Blue Jasmine (2013)

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Originaltitel: Blue Jasmine
Regie: Woody Allen
Drehbuch: Woody Allen
Kamera: Javier Aguirresarobe
Musik: Christopher Lennertz
Laufzeit: 45 Minuten
Darsteller: Alec Baldwin, Cate Blanchett, Louis C.K., Bobby Cannavale, Andrew Dice Clay, Sally Hawkins, Peter Sarsgaard
Genre: Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 6 Jahren

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Die elegante New Yorker Hausfrau Jasmine steht vor einem schier unlösbaren Problem, als ihre Ehe mit dem reichen Geschäftsmann Hal zerbricht. Plötzlich muss die „Diva“ ihr Leben komplett neu ordnen, zumal das Geld auch nicht mehr so grenzenlos verfügbar ist. Dennoch versucht Jasmine krampfhaft, ihre aristokratische Fassade mit aller Gewalt aufrechtzuerhalten. Als Jasmine dann notgedrungen zu ihrer Schwester zieht, beginnt tatsächlich ein neuer Lebensabschnitt für sie. Doch die Lügen, die sie weiterhin allen Beteiligten weismachen will, zerstören nach und nach Jasmines Leben. Und Jasmine selbst auch …

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Die einen mögen Woody Allen, die anderen nicht. Ich mag einige seiner Filme, andere eher nicht so.
„Blue Jasmin“ fällt aber eindeutig in die Kategorie „Mag ich“!
Cate Blanchett ist einfach nur zauberhaft in diesem Film. Ihr Spiel ist es auch zum größten Teil, das den Film ausmacht und trägt. Alec Baldwin tritt da eher in den Hintergrund. Sally Hawkins, die Jasmins Schwester darstellt, und der eher als Comedy-Star bekannte Louis C.K., kommen da schon etwas näher an Blanchetts Schauspielkunst heran.
Diese drei Darsteller (Blanchett, Hawkings und C.K.) waren es auf jedem Fall, die Woody Allens Sozialdrama für mich zu einem sehr sehenswerten und authentischen Erlebnis machten.

Einfühlsam wird Jasmins „Abstieg“ von der High Society in die „normale“ Gesellschaftsschicht dargestellt, mit all ihren Ängsten und Hoffnungen. Beeindruckend meistert Cate Blanchett die Darstellung eines zerrissenen Charakters, der erfüllt ist von Unsicherheit und Hilflosigkeit. Zielstrebig wird eine einfache Geschichte ohne viel Aufhebens erzählt, die einen dennoch mitreisst und auf gewisse Art und Weise auch mitfiebern lässt. Man nimmt den Darstellern ihre Handlungsweisen ab und kann so manches durchaus nachvollziehen, sind die Probleme doch so richtig aus dem Leben gegriffen.

Woody Allen hat es eindeutig noch immer drauf und wird aus meiner Sicht, ähnlich wie Clint Eastwood, im Alter auf gewisse Weise besser. „Blue Jasmin“ ist ein Film ohne jegliche Spezialeffekte. Das Augenmerk ist vollkommen auf die Schauspieler und die Story gerichtet. In Zeiten von computergenerierten Effekteorgien stechen solche Filme wohltuend ab und bringen uns dem Medium Film, wie es einmal war, wieder ein Stückchen näher. Solche schauspielerischen Filmjuwelen sind aus meiner Sicht die wahren Blockbuster, auch wenn sie den Geschmack der meisten Menschen (leider) nicht mehr treffen.

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Fazit: Einfühlsam und authentisch zeigt „Blue Jasmin“, mit einer hervorragenden Cate Blanchett in der Hauptrolle, was es heißt, einen gesellschaftlichen Abstieg verkraften zu müssen. Unbedingt anschauen!

© 2014 Wolfgang Brunner

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Auge um Auge (2013)

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Originaltitel: Out Of The Furnace
Regie: Scott Cooper
Drehbuch: Brad Ingelsby, Scott Cooper
Kamera: Masanobu Takayanagi
Musik: Dickon Hinchliffe
Laufzeit: 116 Minuten
Darsteller: Christian Bale, Woody Harrelson, Casey Affleck, Forest Whittaker, Willem Dafoe, Sam Shepard, Zoë Saldaña
Genre: Drama, Thriller
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Rodney ist Veteran des Irak-Kriegs und möchte nicht, wie sein Bruder Russell, im nahegelegenen Stahlwerk schuften. Er kämpft lieber bei illegalen Fights an geheimen, nur Eingeweihten bekannten Orten. Um immer mehr Geld bei diesen Kämpfen zu verdienen, gerät er an den eiskalten Harlan deGroat, der bei der kleinsten Unstimmigkeit über Leichen geht. Eines Tages ist Rodney verschwunden und sein Bruder Russell bittet die Polizei um Mithilfe. Als diese aber versucht, Russell zu vertrösten, erkennt dieser den wahren Grund: Alle haben Angst vor Harlan de Groat. Russell macht sich auf den Weg, seinen Bruder zu finden und im schlimmsten Fall gegebenenfalls zu rächen …

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„Auge um Auge“ ist ein beeindruckendes Drama, das mich an alte Klassiker wie „So grün war mein Tal“ oder „Die Faust im Nacken“ erinnert. Der Originaltitel hätte mit „Außerhalb des Schmelzofens“ übersetzt werden können und würde mehr Sinn ergeben, als das verwendete Bibelzitat.  Allerdings hätte man dem Film auch einen weitaus schlimmeren und peinlicheren Titel verpassen können, wie es in Deutschland ja so oft der Fall ist. Da ist dann „Auge um Auge“ gar nicht mal so schlecht.
Scott Coopers zweite Regiearbeit nach „Crazy Heart“ mit dem wunderbaren Jeff Bridges in der Hautrolle konnte mich von der ersten bis zur letzten Minute überzeugen. Ich kann, ehrlich gesagt, überhaupt nicht nachvollziehen, dass einige Zuseher den Film unnötig in die Länge gezogen und langatmig fanden. Das kann ich absolut nicht bestätigen.

Das ruhige Drama baut sich mit einer zielsicheren Entwicklung auf und endet in einem glaubhaften Rachefeldzug. Christian Bale konnte schon immer in vielfältigen Rollen überzeugen, aber was er hier präsentiert ist schlichtweg genial. Für mich eine der bisher stärksten Rollen in seiner Karriere. Aber auch Casey Affleck und Woody Harrelson schauspielern, was das Zeug hält. Zoë Saldaña die sich übrigens hinter der blauen „Schlumpfmaske“ der Neytiri in Camerons „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ versteckte, liefert in „Auge um Auge“ ebenfalls eine grandiose Leistung ab, die unter die Haut geht. Überhaupt spielen die „guten“ Personen in diesem Film alle sehr emotional, das geht einem dann auch wirkich unglaublich nahe. Da die Schauspieler durch die Bank gut agieren, kann ich mir nur vorstellen, dass der Regisseur eine gute Hand hat, um seine Schauspieler zu motivieren und zu führen.

Die sehr ruhige Inszenierung zieht sich durch den ganzen Film und wird daher das actionlastige Kinopublikum eher langweilen. Für die Produktion zeigen sich, unter anderem, Größen wie Lenardo diCaprio, Ridley Scott und Tony Scott verantwortlich. Dementsprechend ist meiner Meinung nach auch das Ergebnis: Ein trauriger, wütender, melancholischer, menschlicher, brutaler und emotionaler Film. Ein Drama, das den Zuschauer in seinen Bann zieht und nicht mehr loslässt. Schauspielerisch kann man sich keine besseren Performances wünschen.

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Fazit: „Auge um Auge“ ist  ein trauriges, wütendes, melancholisches, menschliches, brutales und emotionales Drama. Christian Bale liefert hier eine seiner besten Vorstellungen, Und Casey Affleck und Woody Harrelson ziehen in nahezu gleicher Manier nach. Uneingeschränkte Empfehlung und für mich mit eines der besten Dramen der letzten Jahre.

© 2014 Wolfgang Brunner

Snowpiercer (2013)

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Originaltitel: Snowpiercer / Seolgugyeolcha
Regie: Bong Joon-ho
Drehbuch: Bong Joon-ho, Kelly Masterson
Kamera: Hong Kyung-pyo
Musik: Marco Beltrami
Laufzeit: 126 Minuten
Darsteller: Chris Evans, Song Kangho, Tilda Swinton, Jamie Bell, Octavia Spencer, John Hurt, Ed Harris
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: Südkorea, USA
FSK: ab 16 Jahren

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Durch eine chemische Wunderwaffe wollten Wissenschaftler die nahende Klimakatastrophe abwenden. Doch sie erreichten damit genau das Gegenteil und nach deren Einsatz ist die Erde komplett mit Eis und Schnee bedeckt. Die Überlebenden haben sich in einen Zug zurückgezogen, der einsam durch die Schneelandschaft fährt und eine autarke Welt für die letzten Menschen bildet. Im vorderen Teil leben die Reichen, in den mittleren Waggons die Mittelschicht und ganz hinten die Armen. Sieben Jahre lang umrundet der Zug die vereiste Erde, bis eines Tages eine Revolution ausbricht und die Menschen, die im hinteren Teil leben, ihre Fäuste erheben.

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Wer von „Snowpiercer“ einen typischen Actionfilm erwartet, wird verwundert feststellen, dass sich hinter Bong Joon-hos erstem von den USA mitproduziertem Film ein weitaus anspruchsvollerer Stoff verbirgt, als man annimmt. Schon Joon-hos bis dato bekanntester Monsterfilm „The Host“ konnte absolut überzeugen und da dieser nicht in typisch südkoreanischem Stil gedreht wurde, war es nicht verwunderlich, dass amerikanische Produzenten auf den Regisseur aufmerksam wurden. „Snowpiercer“ ist nun das Ergebnis. Und das kann sich sehen lassen!

Die apokalyptische Schneewelt wird (auch wenn sie nicht allzuoft zu sehen ist) wirksam in Szene gesetzt und lässt eine beklemmende Atmosphäre aufkommen, die sich durch den ganzen Film zieht. Doch kaum ist man als Zuschauer im Inneren des Zuges zugegen, wird man in eine anarchaische Welt á la „Die Stadt der verlorenen Kinder“ geworfen.

Da treiben sich so allerhand skurrile Gestalten herum, die ohne weiteres in obengenannten Film passen würden. Dennoch schlägt Joon-ho eine andere Richtung ein und verbindet diese Skurrilitäten mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor und deftigen Action-Szenen. „Snowpiercer“ ist ein Film, den man sich ohne Erwartungen ansehen sollte. Im Grunde genommen wird alles geboten, was man von einem Kinofilm erwartet: Action, Spannung, Humor, Blut und Liebe. Aber es ist die Inszenierung, die diesen Film von allen anderen abhebt, denn der südkoreanische Regisseur lässt sich auch bei seinem englischsprachigen Debüt nicht auf Mainstream-Tauglichkeit ein. Geradlinig, aber enorm außergewöhnlich, wird hier eine spannende Revolte vor einem apokalyptischen Hintergrund in Szene gesetzt, das durch viele außergewöhnliche Ideen und Handlungswendungen überzeugen kann.

Die Kulisse im Inneren des Zuges ist manchmal oscarreif und man staunt über die vielfältigen, gelungenen Einfälle, die sich Joon-ho ausgeacht hat. Da gibt es Waggons, in denen sich Schulen, Handwerksbetriebe, Saunen und Partyräume verbergen. Wie diese autarke, in sich geschlossene Welt dargestellt wird, hat schon seine Reize. Und wenn dann die Schüler im Schulwaggon eine musikalische Ode an den Erfinder des Zuges vortragen, fühlt man sich an die Filme von Tim Burton erinnert. Schräges und Skurriles wird aber im nächsten Moment von brutalen Kämpfen und melancholischen Erinnerungen an die Zeit, als die Erde noch grün war, abgelöst.

„Snowpiercer“ ist kein Mainstream-Film, aber dennoch für ein großes, breites Publikum tauglich, Das ist es auch, was den Film in seiner Einzigartigkeit auszeichnet.

Chris Evans macht seine Sache sehr gut. Tilda Swinton ist unübertrefflich in ihrer schrägen Rolle und auch John Hurt und Ed Harris vermögen zu überzeugen, obwohl sie keine tragenden Rollen darstellen.

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Fazit: Unterhaltsam, spannend, skurril und schräg. Alles andere als Mainstream, aber dennoch massentauglich.  Wer einen Film im Stil von Andrej Konchalovskys „Runaway Train“ erwartet, sollte sich auf eine andere Art von Inszenierung einstellen.

© 2014 Wolfgang Brunner

Vengeance (2009)

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Alternativtitel:  Vengeance – Killer unter sich, Fuk sau
Originaltitel: Vengeance
Regie: Johnnie To
Drehbuch: Wai Ka-Fai
Kamera: Cheng Siu-Keung
Musik: Lo Tayu
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Johnny Hallyday, Anthony Wong, Lam Ka Tung, Lam Suet, Simon Yam
Genre: Thriller
Produktionsland: Frankreich, Hongkong
FSK: ab 18 Jahren

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Die Familie des ehemaligen Profikillers Costello wird bei einem brutalen Mordanschlag in Hongkong getötet. Nur seine Tochter überlebt und die bittet ihren Vater, den Tod ihres Mannes und der beiden Söhne zu rächen.
Costello, der aus Frankreich angereist war und in Hongkong niemanden kennt, findet Hilfe bei einer Gruppe von Profikillern. Zusammen mit ihnen sucht er die Schuldigen und gerät dabei immer mehr in eine verstrickte Geschichte …

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„Vengeance“ ist ein beeindruckender und visuell hervorragend inszenierter Rachethriller.
Mit Johnnie Hallyday (der eigentlich seine Karriere als Sänger begann) in der Hautprolle hat Regisseur To einen Glücksgriff getan. Auch wenn man sich an das Spiel des Franzosen erst einmal gewöhnen muss, so zeichnet er dennoch bereits nach kurzer Zeit einen vielschichtigen Charakter, der den Film trägt.
Die oft wunderbaren Bilder, die in diesem ruhigen Thriller präsentiert werden, erinnern an den „Film noir“. Oft musste ich aber auch zum Beispiel an „Blade Runner“ oder „Road To Perdition“ denken, wenn ich die verregneten Straßen Hongkongs sah.

Die Stimmung in diesem Film wird vor allem durch die hervorragende (Piano-) Musik von Lo Tayu bestimmt, die sich durch den ganzen Film zieht und eine einzigartige Atmosphäre vermittelt. Gerade diese Stimmung macht für mich „Vengeance“ zu einem besonderen Rachethriller. Gepaart mit der fantastischen Optik, die Johnnie To auf die Leinwand zaubert, und dem überzeugenden Schauspieler-Team gerät der Film zu einem nahezu perfekten Erlebnis.
Die Dramaturgie, der Wechsel zwischen ruhigen und actionlastigen Szenen, war optimal.

Zum Ende hin mutiert das Rachedrama dann fast schon zu einem Kultfilm, dessen Bilder sich unvergesslich ins Gedächtnis prägen.

Was mir persönlich noch sehr gut gefallen hat, war die „Europäisierung“  der Inszenierung, die zwar die Mentalität der Chinesen nicht komplett verdrängt, aber für uns Europäer doch sehr verständlich machte. Diese Gratwanderung zwischen chinesischem und europäischem Denken gelang Johnnie To wirklich sehr gut.

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Fazit: Ruhig, aber dennoch voller Action, wird hier ein Ausnahme-Rache-Thriller präsentiert, der durch die optische Präsentation im Gedächtnis haften bleibt. Johnny Hallyday in der Hauptrolle ist zwar eigenwillig, nichtsdestotrotz aber unnachahmlich überzeugend.

© 2014 Wolfgang Brunner

Edge Of Tomorrow (2014)

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Originaltitel: Edge Of Tomorrow
Regie: Doug Liman
Drehbuch: Christopher McQuarrie, Jez Butterworth, John-Henry Butterworth
Kamera: Dion Beebe
Musik: Christophe Beck
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: Tom Cruise, Emily Blunt, Brendan Gleeson, Bill Paxton, Jonas Armstrong, Tony Way
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Südkorea
FSK: ab 12 Jahren

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Die Mimics, eine Alienrasse, bedroht die Erde. Bill Cage gerät durch die schlechte Laune seines Vorgesetzten an die Front, wo er in speziellen Kampfanzügen gegen die Aliens kämpfen soll. Bereits bei seinem ersten Einsatz verliert er schon nach kurzer Zeit sein Leben.
Doch Cage steckt in einer Zeitschleife fest und muss diesen speziellen Tag immer wieder durchleben. Dabei lernt er die Kämpferin Rita Vrataski kennen, die anscheinend sein Schicksal teilt. Zusammen schmieden sie einen Plan, wie sie die Zeitschleife dazu nutzen könnten, die Alien-Invasion zu besiegen.

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Ich war ziemlich sicher, dass mir „Edge Of Tomorrow“ gefallen würde. Das er mir aber so gut gefällt, hätte ich dann nun doch nicht erwartet.
Aber der Reihe nach …

In den ersten Minuten wird man, ähnlich wie in George A. Romeros „Zombie“, ohne Umschweife in eine apokalyptische Welt geworfen, in der Nachrichtensendungen über eine weltweite Alien-Invasion berichten.
Wenig später fühlt man sich unweigerlich an Steven Spielbergs Kriegsdrama „Der Soldat James Ryan“ erinnert, wenn Bill Cage das erste Mal das Schlachtfeld am Strand vor der französischen Grenze betritt. Dazwischen kommen noch Szenen, die ich mit „Full Metal Jacket“ und, bei diesem Thema logischerweise, mit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ asoziierte.

Aber – „Edge Of Tomorrow“ hat diese Ideen nicht geklaut oder nachgemacht, sondern geht einen eigenen Weg, der sowohl durch die Schauspieler und die Spezialeffekte,  aber auch durch einen sympathischen, hintergründigen Humor absoluten Spaß macht. Tom Cruise und Emily Blunt agieren hervorragend miteinander.

Die Schlachtszenen könnten ohne weiteres auch aus Paul Verhoevens „Starship Troopers“ stammen, vermitteln aber auf jeden Fall mehr Authenzität. Wie Spieler eines Computerspiels suchen  die beiden Hauptfiguren ihren Weg zum Ziel durch „Learning by doing“. Jeder Tod bringt sie ein Stück näher ans Ziel, wobei das Ganze durchaus nicht langweilig wirkt, wie man beim Thema „Zeitschleife“ meinen könnte. Hat mich seinerzeit „Und täglich grüßt das Murmeltier“ eher gelangweilt, wartet „Edge Of Tomorrow“ mit jeder Menge Überraschungen und Wendungen auf, die den Spannungsbogen permanent halten.

Die Entwicklung, die der „Zeitreisende“ Cage mit jedem Neustart durchmacht, ist von Tom Cruise sehr überzeugend dargestellt. Man fiebert mit und kann es kaum erwarten, wie es weitergeht. In der nächsten Sekunde fühlt man sich selbst beim Grinsen ertappt, wenn sich die Hauptfiguren zum wiederholten Male vor immer denselben Problemen gegenüberstehen, um endlich wieder an den Punkt zu gelangen, an dem sie ihr Leben lassen mussten. Wie die beiden mit diesen wiederkehrenden Situationen umgehen, ist so manches Mal sehr amüsant dargestellt und mindert keinesfalls die Dramatik, die hinter den Alienbekämpfungen steht.

Doug Liman, der Blockbuster wie „Die Bourne-Identität“, „Mr. und Mrs. Smith“ und „Jumper“ inszenierte, hat eine Gratwanderung geschafft, die man selten in derartigen Mainstream-Produktionen findet: Bedrohlich wirkende Aliens und intelligenten, auf die jeweilige Situation abgestimmten Humor zu paaren, ist bestimmt nicht einfach. Liman hat es geschafft!

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Fazit: Herrlich erfrischender Science-Fiction.-Kracher, der in einer einzigartigen Mischung sowohl Spannung als auch Humor mit einer intelligenten, wendungsreichen Handlung bietet. Für mich nach „Oblivion“ wieder einmal ein Beweis, dass es Tom Cruise „im Alter“ immer mehr drauf hat. 😉

© 2014 Wolfgang Brunner

Erlöse uns von dem Bösen (2013)

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Originaltitel: Deliver Us from Evil
Regie: Scott Derickson
Drehbuch: Scott Derickson, Paul Harris Boardman
Kamera: Scott Kevan
Musik: Christopher Young
Laufzeit: 118 Minuten
Darsteller: Eric Bana, Édgar Ramírez, Olivia Munn, Chris Coy, Dorian Missick, Sean Harris
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Der Polizist Ralph Sarchie kennt sich mit den dunkelsten Gefahren aus, doch als er bei der Ermittlung einer Reihe von gausamen Verbechen nicht mehr weiter weiß, verbündet er sich mit dem unkonventionellen Priester Mendoza.
Während der Polizist immer tiefer in die grausame Welt des Bösen und Übernatürlichen eintaucht, erfährt er ebenfalls private Beziehungs- und Familienprobleme, die sein Leben zusätzlich erschweren.
Dennoch kämpft Sarchie weiter mit Mendoza gegen das Böse und bekämpft gemeinsam mit ihm die dunklen Dämonen, die seine Stadt terrorisieren.

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Ich schicke voraus, dass sich einige Spoiler bei dieser Film-Besprechung leider nicht vermeiden ließen.
Das heutige Kino kann mit den neusten “Horror“-Filmen meinen Erwartungen leider schon länger nicht mehr gerecht werden.
Der Trailer von ,,Erlöse uns von dem Bösen“ war ansprechend, vermittelt dem Zuschauer jedoch vollkommen falsche Hoffnungen, denn alle darin enthaltenden Szenen sind zugleich auch ausnahmslos ALLE (erschreckend vorhersehbaren) Schock-Szenen des Filmes.  Jede Leiche und der sogenannte ‚Exorzismus‘ werden in dem 90-sekündigem Trailer gezeigt.

Die restlichen 116 einhalb Minuten des Filmes, die man noch nicht kennt, ziehen sich in die Länge und beinhalten eine banale als auch absurde Handlung.
Der Trailer lockt die Menschen in einen Film, der immerhin mit einer talentierten und teils bekannten Besetzung immerhin ein wenig glänzen kann.
So ist die schauspielerische Leistung von Eric Bana (Troja), Édgar Ramírez (Zorn der Titanen, 8 Blickwinkel), Olivia Munn ( Iron Man 2) und Sean Harris (Prometheus) u.a zwar wirklich gut, jedoch ist dieses Talent, wie auch die 30 Millionen Dollar für die Produktion dieses Filmes, schlichtweg verschwendet.
Die Effekte sind teils gut, jedoch vorhersehbar und werten den Film nur um einige wenige Prozent auf, was mich in meiner Meinung nicht sehr stark beeinflusst.
Auch wird es im Trailer so dargstellt, als spielen Dinge wie Exorzismus eine primäre Rolle in dem Film.
Hier wird der Zuschauer ebenfalls enttäuscht, denn dieser sogenannte ‚Exorzismus‘ ist in gefühlten zwei Minuten durchgeführt und noch dazu unspektkulär.
Mit ihm wird der Zuschauer zu dem vorhersehbaren, nach 118 Minuten, heiß ersehnten, kitschigen Ende geführt, der den im Filmtitel geäußerten Wunsch erfüllt und ihm gerecht wird.

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Fazit: Maximal einen Stern gibt es von mir für ,,Erlöse und von dem Bösen„, und zwar für eine gute schauspielerische Leistung und ein paar nette Effekte. Wer jedoch einen guten, dämonischen Schocker sehen will, sollte sich an alte Klassiker wie ,,Der Exorzist“ oder ,,Der Exorzismus von Emily Rose“ halten.

© 2014 Jasmin Hegmann

Sein & Schein – SOKO Wien (2009)

SOKO Wien

Originaltitel: Sein & Schein
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Stefan Hafner, Thomas Weingartner
Kamera: David Sanderson
Musik: Bob Gutdeutsch
Laufzeit: 45 Minuten
Darsteller: Stefan Jürgens, Gregor Seberg, Lilian Klebow, Dietrich Siegl, Sandra Cervic, Helmut Bohatsch
Genre: Krimi
Produktionsland: Österreich
FSK: k.A.

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Am rechten Donauufer wird die Leiche von Fred Kowalski entdeckt. Er war Obmann der nahegelegenen Kleingartensiedlung „Rosenthal“. Bei den Nachforschungen entdeckt das Ermittlerteam, dass sich Kowalski nicht nur einen Feind in der nach außen hin idyllisch wirkenden Kleingartensiedlung gemacht hat. Nun gilt es, den Mörder aus der Vielzahl an Verdächtigen herauszufischen.

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Bei dieser Folge entführt uns Regisseur Robert Sigl in die Intrigenwelt der Kleingärtner. „Sein und Schein“ mutet fast schon wie eine Folge der kultigen Serie „Picket Fences“ an, in der Tom Skeritt als Sheriff James Brock skurille Todesfälle aufklärt. Desweiteren fühlte ich mich an die (nach außen hin) scheinheilige Welt der gepflegten Vorgärten, wie David Lynch am Anfang seines Thrillers „Blue Velvet“ zeigte, erinert.
Sigl schafft eine ähnliche Atmosphäre, in der eben nicht alles so ist, wie es nach außen hin aussieht. Die Ermittler wirken in dieser Folge sehr witzig, was dazu führt, dass man sich desöfteren mit einem Schmunzeln ertappt, wenn man den Recherchen des SOKO-Teams  mitverfolgt.
Dass gerade dieser schräge Humor und Wiener Schmäh ausgerechnet von einem deutschen Regisseur so überzeugend eingefangen und „gepackt“ wurde, spricht für Sigls Feingespür. Die österreichischen Zuseher dankten es ihm auf jeden Fall und machten „Sein und Schein“ zu einer der beliebtesten Folgen.

Die teils skurillen „Gestalten“, die sich in dieser Folge tummeln, wirken oftmals überzogen, was „Sein und Schein“ wieder einmal den Stempel einer Ausnahmefolge aus der Erfolgsserie aufdrückt.  Wie bereits Sigls „Preis der Schönheit“-Folge knackte auch seine „Sein oder Schein“-Inszenierung  die 4 Millionen-Zuschauer-Hürde, was diese Folge zu einer der erfolgreicheren der fünften SOKO-Staffel macht.

Auffällig sind auch die oft ungewöhnlichen Kameraeinstellungen. „Sein und Schein“ macht Spaß und zeigt erneut, dass TV-Serien ohne Weiteres auch Niveau haben können.  Dank guten Schauspielern und einem fähigen Regisseur …

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Fazit: Erneut beweits Robert Sigl mit dieser SOKO-Folge, dass er ein visueller Regisseur ist, der ein Drehbuch entsprechend in Szene setzen kann. „Sein und Schein“ gefällt durchwegs.

© 2014 Wolfgang Brunner