Interview mit dem Schauspieler Eroll Trotman

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© Oliver Betke, Berlin.
betke-bilder.de

Errol Trotman wurde 1955 in New Amsterdam, Guyana, Südamerika geboren. Nach einer kreativ Kindheit – er malte, zeichnete und spielte Schlagzeug – verschlug es Trotman zum Theater. 1998 stand er dann das erste Mal an der Seite von Dennis Hopper in „Straight Shooter“ vor der Kamera. Fernseh- und weitere Kinofilme folgten, unter anderem auch eine Rolle in Roman Polanskis „The Ghostwriter“.
Trotman nahm Schauspielunterricht bei Geraldine Baron, Walter Lott und John Costopoulos, die alle ihre Ausbildung an Lee Strasbergs „Actors Studio“ in New York absolviert hatten.
Mit der Serie „Deutschland 83“ hat er als einer der Hauptdarsteller gerade den „International Emmy Award“ gewonnen. Die Serie wurde als bestes Drama gekürt. Errol Trotman wohnt heute die meiste Zeit in Berlin. Neben seiner Arbeit als Schauspieler ist er auch als Schauspieldozent und Sprecher tätig.

Film-Besprechungen freut sich sehr, dass der außergewöhnliche und sympathische Schauspieler ein paar Fragen beantwortet hat.

1: Du hast gerade den „Emmy“ gewonnen. Hierzu gratulieren wir Dir erst einmal ganz herzlich. Wie sehen Deine Pläne für 2017 aus? Darfst Du uns schon verraten, in welchen Filmen wir Dich zu sehen bekommen?

Dankeschön erstmal für die Gratulation zum International EMMY Award. Ich habe ihn nicht direkt gewonnen, aber als Teil des Hauptensembles. Ich habe mich sehr gefreut in einer Erfolgsstory meinen kleinen Beitrag als Schauspieler geleistet zu haben. 2017 sieht gut aus.  Als erstes spiele ich in einer Tivoli Filmproduktion Arthur & Claire von Erfolgsregisseur Miguel Alexandre neben Josef Harder und Hanna Hoekstra. Es ist eine originelle Geschichte über Leben und Tod und das Schöne, was Menschen miteinander teilen. Danach beginnt die Probezeit für das spannende Theaterstück „Just Call Me God“ von Theaterregisseur Michael Sturminger. John Malkovich und Sophie v. Kessel spielen die Hauptrollen. Ich bin sehr gespannt auf dieses Projekt. Wir werden in der Elbphilharmonie Premiere feiern und danach eine europaweite.Tournee machen, beginnend in Wien. Ich freue mich besonders, weil es lange her ist, dass ich das letzte Mal getourt habe. 

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© Errol Trotman

2: Auf welche Deiner Leistungen bist Du besonders stolz?

Momentan bin ich zufrieden mit meiner Leistung als General Jackson in Deutschland 83. Das hat sehr viel Spass gemacht, vor allem die Recherche für meine Rolle als amerikanischer General in den 80ern, all die Erinnerungen an diese Zeit. Ich hatte das Glück, dass einige Produzenten und Caster meine Möglichkeiten erkannt haben und mich entgegen des vorgesehenen Typ besetzt haben; wie in Deutschland 83.  

3: Hand aufs Herz: Würdest Du den Beruf des Schauspielers noch einmal ergreifen oder Dich für etwas anderes entscheiden? Welcher Beruf wäre eine Alternative zur Schauspielerei für Dich? 

Ohh, das ist schwer- ich liebe diesen Beruf. Aber vielleicht wäre reisender Musikkomponist eine Alternative. Musik und auf Reisen gehen sind nämlich weitere Leidenschaften von mir. 

4: Könntest Du Dir vorstellen, auch einmal auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen? Was würden die Zuschauer von Dir zu sehen bekommen? 

Die Arbeit eines Regisseurs ist verdammt hart, intensiv und erfordert sehr viel Disziplin. Diszipliniert bin ich ja schon, Durchhaltevermögen habe ich auch, den Umgang mit Künstlern könnte ich also ganz gut machen; also ja, vielleicht. Wenn ich es aber tun würde, dann wohl eher mit einem Drama. Etwas über die Würde oder das David gegen Goliath Syndrom. Menschen an sich faszinieren mich. 

5: Horror, Science Fiction, Thriller, Drama oder Liebesgeschichte? Welches Genre bevorzugt Errol Trotman privat?

Thriller auf jeden Fall. Ob es SciFi oder Drama Thriller, Liebesromane mit Thrillereinflüssen, all das hat seinen Reiz. Auch Horrorthriller …. Ich liebe Ridley Scotts Alien.Filme, War of the Worlds, Exorzist, Hunt for Red October …  

6: Welche Entwicklung in der Filmbranche würdest Du Dir für schwarze Deutsche wünschen? 

Genau das Gleiche wie für meine weißen deutschen Kollegin/en. Dass Casting Directors, Redaktionen, Produzenten und Regisseure, sich einfach trauen, uns mehr zu besetzten. Ich weiss, dass Autoren auch Rollen für schwarze Schauspieler schreiben, aber dass eben die, die auf der anderen Ende des Tisches sitzen, sich oft nicht trauen, uns zu besetzen. Offensichtlich kann sich die Branche einfach nicht vorstellen, dass, wenn eine Rolle „Heinrich“ heißt, man einen Schwarzen vorschlägt. Komischerweise gibt es  kein Problem schwarze Schauspieler zu besetzen für Rollen als  „Türsteher“ oder „Valet“-komisch, nicht wahr? Für einen Charakter muß dann erst eine Hintergrundstory hinzu erfunden werden.   Es wird viel zu viel Zeit mit der Herkunft eines Menschen verschwendet.   

7:  Jeder Mensch hat Träume. Welche sind Deine in beruflicher und privater Hinsicht?

Beruflich, dass ich die Welt erkunden kann durch abenteuerliche Dreharbeiten und dass ich neue Freundschaften knüpfen kann in verschiedenen wundervollen Ländern. Das habe ich schon auf Barbados, Tel Aviv, Mauritius und anderen Orten erlebt.  Mit der heutigen Technologie kann man Freundschaften auch auf Distanz pflegen. 

8: Du übernimmst neben Filmrollen auch Theaterengagements. Was verschafft Dir mehr „Glücksgefühle“?

Ich habe “Glücksgefühle” bei beiden. Film ist ewig, die Bühne ist vergänglich. Schön wäre es natürlich, wenn es mehr professionelle Aufzeichnungen von Theateraufführungen gäbe. Das wäre schon für mich und meine Kollegen von Vorteil. ‘Get with the Times’, sage ich immer.

09: Erzähle uns doch mal das lustigste Erlebnis, das Du je bei einem Filmdreh erlebt hast.

Beim Bully Herbigs’ Dreh, ‘Traumschiff Surprise: Periode 1’. Während des Drehs trug Bully teilweise künstliche Narben und Make-up Röhrchen auf seinem Gesicht, die die ganze Zeit abplatzten. Natürlich immer dann, wenn wir einen Dialog hatten. Es war sehr lustig, wir mußten ständig lachen, er natürlich auch. Ich glaube das war ein sehr schlauer Clou von ihm; er wollte die Stimmung aufheitern, was er wirklich geschafft hat, und die zu einem guten Dreh und vor allem einem erfolgreichen Film geführt hat. 

10: Gibt es eine(n) filmischen TraumpartnerIn, mit der / dem Du gerne einmal drehen würdest?

Should I be so lucky, dann mit Tom Hiddleston, Viola Davis, Cillian Murphy, Denzel Washington…Ulrich Tukur. Eine sehr gute junge Schauspielerin namens Janina Stopper- she is bloody good, und Florence Kasumba, sie ist nicht nur eine fantastische Schauspielerin, wir sind auch gut befreundet, und das würde die Arbeit ganz besonders machen. Aber wirklich gibt es so viele tolle Schauspieler/innen. Ich könnte zwei Seiten voll schreiben.

Vielen Herzlichen Dank für dieses Interview.

Wer mehr über Eroll Trotman und seine Arbeit erfahren möchte, sollte sich auf seiner Homepage einmal umschauen.

© 2017 Wolfgang Brunner / Eroll Trotman

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