Klammer, Michael (Schauspieler)

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© Andrè Röhner

 

Michael Klammer wurde im Jahr 1980 im südtirolerischen Bruneck geboren. Sein Vater ist Afrikaner und stammt aus Nigeria. Er wuchs bei seiner Mutter in Südtirol auf dem Bauernhof seiner Großeltern auf, besuchte die Handelsoberschule (Matura zum Buchhalter und Bankkaufmann) und machte daraufhin das Abitur. Von 2001 bis 2004 besuchte er die Schauspielschule am Schauspielhaus Salzburg.

Neben seiner Arbeit am Theater war Klammer in diversen Fernseh- und Kinofilmen zu sehen. Dem deutschen Fernsehpublikum dürfte der charismatische Schauspieler unter anderem als Dr. Jonas Müller in der ZDF-Serie “Dr. Klein“ bekannt sein.

Film-Besprechungen durfte ein Interview mit dem vielseitigen Schauspieler aus Berlin führen.

1. Nachdem ich selbst zehn Jahre lang in Berlin gelebt habe, würde mich persönlich interessieren, wie lange Du schon dort wohnst und was Du an dieser Stadt besonders magst.

Ich wohne nunmehr auch schon zehn Jahre in Berlin. Was ich an der Stadt besonders mag sind die vielen, vielen Möglichkeiten, die sie einem bietet. Sei es in der Freizeitgestaltung, im kulturellen Bereich und natürlich auch im Nachtleben. Außerdem bietet sie, trotz der Größe, eine immense Lebensqualität, die, gerade wenn man selber ein Kind hat, nicht zu unterschätzen ist! Es gibt unzählige Parks, Seen oder Freizeitgestaltungsmöglichkeiten im Freien.
Außerdem ist das eine sehr sehr bunte, offene und lebensfrohe Stadt!

2. Du spielst neben Rollen in TV- und Kinoproduktionen auch sehr viel am Theater. Worin liegt für Dich der gravierende Unterschied dieser beiden Schauspielarten. Was machst Du lieber?

Ich finde, dass es sich im weitesten Sinne eigentlich um zwei verschiedene Berufe handelt.
Irgendwie vergleichbar mit Tischler und Zimmermann. Das hat Beides zwar mit Holz zu tun, aber das eine ist wesentlich diffiziler, feingliedriger und intimer, während das andere größer, abstrakter und grobschlächtiger ist!
Genauso verhält es sich, meiner Meinung nach, mit dem Theater und dem Film.
Am Theater muss man andere, teilweise größere Ausdrucksformen finden, schlicht und ergreifend lauter sprechen und/oder die Sachen deutlicher zeigen, um auch die letzte Reihe zu erreichen!
Aber ich finde Beides sehr reizvoll. Vielleicht ist es im Moment sogar so, dass ich etwas lieber drehe! Ich möchte aber auch die Arbeit am Theater nicht missen!

3. Du bist Deutscher mit dunkler Hautfarbe. Was bedeutet das für Dich? Sind dadurch die Rollenangebote durch ein gewisses Schubladendenken eingeschränkt?

Nun, als aller erstes muss ich sagen, dass ich überhaupt kein deutscher Staatsbürger bin! Ich bin Südtiroler! D.h. ich besitze die italienische Staatsbürgerschaft und bin, einer kleinen Minderheit angehörend, im deutschsprachigen Teil Italiens aufgewachsen!

Es ist tatsächlich nach wie vor so, dass Menschen mit Migrationshintergrund, egal welcher Ethnie oder Hautfarbe sie angehören mögen, in Deutschland nur begrenzte Angebote im Film und Fernsehen kriegen. Ob dies einem „Schubladendenken“, wie Du es nennst, oder auf fehlenden Mut der jeweils zuständigen Menschen, die die Filme besetzen, zurückzuführen ist, kann ich nicht genau beantworten.
Vielleicht ist es aber auch die Sehgewohnheit der Zuschauer, welche sich erst nach und nach dem Gesellschaftsbild anpassen muss.
Fakt ist allerdings, und da pflichte ich Dir bei, dass für Menschen anderer Hautfarben als der der Weißen, nicht alle Möglichkeiten einer Besetzung offen stehen.
Aber ich habe den Eindruck, es tut sich in dieser Hinsicht schon langsam was.

4. Was macht Michael Klammer privat? Welche Bücher liest, welche Musik hörst und welche Filme siehst Du in Deiner Freizeit?

Ehrlich gesagt, mache ich meiner Freizeit gar nicht mehr so wahnsinnig viel. Die meiste Zeit von der wenigen, die mir im Moment noch bleibt (schließlich bin ich fast immer unterwegs), verbringe ich dann auch ganz entspannt mit meinem Sohn oder mit meinen Freunden!
Lesen tue ich zur Zeit, und zwar zum wiederholten Male, alles mögliche von Richard Brautigan! Ich mag diesen Kerl, der ist so schön verrückt. Ich überlege die ganze Zeit, wie man seine skurrilen Geschichten am besten auf die Bühne bringen könnte.
Was Filme betrifft, so sehe ich mir alles mögliche an und könnte mich daher gar nicht auf irgendeine Richtung festlegen. Im Moment gucke ich alle möglichen amerikanischen Serien!

5. An welchen Projekten arbeitest Du gerade?

Im Moment drehe ich die dritte Staffel von „Dr. Klein“ in Stuttgart und bereite mich gleichzeitig auf einen österreichischen Kinofilm vor. Dann mache ich erst mal Urlaub und danach voraussichtlich wieder was am Burgtheater in Wien!

6. An welchen Projekten würdest Du am liebsten arbeiten? Was wäre Dein größter beruflicher Traum?

Ich würde gerne einmal an einem großen, internationalen Film mitarbeiten. Aber wer nicht?! ?
Mein größter beruflicher Traum ist es, meine Begeisterung, meine Freude und meine Liebe für das ,was ich tue, ins Ziel zu bringen; d.h. es zu schaffen, mit voller Hingabe bis ans Ende meiner beruflichen Laufzeit dabei sein zu können. Das wäre traumhaft! Weil, das würde bedeuten, dass man mich immer wieder eingesetzt hätte und sich mir immer neue Chancen eröffnet hätten. Das strebe ich an!

7. Und was Dein größter beruflicher Alptraum?

Mein größter Albtraum wäre, irgendwann nur noch abzuliefern. Seine Aufgaben zu erledigen, ohne mit dem Herzen dabei zu sein. Diese Vorstellung finde ich wirklich grausam! Zum Glück ist es aber nur ein Alptraum und hat mit mir nichts zu tun!

8. Du hast viele unterschiedliche Hobbys wie Snowboarden, Skifahren, Reiten, Tennis, Fußball, Fechten und Tanzen. Und Du spielst auch Gitarre und Mundharmonika. Wie kriegst Du diese Vielfalt an Freizeitaktivitäten neben der Theater- und Filmschauspielerei unter einen Hut?

Nun ja, anscheinend hast du da alles aufgeschrieben was auf der Agenturseite steht.
Es ist schon richtig, dass ich sehr viel Sport mache. Allerdings komme ich (bis auf 3 mal die Woche ins Fitnessstudio) nicht mehr wirklich zu viel mehr anderen Sachen.
Und was die Gitarre und die Mundharmonika anbelangt, glaube mir: man hört es, dass ich mich damit nur am Rande beschäftige!!

9. Was ist Deine spontane Antwort bei folgenden Begriffen:

– James Bond
cooler, einsamer, englischer Gentleman

– Indiana Jones
die Geschichte bleibt mir nie im Kopf aber die Titelmusik dafür tagelang in den Ohren hängen

– Idris Elba
Luther, für mich der beste Ermittler der Welt!
Super Schauspieler, sieht gut aus, ist erfolgreich und wird von allen über den grünen Klee gelobt. Der hat bestimmt ne gute Zeit!

– Comicverfilmungen der letzten fünf Jahre
Scheint sehr posh zu sein

10. Was sagst zu dem Begriff „Racial Empathy Gap“, also wenn Hautfarbe und soziale Klasse eines Zuschauers eine Wirkung auf die Empathie zu einem andersfarbigen Schauspieler hat. Anders gesagt: Spielt ein schwarzer Schauspieler einen Sklaven, Gangster oder Rapper, kommt das beim hellhäutigen Publikum wohl an, im Gegensatz zu dem Fall, wenn er einen reichen Geschäftsmann verkörpert. Wieso ist das Deiner Meinung nach so?

Ist das so? Ich weiß das nicht genau, kenne die soziologischen Studien dazu nicht, falls es die überhaupt gibt!
Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es auch hier wiederum ein bisschen an der Sehgewohnheit der Zuschauer liegt. Sozusagen an der Konditionierung, wie eine bestimmte Gruppe von Menschen (die nicht der Mehrheitsgesellschaft angehören), im Fernsehen, in den Kinos, in den Theatern gezeigt wird!
Und da hätten die Filmemacher und natürlich auch wir als Spieler am besten die Gelegenheit, ein anderes als üblicherweise gezeichnetes Bild von Menschen mit Migrationshintergrund zu zeigen!
Natürlich gibt es sie, die Dealer, die Rapper, die bösen Jungs mit Migrationshintergrund! Keine Frage.
Aber selbstverständlich gibt es auch die überaus erfolgreichen, adretten, vorbildlichen Leute, die man durchaus sehr gerne in seiner Nachbarschaft hätte. Und über die man sich – und da bin ich mir sicher – auch nicht wundern würde, wenn sie einem gut gekleidet, gebildet und eloquent, um 20:15 Uhr im Fernsehen begegnen!
Dagegen würde niemand was haben ! Dagegen kann keiner was haben. Außer natürlich, man ist ein Schwachkopf. Und wer ist das heutzutage schon gerne freiwillig, zumal man ja die Wahl hat?!

Ich bedanke mich herzlich für das Interview und wünsche Dir, dass Deine berufliche Karriere stetig weiter nach oben geht.

© 2016 Wolfgang Brunner / Michael Klammer

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