2 Lava 2 Lantula (2016)

Originaltitel: 2  Lava 2 Lantula
Regie: Nick Simon
Drehbuch: Neil Elman, Ashley O’Neil
Kamera: Kevin Duggin
Musik: Navid Hejazi
Laufzeit: 81 Minuten
Darsteller: Steve Guttenberg, Michael Winslow, Marion Ramsey, Eric Etebari, Michelle Weaver, R.J. Walker, Martin Kove
Genre: Horror, Science Fiction, Komödie
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Die Überlebenden des Spinnen-Angriffs in Los Angeles dachten, alles wäre vorbei. Doch in Florida tauchen die mutierten Feuerspinnen erneut auf, um die Menschheit endgültig zu vernichten. Filmstar Colton West sagt den Achtbeinern erneut den Kampf an und zusammen mit seinem besten Freund Marty setzt er dieses Mal alles daran, die Bedrohung ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.

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Die Feuerspinnen-Attacken gehen weiter. Nach dem zugegebenermaßen absolut gelungenen Trashfeuerwerk des ersten Teils ging ich eher mit gemischten Gefühlen an dieses Sequel heran. Ich fühlte mich auch in den ersten Minuten in meiner vorgefassten Meinung bestätigt, dass es sich bei dieser Fortsetzung eher um einen mittelmäßigen Film handelt, der an das Original nicht heranreichen würde. Doch ich muss zugeben, dass ich mich geirrt habe und der zweite Teil mindestens ebenso amüsant und unterhaltsam ist wie der Originalfilm. „2 Lava 2 Lantila“ ist trashiger und die Spezialeffekte wirken um einiges billiger als im ersten Teil, aber vielleicht ist genau das der Grund, warum die Fortsetzung funktioniert. Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler nehmen sich selbst noch weniger ernst als im ersten Teil,  was zur Folge hat, dass das Ergebnis einfach noch abgedrehter als im Original geworden ist.

In einem unglaublich rasanten Tempo werden die Protagonisten ohne große Vorgeschichte in das Chaos der Spinnenangriffe geworfen, so dass dem Zuschauer kaum Zeit zum Atmen und Nachdenken bleibt. Ein Gag reiht sich an den anderen, wobei viele, wie bereits im ersten Teil, in der deutschen Übersetzung nicht wirklich funktionieren. Aber das tut dem Vergnügen, das man bei „2Lava „Lantula“ hat , keinen Abbruch. In bester 80er Jahre Manier wird hier geblödelt und gesplattert, wobei sich letzteres im jugendfreien Rahmen hält. Dennoch verstecken sich allerdings ein paar Szenen, die aus meiner Sicht nicht unbedingt ab 12 Jahren freigegeben werden sollten. Aber das Thema FSK ist eine andere Geschichte, die mit dem Film nichts zu tun hat. Die Schauspieler sind allesamt absolut gut aufgelegt, allen voran Steve Guttenberg, der mich bereits im ersten Teil mit seiner übertriebenen Machoart vollkommen überzeugt hat. Auch im zweiten Teil wird er der fast schon kultverdächtigen Rolle des Colton West in allen Belangen gerecht. Guttenberg bringt einen mit seiner charmanten, unverstellten Art fast in jeder Szene irgendwie zum Schmunzeln. 🙂

Aufgrund der rasanten Erzählweise findet man natürlich keine tiefgreifenden Charakterentwürfe in den Protagonisten, was aber meiner Meinung nach in dieser Art von Film sowieso nichts verloren hätte. Wer sich so einen Film ansieht, will Trash und Spaß. Und genau das bekommt man auch bei „2Lava 2Lantula“. Ich hatte teilweise den Eindruck, als wollten die Macher dieses Mal sogar ihre eigene, ohnehin schon schräge Vorlage selbst auf den Arm nehmen, denn das Sequel ist in der Tat noch eine Spur verrückter und irrwitziger als das Original. Besonders eine Szene hat es mir so angetan, dass ich sie ein paar Mal hintereinander wiederholen musste. Es ist so herrlich witzig, wenn die Protagonisten über die Größe der Mutter-Feuerspinne diskutieren und dieser Dialog einfach kein Ende nimmt.
Interessant für Filmfans dürften auch die zahlreichen Anspielungen (manche versteckt, manche offensichtlich) auf „Crocodile Dundee“, „Scarface“ oder „Jurassic Park“, aber auch die alten japanischen Monsterfilme sein, die sich durch den ganzen Film ziehen. Das Zeug und Potential zur Kultserie hätten die „Lavalantulas“ auf alle Fälle, zumal Steve Guttenberg in der Rolle des Colton West sowieso aus meiner Sicht einer der besten und charismatischsten „Trash-Schauspieler“ ist. Ich würde mich jedenfalls über eine weitere Fortsetzung freuen.

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Fazit: Rasant inszenierte Fortsetzung der Lava-Spinnen-Invasion. Ein Muss für Trashfans.

© 2017 Wolfgang Brunner

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MOLOCH – Die Dokumentation – Teil 2 – Interview mit Mick Baltes

Und hier ist er auch schon: Der zweite Teil der Dokumentation über den Künstler „Moloch“.
Heute kommt der erste meiner Gesprächtspartner zu Wort, die meine diversen Fragen bezüglich dem Mensch und Künstler „Moloch“ beantwortet haben. Mick Baltes war so nett, mir seine Antworten per Video zukommen zu lassen.
Baltes, Jahrgang 1962, verbrachte Kindheit und Jugend am Niederrhein und begeisterte sich bereits mit 16 Jahren für Musik. Fast scheint es, als wäre bereits hier schon sein Weg zum Musikredakteur absehbar gewesen.
Doch bevor er diese Karriere einschlug, entdeckte er dazwischen seine große Liebe zum Kino. Mick Baltes realisierte sogar ein paar eigene Kurzfilme, behielt Film und Theater immer im Auge und landete schließlich in der Werbebranche. Heute arbeitet er als Screendesigner, Flashentwickler und schreibt als Freelancer über Musik, Kino und TV unter anderem für „Sound Infection“.

Freuen wir uns also auf ein Video von Mick Baltes, in dem er seine Eindrücke über Moloch kundtut:

The House At The End Of Time (2013)

TheHouseAtTheEndOfTime

Originaltitel: La casa del fin de los tiempos
Buch und Regie: Alejandro Hidalgo
Kamera: Cezary Jaworski
Musik: Yoncarlos Medina
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Ruddy Rodríguez, Rosmel Bustamante, Gonzalo Cubero,
Guillermo García, Héctor Mercado
Genre: Horror
Herstellungsland: Venezuela
FSK: ab 16 Jahren

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Eines Nachts verschwindet Dulces Sohn spurlos und ihr Mann wird brutal ermordet aufgefunden. Weil auf der Tatwaffe ihre Fingerabdrücke gefunden werden, wird Dulce zu lebenslanger Haft verurteilt. 30 Jahre später wird sie aus dem Gefängnis entlassen und in ihr altes Haus zurückgebracht, wo sie, unter Beobachtung gestellt, über die Vorfälle von damals nachdenkt. Doch Dulce ist nicht allein, denn die Geister ihrer Vergangenheit sind ebenfalls noch in dem Haus. Zusammen mit einem Priester will Dulce das Rätsel ergründen, durch das sie ihren Sohn und Mann vor 30 Jahren verloren hat.

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„Das Haus am Ende der Zeit“ ist das Debüt eines jungen, venezuelanischen Filmemachers namens Alejandro Hidalgo. Diesen Namen sollte man sich unbedingt merken, denn was er mit seinem Erstling abgeliefert hat, ist eine filmische Wucht sondergleichen. Man könnte fast meinen, dass der visionäre Christopher Nolan (u.a. „The Dark Knight“-Trilogie, „Inception“ und „Interstellar“) einen Horrorfilm gedreht hat. Es ist unglaublich, mit welcher Raffinesse hier ein Plot kreiert wurde, der zum Ende hin mit einem wahren Feuerwerk an A-ha-Effekten und emotionalen Achterbahnfahrten aufgelöst wird. Klar werden jetzt wieder die ewigen Nörgler daher kommen und über die vermeintlichen Logiklöcher der wirren Handlung diskutieren, aber keiner von ihnen kann mir die Genialität dieses emotionalen Meisterwerks absprechen. „The House At The End Of Time“ ist bestes Kino: gefühlvoll, spannend, unheimlich, visionär und atemberaubend beeindruckend. Selten habe ich so eine atmosphärisch stimmige Mixtur aus Old School-Grusel, intelligenter Handlung und tollen Schauspielern gesehen.

Hidalgo hat ein inszenatorisches Gespür wie ein Profi. Wie er die Handlungen im Verlaufe des Films verwebt ist ein wahrer Geniestreich, der den Zuschauer schlichtweg verblüfft und ihm den Atem raubt. An einer Stelle habe ich mich sogar selbst dabei erwischt, wie ich vollkommen sprachlos den Kopf schüttelte, als ich die Zusammenhänge erkannte. Ich kann meine Begeisterung schwer unterdrücken, denn noch immer geistern die Überschneidungen der Szenen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch meine Gedanken. Man muss sich auf den Film einlassen, das ist keine Frage, um die komplexe Struktur zu durchschauen. Mainstream-Publikum wird dabei Schwierigkeiten haben, denn eine geradlinige Erzählweise, der man ohne viel nachzudenken folgen kann, fehlt. Der Zuseher, der sich in den Zeitwirbel fallen lässt, wird mit einem wahren Wunder belohnt, das sich ins Gedächtnis frisst, wie es schon lange kein Horrorfilm mehr geschafft hat.

Hidalgo spielt mit einer Leichtigkeit mit Raum und Zeit, als wäre absolut nichts daran kompliziert. Und genau das ist es, was mich immer wieder an Nolan denken lässt: komplizierte Dinge auf völlig unkomplizierte Art darzustellen beziehungsweise darstellen zu können. Schauspielerisch bewegt sich der Film auf absolut hohem Niveau und kann sich getrost mit weitaus bekannteren Streifen messen. Ich möchte mich sogar insoweit ein wenig nach vorne beugen, in dem ich „The House At The End Of Time“ sogar einen bedeutend höheren Status zuspreche, als es thematisch ähnliche Großproduktionen wie zum Beispiel „The Others“ oder „The Sixth Sense“. Hidalgos Debüt ist ein Juwel unter der Masse an Horrorfilmen, und wenn man zu der überaus gekonnten Inszenierung, dem mehr als genialen Plot und den durchwegs fähigen Schauspielern noch das relativ geringe Budget berücksichtigt, so kann man diesen Film ohne Einschränkungen als „absolutes Meisterwerk“ bezeichnen.
Wer blutige Effekte und / oder Mainstreamkino erwartet, sollte die Finger davon lassen. Leider suggeriert das Plakat einen Film im Stil von „Insidious“ oder anderen Haunted House-Filmen, was in diesem Falle aber nicht zutrifft und in die Irre führt. Wer einem künstlerisch ambitionierten Film mit einem feinfühligen, gefühlvollen Plot offen ist, wird mit einem unglaublich beeindruckenden Ergebnis belohnt. So, dann mache ich mal Schluss und sehe mir „The House At The End Of Time“ gleich nochmal an. 😉
Und, wie nicht anders zu erwarten, plant Hollywood schon ein Remake dieses Ausnahmefilms und versucht, wie so oft, die Lorbeeren, die eigentlich dem ursprünglichen Macher zustünden, in Form einer (wahrscheinlich wieder einmal)  seelenlosen Neuverfilmung für sich einzuheimsen.

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Fazit: Visionär, spannend, gruselig, emotional … Mir fehlen einfach die Worte für diese geniale Achterbahnfahrt.

© 2017  Wolfgang Brunner

MOLOCH – Die Dokumentation – Teil 1

Viele von euch wissen, dass ich mich für so ziemlich alle Filmgenres interessiere und sowohl Blockbuster-Produktionen als auch Independentfilme ansehe. So kommt es auch, dass ich immer wieder nach neuen Regisseuren, Schauspielern, Filmmusik-Komponisten und dergleichen suche. Ich verfolge deren Laufbahnen über Jahre hinweg und freue mich auf neue Projekte und Erfolge.

Während der letzten Jahre stieß ich so auch auf den Künstler Moloch, der zuerst nur hinter Masken zu sehen war. Seine Auftritte im Stil der Kultfiguren Michael Myers, Jason Voorhees oder Leatherface weckten meine Neugier. Wer verbirgt sich hinter der Maske? Welche Ambitionen und Ziele verfolgt Moloch?

 

Als der Künstler und Schauspieler Moloch im Jahr 2013 beim Musikvideo „Brutal Desire“ der Ausnahmeband „Mean Ugly Godz“ nach mehreren, unbedeutenderen Anläufen die Hauptrolle als Schlächter übernahm, war noch nicht abzusehen, dass er schon bald eine Art Kultstatus erreichen würde.

Moloch ist eigentlich unter anderem eine biblische Bezeichnung für Opferriten aus dem alten Phönizien und Kanaan, bei denen Kinder mittels Feuer geopfert wurden. Außerdem hat „Moloch“ die Bedeutung einer gnadenlosen und alles verschlingenden Macht. Mit letzterer Bezeichnung kommen wir dem Mann, der unter dem Pseudonym Moloch agiert, schon ein Stück näher. Denn mit Vorliebe „versteckt“ sich der Zweimeter-Mann hinter einer Maske, um seine Opfer auf brutale Weise zu massakrieren.

Es gibt drei Romane mit dem Titel „Moloch“, eine russische Erzählung, einen Film und sogar eine Oper. Nicht zu vergessen das Romanheft mit der Nummer 135 aus dem Jahr 1981 aus der Gruselserie „John Sinclair“. Aber um all dies geht es hier nicht.

Mich interessiert der Schauspieler und Mensch hinter diesem Pseudonym, den ich mittlerweile in einigen Rollen sehen durfte. Faszinierend ist, dass Moloch innerhalb kürzester Zeit überzeugen kann. Das mag zum einen an seiner imposanten Erscheinung liegen, findet aber zum anderen auch einen Grund in seiner äußerst sympathischen und charismatischen Ausstrahlung. Ein Grund für mich, den Schauspieler, das Monster hinter der Maske und den Menschen im echten Leben näher zu beleuchten.

 

Ich habe mir daher überlegt, ein außergewöhnliches Projekt in Angriff zu nehmen, in dem über Moloch und seine Projekte gesprochen wird, der Künstler aber auch mal selbst zu Wort kommt. Ich will wisssen, was Regisseure, Maskenbildner, Schauspielerkollegen, Produzenten und Fans über ihn denken. Desweiteren interessiert mich Molochs Werdegang, aber auch seine Ambitionen, seine Wünsche und Träume.

Das Projekt soll die vielen und unterschiedlichen Facetten des Künstlers behandeln und eine Übersicht über bereits abgedrehte, aktuelle und zukünftige Filme und Videos geben.

Ach ja, und jede(r), die/der bei diesem Projekt mitwirken will, kann mir gerne eine Mail an wolfgangbrunner@gmx.com senden.

Das Projekt wird in etwa vierzehntägigen Abständen weitergeführt.

© 2017 Wolfgang Brunner / Moloch

Alien: Covenant (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 122 Minuten
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Guy Pearce
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Das Raumschiff Covenant ist mit 2.000 schlafenden Menschen und über 1.000 menschlichen Embryonen unterwegs, um auf einem fremden Planeten eine Kolonie zu gründen. Durch einen Sonnensturm wird das Schiff beschädigt und die Mannschaft aus dem Tiefschlaf geweckt. Während sie die Schäden am Schiff untersuchen, entdecken sie einen fremden Planeten, der der Erde ähnelt und anscheinend bewohnbar ist. Als ein Teil der Crew auf dem Planeten landet und ihn erforscht, kommen zwei Männer in Kontakt mit einer seltsamen Spore. Ohne es zu wissen, wächst ein fremdartiges Lebenwesen in ihren Körpern heran, dass schon bald das Leben der gesamten Mannschaft bedroht.

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Im Vorfeld waren ja schon wieder die unterschiedlichsten Meinungen zu Ridley Scotts neuestem Alien-Film vertreten. Doch ich wollte mir, wie auch übrigens bei „Prometheus“, einfach unvoreingenommen eine eigene Meinung bilden. Und ich bin froh, dass ich mir das Filmvergnügen nicht selbst verdorben habe, indem ich die anderen Rezensionen genau durchgelesen sondern nur überflogen habe. Denn … ich finde, dass Ridley Scott wieder einmal einen visionären Film abgeliefert hat. Sicherlich muss man über die ein oder andere Logiksache hinwegsehen, das ist mir aber in diesem Fall wirklich egal, denn ich möchte mit solchen Filmen unterhalten werden. Und das hat mit „Alien: Covenant“ eindeutig hervorragend geklappt. Ein bisschen Kritik habe ich dennoch zu vermelden, aber eines nach dem anderen.

Zunächst einmal fand ich den Spannungsaufbau sehr gelungen und wirkungsvoll. Langsam wird der Zuschauer in eine bedrückende Atmosphäre eingelullt, der man sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr entziehen kann. Gerade die Infizierung auf dem fremden Planeten und die ersten Alien-Attacken sind grandios inszeniert und fast schon unerträglich in ihrer Spannung. Die Bilder von der „Geburt“ des ersten Aliens gehen mir in ähnlicher Weise nicht mehr aus dem Kopf wie seinerzeit eine ähnliche Szene in John Carpenters Kultfilm „Das Ding aus einer anderen Welt“. Oftmals habe ich irgendwann gemerkt, dass ich den Atem angehalten habe, so spannend waren die Angriffe der Aliens, obwohl sie mit dem Computer designt wurden. Die Attacken sahen in einigen Szenen ähnlich wie in „Starship Troopers“ aus vermittelten eine ähnliche, ausweglose Situation. und Die ersten beiden Drittel fand ich persönlich absolut atemberaubend in Szene gesetzt, enorm spannend und extremst kurzweilig. Leider verzetteln sich die Drehbuchautoren am Ende in einem ideenlosen Abklatsch des Originals, was mir nicht so gefallen hat. Da hätte ich mir dann doch eine etwas andere Wendung beziehungsweise ein innovativeres Ende gewünscht. Aber nun gut, der Mainstream möchte genau so etwas wahrscheinlich sehen und die Macher haben sich wahrscheinlich darauf eingelassen, um Erfolg an der Kinokasse zu haben. Das hat schon der mäßig erfolgreiche „Alien 3“ von David Fincher gezeigt, dass Innovation nicht immer gut beim Massenpublikum ankommt. Bei „Alien: Covenant“ wollte man deswegen wohl sichergehen und hat sich für diesen Weg entschieden, der dem Massenpublikum genau das gibt, was es will, und den „echten“ Filmfreund dann eher enttäuscht. Soweit zu meinem einzigen Kritikpunkt.

Nahezu begeistert war ich von der Entwicklung, die Ridley Scott den „menschlichen Robotern“ zugedacht hat. Es mutet fast wie eine leichte Symbiose oder wie eine Brücke zu seinem Meisterwerk „Blade Runner“ an, wenn er in „Alien: Covenant“ den Maschinenwesen unheimliche menschliche Züge verschafft. Ich denke, diese Annäherung beider Universen ist beabsichtigt, denn gerade die Anfangssequenz könnte durchaus bei „Blade Runner“ Anwendung finden. Auch darstellerisch kann man bei „Alien: Covenant“ nichts aussetzen, denn alle spielen durchwegs außerordentlich gut und nehmen ihre Rollen sichtlich ernst. Michael Fassbender, der angebliche Star des Films, wird aber aus meiner Sicht eindeutig von Danny McBride an die Wand gespielt, der seinen Protagonisten unglaublich authentisch und vor allem sehr emotional verkörpert. McBride hat mich während des ganzen Films am meisten begeistert und beeindruckt, da kam Fassbender nicht einmal annähernd mit. Ist aber einfach nur meine Meinung. Scoretechnisch hat Jed Kurzel eigene Töne mit markanten Klängen aus Jerry Goldsmiths Originalscore vermischt und für eine sehr passende und atmosphärische Musikuntermalung  gesorgt.
Alles in allem hat mir „Alien:Covenant“, genauso wie „Prometheus“, in seiner Fortführung und/oder Neuinterpretation des Alien-Universums absolut gut gefallen.

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Fazit: Ästhetisch, brutal und atmosphärisch. Trotz einiger Logikfehler ein würdiges, sehenswertes Teil im Alien-Universum-Puzzle.

© 2017 Wolfgang Brunner

Michael – (K)ein harter Vampirfilm (2017)

Originaltitel: Michael – (K)ein harter Vampirfilm
Regie: José Hidalgo
Drehbuch: José Hidalgo, Kirsten Rusche
Kamera: Niklas Meyer
Musik: José Hidalgo, Marius Knetsch, Adrian Wojtynek
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Jörn Guido, José Hidalgo, Simone Kaufmann, Klaus Thiel-Klenner, Evelyn Fytter, Andreas Rimkus
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Mit Erschrecken muss Michael feststellen, dass sein „bestes Stück“ nicht mehr funktioniert. Deprimiert wegen seiner verlorenen Männlichkeit beginnt er zusammen mit seinem Freund Mumu und dessen Freundin Lola nach den Ursachen zu suchen. Nach einer gründlichen, ärztlichen Untersuchung lautet die Diagnose: Michael ist tot. Und die Tatsache, dass er nicht fotografiert werden kann, lässt den Schluss zu, dass er sich zu einem Vampir verwandelt hat. Michael und seine Freunde machen sich auf die Suche nach der schuldigen Vampirin. Begleitet werden sie von Michaels Vater, einem Priester, der Spezialist im Töten solcher Ungeheuer ist.

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Der deutsche Independet-Film bietet immer wieder mal Überraschungen. So auch die herrlich schräge und von Filmzitaten strotzende Vampir-Komödie „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ des Regisseurs José Hidalgo. Schon am Anfang begann ich an „Night Of The Living Dead“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ zu denken, als ich die Einstellungen mit Pater Engelbert (übrigens absolut gelungen dargestellt von Klaus Thiel-Klenner) sah. Und in ähnlichem Stil setzt Hidalgo seine Hommage an unzählige Horrorfilme und -bücher fort. Man muss schon genau aufpassen, um alles zu registrieren, denn unentwegt entdeckt man versteckte Anspielungen auf bekanntere und unbekanntere Kultfilme sowohl in Bild als auch Ton. Genial fand ich auch, dass literarische Größen wie zum Beispiel Anne Rice, Dean Koontz, Stephen King und Bram Stoker einen Platz unter den Vorbildern ergattert haben. Es ist wirklich eine wahre Freude, dem Protagonisten bei der Suche nach seiner fehlenden Männlichkeit zu begleiten. Womit ich auch schon bei einem sehr großen Pluspunkt dieser eigenwilligen Produktion lande: der Humor. Deutsche Filme und Humor passen für mich in den seltensten Fällen zusammen, denn meist endet diese Mischung (zumindest in Deutschland) in einer peinlichen Abfolge unlustiger Klamaukeinlagen. Nicht so bei „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“. Auch wenn nicht jeder Gag sitzt, so kann man sich über die meisten wirklich so richtig amüsieren und auch schon mal lauthals lachen. Die Situationskomik funktioniert bestens, was vielleicht sogar daran liegt, dass die Schauspieler so manches Mal amateurhaft wirken. Aber genau das ist es auch, was den Humor so trocken und eben auch authentisch wirken lässt. Ich war jedenfalls vollkommen angetan davon.

Inszenatorisch kann man nicht meckern, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese liebevolle Produktion ein Budget von lediglich etwa 17.000 Euro zur Verfügung hatte. Da hat Hidalgo ganz schön was auf die Beine gestellt. Schauspielerisch konnte  mich am meisten Klaus Thiel-Klenner überzeugen, der mir schon bei „Z-Office“ sehr gut gefallen hat. Aber auch José Hidalgo brachte mich mit seinem trockenen Humor immer wieder zum Schmunzeln. Jörn Guido war in der Hauptrolle ebenfalls überzeugend und passte sich hervorragend dem Team an. Der Spaß während des Drehs ist in jeder Einstellung spürbar. Leider passt der Soundtrack nicht immer hundertprozentig zum Filmgeschehen. An manchen Stellen ließe ich mir das durchaus gefallen, an anderen hätte ich mir mehr Dramatik im Score gewünscht (zum Beispiel im Endkampf). Ich bin nicht sicher, ob das so gewollt ist.

„Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ ist zwar ein Amateurfilm, aber mit vielen professionellen Ansätzen. Jegliche Amateurhaftigkeit, die sich definitiv nicht durch den ganzen Film zieht, sondern sich nur auf einzelne Szenen beschränkt, wird durch die durchwegs sympathischen Darsteller und den wirklich witzigen Wort- und Situationswitz eingedämmt. Dazu gesellen sich die, wie oben schon erwähnt, zahlreichen und genial verstreuten Zitate aus anderen Filmen, die die Komödie noch einmal gehörig auflockern und den Film zu einem kurzweiligen Ereignis machen. „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ will nicht ernst genommen werden, sondern einfach nur intelligent und amüsant unterhalten. Und das tut er auf ganzer Linie. Der Film wurde sichtlich mit viel Hingabe und Liebe zum Film inszeniert und funktioniert in vielerlei Hinsicht. Hier waren unübersehbar Filmfans am Werk, die ein Feuerwerk an witzigen Ideen abliefern, von denen man gar nicht genug bekommen kann. Hätte mehr Budget zur Verfügung gestanden, wäre „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ sicherlich einem breiteren Publikum zugänglich und ein Kultfilm unter den deutschen Horror-Komödien geworden. So aber hat nur ein auserwählter Kreis von interessierten Independentfilm-Zuschauern das Privileg, dieses witzige Spektakel zu genießen. Da fragt man sich, warum solche einfallsreichen Regisseure wie José Hidalgo keine Unterstützung von zum Beispiel Fernsehsendern bekommen.
Wer aber den Regisseur dabei unterstützen möchte, dass dieser wunderbare Film auf DVD erscheint, kann dies bei der Startnext Crowdfunding Kampagne unter https://www.startnext.com/michael-vampirfilm tun.

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Fazit: Ein filmisches Feuerwerk mit unzähligen Anspielungen auf Kultfilme und einem außergewöhnlichen Humor. Mehr davon!

© 2017 Wolfgang Brunner

Ich seh Ich seh (2014)

Originaltitel: Ich seh Ich seh
Regie: Veronika Franz, Severin Fiala
Drehbuch: Veronika Franz, Severin Fiala
Kamera: Martin Gschlacht
Musik: Olga Neuwirth
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Susanne Wuest, Elias Schwarz, Lukas Schwarz
Genre: Drama, Thriller, Horror
Produktionsland: Österreich
FSK: ab 16 Jahre

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Nach einem Unfall kehrt die Mutter der Zwillinge Lukas und Elias ins elterliche Haus zurück. Doch noch am Tag der Ankunft verhält sich die Mutter in den Augen der beiden Jungen anders als sonst. Vor allem Elias bekommt immer mehr Zweifel, ob es sich tatsächlich noch um die echte Mutter handelt. Ist es eine fremde Frau, die sich in das Familienleben der Zwillinge einmischt?

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„Ich seh Ich seh“ ist ein österreichisches Psychothriller-Drama, das es in sich hat. Verträumt wird der Zuschauer in die Welt der Zwillinge Lukas und Elias eingeführt, die ein anscheinend ruhiges und ihrem Alter entsprechend abenteuerliches Leben führen. Doch die Idylle trügt, als die Mutter nach einem Unfall aus dem Krankenhaus zurück ins Haus kommt. Ihr ganzes Gesicht ist verbunden und lässt sie wie ein unheimliches Monster aussehen. Zusätzlich scheint sie sich durch den Unfall verändert zu haben, denn sie unterdrückt ihre Gereiztheit gegenüber ihren Söhnen nicht, sondern verhält sich aggressiv und wirkt oftmals bedrohlich. Es ist Horror, der da gezeigt wird, aber kein Horror im Sinne von Geistern, Dämonen und blutspritzenden Gewaltorgien, sondern Horror im wahrsten Sinne des Wortes. So schockierend kann das Leben sein, so erschreckend tiefgründig die menschliche Psyche. Es dauert eine Weile, bis man sich in der Welt der Zwillinge und der veränderten Mutter zurechtfindet. Aber hat es einen erst mal gepackt, lässt es einen nicht mehr los.

Die zweite Hälfte hätte durchaus ein älterer Film von Michael Haneke sein können, denn zu stark sind die schockierenden Parallelen in der Inszenierung. „Ich seh Ich seh“ kann sich ohne weiteres in österreichische Psychoschocker wie „Funny Games“ oder „Bennys Video“ (beide vom oben erwähnten Michael Haneke inszeniert) einreihen. Das ist atemberaubend, mit welch einfachen, minimalistischen Stilmitteln ein derartig intensives Drama entstehen kann. Atmosphärisch dicht, handlungstechnisch und dramaturgisch perfekt inszeniert, entführt der Film in eine Welt, die einem Angst macht. Fürchterliche Angst, denn wie in dem beeindruckenden „The Living And The Dead“ ist der „Übeltäter“ genaugenommen nicht schuldig, sondern bedauernswert. Man weiß nicht, was man davon halten soll, fühlt sich unbehaglich, schockiert und hilflos.
Veronika Franz und Severin Fiala brauchen nicht viel Blut, um den Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes zu schockieren. Und wenn man am Ende die Auflösung erfährt, möchte man vor Mitleid und Anteilnahme fast weinen, obwohl einem der Schrecken noch immer in den Knochen steckt.

Schauspielerisch können sowohl die Zwillinge, die sich im Grunde genommen selbst verkörpern, als auch Susanne Wuest als Mutter absolut überzeugen. „Ich seh Ich seh“ ist ein Kunst- und Schauspielerfilm, ein Kammerspiel des Schreckens, das uns die Psyche eines Unschuldigen verdeutlicht, der nichts gegen seine Krankheit unternehmen kann. Das leicht unprofessionelle, teils emotionslose Agieren der beiden Jungen trifft den Zuschauer, macht den Film authentisch, den man vergisst schon nach wenigen Augenblicken, dass man Schauspielern zusieht. Fast wirkt die Inszenierung wie eine Dokumentation mit Laiendarstellern, die dadurch umso schockierender auf mich wirkte. Ich finde, dass die Gebrüder Schwarz eine tolle Show abgegeben haben. Sie wirken, im Gegensatz zu dem nervigen Jungen in „Der Babadook“, einfach echt und unverfälscht.

Weitgehend wird auf Dialoge verzichtet. Erzählt wird mit Bildern und Handlungen, wodurch das gesprochene Wort, wenn es denn einmal eingesetzt wird, unheimlich und irreal wirkt. Auch der österreichische Dialekt, den übrigens wirklich jeder verstehen kann, vermittelt eine unglaubliche authentische und außergewöhnliche Stimmung. Wie schon oben erwähnt: „Ich seh Ich seh“ ist kein Horrorfilm fürs breite Publikum. Solche Zuschauer werden vergebens auf mainstreamtaugliche Schock- und Bluteffekte warten, denn die kommen nicht.  Veronika Franz‘ und Severin Fialas Drama geht tiefer als schlichter Geisterhorror. Die hervorragende Kameraführung und die passende Örtlichkeit tun das ihrige dazu, um „Ich seh Ich seh“ zu einem nachhaltigen Filmerlebnis zu machen. Dieser Thriller verlangt absolute Aufmerksamkeit und ist absolut nicht für einen Kinoabend mit Popcorn geeignet. Wer es schafft, sich in diese irreal wirkende Welt fallen zu lassen, der wird in einen unentrinnbaren Strudel des Schreckens gesogen.

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Fazit: Horror aus dem wahren Leben. Schockierend und nachhaltig beeindruckend.

© 2017 Wolfgang Brunner