Montrak (2017)

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Originaltitel: Montrak
Regie: Stefan Schwenk
Drehbuch: Stefan Schwenk
Kamera: Marco Kies, Florian Weich
Musik: Myra
Laufzeit: 121 Minuten
Darsteller: Julia Dietze, Florian Freiberger, Csoma Shiva Hagen, Dustin Semmelrogge, Cosma Shiva Hagen, Martin Kesici, Adam Jaskolka, Sönke Möring, Udo Schenk, Nikolai Will, Ralph Stieber
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

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Der Burggraf Montrak wird im Mittelalter durch einen Ring, der Luzifer gehört, in einen Vampir verwandelt. Als die Menschen ihn jagen, lässt er sich töten, damit der Mythos seines Vampirdaseins in Vergessenheit gerät. In der Gegenwart verschwinden dann in Deutschland immer mehr Menschen. Man vermutet anfangs, dass Wölfe dahinter stecken, doch es sind Vampire. Montraks Untertanen wollen einen neuen Meister erwecken, der ihnen die Herrschaft über die ganze Welt verschaffen soll. Eine kleine Gruppe von Menschen stellt sich der Bedrohung in den Weg.

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Da ist er nun also: „Montrak“, der Vampirfilm von Stefan Schwenk, der durch eine Startnext-Kampagne ermöglicht werden konnte. Und was soll ich sagen? Das Warten hat sich eindeutig gelohnt. Schwenk hat eine Art Episodenfilm geschaffen, der sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt und ein stimmiges Gesamtbild am Ende ergibt.
Was mir schon am gleich am Anfang aufgefallen ist, ist die wunderbare Musik von Myra. Da kam sofort ein 80er Jahre Flair auf, dass mich in seinen Bann gezogen hat. Es gab einige Szenen, die mich gerade durch diese fantastische Musikuntermalung an einen Film von John Carpenter erinnert haben. Aber der Score ist natürlich nicht alles, was diesen deutschen Film ausmacht.

Schwenk hat ein geschicktes Händchen, was das Inszenieren eines Films angeht. Wunderbare Natur- und Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit stimmungsvollen Bildkompositionen ab, die sehr professionell wirken. Durch die episodenartige Erzählweise kommt in zwei Stunden Laufzeit niemals Langeweile auf, denn man möchte natürlich wissen, wie es weitergeht und wo die Verbindung zwischen den Geschichten steckt. Mir persönlich hat übrigens Kapitel 2 besonders gut gefallen, in dem der Bauer die Saat des Bösen weiterträgt. Schwenk hat auch eine ansehnliche Schauspielerriege um sich versammelt, die durchwegs kompetente Arbeit abliefert. Manchmal geht es auch so richtig zur Sache, wenn zum Beispiel die Vampire ihre Angriffe starten. Die Spezialeffekte sind durchwegs gelungen und wirken ebenfalls äußerst professionell.

Stefan Schwenk ist eindeutig ein Filmfreak. Und wenn man genauer hinsieht, entdeckt man unzählige Anspielungen auf Horrofilmklassiker der 80er Jahre wie z.b. „Lost Boys“, „Highlander“, „Terminator“, „Near Dark“ und eben auch Carpenter Filme. „Montrak“ macht einfach Spaß und kann sich in vielerlei Hinsicht mit ausländischen Produktionen messen. Es ist wirklich erstaunlich, mit welch relativem geringem Budget Stefan Schwenk diesen Film auf die Beine stellen konnte. Hier wird in erster Linie mit Schauspielerei, filmischer Inszenierung und gekonnten Schnitten und Musikeinsätzen gearbeitet, was den Film ohnehin sympathisch macht.
Schwenks „Montrak“ kann sich sehen und hören lassen. Schwenk, der übrigens bei Olaf Ittenbachs „Legend Of Hell“ auch die Regieassistenz übernommen hat, arbeitete fünf Jahre lang an diesem Film und wenn man sich das vor Augen hält, erkennt man vielleicht, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt. Erstaunlicherweise verhält es sich auch so, dass Schwenk die wenigen Momente, in denen der Film amateuermäßig wirkt (beziehungsweise wirken könnte 😉 ), so geschickt mit Schnitten und stylischen Einstellungen / Bildern kaschiert, dass es letztendlich gar nicht richtig auffällt.

Mir persönlich hat „Montrak“ wirklich sehr gut gefallen, auch wenn ich mir beim Drehbuch ein wenig mehr Raffinesse gewünscht hätte. Aber in erster Linie soll solcherart Film erst einmal unterhalten und das tut er auf alle Fälle. Schwenkt bringt keinen frischen Wind in das Vampirgenre, sondern versteift sich eher auf Gewohntes. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn wichtig ist, wie er es macht. Und, wie oben schon erwähnt, seine Anspielungen auf Klassiker bis hin zu einem eignen kleinen Cameo-Auftritt machen diesen Film zu etwas besonderem in der deutschen Filmlandschaft, in der in der Regel nur flache Komödien (pseudo-)erfolgreich sind oder von Produzenten unterstützt werden. Umso genialer empfinde ich es, dass sich das Label Nameless diesem Film angenommen und in einem schicken Mediabook veröffentlicht hat. Man wünscht sich eindeutig mehr solcher Produktionen und ich will gar nicht daran denken, was für ein Hammerfilm herausgekommen wäre, hätte Stefan Schwenk das zehnfache Budget zur Verfügung gehabt.

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Fazit: Hochwertiger, stylischer Vampirfilm aus Deutschland, der absolute Professionalität zeigt.

© 2019 Wolfgang Brunner

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Das Haus der Vergessenen (1991)

Haus der Vergessenen Mediabook

Originaltitel: The People under The Stairs
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Wes Craven
Kamera: Sandi Sissel
Musik: Don Peake
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Brandon Adams, Everett McGill, Wendy Robie, A. J. Langer, Ving Rhames, Sean Whalen, Bill Cobbs
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Der 13-jährige Fool will seiner todkranken Mutter und der gesamten Familie helfen und sucht nach Möglichkeiten, zu Geld zu kommen. Zusammen mit LeRoy bricht er in ein Haus ein, in dem sich angeblich Gold befinden soll. Doch die Bewohner, ein psychopathisches Geschwisterpaar, entdecken die Eindringlinge und schotten das gesamte Haus ab, so dass es kein Entkommen für Fool und seinen Kumpel gibt. Während sie nach einem Ausweg suchen, entdecken sie seltsame Mitbewohner, die von den Geschwistern im Keller gefangen gehalten werden …

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Wes Cravens „Das Haus der Vergessenen“ ist ein vollkommen zu Unrecht unterschätzter Film, der inmitten von Erfolgen wie „Nightmare On Elm Street“ oder „Die Schlange im Regenbogen“ schlichtweg in Cravens Filmografie untergegangen ist. Vielleicht lag es daran, dass sich der Film trotz seiner sozialkritischen Aspekte nicht genau zwischen hartem Splatter und vollkommen überdrehter Horrorkomödie entscheiden konnte. Cravens Publikum hatte wahrscheinlich einen ernsteren Film erwartet und ließ sich dadurch nicht auf die schrägen Slapstick-Einlagen ein. „Das Haus der Vergessenen“, dessen Originaltitel „The People Under The Stairs“ aus meiner Sicht übrigens viel besser passt, wurde zu einem vergessenen, kleinen Meisterwerk des Kultregisseurs. Denn, wenn man sich auf die absurde Situationskomik dieses Films einlassen kann, wird man mit einem Feuerwerk an Unterhaltungskino belohnt. Sicherlich mag der ein oder andere Effekt das heutige Publikum nicht mehr aus den Socken hauen, aber im Zuge der Retrowelle könnte „Das Haus der Vergessenen“ doch wieder bestimmt bei einigen punkten.

Wes Craven hat, wie so oft in seinen Filmen (und wie unter anderem auch seine geschätzten Regiekollegen George A. Romero oder John Carpenter), auch hier eine Ausgangssituation erschaffen, die einen Pseudo-sozialkritischen Aspekt vorschiebt, um dann letztendlich in einem Horrorszenario zu enden. Doch bei „Das Haus der Vergessenen“ ging Craven einen Weg, wie ihn Peter Jackson einst auch bei seinem Kultfilm „Braindead“ einschlug, in dem er nämlich Horror- und Splatterelemente mit komödiantischen Einlagen vermischte. Man kann „Das Haus der Vergessenen“ eigentlich nicht ernst nehmen. Und man sollte es auch nicht tun, denn zuviel des Unterhaltungswertes gingen verloren, täte man es. 😉
Die hundert Minuten fliegen nur so dahin, was schon einmal unter die positiven Aspekte des Film fällt, und es macht unglaublich Spaß den Protagonisten zuzusehen. Da wären nämlich zum einen die psychopathischen Geschwister, dargestellt vom „Twin Peaks“-Ehepaar Everett McGill und Wendy Robie, die sich während der Handlung in skurrile Figuren verwandeln, die nicht mehr ernstgenommen werden können. Gegen Ende des Film haben sie sich von bedrohlichen Feinden in Karikaturen verwandelt, die aus einem „Tom und Jerry“-Comic entsprungen sein könnten. Daneben glänzt der junge Farbige Brandon Adams (den man übrigens aus Michael Jacksons „Moonwalker“ kennt) in einer sympathischen Hauptrolle, die an so manch einen Horrorfilm der „goldenen 80er Jahre“ erinnert, in denen Teenager die tragenden Rollen spielten. Die Musik von Don Peake unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich.

Koch Media hat dieses Kleinod wieder aus der Versenkung geholt und in einem wunderschönen Mediabook  veröffentlicht, das dem Film absolut gerecht wird und ihn genau so behandelt, wie er schon die vergangenen Jahre hätte behandelt werden sollen. „Das Haus der Vergessenen“ ist sozusagen ein „Partyfilm“, ein spannender Zeitvertreib, bei dem man sich zwischendurch auch hervorragend amüsieren kann, wenn man Everett McGill zum Beispiel dabei zusieht, wie er in voller S/M-Ledermontur sein eigenes Haus zerballert und dabei hysterisch rumschreit. Diese Skurrilität ist es auch, die neben der noch immer (zumindest für mich) gelungenen Atmosphäre, diesen Film aus- und zu etwas Besonderem macht. Sicherlich ist „Das Haus der Vergessenen“ nicht Wes Cravens Meisterwerk, aber es ist auf alle Fälle innovativ und mutig, indem es nämlich damals durch seine schrägen Figuren und Charakterzeichnungen dem Horrorgenre neue Impulse gab.
Warum dieser Film allerdings über Jahrzehnte hinweg sogar indiziert war, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wie oben schon erwähnt, ist dieser Film einfach viel zu überdreht und überzogen inszeniert, als dass er jugendgefährdend sein könnte, zumal auch noch ein jugendlicher Held im Vordergrund steht. Für mich immer wieder sehenswert und in dieser perfekten Ausstattung, die dieses Mediabook bietet, sowieso.

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Fazit: Überdrehte Charaktere in einem atmosphärischen Horrorthriller. Seinerzeit innovative, aber leider missverstandene Perle eines Kultregisseurs.

© 2018 Wolfgang Brunner

Skinless (2013)

skinless

Originaltitel: The Ballad Of Skinless Pete
Regie: Dustin Mills
Drehbuch: Dustin Mills, Brandon Skalkil
Kamera: Dustin Mills
Musik: Dustin Mills
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Brandon Skalkil, Erin R. Ryan, Dave Parker, Allison Egan
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: USA
FSK: keine Prüfung

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Dr. Peter Peele, selbst an Krebs erkrankt, hat ein Heilmittel gegen die Krankheit entwickelt.Allerdings scheitern die weiteren Experimente an finanzierungswilligen Geldgebern, so dass sich Peele entschließt, das Serum an sich selbst zu testen. Ihm ist nicht klar, welch ein Monster er dadurch erschafft. Als dann auch noch seine Kollegin Dr. Alice Cross auftaucht, nimmt die schreckliche Entwicklung des Versuches dramatische Ausmaße an.

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„Skinless“ trägt im Original einen weitaus besseren und geeigneteren Titel, nämlich „The Ballad of Skinless Pete“. Hier wird bedeutend mehr auf die eigentliche Aussage des Films eingegangen, bei dem es sich tatsächlich mehr um eine Ballade a lá Nick Cave handelt, als um einen blutigen Splatter-Horrorfilm. Regisseur Dustin Mills, der auch Drehbuch, Kamera, Schnitt und Musik übernommen hat, orientiert sich mit seinem Wisenschafts-Bodyhorror unübersehbar an David Cronenberg. Nur allzu oft fühlt man sich an „Die Fliege“ erinnert, was aber nicht weiter schlimm ist, denn Mills erzählt zum einen eine eigene Geschichte und vermag die relativ simpel gestrickte Handlung durch einen sehr gelungenen Inszenierungsstil unterhaltsam zu präsentieren. Kurz gesagt: „Skinless“ hat mir in seiner Einfachheit, aber nichtsdestoweniger gut vermittelten Stimmung, sehr gut gefallen.
Mills hat diesen Film komplett in seinem eigenen  Haus gedreht, um Kosten zu sparen und wahrscheinlich so oft wie möglich am Drehort sein zu können. Erstaunlicherweise sieht man das dem fertigen Film nicht an, da man so von der Handlung und Inszenierung gefangen genommen wird, dass man gar nicht bemerkt, dass sich alles nur innerhalb weniger Räume abspielt. Auch das muss man als Regisseur erst einmal hinbekommen. 😉

Streckenweise fühlte ich mich tatsächlich an die berühmt-berüchtigten Underground-Filme von Jörg Buttgereit („Necromantic“, „Der Todesking“ oder „Schramm“) erinnert. Mills schafft eine unglaublich spannende Atmosphäre, die bereits in den ersten Minuten des Films einsetzt und sich konstant bis zum dramatischen Finale (man möchte fast schon „traurigen Ende“ sagen) durchzieht. Die Schauspieler machen ihre Sache durchaus gut und geben durch ihre „unperfekte“ Natürlichkeit dem Ganzen noch einen zusätzlichen Hauch von Authentizität. „Skinless“ erzählt tatsächlich eine Geschichte, und noch dazu eine gute (wenngleich nicht weltbewegend neu), und hebt sich dadurch von den vielen „Schlachtplatten des Undergroundfilms“ wohltuend ab. Mills hält nicht immer die Kamera drauf, sondern „kaschiert“ seine wirklich gut gemachten Spezialeffekte mit künstlerischen Ideen, so dass manch einer der Effekte, der mit Sicherheit lächerlich gewirkt hätte, hätte man ihn direkt und lange gefilmt, beeindruckend gut aussieht. Das ist vielleicht auch der große Pluspunkt von „Skinless“: Im Vordergrund steht die Geschichte, die lediglich durch Spezialeffekte gewürzt wird und somit ein stimmiges Gesamtbild abgibt. Interessanterweise vergisst man schon bald, dass es sich um einen sogenannten Amateurfilm handelt, denn sowohl die Handlung und die Inszenierung wie auch die Schauspieler schaffen es, den Zuschauer vollkommen in seinen Bann zu ziehen.

Ich persönlich fand ich die von Regisseur Dustin Mills selbst komponierte Musik sehr passend. Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass der Score unerträglich sei. Das kann ich definitiv nicht so bestätigen. Für mich haben die Klänge absolut gut zur Stimmung beigetragen. „Skinless“ ist eine Mischung aus  David Cronenbergs „Die Fliege“ und Clive Barkers „Hellraiser“ auf gehobenem Amateurfilm-Niveau. Die blutigen Effekte sind zwar nicht immer hunderprozentig gelungen, dafür aber Old School Handmade, und das alleine ist es schon wert, sich „Skinless“ anzusehen. An anderen Stellen wiederum sind die Masken sehr glaubwürdig und eklig dargestellt, so dass auch Splatterfreunde auf ihre Kosten kommen. Letztendlich ist aber „Skinless“ auf gewisse Art und Weise ein Liebesfilm (womit wir dann schon wieder bei Buttgereit landen 😉 ), der von Zuneigung, Sehnsucht und auch Vergebung erzählt. Dustin Mills hat einen sehr guten Film abgeliefert, denn ich mir mit Sicherheit noch einmal ansehen werde, und das will dann schon was heißen. 🙂 Vor allem hat es mir hier die Geschichte angetan, bei der blutige Spezialeffekte nur die zweite Geige spielen und sich absolut nicht in der Vordergrund drängen. Schön, dass sich ein Label wie „Dirt n Dust“ darum sorgt, dass wir solch kleine Independent-Underground-Perlen auf dem deutschen Markt zu sehen bekommen. Auf eine Synchronisation wurde verzichtet, so dass sich der Zuschauer mit deutschen Untertiteln zufriedengeben muss, was aber den Unterhaltungswert keinesfalls schmälert.

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Fazit: Interessanter Amateurfilm, der an Cronenbergs „Die Fliege“ erinnert und sein Hauptaugenmerk auf die Handlung und nicht die blutigen Spezialeffekte legt.

© 2018 Wolfgang Brunner

The Corpse Grinders (2018)

Originaltitel: The Corpse Grinders
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
nach dem Originaldrehbuch von Arch Hall sr. und Joseph Cranston
Kamera: Costel Argesanu
Musik: Timo Rose
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Max Evans, Yazmeen Baker, Enya Maria Tames, Ted V. Mikels, Kristina Kostiv, Marc Engel, Donna Hamblin, Nils Henftling, Anthony Straeger, Thomas Binder, Shawn C. Phillips
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Deutschland, USA
FSK: ungeprüft

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Landau bekommt das Unternehmen „Lotus Cat Food“ überschrieben. Aber er hat Schwierigkeiten, das Geschäft am Leben zu erhalten, da die Umsätze weitaus schlechter als erwartet sind. Landau bekommt finanzielle Schwierigkeiten und kann die Mitarbeiter nicht länger bezahlen. Und so beginnt er, seine Mitarbeiter zu töten und auf andere Weise in seine Firma zu involvieren. Als einer der Vermissten, Frank, von der Polizei gesucht wird, entwickelt sich Landaus außergewöhnlicher „Einsatz“ für „Lotus Cat Food“ zu einer stetig ansteigenden Gefahr.

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Timo Rose, der mich mit seinen letzten Filmen „Reeperbahn“ und vor allem „Death Wish Zero“ sehr beeindruckt hat, liefert mit seinem neuen Film, einer Neuinterpretation von Ted V. Mikels KLassiker „Die Leichenmühle“, einen äußerst unangenehmen Film ab. Unangenehm wegen seiner direkten Zurschaustellung menschlicher Abgründe und den daraus resultierenden Folgen.  Roses Remake von „The Corpse Grinders“ ist in jeder Hinsicht dreckig und vulgär, aber auch tiefsinnig, wenn man genauer darüber nachdenkt. Es gab lange Zeit einen Film, der mich über Monate beschäftigt hat und dessen Bilder ich nicht mehr aus dem Kopf bekam, nämlich Marian Doras intensives, blutiges Drama „Cannibal“ über den Kannibalen von Rothenburg. Timo Rose tritt mit „The Corpse Grinders“ aus meiner Sicht in die Fußstapfen Doras und verursacht mit seinem blutigen, äußerst brutalen Horror-Thriller ein ähnlich unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Das liegt zum Teil mit Sicherheit an den teilweise wirklich derben Szenen, die man hier zu sehen bekommt, ist aber auch auf die beeindruckende Schauspielerleistung von Max Evans zurückzuführen. Evans‘ Mimik jagt einem oftmals Angst ein und man denkt unweigerlich daran, wie es wäre, wenn man ihm in diesem (Wut-)Zustand in einer dunklen Gasse gegenüberstehen würde.
Der Charakter des Landau ist aus meiner Sicht so geschickt in Szene gesetzt, dass man nie genau weiß, ob man es mit einem sympathischen, normalen Mann zu tun hat oder mit einem extrem gefährlichen, unkontrollierbaren Psychopathen. Max Evans verkörpert beides und das macht „The Corpse Grinders“ zu einer schauspielerischen und inszenatorischen Bombe, die jederzeit losgehen kann und dies auch tut.

Aber „The Corpse Grinder“ schockiert nicht nur, sondern zeigt auch auf, zu was Menschen fähig sind, wenn sie (finanziell oder auch anderweitig) keinen Ausweg mehr sehen. Anders als im Original von Ted V. Mikels konzentriert sich Timo Rose viel mehr um den Protagonisten Landau, versucht seine Psyche zu ergründen, was ihm durch das tolle Schauspiel von Max Evans, wie oben schon erwähnt, auch gelingt. Man wird Zeuge eines psychischen Verfalls und einer Fehlschaltung menschlichen Denkens, begleitet die grenzenlose Ausuferung einer Obsession und nimmt teil, wie ein kaputter Mann seine eigenen Abgründe auslotet und die Kontrolle über sich selbst verliert. Roses Film stellt für mich im Grunde genommen eine Mischung aus brutalem Splatter und psychologischer Lebensgeschichte eines verzweifelten (wütenden und kaltblütigen) Mannes dar, der aber durchaus auch zu Gefühlen imstande ist. Und weil eben auch „gute“ Emotionen mit ins Spiel kommen, funktioniert der Film und schockt.
Erwähnen möchte ich unbedingt auch noch den genialen Score, den Timo Rose zum größten Teil selbst komponiert hat. Dadurch kommt eine sehr bedrückende Stimmung auf, die sich durch den kompletten Film zieht. Sehr einfallsreich fand ich auch, wie der Regisseur des Originalfilms Ted V. Mikels in die Handlung eingebunden wurde, das hatte einen sehr charmanten Flair. 😉

„The Corpse Grinders“ bewegt sich zwar auf einem gewissen Low-Budget-Film-Niveau, aber gerade diese, ich nenne sie jetzt einfach mal „Unperfektheit im Look“, macht den Film wiederum auf gewisse Art und Weise perfekt und unterstreicht sogar den oben erwähnten dreckigen Stil. „The Corpse Grinders“ würde in einer Hollywood-Blockbuster-Perfektion bei weitem nicht jene Beklemmungen beim Zuschauer auslösen, wie er das in der jetzigen Fassung tut. Bei einer bestimmten Szene werden die FSK und andere Altersfreigabeprüfstellen ihre helle Freude haben und händeringend zur Schere greifen, nicht wissend, was diese Sequenz eigentlich über den Protagonisten aussagt. Man sollte nämlich bei Timo Roses Film auch zwischen den Bildern lesen (auch wenn einige jetzt sagen werden, dass es bei Roses Filmen nichts zwischen den gezeigten Bildern zu interpretieren gäbe). Bei mir haben die Bilder jedenfalls ein Gedankenkarussell ausgelöst, das mich irgendwie nicht mehr loslässt. Man muss sich auf „The Corpse Grinders“ einlassen können. Hier werden die Menschen nicht, wie im Original, von Katzen getötet, sondern von Landau persönlich. Timo Roses Neuinterpretation der Geschichte ist eine moderne, brutale, schockierende, düstere und beängstigende Version.
Ich musste mir „The Corpse Grinders“ tatsächlich zwei Mal ansehen. Beim ersten Mal hat er mich nämlich „nur“ geschockt, beim zweiten Mal dann in seiner schonungslosen Konsequenz, mit der Mikels Originalfilm fortgeführt beziehungsweise zu Ende gedacht wurde, beeindruckt.

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Fazit: Brutale, dreckige, schonungslose, schockierende und düstere Neuinterpretation eines Klassikers.

© 2018 Wolfgang Brunner

Our Evil (2017)

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Originaltitel: Mal Nosso
Regie: Samuel Galli
Drehbuch: Samuel Galli
Kamera: Victor Molin
Musik: Guilherme Garbato, Gustavo Garbato
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Ademir Esteves, Ricardo Casella, Maria Galves, Luara Pepita, Walderrama Dos Santos, Fernando Cardoso
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Brasilien
FSK: ab 18 Jahre

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Arthur besitzt seit seiner Kindheit spirituelle Kräfte und kann dämonische Wesen aufspüren. Als er eines Tages entdeckt, dass ein dämonisches Wesen die Seele seiner Ziehtochter zerstören will, ergreift er drastische Maßnahmen, um dies zu verhindern.

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Man hört relativ wenig aus der Filmwelt von Brasilien. Umso erstaunter wird der Zuschauer sein, wenn er das beim Label „Pierrot LeFou“ erscheinende Horrordrama „Our Evil“ zu sehen bekommt. Schon während der ersten Minuten erkennt man nämlich, dass man es hier mit einem außergewöhnlichen Film zu tun hat, der sich in jeder Hinsicht vom gängigen Blockbuster-Klischee heutiger Grusel- und Horrorfilme abhebt. „Our Evil“ entwickelt sich von Anfang an in eine Richtung, die ich fast schon als ArtHouse-Horror bezeichnen möchte. Regisseur Samuel Galli, der auch das Drehbuch verfasst hat, nimmt den Zuschauer auf eine wahnwitzige, abgedrehte Tour de Force mit, die zum einen eine hypnotische Faszination ausübt und zum anderen des Öfteren ein mulmiges Gefühl in der Magengegend auslöst. „Our Evil“ bedient den Zuschauer, der sich auf dieses experimentelle Werk einlassen kann, in vielerlei Hinsicht. Es werden lyncheske Ausflüge in die Gedankenwelt des Protagonisten ebenso dargestellt, wie explizite, blutige Gewaltexzesse oder Gänsehaut verursachende Gruseleinlagen.

„Our Evil“ ist ein Low Budget-Film, dem man an keiner Stelle ansieht, dass es sich um einen solchen handelt. Vor allem die außergewöhnliche Erzählweise ist es, die den Zuschauer zu faszinieren vermag. Ademir Esteves vermittelt eine Traurigkeit, die mit jeder Minute des Films greifbarer wird. Wenn Regisseur Samuel Galli dann während des gesamten Films immer wieder die Genregrenzen verwischen lässt und zwischen hartem Splatterhorror und atmosphärischem Twin Peaks-Flair wechselt, gerät der Zuschauer in einen unglaublichen Sog, der die relative „Einfachheit“ des Films schlichtweg vergessen lässt. Sobald das „Darknet“ ins Spiel kommt, wo Arthur einen Auftragskiller für seinen perfiden Plan findet, erhält „Our Evil“ einen verruchten, verbotenen Touch. Der Plot verbindet schaurigen Grusel, brutalen Horror, religiösen Mystizismus und melancholische Ansichten über die abgöttische Liebe zu einem Menschen, so dass man eigentlich von einem Genre-Hybriden sprechen kann. „Our Evil“ ist ein Film zum Nachdenken, den man keinesfalls zwischendurch oder gar einfach nur nebenbei ansehen sollte. Zu viel Atmosphäre und Botschaft ginge verloren, wurde man dieses Werk als Popkorn-Kino betrachten.

Gallis Film ist düster. So düster und deprimierend, wie man einen Horrorfilm in der heutigen Zeit nur noch selten zu sehen bekommt. Manchmal fühlt man sich an Lars von Triers genialem (und absolut unterschätzten) „Antichrist“ erinnert, in dem der gesamte Plot ebenfalls mit „geisterhaften Bildern“ mystifiziert wird. Einen ähnlichen Weg schlägt Samuel Galli ein und scheint sich, wie bereits erwähnt, des Öfteren auch an David Lynch zu orientieren. Wenn Arthur zum Beispiel dem Clown in seinen Träumen (Erinnerungen?) gegenüber sitzt, durchfährt einen unweigerlich der Gedanken, dass diese Szene durchaus auch im von roten Vorhängen geschmückten Raum aus „Twin Peaks“ spielen könnte.
Unbedingt erwähnenswert ist auch der geniale Score von Guilherme Garbato und Gustavo Garbato. Ein Soundtrack, der nämlich aus einem Horrorfilm der 80er Jahre stammen könnte und einige wunderbare Kompositionen enthält, die von John Carpenter stammen könnten. Diese Klänge betonen den Horror des Films so sehr, dass, selbst wenn gar nichts besonders Schreckliches passiert, ein allgegenwärtiges Gefühl von Angst und Unbehagen herrscht. „Our Evil“ ist ein kleines Meisterwerk, das mit Sicherheit (leider wieder einmal) von den meisten Menschen nicht verstanden und als langweilig abgestempelt wird. Samuel Gallis Debütfilm ist absolut originell, um nicht zu sagen, in seiner Inszenierung und Direktheit brillant. Das Drehbuch lässt dem Zuschauer jede Menge Raum zum Nachdenken und lässt Spielraum für eigene Interpretationen. Solche Filme sind leider mittlerweile selten. Absolute Empfehlung meinerseits.

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Fazit: Originell und brillant. „Our Evil“ vereint ArtHouse mit Grusel und hartem Horror.

© 2018 Wolfgang Brunner

Die Mumie (2017)

Originaltitel: The Mummy
Regie: Alex Kurtzman
Drehbuch: Jon Spaihts, Christopher McQuarrie
Kamera: Ben Seresin
Musik: Brian Tyler
Laufzeit: 111 Minuten
Darsteller: Tom Cruise, Sofia Boutella, Annabelle Wallis, Jake Johnson, Courtney B. Vance, Russell Crowe, Javier Botet
Genre: Horror, Abenteuer
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Vor 2.000 Jahren wollte die ägyptische Prinzessin Ahmanet den Königsthron mit teuflischer Hilfe erobern. Doch sie konnte überwältigt und bei lebendigem Leib begaben werden. Durch eine Bombenexplosion wird ihr Grab 2000 Jahre später freigelegt und der Schatzsucher Nick Morton findet es. Und dann erwacht die Mumie wieder zum Leben und fordert erneut Macht über die Menschheit …

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Das Remake, das Reboot, die Neuinterpretation von „Die Mumie“ – wie immer man den vorliegenden Film auch nennen möchte – ist wieder einmal ein Werk, das die unterschiedlichsten Meinungen bei den Zuschauern hervorruft. Die einen finden, dass ein Original unschlagbar und unerreichbar ist, die anderen mögen die „Modernisierung“ eines solchen Klassikers.  Regisseur Alex Kurtzman hat einen eigenständigen Film erschaffen, der sich, zumindest aus meiner Sicht, wohltuend von seiner filmischen Vorlage abhebt. „Die Mumie“ erstrahlt praktisch in neuem Gewand und auch wenn manch einer der zahlreichen Effekte übertrieben wirkt, so vermag das Endergebnis definitiv zu unterhalten und die Zeit nur so dahinfliegen zu lassen. Ich hatte auf jeden Fall jede Menge Spaß bei dieser Neuinterpretation und bin sicher, dass ich mir den Film noch mindestens einmal ansehen werde. Natürlich geht die Story fast schon unter in der Menge an Spezialeffekten, aber war das nicht seinerzeit schon beim Original der Fall gewesen? 😉

Das ewige Genörgle um den Schauspieler Tom Cruise und seine private, religiöse Gesinnung kann ich, ehrlich gesagt, auch schon lange nicht mehr hören. Wenn ich mir den Film unabhängig von solchen Vorurteilen ansehe, muss ich eindeutig feststellen, dass Cruise aus meiner Sicht eine bessere Arbeit leistet als seinerzeit Brendan Fraser. Es wird schlichtweg ein neuer Ansatz angewandt, der, wie ich finde, absolut funktioniert. Es ist schlichtweg ein Actionfilm, der in erster Linie Wert auf Spezialeffekte (die im übrigen sehr gut gelungen sind) und Unterhaltung legt. Beides ist dem Team um Regisseur Kurtzman gelungen. Wer Wert auf tiefe Charaktere oder eine logisch durchdachte Handlung legt,ist hier ohnehin im falschen Genre unterwegs. „Die Mumie“ ist einer jener Filme, die zum guten Popkorn-Kino gehören. Man kann sich einfach berieseln lassen und die Show genießen. Nicht mehr oder weniger wollten auch die Macher dieses Streifens.

Man sollte sich den Film auch nicht in der Erwartung ansehen, ein astreines Remake des Klassikers mit Brendan Fraser serviert zu bekommen. Alex Kurtzman geht einen neuen Weg, der schlichtweg anders ist und nicht den „alten“ Film kopieren will. Dieses Reboot mutet eher wie eine Modernisierung für ein jüngeres Publikum an, das mit den alten Filmen eh nicht viel anfangen kann. Doch, obwohl ich Jahrgang 1964 bin, hat mich dieser „Aufguss“ blendend unterhalten. Was mit persönlich einfach hier besser gefallen hat, war, dass die Thematik schon ein wenig ernster (und damit gruseliger) gehandhabt wurde und nicht durch ständige Witze ins Lächerliche gezogen wurde wie bei den alten Filmen. Das hebt diese Neuinterpretation für mich auf jeden Fall hervor. Das heißt aber nicht, dass auch hier der ein oder andere Spruch fällt, von denen allerdings viele meinen, sie wären bei weitem nicht so lustig, wie in den Originalfilmen. Ich finde, man kann die Art der Witze in diesem Film Humor nennen und im Original würde ich sie eher als Klamauk oder Slapstick bezeichnen. Humor liegt mir einfach mehr. 🙂
Handwerklich gibt es an diesem Film nichts auszusetzen, Kurtzman beweist, das er eine Hand für eine geradlinige, spektakuläre und optisch ansprechende Inszenierung hat. Da gibt es nichts zu meckern.

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Fazit: Optisch ansprechende Neuinterpretation der Mumien-Thematik, die absolut zu unterhalten vermag.

© 2018 Wolfgang Brunner

Pyewacket – Tödlicher Fluch (2017)

Pyewacket

Originaltitel: Pyewacket
Regie: Adam MacDonald
Drehbuch: Adam MacDonald
Kamera: Christian Bielz
Musik: Lee Malia
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Nicole Muñoz, Laurie Holden, Chloe Rose, Eric Osborne, James McGowan
Genre: Thriller, Drama, Horror
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 16 Jahre

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Nach dem Tod ihres Ehemannes entschließt sich die Mutter der Teenagerin Leah umzuziehen. Die Umgebung würde sie einfach immer an ihren verstorbenen Mann erinnern, lautet der für Lea lapidare Grund, die durch den Umzug all ihre Freunde verliert. Das neue Haus ist mitten im Wald gelegen und die von Trauer und Wut getriebene Lea beschwört einen Geist namens Pyewacket, um ihre Mutter zu töten. Doch es dauert nicht lange und Leah bereut ihre Entscheidung. Doch es ist zu spät und sie muss erkennen, dass sie etwas angerufen hat, das sich nun nicht mehr aufhalten lässt.

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Ich ging, ehrlich gesagt, mit einer vollkommen anderen Erwartung an den neuen, im Label Pierrot Le Fou erschienenen, Horrorfilm heran und rechnete eigentlich mit einer Art Creature-Grusel. Doch weit gefehlt. Ich erlebte eine filmische Überraschung, mit der ich so definitiv nicht gerechnet hatte. „Pyewacket“ ist eher ein Coming of age-Drama mit Thriller- und Horrorelementen, der den Zuschauer, sofern er sich auf die Story einlassen kann, von Anfang an packt und nicht mehr loslässt.
Man sollte nicht auf die vielen Bewertungen achten, die meinen, dieser Film wäre extrem langweilig und schwer zu verstehen. Denn genau das Gegenteil ist der Fall, denn „Pyewacket“ hebt sich erfreulicher- und erfrischenderweise von anderen Produktionen in diesem Genre ab und erzählt eine geradlinige Geschichte, die uns tief in das (kaputte) Seelenleben eines Teenagers blicken lässt. Man wird Augenzeuge, wie es ist, wenn man in diesem Alter Entscheidungen trifft, die man besser nicht getroffen hätte, wenn man nur ein wenig mehr über die Sache nachgedacht hätte. Es versucht wirklich zu erzählen, was viele von uns als Teenager taten, wenn sie zu zwanghaft wurden oder aus unmittelbarer Aggression handeln und sich keine Zeit nehmen, über Dinge nachzudenken, bevor wir handeln.

Es ist absolut nicht verwirrend, wenn man sich in die Gefühle der „betrogenen“ Leah einlebt. Man kann ihre Verhaltensweisen ohne weiteres nachvollziehen, wenn man die Dinge aus ihrer Sicht betrachtet. Der Film bietet eine fast schon tiefgründige, psychologische Erklärung, wie weit Wutreaktionen von Teenagern gehen können, die sich ungerecht behandelt fühlen. „Pyewacket“ zielt nicht auf reißerische Showeffekte ab, sondern geht einen ruhigen Weg, der allerdings nicht weniger furchterregend wirkt wie ein gruseliger Geisterfilm, denn hier ist das Grauen die Realität. Einbildung und Wirklichkeit verschmelzen und führen unweigerlich auf einen dramatischen Höhepunkt zu, mit dem man nicht rechnet. Ein wenig fühlte ich mich an den hervorragenden „Metalhead“ erinnert, in dem es ebenfalls um die Gefühlswelt eines jungen Mädchens geht.
In „Pyewacket“ bekommt man den heraufbeschworenen Dämon im Grunde genommen nicht und dennoch jagt einem seine Anwesenheit Schauer über den Rücken. Je länger ich über den Plot und die dahintersteckende Botschaft denke, desto beeindruckender wirkt dieser Film im Nachhinein auf mich. „Pyewacket“ ist definitiv kein Schocker im Sinne von Schock- und oder Gruseleffekten, sondern ein relativer stiller Film über das Erwachsenwerden im Gewand eines Horrorthrillerdramas.

Die gesamte Handlung wirkt in sich stimmig, man könnte fast meinen, es handle sich um einen Film nach tatsächlich geschehenen Ereignissen. Die Schauspieler agieren allesamt hervorragend authentisch in ihren Rollen und unterstreichen diesen Eindruck. Die Musikuntermalung von Lee Malia könnte nicht besser sein, um die düstere, teils deprimierende Atmosphäre zu unterstützen. Der ambitionierte Film bietet zudem noch eigene Interpretationsmöglichkeiten, was dazu führt, dass man sich auch noch nach der Sichtung mit dem Thema beschäftigt.
Adam MacDonald, der mich bereits mit seinem ersten Film „Backcountry“ überzeugen konnte, beweist mit seinem „Pyewacket“ erneut, dass er zum einen sein Handwerk beherrscht und zum anderen, dass ein Genremix durchaus funktionieren kann, wenn man es richtig anpackt. „Pyewacket“ ist für mich eine äußerst beeindruckende Studie eines Teenagers, die grandios in einen unheimlichen (Horror-)Thriller verpackt ist. Absolut sehenswert.

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Fazit: Exzellentes Teenager-Drama, das den Horror der Realität darstellt. Ein niveauvoller Coming of age-Thriller mit Gruseleffekt. Unbedingt empfehlenswert.

© 2018 Wolfgang Brunner