Rigor Mortis – Leichenstarre (2013)

Rigor-Mortis-Leichenstarre-Blu-ray-Cover-FSK-18

Originaltitel: Geung Si
Regie: Juno Mak
Drehbuch: Philip Yung, Jill Leung, Juno Mak
Kamera: Man-Ching Ng
Musik: Nath Connelly
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Chin Siu-ho, Anthony Chan, Kara Hui, Lo Hoi-pang, Paw Hee-ching
Genre: Horror, Martial Arts
Produktionsland: Hong Kong
FSK: ab 18 Jahren

*

Chin ist ein erfolgloser Schauspieler, der sich in einem riesigen Wohnsilo in Hongkong ein Appartment mietet, um seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch Yau, ein mysteriöser Bewohner des Hauses und, wie sich später herausstellt, einer der letzten Vampirjäger dieser Welt, rettet ihn.
Als Tung, der Onel von Yaus Frau stirbt, will diese ihn mittels Zaubertränken wieder zum Leben erwecken. Das Experiment gelingt, doch zu welchem Preis? Tung kehrt als Vampir wieder und stachelt weitere im Haus spukende Geister auf, die dort lebenden Menschen anzugreifen.

*

Ich bin sehr zwiegespalten, was „Rigor Mortis“ betrifft. Einerseits hat mich die teils wirklich fantastische Optik fasziniert, andererseits kam ich mit der Handlung nicht wirklich zurecht. Hätte ich am gleichen Tag, als ich den Film angesehen habe, eine Besprechung geschrieben, wäre sie bedeutend schlechter ausgefallen, als sie es jetzt tut. 😉

Also: wie gesagt, die optische Umsetzung des Films war schon beeindruckend, wenngleich manche der CGI-Effekte nicht so ganz überzeugend rüberkamen.
Die Handlung ist, wie oben schon erwähnt, etwas gewöhnungsbedürftig. Klar unterscheidet sich die asiatische Machart von Filmen von der europäischer, was mich aber, wenn ich zum Beispiel an Akira Kurosawa denke, nicht weiter stört. „Rigor Mortis“ hingegen ist eine Herausforderung.
Wer einen Film wie „The Eye“ (das Original, nicht das flaue Hollywood-Remake), „The Grudge“ oder „Dark Water“ hofft, wird definitiv enttäuscht sein. „Rigor Mortis“ ist zwar ein Geisterfilm, aber hier wird auch mit Martial Arts-Kämpfen aufgewartet, die für mich nicht immer passend waren. Aber diese „Kleinigkeiten“ beachte ich mal nicht weiter, denn die sind schließlich Geschmackssache.
Die Handlung kommt wirr daher und wer nicht aufpasst, verliert schon nach kurzer Zeit den Faden und weiß nicht mehr, worum es überhaupt geht. Auch wenn ich nicht alle Handlungsstränge kapiert habe, so habe ich zumindest nach ein paar Tagen einigermaßen verstanden, was Juno Mak vermitteln wollte.

„Rigor Mortis“ ist kein Alltagsfilm, sondern ein anspruchsvolles Werk, das dem Zuschauer „Hirn abfordert“. Dennoch konnte mich der Film trotz guter Effekte nicht vollständig überzeugen. Für Cineasten auf alle Fälle sehenswert, alleine schon wegen der überwiegend visuell berauschenden Darstellung der Geisterwelt.

*

Fazit: Kein Vampir- oder Horrorfilm, wie man ihn erwartet. Visuell beeindruckend wird eine wirre Story erzählt, die man erst nach längerem Nachdenken versteht (oder zumindest glaubt, zu verstehen). „Rigor Mortis“ hat mich im Grunde genommen enttäuscht, ich werde mir aber den Film aufgrund der Optik dennoch irgendwann einmal wieder ansehen.

© 2014 Wolfgang Brunner

Hobo With A Shotgun (2011)

hobo-shotgun_240

Originaltitel: Hobo With A Shotgun
Regie: Jason Eisener
Drehbuch: John Davies
Kamera: Karim Hussain
Musik: Adam Burke, Darius Holbert, Frank Siracusa
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Rutger Hauer, Brian Downey, Gregory Smith, Molly  Dunsworth
Genre: Action
Produktionsland: Kanada
FSK: SPIO/JK – Strafrechtlich unbedenklich (seit Mai 2014 beschlagnahmt)

*

Als Hobo in Hope Town ankommt, findet er nur Dreck, Gewalt und Ungerechtigkeit vor. Die Drakes, eine arrogante Familie, hat die Stadt vollkommen unter Kontrolle und peinigt fast alle Bewohner.
Es dauert nicht lange und Hobo beginnt mit einer Shotgun aufzuräumen: Zuhälter, pädophile Weihnactsmänner und natürlich die Drakes müssen sich von nun an in Acht nehmen.

*

Hobo ist Kult! Alleine schon der im Retro-Look der 70er Jahre gestaltete Anfang macht ungemein Spaß.
Basierend auf einem gefakten Trailer für die beiden Grindhouse-Filme Planet Terror und Death Proof von Quentin Tarantino  hat Eisener einen Film geschaffen, der sozialkritisch, lustig, blutig und absolut unterhaltend ist.
Eisener selbst hat diesen gefakten Trailer zu einem von Robert Rodriguez ausgeschriebenen Wettbewerb eingereicht und gewonnen. Ähnlich wie bei dem Trailer zu dem damals noch nicht existierenden Film Machete, war der Trailer zu Hobo With A Shotgun dermaßen erfolgreich, dass Eisener gestattet wurde, einen echten Film zu drehen.

Dass die ungekürzte Fassung unserer FSK Magenschmerzen bereitet, ist nur teilweise nachvollziehbar. Der Film ist nicht ernstzunehmen und das erkennt man problemlos in jeder Einstellung. Sicherlich ist da die ein oder andere Szene, die unter die Gürtellinie geht, aber dennoch nimmt man dem Regisseur diese „Grenzüberschreitungen“ nicht übel.

Die Kombination aus Schauspielkunst (Rutger Hauer macht seine Sache klasse) und derben Splattereffekten, vermischt mit einer 70er Jahre Farbgebung machen Hobo With A Shotgun für mich eindeutig zu einem Kultfilm, den ich mir mit Sicherheit noch ein paar Mal ansehen werde.
Eine Szene hat mich sogar fast zu Tränen gerührt. Nämlich die, als Hobo in einem Krankenhaus vor einer Kinderstation steht und in einem Monolog mit den Babys über deren Zukunft spricht. Das war einfach nur genial gemacht.

Wer sich für den gefakten Trailer interessiert, kann ihn sich hier ansehen.

*

Fazit: Hobo With A Shotgun ist ein Rachethriller, der nicht nur durch seine Optik, sondern auch durch das Schauspiel der Darsteller, allen voran Rutger Hauer in der Titelrolle und Molly Dunsworth als Abby, besticht. Für mich zählt der Grindhouse-Streifen eindeutig in die Kategorie „Kultfilm“.

© 2014 Wolfgang Brunner

Brick (2005)

brick-cover-3

Originaltitel: Brick
Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
Kamera: Steve Yedlin
Musik: Nathan Johnson
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Nora Zehetner, Lukas Haas, Matt O‘ Leary
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

*

Einzelgänger Brendan Frye hat mit „The Brain“ nur einen Freund an seiner High School. Und den braucht er jetzt auch, denn mysteriöse Dinge nehmen ihren Lauf. Brendans Ex-Freundin Emily, die ihn gerade noch unbedingt sehen wollte, verschwindet kurz darauf ohne jede Spur. Mit Hilfe seines Kumpels macht sich Brendan auf die Suche und gleitet alsbald in eine fremde Welt ab. Emily ist in den Untergrund der High-School-Szene abgerutscht und dort tragisch gescheitert. Brendan findet ihre Leiche und will nun an die Hintermänner der örtlichen Drogenszene herankommen, weil er dort die Täter vermutet. Nach einigen Prügeleien hat er ein Treffen mit dem Unterweltboss „The Pin“ sicher, doch das ist lebensgefährlich…

*

„Brick“ ist das Regiedebüt von Rian Johnson und gleichzeitig ein klassischer amerikanischer Detektivfilm im Stil der Schwarzen Serie der 40er Jahre, auch Film noir genannt. Der Regisseur verlegt seine Handlung an eine südkalifornische Highschool, doch die Figuren sprechen so wie es die Helden in der Vergangenheit taten. Da gibt es eine ermordete Blondine, eine Femme fatale, einen hirnlosen, brutalen Gewalttäter, einen perfiden Gangsterboss und vor allem einen „hard boiled“ Einzelgänger der einen Mord ohne Mithilfe der Polizei aufklären will, wenig redet und ziemlich viel einstecken kann. Dadurch, dass der Film in der Neuzeit spielt, bedient der Regisseur ein Subgenre des Film noir, nämlich den Neo-Noir.

Mir hat dieser Film sehr gut gefallen. Vor allem seine atmosphärisch dichte Erzählweise und die gewaltigen Szenenbilder haben mich beeindruckt. Die damals noch relativ unbekannten Schauspieler waren ein echter Glücksgriff und spielen ihre Rollen sehr überzeugend. Neben den Dialogen und der 40er-Jahre-Filmmusik glänzt der Film durch nostalgische Coolness. Dabei muss man jedoch genau aufpassen und mitdenken, sonst verliert man schnell den Faden. Die Thematik, die düstere Grundstimmung, die pessimistische Weltsicht, der staubtrockene, wortkarge Hauptprotagonist und Ermittler – all das wurde vom Regisseur geschickt in die heutige Zeit übertragen und neu interpretiert. Der Zuschauer bleibt, was die Figuren angeht, weitestgehend unentschlossen, da er bis zum Ende nicht genau weiß, wem er trauen darf und wem nicht. Doch ich finde, genau das macht den Reiz dieses Filmes aus.

*

Fazit: „Brick“ ist der Beweis dafür, wie gut es tut, wenn ein Regisseur ohne ein ängstliches, profitgeiles Studio im Nacken zu haben, seiner Fantasie freien Lauf lassen und in seinem Film etwas vermitteln kann, was heutzutage ziemlich selten geworden ist – Originalität.

© 2014 Lucas Dämmig

Haunter – Jenseits des Todes (2013)

BD_Cover_Haunter

Originaltitel: Haunter
Regie: Vincenzo Natali
Drehbuch: Matthew Brian King
Kamera: Jon Joffin
Musik: Alex Khaskin
Laufzeit: 93 Minuten
Darsteller: Abigail Breslin, Peter Outerbridge, Michelle Nolden
Genre: Horror, Mystery
Produktionsland: Kanada, Frankreich
FSK: ab 16 Jahren

*

Die junge Lisa erlebt jeden Tag aufs Neue das Gleiche. Die gleichen Gespräche, die gleichen Begebenheiten, das gleiche Wetter …
Eines Tages beginnen sich Kleinigkeiten zu ändern und Lisa sieht sich zudem auch noch mit geisterhaften Erscheinungen konfrontiert. Als sie versucht, mit dem Fahrrad durch den Nebel zu verschwinden, landet sie immer wieder beim Haus und wird von ihrem Vater erwartet. Und irgendwann bekommt Lisa heraus, dass sich in diesem Haus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mischen. Und auch das Diesseits und Jenseits scheint sich auf mysteriöse Weise in dem Haus miteinander zu verbinden.

*

„Haunter“ ist der neue Film von Vincenzo Natali, dem Regisseur der beiden genialen Filme „Cube“ und „Splice – Das Genexperiment“. Mit „Haunter“ hat er sich in das Genre des paranormalen Thrillers begeben und auch hier gezeigt, das er sein Handwerk beherrscht. Allerdings fehlt es dem Film, anders als in den beiden obengenannten, irgendwie in letzter Konsequenz an einem befriedigenden Endergebnis. Ähnlich wie in seiner Fantasy-Komödie „Nothing“, die thematisch ebenso wie „Haunter“ eine durchaus innovative und visionäre Ausgangssituation hat, gelingt Natali der krönende Abschluss irgendwie nicht. Wie „Nothing“ entlässt „Haunter“ den Zuseher mit einem unbefriedigenden Gefühl, obwohl er sich durchaus bewusst ist, gerade Zeuge eines genialen Streifens gewesen zu sein.

„Haunter“ wird als Mischung aus „The Sixth Sense“ und „Paranormal Activity“ angepriesen.  Mich hat der Film eher an einen Mix aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“ und „In meinem Himmel“ erinnert. Natali hat einen wirklich außergewöhnlichen Thriller geschaffen, der zum Nachdenken anregt und definitiv keine Mainstream-Kost ist.
Seine Aufnahmen wirken teilweise „lynchesk“ (darf ich dieses von mir erfundene Wort im Sinne kafkaesk dazu benutzen, um auf David Lynchs Filme hinzuweisen? 😉 ). Als Lisa in eine ihrer Vergangenheiten zurückgeht, sieht das aus, als sähe man einen alten Sepia-Film mit Bild- und Tonaussetzern. Diese Szenen waren schon genial und beeindruckend. Auch Stephen McHattie zeigt manchmal eine Mimik, die mich an die unheimlichen Bösewichter aus David Lynch-Filmen erinnerte.

*

Fazit: Ungewöhnlicher Horror-Thriller, der mit einer intelligenten Ausnahme-Handlung aufwartet, die aber wohl so manchen Mainstream-Kinogänger überfordern könnte. Visionär und inszenatorisch überzeugend, hinterlässt „The Haunter“ aber leider letzendlich doch irgendwie einen unbefriedigenden Eindruck, warum auch immer. Trotzdem empfehlenswerter Suspense-Mystery-Horror, weil er einfach aus dem Rahmen fällt.

© 2014 Wolfgang Brunner

Super – Shut Up, Crime! (2010)

Super_Fsk_dvd

Originaltitel: Super
Regie: James Gunn
Drehbuch: James Gunn
Kamera: Steve Gainer
Musik: Tyler Bates
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Rainn Wilson, Ellen Page, Liv Tyler, Kevin Bacon
Genre: Action, Komödie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahren

*

Frank ist Koch in einem Schnellimbiss-Restaurant. Er liebt seine Frau Sarah über alles, die einen Drogenentzug hinter sich hat und alles daran setzt, nicht mehr rückfällig zu werden. Als sie dann eines Tages dem Charme eines Drogenbosses verfällt und Frank verlässt, sieht dieser rot.
Verleitet von Comic-Superhelden und Fernsehserrien näht er sich ein Kostüm und möchte nicht nur Sarah aus den Fängen des Gangsters reißen, sondern die Menschen vor allem Bösen retten.
Der selbsternannte „Blutrote Blitz“ bekommt bald Hilfe von der Comic-verkäuferin Libby, die ihm als „Blitzie“ zur Seite steht, um Sarah für Frank zurückzugewinnen.

*

Der Independent Film von Regisseur James Gunn zeigt eine liebevoll inszenierte „Heldengeschichte“, die mich streckenweise sogar an den Humor der britischen Komikertruppe Monty Pythons erinnerte.
Völlig abseits vom Mainstream werden wir Zeuge, wie ein sympathischer Mann (in unserer Zeit werden solche Männer dann wohl eher als Looser bezeichnet, obwohl sie eigentlich nur ihre Gefühle zeigen) um die Liebe seines Lebens kämpft und dadurch zu einem vermeintlichen „Superhelden“ mutiert.

Rainn Wilson als „Blutroter Blitz“ ist hervorragend besetzt, kann er uns doch einen schusseligen, liebestollen, treuherzig doofen Mann darstellen, der aber in gewissen Situationen ohne weiteres über sich selbst hinauswachsen und Mut zeigen kann. Kevin Bacon als arrganter Bösewicht ist absolut überzeugend und hat mir, wie in fast jeden Film, gefallen. Ellen Page als „Blitzie“ hat durchaus die Gabe, einen zum Lachen zu bringen.

Die gekonnte Inszenierung zwischen hartem Splatterfilm, liebevoller Komödie und comicartigem Superheldenfilm gelingt Gunn mühelos. Der Film schlittert daher zwischen den Genres umher und „distanziert“ sich auf sehr angenehme Weise vom üblichen Mainstream. James Gunn weiß, wie man sich den Massen entzieht und dennoch Massen begeistern kann. Das ist etwas, das mir eindeutig gefällt.

*

Fazit: Liebevoll inszenierte Pseudohelden-Comic-Splatter-Action-Komödie, die mit guten Schauspielern, einem „schönen“ schwarzen Humor und passabler Handlung daherkommt. Für Fans von Monty Python und den guten, alten „Troma“-Filmen (James Gunn schrieb übrigens auch das Drehbuch zu dem fantastischen „Tromeo & Julia“) zu empfehlen.

© 2014 Wolfgang Brunner

The Loved Ones – Pretty in Blood (2009)

Loved Ones Poster

Originaltitel: The Loved Ones
Regie: Sean Byrne
Drehbuch: Sean Byrne
Kamera: Simon Chapman
Musik: Ollie Olsen
Laufzeit: 84 Minuten (uncut)
Darsteller: Xavier Samuel, Robin McLeavy, John Brumpton, Richard Wilson
Genre: Horror
Produktionsland: Australien
FSK: ab 18 Jahren (uncut)

*

Eigentlich hat sich Brent seine Highschool-Abschlussfeier unbeschwerter vorgestellt: Immer noch in Trauer um den Verlust seines Vaters, an dessen Unfalltod der Teenager mitschuldig war, flüchtet er sich in Heavy Metal und maßlosen Graskonsum. Einziger Lichtblick ist seine bezaubernde Freundin Holly, mit der er plant, den Ball zu besuchen. Zu dumm nur, dass Lola – eine heimliche Verehrerin – samt ihrer Familie etwas gegen das junge Glück der zwei einzuwenden hat, getreu dem Motto: „Wenn ich ihn nicht haben kann, dann bekommt ihn keine andere!“. Und so wird im irren Haushalt des einsamen Mauerblümchens, dem heiß ersehnte Date mit dem Traumprinzen mit messerscharfen und tiefbohrenden Argumenten nachgeholfen…

*

Es ist nicht einfach, in diesem Wald von Slasher- und Horrofilmen mit immer wiederkehrenden Themen und solchen die mal ein ordentlicher Film werden wollten, etwas originelles oder gar eine Filmperle zu finde. Bei „The Loved Ones“ kann man zumindest sagen, etwas Originelles gefunden zu haben, was von der grauen Masse absticht. Ich habe mir den Film wieder zusammen mit Jasmin angesehen. Im Voraus hatte ich ein paar Erkundigungen über dem Film eingeholt und wir waren recht gespannt ob der Film das halten würde, was ich mir davon versprochen hatte. Wir wurden nur teilweise enttäuscht. Es ist nicht der große Wurf, aber es ist zumindest ungewöhnlich für einen Debüt-Film.

Die Herangehensweise, in der man ein Mädchen zur mordenden Psychopatin macht, ist schon etwas, was man nicht alle Tage sieht. Das ganze ist auch teilweise derart witzig aufgezogen das wir beide öfters unfreiwillig lachen mussten. Man kann hier nicht wirklich von richtig hartem Horror sprechen, sondern eher von einer Art Horrokomödie. So zum Beispiel die seltsame Beziehung von Lola zu ihren Eltern und ihr prinzessinnenhaftes Auftreten als  „Horror-Barbie“ waren schon anders als man es gemeinhin von Psychopaten im Film gewohnt ist.

Nur leider wird den Nebenfiguren zu wenig Handlung vermittelt, sodass man vieles nur vermuten oder raten kann. Auch finden sich hier wieder ein paar Unwahrscheinlichkeiten, die den Film schlussendlich um seine Bestbewertung bringen.

*

Fazit: Ein herrlich abgedrehter Film mit einem originellen Thema. Ziemlich erfrischend das Ganze, aber leider hätte der Film mehr sein können. Bei manchen Szenen fragt man sich, ob man wirklich gerade richtig gesehen hat. Für einen unterhaltsamen Filmabend unbedenklich zu empfehlen

© 2014 Lucas Dämmig

Into The Dark (2012)

Into-the-Dark-DVD-Cover-FSK-16

Originaltitel: Into The Dark
Regie: Mark Edwin Robinson
Drehbuch: Mark Edwin Robinson
Kamera: Eduardo Enrique Mayén
Musik: Jesse Voccia
Laufzeit: 111 Minuten
Darsteller: Mischa Barton, Ryan Eggold, Leah Pipes, Jaz Martin
Genre: Horror, Mystery
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

*

Sophia verliert kurz nach dem Tod ihrer Mutter auch noch den Vater und sieht daher keinen rechten Sinn mehr in ihrem Leben. Als sie dann eines Tages den charmanten Adam trifft, wird sie wieder zuversichtlicher. Adam wohnt jedoch in einem alten Spukhaus und eines Nachts verschwindet er und hinterlässt nur eine blutige Spur.
Sophia ist überzeugt, dass das Haus ihren Freund geholt hat und er gestorben ist. Im obersten Stockwerk macht sie sich auf die Suche nach Adam und beschließt dabei, sollte es notwenidig sein, sogar ihr Leben für ihn zu lassen.

*

Robinsons Film wird als eine Mischung aus „Paranormal Activity“ und „Ghost – Nachricht von Sam“ bezeichnet. Beides trifft meiner Meinung nach nur bedingt zu. Sicherlich gibt es in „Into The Dark“ eine Liebesgeschichte und natürlich auch paranormale Ereignisse, aber diese beiden Filme als Vergleich heranzuziehen, ist für mich schon etwas weit hergeholt. Da würde dann schon eher „Flatliners“ passen und in der zweiten Hälfte musste ich schon einige Male an David Lynchs „Twin Peaks“, übrigens eine der besten Serien aller Zeiten, denken. Aber auch hier würden Vergleiche hinken, ich fühlte mich halt einfach bei ein paar Szenen daran erinnert.

„Into The Dark“ beginnt ruhig und sehr ansprechend. Da wird der Tod, und das etwaige Leben danach, behandelt und eine wirklich nette Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Die beiden sympathischen Hauptdarsteller kriegen das gut hin und man nimmt ihnen die Romanze ab.
Ab der Hälfte des Films dringt dann das Paranormale in die Handlung, die ab diesem Zeitpunkt leider auch etwas wirr daherkommt und Logikfehler im Drehbuch aufweist. Vieles wird nicht wirklich erklärt und man versteht so einiges nicht.
Denoch macht der Film die meiste Zeit Spaß. Die Akteure sind überzeugend, die Synchronisation passt ebenfalls und der Regisseur kann eindeutig erzählen, wenn man mal von den besagten Logikfehlern absieht.
Wie oben schon erwähnt, erinnerte mich dann das letzte Drittel irgendwie von den surrealistisch wirkenden Bildern ein wenig an „Twin Peaks“, kann aber der Serie nicht annähernd das Wasser reichen.

Besonders gut fand ich die Rückblenden aus dem Leben von Sophia und Adam, die geschickt während einer Liebesszene und im Finale eingeblendet werden, um die große Liebe der beiden zu verdeutlichen. Das ist Robinson wirklich gut gelungen und hätte, zumindest bei der Liebesszene, durchaus länger sein können.

*

Fazit: Insgesamt recht ansehnlicher paranormaler Thriller mit romantischen Einlagen, der allerdings durch einige Logikfehler etwas wirr daherkommt. Der eher ruhige Film hat mit auf dem Cover erwähnten Haunted House-Horrorfilmen wie z. Bsp. „Insidious“ und „The Conjuring“ relativ wenig zu tun, sondern setzt eher auf die Liebesgeschichte und eine daraus resultierende Liebe bis über den Tod hinaus. Für die meisten Horror- und Paranormal-Thriller-Fans sicherlich eine Enttäuschung, weil zu langweilig. Für Leute, die Independent Filmen auch gerne einmal eine Chance geben, ist „Into The Dark“ alles in allem doch im Großen und Ganzen respektabel.

© 2014 Wolfgang Brunner

2:37 (2006)

2-37

Originaltitel: 2:37
Regie: Murali K. Thalluri
Drehbuch: Murali K. Thalluri
Kamera: Nick Matthews
Musik: Mark Tschanz
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Teresa Palmer, Gary Sweet, Clementine Mellor, Xavier Samuel
Genre: Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahren

*

“2:37” erzählt die Geschichte von sechs High School Schülern, deren Lebenslügen durch eine Tragödie von einer Sekunde auf die andere wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Um 2:37 nachmittags wird die Leiche einer Schülerin gefunden – war es Mord, war es Selbstmord? In Rückblenden spannend verwoben, werden die Ereignisse der vorangegangen 24 Stunden aus dem Leben der Teenager erzählt. Wie ein Puzzle fügen sich die einzelnen Erlebnisse zusammen und klar wird, nichts ist so wie es scheint. Denn jeder Einzelne von ihnen verbirgt hinter der coolen Fassade ein quälendes Geheimnis…

*

Der Film mit dem nüchternen Titel „2:37“ (gemeint ist 14:37 Uhr) ist das Debüt des australischen Regisseurs Murali K. Thalluri.  Als Inspirationsquelle diente der Film Elephant und Thalluris eigene Erfahrungen. Dieser Streifen thematisiert die Probleme junger Menschen an der Highschool beim Erwachsenwerden. Im Dokumentar-Stil wird über sechs Jugendliche und ihre Probleme berichtet. Mich hat der Film ziemlich berührt, da er doch für meine Begriffe über Rückblenden ziemlich authentisch erzählen kann. Alle Personen haben ihre kleinen und größeren Probleme und versuchen, damit zurecht zu kommen. Fast alle schaffen es. Die Fokussierung auf eben diese Probleme, die Ausblendung des Schulalltages und des restlichen Lebens sowie die angeblich klischeehafte Zeichnung der Charaktere wurde von den meisten Kritiken bemängelt. Doch anscheinend können nur diejenigen, die es am eigenen Leibe erfahren haben, verstehen wie hart der Schüleralltag manchmal sein kann.

Was ich an dem Film bemängele, ist seine verwirrende und etwas unlogische Anfangsszene, sowie die stellenweise Plakativität. Ansonsten ist es ein sehr nachdenklich stimmender Film, der durch die geniale Klavierkomposition „Gymnopedie 1“ von Erik Satie begleitet wird. Meiner Meinung nach ist er besonders geeignet für Eltern, die entweder von ihrer Schulzeit ausgehen, wo natürlich „alles einfacher“ war, oder die die Probleme ihrer Schulzeit schlichtweg vergessen und verdrängt haben, sowie auch für Lehrer (die in diesem Film gar nicht auftreten), die sich fragen sollten „Was kann ich tun um meinen Schülern auf dem Weg zum Erwachsenwerden zu helfen?“ Das ist natürlich ein sehr heikles Thema, über das man endlos diskutieren kann. Was für eine Verantwortung haben Lehrer gegenüber ihren Schülern und wie können sie sie unterstützen? Oder sind sie nur zur Vermittlung von Wissen da und den Rest sollen die Eltern übernehmen? Was aber ist, wenn diese das nicht können/wollen?

Diese und mehrere Fragen stellen sich nach der Sichtung dieses Filmes. Doch will ich jetzt nicht weiter darauf eingehen, hierzu kann sich jeder selbst seine eigenen Gedanken machen. Was an dem Film noch lobenswert zu erwähnen ist, sind die (mir) völlig unbekannten Schauspieler die ihre Rollen trotzdem sehr gut und überzeugend gespielt haben.

*

Fazit: Dieser Film spricht sehr heikle Themen an, die man am liebsten sofort wieder vergisst. Im Abspann ist ein Nachruf an eine verstorbene Freundin des Regisseurs namens Kelly (eine Person dieses Namens kommt auch im Film vor) zu sehen. Dieser soll wohl signalisieren, dass der Film zumindest teilweise auf wahren Begebenheiten beruht. Und das macht den Film umso aufrüttelnder. Er wird sicherlich nicht jedem gefallen und man hat auch kein gutes Gefühl danach, aber einen solchen Effekt darf ein Film ruhig auch einmal haben.

© 2014 Lucas Dämmig

Tears Of Kali (2004)

Tears20of20Kali

Originaltitel: Tears Of Kali
Regie: Andreas Marschall
Drehbuch: Andreas Marschall
Kamera: Heiko Merten
Musik: Jophn Panama
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Peter Martell, Adrian Topol, Mathieu Carriére
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

*

Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger Jahre experimentiert die „Taylor-Eriksson-Gruppe“ als in Indien gegründete Selbsterfahrungsgruppe mit gefährlichen Praktiken, um die dunkle Seite der menschlichen Seele aus dem Körper zu verbannen.
„Tears Of Kali“ behandelt in drei unabhängigen und nur durch eine lockere Rahmenhandlung zusammengehaltenen Episoden, wie Menschen von ihren inneren Dämonen befreit werden. Oder auch nicht!

*

Andreas Marschalls Debütfilm sieht definitiv nicht aus wie eine Low-Budget-Produktion.  Was Marschall da auf die Beine gestellt hat, zeigt, was ein Filmkenner und -liebhaber zuwege bringt, wenn er mit ganzer Seele bei der Sache ist. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen und nehmen nur geringfügig auf die Rahmenhandlung Bezug, was aber nicht weiter stört. Die Rahmenhandlung allerdings hätte zu einem eigenständigen Film gereicht und wäre mit Sicherheit sehr, sehr intensiv und atmosphärisch geworden.

Die erste Folge trägt den Titel SHAKTI und erzählt von einer jungen Frau, die angeblich in die Ermordung ihres Sektenführers verwickelt ist und in der Psychatrie untergebracht wurde. Eine Journalisitin befasst sich mit der Story.
„Shakti“ ist eine intensive, sehr dialoglastige Episode, die sich langsam aufbaut und am Ende schockt. Die beiden Darstellerinnen machen ihre Sache gut und Marschalls Inszenierung fesselt.

Die zweite Story, DEVI, ist aus meiner Sicht die beste und perfekteste des Films. Die Schauspieler und die Regie ist perfekt. Wenn sich Dr. Steiner dem jungen Robin widmet, um ihn von seinen Gewalteskapaden zu therapieren, dann nimmt man den beiden jedes Wort ab.  Und was diese Episode am Ende zu bieten hat, könnte ohne weiteres aus der Feder des Horror-Visionärs Clive Barker stammen. DEVI ist Horror, wie ihn David Cronenberg, Clive Barker, Dario Argento oder Lucio Fulci gedreht hätten. Von allen drei Stories ist DEVI eindeutig mein Favorit.

Die letzte Folge trägt den Titel KALI und versucht, die Rahmenhandlung wieder mit einzubeziehen, was allerdings nur teilweise gelingt (macht aber, wie gesagt, nichts!). KALI ist inszenatorisch wohl die beste, spannungstechnisch aber irgendwie die aus meiner Sicht unüberzeugendste Episode. Dennoch macht sie ungemein Spaß und weiß zu unterhalten. Insgesamt rundet KALI die drei Episoden mit der Rahmenhandlung auf jeden Fall gelungen ab.

*

Fazit: Absolut überzeugender und routiniert in Szene gesetzter Horrorfilm aus Deutschland. Die drei Episoden sind locker durch eine Rahmenhandlung verbunden, die eigentlich einen eigenen Film verdient hätte. Andreas Marschall hat einen nachhaltig wirkenden, atmosphärisch gelungenen Debütfilm abgeliefert.

© 2014 Wolfgang Brunner

Revolver (2005)

Revolver 2005

Originaltitel: Revolver
Regie: Guy Ritchie
Drehbuch: Guy Ritchie
Kamera: Tim Maurice-Jones
Musik: Nathaniel Méchaly
Laufzeit: 115 Minuten
Darsteller: Jason Statham, Ray Liotta, Vincent Pastore, Andrê Benjamin
Genre: Mystery
Produktionsland: Vereinigtes Königreich, Frankreich, Isle of Man
FSK: ab 16 Jahren

*

Jake  ist ein Spieler. Er ist der einzige Kunde seines Buchmachers. Kaum ein Casino lässt ihn noch spielen. Denn Jake gewinnt immer. Jake ist ein Meisterzocker – mit viel Mut und wenig Verstand. Wenig Verstand und viel Mut beweist er auch bei seinem Spiel gegen den gefürchteten Mafia-Boss und Casino-Besitzer Dorothy Macha. Jake soll gegen ihn verlieren. Jeder verliert gegen Macha – aus Angst vor Vergeltung, aber nicht Jake. Das bringt ihn auf Machas Abschussliste. Ein Killer wird beauftragt. Doch der, eigentlich der weltbeste seine Faches, wird von Selbstzweifeln und Gefühlen geplagt und verfehlt Jake, der obendrein von den zwielichtigen Kredithaien Avi und Zack unerwarteten Beistand bekommt. Sie bieten ihm Schutz an, wenn er für sie arbeitet. Jake lehnt erst ab, doch als bei ihm eine tödliche Krankheit diagnostiziert wird, ändert er seine Meinung …

*

Bis zu diesem Film war Guy Ritchie für seine flotten Gangsterkomödien bekannt, wo man nicht groß nachdenken musste. Mit „Revolver“ bricht er nun mit dieser Tradition und liefert einen soliden Gangsterthriller ab, der es in sich hat. Deshalb war der Film an den Kinokassen wohl auch ein Flop, weil die Leute anderes von Ritchie gewohnt sind und die meisten Kinogänger anscheinend nur gut unterhalten werden wollen, ohne jedoch groß mitdenken zu müssen. Ich selbst musste den Film zweimal sehen, bevor ich mir eine halbwegs brauchbare Interpretation zurechtlegen konnte. Diese jetzt hier vollständig darzulegen, würde jedoch den Rahmen sprengen (einen Tipp gibt es weiter unten), aber wer den Film kennt (oder noch kennenlernen will), kann mich gern über das Kontaktformular anschreiben, um sich auszutauschen.

Was gefällt mir an den Film? Mir gefällt hier besonders Jason Statham mit Bart und langen Haaren. Das steht ihm, wie ich finde und er kann hier seine ganze Schauspielkunst, von der er einiges besitzt, zeigen. Aber auch die anderen Schauspieler machen ihre Sache sehr gut. Ritchie hat sich bei diesem Film eindeutig verschiedene Sachen von Tarantino abgeschaut, wie zum Beispiel die Verwendung von Animationen wie in „Kill Bill“. Etwas richtig Schlechtes kann ich bei dem Film nicht finden, außer vielleicht das man viel überlegen muss. 😉

Grob gesagt handelt der Film von Betrug, Täuschung, Schach und – dem Teufel. Es dauert ein wenig, bevor man merkt, auf was Ritchie meiner Meinung nach hinaus wollte: der Teufel ist in uns und versucht uns ständig zu täuschen. Es gibt keinen wahren Feind sondern nur unser eigenes Ego als Feindbild. Unsere Ängste und Sorgen werden reflektiert und versuchen unser Handeln zu bestimmen oder wenigstens zu beeinflussen. Die Charaktere im Film fallen allesamt dieser inneren Stimme zum Opfer und scheitern schlussendlich.

*

Fazit: Ein sehr eindrucksvoller Film, man hat das Gefühl Ritchie ist nun endlich erwachsen geworden und wendet sich ernsteren Themen zu. Das ist jedoch keine leichte Kost für jedermann sondern ein Filmtipp nur für anspruchsvolle Filmliebhaber, die sich nicht scheuen, auch mal mitzudenken und eigene Interpretationen anzustellen

© 2014 Lucas Dämmig