Die Farbe des Horizonts (2018)

horizont

Originaltitel: Adrift
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: Aaron Kandell, Jordan Kandell, David Branson Smith
Kamera: Robert Richardson
Musik: Volker Bertelmann
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Shailene Woodley, Sam Claflin, Grace Palmer, Jeffrey Thomas, Elizabeth Hawthorne
Genre: Drama, Abenteuer
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Tami lernt auf Tahiti den attraktiven Segler und Weltenbummler Richard kennen. Die beiden verlieben sich bis über beide Ohren und beschließen, gemeinsam den Pazifik zu befahren. Doch mitten auf dem Meer werden sie von einem gewaltigen Unwetter heimgesucht. Als Tami erwacht, ist das Boot nur noch ein Wrack und Richard verschwunden …

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Es beginnt alles wie ein wunderbarer Traum, der sich erfüllt. Tami lernt die Liebe ihres Lebens kennen und beginnt das größte Abenteuer ihres Lebens. Shailene Woodley und Sam Claflin meistern ihre Rollen von der ersten Minute an hervorragend und man nimmt ihnen das Verliebtsein uneingeschränkt ab.  Es ist eine wahre Freude, den beiden zuzusehen, wie sie sich kennenlernen und beschließen, das Leben ab sofort gemeinsam zu meistern. Regisseur Baltasar Kormákur, der schon mit dem beeindruckenden „Everest“ absolut überzeugen konnte, zeigt auch hier sein Können, in dem er (einen übrigens absolut unkitschigen, sondern authentischen) Liebesfilm mit spannendem Überlebenshorror kombiniert. Durch wunderschöne Aufnahmen vergisst man anfangs, was einen aufgrund der Inhaltsangabe erwartet und genießt eine wunderbare, glückliche Zeit mit den beiden Protagonisten. „Die Farbe des Horizonts“ orientiert sich an einer wahren Begebenheit, die sich im Jahr 1983 ereignete und durch den autobiografischen Erfahrungsbericht mit dem Titel „Red Sky In Mourning: A True Story Of Love, Loss And Survival At Sea“ von der betroffenen Seglerin Tami Oldham Ashcraft schriftlich festgehalten wurde.

Dem Film wird oftmals vorgeworfen, er nehme sich keine Zeit für die Charakterentwicklung des Liebespaars, was ich absolut nicht bestätigen kann. Alles wirkt sehr echt und in Anbetracht eines eineinhalbstündigen Films hätte man es nicht besser inszenieren können. Woodley agiert in manchen Szenen wie einst Kate Winslet in James Camerons Bloickbuster „Titanic“ und bestätigt ihr schauspielerisches Talent, das sie in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ schon einmal bewiesen hat. Die junge Schauspielerin spielt sehr intensiv und glaubwürdig. Aber auch Sam Clalfin, den die meisten wahrscheinlich aus „Ein ganzes halbes Jahr“ kennen, passt sehr gut in den Film und verkörpert Richard überzeugend. Beide Schauspieler tragen neben den beeindruckenden Aufnahmen den gesamten Film und vermitteln eine außergewöhnliche Atmosphäre, der man sich nicht entziehen kann. Ich hätte dem Paar noch gut und gerne eine Stunde länger zusehen können,wie sie um ihr Überleben und ihre Liebe kämpfen.

Der Score von Volker Bertelmann ist absolut passend – mal wunderschön romantisch und ruhig, mal bombastisch und nervend. Seine Musik rundet das Survival-Drama nach tatsächlichen Ereignissen wunderbar ab und tut das ihrige zur Atmosphäre. „Die Farbe des Horizonts“ ist sehr ergreifend und emotional, ohne jemals wirklich ins Kitschige zu fallen. Die Geschichte wird flüssig erzählt und steuert konsequent auf das deprimierende Finale zu. Tamis Verhalten und ihre Reaktionen während und nach dem Unglück werden sehr gefühlvoll von Shailene Woodley dargestellt und man fühlt mit ihr, spürt ihre Angst und Verzweiflung, bemerkt aber auch den Mut und Durchhaltewillen, den sie an den Tag legt.
Ein sehr geschickter inszenatorischer Schachzug ist der Aufbau des Films, der immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt, so dass die dramatische Seite des Plots eine weitaus emotionalere Seite bekommt, als hätte Baltasar Kormákur das Ganze geradlinig erzählt. Thematisch fühlte ich mich sehr oft an Robert Redfords Drama „All Is Lost“ erinnert, wobei „Die Farbe des Horizonts“ um Längen besser ist, sowohl was Dramaturgie, Inszenierung und auch Schauspielerleistung(en) betrifft.
Baltasar Kormákurs Film ist eine faszinierende Mischung aus Liebes-, Abenteuerfilm und Überlebens-Drama, an das man sich noch lange nach Sichtung erinnert.

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Fazit: Gekonnt inszeniertes Überlebensdrama mit wunderbaren Schauspielern.

© 2018 Wolfgang Brunner

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Die Mumie (2017)

Originaltitel: The Mummy
Regie: Alex Kurtzman
Drehbuch: Jon Spaihts, Christopher McQuarrie
Kamera: Ben Seresin
Musik: Brian Tyler
Laufzeit: 111 Minuten
Darsteller: Tom Cruise, Sofia Boutella, Annabelle Wallis, Jake Johnson, Courtney B. Vance, Russell Crowe, Javier Botet
Genre: Horror, Abenteuer
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Vor 2.000 Jahren wollte die ägyptische Prinzessin Ahmanet den Königsthron mit teuflischer Hilfe erobern. Doch sie konnte überwältigt und bei lebendigem Leib begaben werden. Durch eine Bombenexplosion wird ihr Grab 2000 Jahre später freigelegt und der Schatzsucher Nick Morton findet es. Und dann erwacht die Mumie wieder zum Leben und fordert erneut Macht über die Menschheit …

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Das Remake, das Reboot, die Neuinterpretation von „Die Mumie“ – wie immer man den vorliegenden Film auch nennen möchte – ist wieder einmal ein Werk, das die unterschiedlichsten Meinungen bei den Zuschauern hervorruft. Die einen finden, dass ein Original unschlagbar und unerreichbar ist, die anderen mögen die „Modernisierung“ eines solchen Klassikers.  Regisseur Alex Kurtzman hat einen eigenständigen Film erschaffen, der sich, zumindest aus meiner Sicht, wohltuend von seiner filmischen Vorlage abhebt. „Die Mumie“ erstrahlt praktisch in neuem Gewand und auch wenn manch einer der zahlreichen Effekte übertrieben wirkt, so vermag das Endergebnis definitiv zu unterhalten und die Zeit nur so dahinfliegen zu lassen. Ich hatte auf jeden Fall jede Menge Spaß bei dieser Neuinterpretation und bin sicher, dass ich mir den Film noch mindestens einmal ansehen werde. Natürlich geht die Story fast schon unter in der Menge an Spezialeffekten, aber war das nicht seinerzeit schon beim Original der Fall gewesen? 😉

Das ewige Genörgle um den Schauspieler Tom Cruise und seine private, religiöse Gesinnung kann ich, ehrlich gesagt, auch schon lange nicht mehr hören. Wenn ich mir den Film unabhängig von solchen Vorurteilen ansehe, muss ich eindeutig feststellen, dass Cruise aus meiner Sicht eine bessere Arbeit leistet als seinerzeit Brendan Fraser. Es wird schlichtweg ein neuer Ansatz angewandt, der, wie ich finde, absolut funktioniert. Es ist schlichtweg ein Actionfilm, der in erster Linie Wert auf Spezialeffekte (die im übrigen sehr gut gelungen sind) und Unterhaltung legt. Beides ist dem Team um Regisseur Kurtzman gelungen. Wer Wert auf tiefe Charaktere oder eine logisch durchdachte Handlung legt,ist hier ohnehin im falschen Genre unterwegs. „Die Mumie“ ist einer jener Filme, die zum guten Popkorn-Kino gehören. Man kann sich einfach berieseln lassen und die Show genießen. Nicht mehr oder weniger wollten auch die Macher dieses Streifens.

Man sollte sich den Film auch nicht in der Erwartung ansehen, ein astreines Remake des Klassikers mit Brendan Fraser serviert zu bekommen. Alex Kurtzman geht einen neuen Weg, der schlichtweg anders ist und nicht den „alten“ Film kopieren will. Dieses Reboot mutet eher wie eine Modernisierung für ein jüngeres Publikum an, das mit den alten Filmen eh nicht viel anfangen kann. Doch, obwohl ich Jahrgang 1964 bin, hat mich dieser „Aufguss“ blendend unterhalten. Was mit persönlich einfach hier besser gefallen hat, war, dass die Thematik schon ein wenig ernster (und damit gruseliger) gehandhabt wurde und nicht durch ständige Witze ins Lächerliche gezogen wurde wie bei den alten Filmen. Das hebt diese Neuinterpretation für mich auf jeden Fall hervor. Das heißt aber nicht, dass auch hier der ein oder andere Spruch fällt, von denen allerdings viele meinen, sie wären bei weitem nicht so lustig, wie in den Originalfilmen. Ich finde, man kann die Art der Witze in diesem Film Humor nennen und im Original würde ich sie eher als Klamauk oder Slapstick bezeichnen. Humor liegt mir einfach mehr. 🙂
Handwerklich gibt es an diesem Film nichts auszusetzen, Kurtzman beweist, das er eine Hand für eine geradlinige, spektakuläre und optisch ansprechende Inszenierung hat. Da gibt es nichts zu meckern.

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Fazit: Optisch ansprechende Neuinterpretation der Mumien-Thematik, die absolut zu unterhalten vermag.

© 2018 Wolfgang Brunner

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)

Originaltitel: Fantastic Beasts and Where to Find Them
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling
Kamera: Philippe Rousselot
Musik: James Newton Howard
Laufzeit: 133 Minuten
Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol, Colin Farrell, Faith Wood-Blagrove, Samantha Morton, Ron Perlman, Jon Voight, Johnny Depp
Genre: Fantasy
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Der exzentrische und hochbegabte britische Zauberer Newt Scamander erforscht mit Hingabe die Vielfalt aller magischen Wesen und setzt sich für ihre Rettung und Erhaltung ein. Ein paar solcher Wesen trägt er in seinem Koffer mit sich herum, als er nach Amerika aufbricht, um dort ein neues Wesen zu ergattern. Durch einen unglücklichen Zufall gerät eines der Wesen durch den Menschen Jacob Kowalski frei und sorgt für Aufregung. Bei dem Versuch, das Wesen wieder einzufangen, begegnen Newt und Jacob der Magierin Tina Goldstein. Doch das Problem ist nicht nur, dass Newts magische Wesen auf freiem Fuß sind, sondern auch ein europäischer Zauberer, der nichts Gutes im Schilde führt …

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Niemand hätte damit gerechnet, dass es nach dem letzten Teil der Harry Potter-Reihe noch einmal einen Film gibt, der im gleichen Universum spielt. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, als es hieß, dass „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ in die Kinos kommen sollte. Das titelgebende Büchlein, in dem lediglich magische Wesen beschrieben werden, bildete aber nur entfernt die Vorlage für den ersten von insgesamt fünf geplanten Teilen der neuen „Potter“-Reihe. Protagonist der Handlung ist der Zauberer Newt Scamander, den eingeschweißte Harry Potter-Fans selbstverständlich als Verfasser des obengenannten Buches kennen. Und genau jene Abenteuer, die Scamander während seiner Forschungen erlebt, bilden das Handlungsgerüst des Films.  Während anfangs noch ein Hauch von Rückkehr in die magische Welt von Harry Potter gelingt (Hogwarts, Dumbledore und einige andere Verweise auf die ursprünglichen Potters werden genannt), entwickelt sich „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ aber schon bald in eine andere, eigenständige Richtung, die aber dennoch absolut funktioniert.

Regisseur David Yates, der bereits bei den letzten drei Büchern (vier Filmen) der Harry Potter-Reihe und auch den beeindruckenden „Legend Of Tarzan“ Regie führte, zeigt auch hier ein sicheres Händchen in der Inszenierung für einen abendfüllenden, spannenden und sehr unterhaltsamen Kinofilm. In wunderbaren Bildern, die nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene verzaubern, erzählt er eine magische Geschichte, die einem in der Tat die reale Welt um einen herum für etwas mehr als zwei Stunden vergessen lässt. Man merkt dem Film an, dass er auf mehrere Teile angelegt ist, denn nichts in der Handlung wirkt überfrachtet und mit Gewalt in die Laufzeit hineingequetscht. Yater geht es relativ ruhig an und erzählt eine geradlinige Geschichte, die allerdings mit nicht viel Innovationen aufwarten kann. Doch dieser kleine Makel wird schnell aufgrund der rasanten Inszenierungsweise und den perfekten Effekten vergessen. „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ist ein Film, in den man sich fallen lassen muss, um ihn genießen zu können. Allerdings finde ich persönlich die FSK-Freigabe ab 6 Jahren etwas grenzwertig, aber das ist ein anderes Thema und hat mit dem Film nichts zu tun.

Schauspielerisch liegt das ganze auf einem guten Niveau, das sich sehen lassen kann. Eddie Redmayne (2015 Oscargewinner für seine Rolle des Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit) hat zwar schon viele Filme auf seinem Karriereblatt zu verzeichnen, dürfte aber den meisten wohl in letzter Zeit nur durch seine Rolle in  „Jupiter Ascending“ in Erinnerung geblieben sein. Er wirkt in den ersten Momenten des Films etwas fehlbesetzt, aber das legt sich sehr schnell und schon bald erweist sich sein Schauspiel als wahrer Glücksgriff für den Film. Er verkörpert den jungen Zauberer „very british“ und verleiht ihm dadurch einen ganz besonderen Charakter, der im Gedächtnis haften bleibt. Katherine Waterston wirkt neben ihm ein wenig blass, obwohl auch sie ihre Rolle sehr gut und glaubwürdig im Griff hat. Sympathieträger des Films ist allerdings unumwunden Dan Fogler in der Rolle als Jacob Kowalski, der zum einen einen unglaublichen Charme versprüht und zum anderen die Gratwanderung zwischen gutem Slapstick und peinlichem Klamauk bravourös meistert und niemals in letzteren abgleitet. Es macht wirklich ungemein Spaß, ihm bei seiner sympathischen Tölpelhaftigkeit zuzusehen. Aber dass er schauspielern kann, hat Fogler bereits in „Scenic Route“ vortrefflich bewiesen.
Insgesamt lässt „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ auf eine gute Reihe von Kinofilmen hoffen, die nicht nur die Augen von Kindern sondern auch von Erwachsenen glänzen lässt. Für mich war dieser Film eine unerwartete, freudige Überraschung.

Hervorzuheben ist noch der wirklich fantastische Score von James Newton Howard, der die tollen Bilder passend untermalt und in ihrer Wirkung unterstreicht. Vor allem am Ende, wenn die Zauberer (ohne spoilern zu wollen) Schäden an der Stadt wieder beheben, kann einen schon mal eine wohlige Gänsehaut überkommen, so intensiv und emotional wirken und harmonieren da Musik und Bild miteinander.

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Fazit: Treffsicherer, märchenhafter Ausflug in die Welt von Harry Potter, der mit guten Schauspielern und einem überragenden Dan Fogler aufwartet.

© 2017 Wolfgang Brunner

Legend Of Tarzan (2016)

Originaltitel: The Legend Of Tarzan
Regie: David Yates
Drehbuch: Stuart Beattie, Craig Brewer, John Collee, Adam Cozad
Kamera: Henry Braham
Musik: Rupert Gregson-Williams
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Alexander Skarsgård, Margot Robbie, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Djimon Hounsou, Casper Crump, Ella Purnell, John Hurt, Rory J. Saper
Genre: Abenteuer
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Vor Jahren hat Tarzan den afrikanischen Dschungel verlassen hat und wohnt nun unter dem Namen John Clayton III als Lord Greystoke mit seiner geliebten Frau Jane auf seinem Anwesen in England gezogen.
Einst von Affen aufgezogen, fühlt er sich in der Zivilisation inzwischen wohl und schlägt eine Einladung als Botschafter in den Kongo erst einmal ab. Noch immer denkt er an seine Feinde im Dschungel,  allen voran Chief Mbonga. Schließlich willigt er doch ein, die Reise zusammen mit Jane anzutreten. Er ahnt nicht, dass er von dem gerissenen belgischen Captain Rom hereingelegt wurde, der ein Geschäft mit Tarzans Erzfeind Mbonga abgeschlossen hat, um an wertvolle Diamanten zu gelangen.

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Da es mir die im Jahr  1984 inszenierten Neuinterpretation des Tarzan-Stoffes von Edgar Rice Burroughs „Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen“ mit Christopher Lambert in der Hauptrolle ziemlich angetan hatte, war ich natürlich sehr gespannt, wie nun eine weitere Verfilmung in der heutigen Zeit  wohl aussehen würde. Und ich muss zugeben, dass ich wirklich hellauf begeistert bin. Das hat ganz verschiedene Gründe, auf die ich allesamt ein wenig näher eingehen möchte. Das erste, was mir an „Legend Of Tarzan“ schon vor der Sichtung unglaublich gut gefallen hat, war der bombastische, emotionale Score von Hans Zimmer-Schüler Rupert Gregson-Williams. An manchen Stellen könnte man fast glauben, der Meister selbst habe Hand an der Komposition angelegt so episch klingt das Orchester. Die Filmmusik rotierte einige Tage hintereinander in meinem CD Player und nun, in Verbindung mit den fantastischen Bildern, die der Film bietet, wirkt sie noch besser wie als eigenständige Musik.

Außer der Musik bietet der Film auch grandiose Landschaftsaufnahmen und hervorragend animierte Tierszenen, die einen so manches Mal wohlige, aber auch erschreckende Schauer über den Rücken jagen. In Verbindung mit dem oben erwähnten Score strahlt „Legend Of Tarzan“ teilweise eine Atmosphäre aus, die an „Medicine Man“, „Kongo“ oder die bislang letzte Verfilmung von „Der letzte Mohikaner“ aus dem Jahr 1992. Man kann sich gar nicht satt sehen, an den bildgewaltigen Einstellungen und den berührenden, aber auch sehr spannenden Szenen. Mit einem unglaublichen, inszenatorischen Feingefühl treibt Regisseur David Yates die Handlung voran und zeigt eine völlig andere Seite von Tarzan. Schon die letzten vier Harry Potter-Filme, die Yates inszeniert hat, zeigten sein Können, das er nach „Legend Of Tarzan“ mit dem fantastischen Potter-Ableger „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erneut unter Beweis stellte. Erfrischend anders als die „alten“ Tarzan-Filme, die man kennt, versucht Yates „seinen“ Tarzan dem Gegenwartskino anzupassen, ohne sich in unnötige Effektehascherei zu verzetteln. Die Spezialeffekte wirken für mich einfach konform zur Story.

Schauspielerisch ist allen voran Christoph Waltz einsame Spitze. Mit welchem Charme er den Bösewicht verkörpert ist schon oscarreif, das muss man einfach gesehen haben. Es ist wirklich unglaublich, wie intensiv Waltz sich in die Rolle einlebt. Man mag ihn, obwohl er böse ist. 😉
Alexander Skarsgård in der Rolle des Tarzan ist ebenfalls eine absolut gute Wahl gewesen.  Skarsgård, der mich schon in der Serie „True Blood“ begeistert hat, übertrifft sich mit dieser Darstellung selbst. Viele meinen, er sei nicht unbedingt der beste Schauspieler, sondern profitiert in erster Linie von seinem Aussehen. Dieser Aussage kann ich nicht folgen, denn  Skarsgård zeigt in jedem Film, den ich mit ihm gesehen habe, Talent. Als Tarzan hat er mich allerdings wirklich vollends überzeugt, was sein durchtrainierter Körper natürlich noch zusätzlich unterstreicht. Für mich ist Alexander Skarsgård der beste Tarzan, den ich je gesehen habe. Er wirkte durch und durch glaubwürdig.
Margot Robbie in der Rolle als Jane harmoniert mit ihm unglaublich schön, so dass auch die Romanze zwischen den beiden absolut sehenswert ist. Und … ja, ich habe am Schluss ein paar Tränchen vergossen. 🙂

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Fazit: Für mich die beste und emotionalste Tarzan-Interpretation.

© 2018 Wolfgang Brunner

BFG – Big Friendly Giant (2016)

Originaltitel: The BFG
Alternativtitel deutscher Titel: BFG – Sophie und der Riese
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Melissa Mathison
nach dem Roman von Roald Dahl
Kamera: Janusz Kamiński
Musik: John Williams
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader, Michael Adamthwaite, Adam Godley
Genre: Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Kanada
FSK: ab 6 Jahre

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Das Waisenmädchen Sophie lernt eines Tages einen freundlichen Riesen kennen, der sie mit in die Welt der Riesen nimmt. Doch dort leben nicht nur freundliche Riesen, sondern auch böse, die liebend gerne Menschen, insbesondere Kinder, fressen. Sie haben auch vor, in die Welt der Menschen einzudringen und sie anzugreifen. Sophie heckt mit ihrem neuen Freund und der Königin von England einen Plan aus, um dies zu verhindern.

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Spielbergs neuer Film wird die Kinogängern und Filmfans in zwei Lager spalten: Die einen werden die Adaption von Roald Dahls Kinderklassiker als nervtötend langweilig bezeichnen und die anderen als wunderschön fotografierten Fantasyfilm für die ganze Familie.  Und ich? Ich liege irgendwie genau in der Mitte beider Seiten, denn zum einen sieht man dem Film an, dass er mit großer Hingabe gedreht wurde und zum anderen fehlt letztendlich doch irgendwie das gewisse Etwas, das den Charme anderer Spielberg-Filme ausmacht. Aber der Reihe nach:  Spielberg geht erfreulicherweise einen Weg, der das Kino nicht in die Dimensionen bombastischer CGI-Effektorgien mit keinerlei Gefühlen schleudert, sondern er erzählt eine Geschichte in ruhigen, prinzipiell unspektakulären Tönen. Sicherlich lebt der Film von den Tricks, die ich im Übrigen äußerst gelungen empfand. Aber es werden, wie in so vielen Filmen Steven Spielbergs, auch Freundschaft, Mut und Lebensweisheiten behandelt. Es macht ungemein Spaß, dem ungleichen Freundespaar zu folgen, und gerade durch die oft leisen Zwischentöne wirkt der Film wie ein Traum. Roald Dahls Vorlage wird kongenial umgesetzt, da sie die Gefühlswelt eines Kindes, und wie dieses seine Umgebung wahrnimmt, sehr schön darstellt: ein bisschen Traurigkeit, ein bisschen Abenteuer und eine Prise Spaß durch die Augen eines Kindes.

Lässt man sich auf diese Welt, durch die Augen eines Kindes gesehene, Welt ein, wird man mit einem wunderschönen Film belohnt, der zum Träumen einlädt. Erwartet man einen mit Effekten überladenen Blockbuster-Film im Stil der heutigen Comicverfilmungen, wird man wohl bitterlich enttäuscht sein. Alleine die Tatsache, dass sich Spielberg nicht auf dieses Niveau begibt, macht „BFG“ zu etwas Besonderem. Und dennoch fehlt im Gesamtbild das Flair der älteren Spielberg-Filme. Woran es liegt, kann ich nicht einmal genau sagen, denn im Grunde genommen passt alles: Eine Geschichte, wie für Spielberg geschrieben, wunderbare Effekte und eine tolle Filmmusik von Hauskomponisten John Williams. Doch gerade Williams ist mit seinem Score nicht der große Wurf gelungen, obwohl die Musik gewohnt hochwertig und wunderschön ist. Aber sie bleibt leider nicht im Gedächtnis haften, wie so manch andere aus der Feder von John Williams.

Insgesamt gesehen habe ich mich prächtig unterhalten und auch amüsiert. Eine Szene bei der Königin von England hat mich sogar lauthals zum Lachen gebracht, obwohl ich den Film alleine angesehen habe. Spielberg versteht sein Handwerk nach wie vor, allerdings erscheint mir „BFG“ nicht so kultverdächtig wie seine anderen Filme und befindet sich für mich auf gleicher Ebene wie zum Beispiel „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ . Das soll nicht heißen, dass mir diese beiden Filme nicht gefallen, absolut nicht, aber in seinen anderen Werken kann Spielberg eindeutig mehr sein Können als Regisseur zeigen als in den beiden genannten. Für mich also eher ein untypischer Spielberg-Film, der mich dennoch vollauf überzeugen konnte.

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Fazit: Wunderschön fotografierter Märchenfilm, der sich durch seine ruhige, besinnliche Inszenierung wohltuend von effekteüberladenen Blockbustern der heutigen Zeit abhebt.

© 2017 Wolfgang Brunner

The Jungle Book (2016)

Originaltitel: The Jungle Book
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Justin Marks
Kamera: Bill Pope
Musik: John Debney
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Neel Sethi, Ritesh Rajan
Genre: Abenteuer
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 6 Jahre

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Als sein Vater im Dschungel ums Leben kommt, wird der kleine Junge Mogli von dem Panther Bagheera zu einem Wolfsrudel gebracht, wo er aufwächst. Doch eines Tages erscheint der Tiger Shir Khan und verlangt den Tod des Jungen. Daraufhin beschließt das Wolfsrudel, Mogli aus dem Rudel zu entlassen und ihn auf die Reise zu einem Menschendorf zu schicken. Mogli steht eine gefährliche und spannende Reise bevor.

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Wer kennt nicht Walt Disneys Zeichentrick-Klassiker „Das Dschungelbuch“? Viele Realverfilmungen erblickten das Licht der Filmwelt, aber keine brachte es zu so viel Ruhm wie das Original. Und nun folgt eine weitere Adaption von Rudyard Kiplings Kinderbuch und wieder einmal steckt Disney dahinter. Man möchte gar nicht glauben, dass Regisseur Jon Favreau ein solch großer Wurf gelungen ist, der den Zeichentrick-Klassiker tatsächlich in den Schatten stellt. Und wie …
„The Jungle Book“ ist hinreissend, visuell atemberaubend und hält sich ziemlich gut an die literarische Vorlage (was hoffen lässt, dass auch „Das zweite Dschungelbuch“ vielleicht noch verfilmt wird). Warum man allerdings den deutschen Titel beim amerikanischen Originaltitel „The Jungle Book“ beließ, ist für mich nicht nachvollziehbar, denn schließlich befinden wir uns doch in Deutschland. Wollte man eine Verwechslung mit den anderen „Das Dschungelbuch“ betitelten Filmen vermeiden? Keine Ahnung, auf jeden Fall finde ich die Unsitte in Deutschland, amerikanische Titel zu verwenden, befremdlich und äußerst schade. Denn meine 80jährige Mutter kann zum Beispiel mit solchen Titel absolut nichts anfangen.

 Nun aber zum Film, der mich von Anfang an mit seinem ganz besonderen Charme in den Bann gezogen hat. Sicherlich liegt das auch daran, dass mit der heutigen Technik die Dschungeltiere nahezu perfekt in Szene gesetzt werden können. Aber das alleine ist es nicht, dass diesen Film so hervorragend macht. Neel Sethio, der den kleinen Jungen spielt, macht seine Sache wirklich hervorragend. Umso weniger kann ich nachvollziehen, dass dieser junge Schauspieler nicht einmal auf dem Plakat namentlich erwähnt wird, sondern nur die Namen der berühmten Synchronsprecher. Wenn man bedenkt, dass Neel Sethio hauptsächlich nur vor Greenscreen-Wänden agiert hat, um danach im fertigen Film mit den Tieren zu sehen ist, kann man dem jungen Schauspieler nur seine Hochachtung aussprechen. Schade, dass viele den Jungen in seiner Rolle als Mogli nicht mochten, für mich unverständlich.
Die Tiere sind hervorragend animiert und schon nach wenigen Minuten vergisst man fast, keine echten Tiere vor sich zu haben, so stark versinkt man in dieser Welt. Die deutschen Synchronsprecher, allen voran Joachim Krol als erzählender Bagheera, haben tolle Arbeit geleistet.

Wie eine Mischung aus Peter Jacksons „Herr der Ringe“ und John McTiernans „Medicine Man“ überrascht „The Jungle Book“ mit außergewöhnlichen Effekten und Aufnahmen wie auf Ölgemälden. Favreau ist ein Kunststück gelungen, das sowohl die ältere wie auch die neuere Generation begeistert. Unaufdringlich werden auch noch zwei Songs des alten Zeichentrick-Klassikers mit eingebaut, ansonsten geht Favreaus Interpretation eigene, visuell extrem beeindruckende Wege.
John Debneys Score ist wunderschön. Passagen aus dem alten Soundtrack von George Bruns werden gekonnt eingesetzt und wechseln sich mit bombastischen, melancholischen Tönen ab, die teilweise sehr stark an Jerry Goldsmiths Meisterwerk „Medicine Man“ erinnern. Debneys Musik passt so hervorragend zu den gezeigten Bildern, dass es einem an manchen Stellen Gänsehaut beschert.
Jon Favreau hat eine Geschichte aus meiner Kindheit so emotional und episch inszeniert, wie ich es mir nie hätte erträumen lassen. „The Jungle Book“ ist nostalgisches Kindsein mit Effekten auf auf technisch hohem Niveau.

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Fazit: Ein Klassiker in neuem Gewand. So bombastisch und episch hat man „Das Dschungelbuch“ noch nie gesehen.

© 2017 Wolfgang Brunner

Gods Of Egypt (2016)

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Originaltitel: Gods Of Egypt
Regie: Alex Proyas
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Kamera: Peter Menzies Jr.
Musik: Marco Beltrami
Laufzeit: 128 Minuten
Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler, Brenton Thwaites, Courtney Eaton, Geoffrey Rush, Élodie Yung, Rufus Sewell, Chadwick Boseman, Goran D. Kleut, Bryan Brown
Genre: Abenteuer, Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Australien
FSK: ab 12 Jahre

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Als Horus zum König von Ägypten gekrönt werden soll, unterbricht sein Onkel Set die Zeremonie und reißt die Krone an sich. Außerdem beraubt er Horus seines Augenlichts. Unter der Herrschaft von Set werden die Menschen geradezu versklavt und deshalb macht sich Bek, ein wackerer junger Draufgänger daran, die Augen des Horus, die sich in der Schatzkammer von Set befinden zu stehlen, damit der Gott seine ihm zustehende Krone doch noch erobern kann.

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„Gods Of Egypt“ ist eindeutig besser, als ich eigentlich erwartet hätte. Und das trotz einer massiven CGI-Eqffekte-Attacke, wie ich sie schon seit längerer Zeit nicht mehr mag. Aber dazu später.
Der Einstieg wirkt bombastisch und wenngleich die Menschenmassen aus dem Computer stammen, werden wir mit beeindruckenden Bildern ohne Umschweife in das Abenteuer geworfen. Regisseur Alex Proyas erklärt die Ausgangssituation kurz und knapp: Im Alten Ägypten sind die Götter an der Macht und weilen unter den Menschen. Sie sind doppelt so groß und verfügen über die Macht, sich in starke Kämpferwesen zu verwandeln. Man sollte diese Erklärungen einfach hinnehmen und den Film dann auf sich wirken lassen.

Ich fühlte mich irgendwie an „alte“ Abenteuerfilme erinnert, oft dachte ich an „Indiana Jones“, „Kampf der Titanen“ oder „Die Mumie“.  Es geht äußerst rasant zu und die Zeit vergeht wirklich wie im Fluge. Die meisten Witze sind gut platziert und wirken in der entsprechenden Situation. Einige Action- und Kampfszenen sind sehr gut choreographiert, allerdings immer nur dann, wenn echte Schauspieler miteinander agieren. Und nun komme ich zu einem leider negativen Punkt, der mir an einigen Stellen im Film aufgestossen ist. Es sind einfach zu viele, computeranimierte Effekte eingebaut, die zum einen oft unrealistisch und künstlich wirken und zum anderen den actiongeladenen Handlungsverlauf der realen Schauspieler schlichtweg stören. Ein bisschen weniger wäre definitiv mehr gewesen. Sobald sich die Götter von ihrer Menschengestalt in eines der erwähnten Wesen verwandeln, fühlte ich mich in einem Avenger- oder Transformers-Film versetzt. An ganz schlimmen Stellen sogar an den unerträglichen „I, Frankenstein“. Man ist mittlerweile von dieser Art Effektorigien übersättigt. Das ist einfach zu viel und die nimmt dem Film oft die Spannung und den abenteuerlichen Charme, der wenige Minuten zuvor noch aufgebaut wurde. Das ist so schade, denn „Gods Of Egypt“ hätte ein richtig gutes Fantasy-Abenteuer werden können. Ist es letztendlich auch, wenn man von den oft unpassenden und zu vielen Effekten absieht. Ich hatte auf jeden Fall riesigen Spaß dabei.

Schauspielerisch konnte mich am meisten Gerard Butler überzeugen, der auch sichtlich Spaß an seiner Rolle hatte. Aber auch die anderen Akteure waren sehr gut und konnten mich ausnahmslos überzeugen. Proyas hat an ein paar Stellen visionär erscheinende Bilder erschaffen (da haben die Effekte zum Beispiel nicht gestört), die mich nachhaltig beeindruckt und sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Das hat mich über die Negativpunkte auch hinwegsehen lassen, so dass „Gods Of Egypt“ für mich trotzdem ein richtig guter Fantasyfilm geworden ist. Besonders hervorzuheben ist der phantastische Score von Marco Beltrami, der genau diese Abenteuerstimmung in Verbindung mit dem oft tollen Bildern hervorragend untermalte.

Insgesamt ein wunderbarer, actiongeladener Fantasyfilm, der einen mit wirklich tollen Bildern in den Bann zieht. Einziges Manko sind die erwähnten, übertrieben eingesetzten CGI-Effekte, wenn sich die Götter in Wesen verwandeln.

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Fazit: Atemberaubendes Fantasyabenteuer, bei dem leider einige CGI-Effekte den Charme leicht zerstören.

© 2017 Wolfgang Brunner