The Drop – Bargeld (2014)

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Originaltitel: The Drop
Regie: Michaël R. Roskam
Drehbuch: Dennis Lehane
Kamera: Nicolas Karakatsanis
Musik: Marco Beltrami
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Tom Hardy, Noomi Rapace, James Gandolfini, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Michael Aronov, Morgan Spector
Genre: Krimi, Thriller, Drama
Produktionsland: vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Bob Saginowski arbeitet in der Bar seines Cousins Marv. Hin und wieder werden solche Kneipen von der tschechischen Mafia als sogenannte „Money Drops“ benutzt, um schmutziges Geld zu deponieren. Eines Tages trifft es Marvs Bar, was an sich nicht weiter schlimm wäre. Doch am Ende des Abends wird die Bar überfallen und das deponierte Geld gestohlen. Bob und Marv finden sich plötzlich im Kreuzfeuer der Mafia, die das gestohlene Geld von ihnen zurückfordert.

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Dennis Lehanes Art, Geschichten zu erzählen, ist unglaublich intensiv. Das hat er schon mit „Shutter Island“, „Mystic River“ und „Gone Baby Gone“ eindrucksvoll bewiesen. „The Drop“ ist nun ein weiterer genialer Wurf, der diesen Weg auf gleichem Niveau fortsetzt. Dass in diesem Falle aber Lehane selbst das Drehbuch nach seiner eigenen Kurzgeschichte verfasst hat, ist ein absoluter Glücksgriff. In einer für Krimis und Thriller völlig untypischen Art wird die Geschichte vollkommen ruhig in Szene gesetzt und zeigt dadurch weitaus mehr Spannungspotential als eine actionreichere Inszenierung. Die ruhigen, menschlichen Zwischentöne und die unspektakuläre Erzählweise machen „The Drop“ zu einem Ausnahme-Thriller.

Michaël R. Roskam schafft eine unglaubliche Atmosphäre in seinem zweiten Langfilm, an die man sich noch lange erinnert. Tragende Rollen dabei haben sicherlich die beiden charismatischen Hauptdarsteller inne, die jeweils eine hervorragende Charakterzeichnung der Figuren, die sie spielen, abliefern und sichtlich Freude an ihrem Agieren haben. Tom Hardys treuherzige Dackelblicke, die sich im genau richtigen Moment in einen kaltblütigen Killerausdruck verwandeln, sind faszinierend. Ebenso brilliert aber auch James Gandolfini in seiner letzten Rolle und versprüht Charme und Gerissenheit in gleichem Maße. Das macht einfach Spaß, den beiden zuzusehen.

Die verzwickte Handlung steigert sich in einem stetig wachsenden Spannungsbogen, obwohl -wie oben bereits erwähnt- der Actionanteil bis aufs Äußerste minimiert ist. Aber vielleicht ist es genau das, was „The Drop“ zu einem besonderen Film macht, der seine Spannung nicht aus explodierenden Gebäuden und Autos zieht, sondern eher in einer unterschwelligen Bedrohung, die die beiden Protagonisten exzellent mit ihrem Spiel einfangen und den Zuschauer damit hypnotisieren.

„The Drop“ könnte tatsächlich einer meiner Lieblings-Thriller werden, denn die ruhige Erzählweise des Regisseurs, die im Nachhinein sogar oftmals melancholisch wirkt,  erinnert stark an die  Verfilmung der Lehane Stoffe „Mystic River“ durch Clint Eastwood und „Gone Baby Gone“ von Ben Affleck. Der Unterschied liegt aber in den Darstellern, die bei „The Drop“ einfach umwerfend sind.

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Fazit: Inszenatorischer Ausnahme-Thriller, der sehr ruhig eine Geschichte erzählt, die dennoch absolut spannend ist. James Gandolfini glänzt in seiner letzten Rolle neben Tom Hardy und stimmt einen dadurch umso trauriger, dass der charismatische Schauspieler so früh die (Film-)Welt verlassen hat.

© 2015 Wolfgang Brunner

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Metallica – Through The Never (2013)

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Originaltitel: Metallica – Through The Never
Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Nimród Antal, James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett, Robert Trujillo
Kamera: Gyula Pados
Musik: Metallica
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Dane DeHaan, Mackenzie Gray, Kyle Thomson, James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett, Robert Trujillo
Genre: Musikfilm
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Während eines Metallica-Konzerts wird der Roadie namensTrip, der für die Metal Band „Metallica“ arbeitet, vom Tourmanager in die Stadt geschickt, um eine für die Band enorm wichtige Tasche aus einem liegengebliebenen LKW zu holen. Während Metallica vor Zehntausenden begeisterter Fans ihre bekanntesten Songs spielen, wird Trip immer mehr in eine apokalyptische, teils surrealistische Welt geschleudert. Schon bald kann er Realität und Einbildung nicht mehr unterscheiden und beides scheint sich sogar zu vermischen.

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Metallica-Fans kommen um diesen Film sowieso nicht rum. 😉
Da wird nämlich ein Konzert der Superlative geboten, und wenn man die 3D-Fassung ansieht, erlebt man die vier Musiker hautnah bei ihrem Auftritt. Die Bühnenshow und die Ausstrahlung der Musiker, allen voran Sänger/Gitarrist James Hetfield und Schlagzeuger Lars Ulrich, sind umwerfend. Das Bühnenbild und die Auswahl der Songs könnte besser nicht sein. Die Band kommt absolut sympathisch rüber und reißt selbst Nicht-Fans mit ihrer Musik mit, sofern man dieser Art der Musik wenigstens ein klein wenig abgewinnen kann.

Einziges Manko dieses Konzertfilms ist die teils abstruse Nebenhandlung um den Roadie Trip. Sicherlich sind fantastische und atemberaubende Aufnahmen zu sehen, doch erschließt sich dem Zuschauer leider nicht der wirkliche Sinn. Da hätte man trotz aller Mystery-, Fantasy und postapokalyptischen Elemente mehr als nur eine an den Haaren herbeigezogene, pseudo-intellektuelle Story bauen können. Es ist ja auch nicht so, als wäre die Nebenhandlung nicht interessant – keineswegs. Aber man sucht, ob dies beabsichtigt ist oder nicht, wenigstens einen „kleinen“ Sinn in dem Ganzen und bleibt leicht verwirrt zurück. In der ein oder anderen Einstellungen wecken die gezeigten Bilder sogar kurzzeitig Assoziationen zu Alan Parkers grandioser Pink Floyd-„The Wall“-Verfilmung, aber der Plot schlittert leider sofort wieder in die Unsinnigkeit hinein. Man ist versucht, das Ganze als Drogentrip zu interpretieren, dem sich dann nachvollziehbarer Weise jeglicher Sinn entzieht. Das wäre für mich auch die einzig zufriedenstellende Lösung …

„Metallica – Through The Never“ ist nichtsdestotrotz ein Konzerterlebnis allererster Güte und eine selbstinszenierte Hommage an eine der einflussreichsten Metalbands der Rockgeschichte. Die zwar wirre Nebenhandlung lockert die Konzertabschnitte derart gut auf, dass keine Sekunde Langeweile  aufkommt. Der Musikfilm lohnt sich unbedingt und kann mit Sicherheit ein paar Mal angeschaut werden. Vielleicht kann man bei einem der nächsten Sichtungen sogar das ein oder andere Geheimnis der Nebenhandlung enträtseln. 😉

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Fazit: Bombastisch und atemberaubender Konzertfilm mit einer eher schwachen Fantasy-Nebenhandlung. Visuell und audiell absolut beeindruckend. Für Fans ein Muss, für alle anderen ebenfalls lohnenswert, sofern man dieser Art der Musik zugetan ist.

© 2015 Wolfgang Brunner

These Final Hours (2013)

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Originaltitel: These Final Hours
Regie: Zak Hilditch
Drehbuch: Zack Hilditch
Kamera: Bonnie Elliott
Musik: Cornel Wilczek
Laufzeit: 87 Minuten
Darsteller: Nathan Phillips, Angourie Rice, Jessica De Gouw, Daniel Henshall, David Field, Sarah Snook
Genre: Thriller, Science Fiction
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahren

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In nur 12 Stunden trifft ein Meteorit auf die Erde und löscht alles Leben aus. James hat Angst vor diesem letzten Moment und macht sich auf den Weg zu einer Party, um den finalen Augenblick unter Drogen und alkoholisiert nicht bei vollem Bewusstsein miterleben zu müssen. Doch dann trifft er auf das junge Mädchen Rose, die verzweifelt ihren Vater sucht. James beschließt, ihr zu helfen und lernt in den letzten Stunden seines Lebens, was es bedeutet, zu leben …

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Zack Hilditchs Endzeit-Drama hätte aus meiner Sicht mehr Aufmerksamkeit verdient. Meisterhaft erzählt der australische Regisseur eine bedrückende Geschichte um die letzten Stunden der Menschheit. Und er vermittelt eindrucksvoll, dass man jede Minute seines Lebens auskosten sollte, auch wenn das Ende unmittelbar bevorsteht. Das ist einerseits deprimierend und traurig, andererseits aber in fantastischen Bildern hoffnungsvoll dargestellt.

Nicht immer geradlinig, sondern auch mit eingeschobenen Rückblicken in die Vergangenheit wird trotz der ganzen Dramatik des Weltuntergangs genaugenommen eine Liebesgeschichte erzählt. Die Flucht eines verzweifelten Mannes, der Angst vor dem Tod hat und die letzten Minuten seines Lebens unter Alkohol und Drogen verbringen möchte, ändert sich im Laufe des Films zu einer Selbstfindung, die mit der Erkenntnis des Lebenssinns endet. Ganz so philosophisch, wie es sich jetzt vielleicht anhört, ist „The Final Hours“ zwar nicht, aber letztendlich bleibt ein Eindruck in diesem Sinne beim geneigten Zuschauer hängen.

Einziger Wermutstropfen dieses apokalyptischen Weltuntergangsszenarios ist die Tonabmischung in den Szenen, die sich bei einer Party abspielen. Sobald die Musik einsetzt, wackeln einem die Ohren, so laut sind diese Passagen ausgesteuert, und man greift im heimischen Wohnzimmer unweigerlich nach der Fernbedienung, was zur Folge hat, dass man die anschließenden Dialoge der Protagonisten nicht mehr versteht. Dreht man den Ton aber wieder lauter, fegt ein erneuter Lärmsturm über einen hinweg, wenn die Partymusik wieder in den Vordergrund rückt. Das nervt … 😉

Wenn man den aktuellen Berichten Glauben schenken kann, hat Zack Hilditch einen Vertrag unterzeichnet, um das Remake dieses Films für das amerikanische Fernsehen selbst zu inszenieren.

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Fazit: Unterhaltsamer Weltuntergangs-Katastrophen-Film aus Australien mit einigen fast schon philosphischen Aussagen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Automata (2014)

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Originaltitel: Autómata
Regie: Gabe Ibáñez
Drehbuch: Gabe Ibáñez, Igor Legaretta Gomez, Javier Sanchez Donate
Kamera: Alejandro Martinez
Musik: Zacarias M. de la Riva
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Antonio Banderas, Melanie Griffiths, Birgitte Hjort Sørensen, Dylan McDermott, Robert Forster, Tim McInnerny
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Bulgarien, Spanien
FSK: ab 12 Jahren

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Durch Sonnenstürme wird die Erde verwüstet und radioaktiv verseucht. Nur 21 Millionen Menschen überleben die Katastrophe und sind fortan gezwungen, sich auf die Hilfe von intelligenten Robotern zu verlassen. Als die Maschinen immer mehr Eigenleben entwickeln, beginnt der Versicherungsagent der Herstellerfirma Ermittlungen anzustellen. Er entdeckt dabei ein Geheimnis, das sein Weltbild vollkommen auf den Kopf stellt …

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Im ersten Moment fühlt man sich sofort an Philip K. Dicks Replikanten aus „Blade Runner“ oder Isaac Asimovs „Roboter-Zyklus“ erinnert. Auch hier müssen sich die Roboter an Gesetze halten und entwickeln immer mehr ein Eigenleben. Doch diese Übereinstimmung an die beiden genannten literarischen Vorbilder ist lediglich der Grundstein zu einem sehr soliden Science Fiction-Film, der schon bald seine eigene Richtung festlegt.

Antonio Banderas spielt seinen Part unglaublich gut und überzeugend.
„Automata“ verbreitet von Anfang an eine Atmosphäre, die an die „alten“ Science Fiction-Filme der 70er und 80er Jahre erinnert. Das macht so richtig Spaß, zumal die Roboter auch nicht so perfekt wie zum Beispiel in „I, Robot“ oder den Transformer-Filmen dargestellt sind. Gerade diese Unperfektion macht „Automata“ so sympathisch und wiederum auf gewisse Art und Weise perfekt. Die Bewegungen der Maschinen sehen aus wie bei „Nummer 5 lebt“ 😉 und haben dennoch faszinierenderweise eine Menschlichkeit inne, mit der man mitfiebert und mitleidet. Diese Roboter sind die heimlichen Stars des Films, wenngleich die menschlichen Darsteller auf jeden Fall gute Arbeit leisten.

Gabe Ibáñez hat einen Science Fiction-Film erschaffen, an den man noch lange denkt. Gerade die unspektakuläre Inszenierung ist es, die begeistert. In der heutigen Zeit, in der effekteüberladene Filme die Spitze der Kinocharts anführen, wirkt „Automata“ wie ein Segen für die Kinogänger, die sich mehr für Schauspieler, Inszenierung und Filmideen interessieren und nicht auf teuerste, perfekte Specialeffects Wert legen.
Wie oben bereits erwähnt ist das Thema von menschlichen Androiden nicht neu, aber dennoch realitätsnah und, bis auf die genannten Anleihen aus der Literatur und deren Verfilmungen, ideenreich umgesetzt. Das Finale wirkt fast schon wie ein Western und ließ mich irgendwie an Michael Crichtons „Westworld“ denken. 🙂
„Automata“ gesellt sich auf jeden Fall zu meinen Lieblingsfilmen im Bereich „Science Fiction“.

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Fazit: Liebevoll inszenierter Science Fiction-Film, der sich auf angenehme Weise vom gängigen, Compuereffekte-überladenen Mainstream abhebt und einen fast schon nostalgischen Rückblick in die 70er und 80er-Jahre bildet.

© 2015 Wolfgang Brunner

Happy Metal – All We Need Is Love (2013)

Happy Metal

Originaltitel: Pop Redemption
Regie: Martin Le Gall
Drehbuch: Martin Le Gall, Alexandre Astier
Kamera: Julien Marc
Musik: Franck Lebon
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Julien Doré, Grégory Gadebois, Jonathan Cohen, Yacine Belhousse, Audrey Fleurot, Délia Espinat-Dief, Arsène Mosca, James Rowe
Genre: Musikfilm, Komödie
Produktionsland: Frankreich
FSK: ab 12 Jahren

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Die erfolglose Death Metal-Band „Dead MaKabés“ ist kurz davor, sich aufzulösen. Der Grund: Sie wären mit knapp dreißig Jahren zu alt für so was. Alex, Sänger und Kopf der Band, versucht, seine Freunde noch einmal für einen Auftritt beim renommierten „Hellfest“ zu gewinnen. Aber schon die Fahrt dorthin entwickelt sich zu einem unglaublichen Desaster.

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„Happy Metal“ ist mal wieder eine Komödie, die mir gefallen hat. Sicherlich wird hier, wie so oft in diesem Genre, so manch platter Witz gerissen, aber insgesamt schneidet Martin Le Galls Death Metal-Pop-Mischung bei mir ganz gut ab.
Ziemlich gut fand ich schon mal die Musik 🙂 – vor allem auch die Gegenüberstellung von hartem Metal und seichtem Pop. Das war klasse und sorgte für gute Laune. Aber auch die Schauspieler taten das ihre dazu, um die französische Komödie unterhaltsam zu gestalten.
Die Situationskomik funktionierte in den meisten Fällen und zauberte mir desöfteren ein Schmunzeln ins Gesicht.
Leider verkam in der Mitte des Films das Ganze kurzzeitig zu einer Art Klamauk, die genau ich eben an Komödien nicht mag. Aber es renkt sich glücklicherweise wieder ein.

Besonders gut gefallen hat mir neben Grégory Gadebois, der den Bassisten JP darstellt, Délia Espinat-Dief als depressive Gothic-Braut á la Christina Ricci in „Beetlejuice“. Ihre Mimik und ihr Aussehen waren cool. Und wie sie ihrer Mutter im Schnelldurchlauf die Entstehung und die Unterschiede der verschiedenen Metal-Arten (Death Metal, Heavy Metal, Doom Metal etc.) erklärt, das hatte schon was.

Insgesamt war die Musik-Komödie trotz einiger Höhepunkte dann letztendlich doch etwas zu seicht und einfach konstruiert, als dass sie eine meiner Lieblingskomödien hätte werden können. Für Freunde von etwas weniger klamaukhaften, französischen Komödien, Fans von Metal-Musik und Beatles-Anhänger ist „Happy Metal“ aber auf jeden Fall sehenswert. Überzeugende Darsteller, gute Musik und ein unterhaltsamer, wenngleich einfacher, Plot machen den Film durchaus annehmbar.

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Fazit: Witzig und mit jeder Menge guter Musik (Metal und Pop) unterhält „Happy Metal“ absolut kurzweilig.

© 2015 Wolfgang Brunner

Nekromantik 2 (1991)

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Originaltitel: Nekromantik 2
Alternativtitel: Nekromantik 2 – Die Rückkehr der liebenden Toten
Regie: Jörg Buttgereit
Drehbuch: Jörg Buttgereit, Franz Rodenkirchen
Kamera: Manfred O. Jelinski
Musik: Hermann Kopp, Monika M. John Boy Walton
Laufzeit: 104 Minuten
Darsteller: Monika M., Mark Reeder, Wolfgang Müller, Beatrice Manowski
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

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Monika kann der Versuchung nicht widerstehen und gräbt ihren toten Freund Robert wieder aus, um mit seiner Leiche Sex zu haben. Bei einem Kinobesuch lernt Monika dann aber Mark kennen und schon bald verlieben sich die beiden ineinander. Aber Monikas Nekrophilie lässt sich nicht so leicht unterdrücken …

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Lange ist es her, dass ich diesen Film das erste Mal gesehen habe. Nun musste er nochmal dran glauben. 😉
Buttgereit setzt seine Geschichte über die Totenliebe nahtlos fort und erzählt, wie es mit Monika und (dem nunmehr toten) Robert weitergeht. Allerdings geht Buttgereit bei seiner Fortsetzung professioneller ans Werk, was man nicht nur am Schnitt, sondern auch an den Bildkompositionen sieht. Sicherlich bleibt dem Film etwas Amateurhaftes anhaften, aber gerade das ist es ja, was die „Nekromantik“-Filme ausmacht, von daher also absolut passend.
„Nekromantik 2“ geht derber ins Rennen als sein Vorgänger, vermittelt aber dennoch in meinen Augen weitaus mehr Romantik. Das liegt wahrscheinlich an der Liebesgeschichte zwischen den beiden lebenden Menschen, die überzeugend geschildert wird und einen oft die schrecklichen Bilder vergessen lässt. Als dann noch der tote Robert hinzukommt, entwickelt Buttgereit eine faszinierende Dreiecksbeziehung, die in einem blutigen, ekstatischen Finale endet.

Natürlich spaltet Buttgereits Kunst-Splatter die Zuschauer. Die „Gegner“ haben bei dem Film nicht nur moralische Bedenken, sondern sehen auch tabubrechende Provokation darin. Ich finde jedoch, dass das Thema keineswegs provokativ aufgearbeitet wurde, sondern, zwar eindringlich, aber ruhig und stimmungsvoll in Szene gesetzt wurde. Wie schon der erste Teil hinterlässt auch die Fortsetzung ein bedrückendes Gefühl im Magen, mit dem man anfangs schwerlich umgehen kann. Doch, wie auch immer, schafft Jörg Buttgereit es dennoch, uns nicht nur zu schocken, sondern vor allem auch zu faszinieren. Man kann sich den morbiden, hypnotisierenden und sinistren Bildern kaum entziehen, auch wenn sie noch so abstoßend wirken. Durch die wieder einmal hervorragende Musikuntermalung wird eine eigenwillige Stimmung erschaffen, die einerseits den gezeigten Schrecken entschärft, andererseits die bittere Grausamkeit sogar noch unterstreicht.

Auch hier gilt: Entweder man mag Jörg Buttgereits Filme und sieht sie mit einem besonderen Auge oder man lässt einfach die Finger davon, weil einen die Bilder und die Thematik abstoßen. Kunst ist hier auf jeden Fall mit im Spiel. Ob sie gefällt oder nicht entscheidet der eigene (gute oder weniger gute) Geschmack. 😉

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Fazit: Derber und blutigerer Nachfolger des Kultfilms „Nekromantik“. Genauso künstlerisch wie sein Vorgänger, bietet die Fortsetzung handlungstechnisch zwar wenig Neues, kann aber mit einer eigenwilligen Atmosphäre und guten (mutigen) Schauspielern überzeugen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Nekromantik (1987)

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Originaltitel: Nekromantik
Regie: Jörg Buttgereit
Drehbuch: Jörg Buttgereit, Franz Rodenkirchen
Kamera: Uwe Bohrer
Musik: Daktari Lorenz, John Boy Walton, Hermann Kopp
Laufzeit: 68 Minuten
Darsteller: Daktari Lorenz, Beatrice Manowski, Harald Lundt, Volker Hauptvogel, Susa Kohlstedt
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

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Der nekrophil veranlagte Robert arbeitet bei einer Säuberungsfirma, die Leichen nach Unfällen und anderen Todesfällen beseitigt. Seine Freundin, die seine Leidenschaft für Leichen teilt, ist begeistert, als er einen der Toten mit nach Hause bringt. Sie beginnen eine sexuelle Dreiecksbeziehung mit der Leiche. Doch dann verliert Robert seine Arbeit und kurz danach deswegen seine Freundin, die ihn zusammen mit der Leiche verlässt. Robert versinkt in Depressionen …

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Buttgereits erster Langfilm ist definitiv Geschmackssache. Der im Super 8-Format gedrehte Amateurfilm gefällt einem oder nicht – ein Dazwischen wird es nicht oder zumindest schwerlich geben.
Wenn man sich auf den Inszenierungsstil einlässt, erwartet einen ein äußerst beeindruckendes Werk, das einerseits schockiert, andererseits wunderschöne, künstlerische Darstellungen enthält. Es ist eine gewagte Gratwanderung, die Buttgereit hier wagt, aber meiner Meinung nach hervorragend meistert.
Die Musikuntermalung in Verbindung mit den gezeigten Bildern erinnert oftmals an Filme von Peter Greenaway oder Michael Haenekes „Benny’s Video“. Der Regisseur schafft es tatsächlich, dass man von dem Thema Nekrophilie angewidert, aber auch morbide fasziniert ist und den Blick von den manchmal schrecklichen Szenen nicht abwenden kann. Die künstlerischen Ambitionen, die Buttgereit verfolgt, werden vielen nicht ersichtlich sein, weil sie den Film als Schrott abtun und sich nicht darauf einlassen.

„Nekromantik“ ist meiner Meinung nach ein geschickt inszeniertes Liebesdrama, das seinen Schrecken nicht nur durch schockierende Splattereinlagen, sondern in erster Linie in einem äußerst behutsam dargestellten Versuch, Sex mit einer Leiche darzulegen, findet. „Nekromantik“ ist nichts für Weicheier, die Wert auf den guten Geschmack legen. Wer aber künstlerisch ambitioniertes, abseits des Mainstream angelegtes Genrekino aus Deutschland sucht und sich sowohl auf die Thematik und als auch den außergewöhnlichen Inszenierungsstil einlassen kann, wird eine kleine Perle unter den Amateur-Horror-Filmen finden, die sich ins Hirn einbrennt.

Jörg Buttgereits Film bricht eindeutig Tabus und zeigt hervorragend, wie man so etwas machen kann. Sensibel, morbide, schockierend, experimentell, bewegend, verstörend … und letztendlich auf gewisse Art und Weise künstlerisch. Man muss „Nekromantik“ einfach gesehen haben, um sich seine eigene Meinung zu bilden. Für mich ist dieses gelungene Experiment aus schockierendem, tabubrechendem Horror-Splatter-Albtraum und sensibel berührender Liebesgeschichte auf jeden Fall gelungen und unvergesslich.

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Fazit: Buttgereit bricht Tabus und schockt mit sichtbarem und psychologischem Grauen.

© 2015 Wolfgang Brunner