Das schwäbische Sägewerkmassaker 1 & 2 (2015/ 2019)

 

Originaltitel: Das schwäbische Sägewerkmassaker
Regie: Madman Marv
Drehbuch: Madman Marv
Kamera: Ronny Zito, El Excremento
Musik: Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)
Laufzeit: Teil 1: 23 Minuten / Teil 2: 35 Minuten
Darsteller: Teil 1 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Thomas K., Nosegrinder, Flo Grinder, Kelly Carlito
Teil 2 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Schenzellot, Iggi Braineater, Zwenner, Christoph Choleriko, Alex Armageddon, Hugo, Joe, Nasus Grindus, Hiller
Genre: Horror, Splatter, Kurzfilm, Amateur, Independent
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Serienkiller ist in Schwaben unterwegs. Er macht Jagd auf die Mitarbeiter eines Sägewerks und schreckt vor nichts zurück …

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Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich für die beiden Teile jeweils eine separate Rezension verfasse. Letztendlich habe mich aber dazu entschieden, eine Gesamtbesprechung zu schreiben, denn die Filme gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen, obwohl zwischen den beiden Werken ein qualitativer Unterschied besteht.
Teil 1 dieses abgefahrenen Amateursplatters wirkt tatsächlich so richtig amateurhaft, was aber wiederum absolut unterhaltsam (und äußerst sympathisch) wirkt. Man spürt den Spaß in jeder Filmminute, den die ‚Schauspieler‘, aber auch das ganze Team während der  Dreharbeiten hatten. Ich fühlte mich sofort wieder an die eigene Zeit erinnert, als ich ebenfalls solche ‚Projekte‘ mit Freunden auf die Beine gestellt habe (welcher Filmfreak hat das nicht bereits als Kind und/oder Jugendlicher gemacht? 🙂 )
Interessant sind auf jeden Fall die zahlreichen Anspielungen auf Kultfilme und Klassiker aus dem Horrorgenre. Wenn zum Beispiel Lucio Fulci als ehemaliger Chef des Sägewerks betitelt wird, finde ich das schon ziemlich geil.

Nun aber zum Inszenierungsstil beziehungsweise den Schauspielleistungen und Spezialeffekten. Man merkt eindeutig, dass Regisseur Madman Marv ein Liebhaber der 80er Jahre-Horrorfilme ist, denn in vielen Einstellungen sieht man, wie er seinen Vorbildern nacheifert und dies auch oft überzeugend erreicht. Beide Teile von „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ darf man nicht sonderlich ernst nehmen, viel zu viel Klamauk (und Spaß an der Freude) stecken darin, aber dennoch gibt es die ein oder andere Einstellung, die ein Gespür für cineastische Dramaturgie verrät. Das Endergebnis ist schlichtweg ein absolut toller Spaß, dem man gerne zusieht. Die derben Spezialeffekte schwanken zwischen übertrieben simpel und ganz gut gelungen. Aber auch hier ist einfach ausschlaggebend, welche Intentionen dahinterstecken und man muss schon sagen, dass selbst die (für viele mit Sicherheit lächerlich wirkenden) Splattereinlagen dennoch auf gewisse Art und Weise eine Wirkung zeigen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mit sozusagen keinem Budget auf die Beine gestellt wurden. Ich mochte es auf jeden Fall. 😉

Schauspielerisch kann man nicht viel sagen, denn alle Akteure sind durch die Bank Amateure. Doch zumindest aus dieser Sicht haben sie ihre Sache ausnahmslos gut gemacht und, wie schon erwähnt, der Spaß ist es, der bei diesen beiden Kurzfilmen zählt. Während man den ersten Teil mit seinen übertriebenen Verkleidungen überhaupt nicht ernst nehmen kann (und auch nicht soll), sieht es beim zweiten Teil schon ein wenig anders aus. Die Schauspieler agieren bedeutend besser und auch die Inszenierung gibt sich um ein Vielfaches Mühe, etwas ernster zu wirken. Das funktioniert genauso gut wie die Effekte, die bedeutend brutaler und auch glaubwürdiger ausfallen, obwohl man sich auch hier wieder mit den einfachsten Mitteln hilft.
Erwähnenswert ist unbedingt noch der Score von Musica Non Grata, hinter dem sich Stephan Ortlepp verbirgt. Die Sounds und die Musik haben wir supergut gefallen und den Filmen zu einer Atmosphäre verholfen, die ohne die Klänge nicht vorhanden gewesen wäre.

Insgesamt haben mich beide Teile auf gewisse Art und Weise begeistert (klingt komisch, ist aber so), weil ich mich wirklich hervorragend (übrigens ohne Alkohol 😉 ) amüsiert habe und den fühlbaren Spaß der Macher beim Zusehen gespürt habe. Handlungstechnisch geben die beiden Kurzfilme nichts her, müssen sie aber auch gar nicht, denn das erwartet niemand von einem derartigen No Budget-Amateurfilm. Hier heißt es wirklich: Hirn aus und die flachen Witze und stümperhaften (aber dennoch geschickt) gemachten Effekte einfach auf sich einprasseln lassen. Es ist ein besonderer Humor, der einen hier erwartet, und man mag ihn entweder und schüttelt verständnislos den Kopf. Ich mag ihn und werde mir beide Filme bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmals ansehen. Außerdem freue ich mich jetzt umso mehr auf den ersten Langfilm von Madman Marv mit dem Titel „Die Dämonische Mörderoma“, den René Wiesner bereits gesehen und rezensiert hat.

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Fazit: Man kann diese beiden Kurzfilme genau genommen gar nicht richtig bewerten, sondern müsste eher eine Amüsierskala einführen und verwenden. Auf dieser erreichen sie bei mir allerdings auch auf alle Fälle das obere Viertel.

© 2019 Wolfgang Brunner

Mörderspinnen (1977)

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Originaltitel: Kingdom of the Spiders
Regie: John „Bud“ Cardos
Drehbuch: Alan Caillou, Stephen Lodge
Kamera:  John Arthur Morrill
Musik: Dorsey Burnette
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: William Shatner, Tiffany Bolling, Woody Strode, Lieux Dressler
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Rack Hansen ist Tierarzt und untersucht eine Reihe von mysteriösen Todesfällen von Nutztieren. Dabei findet er heraus, dass die Stadt von tödlichen Taranteln heimgesucht wird. Doch bevor er etwas dagegen unternehmen kann, werden die Straßen der Stadt bereits von den Spinnen überrannt …

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„Mörderspinnen“ ist einer jener Filme, die aus heutiger Sicht sogar noch einen größeren Kultfaktor besitzen, als sie ohnehin die letzten Jahrzehnte bereits  hatten. Das liegt vor allem daran, dass die Spinnen nicht computeranimiert, sondern echte Lebewesen sind. Gerade in der heutigen zeit macht so etwas unglaublich viel Spaß, zumal man sich dessen wieder bewusst wird, welche Kreativität und Herzblut in solchen Projekten steckt und welche Hürden die damaligen Filmemacher auf sich nehmen mussten, um ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Das verleiht diesem Edeltrashfilm eine derart wunderbare Atmosphäre, dass man ihn sofort wieder von vorne ansehen könnte, nachdem das Wort „Ende“ auf dem Bildschirm erschienen ist.
Ich habe „Mörderspinnen“ vor einigen Jahrzehnten das letzte Mal gesehen und ich muss  sagen, dass mich der Film in der nun restaurierten Fassung auf Blu-Ray von Anfang an absolut in seinen Bann gezogen hat. Die Minuten flogen nur so an einem vorbei und ich kann gar nicht sagen, an wie vielen Stellen mich ein derart wohlwollendes Nostalgiegefühl im Bauch erfasst hat, dass es eine wahre Freude war.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich gar nicht mehr so in Erinnerung hatte, dass William Shatner seine Hauptrolle nahezu perfekt meistert. Er spielt den Veterinär Rack Hansen mit so viel Charme, dass man Lust bekommt, weitere Filme mit Shatner anzusehen. Doch neben den schauspielerischen Leistungen, die übrigens allesamt sehr gut sind, überzeugen vor allem die Spezialeffekte, die vorwiegend aus über 5000 lebenden Vogelspinnen bestehen und dem Film somit eine unschlagbare Atmosphäre gegenüber den heutigen CGI-Effekteorgien geben. Der Ende der 70er Jahre entstandene Tierhorror erinnerte mich manchmal an die alten Schwarz-Weiß-Filme des Regisseurs Jack Arnold, der mich bis in die heutige Zeit mit seinen Werken begeistert. „Mörderspinnen“ reiht sich in diese Art von Filmen nahtlos mit ein und stellt für mich mehr denn je einen absoluten Klassiker dar.

Zur Bearbeitung des Filmes kann ich nur sagen, dass die Farben und die Schärfe des Bildes absolut gelungen für eine Blu-Ray-Veröffentlichung sind. Gerade unter dem Aspekt, dass keine computergenerierten Effekte Verwendung fanden, macht eine so qualitativ hochwertige Nachbearbeitung ungemein Spaß. Zudem sind auf der Blu-Ray noch einige Extras zu verzeichnen, die absolut interessant sind. Ein informatives Booklet über die Dreharbeiten rundet diese Veröffentlichung von Koch Films ab und dürfte somit jeden Fan dieses Films begeistern. Ich bin auf alle Fälle absolut angetan von dieser Neuauflage von „Mörderspinnen“ und freue mich umso mehr, dass der erste Film der Creature Feature Reihe von Koch-Media nun endlich auch auf Blu-Ray erschienen ist. Meinerseits kann ich nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen.

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Fazit: Ein Must See des klassischen Tierhorrorfilms in einer perfekten Edition.

© 2019  Wolfgang Brunner

What’s wrong with you? (2019)

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Originaltitel: What’s wrong with you?
Regie: Sebastian Zeglarski
Drehbuch: Sebastian Zeglarski, Master W
Kamera: Paul Maximilian von Preuss, Markus Innocenti, Ms. Perfect, Resa Elstner
Musik: Axl Wild Productions, European Breakwdown, Donner Music
Laufzeit: 78 Minuten
Darsteller: Sebastian Zeglarski, Missy,  Markus Innocenti, A. Kolnik, Uwe Kolnik, Christian Nowak, Thynomite, Amok Pia
Genre: Horror, Gore, Amateurfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Mann wird durch einen Schicksalsschlag vollkommen aus der Bahn geworfen. Sein Leben gerät aus den Fugen, als er mit den Abgründen seiner Seele konfrontiert wird. Seine  Existenz besteht nur noch aus Wahnvorstellungen und Albträumen. Und immer wieder taucht ein geheimnisvoller maskierter Mann  auf. Realität und Halluzinationen vermischen sich immer mehr. Was stimmt nicht mit dem Mann nicht?

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Es gibt Amateurfilme und es gibt Filme, die von Menschen gedreht werden, die man (fälschlicherweise 😉 ) als Amateurfilmer bezeichnet. „What’s wrong with you“ ist genau so ein Beispiel, denn Regisseur und Hauptdarsteller Sebastian Zeglarski hat ein unglaublich cineastisches Gefühl dafür, eine magische und hypnotische Geschichte zu erzählen. Wenn man bedenkt mit welch geringem Budget Zeglarski diesen Film auf die Beine gestellt hat, fragt man sich unweigerlich, wie das Ergebnis wohl ausgesehen hätte, hätte mehr Geld zur Verfügung gestanden. Fakt ist, dass „What’s wrong with you“ eine innovative Reise ins Innere, ins Seelenleben, eines Menschen ist. Ich bin fast geneigt zu sagen, dass man es filmisch nicht hätte besser ausdrücken können, was in solch einem Menschen gedanklich vorgeht.

„What’s wrong with you“ erinnerte mich in seinen besten Momenten an Kultfilme von Jörg Buttgereit, Olaf Ittenbach oder sogar Peter Greenaway. In philosophisch anmutenden, verklärten Traumsequenzen lässt uns Regisseur Zeglarski am Innenleben eines kaputten, kranken und auch verzweifelten Menschen teilhaben. An vielen Stellen bekam ich eine Gänsehaut und konnte mich überhaupt nicht satt sehen an diesen fantastischen, surrealen Bildern, die auf einen einstürmen. Der Film hat  in manchen Szenen einen hohen Gewaltanteil, der aber erfreulicherweise nie den Mittelpunkt der Geschichte einnimmt. Und genau das ist es, was mich an diesem Film so fasziniert, denn Sebastian Zeglarski geht es in erster Linie um den Menschen und die psychologische Seite seiner Existenz. Die teils brutalen und auch abartigen Szenen wirken niemals abstoßend, sondern fügen sich geschickt in das Gesamtbild des Films ein .Nebenbei bemerkt sind diese Spezialeffekte extrem gut gelungen.

Die Schauspieler mögen zwar in manchen Einstellungen etwas amateurhaft wirken, aber das macht in diesem Fall überhaupt nichts, sondern unterstreicht sogar die Authentizität. Ich bin mit keinen Erwartungen an diesen Film herangegangen, was wahrscheinlich mein Glück war, denn ich bekam etwas zu sehen, mit dem ich niemals gerechnet hätte. Unbedingt zu erwähnen ist auch noch die fantastische Musikuntermalung, die mich unweigerlich an die Werke von Marian Dora erinnert hat. Trotz der „schlimmen“, deprimierenden Geschichte und den brutalen Goreszenen werden die Bilder von melancholischen Melodien untermalt, die emotional berühren. Diese Mischung ist es letztendlich auch, die diesen Film zu einem Must See im Amateurfilmbereich für mich macht. Manchmal habe ich mir gedacht, „What’s wrong with you“ könnte tatsächlich als Extra auf der DVD eines Peter Greenaway Films sein, das zeigt, wie die Anfänge dieses genialen Regisseurs waren. Sebastian Zeglarski hat für mich auf jeden Fall das Zeug dazu, genau solch ein intellektueller und innovativer (Kult-)Regisseur zu werden. Vor allem, wenn man ihm das nötige Budget zur Verfügung stellen würde. Eines ist für mich gewiss: „What’s wrong with you“ hat sich schlagartig in die Top Ten meiner liebsten Independent- und Amateurfilme hochkatapultiert. Ich werde mir diesen Film definitiv noch öfter ansehen. Und das sollte jeder tun, der sich für Filmhandwerk mit Herzblut interessiert.

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Fazit: Innovativ, melancholisch, brutal und … einfach großartig. Muss man gesehen haben.

© 2019  Wolfgang Brunner

Dust Devil (1992)

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Originaltitel: Dust Devil
Regie: Richard Stanley
Drehbuch: Richard Stanley
Kamera: Steven Chivers
Musik: Simon Boswell
Laufzeit: 87 Minuten / Final Cut: 108 Minuten
Darsteller: Robert John Burke, Chelsea Field, Zakes Mokae, John Matshikiza, Rufus Swart, William Hotkins, Terry Norton, Russell Copley, Marianne Sägebrecht
Genre: Horror, Mystery
Produktionsland: Südafrika, Großbritannien
FSK: ab 16 Jahre

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Ein Dämon aus alten Legenden durchstreift in Form eines Gestaltwandlers  die Wüste Namibias. Er sucht Opfer, denn mit jedem Mord wachsen seine Kräfte.
Die junge Wendy flieht vor ihrem tyrannischen Ehemann und begegnet dem geheimnisvollen Wanderer und verliebt sich in ihn.
Währenddessen begibt sich ein ortsansässiger Cop auf die Suche nach dem „Dust Devil“, um ihn ein für alle Mal auszulöschen.

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„Dust Devil“ ist ein zwar in die Jahre gekommener Kultklassiker, der aber bis heute nichts von seinem außergewöhnlichen Reiz verloren hat. Mit einer wilden Mischung aus Horror-Thriller, Mystik und Western schafft es dieser kurzweilige Film auch heute noch absolut zu faszinieren. In hypnotischen Bildern erzählt Regisseur Richard Stanley die Reise eines Wesens aus alten Legenden aus einer anderen Dimension in unserer Realität. Wenn man sich die ersten 10 Minuten von „Dust Devil“ ansieht, fühlt man sich unwillkürlich an eine Umsetzung von Stephen Kings Roman „Schwarz“, dem ersten Teil seiner „Dunklen Turm“- Reihe erinnert. Genauso habe ich mir nämlich zum Beispiel die Hauptperson Roland vorgestellt und nicht wie in der Verfilmung „Der dunkle Turm“. Aber zurück zu „Dust Devil“. Stanley schafft es von der ersten Minute an, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Das liegt vor allem am wunderbaren Agieren des Hauptdarstellers Robert (John) Burke, aber auch an den visuell einwandfreien Aufnahmen, mit denen der Regisseur seine Geschichte erzählt. Hinzu kommt der stimmige und unglaublich atmosphärische Score von Simon Boswell, der das Geschehen auf optimalste Weise untermalt. Seine Mischung aus mystischen, sphärischen Klängen und musikalischen Westernmotiven ist auch ohne Film absolut hörenswert.

Koch Media liegt mit diesem Mediabook sowohl die knapp eineinhalbstündige Kinofassung als auch den eine Stunde und 48 Minuten dauernden Final Cut vor. Gerade letzteren sollten sich Fans dieses Films unbedingt ansehen, denn die ohnehin schon komplexe Handlung wird in diesen zwanzig Minuten weitaus mehr vertieft. Man hätte diesen Plot auch gut und gerne auf drei Stunden ausdehnen können und es wäre nicht langweilig geworden. Die neuen Szenen wurden übrigens, nicht wie man es bei solchen Projekten gewohnt ist, lediglich mit deutschen Untertiteln versehen, sondern sogar neu synchronisiert. Allerdings standen wohl die Originalsprecher und -sprecherinnen nicht mehr zur Verfügung, so dass man in diesen wenigen Szenen auffällig hörbar andere Stimmen vernimmt. Ich persönlich fand das allerdings gar nicht wirklich schlimm.
Was mir bei dieser erneuten Sichtung (ich habe „Dust Devil“ das letzte Mal vor etwa fünfundzwanzig Jahren gesehen) aufgefallen ist, sind die teilweise wirklich krassen Splatter- und Goreeinlagen, bei denen ich mich fragte, warum der Film eine FSK 16- Freigabe erhalten hat. Aber das leidige Thema  FSK hat hier nichts verloren. Freunde von Goreszenen werden bei „Dust Devil“ definitiv ihren Spaß haben, zumal die Effekte allesamt handgemacht und ohne Hilfe von Computer(programmen) angefertigt wurden.

„Dust Devil“ ist für mich heute mehr denn je ein zeitlose Kultklassiker, den man sich immer wieder mal ansehen kann (und auch sollte), denn solche Filme sind in der heutigen Zeit eher selten geworden. Obwohl „Dust Devil“ Anfang der 90er Jahre entstand, wirkt er an manchen Stellen wie ein Werk aus den „goldenen 80er Jahren“. Wer diese kleine Perle noch nicht kennt, sollte dies unbedingt nachholen, zumal es nun eine mehr als würdige Veröffentlichung auf Blu-Ray durch Koch Media gibt.

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Fazit: Tolle Mediabook-Veröffentlichung eines heimlichen Kultfilms. Absolut sehenswert.

©2019 Wolfgang Brunner

One Cut of the Dead (2017)

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Originaltitel: Kamera o Tomeru na!
Regie: Shinichiro Ueda
Drehbuch: Shinichiro Ueda
Kamera: Tsuyoshi Sone
Musik: Nobuhiro Suzuki, Kailu Nagai
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Takayuki Hamatsu,  Mao, Harumi Shuhama, Yuzuki Akiyama,Kazuaki Nagaya,  Manabu Hosoi
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Japan
FSK: ab 16 Jahre

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Die Macher eines Low-Budget-Zombie-Films, der den Titel „One Cut of the Dead“ trägt, drehen in einem verlassenen Fabrikgelände. Es soll ein Film ohne jegliche Schnitte werden und Regisseur Higurashi gibt letzte Anweisungen, bevor er das Set verlässt.Die Dreharbeiten beginnen, doch es ist gar nicht so einfach, einen Zombiefilm zu inszenieren.

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„One Cut of the Dead“ macht es einem wahrlich nicht leicht. Man geht erst einmal natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Film heran, wenn man zum Beispiel Vergleiche wie „Train to Busan“ oder „Shaun of the Dead“ zu hören bekommt. Das suggeriert im Vorfeld bereits eine vollkommen andere Art von Film als  „One Cut of the Dead“ letztendlich ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man nach den ersten zehn Minuten mehr als verwundert und irritiert ist und tatsächlich überlegt, ob man den Film vielleicht doch einfach abschalten sollte. Weitere zehn Minuten später ist man dann sehr nahe dran, das Handtuch zu schmeißen. Und dann wird es plötzlich, nach einer knappen halben Stunde interessant: Der Abspann von „One Cut of the Dead“ flimmert über den Bildschirm. Das macht in erster Linie stutzig und vor allem eines noch: nämlich neugierig.

Das Szenario ändert sich von einem Moment auf den anderen und man wird mit einem komplett neuen Plot konfrontiert. Auch hier dauert es zwar eine Weile, bis man sich daran gewöhnt und sich auf die neue Situation eingelassen hat. Hat man dann aber diese ersten vierzig Minuten dieses Films überwunden, wird man mit einer der genialsten Horrorkomödien, die ich kenne, belohnt. Es ist einfach unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit und Raffinesse die Macher dieses Films den Plot nach dieser völlig unerwarteten Wendung vorantreiben. „One Cut of the Dead“ ist dennoch keine Zombie- Horror-Komödie à la „Shaun of the Dead“, sondern geht definitiv einen absolut anderen Weg. Noch heute, ein paar Tage nach Sichtung dieses Films, zaubern mir einige Einstellungen ein Schmunzeln ins Gesicht. Ich bin noch immer über diesen Ideenreichtum, den „One Cut of the Dead“ bietet, erstaunt und im Nachhinein wundert mich der phänomenale weltweite Erfolg dieser außergewöhnlichen Komödie absolut nicht.

Dieser Film ist ein absolut gutes Beispiel dafür, dass man mit geringfügigen finanziellen Mitteln und nur durch eine geniale Idee einen unterhaltsamen Film drehen kann. „One Cut of the Dead“ sieht man im ersten Drittel das wenige zur Verfügung stehende Budget an, aber nach besagter Wendung vergisst man diese Tatsache und genießt nur noch den ausgeklügelten Witz und die nahezu perfekte Situationskomik, die dieser Low-Budget Film bietet. Ich bin schlichtweg von diesem Streifen begeistert und zudem auch noch sehr beeindruckt, wie die Macher diese Thematik umgesetzt haben. Man sieht, gerade in der zweiten Hälfte, mit wie viel Herzblut alle Beteiligten an die Umsetzung herangegangen sind. „One Cut of the Dead“ ist mit ganz viel Liebe gedreht, was man dem Film unbedingt anmerkt. Wie gesagt, die erste knappe halbe Stunde muss man schlichtweg überstehen und in Kauf nehmen, um dann das geniale Endergebnis zu sehen. Vor allem gibt diese, im Grunde genommen unerträgliche erste halbe Stunde, am Ende absoluten Sinn. Ich bin mir sicher, dass „One Cut of the Dead“ beim zweiten Mal sogar noch besser funktioniert als beim ersten Mal. Dennoch sollte man bei der Erstsichtung definitiv ohne irgendwelche Informationen an diesen Film herangehen.

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Fazit: Herrlich erfrischende Zombie-Komödie, die ihre gesamte Genialität erst in den letzten zwei Dritteln preisgibt.

©2019 Wolfgang Brunner

Monstrum (2018)

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Originaltitel: Muldoe
Regie: Kim Myung-min, Kim In-kwon, Lee Hye-ri, Choi Woo-shik, Park Hee-soon, Lee Kyeong-yeong, Park Sung-woong
Drehbuch: Heo Jong-ho, Dam Heo
Kamera: Kim Dong-young
Musik: Mowg
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Kim Myung-min, Kim In-kwon, Lee Hye-ri, Choi Woo-shik, Park Hee-soon, Lee Kyeong-yeong, Park Sung-woong
Genre: Horror, Action, Abenteuer
Produktionsland: Südkorea
FSK: ab 16 Jahre

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Die Gegend um den Berg Ingwansan im Korea des 16. Jahrhunderts wird von der Pest heimgesucht. Zusätzlich wütet noch eine gefährliche Bestie im Landstrich, die  Menschen jagt und tötet. Der König schickt drei seiner Soldaten ins Gebirge, um das Monster zur Strecke zu bringen.

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Man muss koreanische Filme mögen, um an „Monstrum“ so richtig Spaß zu haben. Es dauert auch eine Weile, bis der Film Fahrt aufnimmt, da er sich anfangs – für meinen Geschmack etwas zu lange – mit historischen Begebenheiten aufhält. Das ist an sich nicht weiter schlimm, könnte aber diejenigen Zuschauer enttäuschen, die einen reinen Monsterfilm erwarten. Es wird eine japanische Legende erzählt, die auch mit allerlei politischen Verstrickungen gewürzt ist. „Monstrum“ ist auf jeden Fall unterhaltsam und, sobald die Kreatur erscheint, auch sehr spannend und kurzweilig. Die Animation des Monsters ist sehr gut gelungen und man hat wirklich richtig Spaß daran, dabei zuzusehen, wie die Bestie von den Menschen bekämpft wird.

„Monstrum“ verströmt eine  Atmosphäre, die man auch aus Filmen von Akira Kurosawa kennt. Kurosawa stammt aus Japan, aber die Kultur, die vermittelt wird, ähnelt sich. Was aber jetzt nicht heißt, dass „Monstrum“ anspruchsvoll wie ein Kurosawa-Film ist.
„Monstrum“ ist ein Unterhaltungsfilm, der zusätzlich noch versucht, historische Begebenheiten einzuarbeiten. Für denjenigen, der sich mit diesem Land noch niemals befasst hat, wirken genau diese historischen Teile etwas langweilig und auch langatmig. Man wartet anfangs vergebens, bis das Monster endlich zu sehen ist. Das könnte, wie gesagt. den ein oder anderen Zuseher etwas zermürben. Andererseits trägt gerade diese Mischung dazu bei, dass sich der Film von anderen des gleichen Genres abhebt. Man sollte deswegen keinen reinen Monsterfilm erwarten, um sich eine diesbezügliche Enttäuschung zu ersparen.

„Monstrum“ ist ein südkoreanischer Film, der sich zwar an manchen Stellen an die europäischen und amerikanischen Gepflogenheiten hält, aber dennoch den Geist des Entstehungslandes widerspiegelt. Mit diesem Wissen kann dieser Film auf alle Fälle unterhalten und ist auch für Europäer interessant. Schauspielerisch kann man ebenfalls nicht meckern, das läuft alles auf respektablem Niveau ab. Auf den ein oder anderen Gag hätte man getrost verzichten können. Diese Witze sollten zwar die Handlung etwas auflockern, verursachten aber (zumindest bei mir), dass man den Film nicht mehr wirklich ernst nimmt, was an sich wiederum schade ist, denn das Monster wirkt an vielen Stellen schon bedrohlich. Aber das ist vielleicht auch die Mentalität der Südkoreaner, die sich hier niederschlägt. Mir hätte der Film weitaus besser gefallen, wären die Macher durchgehend ernst an die Handlung und Inszenierung herangegangen.

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Fazit: Ein Monsterfilm der etwas anderen Art mit gelungenen Effekten.

©2019 Wolfgang Brunner

Santa Sangre (1989)

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Originaltitel: Santa sangre
Regie: Alejandro Jodorowsky
Drehbuch: Alejandro Jodorowsky, Robert Leoni, Claudio Argento
Kamera: Damiele Nannuzzi
Musik: Simon Boswell
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Axel Jodorowsky, Adan Jodorowsky Blanca Guerra, Guy Stockwell, Thelma Tixou, Sabrina Dennison, Faviola Elenka Tapia, Jesús Juárez, Teo Jodorowsky
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Mexiko, Italien
FSK: ab 16 Jahre

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Die Kindheit des kleinen Fenix, der einmal Magier in einem Zirkus werden soll, ist ein wahrer Albtraum. Bei einem Streit trennt sein Vater der fanatisch religiösen Mutter beide Arme ab und bringt sich dann vor den Augen seines Sohnes selbst um.
Fenix landet in einer Nervenheilanstalt. Erst als viele Jahre später seine Mutter wieder in Erscheinung tritt, gelingt Fenix als Erwachsener die Flucht vor seiner Vergangenheit. Doch es ist ein schwerer, blutiger Weg bis zur Erlösung …

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„Santa Sangre“ ist ein Film, der mich Sicherheit nicht jedermanns Geschmack trifft. Es ist eigentlich auch gar nicht verwunderlich, das Jodorowskys kontroverser Film für manch einen zu überlastet wirkt. Denn es sind in der Tat eine Unmenge an symbolträchtigen Aphorismen versteckt, die den Film bei der ersten Sichtung förmlich überfluten. Genau das wirkt wahrscheinlich auf viele Zuseher viel zu intellektuell und überladen. Wer sich aber auf Jodorowksys Visionen einlassen kann, der wird mit einem wahnsinnig innovativen und ideenreichen Spektakel belohnt. „Santa Sangre“ ist für mich irgendwie wie eine Mischung aus Filmen von Lars von Trier, Peter Greenaway, Federico Fellini oder an manchen Stellen sogar Werner Herzog. „Santa Sangre“ hat mich tief berührt und oftmals zum Nachdenken gebracht.
Vor allem, ohne jetzt spoilern zu wollen, die Szene, in der Mutter und Vater streiten, stellt für mich eine grandiose Schlüsselszene des gesamten Films dar und hat mich enorm beeindruckt. Da kommt eine Intensität zum Tragen, die mich nicht nur während des Ansehens, sondern auch noch Tage danach schlichtweg umhaut.

Schauspielerisch möchte ich es fast Meisterleistungen nennen, die die Akteure hier abliefern. Denn es ist mit Sicherheit nicht einfach, Jodorowskys skurrile, groteske und teils makabren Visionen zum Leben zu erwecken. Die Schauspielerei wirkt an vielen Stellen theatralisch, was dem Film aber zusätzlich noch einen besonderen Reiz verschafft, dem man sich schlecht entziehen kann, sofern man sich, wie oben bereits erwähnt, darauf einlassen kann. Zumindest auf mich hat der Film einen unglaublichen Sog ausgeübt. „Santa Sangre“ dürfte Jodorowskys zugänglichster Film sein, denn mit seinen bekanntesten Werken „El Topo“ oder „Der heilige Berg“ hat der Regisseur die Geschmäcker der Kinozuschauer weitaus mehr gespalten und strapaziert. „Santa Sangre“ wirkt wie ein irrer Trip ins eigene Ich und konfrontiert den Zuschauer mit Dingen, die einem Albtraum entsprungen erscheinen. Die unglaublich intensive Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Film.

„Santa Sangre“ ist kein weiterer „El Topo“ und hat im Grunde genommen wenig mit dem Einfallsreichtum und Mystizismus von „Der heilige Berg“ zu tun, mit dem Jodorowsky keine Geschichte erzählen, sondern eine Erfahrung mit dem Publikum teilen wollte. Jodorowsky wendet sich fast schon an das Mainstream-Publikum, wenn er seine authentische und äußerst wuchtige Geschichte einer gequälten Seele in Szene setzt. Unverändert allerdings sind seine kraftvollen, ausdrucksstarken Bilder, die lange nachwirken. Dennoch ist „Santa Sangre“  absolut kein massentauglicher Film, sondern eher unbequem, visionär und absurd. Ein Gemisch aus wahnwitzigen, poetischen, philosophischen und blutig-brutalen Ideen. „Santa Sangre“ ist einerseits ein Horrortrip, andererseits eine Art Psychothriller, der unter die Haut geht. Das Publikum wird von beeindruckenden, aber auch gewalttätigen Bildern überflutet. Das Begräbnis eines Elefanten hat Kultstatus erreicht und auch die ein oder andere Szene könnte irgendwann einmal Filmgeschichte sein. Wer echtes, emotionales und künstlerisches Kino erleben will, sollte sich „Santa Sangre“ unbedingt ansehen. Für mich ein Meisterwerk.

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Fazit: Wahnwitziges, poetisches, philosophisches, surreales und blutig-brutales Meisterwerk.

© 2019 Wolfgang Brunner