Pod (2015)

Pod

Originaltitel: Pod
Regie: Mickey Keating
Drehbuch: Mickey Keating
Kamera: Mac Fisken
Musik: Giona Ostinelli
Laufzeit: 78 Minuten
Darsteller: Lauren Ashley Carter, Dean Cates, Brian Morvant, Larry Fessenden, John Weselcouch
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Die Geschwister Ed  und Lyla machen sich auf den Weg zu ihrem Bruder Martin, der in einem abgelegenen und verschneiten Haus in Maine lebt. Als sie ankommen, werden sie von ihm mit einer Flinte begrüßt. Martin scheint den Verstand verloren zu haben und faselt etwas von einer Alien-Verschwörungstheorie. Er behauptet, im Keller etwas Böses gefangen zu halten. Die Situation gerät immer mehr außer Kontrolle und bald entbrennt ein Überlebenskampf für Ed und Lyla.

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„Pod“ fängt richtig gut an und wirft den Zuschauer ohne Umwege in eine spannende Handlung. Auch wenn es dann etwas ruhiger zugeht, baut der Film dennoch eine stimmungsvolle Atmosphäre auf, die einen packt. Manachmal merkt man dem Streifen das geringe Budget an, manchmal aber auch nicht. „Pod“ ist nicht schlecht, aber auch irgendwie nicht richtig gut. Höchstwahrscheinlich liegt es daran, weil einem durch das Cover und die reißerische Inhaltsangabe ein falsches Bild vermittelt wird. „Pod“ legt nämlich mehr Wert auf Dialoge (die kosten schließlich nicht so viel 😉 ) und weniger auf Schauwerte. Ich persönlich fand das gar nicht mal so schlecht, weil der Plot dadurch ein wenig realistischer wirkte und die vereinzelten Schockmomente dadurch eine bessere Wirkung zeigten. Ein paar unerwartete Wendungen lassen den dialoglastigen Film aus meiner Sicht auch nicht langweilig wirken.

Es stimmt sicherlich, dass „Pod“ an einigen Stellen tatsächlich an Akte X-Folgen erinnert, aber Regisseur Keating verneigt sich eher vor der Kultserie anstatt sie lieblos zu kopieren. Er schafft mit seinem „kleinen“ Film eine wirklich tolle Atmosphäre, was auch an dem gut gewählten Schauplatz liegt. Manchmal erinnerten mich die Verschwörungstheorien nicht nur an Akte X, sondern auch an M. Night Shyamalans „Signs“. Schauspielerisch haben mich alle drei Hauptakteure überzeugt, wenngleich manches an einigen Stellen übertrieben auf mich wirkte. Aber das sind persönliche Empfindungen, die jeder anders sieht. Inszenatorisch zeigt Keating ein Händchen für mystisch wirkende Bilder und einen geradlinigen Stil, der zu unterhalten und fesseln weiß. Und dennoch fehlt „Pod“ am Ende dann trotzdem das gewisse Etwas. Ich kann es nicht einmal genau erklären, was genau es ist, dass mich störte oder mir fehlte. Fakt ist, dass es leider so ist.

Wie gesagt, ich will dem Film keine Atmosphäre und Spannung absprechen (die sind beide gegeben), aber man hätte auch mit geringerem Budget etwas mehr herausholen können. Insgesamt hat mich „Pod“ aber dennoch überzeugt, vor allem, wenn man bedenkt, dass es einfach keine Großproduktion ist. Man spürt das Herzblut, dass in dem Streifen steckt und das alleine macht vieles wett.
Der Soundtrack hat mich begeistert, weil er mich zum einen an manche Filmmusik aus den 80er Jahren erinnert hat, und er zum anderen die bedrückende Atmosphäre hervorragend unterstrichen hat. All diese Dinge sind letztendlich ausschlaggebend, dass mir „Pod“ trotz der obengenannten Abstriche dennoch gefallen hat.

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Fazit: Wer nicht zu viel erwartet, wird mit einem schön fotografierten, gut inszenierten und stimmungsvollen B-Movie belohnt, der durchaus zu unterhalten vermag.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Interview mit dem Schauspieler Eugene U-Gin Boateng


© Sven Soares (TAPS-Photography)

Eugene „U-gin“ Boateng wurde 1985 in Düsseldorf geboren. Mit 19 Jahren begann er zu tanzen und spielte zwei Jahre lang Theater im Jungen Schauspielhaus in Düsseldorf. Im Jahr 2006 wurde er zum Dancestar (Hip Hop/Newstyle und Krump) und wohnt und arbeitet seitdem in Berlin.
Er spielte Rollen in der TV-Komödie „Dörte’s Dancing“, im TV Film „Liebe macht sexy“, dem ZDF Fernsehfilm „Einmal leben bitte“ und in Leander Haußmanns Komödie “Robert Zimmernann wundert sich über die Liebe“. Außerdem spielt Boateng in diversen Werbespots mit. Im Film “Becks letzter Sommer“ ist er zum ersten Mal auch in einer Hauptrolle als Kinoschauspieler unterwegs. Durch diesen Erfolg bekam er gleich die nächste Hauptrolle, und zwar in dem Kinofilm „Plan B – Scheiss auf Plan A “ unter der Regie von Ufuk Genc und Michael Popescu.
Film-Besprechungen freut sich, dass der gebürtige Düsseldorfer Zeit für ein paar Fragen gefunden hat.

1. Wo liegen Deiner Meinung nach Deine Stärken? Und wo Deine Schwächen?

Meine Schwächen liegen definitiv in meiner Ungeduld.
Ich will alles sofort. Mein Bruder sagte mir mal, als ich klein war. „Wenn du was willst, dann geh und hol es dir.“ Das hab ich mir so sehr eingeprägt, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, um zu warten, bis etwas zu mir kommt. 😉
Über meine Stärken zu schreiben ist merkwürdig. Da könnten andere besser über mich erzählen, glaube ich.
Meine Stärken liegen wahrscheinlich darin, dass ich mir das hole, was ich will. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann tu ich alles dafür, dass ich es bekomme, erlerne oder dass ich da hin komme, wo ich will.

2. Welche Rolle würde Dich als Schauspieler am meisten reizen?

Puh. Ich würde gerne einen Boxer spielen. Vielleicht Lennox Lewis :). Ich würde gerne meinen Vater in seiner Biographie verkörpern. Er hat, meiner Meinung nach, ein sehr krasses Leben geführt. Von Ghana nach Deutschland. Das Leben eines Soldaten, das eines Gejagten. Dann das Klarkommen in der neuen Welt. Mit 8 Kindern. Er kannte die Sprache nicht. Musste sich mit so vielen Dingen auseinandersetzen und zur selben Zeit heftige Entscheidungen treffen, damit nicht alles aus dem Ruder lief.
Ich will Samson, den stärksten Menschen, den es jemals gegeben hat, verkörpern. Ich will Geschichten erzählen und Figuren verkörpern, die die Menschen entertainen und inspieren.

3. In „Becks letzter Sommer“ spielst Du eine der Hauptrollen. In einer besonderen Szene spielst Du einen LSD-Trip nach, in dem Du im Sekundentakt von euphorisch auf total depressiv umschwenkst. Wie hast Du Dich auf diese emotionale Achterbahnfahrt vorbereitet?

Oh wow. Das war ein Trip. Hm, wie habe ich mich vorbereitet? Mit mir wurde beim Coaching eine Familienaufstellung gemacht. In der Rolle von Charlie natürlich. In dieser Familienaufstellung ging es mir (in der Rolle von Charlie) so schlecht, dass ich nach einem Ausweg gesucht habe. Da es in Charlies Leben schon Drogen gab, war das die Möglichkeit, um aus diesem schlechten Gefühl zu fliehen. Mit den Drogen ging es mir (Charlie) besser. Jetzt hatte ich die Erfahrung gemacht, wie man zu diesen Mitteln greift.
Von manisch zu depressiv. Hin und Her. Ich habe mir natürlich sehr viele Videos angeguckt und sehr viel über diese Droge (MDMA) gegoogelt.
Leider findet man auch ein paar lustige Videos 🙂
Die Droge macht einen glücklich und leicht. Man kann kurz die Probleme vergessen und auf einer heilen Welle surfen und alle lieben.
Doch Charlie sucht nach seinem Platz in der Gesellschaft und findet keinen. Er kann nicht mehr studieren und ist alleine und hat versagt. Sein kleiner Bruder ist der Star.
Somit hat er trotz dieser Droge immer wieder Gedankensprünge. Das heisst: Er freut sich kurz über die Erkenntnisse, die er im Moment macht, doch dann erinnert er sich an seine Situation. Das geht hin und her und somit konnte ich mit seiner Situation arbeiten und mich vorbereiten, damit ich in der Szene das spielen konnte.

4. Welchen Schauspieler, Musiker oder wen auch immer würdest Du gerne einmal persönlich treffen?

Will Smith, Denzel Washington, Usher, Nate Parker, Darnell Martin

5. Kannst und darfst Du uns schon von Deinen nächsten Projekten erzählen?

Der nächste Film der jetzt in die Kinos kommt ist

Plan B – Scheiss auf Plan A:
Dieser Film ist schon ein Traum. Es ist eine Independent-Geschichte, also ein Projekt unter Freunden. Nachdem der Film gedreht wurde, stand die ganze Zeit die Frage im Raum: Wer wird unser Verleih sein? Nach langer Suche hat 20th Century Fox den Film gesehen und sich in den Film verliebt und bringt ihn jetzt am 08.Juni 17 in die Kinos. Unglaublich! 
Dieser Film ist sehr besonders und wichtig für die Jungs und auch für mich, da die Hauptcharaktere eine bunte Mischung sind.
Wir haben einen Tscherkessen, der Türkisch spricht.. Einen Koreaner. Einen Vietnamesen und Chinesen. Und einen Ghanaen. Zur selben Zeit sind wir alle deutsch und sprechen deutsch ohne Akzent :).
Mit dem Film hoffen wir, in Deutschland und in der Deutschen Filmszene eine Veränderung zu schaffen, da wir das Bild, welches man auf den deutschen Strassen in Deutschland sieht, auf die Leinwand bringen. Wir hoffen auf eine Filmische Revolution … 🙂
Ich bin dankbar, weil es weitere Projekte gibt, die in Planung sind. Doch darüber werde ich noch nicht viel erzählen. Erst wenn es spruchreif ist … 🙂

6. Welche 5 Filme würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Matrix, Antoine Fisher, Inception. Bad Boys, und dann kam Polly.
Ich glaube die Filme sprechen alle für sich 🙂

Matrix – für Action und zum Nachdenken.

Antoine Fisher – wegen der Geschichte, die mich sehr berührt.

Inception – wegen der Idee und der Spannung.

Bad Boys – weil ich einfach Will Smith feiere.

Und dann kam Polly – weil es eine geile Komödie ist.

7. Und welche 5 Bücher würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Der Medicus – weil es mein Lieblingsbuch ist.

Sokrates, der friedvolle Krieger – weil es mich so beeindruckt hat.

Der Weg, wenn Gott dir eine zweite Chance gibt – weil es mich so sehr inspiriert hat.

Die Bibel – weil ich daraus sehr viel ziehe.

Die Gesetze von Erfolg und Resonanz – weil es mich motiviert und diszipliniert

8. Welcher Schauspieler war schuld daran, dass Du selbst einer werden wolltest?

Bastian Sierich.
Ich war damals 19 und in einem Kinder und Jugend Theater Projekt. Ich war dort als Tänzer und wir probten für ein Stück. Es hieß: „Die dunkle Seite der Sonne“. Am Tag der Premiere beobachtete ich Bastian, wie er sich vorbereitete, und während der Vorstellung, wie er spielte. In den Proben hatte ich es gar nicht so mitbekommen, doch als ich ihn auf der Bühne sah, wie er spielte, während ich mit ihm auf der Bühne war,  fühlte ich mich so geehrt, mit so einem Menschen und Schauspieler auf der Bühne zu sein und beschloss daher, seinem Weg zu folgen und auch Schauspieler zu werden. Heute sind wir immer noch Freunde und ich bin froh so eine Inspiration in meinem Leben zu haben.

9. Du hast noch eine andere große Leidenschaft außer der Schauspielerei: Tanzen. Gibt es hier auch Pläne für die Zukunft?

Ja ich bin durch und durch Tänzer. Es ist mein Zuhause und dort kann ich immer hin und mich austoben. Mittlerweile ist es nicht mehr mein Hauptberuf, doch es bleibt mein Zuhause 🙂
Pläne für die Zukunft? Ja. Ich plane, es mit der Schauspielerei zu verbinden.
Schauspielerei, Tanz und vielleicht noch eine weitere Kunstform auf die Bühne zu bringen ist schon ein Traum, welchen ich seit langem verfolge.
Also bleibt gespannt 🙂

10. Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Da oben 🙂

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

Glaube
Familie
Meine Leute
Vision
Gerechtigkeit

Ich bedanke mich recht herzlich für Deine interessanten Antworten und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

Ich bedanke mich bei dir, bei euch, dass meine Geschichte erzählt wird.
Bis bald hoffe ich :-).

© 2016 Wolfgang Brunner / Eugene Boateng

Gods Of Egypt (2016)

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Originaltitel: Gods Of Egypt
Regie: Alex Proyas
Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Kamera: Peter Menzies Jr.
Musik: Marco Beltrami
Laufzeit: 128 Minuten
Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler, Brenton Thwaites, Courtney Eaton, Geoffrey Rush, Élodie Yung, Rufus Sewell, Chadwick Boseman, Goran D. Kleut, Bryan Brown
Genre: Abenteuer, Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Australien
FSK: ab 12 Jahre

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Als Horus zum König von Ägypten gekrönt werden soll, unterbricht sein Onkel Set die Zeremonie und reißt die Krone an sich. Außerdem beraubt er Horus seines Augenlichts. Unter der Herrschaft von Set werden die Menschen geradezu versklavt und deshalb macht sich Bek, ein wackerer junger Draufgänger daran, die Augen des Horus, die sich in der Schatzkammer von Set befinden zu stehlen, damit der Gott seine ihm zustehende Krone doch noch erobern kann.

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„Gods Of Egypt“ ist eindeutig besser, als ich eigentlich erwartet hätte. Und das trotz einer massiven CGI-Eqffekte-Attacke, wie ich sie schon seit längerer Zeit nicht mehr mag. Aber dazu später.
Der Einstieg wirkt bombastisch und wenngleich die Menschenmassen aus dem Computer stammen, werden wir mit beeindruckenden Bildern ohne Umschweife in das Abenteuer geworfen. Regisseur Alex Proyas erklärt die Ausgangssituation kurz und knapp: Im Alten Ägypten sind die Götter an der Macht und weilen unter den Menschen. Sie sind doppelt so groß und verfügen über die Macht, sich in starke Kämpferwesen zu verwandeln. Man sollte diese Erklärungen einfach hinnehmen und den Film dann auf sich wirken lassen.

Ich fühlte mich irgendwie an „alte“ Abenteuerfilme erinnert, oft dachte ich an „Indiana Jones“, „Kampf der Titanen“ oder „Die Mumie“.  Es geht äußerst rasant zu und die Zeit vergeht wirklich wie im Fluge. Die meisten Witze sind gut platziert und wirken in der entsprechenden Situation. Einige Action- und Kampfszenen sind sehr gut choreographiert, allerdings immer nur dann, wenn echte Schauspieler miteinander agieren. Und nun komme ich zu einem leider negativen Punkt, der mir an einigen Stellen im Film aufgestossen ist. Es sind einfach zu viele, computeranimierte Effekte eingebaut, die zum einen oft unrealistisch und künstlich wirken und zum anderen den actiongeladenen Handlungsverlauf der realen Schauspieler schlichtweg stören. Ein bisschen weniger wäre definitiv mehr gewesen. Sobald sich die Götter von ihrer Menschengestalt in eines der erwähnten Wesen verwandeln, fühlte ich mich in einem Avenger- oder Transformers-Film versetzt. An ganz schlimmen Stellen sogar an den unerträglichen „I, Frankenstein“. Man ist mittlerweile von dieser Art Effektorigien übersättigt. Das ist einfach zu viel und die nimmt dem Film oft die Spannung und den abenteuerlichen Charme, der wenige Minuten zuvor noch aufgebaut wurde. Das ist so schade, denn „Gods Of Egypt“ hätte ein richtig gutes Fantasy-Abenteuer werden können. Ist es letztendlich auch, wenn man von den oft unpassenden und zu vielen Effekten absieht. Ich hatte auf jeden Fall riesigen Spaß dabei.

Schauspielerisch konnte mich am meisten Gerard Butler überzeugen, der auch sichtlich Spaß an seiner Rolle hatte. Aber auch die anderen Akteure waren sehr gut und konnten mich ausnahmslos überzeugen. Proyas hat an ein paar Stellen visionär erscheinende Bilder erschaffen (da haben die Effekte zum Beispiel nicht gestört), die mich nachhaltig beeindruckt und sich in mein Gedächtnis eingebrannt haben. Das hat mich über die Negativpunkte auch hinwegsehen lassen, so dass „Gods Of Egypt“ für mich trotzdem ein richtig guter Fantasyfilm geworden ist. Besonders hervorzuheben ist der phantastische Score von Marco Beltrami, der genau diese Abenteuerstimmung in Verbindung mit dem oft tollen Bildern hervorragend untermalte.

Insgesamt ein wunderbarer, actiongeladener Fantasyfilm, der einen mit wirklich tollen Bildern in den Bann zieht. Einziges Manko sind die erwähnten, übertrieben eingesetzten CGI-Effekte, wenn sich die Götter in Wesen verwandeln.

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Fazit: Atemberaubendes Fantasyabenteuer, bei dem leider einige CGI-Effekte den Charme leicht zerstören.

© 2017 Wolfgang Brunner

Der Weihnachtsbaum (1983)

Originaltitel: Der Weihnachtsbaum
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Robert Sigl
Kamera: Wolfgang Mayer
Musik: —
Laufzeit: 18 Minuten
Darsteller: Claus Eberth, Robert Sigl
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.a.

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Jedes Jahr wartet ein vereinsamter Mann auf seinen 17-jährigen Sohn, um zusammen mit ihm die Nacht vor Weihnachten zu verbringen. Sowohl Vater als auch Sohn fürchten sich vor dem Licht der Wohnzimmer- und Schlafzimmerlampe, die immer wieder von selbst an- und ausgeht. Als der Sohn feststellt, dass die elektrische Weihnachtsbeleuchtung am Christbaum nicht richtig funktioniert, bittet ihn der Vater, nach dem Fehler zu suchen. Während der  Sohn versucht, die Beleuchtung zu reparieren, eskaliert die ohnehin schon eigenartige Spannung zwischen den beiden …

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Schon in diesem kurzen Film sieht man das zukünftige Handwerk Robert Sigls. Erst sechs Jahre später erhielt er mit seinem ersten Langfilm „Laurin“ den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsregisseur, wo er seinen Stil konsequent fortführte. „Der Weihnachtsbaum“ mutet wie ein frühes Werk des polnischen Regisseurs Roman Polanski an. Sigl kann seine Hochachtung vor ebenjenem nicht verbergen, genauso wenig wie seine Liebe zu Alfred Hitchcock. Und dennoch versprüht „Der Weihnachtsbaum“ schon einen ganz eigenen Charme, der auch die späteren Filme Sigls ausmacht. Schon damals legte der Regisseur Wert auf Ausleuchtung, um stimmungsvolle Schattenspiele in seinen Film einzubauen. Das klappte schon damals recht gut. 😉

„Der Weihnachtsbaum“ verströmt von der ersten Minute an eine beklemmende, leicht verstörende Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht. Man muss sich den Film schon mehrmals ansehen, um seine Bedeutung, die oftmals zwischen den Bildern versteckt liegt, zu erkennen: Denn es ist nicht nur der offensichtliche Konflikt zwischen Vater und Sohn, den Sigl da schildert, sondern auch eine versteckte homosexuelle Fantasie, die die beiden gegenseitig vor dem anderen zu verstecken versuchen. Der Kurzfilm funktioniert absolut, wenn man sich darin treiben lässt und das Agieren der Personen genau beobachtet. Es ist ein Kammerspiel, das zum Nachdenken anregt. Schauspielerisch bewegen sich Claus Eberth und Robert Sigl auf gleichem Niveau. Man spürt die Spannung, die in der Luft liegt. Man sieht die Unsicherheit der beiden in der hervorragenden Mimik und unterschwellig liegt schon in den ersten Minuten eine drohende Eskalation zwischen den beiden in der Luft.
Gerade das Alter des Films versprüht in seiner liebevollen Machart einen unwiderstehlichen Charme den es in der heutigen Zeit selten, wenn überhaupt, noch gibt.

„Der Weihnachtsbaum“ ist ein Mystery-Drama, das zeigt, welches Potential und welche Visionen bereits damals in dem jungen Regisseur heranwuchsen. Sechs Jahre später hat Sigl dann mit seinem umwerfend inszenierten und fotografierten Film „Laurin“ bewiesen, dass er ein großartiger visueller Regisseur ist.
„Der Weihnachtsbaum“ wird übrigens als Bonus auf der vom Negativ in 2K abgetasteten BluRay-Veröffentlichung von „Laurin“ beim Label Bildstörung enthalten sein.

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Fazit: Ein atmosphärischer Kurzfilm, der durch seine Bildersprache und die beiden Darsteller absolut überzeugen kann.

© 2017 Wolfgang Brunner

Interview mit der Schauspielerin Jeniffer Mulinde-Schmid


© Lena Stahl (www.framtidsbild.de)

Jeniffer Mulinde-Schmid wurde in Mombasa, Kenia, geboren und wuchs in der Schweiz auf. Nach einer Tanzausbildung absolvierte sie eine Schauspielausbildung. Neben ihrer Schauspielerei („Tag und Nacht“, „Die Standesbeamtin“ und Stand Up Comedian bei „Night Wash“, betätigt sich Mulinde-Schmid auch als Wirtin eines Berliner Restaurants.

Sie spielt zur Zeit außerdem am Theater Strahl in Nathan der Weise und hat in der in der schweizerisch-nigerianischen Filmproduktion „Amara“im Jahr 2016 neben der Co.Produktion auch die Hauptrolle übernommen.
Film-Besprechungen freut sich sehr, der vielseitigen Künstlerin ein paar Fragen stellen zu dürfen.

1. War die Schauspielerei schon immer Dein Traumberuf oder schwebte Dir auch einmal etwas anderes vor? Wie kam es letztendlich dazu, dass Du vor der Kamera stehst?

Nein, als Kind wollte ich eigentlich immer Ärztin werden. Bin jedoch bereits mit 7 Jahren vor der Kamera gestanden, denn ich habe eine Kindersendung: KIDZ moderiert.Es war für mich immer sehr natürlich vor der Kamera zu stehen und nichts aussergewöhnliches. Mit 17 Jahren wurde ich dann durch meine Modell-Agentur zu einem Film Casting eingeladen, wo ich dann auch genommen wurde. Mein erster Spielfilm: Dragan und Madlaina. Da wurde mir erst klar, dass ich Schauspielerin werden will.

2. Wie gehst Du mit negativer Kritik um?

Sagen wir es so, immer besser 🙂 Ich musste mit der Zeit lernen, dass ich negative Kritik nicht zu persönlich nehme. Mittlerweile klappt es ganz gut.

3. Welche Rolle wäre die größte Herausforderung für Dich?

Ganz klar, der in Lagos gedrehte Nollywood Film: Amara, denn wir hatten meistens nur einen Take und es musste sitzen. Wir waren unter extremen Zeitdruck und ich musste dazu noch in Englisch sprechen.

4. Was war die für Dich schlimmste Begebenheit bei Dreharbeiten?

Früher habe ich jeden Schrott mitgemacht, und habe für einen Studentenfilm mich nackt ausgezogen und mich gelb anmalen lassen, bin im Wald rumgerannt und habe mit einem Ball rumgeworfen, alles ohne TEXT…völlig bescheuert und ohne Sinn und ohne Geld….hahaaaa…. Würde ich jetzt nicht mehr machen 🙂
5. Hast Du Dein berufliches Ziel bereits erreicht oder gibt es noch Dinge, die Du anstrebst?

Ich habe viele Ideen und möchte meinen ersten Spielfilm selber schreiben, produzieren und drin mitspielen. Das Projekt ist schon in Arbeit.

6. Was macht Jennifer Mulinde-Schmid in ihrer Freizeit?

Ich gestehe, dass ich nicht viel Freizeit habe…aber wenn es soweit ist, dann gehe oft mit meinem Hund Tadeus in den Rehbergen spazieren. Treffe mich mit Freunden zum quatschen oder genieße zu Hause die Ruhe.

7. Wie wichtig ist Dir der Kontakt zu Zuschauern / Fans?

Eigentlich hatte ich nur einmal diesen Kontakt mit richtigen Fans: In Nigeria, denn dort sind die Fans etwas anders und aufdringlicher wie in Europa. Es war für mich zuerst sehr befremdlich, ich hatte am Anfang fast Angst von den Fans. Wusste nicht, was sie von mir wollten… Aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und nehme mir auch sehr viel Zeit für sie, mach alles mit, auch die Selfies 🙂 und bin einfach nur Dankbar und fühle mich geehrt.
8. Welche Filme haben Dich am meisten beeindruckt und/oder auch beeinflusst?

Es klingt vielleicht etwas schräg, aber mich hat die Komödie „Sister Act“ mit Woopy Goldberg am meisten beeinflusst und ich schaue den Film noch heute gern. Mich inspirieren und berühren vor allem Filme, über die ich von Herzen lachen und weinen kann. Außerdem mag ich auch Filme, die mit Musik zu tun haben. 

9. Welche Persönlichkeit (noch lebend oder auch bereits verstorben) würdest Du gerne einen Tag lang treffen?

Ich war in meinem Leben nur von einem Menschen so richtig Fan: Michael Jackson…sonst fällt mir niemand ein. Michael hätte ich liebend gerne getroffen.
10. Gibt es etwas in Deiner Schauspielerkarriere, was Du heute anders machen würdest?

non…je ne regrette rien (ich bereue nichts)

11. Was sind die fünft wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

1. Dass ich glücklich bin 2. Gesundheit 3. Familie 4. Freunde 5. Erfüllung im Beruf

Ich bedanke mich ganz herzlich für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche Dir alles erdenklich Gute für Deine berufliche (und natürlich auch private) Zukunft.

© 2017 Wolfgang Brunner / Jennifer Mulinde-Schmid

 

 

Couchsurfers (2015)

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Originaltitel: Couchsurfers
Regie: Julian Schöneich
Drehbuch: Julian Schöneich
Kamera: Henri Schierk, Julian Harenberg
Musik: Alexander Paprotny
Laufzeit: 16 Minuten
Darsteller: Alexander Bornhütter, Natasha Manzungu, Samira Calder, Iskander Madjitov, Sandra Malek, Philip Görres, Anni Sultany, Claus-Peter Rathjen, Johannes Neinens
Genre: Thriller, Horror, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahren

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Brenda (Natasha Manzungu) und Sam (Samira Calder) wollen sich für ein Wochenende Hamburg ansehen. Sie wollen Sightseeing und Party. Als Unterkunft wollen sie das kostenlose „Couchsurfing“ nutzen. Sie lenern Max (Alexander Bornhütter) kennen, der sehr zuvorkommend und freundlich ist, und ihnen ein Zimmer zur Verfügung stellt. Doch ist max wirklich der, der er vorgibt, zu sein?

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Schon „Roulette – A Game Of Chance“ von Julian Schöneich hat mich total begeistert. Nach „St. Pauli Zoo“ (einem Dokumentarfilm, den ich leider noch nicht gesehen habe, der aber auch noch auf der To-Do-Liste steht) folgt nun der erste von drei Kurzfilmen, der eine „Death On Demand“ betitelte Trilogie einleitet.
„Couchsurfers“ kommt schon von Beginn an richtig gut und authentisch. Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen sehr natürlich, aber dennoch auf absolut hohem Niveau. Dadurch erreichen sie eine tolle Gratwanderung zwischen realistischem Amateurfilm (hier absolut nicht negativ gemeint) und professionellem Agieren. Das gibt gleich zu Beginn schon eine sehr tolle Atmosphäre, die so richtig glaubwürdig wirkt. Wenn dann auch noch Alexander Bornhütter als Max ins Spiel kommt, ist die sympathische Dreierkombi perfekt.
Gerade die erste Hälfte des leider viel zu kurz geratenen Films bringt eine wunderbare, harmonische Stimmung zustande, die den Zuschauer in Sicherheit wiegt und ihn glauben lässt, dass es gar nicht so schlimm kommen kann, wie man ursprünglich dachte, denn man wusste ja irgendwie, dass man sich auf eine Mischung aus Thriller und Splatter-Horror einlassen würde. Aber, wie gesagt, durch den harmonisch wirkenden Einstieg in die Geschichte täuscht Regisseur Schöneich den Zuschauer.

Und dann plötzlich geschieht aus heiterem Himmel das, was man insgeheim doch irgendwie die ganze Zeit wusste. Das mag auf den ersten Blick vorhersehbar wirken und ist es auch im Grunde genommen. Dennoch kann Schöneich mit seiner Inszenierung überraschen, weil er einen die drohende Gefahr, wie oben beschrieben, erst einmal vergessen lässt. Aber das aus dem schönen Hamburg-Aufenthalt für die beiden weiblichen Couchsurferinnen ein Alptraum wird, ist noch längst nicht das Ende der (Kurz-)Geschichte. Tatsächlich schafft es das Team von „Couchsurfers“ sowohl auf inszenatorische wie auch schauspielerische Weise, dem Plot eine derart unerwartete Wendung zu geben, dass man erst denkt, man hat irgendwas verpasst oder wird auf den Arm genommen.
Das Blatt wendet sich so abrupt, dass man erst einmal realisieren muss, was man da vorgesetzt bekommt. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Vor allem Bornhütters Agieren in diesen Szenen verursacht einem im Nachhinein eine astreine Gänsehaut.

Julian Schöneich hat einen Kurzfilm auf hohem Niveau gedreht, der unterhält, packt und gleichzeitig zum Nachdenken über das Handeln im Internet anregt. „Couchsurfers“ schockiert nicht nur durch perfekt eingesetzte Bluteinlagen, sondern auch durch seine Geschichte. Genau diese Kombination ist es auch, die den ersten Teil der geplanten Kurzfilmtrilogie, im Gedächtnis haften lässt. Alexander Bornhütter war in seiner Rolle genial, weil er Sympatieträger und Verbrecher perfekt in einer Person darstellen konnte, ohne in einer davon unglaubwürdig zu sein. Natasha Manzungu und Samira Calder passten ebenfalls in ihre (Opfer-)Rollen, ohne jemals übertrieben zu wirken. Julian Schöneich hat, wie schon in „Roulette – A Game Of Chance“ Regie und Drehbuch übernommen und wieder ein sicheres Gespür für eine solide, professionelle Inszenierung gezeigt. Ich freue mich schon sehr auf die beiden fehlenden Teile der „Death On Demand“-Trilogie.

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Fazit: Ein Kurzfilm auf hohem schauspielerischen und inszenatorischen Niveau, der nicht nur durch seine Splattereinlagen zu schocken vermag. „Couchsurfers“ hinterlässt ein ungutes Gefühl in der Magengegend.

© 2017 Wolfgang Brunner

The Purge – Die Säuberung (2013)

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Originaltitel: The Purge
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Kamera: Jacques Jouffret
Musik: Nathan Whitehead
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Ethan Hawke, Lena Headey, Max Burkholder, Adelaide Kane, Edwin Hodge, Tony Oller, Rhys Wakefield, Arija Bareikis, Tom Yi, Chris Mulkey
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Um die hohe Verbrechensrate in den Griff zu bekommen, greift die amerikanische Regierung zu einer radikalen Maßnahme: Einmal im Jahr sind für 12 Stunden sämtliche Verbrechen, einschließlich Mord, erlaubt. Jeder kann sich seinen bestialischen „Gelüsten“ hingeben und Rache an Menschen nehmen, die ihn stören. Wie viele andere Familien schließen sich die Sandines in ihrem Haus ein und wollen einfach nur diese „Nacht der Säuberung“ überleben. Als der Sohn allerdings einen Flüchtenden ins Haus lässt, um ihm zu helfen, gerät die Familie ins Visier der Verfolger. Die Ereignisse geraten immer mehr außer Kontrolle …

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„The Purge“ wirkte schon nach wenigen Minuten wie ein Film von John Carpenter auf mich. Das Ausgangsszenario erinnerte mich an „Die Klapperschlange“, die Verschanzung im Haus an „Assault On Precinct 13“. Die an sich absurde Idee, der Bevölkerung 12 Stunden Narrenfreiheit zu schenken, um Mord und Totschlag zu begehen, wird so gut eingeführt und erläutert, dass sie letztendlich doch gar nicht so verrückt erscheint, wie es eigentlich sollte. Aber selbst wenn es jemand unglaubwürdig empfinden würde, wäre er schon bald in dem megaspannenden Plot, den uns Regisseur und Drehbuchautor James DeMonaco beschert, gefangen.
Mit einer unglaublichen Intensität und richtig guten, überraschenden Wendungen, lässt DeMonaco, der übrigens auch das Originaldrehbuch von John Carpenter zum Remake von „Assault On Precinct 13“  im Jahr 2002 bearbeitet hat, den Zuschauer mitfiebern.

An manchen Stellen steigert sich die Spannung fast schon ins Unerträgliche, bevor sie mit einer Wendung wieder überrascht und die Zeit vergessen lässt. Ethan Hawke stellt den Familienvater sehr gut dar und auch seine Unentschlossenheit, was zu tun ist, nimmt man ihm in jeder Sekunde ab.  Es ist ein Worst-Case-Szenario, in das uns DeMonaco wirft. Und das mit einer solch radikalen Wucht, dass man Angst beim Zusehen bekommt, denn die Bedrohung hat der Regisseur meisterhaft eingefangen und spürbar gemacht. Oftmals fühlt man sich an die obengenannten Carpenter-Filme erinnert, aber auch an William Lustigs „Streetfighters“, „Panic Room“ oder „Uhrwerk Orange“. Dennoch wirkte dieses Survival-Drama auf mich niemals kopiert. Rasant und kurzweilig vergehen 85 Minuten voller dramatischer und ideenreicher Spannung. Und nebenbei bekommt man eine Botschaft „untergejubelt“, über die man unweigerlich nachdenkt.

DeMonacos Thriller funktioniert sowohl in seiner Inszenierung wie auch auf schauspielerischer Ebene. Sämtliche Akteure können überzeugen und fügen sich perfekt in die Story ein. „The Purge“ bleibt im Kopf des Zuschauers haften, egal, ob man diesen Film mag oder eben nicht. Die Kettenreaktion, die durch einen kleinen Zwischenfall ausgelöst wird, ist einfach nur genial. So manch geschilderte Pattsituation lässt einen noch die nächsten Tage über den Film nachdenken. Und auch wenn viele das Ende nicht so gut fanden, ich empfand es als sehr befriedigend und dennoch offen. Mich hat dieser Hausterror bestens unterhalten und ich freue mich schon auf die nächsten Teile, denn ein Fan der Grundidee bin ich durch den ersten Teil geworden.

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Fazit: Spannend und teilweise emotional aufwühlend. Ein Thriller-Drama, das man nicht so schnell vergisst.

© 2017 Wolfgang Brunner