Wolf Creek (2005)

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Originaltitel: Wolf Creek
Regie: Greg McLean
Drehbuch: Greg McLean
Kamera: Will Gibson
Musik: François Tétaz
Laufzeit: 104 Minuten (Unrated)
Darsteller: John Jarratt, Cassandra Magrath, Kestie Morassi, Nathan Phillips, Guy O’Donnell, Gordon Poole, Guy Petersen, Jenny Starvall, Greg McLean
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Australien
FSK: k.A.

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Der Australier Ben will mit den beiden Engländerinnen Liz und Kristy den Meteoritenkrater „Wolf Creek“ im Outback besuchen. Als sie von der Stelle fahren wollen, bemerken sie, dass weder ihre Uhren noch das Fahrzeug funktioniert. Sie müssen sich damit abfinden, die Nacht im liegengebliebenen Auto zu verbringen. Doch in der Nacht taucht unverhofft Hilfe auf: Der hilfsbereite Mick Taylor bietet an, die Touristen abzuschleppen und ihnen am nächsten Tag das Auto zu reparieren. Die drei lassen sich auf den Vorschlag ein. Doch sie wissen nicht, dass sich hinter dem hilfsbereiten, freundlichen Mann eine perverse Bestie verbirgt.

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Im Vorspann wird behauptet, dass es sich bei dem folgenden Film um eine wahre Begebenheit handelt. Im Prinzip stimmt das zwar, aber Greg McLean hat in seinem Drehbuch verschiedene Mordfälle, die in Australien passierten, vermischt und zu einer eigenständigen Handlung verarbeitet. Das aber nur am Rande, denn der Plot zeigt durchaus eine authentische Wirkung. Was mir besonders gefallen hat, war der langsame Aufbau der Ereignisse. Anfangs nehmen wir einfach nur am Ausflug der drei Menschen teil, wie sie das australische Outback erkunden wollen.
Langsam nimmt der Film nach etwa einer Stunde  erst Fahrt auf und baut eine anfangs sehr unterschwellige wirkende Spannung auf, bei der sich ein unangenehmes Gefühl im Magen breitmacht.

John Jarratt als psychopathischer, perverser Mörder und Folterer ist unglaublich gut. Er wirkt lustig, sympathisch und an manchen Stellen derart übertrieben gutgelaunt, dass es einem Angst macht. Man fängt an, ihm zu misstrauen, je länger man ihm zusieht. Das macht Jarratt wirklich sehr gut und absolut überzeugend. Wie er sich von einem echten Sympathieträger in einen gnadenlosen, kaltblütigen Killer verwandelt, ist unbedingt sehenswert.
Nathan Phillips als Ben, der mir bereits in „Chernobyl Diaries“ und „These Final Hours“ positiv aufgefallen ist, macht auch in „Wolf Creek“ eine gute Figur. Ebenso die beiden Frauen an seiner Seite, Cassandra Magrath und Kestie Morassi. Beide geben sich in ihren Rollen sehr souverän und beweisen, dass sie sowohl die sympathische Frau von nebenan wie auch ein gequältes Opfer spielen können. Beides nimmt man ihnen ab und gerade die blutigen Szenen wirken durch die beiden niemals übertrieben hysterisch.

In der zweiten Hälfte legt der Film eine immer härtere Gangart ein. Angenehm ist, dass die Folterszenen niemals ausufernd gezeigt werden, sondern genaugenommen immer nur angedeutet werden. Sicherlich bekommt man einiges zu sehen und die Gore-Einlagen sind auch nicht zu verachten. Aber der größte Teil der Qualen findet im Hirn des Zusehers statt. McLean zeigt einen brutalen Thriller, den er aber immer wieder mit wunderschönen Aufnahmen unterbricht. Sonnenuntergänge, vor denen die Protagonisten nur als Schatten zu sehen sind, Spinnweben mit Tau oder fantastische Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit derben, blutigen Folter- und Fluchtszenarien ab. Auf mich hatte diese Mischung eine bedrückende Wirkung.

„Wolf Creek“ ist nichts für schwache Nerven und bewegt  sich zwischen Filmvorbildern wie „Saw“ oder „Hostel“, wobei er letzteren ohne weiteres um Längen schlägt.  Greg McLeans Regiedebüt ist handwerklich solide und zeigt gekonnte Kameraeinstellungen. Der Plot gibt zwar nichts Neues her und zeigt einfach einen weiteren Slasherfilm, der sich eindeutig mehr in die Torture-Richtung bewegt, aber inszenatorisch und schauspielerisch hebt er sich wohltuend von so mancher amerikanischen Produktion ab.
Aufmerksame Zuschauer und/oder Filmkenner könnten das Zitat aus „Predator“ erkennen, wenn der Killer das erste Mal in der Nacht auftaucht und Ben flüstert: „Da draußen ist etwas … und es ist kein Mensch!“

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Fazit: Anfangs ruhiger Thriller, der sich in der zweiten Hälfte zu einem beklemmenden und verstörenden Folter-Alptraum entwickelt. Hauptdarsteller John Jarratt spielt sehr glaubwürdig.

© 2015 Wolfgang Brunner

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Spieglein Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen (2012)

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Originaltitel: Mirror Mirror
Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: Marc Klein, Jason Keller, Melissa Wallack
Kamera: Brendan Galvin
Musik: Alan Menken
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Julia Roberts, Lilly Collins, Armie Hammer, Sean Bean, Nathan Lane, Jordan Prentice, Mark Povinelli, Joe Gnoffo, Danny Woodburn, Sebastian Saracento, Martin Klebba
Genre: Komödie, Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 0 Jahre

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Als die Königin bemerkt, dass ihre Stieftochter Schneewittchen angeblicher viel schöner sei, als sie, entschließt sie sich kurzerhand, das Mädchen in den Wald zu verbannen. Doch Schneewittchen gibt sich nicht so schnell geschlagen. Als sie den charmanten Prinzen Andrew und sieben Zwerge kennenlernt, schmiedet sie Rachepläne …

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Wer die Filme von Tarsem Singh kennt, weiß, dass „Spieglein Spieglein“ nicht nur eine Komödie sein kann, sondern auch ein visuelles Erlebnis sein muss. Zwar anders wie in seinen Meisterwerken „The Cell“ und „The Fall“ entführt Sing dennoch in eine optische Wunderwelt, bei der man einfach nur staunen kann.
Bei der Neuinterpretation des Märchens von Schneewittchen geht der indische Regisseur eindeutig einen anderen Weg wie bei seinen bisherigen Filmen. Aber er geht das Thema erfrischend humorvoll an und verzichtet auf plumpe Witzchen, wie das bei so vielen Komödien der Fall ist. „Spieglein Spieglein“ ist stimmig und wechselt Humor, Abenteuer, Spezial- und visuell berauschende Effekte wunderbar ab.

Außer den prunkvollen Kostümen, die einem Tim Burton- oder Bollywoodfilm gerecht wären, punktet die Komödie mit einer gutgelaunten Julia Roberts, die in ihrer Rolle sichtlich aufgeht und dem Charakter der bösen Schwiegermutter einen unvergleichlichen persönlichen Touch aufdrückt. Eine Rolle, die für die sympathische Roberts wie auf den Leib geschnitten wirkt. Alan Menkens Soundtrack besticht durch eingängige Melodien und untermalt das Abenteuer perfekt. Tarsem Sing bewegt sich mit diesem Film aber eindeutig in Richtung Mainstream, was man von seinen anderen Werken eher nicht behaupten kann. Dennoch bleibt sein typischer Stil erhalten und macht diese Märchenverfilmung zu einem kurzweiligen Vergnügen. Fast möchte man behaupten, diese Interpretation ist eine der besten.

Sing verleiht dem Ganzen zwar oft einen etwas kitschigen Hauch, den man ohne weiteres hätte drosseln können, ohne auch das jüngere Publikum zu enttäuschen, aber der schmälert den Unterhaltungswert keinesfalls. Manches Mal nähert sich der Film tatsächlich den Visionen eines Tim Burton, was aber wohl hauptsächlich an den teils schrägen Charakteren und den farbenfrohen Kostümen liegt. Sean Bean muss sich in seiner Rolle, wie so oft, wieder einmal bereits in den ersten Minuten ins Reich der Toten begeben. Lilly Collins, Tochter des Sängers und Schlagzeugers Phil Collins, verkörpert die teils naive, teils aber auch toughe junge Königstochter ziemlich gut und glaubwürdig. „Spieglein Spieglein“ beachtet sämtliche Konventionen des klassischen Märchens und interpretiert die Geschichte modern und dennoch auf gewisse Art und Weise auch zeitlos. Mit Sicherheit nicht Sings bester Film, aber ein absolut sehenswerter Ausflug in ein völlig anderes Genre. Alleine schon Julia Roberts völlig überdrehte Darstellung sollte man gesehen haben.
Und spätestens am Ende, wenn das Lied „I Believe In Love“ von Lilly Collins gesungen wird, merkt man, dass Tarsem Singh Inder ist, denn diese Bilder könnten ohne weiteres aus einem Bollywood-Film stammen.

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Fazit: Von Tarsem Sing teils untypisch mainstreamartig inszeniertes, farbenfrohes und verrücktes Märchen. Und dennoch absolut sehenswert.

© 2015 Wolfgang Brunner

It Follows (2014)

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Originaltitel: It Follows
Regie: David Robert Mitchell
Drehbuch: David Robert Mitchell
Kamera: Mike Gioulakis
Musik: Disasterpeace
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Maika Monroe, Keir Gilchrist, Olivia Luccard, Lili Sepe, Daniel Zovatto, Jake Weary
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Nachdem Jay mit Hugh geschlafen hat, bekommt sie das Gefühl nicht los, dass sie irgendetwas verfolgt. Immer paranoider werden die Verfolgungsängste, bis Jay schließlich erfährt, dass da tatsächlich Etwas ist, das hinter ihr her ist. Zusammen mit ihren Freunden versucht sie, das „Ding“ loszuwerden.

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David Robert Mitchells Film ist ein außergewöhnlicher Horror-Mystery-Thriller, der an vielen Stelen an die innovativen Arbeiten eines John Carpenter erinnert. Sehr stimmungsvoll und mit einer entsprechenden Musik untermalt, zeigt „It Follows“ eine Gruppe Teenager im Kampf gegen das Böse, bei dem man sich immer wieder mal an die 80er Jahre zurückversetzt fühlt. Stylische Kameraführungen und keine hektischen Schnitte machen diesen Film zu etwas Außergewöhnlichem in der Landschaft der Splatter- und Gorefilme. Aber Mitchell zeigt auch keinen Found Footage oder typischen Gruselfilm. Er geht einen eigenen und besonderen Weg.

„It Follows“ ist gruselig, aber nicht blutig.  Die Teenager wirken sehr erwachsen und handeln überlegt, dennoch werden sie dem unheimlichen „Es“ nicht Herr. Fast könnte man meinen, Mitchel hätte einen Stephen King-Plot mit einem John Carpenter-Drehbuch vermischt und etwas eigenes daraus hervorgezaubert. Das Erstaunliche daran ist, das „It Follows“ niemals langweilt, sondern fast durchgehend fasziniert. Man kann sich den Film ein zweites Mal ansehen (was ich übrigens getan habe) und entdeckt Neues, fühlt sich plötzlich auf andere Art von dem Mysterium angesprochen und beginnt nachzudenken, was „Es“ denn sein könnte. „Die Körperfresser kommen“ meets „Dämon“ – oder „John Carpenter“ meets „80er Jahre Horror“ oder Stephen Kings „ES“.

Die Geschichte ist im Gehirn des Zuschauers ausbaufähig, interpretierbar in vielen Richtungen und beschäftigt nachhaltig. Das Rätsel wird nicht wirklich gelöst, das ist wohl Aufgabe des Zusehers, der sich mit dem Plot beschäftigen mag, was in der heutigen Zeit wohl nicht mehr häufig vorkommt. Mitchell serviert ein Hauptgericht, bei dem der Zuschauer selbst die Zutaten erraten muss und dann entscheidet, ob es ihm schmeckt oder nicht. Mir hat „It Follows“ in höchstem Grad gemundet und gerade aufgrund seiner ruhigen Erzählweise zählt der Film für mich zu einem erfrischenden Beitrag im ansonsten mittlerweile eher uninspirierten Horror-Genre.

Die Schauspieler agieren allesamt absolut überzeugend und tragen zu der außergewöhnlichen Atmosphäre der Inszenierung genauso bei wie der wummernde Synthesizer-Soundtrack von Disasterpeace. „It Follows“ ist eindeutig einer der innovativsten Horrorfilme der letzten Zeit, bei dem man genau zusehen sollte, denn es verbergen sich unzählige „Geheimnisse“ in den gezeigten Bildern. Alleine schon die Farbkompositionen, aber auch die große Frage, in welchem Jahr die Geschichte angesiedelt ist. Zu viele Ungereimtheiten (die mit Sicherheit beabsichtigt sind) zerstören das Puzzle, das sich der Zuschauer selbst zusammensetzen muss. Ich finde es spitzenmäßig, was Mitchell da abgeliefert hat.
Und ganz nebenbei spiegelt der Film dann auch noch den Weg vom Teenager zum Erwachsenwerden wider.
Ich wage fast zu behaupten, dass es sich bei „It Follows“ schon jetzt um einen modernen Klassiker des Horrorfilms handelt.

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Fazit: Verstörend, spannend und meisterhaft verzwickt inszeniert.

© 2015 Wolfgang Brunner

Zathura (2005)

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Originaltitel: Zathura
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: John Kamps, David Koepp
nach einem Roman von Chris Van Allsburg
Kamera: Guillermo Navarro
Musik: John Debney
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Jonah Bobo, Josh Hutcherson, Dax Shepard, Kristen Stewart, Tim Robbins, John Alexander
Genre: Science Fiction, Abenteuer
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Walter und Danny entdecken im Keller ein altes Spiel namens „Zathura“. Als sie zu spielen beginnen, ist nichts mehr wie es war. Meteoriten schlagen im Wohnzimmer ein und mit jedem Spielzug verändert sich etwas. Bis die beiden ungleichen Brüder feststellen müssen, dass sich das Haus gar nicht mehr auf der Erde, sondern mitten im Weltall, befindet …

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„Zathura“ wurde vom gleichen Jugendbuchautor geschrieben wie „Jumanji“.
Letztendlich ist es auch der gleiche Plot, den Jon Favreau inszenierte. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sich die Handung dieses Mal in den Weltraum verlagert. Und das ist auch der Punkt, der mir bedeutend besser gefällt als bei „Jumanji„. Die Effekte sind für die damalige Zeit grandios gemacht und noch heute absolut sehenswert.
Irgendwie hat mir bei „Zathura“ auch das Spiel zwischen den Brüdern besser gefallen. Liebe und Hass prägen die Beziehung der ungleichen Jugendlichen und dennoch siegt die Liebe. Das hat mich sehr angesprochen.

Hinzu kommt, dass Favreau („Iron Man“) in sein kleines Abenteuer jede Menge Gags eingebaut hat, die sowohl bei den Kleinen wie auch den Großen gleichermaßen ankommen. Alleine die Szenen mit der eingefrorenen Schwester sind unglaublich gut geworden und zaubern einem sogar nach mehrmaligem Ansehen noch ein Grinsen auf die Lippen. Erstaunlicherweise schnitt der Nachfolger von „Jumanji“ bedeutend schlechter an den Kinokassen ab wie sein Vorgänger. Mögen die Filmgötter wissen, warum … Ein möglicher Grund wäre, dass kein Zugpferd wie Robin Williams mit am Start war.

Die beiden Kinderdarsteller sind sympathisch und spielen ihre Rollen sehr glaubhaft. Auch Kirsten Stewart kommt witzig und authentisch rüber. Einzig Dax Shepard als Astronaut wirkt in einigen Szenen übertrieben und ein wenig nervig. Aber durch die permanente Spannung, die sich durch den ganzen Film zieht, läßt sich gern darüber hinwegsehen. Tim Robbins als Vater ist sehr sympathisch, kommt aber leider viel zu selten ins Bild.
Ein wenig erinnert das Abenteuer an die frühen Filme von Joe Dante: Jugendliche, Spezialeffekte, Soundtrack – dies alles wirkt eher wie ein Film aus den 80er Jahren, und wahrscheinlich ist es auch genau das, was mich persönlich so anspricht. „Zathura“ 4gewinnt bei mir eindeutig gegenüber „Jumanji“, obwohl man die Filme trotz ähnlicher Ausgangssituation schwer vergleichen kann (und auch nicht sollte).
„Zathura“ ist ein Familienfilm, der auf altbewährte Weise ein spannendes Abenteuer mit einer Familiengeschichte verbindet, in der es um Liebe und Zusammenhalt geht. Das Konzept geht meiner Meinung nach auf und macht den Film zu einem witzigen, surrealen und unterhaltsamen Abenteuer im Weltraum.

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Fazit: Charmantes und spannendes Weltraumabenteuer mit tollen Effekte und einer netten Story, das nicht nur den Kleinen gefällt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Twin Peaks (1990 – 1991)

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Originaltitel: Twin Peaks
Regie: David Lynch, Duwayne Dunham, Tina Rathbourne, Tim Hunter, Lesli Linka Glatter, Caleb Deschanel, Todd Holland, Graeme Clifford, Uli Edel, Diane Keaton, James Foley, Jonathan Sanger, Stephen Gyllenhaal
Drehbuch: Mark Frost, David Lynch, Robert Engels, Harley Peyton, Jerry Stahl, Barry Pullman, Scott Frost, Tricia Brock
Kamera: Frank Byers (Chefkameramann)
Musik: Angelo Badalamenti
Laufzeit: 1448 Minuten
Darsteller: Kyle MacLachlan, Michael Ontkean, Joan Chen, Piper Laurie, Jack Nance, Ray Wise, Dana Ashbrook, Everet McGill, James Marshall, Richard Beymer, Sherilyn Fenn, Lara Flynn Boyle, Sheryl Lee, Madchen Amick, Warren Frost, Peggy Lipton, Kimmy Robertson, David Lynch, Don S. Davis, Miguel Ferrer, Harry Goaz, Wendy Robie, Eric DaRe, Russ Tamblyn, Michael Horse, Margaret Lanterman, David Duchovny
Genre: Mystery, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Laura Palmer wird ermordet und in eine Plastikplane eingehüllt aufgefunden. Agent Dale Cooper übernimmt den Fall und macht sich gemeinsam mit Sheriff Truman und seiner Crew auf die Suche nach dem Mörder. Schon bald stellt sich heraus, dass jeder in Twin Peaks mit Laura in Verbindung stand und ihr Tod mysteriöser ist, als anfangs angenommen.

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Nun habe ich David Lynchs Kultserie „Twin Peaks“ bereits zum vierten Mal gesehen und muss sagen: Sie hat nach wie vor nichts von ihren Reizen verloren. Wenngleich manche Dinge mittlerweile veraltet wirken, so hinterlässt die Serie eine unglaublich intensive und nachhaltige Spur im Gedächtnis des Zusehers. Man weiß gar nicht genau, wo man mit seiner Begeisterung ansetzen soll.

Erster Punkt, der eindeutig den Kultstatus der Serie unterstützt, ist die wahnsinnig gute, ausgefallene und elegische Musik von Angelo Badalamenti, der ja David Lynch erprobt ist. Ich kann gar nicht sagen, an wie vielen Tagen der letzten Jahre (oder gar Jahrzehnte?) mir zum Beispiel sein „Laura’s Theme“ oder eben die Titelmelodie im Gedächtnis rumspukt. Alleine das ist ist schon ein Phänomen, das bis jetzt keine Serie (und auch fast kein Film) geschafft hat.

Der zweite Punkt ist natürlich der Plot, der Mystery, Krimi und so ziemlich alle anderen Genre wild durcheinandermischt und dadurch schon keine Langeweile aufkommen lässt. David Lynchs Handschrift ist unverkennbar und alleine schon seine verrückten, aber dennoch liebenswerten Charakterzeichnungen sind der Hammer. „Twin Peaks“ hat meiner Meinung nach das Serienimage revolutioniert und übernahm eine Vorbildfunktion für viele nachkommende Serien. Noch immer kriege ich viele Szenen und Einstellungen nicht aus dem Kopf und das wird auch so bleiben.
Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper hätte besser nicht ausgewählt werden können. Seine exzentrische und sehr liebenswerte Art wird von MacLachlan dermaßen überzeugend dargestellt, dass es fast schon unheimlich ist. Man schließt diesen Mann schon sehr schnell in sein Herz. Genauso wie den Sheriff, Andy und Lucy und und und … Die Schauspieler wurden hervorragend ausgewählt und verleihen ihrem Charakter ein Gesicht und eine Ausstrahlung, die man nicht so schnell vergisst.
Sicherlich gibt es die ein oder andere Stelle (oder auch Folge), die nicht so herausragend ist, dass sie für den Gesamteindruck maßgeblich wichtig wäre, aber insgesamt wird der Zuschauer auf höchstem Niveau unterhalten.

Immer wenn die Serie in den Mystery-Bereich abdriftet, kann ich meine Begeisterung auch noch heute nach mehrmaligem Sehen, nicht kontrollieren. 😉
Es ist unglaublich, welche Gedanken in diesem Plot stecken. Unzählige offene Fragen werden anscheinend gelöst, verlaufen im Sande, kommen wieder zu Tage und man meint, alles zu verstehen, bis man sich eingestehen muss, doch nichts zu verstehen. Oder doch …?
David Lynch kann diese Rätsel und Verwirrspiele einfach und mit Hilfe von Drehbuchautor Mark Frost gelang ihm mit „Twin Peaks“ ein unvergleichliches Phänomen. Eine einzigartige Atmosphäre legt sich über die gesamten Staffeln und brennt sich ins Gedächtnis ein. „Twin Peaks“ ist die einzige Serie, die mich noch heute, nach über zwanzig Jahren, beschäftigt. Denn obwohl am Ende eine Lösung angeboten wird, ist das Mystische einfach zu komplex, um verstanden werden zu können. Fernsehen zum Nachdenken, zum sich beschäftigen und nicht nur zum schlichten, gedankenlosen Konsumieren – das ist „Twin Peaks“.
Der Zwerg, der Riese, Bob, Laura, Dr. Jacoby, der Einarmige, die Wälder … Wahnsinn, in welch einen Sog uns David Lynch da entführt und hinter die Kulissen einer Kleinstadtidylle sehen lässt, wo nichts ist wie es scheint. Und dann kommt auch noch ein mystisches, unheimliches Ereignis dazwischen, das alles auf den Kopf stellt.

So etwas wie „Twin Peaks“ wird es, zumindest in dieser Art, nicht mehr geben. Lynch hatte hier die Möglichkeit, eine seiner bizarren Geschichten endlich einmal ausufernd erzählen zu dürfen. Dennoch schafft er es wieder, den Zuschauer ratlos und nachdenkend zurückzulassen. Wie oft bin ich in Gedanken in dem roten Raum und höre die unheimlichen, rückwärts gesprochenen Worte des Zwerges? Wie oft sehe ich Cooper verletzt am Boden seines Hotelzimmers liegen und mit dem alten, gebrechlichen Butler sprechen? Wie oft sehe ich Laura lachen? Wie oft sehe ich die sich im Wind beugenden Wälder in der Morgen- oder Abenddämmerung?
„Twin Peaks“ ist Teil meines Filmlebens geworden und hat somit das Siegel „Kult“ für mich absolut verdient.

Und wenn man den derzeitigen Gerüchten Glauben schenken kann, erfüllt David Lynch den Wunsch seiner Fans, den diese bereits nach der letzten Folge der Serie geäußert haben: eine Rückkehr nach Twin Peaks.

Ach ja: „Verdammt guter Kaffee!“ und „Die Eulen sind nicht was sie scheinen“. 🙂

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Fazit: Kult, Kult, Kult! Die Mutter aller Kultserien! David Lynch vermischt Genre und spielt mit dem Zuschauer Rätselraten wie in seinen Kinofilmen. Mystery, wie es besser nicht sein kann.

© 2015 Wolfgang Brunner

No Turning Back (2013)

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Originaltitel: Locke
Regie: Steven Knight
Drehbuch: Steven Knight
Kamera: Haris Zambarloukos
Musik: Dickon Hinchliffe
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Tom Hardy
Genre: Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich
FSK: ab 12 Jahre

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Ivan Locke, hingebungsvoller Ehemann und aufopfernder Leiter einer Großbaustelle, befindet sich auf dem Weg nach London, um einen verhängnisvollen Fehltritt in seinem Leben zu reparieren. Auf der Fahrt gerät sein komplettes Leben durcheinander und Locke versucht durch Telefonate sein Privat- und Berufsleben wieder in den Griff zu bekommen. Und nebenbei muss er sich auch noch seiner eigenen Vergangenheit stellen …

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Man mag es gar nicht glauben, dass so eine One Man-Show derart grandios funktioniert. Aber „No Turning Back“ lebt tatsächlich eindrucksvoll von Tom Hardys unglaublich intensiver Darstellerleistung und lässt dramaturgisch keine Wünsche offen. Wie ein Sog wird man von der Handlung mitgerissen, erlebt jeden Tiefschlag des Protagonisten fast schon am eigenen Leib und leidet mit. Die Monologe und Dialoge sind eindringlich und knackig, bringen die Gefühlslage des Protagonisten auf den Punkt und zusammen mit Hardys Mimik könnte man durchaus noch weitere zwei Stunden dem Fiasko zusehen.
Freunde von Action werden schon nach der ersten Viertelstunde gelangweilt das Handtuch schmeißen und sich nach einem anderen Film umsehen. Anhänger von ruhigen, aber dennoch spannenden Filmen werden in helle Begeisterung ausbrechen, wenn sie zusehen, wie ein einziger Schauspieler einen Film derart unter Kontrolle hat, dass es einem den Atem verschlägt.

Regisseur Steven Knight, der übrigens auch das Drehbuch verfasste, gelingt ein kleines Meisterwerk, wenn er den Zuschauer mit auf eine Autofahrt nimmt, auf der der Protagonist auf allen Fronten um sein „Überleben“ kämpft. Obwohl in diesen eineinhalb Stunden privat und beruflich so ziemlich alles den Bach runtergeht, erscheint der Plot niemals konstruiert und überladen, sondern immer glaubwürdig. Das mag mit Sicherheit an Hardys grandiosem Schauspiel liegen, aber auch Knight trägt eindeutig seinen Beitrag dazu bei, den Zuschauer zu fesseln. Sein ruhiger, so manches Mal künstlerisch anmutender Inszenierungsstil vermittelt eine unglaublich authentische Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann.

Es ist schon erstaunlich, wie spannend es sein kann, einem Mann eineinhalb Stunden beim Autofahren und Telefonieren zuzusehen. Doch Steven Knight hat seinem Protagonisten so ehrliche und emotionale Worte in den Mund gelegt, dass man förmlich an dessen Lippen hängt und mit ihm bangt und hofft. Tom Hardy hat mich schon in „The Drop“ begeistert, aber was er hier abliefert ist einfach nur sensationell. So muss ein Schauspieler agieren.
Hinzu kommt noch der wirklich gute und vor allem passende Soundtrack von Dickon Hinchliffe, der das Ganze noch perfekt untermalt. Man wünscht sich, es gäbe mehr solcher Filme, die sich auf Schauspieler, Regie und Dialoge und nicht auf Effekteorgien konzentrieren. Für mich ein ganz klarer Independent-Tip.

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Fazit: Schauspielerische Meisterleistung trifft auf einen gekonnten, minimalistischen Inszenierungsstil. Unbedingt anschauen!

© 2015  Wolfgang Brunner

Titanic – Blood And Steel (2012)

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Originaltitel: Titanic – Blood And Steel
Regie: Ciarán Donnelly
Drehbuch: Matthew Faulk, Mark Skeet, Stefano Voltaggio, Ciarán Donnelly
Kamera: James Welland
Musik: Maurizio De Angelis
Laufzeit: 600 Minuten (12 Folgen)
Darsteller: Kevin Zegers, Alessandra Mastronardi, Derek Jacobi, Neve Campbell, Ophelia Lovibond, Massimo Ghini, Billy Carter, Branwell Donaghey, Liam Cunningham, Martin McCann, Ian McElhinney, Chris Noth
Genre: Drama, Serie
Produktionsland: Irland, Italien, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Kanada, Spanien
FSK: ab 12 Jahre

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1907 gibt die Schifffahrtslinie White Star Line bei der Harland & Wolff Werft in Belfast den Bau der „Titanic“ in Auftrag. Mark Muir ist Metallurg und untersucht den Stahl, mit dem das Schiff gebaut werden soll. Seine Geschichte verbindet sich mit denen der Auftraggeber, der Ingenieure und Arbeiter, für die alle der Bau der „Titanic“ zur größten Herausforderung ihres Lebens wird.

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Es gibt ja einige Verfilmungen über den Untergang eines der berühmtesten Schiffe der Welt. Nicht zuletzt James Camerons Mammut-Projekt verschaffte der „Titanic“ erneut ein Denkmal. Aber keiner dieser Filme zeigt die Entstehung dieses gigantischen Passagierschiffes. Doch mit seiner Miniserie „Titanic: Blood And Steel“ schafft Regisseur Ciarán Donnelly Abhilfe und schließt diese Lücke (zumindest in filmischer Hinsicht). Und das macht er richtig gut. Geradezu auf hypnotische Weise werden hier historische Ereignisse und eine fiktive Lebensgeschichte miteinander verwoben. Die historischen Begebenheiten betreffen nicht nur den Bau der Titanic, sondern spiegeln auch ein sehr glaubwürdiges Bild der damaligen Gesellschaft und der sozialen und politischen Entwicklungen wider. Es dauert nicht lange, bis man mit den Personen „warm“ wird und sie ins Herz schließt – oder auch nicht.
Auf beeindruckende Weise nimmt man an den Bauarbeiten des damals größten Schiffes teil und leidet mit den Protagonisten.

Schauspielerisch kann der überaus sympathische Kevin Zegers zusammen mit Alessandra Mastronardi, Derek Jakobi und  Massimo Ghini vollends überzeugen. Zeger wirkt zusammen mit Mastronardi sehr natürlich und man glaubt den beiden in jeder Szene, dass sie sich lieben. Jacobi als Lord Pirrie ist rein äußerlich schon absolut toll getroffen und zusammen mit seinem hervorragenden Schauspiel haucht der Brite der historischen Person Leben ein. Massimo Ghini überzeugt als fikiver Charakter in seiner Rolle als treusorgender, aber auch launischer Vater derart, dass man meinen könnte, auch ihn hätte es in Wirklichkeit gegeben. Liam Cunningham hätte als Gewerkschaftsanführer eine größere Rolle verdient, denn seine charismatischen Auftritte in (leider) nur 5 Folgen bleiben dennoch im Gedächtnis haften. Insgesamt ist die zwölfteilige Miniserie schauspielerisch hervorragend besetzt und kann auf hohem Niveau unterhalten.

Sicherlich tauchen für den eingefleischten Titanic-Fan einige Fehler auf, die aber dem Normalzuseher verschlossen bleiben. Ciarán Donnelly zeichnet anschaulich das Bild einer zerissenen Stadt (Belfast), in der sich jede Menge Konflikte abspielen. Politische Unruhen und religiöse Konflikte werden vor dem Hintergrund tragischer Liebesgeschichten und dem Bau der „Titanic“ behandelt und lassen in keiner Folge Langeweile aufkommen. Auch wenn das Happy End am Ende doch nicht wirklich happy ist, so hat Donnelly aus meiner Sicht eine sehr elegante und vor allem befriedigende Lösung geschaffen, die irgendwie ein wenig Hoffnung verspüren lässt, obwohl jeder weiß, was mit der „Titanic“ auf ihrer Jungfernfahrt geschehen ist.

„Titanic: Blood And Steel“ ist ein Muß für Titanic-Fans und eine unbedingte Empfehlung für Freunde niveauvoller Serien. Am Ende ist man traurig und hätte den Protagonisten gut und gerne noch einmal genauso lange zugesehen.
Erwähnenswert ist die geniale Musikuntermalung von Komponist Maurizio De Angelis, der nicht nur mit der Titelmelodie einen unvergleichlichen Ohrwurm komponiert hat. Sein Soundtrack ist unglaublich emotional und wunderschön.

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Fazit: Hervorragende Miniserie über den Bau der „Titanic“, die zwar einige kleine historische Fehler aufweist, dafür aber mit beeindruckenden Schauspielerleistungen punktet. Für Titanic-Fans ein Muß.

©2015  Wolfgang Brunner