Rüdiger Klink, Dani Levy, Michael Schenk, Anna von Haebler, Nikolai Will
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hat sich der NS-Verbrechensaufklärung verschrieben hat und bekommt im Jahr 1957 einen entscheidenden Hinweis auf den Aufenthaltsort des früheren SS-Obersturmbannführers Adolf Eichmann. Bauer will Eichmann vor Gericht bringen, doch er wird dabei immer wieder aus den Reihen deutscher Persönlichkeiten aus den höchsten Kreisen behindert. Der junge Staatsanwalt Karl Angermann fühlt sich Fritz Bauer verpflichtet und hilft ihm. Doch schon bald wird nicht nur beruflich, sondern auch privat die Suche nach Eichmann für beiden zu einer Herausforderung.

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Ich war sehr gespannt auf diesen Film, weil ich im Vorfeld schon einiges darüber gehört hatte. Aber was ich bei diesem Polit-Thriller letztendlich zu sehen bekommen habe, hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Unglaublich intensiv und vor allem sehr menschlich erzählt Regisseur Lars Kraume eine wahre Geschichte, die vor Bauers eigentlich wichtigster Leistung in seiner Karriere, nämlich der Heraufbeschwörung des Auschwitz-Prozesses und seinem Bemühen, sämtliche Altnazis aus der deutschen Justiz zu entfernen. Kraume erzählt also die Geschichte vor der eigentlich bedeutenderen historischen Begebenheit. Und das macht er so gut, dass man kaum bemerkt, wie die Zeit verstreicht. Bis in die kleinste Nebenrolle ist dieser wunderbare Film fantastisch besetzt und zeigt einen überaus sensiblen und emotionalen Menschen. Burghart Klaußner spielt oscarreif. Man nimmt ihm jede Handlung ohne Einschränkung ab und fühlt mit ihm. Das ist einfach unglaublich.
Genauso verhält es sich mit Ronald Zehrfeld als junger Staatsanwalt Karl Angermann. Auch er geht sichtlich in seiner Rolle auf und verleiht der Figur einen glaubwürdigen, liebenswerten Charakter.

In einem sehr ruhigen, fast schon melancholischen Stil wird der Kampf eines Mannes erzählt, der sein Ziel erreichen will, koste es was es wolle. Unspektakulär, aber nichtsdestoweniger eindringlich, begleitet der Zuschauer Fritz Bauer auf seinem steinigen Weg. Entgegen anderer Meinungen empfand ich die (angeblich erfundene) Homosexualität Bauers absolut gut in den Handlungsstrang integriert. Doch offenbar ist an dieser Homosexualität doch etwas Wahres dran, wenn man ein wenig recherchiert. Auf jeden Fall haben gerade diese Szenen aus meiner Sicht die Einsam- und Verletzlichkeit des Mannes unterstrichen und seiner Figur eine tragische Rolle verliehen. Fritz Bauer wäre durch diese Neigung auf jeden Fall erpressbar gewesen, da es zur damaligen Zeit schließlich noch immer den § 175 gab. Ich fand diese Entwicklung und Beleuchtung von Bauers Person auf jeden Fall sehr interessant und auch glaubwürdig.

Regisseur Lars Kraume hat zusammen mit wunderbaren Schauspielern ein Stück deutsche Geschichte auf Film gebannt, das man sich unbedingt ansehen sollte. Ich hätte auf jeden Fall gut und gerne noch weitere zwei Stunden zusehen können, wie Fritz Bauer sich seiner selbst auferlegten Aufgabe widmet. Die Kulissen sind sehr authentisch und auch die Dialoge vermitteln einen glaubhaften Eindruck, wie es in jener Zeit zugegangen ist. Mich hat der Film absolut gefesselt und fasziniert. In erster Linie lag das an der ausdrucksstarken Darstellung von Burghart Klaußner, der der Person des Fritz Bauer eine unglaubliche Tiefe und Wärme verpasste, die nachhaltig beeindruckt.  Aber auch die handwerklich perfekte Inszenierung des (menschlichen und politischen) Dramas hatte großen Anteil an meiner Begeisterung.

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Fazit: „Der Staat gegen Fritz Bauer“ ist ein beeindruckendes historisches Zeitgemälde mit einer oscarreifen Schauspielleistung von Burghart Klaußner.

© 2016 Wolfgang Brunner

Reeperbahn (2015)

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Originaltitel: Reeperbahn
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
Kamera: Christian Penn
Musik: Myra
Laufzeit: 87 Minuten
Darsteller: Lisa Katharina Volk, Max Evans, Marc Engel, Nikolai Will, Rebekka Mueller,  Andre Koock, Vanessa Eichholz, Thomas Binder, Vaile Fuchs, Tessa Bergmeier, Nils Henftling
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ? (es ist wohl von einer der folgenden Einstufungen auszugehen: SPIO/JK keine Jugendfreigabe oder FSK 18)

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Sarah arbeitet als Prostituierte auf der Reeperbahn. Ihr Bruder Markus hält sich zusammen mit seinem besten Freund Djängo mit kleinen kriminellen Geschäften über Wasser. Eines Tages fordert Uffuk, Sarahs “Zuhälter”, von Markus Geld zurück. Plötzlich ist nichts mehr wie es war und die Beteiligten werden in einen blutigen Sog gerissen …

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Ich hatte das Glück, Timo Roses neuen Film „Reeperbahn“ als Vorab-Screener zu begutachten. Was soll ich sagen? Ich habe nichts anderes erwartet, als das, was ich geboten bekam. Um meine Stimmung, die mich gleich von den ersten Minuten dieses Thriller-Dramas an ergriffen hat, etwas besser zu erklären, muss ich kurz weiter ausholen: Seit „Die Klapperschlange“ war ich großer John Carpenter-Fan und habe ab diesem Zeitpunkt rückwirkend all seine alten Filme „verschlungen“ und sehnsüchtig auf seine neuen gewartet. Ich möchte Timo Rose nicht unbedingt mit John Carpenter vergleichen, dazu hat er einen viel zu eigenwilligen Inszenierungsstil, aber das Feeling, das er dem Zuschauer rüberbringt, ist irgendwie das gleiche. Ich saß beim Vorspann von „Reeperbahn“ erwartungsvoll da und genoss, wie einst bei Carpenter, wie die Namen altbekannter Personen (Schauspieler, Musik, Schnitt etc.) genannt wurden und dabei überkam mich genau diese (vor)freudige Hochstimmung auf den Film, den ich gleich sehen würde.

Alleine schon der Vorspann ist sein „Geld wert“: Kai E. Bogatzki beherrscht es einfach, einen stimmungsvollen Einstieg zu schaffen. Auch dies ist Bestandteil meiner oben erklärten Begeisterung, die durch Myras Filmmusik noch unterstrichen wird. Es ist alles so herrlich stimmig, bevor der Film überhaupt richtig angefangen hat. Beide, Bogatzki wie auch Myra, stellen ihr Können während des ganzen Films in konstanter Qualität unter Beweis. Zusammen mit Roses visuell ansprechendem Inszenierungsstil ergeben diese Zutaten eine beeindruckende Milieu-Studie des Hamburger Kiez, die geschickt Elemente von Thriller und Drama mischt. Gekonnt werden die verschiedenen Handlungsstränge zusammengeführt und ergeben ein tristes und gewalttätiges Gesamtbild. Wie schon mit „Death Wish Zero“ kann Timo Rose auch mit seinem neuen Film absolut faszinieren.

Nun komme ich zu den Schauspielern. Da fällt es mir äußerst schwer, zwischen den verschiedenen, allesamt guten Leistungen zu differenzieren und eine Punktewertung abzugeben. Denn: Die sämtliche Schauspieler sind schlicht und einfach gut. Marc Engel tritt in „Reeperbahn“ so richtig in den Vordergrund und spielt virtuos und glaubwürdig ein arrogantes Macho-Arschloch. Das dürfte nicht jeder Schauspieler so exzellent hinbekommen. Engel hat mich in dieser Rolle absolut überzeugt. Aber auch Max Evans, den Regisseur Rose bereits für die Hauptrollen in seinem Film „Death Wish Zero“ und die Serie „Nature“ unter Vertrag hatte, brilliert als Markus in gewohnter Qualität. Durch seine natürliche Art punktet der Schauspieler beim Zuseher. Als Kumpel von Markus gesellt sich Nikolai Will an die Seite von Evans. Es ist eine wahre Freude, den beiden zuzusehen. Dass ich sowohl von Max Evans wie auch Nikolai Will als Schauspieler begeistert bin, ist kein Geheimnis. Deswegen hat es schon was, den beiden jetzt gemeinsam in einem Film zuzuschauen. 😉
Auf der Seite der Frauen gefiel mir Lisa Katharina Volk unglaublich gut. Aber eben auch Tessa Bergmeier, Vaile Fuchs und Rebekka Müller. Um es vereinfacht auszudrücken, der Cast (ob männlich oder weiblich) war einfach gut, die Nebendarsteller mit einbegriffen.
Timo Rose hat ein unglaublich gutes, engagiertes und talentiertes Team um sich versammelt. Ich hoffe nur, dass genau dieses Team für die weiteren Filme erhalten bleibt (eben wie in John Carpenters Anfangszeiten). 😉

Timo Rose bewegt sich mit seinem brutalen Milieu-Drama völlig abseits von weichgezeichneten Filmen und Serien, die eine ähnliche Thematik behandeln. Das beginnt schon mit der derben Sprache, die man zu hören bekommt. Aber so wird in diesen Kreisen nun einmal miteinander geredet, da hilft auch kein Schönreden. Rose setzt auf Authentizität und das schafft er hervorragend, wenngleich sich der ein oder andere Zuschauer so manches Mal die Ohren zuhalten möchte wegen der direkten und obszönen Dialoge. „Reeperbahn“ ist hart und erschütternd, andererseits stecken auch sehr viele ruhige und menschliche Momente darin. Diese Kombination hält uns schlicht vor Augen, wie das Leben ist: brutal aber manchmal auch schön und lebenswert. In der Realität und im Film. Roses Drama stimmt nachdenklich, macht wütend und lässt einen am Ende hilflos zurück, weil man sicher ist, dass es genau so geschehen kann und vielleicht sogar geschehen ist.

„Reeperbahn“ ist als Trilogie geplant. Soweit ich weiß, ist das Drehbuch für Teil 2 schon fertig und das für den abschließenden Film in Arbeit. Als Gesamtwerk gesehen könnte ich mir durchaus vorstellen, dass „Reeperbahn“ eines Tages Kultcharakter bekommt. Zu wünschen wäre es diesem Projekt.

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Fazit: Brutal, ruhig, schockierend und deprimierend. Timo Roses Ausflug in die Realität des Hamburger Reeperbahn-Kiez begeistert durch Regie, Schauspieler, Schnitt und Musik.

© 2015 Wolfgang Brunner

Unerträglich (2012)

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Originaltitel: Unerträglich
Alternativtitel: Unbearable
Regie: Marcello Filippelli
Drehbuch: Marcello Filippelli
Kamera: Marcello Filippelli
Musik: Stefan Magasitz
Laufzeit: 10 Minuten
Darsteller: Nikolai Will, Christian Cujovic, Claudia Dalchow, Martin Kloss, Peter Eberst, Bernd Michael Straub
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: ohne Altersbeschränkung

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Die Kommissare Beck und Bergmann untersuchen einen Kindermord. Und plötzlich fehlt vom Vater des ermordeten Mädchens ebenfalls jede Spur. Die Ermittler gehen von einem Serientäter aus und versuchen, den Fall so schnell wie möglich zu lösen.

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Filippellis Kurzfilm packt den Zuseher sofort und zieht ihn in seinen Bann. In nur zehn Minuten packt der Regisseur jede Menge Handlung und Charakterzeichungen hinein, die so mancher Langfilm nicht hinbekommt.
Das Zusammenspiel der beiden Ermittler ist „Tatort“-mäßig, absolut glaubhaft und nachvollziehbar.
Durch eine Stimme aus dem Radio wird der Zuschauer in die Handlung eingeführt und merkt irgendwann, um was es geht. Aber so einfach ist Filippellis Geschichte dann doch nicht, denn der Regisseur führt uns trotz der kurzen Spieldauer seines Films auf eine falsche Fährte. Das Ganze ist unglaublich intensiv in Szene gesetzt und durch die teils verwackelten Handkamera-Bilder fühlt man sich mitten im Geschehen. Aber „Unerträglich“ ist kein Film im Found Footage-Stil, sondern ein optisch hervorragendes Kammerspiel, das einem so manches Mal einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Das liegt zum einen am heiklen Thema, dem sich Filippelli angenommen hat, zu anderen aber an der meisterhaften Schauspielkunst, die Nikolai Will mal wieder an den Tag legt. Dazu aber später.
Marcello Filippelli hat seinen ersten „großen“ Kurzfilm professionell und solide inszeniert. Man sieht eindeutig, dass er das Handwerk beherrscht und seine Freude daran hat. Die Moral mag für den ein oder anderen fragwürdig sein, weil Mord mit Folter gerächt wird. Aber … da sind wir jetzt beim Schauspieler Nikolai Will angelangt:

Nikolai Will charakterisiert die Rolle eines verzweifelten Vaters einfach hammermäßig. Alleine das in so kurzer Zeit, die ihm in diesem Film zur Verfügung stand, so überzeugend und emotional hinzukriegen, ist schon ein kleines Wunder. Zu der Verzweiflung kommt die für ihn selbst unerträgliche Last seines Handelns noch hinzu, gepaart mit der unerträglichen Tatsache, sein Kind verloren zu haben. Nikolai Will macht aus Filippellis Kurzfilm ein verstörendes Erlebnis, das einem nicht mehr aus dem Kopf geht. Nur mal am Rande: Wieso kriegt Will keine Hauptrollen in einem abendfüllenden Spielfilm?
Seine Mimik spricht Bände und lässt den Zuschauer mitfühlen: die Wut, die Verzweiflung und den abgrundtiefen Hass. Aber auch die Unsicherheit, ob sein Handeln richtig ist. Das alles beherrscht Will so perfekt, dass es einem den Atem raubt. Vielleicht sollte ich eine Fanseite für Nikolai Will gründen. 😉
Marcello Filippellis „Unerträglich“ ist zwar eine kurze Geschichte, aber im handwerklichen und schauspielerischen Detail ganz großes Kino.
Den Kurzfilm kann man sich auf youtube anschauen —> KLICK MICH!

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Fazit: Professioneller und ästhetischer Kurzfilm um  einen Kindermord, der dem Zuseher aufgrund der Schauspielleistung von Nikolai Will den Atem raubt. Filippelli ist ein vielversprechendes Talent. Den Namen werde ich mir merken. Absolute Empfehlung.

© 2015 Wolfgang Brunner

Dämonisch (2014)

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Originaltitel: Dämonisch
Regie: Benjamin Bechtold
Drehbuch: Benjamin Bechtold
Kamera: Hartmut Schotte
Musik: Christoph Heyd
Laufzeit: 20 Minuten
Darsteller: Josephine Ehlert, Nikolai Will, Mario Krichbaum, Vlasto Peyitch, Ben Lukas Schmidt
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: ?

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Stella ist Babysitterin. Nach einem Unfall, bei dem das Baby, auf das sie aufpassen sollte, stirbt, gerät sie in die Fänge eines Soziopathen. Der entführt Stella und kettet sie in einem Verlies neben eine Hundehütte an, wo er sie wie ein Tier behandelt. Doch dann ertönt eine Stimme aus der Hundehütte und konfrontiert Stella noch einmal mit ihrem traumatischen Erlebnis.

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Nach „Lovely Wolf“ ist „Dämonisch“ der zweite Kurzfilm, den ich von Benjamin Bechtold gesehen habe. Bechtold entfernt sich hier von der Komödie und zeigt einen schockierenden Thriller, der im Gedächtnis haften bleibt. Zwanzig Minuten lang unterhält der Kurzfilm in einer Mischung aus Psychothriller und Gruselhorror. Die Zeit vergeht wie im Flug. Das liegt zum einen an den beiden hervorragenden Hauptdarstellern Josephine Ehlert und Nikolai Will, die gleichermaßen eine Glanzleistung abgeben und zum  anderen an den wunderbar stylischen und atmosphärischen Bildern, die Benjamin Bechtold als Regisseur und Hartmut Schotte als Kameramann einfangen. Düster und erschreckend sind die Szenen, in denen Will als sozio- und psychopathischer Hundetrainer auftritt und Ehlert demütig seinen Befehlen Folge leistet. Das verursacht Schauer und verursacht schon beim  Zusehen ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Dieses Gefühl bleibt auch noch eine Weile, nachdem der Film zu Ende ist.-

Zum Thriller kommt noch ein zweites Genre zum Tragen, nämlich ein psychologisch angehauchter Gruselhorror. Es ist nicht das typische Böse in Form eines axtschwingenden Massenmörders, das Bechtold auf den Zuschauer loslässt, sondern ein tiefgründiges Grauen, das im Menschen selbst steckt. In nur zwanzig Minuten wird eine tiefsinnigere Handlung verpackt, als so mancher Film aus Hollywood vorweisen kann. Erneut wird bestätigt, dass Benjamin Bechtold sein Handwerk beherrscht und grandiose Handlungen in kurze Filme verarbeiten kann. Kameraführung, Schnitt und Musik sind optimal und geben an keiner Stelle einen Anlass, zu meckern.

Am Schluss muss ich aber noch einmal auf die Schauspieler zurückkommen. Wenn Josephine Ehlert „Hund“ spielt und dabei dennoch nicht aufgibt, eine Fluchtmöglichkeit zu finden, dann kann man diese Schauspielerei einfach nur bewundern. Ihr Gesichtsausdruck und die Bewegungen, wenn sie angekettet vor ihrem „Herrchen“ kuscht ist einfach nur der Hammer. Und genauso verhält es sich mit Nikolai Will. Wenn er mit einem wilden. psychopathischen Gesichtsausdruck seinem Opfer Befehle zuschreit, ist man nicht weit davon entfernt, als Zuschauer ebenfalls vor Angst zusammenzuzucken. Der wilde Ausdruck in Wills Augen ist grandios und zeigt wieder einmal, wie wandlungsfähig der Schauspieler ist und wie routiniert er seine verschiedenartigen Rollen im Griff hat. Josephine Ehlert und Nikolai Will haben meine volle Hochachtung.

Filme wie „Dämonisch“ schreien geradezu nach einer langen Kinofassung. Und selbstredend sollte dabei kein anderer als Benjamin Bechtold die Regie übernehmen und seine professionelle Crew weiter mit an Bord haben. „Dämonisch“ ist ein Independent-Kurzfilm der Spitzenklasse, der sich sowohl inszenatorisch wie auch schauspielerisch hinter bekannteren Produktionen nicht verstecken braucht. Im Gegenteil …

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Fazit: Wunderbar inszenierter Psychothriller-Horror-Grusler mit zwei unglaublich guten Hauptdarstellern.

© 2015 Wolfgang Brunner

Liebe (2014)

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Originaltitel: Liebe
Regie: Kai E. Bogatzki
Drehbuch: Kai E. Bogatzki
Kamera: Lucas Blank
Musik: René Bidmon
Laufzeit: 15 Minuten
Darsteller: Isabelle Aring, Nikolai Will
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
Freigabe: —

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Nach einem Unfall findet das Glück des Ehepaars Christian und Sylvia ein abruptes Ende: Sylvia sitzt querschnittsgelähmt im Rollstuhl und Christian versucht mit allen Mitteln, seiner großen Liebe das Leben zu verschönern. Aber die Aufgabe zehrt an seinen Nerven und er beginnt zu trinken. Immer öfter kommt es zu Streitereien, bis eine dieser Auseinandersetzungen eskaliert. Aber Christian gibt nicht auf, die Liebe zu Sylvia aufrechtzuerhalten.

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„In guten wie in schlechten Zeiten“, heißt es bei der Eheschließung. Dieser Thematik nimmt sich Regisseur Bogatzki in seinem Kurzfilm „Liebe“ an und zeigt, an welche Grenzen ein Paar stößt, wenn das Glück von einer Sekunde auf die andere zerstört und die Beziehung auf die Probe gestellt wird. Auf sehr hohem Niveau schildert Bogatzki das Leben der beiden und zeigt, dass er das Regiehandwerk vorzüglich beherrscht. Lucas Blanks Kameraarbeit ist ebenfalls beachtlich, wenn er Mann und Frau durch die Wohnung und bei ihrem Alltag begleitet. René Bidmons Score ist der Hammer und untermalt das elegisch-melancholische Drama hervorragend. Das Zusammenspiel von Regisseur, Kameramann, Filmmusik-Komponist und den beiden Darstellern könnte besser nicht sein. Und obwohl im Film sehr viele (geniale) Schnitte sind, wirkt er immer ruhig und niemals hektisch.
Manchmal ähnelt das Szenario Michael Hanekes gleichnamigem Film aus dem Jahr 2012 („Liebe“), aber Bogatzki geht einen eigenen Weg, der an die Grenze des subtilen Horrors gelangt, sie aber im Grunde genommen eigentlich gar nicht überschreitet. Oder doch? Es ist eine Gratwanderung, die Bogatzki da begeht. Und er meistert sie grandios, wickelt den Zuschauer in ein Psychonetz ein, aus dem es kein Entkommen mehr gibt. Obwohl der Film nur eine Viertelstunde dauert, beinhaltet er eine beeindruckende und tiefgreifende Geschichte.

Nikolai Will verleiht seiner Rolle einen unglaublich dichten und authentischen Charakter. Liebevoller Ehemann, naiv verspielt kindlicher Pfleger oder streitlustiger Alkoholiker. Egal, was dieser Mann darstellt, er macht es einfach gut. Und wenn es, wie in diesem Fall, fast schon eine Art Kammerspiel ist, in der nur zwei Charaktere eine tragende Rolle spielen, dann blüht Will auf. Aber auch Isabelle Aring gibt eine gute Figur ab, obwohl sie nur selten zu sehen ist. Wahrscheinlich aber beeindruckt gerade die Bewegungslosigkeit und das Nichtagieren, das manches Mal an eine Puppe erinnert, unterbewusst den Zuschauer. Bogatzkis Reise in einen menschlichen Abgrund fesselt und verstört zu gleichen Teilen. Durch die grandiose Schauspielerleistung Nikolai Wills und den unglaublich gefühlvollen Soundtrack René Bidmons wird man von der ersten Minute an in eine eigenwillige Stimmung gerissen, die aus melancholischer Nostalgie und erschreckender Alptraum-Realität besteht. Man wird Voyeur und leidet sowohl mit dem Mann als auch der Frau.
Man möchte gerne wissen, was Bogatzki uns mit seiner traurigen Geschichte erzählen will und wird plötzlich aus seiner eigenen Lethargie, die der der Protagonisten gleicht, mit einem schockierenden Aha-Erlebnis herausgerissen. Im letzten Drittel wird „Liebe“ zu einem Schocker, der einen wirklich trifft und sprachlos macht. Und dennoch vermittelt dieses Ende erstaunlicherweise etwas melancholisch Verzweifeltes, das irgendwie eine unglaublich große Liebe darstellt. Wenn der Film zu Ende ist, bleibt Nachdenklichkeit und Traurigkeit zurück. Und die Erinnerung an einen unglaublich gut inszenierten Kurzfilm mit einem hervorragenden Hauptdarsteller und einer grandiosen Musik.

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Fazit: Intensiv, melancholisch, traurig und am Ende schockierend. Grandiose Schauspielerleistung von Nikolai Will, hammermäßige Musik von René Bidmon und erstklassige Regiearbeit. Den Namen Kai E. Bogatzki sollte man sich merken. Ich tue es auf jeden Fall. 🙂

© 2015 Wolfgang Brunner