Das schwäbische Sägewerkmassaker 1 & 2 (2015/ 2019)

 

Originaltitel: Das schwäbische Sägewerkmassaker
Regie: Madman Marv
Drehbuch: Madman Marv
Kamera: Ronny Zito, El Excremento
Musik: Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)
Laufzeit: Teil 1: 23 Minuten / Teil 2: 35 Minuten
Darsteller: Teil 1 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Thomas K., Nosegrinder, Flo Grinder, Kelly Carlito
Teil 2 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Schenzellot, Iggi Braineater, Zwenner, Christoph Choleriko, Alex Armageddon, Hugo, Joe, Nasus Grindus, Hiller
Genre: Horror, Splatter, Kurzfilm, Amateur, Independent
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Serienkiller ist in Schwaben unterwegs. Er macht Jagd auf die Mitarbeiter eines Sägewerks und schreckt vor nichts zurück …

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Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich für die beiden Teile jeweils eine separate Rezension verfasse. Letztendlich habe mich aber dazu entschieden, eine Gesamtbesprechung zu schreiben, denn die Filme gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen, obwohl zwischen den beiden Werken ein qualitativer Unterschied besteht.
Teil 1 dieses abgefahrenen Amateursplatters wirkt tatsächlich so richtig amateurhaft, was aber wiederum absolut unterhaltsam (und äußerst sympathisch) wirkt. Man spürt den Spaß in jeder Filmminute, den die ‚Schauspieler‘, aber auch das ganze Team während der  Dreharbeiten hatten. Ich fühlte mich sofort wieder an die eigene Zeit erinnert, als ich ebenfalls solche ‚Projekte‘ mit Freunden auf die Beine gestellt habe (welcher Filmfreak hat das nicht bereits als Kind und/oder Jugendlicher gemacht? 🙂 )
Interessant sind auf jeden Fall die zahlreichen Anspielungen auf Kultfilme und Klassiker aus dem Horrorgenre. Wenn zum Beispiel Lucio Fulci als ehemaliger Chef des Sägewerks betitelt wird, finde ich das schon ziemlich geil.

Nun aber zum Inszenierungsstil beziehungsweise den Schauspielleistungen und Spezialeffekten. Man merkt eindeutig, dass Regisseur Madman Marv ein Liebhaber der 80er Jahre-Horrorfilme ist, denn in vielen Einstellungen sieht man, wie er seinen Vorbildern nacheifert und dies auch oft überzeugend erreicht. Beide Teile von „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ darf man nicht sonderlich ernst nehmen, viel zu viel Klamauk (und Spaß an der Freude) stecken darin, aber dennoch gibt es die ein oder andere Einstellung, die ein Gespür für cineastische Dramaturgie verrät. Das Endergebnis ist schlichtweg ein absolut toller Spaß, dem man gerne zusieht. Die derben Spezialeffekte schwanken zwischen übertrieben simpel und ganz gut gelungen. Aber auch hier ist einfach ausschlaggebend, welche Intentionen dahinterstecken und man muss schon sagen, dass selbst die (für viele mit Sicherheit lächerlich wirkenden) Splattereinlagen dennoch auf gewisse Art und Weise eine Wirkung zeigen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mit sozusagen keinem Budget auf die Beine gestellt wurden. Ich mochte es auf jeden Fall. 😉

Schauspielerisch kann man nicht viel sagen, denn alle Akteure sind durch die Bank Amateure. Doch zumindest aus dieser Sicht haben sie ihre Sache ausnahmslos gut gemacht und, wie schon erwähnt, der Spaß ist es, der bei diesen beiden Kurzfilmen zählt. Während man den ersten Teil mit seinen übertriebenen Verkleidungen überhaupt nicht ernst nehmen kann (und auch nicht soll), sieht es beim zweiten Teil schon ein wenig anders aus. Die Schauspieler agieren bedeutend besser und auch die Inszenierung gibt sich um ein Vielfaches Mühe, etwas ernster zu wirken. Das funktioniert genauso gut wie die Effekte, die bedeutend brutaler und auch glaubwürdiger ausfallen, obwohl man sich auch hier wieder mit den einfachsten Mitteln hilft.
Erwähnenswert ist unbedingt noch der Score von Musica Non Grata, hinter dem sich Stephan Ortlepp verbirgt. Die Sounds und die Musik haben wir supergut gefallen und den Filmen zu einer Atmosphäre verholfen, die ohne die Klänge nicht vorhanden gewesen wäre.

Insgesamt haben mich beide Teile auf gewisse Art und Weise begeistert (klingt komisch, ist aber so), weil ich mich wirklich hervorragend (übrigens ohne Alkohol 😉 ) amüsiert habe und den fühlbaren Spaß der Macher beim Zusehen gespürt habe. Handlungstechnisch geben die beiden Kurzfilme nichts her, müssen sie aber auch gar nicht, denn das erwartet niemand von einem derartigen No Budget-Amateurfilm. Hier heißt es wirklich: Hirn aus und die flachen Witze und stümperhaften (aber dennoch geschickt) gemachten Effekte einfach auf sich einprasseln lassen. Es ist ein besonderer Humor, der einen hier erwartet, und man mag ihn entweder und schüttelt verständnislos den Kopf. Ich mag ihn und werde mir beide Filme bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmals ansehen. Außerdem freue ich mich jetzt umso mehr auf den ersten Langfilm von Madman Marv mit dem Titel „Die Dämonische Mörderoma“, den René Wiesner bereits gesehen und rezensiert hat.

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Fazit: Man kann diese beiden Kurzfilme genau genommen gar nicht richtig bewerten, sondern müsste eher eine Amüsierskala einführen und verwenden. Auf dieser erreichen sie bei mir allerdings auch auf alle Fälle das obere Viertel.

© 2019 Wolfgang Brunner

Montrak (2017)

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Originaltitel: Montrak
Regie: Stefan Schwenk
Drehbuch: Stefan Schwenk
Kamera: Marco Kies, Florian Weich
Musik: Myra
Laufzeit: 121 Minuten
Darsteller: Julia Dietze, Florian Freiberger, Csoma Shiva Hagen, Dustin Semmelrogge, Cosma Shiva Hagen, Martin Kesici, Adam Jaskolka, Sönke Möring, Udo Schenk, Nikolai Will, Ralph Stieber
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

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Der Burggraf Montrak wird im Mittelalter durch einen Ring, der Luzifer gehört, in einen Vampir verwandelt. Als die Menschen ihn jagen, lässt er sich töten, damit der Mythos seines Vampirdaseins in Vergessenheit gerät. In der Gegenwart verschwinden dann in Deutschland immer mehr Menschen. Man vermutet anfangs, dass Wölfe dahinter stecken, doch es sind Vampire. Montraks Untertanen wollen einen neuen Meister erwecken, der ihnen die Herrschaft über die ganze Welt verschaffen soll. Eine kleine Gruppe von Menschen stellt sich der Bedrohung in den Weg.

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Da ist er nun also: „Montrak“, der Vampirfilm von Stefan Schwenk, der durch eine Startnext-Kampagne ermöglicht werden konnte. Und was soll ich sagen? Das Warten hat sich eindeutig gelohnt. Schwenk hat eine Art Episodenfilm geschaffen, der sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt und ein stimmiges Gesamtbild am Ende ergibt.
Was mir schon am gleich am Anfang aufgefallen ist, ist die wunderbare Musik von Myra. Da kam sofort ein 80er Jahre Flair auf, dass mich in seinen Bann gezogen hat. Es gab einige Szenen, die mich gerade durch diese fantastische Musikuntermalung an einen Film von John Carpenter erinnert haben. Aber der Score ist natürlich nicht alles, was diesen deutschen Film ausmacht.

Schwenk hat ein geschicktes Händchen, was das Inszenieren eines Films angeht. Wunderbare Natur- und Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit stimmungsvollen Bildkompositionen ab, die sehr professionell wirken. Durch die episodenartige Erzählweise kommt in zwei Stunden Laufzeit niemals Langeweile auf, denn man möchte natürlich wissen, wie es weitergeht und wo die Verbindung zwischen den Geschichten steckt. Mir persönlich hat übrigens Kapitel 2 besonders gut gefallen, in dem der Bauer die Saat des Bösen weiterträgt. Schwenk hat auch eine ansehnliche Schauspielerriege um sich versammelt, die durchwegs kompetente Arbeit abliefert. Manchmal geht es auch so richtig zur Sache, wenn zum Beispiel die Vampire ihre Angriffe starten. Die Spezialeffekte sind durchwegs gelungen und wirken ebenfalls äußerst professionell.

Stefan Schwenk ist eindeutig ein Filmfreak. Und wenn man genauer hinsieht, entdeckt man unzählige Anspielungen auf Horrofilmklassiker der 80er Jahre wie z.b. „Lost Boys“, „Highlander“, „Terminator“, „Near Dark“ und eben auch Carpenter Filme. „Montrak“ macht einfach Spaß und kann sich in vielerlei Hinsicht mit ausländischen Produktionen messen. Es ist wirklich erstaunlich, mit welch relativem geringem Budget Stefan Schwenk diesen Film auf die Beine stellen konnte. Hier wird in erster Linie mit Schauspielerei, filmischer Inszenierung und gekonnten Schnitten und Musikeinsätzen gearbeitet, was den Film ohnehin sympathisch macht.
Schwenks „Montrak“ kann sich sehen und hören lassen. Schwenk, der übrigens bei Olaf Ittenbachs „Legend Of Hell“ auch die Regieassistenz übernommen hat, arbeitete fünf Jahre lang an diesem Film und wenn man sich das vor Augen hält, erkennt man vielleicht, wie viel Herzblut in diesem Projekt steckt. Erstaunlicherweise verhält es sich auch so, dass Schwenk die wenigen Momente, in denen der Film amateuermäßig wirkt (beziehungsweise wirken könnte 😉 ), so geschickt mit Schnitten und stylischen Einstellungen / Bildern kaschiert, dass es letztendlich gar nicht richtig auffällt.

Mir persönlich hat „Montrak“ wirklich sehr gut gefallen, auch wenn ich mir beim Drehbuch ein wenig mehr Raffinesse gewünscht hätte. Aber in erster Linie soll solcherart Film erst einmal unterhalten und das tut er auf alle Fälle. Schwenkt bringt keinen frischen Wind in das Vampirgenre, sondern versteift sich eher auf Gewohntes. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn wichtig ist, wie er es macht. Und, wie oben schon erwähnt, seine Anspielungen auf Klassiker bis hin zu einem eignen kleinen Cameo-Auftritt machen diesen Film zu etwas besonderem in der deutschen Filmlandschaft, in der in der Regel nur flache Komödien (pseudo-)erfolgreich sind oder von Produzenten unterstützt werden. Umso genialer empfinde ich es, dass sich das Label Nameless diesem Film angenommen und in einem schicken Mediabook veröffentlicht hat. Man wünscht sich eindeutig mehr solcher Produktionen und ich will gar nicht daran denken, was für ein Hammerfilm herausgekommen wäre, hätte Stefan Schwenk das zehnfache Budget zur Verfügung gehabt.

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Fazit: Hochwertiger, stylischer Vampirfilm aus Deutschland, der absolute Professionalität zeigt.

© 2019 Wolfgang Brunner

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Swedish Horse Movie [Hästfilmen] (2018)

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Originaltitel: Swedish Horse Movie
Regie: Yngve Stigberg
Drehbuch: Yngve Stigberg
Kamera: Daniel Falk
Sound: Patrik Brander
Laufzeit: 17 Minuten
Darsteller: Emil Levin, Eliza Sica, Kristoffer
Genre: Drama, Indiefilm
Produktionsland: Schweden
FSK: in Deutschland unveröffentlicht

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Ein Mann kehrt nach zweiwöchiger Arbeit zurück nach Hause, wo seine Frau auf ihn wartet. Beim gemeinsamen Abendessen treten allerhand Beziehungsprobleme zutage. Eines davon ist das Familienpferd, ein Hengst.

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Der Titel ließ mich einen Moment zögern, da ich schon dachte ins falsche Regal gegriffen zu haben, erinnert er doch an so berüchtigte Titel wie Vase de Noces, der auch unter dem Namen The Pig Fucking Movie bekannt ist. Da Swedish Horse Movie (alternativ Hästfilmen) offensichtlich aus Skandinavien kommt, musste ich auch einen Moment an Animal Farm denken, aber da bin ich wahrscheinlich der Einzige. Vergessen wir das…

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Der Schwarz-Weiß-Kurzfilm beginnt mit einem Nachruf auf den schwedischen Regisseur Ingmar Bergman, der 2018 100 Jahre alt geworden wäre. Das verwundert nicht, haben in den letzten Jahren doch mehrere junge schwedische Filmemacher, wie u.a. Gustav Ljungdahl (Root of Darkness, 2016) sich dem filmischem Nationalerbe angenommen und es neu interpretiert. So handelt es sich bei diesem Indiefilm erfrischender Weise auch um keine Blut-und Gewaltorgie, wie es häufig der Fall ist. In erster Linie handelt es sich um ein Drama, welches stilistisch stark an Bergmans Werk angelehnt ist. Besonders der Anfang und das Ende sind sehr ruhig und dialogisch gehalten und legen das Augenmerk auf die Beziehung der Protagonisten. Verlustängste, Ansprüche und Bedürfnisse, denen innerhalb in der Beziehung nicht nachgekommen wird, sind der Auslöser ihrer Probleme. In Ermangelung von Nähe und Wärme, die die Frau in der Beziehung nicht findet, treibt es sie in eine Affäre mit dem Pferd. Das Pferd ist in diesem Fall ein comichaft-maskierter Mann mit übernatürlichem Gemächt, der hier eine metaphorische Aufgabe erfüllt. Für den Protagonisten ergibt sich daraus nur eine Möglichkeit zur Restauration seiner Maskulinität: die Kastration des Hengstes zu sakralen Klängen. Bevor er wieder zur Arbeit aufbricht übergibt er das Genital seiner Frau als Geschenk um klarzumachen, dass er wieder da ist. Freud lässt grüßen!

Der Film ist Teil der Anthologie Chunks of Horror, die man sich für einen kleinen Obolus auf Vimeo anschauen kann.

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Fazit: Sehenswerte Mischung aus Indiekomödie und Bergman’schem Drama.

© René Wiesner 2018

Michael – (K)ein harter Vampirfilm (2017)

Originaltitel: Michael – (K)ein harter Vampirfilm
Regie: José Hidalgo
Drehbuch: José Hidalgo, Kirsten Rusche
Kamera: Niklas Meyer
Musik: José Hidalgo, Marius Knetsch, Adrian Wojtynek
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Jörn Guido, José Hidalgo, Simone Kaufmann, Klaus Thiel-Klenner, Evelyn Fytter, Andreas Rimkus
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Mit Erschrecken muss Michael feststellen, dass sein „bestes Stück“ nicht mehr funktioniert. Deprimiert wegen seiner verlorenen Männlichkeit beginnt er zusammen mit seinem Freund Mumu und dessen Freundin Lola nach den Ursachen zu suchen. Nach einer gründlichen, ärztlichen Untersuchung lautet die Diagnose: Michael ist tot. Und die Tatsache, dass er nicht fotografiert werden kann, lässt den Schluss zu, dass er sich zu einem Vampir verwandelt hat. Michael und seine Freunde machen sich auf die Suche nach der schuldigen Vampirin. Begleitet werden sie von Michaels Vater, einem Priester, der Spezialist im Töten solcher Ungeheuer ist.

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Der deutsche Independet-Film bietet immer wieder mal Überraschungen. So auch die herrlich schräge und von Filmzitaten strotzende Vampir-Komödie „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ des Regisseurs José Hidalgo. Schon am Anfang begann ich an „Night Of The Living Dead“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ zu denken, als ich die Einstellungen mit Pater Engelbert (übrigens absolut gelungen dargestellt von Klaus Thiel-Klenner) sah. Und in ähnlichem Stil setzt Hidalgo seine Hommage an unzählige Horrorfilme und -bücher fort. Man muss schon genau aufpassen, um alles zu registrieren, denn unentwegt entdeckt man versteckte Anspielungen auf bekanntere und unbekanntere Kultfilme sowohl in Bild als auch Ton. Genial fand ich auch, dass literarische Größen wie zum Beispiel Anne Rice, Dean Koontz, Stephen King und Bram Stoker einen Platz unter den Vorbildern ergattert haben. Es ist wirklich eine wahre Freude, dem Protagonisten bei der Suche nach seiner fehlenden Männlichkeit zu begleiten. Womit ich auch schon bei einem sehr großen Pluspunkt dieser eigenwilligen Produktion lande: der Humor. Deutsche Filme und Humor passen für mich in den seltensten Fällen zusammen, denn meist endet diese Mischung (zumindest in Deutschland) in einer peinlichen Abfolge unlustiger Klamaukeinlagen. Nicht so bei „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“. Auch wenn nicht jeder Gag sitzt, so kann man sich über die meisten wirklich so richtig amüsieren und auch schon mal lauthals lachen. Die Situationskomik funktioniert bestens, was vielleicht sogar daran liegt, dass die Schauspieler so manches Mal amateurhaft wirken. Aber genau das ist es auch, was den Humor so trocken und eben auch authentisch wirken lässt. Ich war jedenfalls vollkommen angetan davon.

Inszenatorisch kann man nicht meckern, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese liebevolle Produktion ein Budget von lediglich etwa 17.000 Euro zur Verfügung hatte. Da hat Hidalgo ganz schön was auf die Beine gestellt. Schauspielerisch konnte  mich am meisten Klaus Thiel-Klenner überzeugen, der mir schon bei „Z-Office“ sehr gut gefallen hat. Aber auch José Hidalgo brachte mich mit seinem trockenen Humor immer wieder zum Schmunzeln. Jörn Guido war in der Hauptrolle ebenfalls überzeugend und passte sich hervorragend dem Team an. Der Spaß während des Drehs ist in jeder Einstellung spürbar. Leider passt der Soundtrack nicht immer hundertprozentig zum Filmgeschehen. An manchen Stellen ließe ich mir das durchaus gefallen, an anderen hätte ich mir mehr Dramatik im Score gewünscht (zum Beispiel im Endkampf). Ich bin nicht sicher, ob das so gewollt ist.

„Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ ist zwar ein Amateurfilm, aber mit vielen professionellen Ansätzen. Jegliche Amateurhaftigkeit, die sich definitiv nicht durch den ganzen Film zieht, sondern sich nur auf einzelne Szenen beschränkt, wird durch die durchwegs sympathischen Darsteller und den wirklich witzigen Wort- und Situationswitz eingedämmt. Dazu gesellen sich die, wie oben schon erwähnt, zahlreichen und genial verstreuten Zitate aus anderen Filmen, die die Komödie noch einmal gehörig auflockern und den Film zu einem kurzweiligen Ereignis machen. „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ will nicht ernst genommen werden, sondern einfach nur intelligent und amüsant unterhalten. Und das tut er auf ganzer Linie. Der Film wurde sichtlich mit viel Hingabe und Liebe zum Film inszeniert und funktioniert in vielerlei Hinsicht. Hier waren unübersehbar Filmfans am Werk, die ein Feuerwerk an witzigen Ideen abliefern, von denen man gar nicht genug bekommen kann. Hätte mehr Budget zur Verfügung gestanden, wäre „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ sicherlich einem breiteren Publikum zugänglich und ein Kultfilm unter den deutschen Horror-Komödien geworden. So aber hat nur ein auserwählter Kreis von interessierten Independentfilm-Zuschauern das Privileg, dieses witzige Spektakel zu genießen. Da fragt man sich, warum solche einfallsreichen Regisseure wie José Hidalgo keine Unterstützung von zum Beispiel Fernsehsendern bekommen.
Wer aber den Regisseur dabei unterstützen möchte, dass dieser wunderbare Film auf DVD erscheint, kann dies bei der Startnext Crowdfunding Kampagne unter https://www.startnext.com/michael-vampirfilm tun.

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Fazit: Ein filmisches Feuerwerk mit unzähligen Anspielungen auf Kultfilme und einem außergewöhnlichen Humor. Mehr davon!

© 2017 Wolfgang Brunner

Filmprojekt „Feed The Reapers“

Und wieder einmal will ein Herzensprojekt im Horrorgenre an den Start gehen. Deutsche Independentfilme sind oft schwer zu realisieren, obwohl schon des öfteren gezeigt wurde, wie stark solche Filme sein können. Mit „Feed The Reapers“ möchte Regisseur Gero Sammrey einen Genrefilm umsetzen, den wohl jeder, der auf die Horrorklassiker der 80er Jahre steht, gerne sehen würde. Das kann man auch schon klar und deutlich an dem wunderbaren und aussagekräftigen Filmplakat erkennen.

Ein verlassenes Gasthaus, ein ehrgeiziger, genialer Wissenschaftler und jede Menge handgemachte, blutige Effekte stehen im Mittelpunkt des geplanten 50 bis 60 Minuten langen Films. Kim und Denny suchen das Abenteuer und gelangen an ein verlassenes Gasthaus. Doch schon bald muss das Pärchen feststellen, dass etwas nach ihrem Leben trachtet. Doch das ist noch nicht alles, denn in einem Labor versucht ein Wissenschaftler ein bahnbrechendes Medikament für die Zukunft zu erschaffen, ein Geschenk für die Menschheit, für den Patienten jedoch die Hölle.

Kling unglaublich interessant, wie ich finde, und wenn man sich die Beschreibung des Crowdfunding-Projekts durchliest, kann man sich vorstellen, dass einen ein liebevoll inszenierter Herzblut-Horror mit einer tollen Atmosphäre erwartet. Ein paar namhafte SchauspielerInnen haben bereits zugesagt, an dem Projekt mitzuwirken, sollte das finanzielle Ziel erreicht werden: Susen Ermich zum Beispiel, die in Andreas Marschalls „Masks“  mitgewirkt hat. Außerdem wären da noch Barry D. Fallow, Annika Grobau und Moloch, den viele bereits unter anderem aus „Interimere“, „Dogma Dogma“ oder jüngst „Z-Office“ oder „Hi8: Ressurrectio“ kennen.
Das klingt alles sehr vielversprechend und sollte unterstützt werden. Gerade weil dieses Projekt von Menschen gemacht wird, die sich nicht viel um Mainstream und andere Vorgaben scheren, sondern mit dem Herzen dabei sind. Ein Film von Filmfreaks für Filmfreaks – kann es etwas besseres und ehrliches geben?
Regisseur Sammrey will wohl eine wilde Mischung aus 80er Jahre-Slasher und verrücktem Wissenschaftler á la „Re-Animator“ auf die Beine stellen, wie er sich auf der Projektbeschreibung ausdrückt.

Momentan wird noch eifrig geplant, das Drehbuch effektvoll und dramaturgisch umgeschrieben, designt und vorbereitet. Das Projekt läuft also in der Vorbereitungsphase bereits auf Hochtouren und wartet nur noch auf die finanzielle Unterstützung von Horrorfans. Und das kann und sollte man unbedingt auf folgender Seite tun —> FEED THE REAPERS CROWDFUNDING


Rechts: Regisseur Gero Sammrey Links: Autor Robert Gryczke
© Samrec.ordz / Katrin Steffer

Ich hoffe sehr, dass das Crowdfunding-Projekt gelingt und die Dreharbeiten endlich beginnen können. Ich bin sicher, dass auch „Feed The Reapers“ beweisen würde, dass der deutsche Independent-Horrofilm mehr denn je lebt. Also, mitmachen … Cast und Crew freuen sich darüber.

© 2017 Wolfgang Brunner

 

Der Babadook (2014)

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Originaltitel: The Babadook
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Kamera: Radoslaw Ladczuk
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West, Benjamin Winspear
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Samuels Mutter hat ihren Mann verloren und muss sich nun alleine um den Jungen kümmern. Als sie ihm eines Tages ein Kinderbuch mit dem Titel „Der Babadook“ vorliest, glaubt Samuel darin das Monster aus seinen Träumen zu erkennen. Seine Angst wird von Tag zu Tag schlimmer und ergreift schließlich auch seine Mutter. Alpträume und Realität verschmelzen miteinander zu einem erschreckenden Gesamtbild.

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Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei diesem Film die Meinungen sehr weit auseinandergehen. Die einen sind hellauf begeistert und bezeichnen „Der Babadook“ als besten Horrorfilm des Jahres, die anderen können dem Genremix wohl wenig bis gar nichts abgewinnen.
Ich wusste nicht, was mich erwartete, folglich ging ich also völlig unvoreingenommen an diesen Film heran. Und das war auch genauso gut, wie die Tatsache, dass ich mich von den schlechten Meinungen, die ich im Vorfeld gelesen hatte, nicht habe abschrecken lassen. Denn was Jennifer Kent hier abgeliefert hat, hat mich tief beeindruckt. Die Mischung aus Horror und Familiendrama hat mich voll erwischt und gänzlich in Atem gehalten. Man merkt kaum die Grenze, bei der die „normale“ Horrorstory in ein tiefgründiges, äußerst deprimierendes Psychodrama abdriftet. Mit einer unglaublichen Intensität inszenierte Kent eine Geschichte, in der das Gehirn eines Menschen immer krankhafter wird und schließlich die Grenze zwischen Realität und Einbildung vollkommen miteinander verschmelzen lässt.

Essie Davis stellt die kranke Mutter hervorragend und absolut überzeugend dar, während Noah Wiseman seine Rolle zwar ebenfalls gut spielt, aber leider mit einem teilweise sehr nervigen Charakter „gestraft“ ist. Es gibt manche Stellen, da wünschte ich mir, ein anderer Junge hätte diese Hauptrolle übernommen. Zu übertrieben wird die Angst dargestellt, dass sie oftmals leider nicht wirklich glaubhaft wirkt, sondern  gestellt. Das schadet dem Film aus meiner Sicht sehr, denn die wirklich hervorragende Stimmung wird dadurch an einigen Stellen leider zunichte gemacht.

Jennifer Kents Horrordrama arbeitet weniger mit klassischen Horrorelementen, obwohl der ein oder andere Schockmoment mit dabei ist, sondern zeigt, wie sich die Geborgenheit eines Kindes unter der Obhut seiner Mutter immer mehr zerbricht. Das ist schockierend und sehr dramatisch aufgezeigt und nimmt den Zuschauer, der sich auf solch ein Psychospiel einlassen kann, absolut mit.

„Der Babadook“ ist ein Hochglanzfilm mit einer erschütternden Thematik geworden, den ich im Grunde genommen gar nicht in die Kategorie „Horrorfilm“ stecken würde. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum viele Zuschauer absolut enttäuscht von diesem unterschätzten Film sind. Da gibt es keine spektakulären Spezialeffekte, keine übermäßigen Schockeffekte und kein Blut spritzt. Das Fehlen dieser Dinge bei einem Film, lässt diesen in der heutigen Zeit leider sehr schnell in die Kategorie „Langweiliger Müll“ fallen. Wer jedoch ein bisschen Hirn besitzt und sich nicht nur von Effekten blenden lassen kann, sondern auch einen mit Fingerspitzengefühl inszenierten Horror des wirklichen Lebens versteht, wird diesen Film so schnell nicht vergessen.
Für mich eindeutig eine Perle unter den heutigen „Horrorfilmen“, gerade weil er einen Horror zeigt, der passieren könnte. Und welcher Horror wäre schlimmer für ein Kind, als seine Familiengeborgenheit auf die hier gezeigte Art und Weise zu verlieren?

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Fazit: Kein Horrorfilm, sondern ein erschreckendes Psychogramm einer Mutter, die durch den Tod ihres Mannes den Bezug zur Realität verliert und ihrem Sohn das einzige nimmt, das ein Kind in  diesem Alter braucht: Geborgenheit! Horror aus dem wirklichen Leben.

© 2016 Wolfgang Brunner

Barricade (2007)

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Originaltitel: Barricade
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose, Ted Geoghegan
Kamera: Matthias Jakubski, Timo Rose
Musik: Timo Rose
Laufzeit: 96 Minuten
Darsteller: Raine Brown, Joe Zaso, André Reissig, Thomas Kercmar, Manoush, Andreas Pape, Sebastian Gutsche, Stefan Lenger, Tanja Karius, Timo Rose
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ?

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Nina, Michael und dessen Kumpel David beschließen, einen kleinen Ausflug in den Schwarzwald zu unternehmen. Dort werden sie von einem mysteriösen Fremden gewarnt, dass sie umkehren sollen. Doch die drei ignorieren die Warnungen des Fremden und setzen ihren Ausflug fort. Doch bald treffen sie auf eine irre Kannibalenfamilie, die seit Jahren in den Wäldern haust und bereits auf sie wartet …

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Nachdem mich Timo Roses „Nature“, „Death Wish Zero“ und „Reeperbahn“ in letzter Zeit absolut begeistert haben, wage ich mich nochmals an seine älteren Produktionen heran.  Seinen „Lord Of The Undead“ und die „Mutation“-Trilogie habe ich nur noch schwach in Erinnerung. Nun habe ich mir aber „Barricade“ nochmal gegeben. 😉
„Hostel“, „The Hills Have Eyes“
und „Texas Chainsaw Massacre“ waren wohl die Vorbilder, die Timo Rose in seinem Backwood-Gore-Slasher „Barricade“ verwurstelte. Alle drei genannten Kultfilme fand ich persönlich gleichwertig oder sogar schlechter als Timo Roses Schlachtfest. „Hostel“ war eh noch nie mein Fall und die Originalversionen der anderen beiden Filme finde ich mittlerweile einfach vom Inszenierungsstil etwas überholt. Hätte Rose mehr Geld und etwas bessere Schauspieler zur Verfügung gehabt, wäre „Barricade“ eine schockierende Foltertour in deutschen Wäldern geworden. Ich will damit nicht sagen, dass die Schauspieler schlecht gewesen sind, im Gegenteil: Sie haben ihre Sache wirklich gut gemacht, aber in manchen Szenen hätte ich mir einfach mehr Professionalität gewünscht.
Schnittechnisch wurde ebenfalls sehr gute Arbeit geleistet, allerdings hätte man im finalen Kampf vielleicht auf die extrem schnellen Schnitte und leicht gekünstelt wirkenden Wiederholungen verzichten sollen. Da wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Wie es bei derartigen Filmen meist der Fall ist, erfährt man auch hier wenig bis gar nichts über die Hintergründe der metzelnden Kannibalenfamilie. Das finde ich aber gar nicht weiter schlimm, denn bei solchen Gore-Genrebeiträgen erwartet man weniger Tiefgang in der Handlung als vielmehr tiefgreifendes Herumwühlen in verstümmelten Körpern. Und das bekommt man hier eindeutig geliefert, wenngleich sich das blutige Foltergemetzel eher am Ende des Films befindet. Dennoch kam für mich niemals Langeweile auf, weil sich bereits in „Barricade“ ein Inszenierungsstil Roses abzeichnet, den er mit seinen letzten Filmen „Death Wish Zero“ und „Reeperbahn“ perfektionierte. Atmosphärisch stimmige Bilder lösen sich bei „Barricade“ mit leicht amateurhaft wirkenden ab, was der morbiden Stimmung des Gesamtwerks allerdings keinen Abbruch tut. An einigen Stellen, meist im Haus der abartigen Familie, wird die Kamera schockierend nah an exzessive Folterungen und/oder blutspritzenden Wunden gehalten, dass es einem wie ein Schlag in den Magen vorkommt. Rose überschreitet Grenzen und will damit schockieren. Und das gelingt ihm allemal besser als so einigen Backwood-Slasher-Trittbrettfahrern, die bedeutend mehr Budget zur Verfügung hatten.

Timo Rose bewegt sich mit „Barricade“ zwar noch irgendwie im Independent-Amateurfilm-Bereich, zeigt aber zwischendurch unglaublich gekonnte Professionalität, die begeistert. Auch der von Rose selbst komponierte Soundtrack ist absolut passend und stimmig. Fast wie bei den  Filmen von Marian Dora setzte sich bei mir während des Films immer mehr ein unangenehmes Gefühl in der Bauchgegend fest, das mit Sicherheit von den harten und brutalen Goreszenen verursacht wurde. Rose bewegt sich mit seinem Kannibalen-Slasher eindeutig bereits auf seinen heutigen Inszenierungsstil zu. Mit mehr Budget hätte er mit Sicherheit einen beeindruckenden und vor allem schockierenden, im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut gehenden“ Film abgeliefert.
Ach ja: Und den Kurzauftritt von Rose selbst fand ich äußerst gelungen.

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Fazit: Blutig und schockierend verlegt Timo Rose den amerikanischen Backwood-Slasher in deutsche Wälder. Freunde des Gore-, Trash-, Splatter- und deutschen Independent-Films dürften ihre Freude an Timo Roses „Barricade“ haben.

© 2015 Wolfgang Brunner