Backdraft 2 (2019)

backdraft

Originaltitel: Backdraft 2
Regie: Gonzalo López-Gallego
Drehbuch: Gregory Widen
Kamera:  José David Montero
Musik: Randy Edelman
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Joe Anderson, William Baldwin, Donald Sutherland, Alisha Bailey, Alastair MacKenzie, Dominic Mafham, Jessamine-Bliss Bell, Aaron McCusker, Cyril Nri
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Feuerwehrmann Sean McCaffrey, Sohn des verstorbenen und berühmten Steven ‚Bull‘ McCaffrey, arbeitet bei der gleichen Feuerwache in Chicago. Als er eines Tages zu einem speziellen Einsatz gerufen wird, merkt er schnell, dass es dabei mehr als nur um ein gewöhnliches Feuer geht. Es geht nicht nur um Brandstiftung, sondern auch um Mord und sogar internationalen Terrorismus.

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Es ist immer so eine Sache, wenn ein erfolgreicher Film, der für manche sogar den Inbegriff des Actionkinos darstellt, fortgeführt oder neu interpretiert wird. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, kommt einem bei einem Film wie „Backdraft 2“ sofort in den Kopf, dass er dem Original niemals das Wasser reichen kann. Was aber, wenn diese Fortführung der Geschichte gar nicht wirklich im Sinn hat, das Original zu erreichen, sondern einfach nur eine neue Geschichte erzählen will, die locker an die Ereignisse des ersten Films anknüpft? Ich war wirklich angenehm überrascht, als ich die ersten Minuten von „Backdraft 2“ sah und dachte schon wenige Minuten später gar nicht mehr darüber nach, beide Filme auf irgendeine Weise miteinander zu vergleichen. Der Film hätte, würde nicht William Baldwin in seiner Rolle des Originals mitspielen, durchaus einen eigenständigen Titel tragen können. Ich will damit sagen, dass es „Backdraft 2“ gar nicht nötig hat, mit dem Titel seines berühmten Originals „hausieren“ zu gehen. Viel zu eigenständig (und auch gut) ist die Handlung, die sich Drehbuchautor Gregory Widen da ausgedacht hat.

Hinzu kommt eine wirklich gute Performance von Joe Anderson und eine grandiose Darbietung von Donald Sutherland, der im Alter immer wieder beweist, dass er nach wie vor ein toller Schauspieler ist. Aber auch alle anderen beteiligten Akteure machen ihre Sache ausnehmend gut und es macht wirklich Spaß, ihnen dabei zuzusehen.
An manchen Stellen dachte ich zwar, dass das Feuer vielleicht ein wenig mehr Rolle spielen könnte, aber letztendlich fiel es nicht weiter auf, weil die Geschichte einfach viel zu spannend und unterhaltsam war. Sicherlich kommen immer wieder Parallelen zum Originalfilm zur Sprache, aber eigentlich wird eine vollkommen neue Geschichte erzählt. Man muss sich darauf einlassen, dann funktioniert der Film. Wer sich allerdings permanent darüber aufregen mag, dass diese Fortsetzung den Originalfilm nicht erreicht (und ihm daher auch gar keine Chance gibt), wird sicherlich enttäuscht sein.

Ich persönlich fand es nämlich sogar gut, dass frischer Wind in der Polizeiwache wehte und nicht auf plumpe Art und Weise versucht wurde, den alten Plot irgendwie aufrechtzuerhalten und zwanghaft fortzuführen. So, wie Regisseur  Gonzalo López-Gallego es letztendlich angepackt und gemacht hat, empfand ich als richtigen Weg. Es wurde niemals versucht, dem Kult des ersten Teils nachzueifern, sondern man setzte auf Eigenständigkeit.
„Backdraft 2“ hat aber offensichtlich dennoch keine Chance und muss die in der heutigen Zeit gängigen, ständigen Nörgeleien (oftmals sogar schon im Vorfeld) über sich ergehen lassen, wie etwa auch ein neuer Teil der Star Wars-Saga. Solche Filme haben es heutzutage einfach schwer, Fuß zu fassen, selbst wenn sie etwas zu bieten haben wie auch im vorliegenden Fall von „Backdraft 2“. Das Negativreden hat bei solchen Projekten oftmals Vorrang, wie man in zahlreichen und überwiegend unkonstruktiven Rezensionen nachlesen kann. Für mich stellte „Backdraft 2“ zwar keine bahnbrechende Fortsetzung dar, aber eine sehr solide (und vor allem eigenständige) Fortführung der Geschichte mit guten schauspielerischen Leistungen und einer soliden Inszenierung.

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Fazit: Eigenständige Fortsetzung des Klassikers mit guten Schauspielern.

© 2019 Wolfgang Brunner

Das schwäbische Sägewerkmassaker 1 & 2 (2015/ 2019)

 

Originaltitel: Das schwäbische Sägewerkmassaker
Regie: Madman Marv
Drehbuch: Madman Marv
Kamera: Ronny Zito, El Excremento
Musik: Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)
Laufzeit: Teil 1: 23 Minuten / Teil 2: 35 Minuten
Darsteller: Teil 1 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Thomas K., Nosegrinder, Flo Grinder, Kelly Carlito
Teil 2 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Schenzellot, Iggi Braineater, Zwenner, Christoph Choleriko, Alex Armageddon, Hugo, Joe, Nasus Grindus, Hiller
Genre: Horror, Splatter, Kurzfilm, Amateur, Independent
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Serienkiller ist in Schwaben unterwegs. Er macht Jagd auf die Mitarbeiter eines Sägewerks und schreckt vor nichts zurück …

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Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich für die beiden Teile jeweils eine separate Rezension verfasse. Letztendlich habe mich aber dazu entschieden, eine Gesamtbesprechung zu schreiben, denn die Filme gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen, obwohl zwischen den beiden Werken ein qualitativer Unterschied besteht.
Teil 1 dieses abgefahrenen Amateursplatters wirkt tatsächlich so richtig amateurhaft, was aber wiederum absolut unterhaltsam (und äußerst sympathisch) wirkt. Man spürt den Spaß in jeder Filmminute, den die ‚Schauspieler‘, aber auch das ganze Team während der  Dreharbeiten hatten. Ich fühlte mich sofort wieder an die eigene Zeit erinnert, als ich ebenfalls solche ‚Projekte‘ mit Freunden auf die Beine gestellt habe (welcher Filmfreak hat das nicht bereits als Kind und/oder Jugendlicher gemacht? 🙂 )
Interessant sind auf jeden Fall die zahlreichen Anspielungen auf Kultfilme und Klassiker aus dem Horrorgenre. Wenn zum Beispiel Lucio Fulci als ehemaliger Chef des Sägewerks betitelt wird, finde ich das schon ziemlich geil.

Nun aber zum Inszenierungsstil beziehungsweise den Schauspielleistungen und Spezialeffekten. Man merkt eindeutig, dass Regisseur Madman Marv ein Liebhaber der 80er Jahre-Horrorfilme ist, denn in vielen Einstellungen sieht man, wie er seinen Vorbildern nacheifert und dies auch oft überzeugend erreicht. Beide Teile von „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ darf man nicht sonderlich ernst nehmen, viel zu viel Klamauk (und Spaß an der Freude) stecken darin, aber dennoch gibt es die ein oder andere Einstellung, die ein Gespür für cineastische Dramaturgie verrät. Das Endergebnis ist schlichtweg ein absolut toller Spaß, dem man gerne zusieht. Die derben Spezialeffekte schwanken zwischen übertrieben simpel und ganz gut gelungen. Aber auch hier ist einfach ausschlaggebend, welche Intentionen dahinterstecken und man muss schon sagen, dass selbst die (für viele mit Sicherheit lächerlich wirkenden) Splattereinlagen dennoch auf gewisse Art und Weise eine Wirkung zeigen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mit sozusagen keinem Budget auf die Beine gestellt wurden. Ich mochte es auf jeden Fall. 😉

Schauspielerisch kann man nicht viel sagen, denn alle Akteure sind durch die Bank Amateure. Doch zumindest aus dieser Sicht haben sie ihre Sache ausnahmslos gut gemacht und, wie schon erwähnt, der Spaß ist es, der bei diesen beiden Kurzfilmen zählt. Während man den ersten Teil mit seinen übertriebenen Verkleidungen überhaupt nicht ernst nehmen kann (und auch nicht soll), sieht es beim zweiten Teil schon ein wenig anders aus. Die Schauspieler agieren bedeutend besser und auch die Inszenierung gibt sich um ein Vielfaches Mühe, etwas ernster zu wirken. Das funktioniert genauso gut wie die Effekte, die bedeutend brutaler und auch glaubwürdiger ausfallen, obwohl man sich auch hier wieder mit den einfachsten Mitteln hilft.
Erwähnenswert ist unbedingt noch der Score von Musica Non Grata, hinter dem sich Stephan Ortlepp verbirgt. Die Sounds und die Musik haben wir supergut gefallen und den Filmen zu einer Atmosphäre verholfen, die ohne die Klänge nicht vorhanden gewesen wäre.

Insgesamt haben mich beide Teile auf gewisse Art und Weise begeistert (klingt komisch, ist aber so), weil ich mich wirklich hervorragend (übrigens ohne Alkohol 😉 ) amüsiert habe und den fühlbaren Spaß der Macher beim Zusehen gespürt habe. Handlungstechnisch geben die beiden Kurzfilme nichts her, müssen sie aber auch gar nicht, denn das erwartet niemand von einem derartigen No Budget-Amateurfilm. Hier heißt es wirklich: Hirn aus und die flachen Witze und stümperhaften (aber dennoch geschickt) gemachten Effekte einfach auf sich einprasseln lassen. Es ist ein besonderer Humor, der einen hier erwartet, und man mag ihn entweder und schüttelt verständnislos den Kopf. Ich mag ihn und werde mir beide Filme bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmals ansehen. Außerdem freue ich mich jetzt umso mehr auf den ersten Langfilm von Madman Marv mit dem Titel „Die Dämonische Mörderoma“, den René Wiesner bereits gesehen und rezensiert hat.

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Fazit: Man kann diese beiden Kurzfilme genau genommen gar nicht richtig bewerten, sondern müsste eher eine Amüsierskala einführen und verwenden. Auf dieser erreichen sie bei mir allerdings auch auf alle Fälle das obere Viertel.

© 2019 Wolfgang Brunner