Rapunzels Fluch (2020)

Originaltitel: Rapunzels Fluch
Regie: David Brückner
Drehbuch: Mario von Czapiewski
Kamera: Costel Argesanu
Musik: Florian Linckus, Robert Wolf
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Tabea Georgiamo, Michael von der Brelie, Davis Schulz, Olivia Dean, Sophie Swan, Hartmut Engel, Urs Remond, David Brückner
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahren

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Im 17. Jahrhundert versucht Pater Petrosinus mehrfach, an der besessenen Rapunzel einen Exorzismus durchzuführen. Irgendwann verkauft er sein Anwesen und einige Jahrhunderte später möchte die Filmstudentin Alina, eine Nachfahrin des Paters, in genau diesem Schloss ihren Abschlussfilm drehen. Während der Vorbereitungen zu den Dreharbeiten und einer nächtlichen Exkursion erwacht der Dämon, der einst Rapunzel peinigte, zu neuem Leben.

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David Brückner konnte mich schon mit seinem „Paranormal Demons“ überzeugen, so dass ich mir sicher war, dass mir auch sein neuestes Werk „Rapunzels Fluch“ gefallen würde.
Ich muss gestehen, dass ich solcherart Independent-Filme sehr mag, weil man darin oft das Herzblut spürt, das in solchen Projekten steckt. Nun, es dauerte nicht lange und ich wusste, dass mich Brückner in meiner Erwartung nicht enttäuschen würde. Er hat sie sogar noch übertroffen, wenn ich ehrlich bin, denn mit einer solch professionellen Umsetzung hätte ich gar nicht gerechnet. Brückner hat ein Gespür für eine Inszenierung, denn es kommt in keiner Sekunde Langeweile auf, weil man entweder von den tollen Aufnahmen oder von der Spielfreude des Casts begeistert wird. Beides zieht sich durch den kompletten Film und lässt niemals nach.

Sicherlich wird es wieder viele Meckerer und Nörgler geben, die sagen, dass dieser Film langweilig ist, weil nicht wirklich viel passiert. Aber genau dieser Aspekt ist es, der mich überzeugt und mir so gut gefallen hat: Die ruhige Vorgehensweise und der langsame Aufbau von Atmosphäre und Spannung. „Rapunzels Fluch“ erfüllt diese Kriterien absolut und stellt daher für mich einen stimmungsvollen Horrorfilm dar, der in erster Linie nicht auf Schockeffekte und blutige Szenen Wert legt, sondern eine Atmosphäre aufbaut, seine Charaktere zeichnet und hin und wieder ein paar Spezialeffekte einsetzt, die im übrigen äußerst gelungen sind. „Rapunzels Fluch“ ist ein ruhiger Horrorfilm, der mit der Spielfreude der Schauspieler und dem enthusiastischen Einsatz der gesamten Crew punkten kann und zeigt, dass ein Horrorfilm aus Deutschland durchaus funktionieren kann.

David Brückners vierter Langfilm ist richtig professionell geworden. Das merkt man nicht nur am sauberen Inszenierungsstil und den gutgelaunten Schauspielern, sondern auch an der tollen Kameraführung von Costel Argesanu und der stimmigen Musikuntermalung von Florian Linckus und Robert Wolf. Die Drohnenaufnahmen vom Glauchauer Schloss sind unglaublich gut gelungen und tragen das ihrige zur Gesamtstimmung bei. „Rapunzels Fluch“ ist kein Hollywoodfilm und das ist auch gut so. Denn hier spürt man die Leidenschaft noch und das erfolgreiche Bemühen, mit wenig Budget etwas auf die Beine zu stellen. Wenn man sich das vor Augen hält, so kann „Rapunzels Fluch“ getrost zu einem äußerst gelungenen Beitrag des deutschen Independent-Horrorkinos bezeichnet werden. Ich freue mich schon jetzt auf das neue Projekt von David Brückner und seiner Crew.

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Fazit: Independent-Horrorfilm aus Deutschland mit Herzblut und jeder Menge Professionalität.

©2020 Wolfgang Brunner

The Apartment – Willkommen im Alptraum (2019)

Originaltitel: 1BR
Regie: David Marmor
Drehbuch: David Marmor
Kamera:  David Bolen
Musik: Ronen Landa
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Nicole Brydon Bloom, Giles Matthey, Taylor Nichols, Alan Blumenfeld, Naomi Grossman, Cekeste Sully, Susan Davis
Genre: Thriller, Drama, Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Endlich hat Sarah ein eigenes Apartment in L.A. gefunden, das nicht nur bezahlbar ist, sondern auch mit einer freundlichen und entspannten Nachbarschaft punkten kann. Die Nachbarn wirken fast schon übertrieben freundlich und hilfsbereit. Doch es dauert nicht lange und Sarah befindet sich plötzlich in einem schrecklichen Albtraum, der ihre Vorstellungskraft übersteigt …

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Was für ein Film!
„The Apartment – Willkommen im Alptraum“ kann durchaus in einem Atemzug mit Genremeilensteinen wie „Hereditary“ oder „Midsommar“ genannt werden. Regisseur David Marmor, der auch das Drehbuch verfasste, hat mit diesem fiesen Thriller einen cineastischen Schlag in den Magen erschaffen, der nachhaltig im Gedächtnis haften bleibt. Schleichend kommt das Grauen ins Leben der Protagonistin, so dass man selbst als Zuschauer den Übergang zwischen glücklicher Welt und lebensbedrohendem Albtraum gar nicht so richtig bemerkt. Plötzlich ändert sich die Stimmung des Films abrupt und man kann, ähnlich wie die Protagonistin, nicht mehr das Weite suchen. Gebannt starrt man auf den Bildschirm und wartet, was denn noch alles geschieht.

„The Apartment – Willkommen im Alptraum“ ist perfekt inszeniert und dreht die Spannungsschraube minütlich nach oben. Was als „normaler“ Film beginnt, endet tatsächlich in einem unangenehmen Albtraum, der so nachvollziehbar beschrieben wird, das einem, ähnlich wie bei den beiden obengenannten Filmen, ein mulmiges Gefühl in der Magengegend beschert wird. Hinzu kommen dann noch die Schauspieler, die allesamt absolut gute Arbeit leisten und die Bedrohung durch ihr Agieren neben der spannenden Inszenierung noch zusätzlich unterstützen. Die Geschichte, die erzählt wird, ist unbequem, denn man kann einiges sogar wirklich nachvollziehen. Es wirkt wie eine Kritik an unserer Gesellschaft, in der man verzweifelt nach Lösungen sucht, um wieder miteinander auszukommen und aufeinander einzugehen.

Wer bei diesem Film einen Horror- oder gar einfachen Slasherfilm erwartet, wird mit Sicherheit wegen der Ambitionen, die Regisseur Marmor verfolgt, enttäuscht sein und die Botschaften, die darin versteckt sind, erst gar nicht begreifen (wollen). Doch wer intelligentes Kino mag, wird mit einem extrem spannenden Thriller belohnt, der einen manchmal (auch gedanklich) an Grenzen bringt. Marmors Film hebt sich wohltuend vom Mainstream-Einheitsbrei ab und bietet perfekte Unterhaltung mit kritischen Untertönen. Ich hätte diesem „Spiel“ noch gut und gerne eine weitere Stunde zuschauen können, ohne dass es mir auch nur ansatzweise langweilig geworden wäre. Der Plot wirkt vielleicht im ersten Moment wenig originell, doch es steckt wesentlich mehr dahinter, als man vermutet. Realistischer Psycho-Horror wie er besser nicht sein könnte und in seiner Konsequenz äußerst erschreckend. Ein Film, denn man sich öfter ansehen kann (und auch sollte).

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Fazit: Unglaublich spannender und realitätsnaher Psychothriller, der unter die Haut geht.

©2020 Wolfgang Brunner

Monsieur Killerstyle (2019)

Originaltitel: Le daim
Regie: Quentin Dupieux
Drehbuch: Quentin Dupieux
Kamera:  Quentin Dupieux
Musik: Janko Nilovic
Laufzeit: 74 Minuten
Darsteller: Jean Dujardin, Adéle Haenel, Albert Delpy, Coralie Russier, Laurent Nicolas, Marie Bunel
Genre: Komödie, Drama, Horror
Produktionsland: Frankreich
FSK: ab 16 Jahre

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George will aussteigen und sich von seinem alten Leben verabschieden. Auf seiner Reise ins Ungewisse, stellt er fest, dass ihn seine alte Jacke stört und daran hindert, ein neues Leben zu beginnen. Also beschafft er sich eine neue, die ihm so gut gefällt, dass er beschließt, dass es keine andere Jacke neben seiner geben darf. Was als skurriles Hirngespinst beginnt, endet in einem immer blutigeren Albtraum …

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Ich wusste nicht wirklich, was mich bei „Monsieur Killerstyle“ erwarten würde, außer, dass es sich um eine wahrscheinlich mehr als schräge Story handeln würde. Ich lag mit meiner Vermutung zwar richtig, aber dass „Monsieur Killerstyle“ so gut ist, hätte ich nicht gedacht. Man muss ich auf die absurde und skurrile Ausgangssituation einlassen, um diesen Film genießen zu können. Und nichts anderes als einen cineastischer Genuss stellt dieser Film dar. Es ist einfach nur herrlich, diesen Mann bei seinem Tun zu begleiten und am Ende denkt man, dass der Film gut und gerne die doppelt Laufzeit hätte haben können.

„Monsieur Killerstyle“ lebt in erster Linie, natürlich neben der schrägen Handlung, von seinem Hauptdarsteller Jean Dujardin. Den meisten wird er durch seine oscarprämierte Darstellung in „The Artist“ ein Begriff sein. In der vorliegenden schwarzen Komödie erinnert Dujardin ein wenig an Christoph Waltz, vor allem, weil er einen ähnlichen, trockenen Humor in seine Rolle legt, an der man sich gar nicht sattsehen kann. „Monsieur Killerstyle“ ist im Grunde genommen eine One-Man-Show, was keineswegs heißt, dass die andern Mitwirkenden schlecht sind. Ganz im Gegenteil. Dennoch stiehlt ihnen Dujardin in jeder Filmminute die Show mit seiner beeindruckenden Darstellung.

Je mehr man sich in dieser seltsamen Welt des George zurechtfindet, desto sympathischer wird einem der Mann, der sich nur noch über seine Jacke definiert. Quentin Dupieux, der schon mit „Rubber“ und „Reality“, um nur zwei Beispiele zu nennen, überzeugen konnte, setzt seinem Schaffen mit diesem Film meiner Meinung nach die Krone auf. Dupiex, der Regie führte, das Drehbuch verfasste, die Kameraführung und sogar den Schnitt übernahm, hat ein zeitloses Meisterwerk in Szene gesetzt, das einen einsamen Mann beschreibt, der mit seinem Leben nicht mehr klarkommt und sich nach außen in immer mehr in Lügen verstrickt. Und, während ich diese Zeilen schreibe , könnte ich mir den Film schon wieder ansehen. 😉

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Fazit: Skurriles Horror-Komödien-Drama mit einem hervorragenden Hauptdarsteller.

©2020 Wolfgang Brunner

Blood Quantum (2020)

Originaltitel: Blood Quantum
Regie: Jeff Barnaby
Drehbuch: Jeff Barnaby
Kamera:  Michael St-Martin
Musik: Jeff Barnaby, Joe Barruco
Laufzeit: 96 Minuten
Darsteller: Michael Greyeyes, Elle-Máijá Tailfeathers, Forrest Goodluck, Kiowa Gordon, Olivia Scriven, Stonehorse Lone Goeman
Genre: Horror
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahre

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Die Toten kommen zurück. Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere werden inmitten des Reservats der isoliert lebenden Mi’kmaq-Indianer wieder lebendig. Die indigenen Bewohner sind seltsamerweise gegen die Krankheit immun, müssen sich dennoch gegen die immer größer werdende „Plage“ wehren .

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Gleich zu Anfang erinnert man sich wehmütig an Filme wie John Frankenheimers“Die Prophezeiung“ von 1979 oder „Wolfen“ aus dem Jahr 1981. Regisseur Jeff Barnaby erweckt in den ersten Minuten Erinnerungen an diese Klassiker des „Umwelt-Horrorfilms“ und zeigt, dass auch in neuerer Zeit solcherart Filme noch funktionieren. Eher ruhig geht er sein Endzeit-Zombie-Szenario an, um dann in der zweiten Hälfte so richtig aufzudrehen. Aber eines nach dem anderen. Besonders fällt auf, dass sich Barnaby Zeit für seine Charakterzeichnungen lässt. Wir lernen die verschiedenen Protagonisten kennen und spüren auch, was in ihnen jeweils vorgeht. Dadurch kommt das Publikum den Menschen näher und fühlt in der zweiten Hälfte mit ihnen. Auch die Schauspieler machen allesamt ihre Sache perfekt. Diese Vorgehensweise empfand ich als sehr angenehm, zumal sie den Aufbau der Handlung definitiv dadurch unterstützt.

Doch hat man dann erst einmal die „Einführung“, die im Übrigen sehr stimmungsvoll inszeniert ist, hinter sich, geht es in manchen Szenen so richtig zur Sache. Das Auftauchen der Untoten wird als Rache der Natur erklärt, was irgendwie nicht so richtig glaubwürdig klingt, was aber letztendlich gar nicht wirklich ins Gewicht fällt. „Blood Quantum“ unterhält auf alle Fälle und geht neue Schritte im Zombiegenre, nicht ohne hin und wieder mit liebevollen Anspielungen auf Genreklassiker zu überraschen. An manchen Stellen dachte ich, ich sehe mir gerade Peter Jacksons Splatterorgie „Bad Taste“ an, womit ich auch schon zu einem weiteren Pluspunkt des Films komme: nämlich die Spezialeffekte. Die sind dermaßen gelungen und spritzig (im wörtlichen Sinne), dass es eine wahre Freude ist, sich die Eregbnisse anzusehen. Wie gesagt, in einigen Belangen erinnert das Ganze, auch vom Humor her, an Peter Jacksons Erstlingswerke.

„Blood Quantum“ nimmt sich nicht wirklich ernst, aber dennoch wird auf eine ganz besondere Art von Humor (und Spaß) geachtet, der den Szenen ihren Schrecken nicht nimmt. Der Film beleuchtet natürlich genau die Aspekte, nach denen Genre-Fans hungern, hebt sich dennoch angenehm durch seine Machart und einen visuell ansprechenden Stil von Genrebeiträgen ab, die oftmals lieblos und ideenarm in Szene gesetzt werden (und wurden). „Blood Quantum“ funktioniert, wenn man sich darauf einlassen kann, denn Jeff Barnaby geht oftmals eigenständige Wege, die das Mainstream-Publikum nicht gewohnt ist. Alleine die grandios gefilmte Anfangssequenz lässt schon zu Beginn hoffen, dass man etwas Neues serviert bekommt, was Barnaby – zumindest teilweise – auch gelungen ist.
Ich persönlich war sehr überrascht, weil ich eigentlich Standardkost erwartet habe und etwas vollkommen anderes geboten bekam. Man merkt „Blood Quantum“ an, dass er von einem Filmfreak inszeniert wurde, und was kann bei so etwas eigentlich schon herauskommen, als ein Film, der unglaublich Spaß macht.

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Fazit: Angenehm erfrischender Zombiefilm, der nicht mit Blut geizt.

©2020 Wolfgang Brunner

Harpoon (2019)

Originaltitel: Harpoon
Regie: Rob Grant
Drehbuch: Rob Grant
Kamera:  Charles Hamilton
Musik: Michelle Osis
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Munro Chambers, Emily Tira, Christopher Gray, Brett Gelman
Genre: Horror, Thriller, Komödie
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahre

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Drei Freunde, zwei Männer und eine Frau, machen einen Bootsausflug. Was als Vergnügungsausflug beginnt, entwickelt sich zu einem wahren Horrortrip, als einer der Männer herausfindet, dass sich seine Freundin mit seinem besten Freund getroffen und mit ihm geschlafen hat. Die Beziehungsprobleme geraten zu einem blutigen Höhepunkt, als die drei allein und vollkommen abgeschnitten von der Zivilisation mitten im Ozean sind und der Motor des Boots nicht mehr anspringt.

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„Harpoon“ ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man die ersten Minuten gesehen hat. Fernab von klischeebehafteten Jumpscare-Horrorfilmen nimmt Regisseur Rob Grant sein Publikum mit auf eine außergewöhnliche Reise, die sich erst nach Sichtung so richtig entfaltet. Zumindest war es bei mir so. Zu viele Momente wirken beim ersten Ansehen zu überzogen und man vergisst andauernd, bis auf Ausnahmen, dass es sich hierbei nicht nur um einen Horrorthriller, sondern auch um eine schwarze Komödie handelt. Aber vielleicht ist es genau dieser Aspekt, der „Harpoon“ im Nachhinein dann doch zu einem absolut sehenswerten Film macht. Leider wird einem erst gegen Ende klar, dass alles nicht bitterernst gemeint ist, sondern mit Absicht übertrieben dargestellt wird.

Man muss sich mit dem Inszenierungsstil anfreunden, um zu begreifen, dass hier ein total überzeichnetes Bild von jungen Menschen gezeigt wird, die anders mit Problemen umgehen als die vorhergehende Generation. „Harpoon“ versucht anfangs, die bedrohliche Ausgangssituation immer wieder durch witzige Einschübe aufzulockern und in Richtung Komödie zu treiben. Das dürfte die eingeschworene Thrillergemeinde etwas verstören und ärgern, denn die Spannungsmomente werden dadurch immer wieder unterbrochen. Aber dennoch bleibt einem schon bald das Lachen im Halse stecken, wenn die sexuell angetriebenen Protagonisten immer mehr außer Kontrolle geraten. Keiner traut dem anderen, jeder spielt jeden aus und sucht den besten (Überlebens-)Weg für sich. Und das alles innerhalb einer fast schon klaustrophobisch wirkenden Umgebung. Das Konzept des Regisseurs geht definitiv auf, wenn man sich darauf einlassen kann.

Die zwischenmenschlichen Probleme (die genau genommen eigentlich gar keine Probleme sind, sondern nur testosterongesteuerte Machtkämpfe zwischen den beiden Männern) beschwören von Minute zu Minute eine bedrohlichere Situation herauf, die man als Zuschauer auch allzu deutlich spürt. „Harpoon“ ist ein zynisches, bösartiges Kammerspiel auf hoher See, das sich auf die Schauspieler konzentriert und blutige Effekte nur als Schauwerte benutzt. Hinzu kommen geschickte Wendungen, mit denen man nicht rechnet, so dass sich insgesamt ein sehr guter Unterhaltungswert aus der Thriller-Horror-Komödie ergibt. Allerdings vorausgesetzt, man freundet sich mit den flapsigen und in erster Linie sexuell orientierten Sprüchen an.
Ich bin ziemlich sicher, dass „Harpoon“ einer der Filme ist, die einem bei der zweiten Sichtung besser gefallen, obwohl man die Auflösung kennt. Der Film hebt sich auf jeden Fall erfrischend anders von Genrebeiträgen ab, was für mich einen großen Pluspunkt darstellt.

Fazit: Erfrischend andersartiger Genrebeitrag mit außergewöhnlichem Erzählstil.

©2020 Wolfgang Brunner

Die Farbe aus dem All (2019)

farbe

Originaltitel: Color Out Of Space
Regie: Richard Stanley
nach einer Kurzgeschichte von H.P. Lovecraft
Drehbuch: Richard Stanley, Scarlett Amarise
Kamera:  Steve Annis
Musik: Colin Stetson
Laufzeit: 111 Minuten
Darsteller: Nicholas Cage, Q’orianka Kilcher, Joely Richardson, Tommy Chong, Madeleine Arthur, Brendan Meyer, Julian Hilliard, Elliot Knight
Genre: Science Fiction, Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Die Familie Gardner lebt in einem abgelegenen Farmhaus in New England, um der Hektik des Alltagslebens zu entfliehen. Es dauert nicht lange und ein Meteorit schlägt in ihrem Vorgarten auf. Der mysteriöse Stein aus dem All infiziert die Umgebung mit einer seltsamen Farbe, die Veränderungen in der Natur hervorruft. Aber auch bei Tieren und Menschen zeigen sich Auswirkungen.

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Es ist immer schwierig, einen Film nach einer literarischen Vorlage zu drehen, zumal solch eine Vorlage auch noch Kultstatus besitzt. H.P. Lovecrafts Erzählung über eine mysteriöse Bedrohung aus dem All in Form einer mysteriösen Farbe, besitzt eine außergewöhnliche Atmosphäre, die bei den Anhängern des Autors und vielen Lesern einen ganz besonderen Status einnimmt. Es gibt bereits einige Verfilmungen dieser Geschichte, die nicht immer die Stimmung perfekt eingefangen haben, so dass auch bei Richard Stanleys Neuinterpretation sofort argwöhnische Stimmen laut wurden. Okay, es ist wirklich nicht einfach, eine Lovecraft-Story zu verfilmen, so dass man Stanley auf alle Fälle schon einmal zugute halten muss, dass er sich richtig Mühe gegeben hat. Und das erfolgreich, zumindest aus meiner Sicht.

„Die Farbe aus dem All“ besitzt in der Tat eine sehr schöne Atmosphäre, die sich gerade in der ersten Hälfte (zumindest stimmungsvoll) sehr schön an die literarische Vorlage hält. Immer mehr entwickelt sich diese Stimmung, die mich übrigens an manchen Stellen sehr an die Science-Fiction-Verfilmung „Auslöschung“ erinnert hat) zu einem Klon von John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Die außerirdische Farbe ist ja auch ein Ding aus einer anderen Welt, so dass mir die Entwicklung eigentlich auch noch sehr gut gefallen hat. Leider vertieft Richard Stanley diese Seite der Story so sehr, dass der Film zu einem massentauglichen Horrorfilm mutiert (was für ein Wortspiel 😉 ) und die Atmosphäre der ersten Hälfte so ein klitzeklein wenig zerstört. Nichtsdestotrotz fühlte ich mich äußerst angenehm und spannend unterhalten, zumal die Schauspieler auch noch das ihrige dazu beitrugen. Das Gesamtbild, das „Die Farbe aus dem All“ bei mir zurückließ, ist für mich auch ausschlaggebend, so dass ich auf jeden Fall behaupten kann, dass ich diesen Film nicht so schnell vergessen werde.

Visuell ist Stanleys Comeback absolut gelungen und auch die Schauspieler können allesamt überzeugen. Nicholas Cage zeigt, was er kann und spielt seine Figur sehr glaubwürdig, wie aber letztendlich alle beteiligten Darsteller. Der Score von Colin Stetson untermalt die Bilder auf sehr beeindruckende Weise.
Man sollte „De Farbe aus dem All“ eine Chance geben und ihn als von der literarischen Vorlage unabhängiges Werk betrachten, der lediglich seine Inspirationen in Lovecrafts Erzählung sucht und diese dann auf eigenständige Weise (neu) interpretiert. Ich persönlich sah in Richard Stanleys Film eine Verneigung vor dem großen Meister der fantastischen Literatur, bei der er einen Weg gehen wollte, der auch ein Massenpublikum anspricht (in der heutigen Zeit nicht unbedingt der falscheste Weg, wenngleich ich mir persönlich ein etwas unabhängigeres und vor allem intellektuelleres Ergebnis gewünscht hätte). „Die Farbe aus dem All“ stellt für mich trotz dieser Kritikpunkte eine der gelungeneren Verfilmung nach einem Stoff von H.P. Lovecraft dar, vor allem auch, weil er einen Spagat zwischen cineastischer Kunst und Mainstream schafft.

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Fazit: Gelungene, stimmungsvolle und visuell ansprechende Literaturverfilmung mit einem tollen Cast.

©2020 Wolfgang Brunner

8 (2019)

8

Originaltitel: 8
Regie: Harold Hölscher
Drehbuch: Harold Hölscher
Kamera:  David Pienaar
Musik: Elben Schutte
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Inge Beckmann, Tshamano Sebe, Garth Breytenbach, Chris April, Keita Luna
Genre: Horror, Mystery, Drama
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 16 Jahre

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Ein alter Mann ist durch einen Fluch dazu verdammt, die Seelen von Menschen einzusammeln. Als William Ziel mit seiner Familie nach Südafrika in das Haus seines verstorbenen Vaters zieht, lernt seine Ziehtochter Mary den alten Mann namens Lazarus kennen und schließt mit ihm Freundschaft. Schon bald beginnt der Fluch auf Lazarus einzuwirken und das Schicksal der Familie Ziel verbindet sich mit seinem …

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Das passiert, wenn man mit keinerlei Erwartung an einen Film herangeht, von dem man im Grunde genommen gar nicht weiß, um was es geht. So geschehen beim vorliegenden „8“, der mich bereits nach den ersten Minuten mit seiner genialen Atmosphäre gepackt und auch bis zum Ende nicht mehr losgelassen hat. „8“ ist ein Genremix aus gruseligem Horror, Drama und regionalem Glauben, der sich geschickt zwischen diesen drei Sparten bewegt und absolut zu fesseln vermag. Wer einen reinen Horrorfilm erwartet, wird vielleicht schon anhand der relativ ruhigen Inszenierungsweise enttäuscht werden. Es geht in erster Linie um die Schicksale von Lazarus und der Familie Ziel, die sich im Laufe des Films immer mehr miteinander verweben.

Untermalt von einer wunderschönen Musik des Komponisten Elben Schutte wird der Zuschauer von der Magie Südafrikas und deren geheimnisvollen Mythen eingesogen. Stellenweise fühlte ich mich sogar an den grandiosen Wes Craven-Klassiker „Die Schlange im Regenbogen“ erinnert, bei dem der Woodoo-Zauber auf ähnlich realitätsnahe Art und Weise behandelt wird. Doch „8“ ist weitaus ruhiger und widmet sich den Emotionen Lazarus’, der im Grunde genommen ein netter Zeitgenosse ist, obwohl er andererseits aber auch den Antagonisten darstellt.  In bestimmten Einstellungen werden auch Erinnerungen an „Dust Devil“ wach. „8“ stellt eine hervorragende Mischung aus verschiedenen Genres dar, die sich auf fantastische Weise miteinander verbinden und ein beeindruckendes Gesamtbild ergeben. Ich hätte gut und gerne noch einmal eineinhalb Stunden zusehen können, wie sich die Familie Ziel auf der alten Farm gegen die Einflüsse von Lazarus und dem fremden Land wehrt.
Die Mythologien Südafrikas mit ihren Dämonen und unheimlichen Kreaturen werden sehr authentisch dargestellt. Daraus resultierend wird der Tod nicht immer als negativ behaftetes Ereignis dargestellt, sondern oftmals auch als etwas Schönes. Wenn wir beispielsweise das warme Leuchten einer Kerze sehen oder einem herzerwärmenden Begräbnis einer tote Raupe beiwohnen. Der Tod nimmt Leben, erschafft aber gleichzeitig neues. Ein Gleichgewicht, das lediglich durch den auftretenden Dämon zerstört wird. Trauer, Verlust und familiäre Bindung stehen bei „8“ konsequent im Vordergrund.

Und auch wenn „8“ mit vielen vertraut erscheinenden Konventionen arbeitet, so sind manche Wendungen nicht vorherzusehen. Das Publikum wird während des gesamten Films in eine trügerische Schönheit gehüllt, die sich durch die teils sehr ausdrucksstarken Bildern noch verstärkt. Der Schrecken, der sich eigentlich durch die Handlung schleicht, bleibt unterdrückt und wird dadurch so manchen Zuschauer in seiner Eindringlichkeit und erschütternden Konsequenz nicht erreichen. Fast möchte man sagen, dass der Film zu schön, zu poetisch und philosophisch geworden ist, um den Verlust eines geliebten Menschen hinreichend dramatisch auszudrücken.
Schauspielerisch kann man an der gesamten Crew absolut nichts aussetzen. Am meisten beeindruckt haben mich persönlich Garth Breytenbach und Tshamano Sebe. Letzteren dürften einige aus Michael Crichtons „Emergency Room“ kennen.
„8“ ist eine wunderbare Abwechslung im Horrorgenre und kann vor allem durch die hervorragenden Schauspieler und seine emotionalen und künstlerischen Aspekte überzeugen.

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Fazit: Familiendrama mit Horroranleihen. Künstlerisch und beeindruckend.

©2020 Wolfgang Brunner

Das schwäbische Sägewerkmassaker 1 & 2 (2015/ 2019)

 

Originaltitel: Das schwäbische Sägewerkmassaker
Regie: Madman Marv
Drehbuch: Madman Marv
Kamera: Ronny Zito, El Excremento
Musik: Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)
Laufzeit: Teil 1: 23 Minuten / Teil 2: 35 Minuten
Darsteller: Teil 1 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Thomas K., Nosegrinder, Flo Grinder, Kelly Carlito
Teil 2 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Schenzellot, Iggi Braineater, Zwenner, Christoph Choleriko, Alex Armageddon, Hugo, Joe, Nasus Grindus, Hiller
Genre: Horror, Splatter, Kurzfilm, Amateur, Independent
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Serienkiller ist in Schwaben unterwegs. Er macht Jagd auf die Mitarbeiter eines Sägewerks und schreckt vor nichts zurück …

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Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich für die beiden Teile jeweils eine separate Rezension verfasse. Letztendlich habe mich aber dazu entschieden, eine Gesamtbesprechung zu schreiben, denn die Filme gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen, obwohl zwischen den beiden Werken ein qualitativer Unterschied besteht.
Teil 1 dieses abgefahrenen Amateursplatters wirkt tatsächlich so richtig amateurhaft, was aber wiederum absolut unterhaltsam (und äußerst sympathisch) wirkt. Man spürt den Spaß in jeder Filmminute, den die ‚Schauspieler‘, aber auch das ganze Team während der  Dreharbeiten hatten. Ich fühlte mich sofort wieder an die eigene Zeit erinnert, als ich ebenfalls solche ‚Projekte‘ mit Freunden auf die Beine gestellt habe (welcher Filmfreak hat das nicht bereits als Kind und/oder Jugendlicher gemacht? 🙂 )
Interessant sind auf jeden Fall die zahlreichen Anspielungen auf Kultfilme und Klassiker aus dem Horrorgenre. Wenn zum Beispiel Lucio Fulci als ehemaliger Chef des Sägewerks betitelt wird, finde ich das schon ziemlich geil.

Nun aber zum Inszenierungsstil beziehungsweise den Schauspielleistungen und Spezialeffekten. Man merkt eindeutig, dass Regisseur Madman Marv ein Liebhaber der 80er Jahre-Horrorfilme ist, denn in vielen Einstellungen sieht man, wie er seinen Vorbildern nacheifert und dies auch oft überzeugend erreicht. Beide Teile von „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ darf man nicht sonderlich ernst nehmen, viel zu viel Klamauk (und Spaß an der Freude) stecken darin, aber dennoch gibt es die ein oder andere Einstellung, die ein Gespür für cineastische Dramaturgie verrät. Das Endergebnis ist schlichtweg ein absolut toller Spaß, dem man gerne zusieht. Die derben Spezialeffekte schwanken zwischen übertrieben simpel und ganz gut gelungen. Aber auch hier ist einfach ausschlaggebend, welche Intentionen dahinterstecken und man muss schon sagen, dass selbst die (für viele mit Sicherheit lächerlich wirkenden) Splattereinlagen dennoch auf gewisse Art und Weise eine Wirkung zeigen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mit sozusagen keinem Budget auf die Beine gestellt wurden. Ich mochte es auf jeden Fall. 😉

Schauspielerisch kann man nicht viel sagen, denn alle Akteure sind durch die Bank Amateure. Doch zumindest aus dieser Sicht haben sie ihre Sache ausnahmslos gut gemacht und, wie schon erwähnt, der Spaß ist es, der bei diesen beiden Kurzfilmen zählt. Während man den ersten Teil mit seinen übertriebenen Verkleidungen überhaupt nicht ernst nehmen kann (und auch nicht soll), sieht es beim zweiten Teil schon ein wenig anders aus. Die Schauspieler agieren bedeutend besser und auch die Inszenierung gibt sich um ein Vielfaches Mühe, etwas ernster zu wirken. Das funktioniert genauso gut wie die Effekte, die bedeutend brutaler und auch glaubwürdiger ausfallen, obwohl man sich auch hier wieder mit den einfachsten Mitteln hilft.
Erwähnenswert ist unbedingt noch der Score von Musica Non Grata, hinter dem sich Stephan Ortlepp verbirgt. Die Sounds und die Musik haben wir supergut gefallen und den Filmen zu einer Atmosphäre verholfen, die ohne die Klänge nicht vorhanden gewesen wäre.

Insgesamt haben mich beide Teile auf gewisse Art und Weise begeistert (klingt komisch, ist aber so), weil ich mich wirklich hervorragend (übrigens ohne Alkohol 😉 ) amüsiert habe und den fühlbaren Spaß der Macher beim Zusehen gespürt habe. Handlungstechnisch geben die beiden Kurzfilme nichts her, müssen sie aber auch gar nicht, denn das erwartet niemand von einem derartigen No Budget-Amateurfilm. Hier heißt es wirklich: Hirn aus und die flachen Witze und stümperhaften (aber dennoch geschickt) gemachten Effekte einfach auf sich einprasseln lassen. Es ist ein besonderer Humor, der einen hier erwartet, und man mag ihn entweder und schüttelt verständnislos den Kopf. Ich mag ihn und werde mir beide Filme bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmals ansehen. Außerdem freue ich mich jetzt umso mehr auf den ersten Langfilm von Madman Marv mit dem Titel „Die Dämonische Mörderoma“, den René Wiesner bereits gesehen und rezensiert hat.

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Fazit: Man kann diese beiden Kurzfilme genau genommen gar nicht richtig bewerten, sondern müsste eher eine Amüsierskala einführen und verwenden. Auf dieser erreichen sie bei mir allerdings auch auf alle Fälle das obere Viertel.

© 2019 Wolfgang Brunner

Mörderspinnen (1977)

mörderspinnen

Originaltitel: Kingdom of the Spiders
Regie: John „Bud“ Cardos
Drehbuch: Alan Caillou, Stephen Lodge
Kamera:  John Arthur Morrill
Musik: Dorsey Burnette
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: William Shatner, Tiffany Bolling, Woody Strode, Lieux Dressler
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Rack Hansen ist Tierarzt und untersucht eine Reihe von mysteriösen Todesfällen von Nutztieren. Dabei findet er heraus, dass die Stadt von tödlichen Taranteln heimgesucht wird. Doch bevor er etwas dagegen unternehmen kann, werden die Straßen der Stadt bereits von den Spinnen überrannt …

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„Mörderspinnen“ ist einer jener Filme, die aus heutiger Sicht sogar noch einen größeren Kultfaktor besitzen, als sie ohnehin die letzten Jahrzehnte bereits  hatten. Das liegt vor allem daran, dass die Spinnen nicht computeranimiert, sondern echte Lebewesen sind. Gerade in der heutigen zeit macht so etwas unglaublich viel Spaß, zumal man sich dessen wieder bewusst wird, welche Kreativität und Herzblut in solchen Projekten steckt und welche Hürden die damaligen Filmemacher auf sich nehmen mussten, um ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Das verleiht diesem Edeltrashfilm eine derart wunderbare Atmosphäre, dass man ihn sofort wieder von vorne ansehen könnte, nachdem das Wort „Ende“ auf dem Bildschirm erschienen ist.
Ich habe „Mörderspinnen“ vor einigen Jahrzehnten das letzte Mal gesehen und ich muss  sagen, dass mich der Film in der nun restaurierten Fassung auf Blu-Ray von Anfang an absolut in seinen Bann gezogen hat. Die Minuten flogen nur so an einem vorbei und ich kann gar nicht sagen, an wie vielen Stellen mich ein derart wohlwollendes Nostalgiegefühl im Bauch erfasst hat, dass es eine wahre Freude war.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich gar nicht mehr so in Erinnerung hatte, dass William Shatner seine Hauptrolle nahezu perfekt meistert. Er spielt den Veterinär Rack Hansen mit so viel Charme, dass man Lust bekommt, weitere Filme mit Shatner anzusehen. Doch neben den schauspielerischen Leistungen, die übrigens allesamt sehr gut sind, überzeugen vor allem die Spezialeffekte, die vorwiegend aus über 5000 lebenden Vogelspinnen bestehen und dem Film somit eine unschlagbare Atmosphäre gegenüber den heutigen CGI-Effekteorgien geben. Der Ende der 70er Jahre entstandene Tierhorror erinnerte mich manchmal an die alten Schwarz-Weiß-Filme des Regisseurs Jack Arnold, der mich bis in die heutige Zeit mit seinen Werken begeistert. „Mörderspinnen“ reiht sich in diese Art von Filmen nahtlos mit ein und stellt für mich mehr denn je einen absoluten Klassiker dar.

Zur Bearbeitung des Filmes kann ich nur sagen, dass die Farben und die Schärfe des Bildes absolut gelungen für eine Blu-Ray-Veröffentlichung sind. Gerade unter dem Aspekt, dass keine computergenerierten Effekte Verwendung fanden, macht eine so qualitativ hochwertige Nachbearbeitung ungemein Spaß. Zudem sind auf der Blu-Ray noch einige Extras zu verzeichnen, die absolut interessant sind. Ein informatives Booklet über die Dreharbeiten rundet diese Veröffentlichung von Koch Films ab und dürfte somit jeden Fan dieses Films begeistern. Ich bin auf alle Fälle absolut angetan von dieser Neuauflage von „Mörderspinnen“ und freue mich umso mehr, dass der erste Film der Creature Feature Reihe von Koch-Media nun endlich auch auf Blu-Ray erschienen ist. Meinerseits kann ich nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen.

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Fazit: Ein Must See des klassischen Tierhorrorfilms in einer perfekten Edition.

© 2019  Wolfgang Brunner

What’s wrong with you? (2019)

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Originaltitel: What’s wrong with you?
Regie: Sebastian Zeglarski
Drehbuch: Sebastian Zeglarski, Master W
Kamera: Paul Maximilian von Preuss, Markus Innocenti, Ms. Perfect, Resa Elstner
Musik: Axl Wild Productions, European Breakwdown, Donner Music
Laufzeit: 78 Minuten
Darsteller: Sebastian Zeglarski, Missy,  Markus Innocenti, A. Kolnik, Uwe Kolnik, Christian Nowak, Thynomite, Amok Pia
Genre: Horror, Gore, Amateurfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Mann wird durch einen Schicksalsschlag vollkommen aus der Bahn geworfen. Sein Leben gerät aus den Fugen, als er mit den Abgründen seiner Seele konfrontiert wird. Seine  Existenz besteht nur noch aus Wahnvorstellungen und Albträumen. Und immer wieder taucht ein geheimnisvoller maskierter Mann  auf. Realität und Halluzinationen vermischen sich immer mehr. Was stimmt nicht mit dem Mann nicht?

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Es gibt Amateurfilme und es gibt Filme, die von Menschen gedreht werden, die man (fälschlicherweise 😉 ) als Amateurfilmer bezeichnet. „What’s wrong with you“ ist genau so ein Beispiel, denn Regisseur und Hauptdarsteller Sebastian Zeglarski hat ein unglaublich cineastisches Gefühl dafür, eine magische und hypnotische Geschichte zu erzählen. Wenn man bedenkt mit welch geringem Budget Zeglarski diesen Film auf die Beine gestellt hat, fragt man sich unweigerlich, wie das Ergebnis wohl ausgesehen hätte, hätte mehr Geld zur Verfügung gestanden. Fakt ist, dass „What’s wrong with you“ eine innovative Reise ins Innere, ins Seelenleben, eines Menschen ist. Ich bin fast geneigt zu sagen, dass man es filmisch nicht hätte besser ausdrücken können, was in solch einem Menschen gedanklich vorgeht.

„What’s wrong with you“ erinnerte mich in seinen besten Momenten an Kultfilme von Jörg Buttgereit, Olaf Ittenbach oder sogar Peter Greenaway. In philosophisch anmutenden, verklärten Traumsequenzen lässt uns Regisseur Zeglarski am Innenleben eines kaputten, kranken und auch verzweifelten Menschen teilhaben. An vielen Stellen bekam ich eine Gänsehaut und konnte mich überhaupt nicht satt sehen an diesen fantastischen, surrealen Bildern, die auf einen einstürmen. Der Film hat  in manchen Szenen einen hohen Gewaltanteil, der aber erfreulicherweise nie den Mittelpunkt der Geschichte einnimmt. Und genau das ist es, was mich an diesem Film so fasziniert, denn Sebastian Zeglarski geht es in erster Linie um den Menschen und die psychologische Seite seiner Existenz. Die teils brutalen und auch abartigen Szenen wirken niemals abstoßend, sondern fügen sich geschickt in das Gesamtbild des Films ein .Nebenbei bemerkt sind diese Spezialeffekte extrem gut gelungen.

Die Schauspieler mögen zwar in manchen Einstellungen etwas amateurhaft wirken, aber das macht in diesem Fall überhaupt nichts, sondern unterstreicht sogar die Authentizität. Ich bin mit keinen Erwartungen an diesen Film herangegangen, was wahrscheinlich mein Glück war, denn ich bekam etwas zu sehen, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Unbedingt zu erwähnen ist auch noch die fantastische Musikuntermalung, die mich unweigerlich an die Werke von Marian Dora erinnert hat. Trotz der „schlimmen“, deprimierenden Geschichte und den brutalen Goreszenen werden die Bilder von melancholischen Melodien untermalt, die emotional berühren. Diese Mischung ist es letztendlich auch, die diesen Film zu einem Must See im Amateurfilmbereich für mich macht. Manchmal habe ich mir gedacht, „What’s wrong with you“ könnte tatsächlich als Extra auf der DVD eines Peter Greenaway Films sein, das zeigt, wie die Anfänge dieses genialen Regisseurs waren. Sebastian Zeglarski hat für mich auf jeden Fall das Zeug dazu, genau solch ein intellektueller und innovativer (Kult-)Regisseur zu werden. Vor allem, wenn man ihm das nötige Budget zur Verfügung stellen würde. Eines ist für mich gewiss: „What’s wrong with you“ hat sich schlagartig in die Top Ten meiner liebsten Independent- und Amateurfilme hochkatapultiert. Ich werde mir diesen Film definitiv noch öfter ansehen. Und das sollte jeder tun, der sich für Filmhandwerk mit Herzblut interessiert.

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Fazit: Innovativ, melancholisch, brutal und … einfach großartig. Muss man gesehen haben.

© 2019  Wolfgang Brunner