Interview mit dem Schauspieler Eugene U-Gin Boateng


© Sven Soares (TAPS-Photography)

Eugene „U-gin“ Boateng wurde 1985 in Düsseldorf geboren. Mit 19 Jahren begann er zu tanzen und spielte zwei Jahre lang Theater im Jungen Schauspielhaus in Düsseldorf. Im Jahr 2006 wurde er zum Dancestar (Hip Hop/Newstyle und Krump) und wohnt und arbeitet seitdem in Berlin.
Er spielte Rollen in der TV-Komödie „Dörte’s Dancing“, im TV Film „Liebe macht sexy“, dem ZDF Fernsehfilm „Einmal leben bitte“ und in Leander Haußmanns Komödie “Robert Zimmernann wundert sich über die Liebe“. Außerdem spielt Boateng in diversen Werbespots mit. Im Film “Becks letzter Sommer“ ist er zum ersten Mal auch in einer Hauptrolle als Kinoschauspieler unterwegs. Durch diesen Erfolg bekam er gleich die nächste Hauptrolle, und zwar in dem Kinofilm „Plan B – Scheiss auf Plan A “ unter der Regie von Ufuk Genc und Michael Popescu.
Film-Besprechungen freut sich, dass der gebürtige Düsseldorfer Zeit für ein paar Fragen gefunden hat.

1. Wo liegen Deiner Meinung nach Deine Stärken? Und wo Deine Schwächen?

Meine Schwächen liegen definitiv in meiner Ungeduld.
Ich will alles sofort. Mein Bruder sagte mir mal, als ich klein war. „Wenn du was willst, dann geh und hol es dir.“ Das hab ich mir so sehr eingeprägt, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, um zu warten, bis etwas zu mir kommt. 😉
Über meine Stärken zu schreiben ist merkwürdig. Da könnten andere besser über mich erzählen, glaube ich.
Meine Stärken liegen wahrscheinlich darin, dass ich mir das hole, was ich will. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann tu ich alles dafür, dass ich es bekomme, erlerne oder dass ich da hin komme, wo ich will.

2. Welche Rolle würde Dich als Schauspieler am meisten reizen?

Puh. Ich würde gerne einen Boxer spielen. Vielleicht Lennox Lewis :). Ich würde gerne meinen Vater in seiner Biographie verkörpern. Er hat, meiner Meinung nach, ein sehr krasses Leben geführt. Von Ghana nach Deutschland. Das Leben eines Soldaten, das eines Gejagten. Dann das Klarkommen in der neuen Welt. Mit 8 Kindern. Er kannte die Sprache nicht. Musste sich mit so vielen Dingen auseinandersetzen und zur selben Zeit heftige Entscheidungen treffen, damit nicht alles aus dem Ruder lief.
Ich will Samson, den stärksten Menschen, den es jemals gegeben hat, verkörpern. Ich will Geschichten erzählen und Figuren verkörpern, die die Menschen entertainen und inspieren.

3. In „Becks letzter Sommer“ spielst Du eine der Hauptrollen. In einer besonderen Szene spielst Du einen LSD-Trip nach, in dem Du im Sekundentakt von euphorisch auf total depressiv umschwenkst. Wie hast Du Dich auf diese emotionale Achterbahnfahrt vorbereitet?

Oh wow. Das war ein Trip. Hm, wie habe ich mich vorbereitet? Mit mir wurde beim Coaching eine Familienaufstellung gemacht. In der Rolle von Charlie natürlich. In dieser Familienaufstellung ging es mir (in der Rolle von Charlie) so schlecht, dass ich nach einem Ausweg gesucht habe. Da es in Charlies Leben schon Drogen gab, war das die Möglichkeit, um aus diesem schlechten Gefühl zu fliehen. Mit den Drogen ging es mir (Charlie) besser. Jetzt hatte ich die Erfahrung gemacht, wie man zu diesen Mitteln greift.
Von manisch zu depressiv. Hin und Her. Ich habe mir natürlich sehr viele Videos angeguckt und sehr viel über diese Droge (MDMA) gegoogelt.
Leider findet man auch ein paar lustige Videos 🙂
Die Droge macht einen glücklich und leicht. Man kann kurz die Probleme vergessen und auf einer heilen Welle surfen und alle lieben.
Doch Charlie sucht nach seinem Platz in der Gesellschaft und findet keinen. Er kann nicht mehr studieren und ist alleine und hat versagt. Sein kleiner Bruder ist der Star.
Somit hat er trotz dieser Droge immer wieder Gedankensprünge. Das heisst: Er freut sich kurz über die Erkenntnisse, die er im Moment macht, doch dann erinnert er sich an seine Situation. Das geht hin und her und somit konnte ich mit seiner Situation arbeiten und mich vorbereiten, damit ich in der Szene das spielen konnte.

4. Welchen Schauspieler, Musiker oder wen auch immer würdest Du gerne einmal persönlich treffen?

Will Smith, Denzel Washington, Usher, Nate Parker, Darnell Martin

5. Kannst und darfst Du uns schon von Deinen nächsten Projekten erzählen?

Der nächste Film der jetzt in die Kinos kommt ist

Plan B – Scheiss auf Plan A:
Dieser Film ist schon ein Traum. Es ist eine Independent-Geschichte, also ein Projekt unter Freunden. Nachdem der Film gedreht wurde, stand die ganze Zeit die Frage im Raum: Wer wird unser Verleih sein? Nach langer Suche hat 20th Century Fox den Film gesehen und sich in den Film verliebt und bringt ihn jetzt am 08.Juni 17 in die Kinos. Unglaublich! 
Dieser Film ist sehr besonders und wichtig für die Jungs und auch für mich, da die Hauptcharaktere eine bunte Mischung sind.
Wir haben einen Tscherkessen, der Türkisch spricht.. Einen Koreaner. Einen Vietnamesen und Chinesen. Und einen Ghanaen. Zur selben Zeit sind wir alle deutsch und sprechen deutsch ohne Akzent :).
Mit dem Film hoffen wir, in Deutschland und in der Deutschen Filmszene eine Veränderung zu schaffen, da wir das Bild, welches man auf den deutschen Strassen in Deutschland sieht, auf die Leinwand bringen. Wir hoffen auf eine Filmische Revolution … 🙂
Ich bin dankbar, weil es weitere Projekte gibt, die in Planung sind. Doch darüber werde ich noch nicht viel erzählen. Erst wenn es spruchreif ist … 🙂

6. Welche 5 Filme würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Matrix, Antoine Fisher, Inception. Bad Boys, und dann kam Polly.
Ich glaube die Filme sprechen alle für sich 🙂

Matrix – für Action und zum Nachdenken.

Antoine Fisher – wegen der Geschichte, die mich sehr berührt.

Inception – wegen der Idee und der Spannung.

Bad Boys – weil ich einfach Will Smith feiere.

Und dann kam Polly – weil es eine geile Komödie ist.

7. Und welche 5 Bücher würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen und warum?

Der Medicus – weil es mein Lieblingsbuch ist.

Sokrates, der friedvolle Krieger – weil es mich so beeindruckt hat.

Der Weg, wenn Gott dir eine zweite Chance gibt – weil es mich so sehr inspiriert hat.

Die Bibel – weil ich daraus sehr viel ziehe.

Die Gesetze von Erfolg und Resonanz – weil es mich motiviert und diszipliniert

8. Welcher Schauspieler war schuld daran, dass Du selbst einer werden wolltest?

Bastian Sierich.
Ich war damals 19 und in einem Kinder und Jugend Theater Projekt. Ich war dort als Tänzer und wir probten für ein Stück. Es hieß: „Die dunkle Seite der Sonne“. Am Tag der Premiere beobachtete ich Bastian, wie er sich vorbereitete, und während der Vorstellung, wie er spielte. In den Proben hatte ich es gar nicht so mitbekommen, doch als ich ihn auf der Bühne sah, wie er spielte, während ich mit ihm auf der Bühne war,  fühlte ich mich so geehrt, mit so einem Menschen und Schauspieler auf der Bühne zu sein und beschloss daher, seinem Weg zu folgen und auch Schauspieler zu werden. Heute sind wir immer noch Freunde und ich bin froh so eine Inspiration in meinem Leben zu haben.

9. Du hast noch eine andere große Leidenschaft außer der Schauspielerei: Tanzen. Gibt es hier auch Pläne für die Zukunft?

Ja ich bin durch und durch Tänzer. Es ist mein Zuhause und dort kann ich immer hin und mich austoben. Mittlerweile ist es nicht mehr mein Hauptberuf, doch es bleibt mein Zuhause 🙂
Pläne für die Zukunft? Ja. Ich plane, es mit der Schauspielerei zu verbinden.
Schauspielerei, Tanz und vielleicht noch eine weitere Kunstform auf die Bühne zu bringen ist schon ein Traum, welchen ich seit langem verfolge.
Also bleibt gespannt 🙂

10. Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Da oben 🙂

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

Glaube
Familie
Meine Leute
Vision
Gerechtigkeit

Ich bedanke mich recht herzlich für Deine interessanten Antworten und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

Ich bedanke mich bei dir, bei euch, dass meine Geschichte erzählt wird.
Bis bald hoffe ich :-).

© 2016 Wolfgang Brunner / Eugene Boateng

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