Pestilenz (2019)

pestilenz

Originaltitel: Pestilenz
Regie: Thomas Grieser
Drehbuch: Thomas Grieser
Kamera: –
Musik: Jet Noir (End Title)
Laufzeit: 70 Minuten
Darsteller: Sabrina Arnds, Christina Moni, , Thomas Grieser,  Thomas Goersch, Shawn C. Phillips, Marco Klammer, Manfred Treusch
Genre: Horror, Gore, Amateurfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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In einem abgelegenen Dorf scheint die Pest wieder ausgebrochen zu sein. Ein Filmteam macht sich auf den Weg, um Genaueres herauszufinden, zumal auch ein Gerücht umgeht, dass der Ausbruch der Krankheit nicht auf natürlichem Weg, sondern auf übernatürliche Weise ausgelöst wurde.

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Es fällt mittlerweile nicht mehr leicht, Found Footage, und gerade solche, die ein Debüt darstellen, zu bewerten. Zu viele Filme dieser Art haben den Markt seit „Blair Witch Project“ überschwemmt, als dass man noch genauer differenzieren könnte, wo echtes Potential dahintersteckt. Und dann kommt auch schon ein neuer Film aus Deutschland, der wieder in der Found Footage-Sparte angesiedelt ist. Thomas Griesers Film hebt sich handlungstechnisch so gut wie gar nicht von anderen Genrebeiträgen ab, was aber erstens gar nicht wirklich verwunderlich und zweitens auch gar nicht schlimm ist. Wer sich auf solche Filme einlässt, weiß sowieso, was ihn erwartet. Aber eines kann man „Pestilenz“ auf alle Fälle zugute halten: Es steckt enorm viel Herzblut drin. Und das merkt man in so ziemlich jeder Einstellung, so dass man dem Film einen gewissen Reiz und Charme absolut nicht absprechen kann.

Und da komme ich auch schon an den Punkt, an dem ich den Film im Grunde genommen trotz seiner kleinen Macken gut heiße, denn die Darsteller sind so mit Herz bei der Sache, dass es wirklich Spaß macht, ihnen dabei zuzusehen. Sicherlich wirkt die ein oder andere Szene laienhaft, aber genau das macht wiederum ein Stück Authentizität aus, denn, wenn man sich auf den Film einlassen kann, trägt genau diese sympathische Amateurhaftigkeit dazu bei, dass man die Story zumindest halbwegs wahr hält. „Pestilenz“ reiht sich im Grunde genommen in die Flut der Low Budget Found Footage Horrorfilme ein, ohne wirklich etwas Neues zu bieten. Das muss aber bei einem Film, der mit äußerst geringem Budget gedreht wurde, auch gar nicht sein. Ausschlaggebend sind bei solchen Projekten immer das Engagement und das Talent, eine Geschichte publikumstauglich in Szene zu setzen. Und das ist Thomas Grieser auf alle Fälle gelungen. Was ein wenig „störend“ auffällt, ist die Szene, in der die Filmemacher zwei Leichen am Wegesrand finden und sie ausgiebig filmen. Es sind sichtbar Puppen, die wir zu sehen bekommen (was im Grunde genommen bei solcherart Herzblut-Amateur-Filmen kein Problem für mich darstellt). Aber die Kamera wird zum einen sehr nahe und zum anderen sehr lange auf diese billig wirkenden Leichen gerichtet, dass es knapp an der Grenze zu „peinlich“ erscheint. Ich will damit keineswegs sagen, dass mir diese Einstellungen nicht gefallen haben, aber man hätte sie durchaus effektiver inszenieren können, in dem man sie kürzer und nicht so detailliert gestaltet hätte. Gestört haben sie mich dennoch nicht.

Mit einer Laufzeit von knapp siebzig Minuten kommt auch keine Langeweile auf, da (vielleicht bis auf das Ende)  nie „Zeit geschunden“ wird, um mit Gewalt die Dauer eines Langfilms zu erreichen. Die Story wird vorangetrieben und man möchte wissen, was hinter dem Geheimnis steckt. Der Spannungsbogen wird von Grieser also konsequent hochgehalten und hält den Zuschauer bei der Stange. Um noch einmal auf die SchauspielerInnen zurückzukommen: Sie machen durchwegs ihre Sache gut und spielen sehr natürlich. Bei manchen Szenen, in denen sie sich gegenseitig anzicken, bekommt man auch schon mal ein Grinsen auf die Lippen. Sabrina Arnds Darstellung wirkt anfangs ein wenig unbeholfen, was aber letztendlich irgendwie dann doch wieder zu einem Sympathiepunkt führt. Ihr Agieren wird aber im Verlaufe des Films zunehmend besser. Thomas Grieser in der Hauptrolle konnte mich überwiegend auch überzeugen, ebenso wie Christina Moni. Thomas Goerschs Auftritt ist leider ein wenig kurz geraten, da hätte ich mir ein wenig mehr gewünscht, hat er mir doch in Marian Doras „Reise nach Agatis“ ganz gut gefallen. Aber zumindest in der Kürze konnte er ein glaubwürdiges Bild seiner Figur vermitteln. Letztendlich hatte ich bei „Pestilenz“ einen ähnlichen Spaß wie seinerzeit bei Marcel Walz‘ „Raw“-Reihe. Und ebenso bin ich der Meinung, dass sich „Pestilenz“ hinter seinem Ur-Vorbild „Blair Witch Project“ nicht zu verstecken braucht.

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Fazit: Ruhig inszenierter Found Footage-Film, der sich nah an diverse Vorbilder anlehnt, aber dennoch eigenständig überzeugen kann. Wer einen Jump Scare-Grusler erwartet, wird enttäuscht sein, wer aber einen deutschen mit absolut Herzblut gedrehten Genre-Beitrag unterstützen will, sollte einen Blick riskieren.

© 2019 Wolfgang Brunner

Tödliche Beute 2: The Deadliest Prey (2013)

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Originaltitel: Deadliest Prey
Regie: David A. Prior
Drehbuch: David A. Prior
Kamera: Eric A. Wahl
Musik: Tim Heintz, Tim James, Steve McClintock
Laufzeit: 77 Minuten
Darsteller: Ted Prior, David Campbell, Fritz Matthews, Michael Charles Prior, Cat Tomeny, Tara Kleinpeter
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 18 Jahre

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Fast 30 Jahre sind vergangen seit der irre Colonel Hogan den Elitesoldaten Mike Danton entführte, jagte und seine Frau tötete. Doch nun ist Hogan aus dem Knast zurück und will die Fehde fortführen. Kann der gealterte Danton trotz jahrzentelangem Rückzug ins Privatleben sich noch einmal einer Übermacht an Söldnern erwehren?

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Fortsetzungen haben es immer schwer. Einerseits möchte man die Geschichte des Vorgängers weitererzählen und zeitgleich genug Eigenheiten an den Tag legen um interessant und frisch zu bleiben, andererseits muss man darauf achten nicht zu sehr vom Original abzuweichen und eventuelle Fans zu enttäuschen. Keine einfache Situation. Besonders schwer ist es dann allerdings, wenn sich der erste Teil nach vielen Jahren als Klassiker etabliert hat. Wenn ich von filmischen Klassikern mit dubiosen Fortsetzungen spreche, denkt man nun sicherlich an Filme wie Carrie (1976), Die Vögel (1963) und Basic Instinct (1992), wobei die meisten Fortsetzungen zurecht relativ schnell in einem Gedankenloch verschwunden sind. Doch Klassiker können auch in Nischen entstehen. Das Original des hier besprochenen Films stammt nämlich aus der Kategorie des So-Bad-It’s-Good-Subgenres, die auch als Trashfilm bekannt ist. Nun könnte man annehmen, dass Deadly Prey (1987) – eine liebenswerte und höllisch unterhaltsame Variante des ebenso tollen Phantom Kommando (1985) – einen besseren Stand hätte. Das filmische Grundgerüst steht ja bereits und da man aus Fehlern lernt, sollten nun nur noch Ecken und Kanten geschliffen werden um einen vernünftigen Film zu erhalten. Auch hier gibt es zwei Möglichkeiten in die das Ganze gehen kann: Entweder sind die Filmemacher sich darüber bewusst, dass das Original Trash ist und treiben das Spiel noch weiter ins Extreme oder sie versuchen eine legitime Fortsetzung zu drehen. Leider wird am häufigsten die erste Möglichkeit bedient. Fortsetzungen zu Filmen wie Samurai Cop (1991) oder auch Hobgoblins (1988) sind bereits kurz nach dem Erscheinen in der Versenkung verschwunden, weil die Prämisse das Machen eines schlechten Films gewesen ist ohne dabei zu bedenken was die Originale so sehenswert macht, nämlich die Ungewolltheit des Ganzen! Das Versagen einer Filmcrew, der unfähige Regisseur, das miserable Skript, die Ambitionen und die hehren Ideen, die finanziell Unumsetzbar sind. All diese Faktoren sind es, die man einfach nicht planen kann, die in mysteriöser Weise zusammenspielen und an der Erschaffung von eben jenen Filmen mitwirken. Das filmische Pendant zum Autounfall. Ein Elendstourismus bei dem man sich in der Schmach anderer suhlt. Das ist auch vollkommen legitim, bösartig wird es nur, wenn man über, und nicht mit dem Film lacht.

Was hat es nun mit Tödliche Beute 2 – The Deadliest Prey (2013) auf sich? Dieser Film ist eines der wenigen Beispiele, welches sich in die zweite Kategorie einordnet oder es zumindest versucht. Hätte ich vor Sichtung des Films noch empfohlen es lieber sein zu lassen, habe ich hier das Gefühl, dass der Film durchaus den gleichen Geist wie das Original inne hat. Zwar sind viele Einstellungen und ganze Szenen mehr oder weniger kopiert, gibt es doch genug eigenes um den Zuschauer bei Laune zu halten. Die charmante Naivität ist spürbar. Vielleicht liegt dies daran, dass sowohl vor, als auch hinter der Kamera viele bekannte Gesichter zu finden sind. Dies mag ein Grund sein, warum zwar hier und da ein Augenzwinkern (leider) nicht fehlen darf, aber gleichzeitig jede Art des Zynismus fern bleibt.

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Fazit: Solide Fortsetzung zu einem Trashfilmklassiker. Wer das Original mag, kann hier durchaus einen Blick riskieren.

© 2019 René Wiesner