Bogatzki, Kai E. (Regisseur)

14203678_1382614105086734_2064200911_o© Sascha S. Goldbach (itWaits Art)

Kai E. Bogatzki wurde am 22.07.1986 in Augsburg geboren. Schon als Kind hat er erste „Filme“ im Kinderzimmer mit Jurassic Park Spielzeug gedreht.
2007 – 2009 studierte er Digital Film & 3D Animation am SAE Institute in Köln, wo auch ein paar Musikvideos und sein Kurzfilm „Unter der Oberfläche“ entstand.
Danach arbeitete er als Cutter für „Infomercials“ und „Werbe und Imagefilme“ in Essen. In dieser Zeit entstand sein Kurzfilm „Liebe“.
Seit Juni 2015 ist Bogatzki als Cutter und Filmemacher selbstständig. Er übernahm den Schnitt in vielen Filmen von u.a Marcel Walz und Timo Rose.

1. Bevor wir auf Deinen neuen Film „Scars Of Xavier“ zu sprechen kommen, muss ich eines wissen 😉 :
Wie kam es dazu, dass Du Cutter und Regisseur wurdest? Wen würdest Du als „Initialzünder“ bezeichnen?

Wie kam es dazu?… Hmm … Gute Frage … irgendwie war „Film“ schon immer ein wesentlicher Bestandteil von mir. Ich hatte, anders als viele damalige Klassenkameraden in der Grundschule, schon sehr früh meinen ersten eigenen Videorekorder, mit dem ich Filme (Batman, Der weiße Hai, Halloween etc.) vom TV Programm aufgenommen und mir immer und immer wieder angesehen habe. Mein Vater hat mich damals sehr oft geweckt, wenn abends Horrorfilme im TV liefen (Omen, The Fog). Er war es auch, der mir „Zombie – Dawn of the Dead“ gezeigt hat (für mich immer noch der beste Zombiefilm, den es gibt). Zudem habe ich auch schon immer VHS (später dann DVDs, BluRays) gesammelt, eigene Geschichten geschrieben, was sich dann irgendwann in das Schreiben von „Drehbüchern“ gewandelt hat. Irgendwann flatterte dann die erste Videokamera ins Haus und der Rest ist Geschichte, haha.

2. Dein erster Langfilm „Scars Of Xavier“ ist das Porträt eines brutalen Serienkillers. Wo und wie fand diese Idee ihren Ursprung?

Wie das so ist, hatte ich natürlich schon ewig mehrere Ideen für meinen ersten Langfilm. Oft ist es an der Finanzierung gescheitert.

Ich war und bin schon immer sehr interessiert an Serienkillern, bzw. Serienkillerthemen, egal ob fiktiv (Dexter, Hannibal, Sieben etc.) oder real (Jeffrey Dahmer, Ed Gein etc.). Deshalb war es schon irgendwie immer klar, dass ich früher oder später etwas mit einem Serienkiller drehen will.

Lange vor „Scars Of Xavier“ hatte ich die Idee für eine Webserie, die ich auch beinahe gemacht hätte (Casting etc. lief schon). Dabei sollte es auch um einen Serienkiller gehen, der, ähnlich wie in „Dexter“, sehr schwarzhumorig gewesen wäre. Die Idee habe ich dann aber irgendwann verworfen, weil ich keinen „lustigen“ Killer wollte. Irgendwann ist dann der Gedanke für einen düsteren, dreckigen und ernsten Killer geboren worden und so nach und nach kamen die Ideen wie der Film aussehen soll, wo er spielt und und und …


3. Was stand bei der Entwicklung der Geschichte für dich im Vordergrund – die brutale Vorgehensweise eines Killers oder die Auseinandersetzung mit einem unserer psychopathischen Kranken, der eventuell Opfer unserer heutigen Gesellschaft ist?


Wichtig war mir vor allem die Figur Xavier. Der Film dreht sich zu 90% um Xavier und somit war für mich klar, dass diese Figur sehr gut ausgearbeitet werden muss. Zudem war mir auch eine düstere und bedrückende Atmosphäre wichtig und die Wahl der Locations. Zuerst war ja angedacht, dass der Film in Deutschland spielt und auch auf deutsch hätte gedreht werden sollen. Allerdings habe ich mich dann irgendwann dazu entschieden, dass wir den Film auf englisch drehen MÜSSEN, einfach aus dem Grund, dass man damit definitiv mehr Leute erreicht (Festivals, Verkauf etc.) Dann stellte sich direkt die Frage, wenn wir auf englisch drehen, wo spielt der Film? Amerika könnte man hier nie im Leben faken, also mussten wir in Europa bleiben. Irgendwie fiel dann die Wahl auf Prag. Die Stadt bringt für uns Westeuropäer, finde ich, direkt eine „schmuddelige“ Atmosphäre rüber (dabei ist Prag so wunderschön). Aber ein Unwohlsein bringt das ganze Östliche für uns ja schon mit irgendwie (und nicht erst seit „Hostel“).

Somit sind wir dann für paar Tage nach Prag gefahren und haben dort viele Außenaufnahmen an original Schauplätzen, welche u.a. bereits für den ersten „Mission: Impossible“ hergehalten haben, was mir allerdings erst jetzt vor ein paar Tagen bewusst aufgefallen ist, nach dem ich mir den Film mal wieder angeguckt habe. Da ging mir doch ein breites Grinsen übers Gesicht, als ich gesehen habe, dass Tom Cruise und Jon Voight an denselben Locations zu sehen sind, wie unsere SchauspielerInnen dann auch bei „Scars Of Xavier“.

Trotzdem war es natürlich auch wichtig, dass, wenn man einen Film über einen Serienkiller dreht, man natürlich auch sein blutiges Handwerk zeigen muss, denn das wollen die Leute ja auch sehen. Somit haben wir eine Reihe von coolen, mehr oder weniger blutigen/brutalen Kills im Film, welche oftmals noch mal eine Schippe zu den vorherhigen drauflegen werden. Für die Effekte konnten wir Philipp Rathgeber gewinnen, der einen wirklich großartigen Job gemacht hat. Seine Effekte sind der absolute Knaller. Ganz besonders von einem war ich hellauf begeistert, weil er das so krass hinbekommen hat. Was verrate ich an der Stelle natürlich nicht  🙂


4. Welche Bedeutung hat dieser Film für dich persönlich?

Für mich (und ich denke, da spreche ich für alle Beteiligten) ist der Film ein absolutes Herzensprojekt geworden. Das Team war immer mit 200% jeden Tag, egal wie lang der Drehtag vorher war, dabei und hat wirklich ALLES gegeben, um den Film umzusetzen. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an mein großartiges Team, ohne das ich den Film niemals hätte umsetzen können. Ganz davon abgesehen ist „Scars of Xavier“ mein erster eigener Spielfilm, was, denke ich für jeden, der einen Film dreht, automatisch was ganz besonderes ist. Der Film begleitet mich jetzt schon, mal mehr, mal weniger, seit über 1 ½ Jahren und es werden noch locker ein bis zwei Jahre dazukommen. Deshalb hat das ganze Projekt einen verdammt hohen Stellenwert für mich und ich werde mein bestes geben, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Zudem auch noch ein ganz großer Dank an Sascha S. Goldbach, der als Hauptproduzent tätig ist und mir vollstes Vertrauen in meine kreative Arbeit schenkt, und an die Co-Produzenten Walther Olligschläger und Jörg Lindner, die ebenfalls dazu beigetragen haben, dass ich den Film machen kann. Und ein Dank auch noch an meinen guten Freund Daniele Rizzo (mit dem ich bereits mehrfach zusammengearbeitet habe und der auch einen kleinen Cameo-Auftritt in „Scars of Xavier“ haben wird), der ebenfalls einen ganz großen Beitrag für mich und meinen Film geleistet hat!! Zudem habe ich auch noch selber einiges an Geld in den Film gesteckt (somit also auch noch Mitproduzent), deshalb hoffe ich umso mehr, dass sich die ganze Mühe, Liebe und natürlich der Geldeinsatz lohnen und auszahlen werden.


5. Wie konntest Du Marc Engel für die Hauptrolle gewinnen und wie empfandest du die Zusammenarbeit mit ihm?


Das war ganz einfach. Ich hab ihn während oder nach dem Schnitt für REEPERBAHN irgendwann mal angeschrieben, weil mir seine „Fresse“ zugesagt hat und ich ihn direkt als Serienkiller in meinem Film sah, ohne dass es bisher ein Gerüst für die Story etc. gab.

Die Zusammenarbeit mit Marc, und damit breche ich ENDLICH auch einmal öffentlich eine Lanze für ihn, war der absolute Hammer! Ich habe noch nie jemandem erlebt, der sich so extrem für eine Rolle vorbereitet hat und bereit war, alles für diese Rolle zu opfern. Dieser verrückte Kerl hat für „Scars Of Xavier“, nachdem klar war, dass Xavier ein eher dürrer Typ ist, 10kg innerhalb kürzester Zeit abgenommen.

Zudem stehe ich seit der ersten Anfrage an Marc täglich mit ihm in Kontakt, wir schicken uns Ideen und Voicemails hin und her (auch jetzt gerade, während ich das Interview beantworte) und er hat auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass der Film so ist, wie er letztendlich geworden ist. Wir haben uns ständig die Bälle hin und her geschoben, Ideen ausgetauscht und und und … Ich habe ihn direkt von Anfang an sehr stark in den kreativen Prozess involviert und als er dann irgendwann die erste Fassung vom Drehbuch bekommen hat, musste er während des Lesens öfters unterbrechen und mir eine Voicemail schicken, wie geil doch das Buch ist und dass er gerada eine Mega-Gänsehaut hat  🙂

Im Gegensatz zu ein/zwei Darstellern meiner früheren Kurzfilme, zählt Marc definitiv zu den Leuten, mit denen ich immer wieder arbeiten möchte 🙂

Zudem hat Marc auf jegliche Gage verzichtet, weil er „Scars Of Xavier“ vom ersten Moment an eingeatmet und gelebt hat. Somit hat den Film sogar noch mitproduziert.


6. Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten zu „Scars Of Xavier“?

Ich glaube, mit die größte Herausforderung war die Ausstattung des Filmes. Es war klar, dass Xavier eine Wohnung braucht. Woher also eine Wohnung nehmen, die man auch noch nach den eigenen Wünschen gestalten kann? Passenderweise stand eine kleine Zweizimmer-Wohnung in meinem Haus, sogar auf derselben Etage, auf der sich meine Wohnung befindet, frei. Ich habe meine Vermieter gefragt, ob ich die Wohnung für ein paar Wochen als Drehkulisse nutzen darf, und habe dann auch direkt eine Zusage bekommen.

Somit ging es dann ans Einrichten. Ich habe Möbel bei eBay-Kleinanzeigen gekauft, vom Sperrmüll mitgenommen und Tapeten gekauft, die ich dann ein paar Tage vor Drehbeginn mit meiner Freundin angebracht habe. Dann habe ich viele weitere kleine Details wie tschechische Kennzeichen, Arbeitskleidung mit tschechischer Aufschrift, Bierlabels etc. eingekauft, um die Illusion in den Szenen, die wir in Deutschland gedreht haben aufrecht zu erhalten, wir wären in Prag.

Die andere große Herausforderung war dann tatsächlich das Bewältigen des Crowdfundings, durch das wir unser fehlendes Restbudget wieder reinholen wollten. Knapp auf der Zielgeraden haben wir es dann auch noch geschafft.

Das war, glaube ich, das nervenaufreibendste des ganzen Filmes! Ich hoffe, ich kann bei zukünftigen Projekten auf Crowdfundings verzichten.

Vielen Dank noch mal an ALLE, die das Crowdfunding unterstützt und dafür gesorgt haben, dass es erfolgreich endete.


7. Was war die lustigste Begebenheit, die passierte?

Wir hatten eigentlich sehr viele lustige Momente am Set, angefangen damit, dass Marc sich fast jeden Tag eine neue Verletzung zugezogen hat und am Ende des ersten Drehblocks ein wahres Wrack war, bis hin, dass es fast jeden Drehtag ein „Lied des Tages“ gab, das das gesamte Team geträllert hat. Von „Radio Ga Ga“ von Queen bis hin zu irgendwas von den Backstreet Boys (übriogens toll gesungen von Marc und José) war, glaube ich, alles mal vertreten.

Eine Sache wird mir aber glaube ich für immer hinterherhängen. Und zwar befanden wir uns gerade mit zwei Autos auf dem Rückweg aus Prag. Nach über zwei Stunden Fahrt (wir waren bereits kurz vor Dresden) klingelte plötzlich mein Handy. Der Vermieter, bei dem wir ein Apartment in Prag angemietet hatten, rief mich an und sagte, wir hätten einen Rucksack bei ihm vergessen. Es stellte sich heraus, dass ich die Filmkamera in Prag vergessen hatte und dummerweise hatten wir am nächsten Tag breits den nächsten Dreh. Ich also auf den nächsten Rastplatz um die anderen (Marc, Sascha und meinen Kameramann Lucas) zu informieren. Die drei sind dann weiter nach Hause gefahren und meine Freundin Vanessa und ich sind nochmal zurück nach Prag, um die Kamera zu holen. Anstelle von geplant 22 Uhr waren wir beide dann erst um 3:30 Uhr endlich zu Hause. Gegen 8 uhr morgens klingelte dann für mich schon wieder der Wecker für den nächsten Drehtag.

8. Ich nenne ein Stichwort und Du gibst mir eine Antwort:

Kultfilm:
Halloween – Die Nacht des Grauens

Bester Filmschnitt aller Zeiten:
Puuuhh … schwer zu beantworten. Wüsste ich jetzt ehrlich gesagt nicht.

Steven Spielberg:
Fand ich mal cool

Mainstream:
Hätte ich nix dagegen, irgendwann da zu landen  🙂

9. Liebäugelst du bereits mit einer Fortsetzung von „Scars Of Xavier“ oder hast du schon andere Pläne, die du uns verraten kannst?

Eine Fortsetzung zu „Scars of Xavier“ wird es nicht geben (zumindest ist nix geplant).

Irgendwann in der Planung von „Scars of Xavier“ habe ich das Projekt zugunsten eines anderen Filmes (der dann mein erster Spielfilm, auch in Zusammenarbeit von Sascha und mir, geworden wäre) nach hinten geschoben. Allerdings hat es dann terminlich bei einem der Hauptdarsteller nicht gepasst, weswegen ich wieder geswitcht habe und den Film hinter „Scars Of Xavier“ gestellt habe. Ich denke also, den werde ich als nächstes realisieren. Oder aber vielleicht doch was ganz anderes, mal sehen. Ideen für zukünftige Filme sind auf jeden Fall mehr als genug vorhanden.


10. Was macht Kai E. Bogatzki privat? Welche Musik hörst Du, welche Filme siehst Du und welche Bücher liest Du?

Ich bin eigentlich ein sehr ruhiger Zeitgenosse. Ich verbringe viel meiner Freizeit mit meiner Freundin, gehe ins Kino oder gucke Filme zu Hause, genieße das Wetter (wenn es denn mal gut ist) und treffe mich mit Freunden.

Ich höre sehr gerne Metal(core), aber auch sehr oft Filmsoundtracks oder Musik anderer Genres. Bin da mittlerweile sehr offen für, wie ich finde, einfach gute Musik.

Ich gucke sehr Filme verschiedener Genres (bis auf Liebesfilme), bevorzuge aber natürlich das Thriller/Horrorgenre („Halloween“, „SAW“, „Sieben“ sind meine Lieblinge, um nur ein paar zu nennen) und bin ein unsterblicher BATMAN Fan.


11. Nenne die fünf für Dich wichtigsten Dinge im Leben?

Meine Freundin

Meine Eltern / Freunde

Kreativität

Essen

Freiheit / Immer irgendwo Kind bleiben


Film-Besprechungen bedankt sich bei Dir für die Antworten und hofft (und wartet) sehnsüchtig auf neue Filme von Dir.

Ich habe zu danken  🙂

© 2016 Wolfgang Brunner / Kai. E. Bogatzki

Advertisements