2 Lava 2 Lantula (2016)

Originaltitel: 2  Lava 2 Lantula
Regie: Nick Simon
Drehbuch: Neil Elman, Ashley O’Neil
Kamera: Kevin Duggin
Musik: Navid Hejazi
Laufzeit: 81 Minuten
Darsteller: Steve Guttenberg, Michael Winslow, Marion Ramsey, Eric Etebari, Michelle Weaver, R.J. Walker, Martin Kove
Genre: Horror, Science Fiction, Komödie
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Die Überlebenden des Spinnen-Angriffs in Los Angeles dachten, alles wäre vorbei. Doch in Florida tauchen die mutierten Feuerspinnen erneut auf, um die Menschheit endgültig zu vernichten. Filmstar Colton West sagt den Achtbeinern erneut den Kampf an und zusammen mit seinem besten Freund Marty setzt er dieses Mal alles daran, die Bedrohung ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.

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Die Feuerspinnen-Attacken gehen weiter. Nach dem zugegebenermaßen absolut gelungenen Trashfeuerwerk des ersten Teils ging ich eher mit gemischten Gefühlen an dieses Sequel heran. Ich fühlte mich auch in den ersten Minuten in meiner vorgefassten Meinung bestätigt, dass es sich bei dieser Fortsetzung eher um einen mittelmäßigen Film handelt, der an das Original nicht heranreichen würde. Doch ich muss zugeben, dass ich mich geirrt habe und der zweite Teil mindestens ebenso amüsant und unterhaltsam ist wie der Originalfilm. „2 Lava 2 Lantila“ ist trashiger und die Spezialeffekte wirken um einiges billiger als im ersten Teil, aber vielleicht ist genau das der Grund, warum die Fortsetzung funktioniert. Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler nehmen sich selbst noch weniger ernst als im ersten Teil,  was zur Folge hat, dass das Ergebnis einfach noch abgedrehter als im Original geworden ist.

In einem unglaublich rasanten Tempo werden die Protagonisten ohne große Vorgeschichte in das Chaos der Spinnenangriffe geworfen, so dass dem Zuschauer kaum Zeit zum Atmen und Nachdenken bleibt. Ein Gag reiht sich an den anderen, wobei viele, wie bereits im ersten Teil, in der deutschen Übersetzung nicht wirklich funktionieren. Aber das tut dem Vergnügen, das man bei „2Lava „Lantula“ hat , keinen Abbruch. In bester 80er Jahre Manier wird hier geblödelt und gesplattert, wobei sich letzteres im jugendfreien Rahmen hält. Dennoch verstecken sich allerdings ein paar Szenen, die aus meiner Sicht nicht unbedingt ab 12 Jahren freigegeben werden sollten. Aber das Thema FSK ist eine andere Geschichte, die mit dem Film nichts zu tun hat. Die Schauspieler sind allesamt absolut gut aufgelegt, allen voran Steve Guttenberg, der mich bereits im ersten Teil mit seiner übertriebenen Machoart vollkommen überzeugt hat. Auch im zweiten Teil wird er der fast schon kultverdächtigen Rolle des Colton West in allen Belangen gerecht. Guttenberg bringt einen mit seiner charmanten, unverstellten Art fast in jeder Szene irgendwie zum Schmunzeln. 🙂

Aufgrund der rasanten Erzählweise findet man natürlich keine tiefgreifenden Charakterentwürfe in den Protagonisten, was aber meiner Meinung nach in dieser Art von Film sowieso nichts verloren hätte. Wer sich so einen Film ansieht, will Trash und Spaß. Und genau das bekommt man auch bei „2Lava 2Lantula“. Ich hatte teilweise den Eindruck, als wollten die Macher dieses Mal sogar ihre eigene, ohnehin schon schräge Vorlage selbst auf den Arm nehmen, denn das Sequel ist in der Tat noch eine Spur verrückter und irrwitziger als das Original. Besonders eine Szene hat es mir so angetan, dass ich sie ein paar Mal hintereinander wiederholen musste. Es ist so herrlich witzig, wenn die Protagonisten über die Größe der Mutter-Feuerspinne diskutieren und dieser Dialog einfach kein Ende nimmt.
Interessant für Filmfans dürften auch die zahlreichen Anspielungen (manche versteckt, manche offensichtlich) auf „Crocodile Dundee“, „Scarface“ oder „Jurassic Park“, aber auch die alten japanischen Monsterfilme sein, die sich durch den ganzen Film ziehen. Das Zeug und Potential zur Kultserie hätten die „Lavalantulas“ auf alle Fälle, zumal Steve Guttenberg in der Rolle des Colton West sowieso aus meiner Sicht einer der besten und charismatischsten „Trash-Schauspieler“ ist. Ich würde mich jedenfalls über eine weitere Fortsetzung freuen.

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Fazit: Rasant inszenierte Fortsetzung der Lava-Spinnen-Invasion. Ein Muss für Trashfans.

© 2017 Wolfgang Brunner

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ABCs Of Superheroes (2015)

Originaltitel: ABCs Of Superheroes
Buch und Regie: Jens Holzheuer, Oliver Tietgen
Kamera: Oliver Tietgen
Musik: —
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Bai Ling, Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Jerry Kwarteng, Lloyd Kaufman, Fred Olen Ray, Aramis Merlin, René Wiesner, Simon Lammers, Biggi Bardot, Manni Laudenbach, Uwe Schueder, Meggan Anderson
Genre: Fantasy, Komödie
Herstellungsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Während eines Einkaufs nörgelt ein junges Mädchen so lange, bis sie von ihrer Mutter ein Comicheft gekauft bekommt: ABCs Of Superheroes. In diesem Heft werden Superhelden, deren Namen mit allen 26 Buchstaben des Alphabets beginnen, vorgestellt. Eine abgedrehte Reise durch eine Comicwelt voller ungewöhnlicher Superhelden beginnt.

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Am besten sollte man unvoreingenommen an diesen herrlich verrückten und schrägen Independent-Film herangehen. „ABCs Of Superheroes“ kann man im Grunde genommen sehr schwer beschreiben, denn was da auf einem zukommt, ist schlichtweg einfach nur genial und dermaßen abwechslungs- und ideenreich, dass einem so manches Mal die Worte fehlen. Unzählige Einfälle, verbunden mit liebevollen Anspielungen auf kleinere, größere, bekannte und unbekannte Filme machen diesen Streifen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis, von dem man gar nicht genug bekommen kann (zumindest geht es mir da so). Die Regisseure Jens Holzheuer und Oliver Tietgen, die auch beide das Drehbuch verfassten, nahmen sich augenscheinlich vor, einfach das zu machen, worauf sie Lust hatten. „ABCs Of Superheroes“ ist eine wilde Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Komödie, Softporno und und und …, eine Verbeugung vor echten und trashigen Kultfilmen, eine Hymne an das freie Filmemachen, wo es einfach nur um Spaß und das Umsetzen eigener Ideen geht und nicht um eine perfekte, geldlastige Perfektion. Und gerade diese Nichtperfektion macht den unglaublichen Charme dieses Films aus, der einen von der ersten bis zur letzten Minute nicht mehr loslässt.

Noch heute, ein paar Tage später, zaubert mir die ein oder andere absurde Szene noch ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht. Die Rahmenhandlung (das Mädchen, das den Comic liest) lockert die zwanzig Episoden immer wieder auf und bringt den Zuschauer auch einige Male zum Lachen. Aber getragen wird der Film von der unendlichen Fülle an skurrilen und verrückten Ideen, die man in ihrer Vielseitigkeit fast nicht erfassen kann. Gespannt wartet man darauf, mit welchen Einfällen der nächste Superheld im Alphabet präsentiert wird und vergisst darüber tatsächlich die Zeit. Ich habe selten einen so kurzweiligen Episodenfilm gesehen, der mit einem wahren Feuerwerk an Inspirationen und Gags aufwarten kann. Die Gastauftritte von Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Lloyd Kaufmann und Bai Ling tun ihr übriges dazu, um „ABCs Of Superheroes“ unterhaltsam zu machen. Die Darsteller sind allesamt witzig und souverän (und oftmals in ihrer naiven Amateurhaftigkeit liebenswert doof), wobei mir Jerry Kwarteng in der Rolle als Jesus dann doch ziemlich positiv aufgefallen ist.

Es ist Ultra-Trash, den man hier serviert bekommt, und man muss das eindeutig mögen und dafür auch offen sein. Es ist Blödsinn, der einem hier präsentiert wird, und als Filmfan erkennt man unendlich viele Anspielungen. Mit einfachen Mitteln (ob gewollt oder nicht, sei hier dahingestellt) wurden Visionen in Szene gesetzt, denen man einfach den riesengroßen Spaß an der Produktion ansieht. Nichts wird ernst genommen, alles wird veralbert und obgleich es in teilweise wirklich dummen Klamauk abdriftet, hat es für mich bedeutend mehr Spaßfaktor als sogenannte erfolgreiche, deutsche Komödien wie „Fuck Ju Göhte“. „ABCs Of Superheros“ ist ein kranker, aber gutgelaunter Trip, von Menschen gemacht, die Splatter, Porno, Horror, Fantasy und SF mögen und Spaß am Filmedrehen haben. Da wird ausgelassen gealbert, aber sich auch vor Genregrößen verbeugt, dass es eine wahre Freude ist. Vielleicht sollte ich nochmal explizit erwähnen, dass es den Machern mit Sicherheit nicht darum ging, eine perfekte Superhelden-Parodie auf die Beine zu stellen, sondern eher absichtlich eine dilettantische Trashperle a la „Flash Gordon“ zu zaubern, bei der sämtliche Effekte stümperhaft, aber nichtsdestoweniger liebenswert unterhaltsam wirken(zumindest kam das bei mir so an). Ich für meinen Teil habe mich auf jeden Fall schon lange nicht mehr so prächtig amüsiert, wenngleich viele Witze einen sexistischen und plumpen Anschein erwecken. Aber sie sind dann schon wiederum eben so doof, dass sie Spaß machen und in ihrer dumpfbackigen Albernheit funktionieren. Ich mag diesen Film auf jeden Fall. 😉
May the Fist Fuck Force be with you. 🙂

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Fazit: Abgedreht und ausgelassen albern. Unperfekter Ultra-Trash, der amüsiert und kurzweilig unterhält.

© 2017 Wolfgang Brunner

MOLOCH – Die Dokumentation – Teil 2 – Interview mit Mick Baltes

Und hier ist er auch schon: Der zweite Teil der Dokumentation über den Künstler „Moloch“.
Heute kommt der erste meiner Gesprächtspartner zu Wort, die meine diversen Fragen bezüglich dem Mensch und Künstler „Moloch“ beantwortet haben. Mick Baltes war so nett, mir seine Antworten per Video zukommen zu lassen.
Baltes, Jahrgang 1962, verbrachte Kindheit und Jugend am Niederrhein und begeisterte sich bereits mit 16 Jahren für Musik. Fast scheint es, als wäre bereits hier schon sein Weg zum Musikredakteur absehbar gewesen.
Doch bevor er diese Karriere einschlug, entdeckte er dazwischen seine große Liebe zum Kino. Mick Baltes realisierte sogar ein paar eigene Kurzfilme, behielt Film und Theater immer im Auge und landete schließlich in der Werbebranche. Heute arbeitet er als Screendesigner, Flashentwickler und schreibt als Freelancer über Musik, Kino und TV unter anderem für „Sound Infection“.

Freuen wir uns also auf ein Video von Mick Baltes, in dem er seine Eindrücke über Moloch kundtut:

The House At The End Of Time (2013)

TheHouseAtTheEndOfTime

Originaltitel: La casa del fin de los tiempos
Buch und Regie: Alejandro Hidalgo
Kamera: Cezary Jaworski
Musik: Yoncarlos Medina
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Ruddy Rodríguez, Rosmel Bustamante, Gonzalo Cubero,
Guillermo García, Héctor Mercado
Genre: Horror
Herstellungsland: Venezuela
FSK: ab 16 Jahren

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Eines Nachts verschwindet Dulces Sohn spurlos und ihr Mann wird brutal ermordet aufgefunden. Weil auf der Tatwaffe ihre Fingerabdrücke gefunden werden, wird Dulce zu lebenslanger Haft verurteilt. 30 Jahre später wird sie aus dem Gefängnis entlassen und in ihr altes Haus zurückgebracht, wo sie, unter Beobachtung gestellt, über die Vorfälle von damals nachdenkt. Doch Dulce ist nicht allein, denn die Geister ihrer Vergangenheit sind ebenfalls noch in dem Haus. Zusammen mit einem Priester will Dulce das Rätsel ergründen, durch das sie ihren Sohn und Mann vor 30 Jahren verloren hat.

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„Das Haus am Ende der Zeit“ ist das Debüt eines jungen, venezuelanischen Filmemachers namens Alejandro Hidalgo. Diesen Namen sollte man sich unbedingt merken, denn was er mit seinem Erstling abgeliefert hat, ist eine filmische Wucht sondergleichen. Man könnte fast meinen, dass der visionäre Christopher Nolan (u.a. „The Dark Knight“-Trilogie, „Inception“ und „Interstellar“) einen Horrorfilm gedreht hat. Es ist unglaublich, mit welcher Raffinesse hier ein Plot kreiert wurde, der zum Ende hin mit einem wahren Feuerwerk an A-ha-Effekten und emotionalen Achterbahnfahrten aufgelöst wird. Klar werden jetzt wieder die ewigen Nörgler daher kommen und über die vermeintlichen Logiklöcher der wirren Handlung diskutieren, aber keiner von ihnen kann mir die Genialität dieses emotionalen Meisterwerks absprechen. „The House At The End Of Time“ ist bestes Kino: gefühlvoll, spannend, unheimlich, visionär und atemberaubend beeindruckend. Selten habe ich so eine atmosphärisch stimmige Mixtur aus Old School-Grusel, intelligenter Handlung und tollen Schauspielern gesehen.

Hidalgo hat ein inszenatorisches Gespür wie ein Profi. Wie er die Handlungen im Verlaufe des Films verwebt ist ein wahrer Geniestreich, der den Zuschauer schlichtweg verblüfft und ihm den Atem raubt. An einer Stelle habe ich mich sogar selbst dabei erwischt, wie ich vollkommen sprachlos den Kopf schüttelte, als ich die Zusammenhänge erkannte. Ich kann meine Begeisterung schwer unterdrücken, denn noch immer geistern die Überschneidungen der Szenen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch meine Gedanken. Man muss sich auf den Film einlassen, das ist keine Frage, um die komplexe Struktur zu durchschauen. Mainstream-Publikum wird dabei Schwierigkeiten haben, denn eine geradlinige Erzählweise, der man ohne viel nachzudenken folgen kann, fehlt. Der Zuseher, der sich in den Zeitwirbel fallen lässt, wird mit einem wahren Wunder belohnt, das sich ins Gedächtnis frisst, wie es schon lange kein Horrorfilm mehr geschafft hat.

Hidalgo spielt mit einer Leichtigkeit mit Raum und Zeit, als wäre absolut nichts daran kompliziert. Und genau das ist es, was mich immer wieder an Nolan denken lässt: komplizierte Dinge auf völlig unkomplizierte Art darzustellen beziehungsweise darstellen zu können. Schauspielerisch bewegt sich der Film auf absolut hohem Niveau und kann sich getrost mit weitaus bekannteren Streifen messen. Ich möchte mich sogar insoweit ein wenig nach vorne beugen, in dem ich „The House At The End Of Time“ sogar einen bedeutend höheren Status zuspreche, als es thematisch ähnliche Großproduktionen wie zum Beispiel „The Others“ oder „The Sixth Sense“. Hidalgos Debüt ist ein Juwel unter der Masse an Horrorfilmen, und wenn man zu der überaus gekonnten Inszenierung, dem mehr als genialen Plot und den durchwegs fähigen Schauspielern noch das relativ geringe Budget berücksichtigt, so kann man diesen Film ohne Einschränkungen als „absolutes Meisterwerk“ bezeichnen.
Wer blutige Effekte und / oder Mainstreamkino erwartet, sollte die Finger davon lassen. Leider suggeriert das Plakat einen Film im Stil von „Insidious“ oder anderen Haunted House-Filmen, was in diesem Falle aber nicht zutrifft und in die Irre führt. Wer einem künstlerisch ambitionierten Film mit einem feinfühligen, gefühlvollen Plot offen ist, wird mit einem unglaublich beeindruckenden Ergebnis belohnt. So, dann mache ich mal Schluss und sehe mir „The House At The End Of Time“ gleich nochmal an. 😉
Und, wie nicht anders zu erwarten, plant Hollywood schon ein Remake dieses Ausnahmefilms und versucht, wie so oft, die Lorbeeren, die eigentlich dem ursprünglichen Macher zustünden, in Form einer (wahrscheinlich wieder einmal)  seelenlosen Neuverfilmung für sich einzuheimsen.

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Fazit: Visionär, spannend, gruselig, emotional … Mir fehlen einfach die Worte für diese geniale Achterbahnfahrt.

© 2017  Wolfgang Brunner

Durch die Nacht (2013 / 2017)

Originaltitel: Durch die Nacht
Regie: Marco Pfeiffer
Drehbuch: Marco Pfeiffer
Kamera: Mirko Prokic
Musik: Lino Jednat
Laufzeit: 7 Minuten (Langfassung: 14 Minuten)
Darsteller: Randi Rettel, Jessica Klauß, Jan-Erik-Hohl, Nicole Schreier,
Livia Schwarz, Ralf T. Hoffmann, Aaron Wassilew, Julia Alsheimer, Nina
Michnik, Sissy Chrysos, Gabriele Kriedemann
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: nicht geprüft

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Marie will ihren Freund Ben mit einem schönen Essen verwöhnen. Doch der Abend verläuft leider nicht so, wie sich Marie das vorgestellt hat. Verzweifelt begibt sie sich auf einen Spaziergang durch die Nacht und erfährt durch einige Begegnungen, was Leben wirklich bedeutet.

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Das Drama „Durch die Nacht“ kann von der ersten Einstellung an begeistern und hinterlässt deutliche Spuren in den Gedanken des Zusehers. Regisseur Marco Pfeiffer, der auch das Drehbuch verfasste, gelingt es in etwas mehr als fünf Minuten, einen derart zu packen, dass es fast schon Angst macht. Eine anfangs ärgerliche, kurze Zeit später aber wieder befriedigende Alltagssituation gerät zu einem Alptraum, in den sich jeder durch die intensiven Bilder des Kurzfilms hineinversetzen kann. Mit einfachen Mitteln wird in wenigen Minuten eine Palette an Gefühlen behandelt, dass es einen beim ersten (und auch noch zweiten Ansehen) schlichtweg überfordert. Liebe, Verlust, Trauer, Angst, Mut, Verzweiflung und am Ende Hoffnung. All dies passiert mit der Protagonistin, die wir auf ihrem verzweifelten Gang durch die Nacht begleiten. Und wir fühlen mit ihr, spüren die Trauer und die Verzweiflung, erleben aber auch in geschickt inszenierten Bildern die Hoffnung, die durch die Begegnung mit Mitmenschen in ihr aufkeimt.

„Durch die Nacht“ ist ein emotionaler, tiefgehender Kurzfilm, der mit Emotionen spielt und sie selbst für diejenigen deutlich macht, die sich noch nie in solch einer (oder ähnlichen) Lage befanden. Marie wird hervorragend von Randi Rettel verkörpert, der man sämtliche Emotionen abnimmt. Ihr natürliches, ungezwungenes Schauspiel ist herrlich erfrischend und echt, so dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Sie drückt die Hilflosigkeit, den Kummer und die Niedergeschlagenheit, durch die sie in eine Spirale der Selbstzerstörung gerät, so natürlich aus, dass es einem Angst einjagen kann. Marco Pfeiffers Film drückt im Gegenzug aber auch aus, dass junge Menschen sich nicht nur im negativen Sinne „gehen lassen“, sondern auch sehr wohl an eine glückliche Zukunft und ein erfülltes Familienleben glauben können.
Jan-Erik-Hohl als Ben kann, wenngleich er nicht allzu oft zu sehen ist, durch seine charismatische und sehr sympathische Ausstrahlung punkten und lässt selbst einen männlichen Zuschauer am Ende dahinschmelzen. 😉
Und Jessica Klauß als Mutter mit Kind, die für Marie die rettende Hand darstellt, kann auf sehr positive Weise in ihrer Rolle überzeugen. Die wunderschöne und überaus passende Musikuntermalung stammt von Lino Jednat, von dem man sich in Zukunft auf jeden Fall noch mehr Scores in dieser Art wünscht.

Von „Durch die Nacht“ existiert eine Kurz- und eine Langfassung, die man beide gesehen haben sollte. Ich habe zuerst die Kurzfassung aus dem Jahr 2013 angesehen und mir danach viele Gedanken über die Handlung gemacht. So ging es anscheinend mehreren Zuschauern, denn nach der ursprünglich abgedrehten Kurzfassung entschieden sich die Macher nachträglich im Jahr 2017 noch eine Langfassung herzustellen, die bedeutend mehr auf die Beziehung von Marie und Ben eingeht und auch einige offenstehende Fragen der Kurzfassung beantwortet. Mir persönlich hat es die längere Fassung angetan, weil sie noch bedeutend mehr Emotionen in mir ausgelöst hat als die originale Kurzfassung. Für mich ein sehr beeindruckendes Filmerlebnis, das erstaunlicherweise trotz seiner kurzen Laufzeit enorm viel Gefühle beim Zuschauer wachrüttelt.
Beide Fassungen kann man auf der Film-Homepage begutachten. Eine Facebook-Seite zum Film gibt es ebenfalls, die noch weitere und vor allem aktuelle Informationen bereithält.

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Fazit: Kurzfilm mit tollen Darstellern (Randi Rettel ist einfach ein Glücksgriff) und einer unglaublich emotionalen Wucht, die einen nachhaltig beschäftigt.

© 2017 Wolfgang Brunner

Max Schmeling (2010)

Originaltitel: Max Schmeling
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Timo Berndt, Uwe Boll
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Rooij
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Henry Maske, Susanne Wuest, Heino Ferch, Vladimir Weigl, Arthur Abraham, Yoan Pablo Hernández, Detlef Bothe
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Während des Zweiten Weltkriegs erzählt Max Schmeling als Soldat einem britischen Kriegsgefangenen, den er aus Kreta überführen soll, seine Lebensgeschichte. Er schildert seine ersten WM-Kämpfe, seine große Liebe zur Schauspielerin Anny Ondra und letztendlich die legendären Kämpfe gegen Joe Louis.

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Ein Film, über den nur gemeckert wird, sei es wegen des Regisseurs oder auch wegen des angeblich schlechten Schauspiels von Henry Maske. Nun gut, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und die daraus resultierenden Meinungen logischerweise auch. Mit „Max Schmeling“ ist Uwe Boll meiner Meinung nach ein unglaublich ehrlicher und authentischer Film gelungen, der das Leben des Boxweltmeisters sehr gelungen beschreibt. Gerade mit Henry Maske wurde ein Mann für die Hauptrolle verpflichtet, der Max Schmeling sogar ziemlich ähnlich sieht (ein kurzer Blick über eine Bildersuchmaschine im Internet kann meine Aussage bestätigen). Hinzu kommt das eher schüchterne, zurückhaltende Agieren Maskes, das wohl auch dem realen Charakter Schmelings entspricht. Interessant dürfte in dieser Sache auch sein, dass Max Schmeling und Henry Maske bis zum Tod Schmelings eine sehr enge Freundschaft verband, während der Schmeling einmal geäußert hatte, dass er von Maske dargestellt werden wolle, sollte sein Leben jemals verfilmt werden. Maske empfand das natürlich als eine große Ehre und sagte Bolls Angebot zu.

Sogar die Kritiker der „großen“ Zeitungen und Zeitschriften missbilligten sowohl Maskes Schauspielleistung wie auch Bolls Regie, obwohl die filmische Biografie aus meiner Sicht (und übrigens auch der meiner Frau) absolut gelungen ist. Kurzweilig und sehr intensiv wird das Leben dieses Mannes geschildert und auch ein kleiner Einblick in seinen Charakter gewährt. Selbst die so oft verpönten Boxszenen empfand ich als sehr authentisch (müssen sie ja eigentlich auch, denn sie wurden schließlich von einem echten Boxer gespielt) und vor allem sehr spannend inszeniert. Teils mit wunderschönen Bildern und teils mit beunruhigenden Einschüben der nationalsozialistischen Vorgehensweisen inszenierte Boll ein beeindruckendes Porträt eines Mannes, der sich nicht alles gefallen ließ. Uwe Boll entführt den Zuschauer ins alte Berlin, lässt eine vergangene Welt glaubhaft wieder aufleben und setzt damit nicht nur dem Boxer Schmeling, sondern auch dem alten Berlin ein Denkmal.
Man sollte diesem Film wirklich eine Chance geben, egal ob man zu den Boll-Hassern (warum gibt es die überhaupt?) oder den Henry Maske-Verurteilern bezüglich seiner Schauspielerei gehört, denn „Max Schmeling“ hat es verdient. Hier sieht man nämlich, dass Uwe Boll sehr wohl was kann, wenn er ein anständiges Budget zur Verfügung hat.

An der Seite von Henry Maske agiert Susanne Wuest als seine große Liebe. Wuest verkörpert die Geliebte und Frau des Boxers absolut gekonnt und auch sie sieht der echten Anny Ondra verblüffend ähnlich. Die Schauspieler der beiden Hauptparts hätten besser nicht gecastet werden können. Auch Heino Ferch passt als Trainer sehr gut in das Gesamtbild. Der wirklich fantastische Score von Jessica de Rooij, die so ziemlich jeden Film von Uwe Boll musikalisch untermalt hat, rundet das Bild noch so richtig ab. Unaufdringlich vermitteln ihre Töne mal Sanftes und mal Gewaltiges und verschaffen der filmischen Biografie das nötige I-Tüpfelchen, um „Max Schmeling“ zu einem wirklich sehenswerten Film zu machen. Ich fühlte mich perfekt unterhalten und vergaß die Zeit, so hat mich die Story (und auch der Inszenierungsstil) gepackt.  Schon jetzt weiß ich, dass ich diesen Film auf jeden Fall noch einmal ansehen werde.
Man sollte sich den Film unvoreingenommen ansehen und sich schlichtweg seine eigene Meinung bilden. Es wäre zu schade, wenn sich der ein oder andere Zuschauer / Interessierte von unqualifizierten Meinungen oder hasserfüllten Vorurteilen gegenüber Schauspieler oder Regisseur dieses Ereignis entgehen lassen würde.

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Fazit: Völlig zu Unrecht missachtetes Lebensporträt eines berühmten Mannes.

© 2017 Wolfgang Brunner

Alien: Covenant (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 122 Minuten
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Guy Pearce
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Das Raumschiff Covenant ist mit 2.000 schlafenden Menschen und über 1.000 menschlichen Embryonen unterwegs, um auf einem fremden Planeten eine Kolonie zu gründen. Durch einen Sonnensturm wird das Schiff beschädigt und die Mannschaft aus dem Tiefschlaf geweckt. Während sie die Schäden am Schiff untersuchen, entdecken sie einen fremden Planeten, der der Erde ähnelt und anscheinend bewohnbar ist. Als ein Teil der Crew auf dem Planeten landet und ihn erforscht, kommen zwei Männer in Kontakt mit einer seltsamen Spore. Ohne es zu wissen, wächst ein fremdartiges Lebenwesen in ihren Körpern heran, dass schon bald das Leben der gesamten Mannschaft bedroht.

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Im Vorfeld waren ja schon wieder die unterschiedlichsten Meinungen zu Ridley Scotts neuestem Alien-Film vertreten. Doch ich wollte mir, wie auch übrigens bei „Prometheus“, einfach unvoreingenommen eine eigene Meinung bilden. Und ich bin froh, dass ich mir das Filmvergnügen nicht selbst verdorben habe, indem ich die anderen Rezensionen genau durchgelesen sondern nur überflogen habe. Denn … ich finde, dass Ridley Scott wieder einmal einen visionären Film abgeliefert hat. Sicherlich muss man über die ein oder andere Logiksache hinwegsehen, das ist mir aber in diesem Fall wirklich egal, denn ich möchte mit solchen Filmen unterhalten werden. Und das hat mit „Alien: Covenant“ eindeutig hervorragend geklappt. Ein bisschen Kritik habe ich dennoch zu vermelden, aber eines nach dem anderen.

Zunächst einmal fand ich den Spannungsaufbau sehr gelungen und wirkungsvoll. Langsam wird der Zuschauer in eine bedrückende Atmosphäre eingelullt, der man sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr entziehen kann. Gerade die Infizierung auf dem fremden Planeten und die ersten Alien-Attacken sind grandios inszeniert und fast schon unerträglich in ihrer Spannung. Die Bilder von der „Geburt“ des ersten Aliens gehen mir in ähnlicher Weise nicht mehr aus dem Kopf wie seinerzeit eine ähnliche Szene in John Carpenters Kultfilm „Das Ding aus einer anderen Welt“. Oftmals habe ich irgendwann gemerkt, dass ich den Atem angehalten habe, so spannend waren die Angriffe der Aliens, obwohl sie mit dem Computer designt wurden. Die Attacken sahen in einigen Szenen ähnlich wie in „Starship Troopers“ aus vermittelten eine ähnliche, ausweglose Situation. und Die ersten beiden Drittel fand ich persönlich absolut atemberaubend in Szene gesetzt, enorm spannend und extremst kurzweilig. Leider verzetteln sich die Drehbuchautoren am Ende in einem ideenlosen Abklatsch des Originals, was mir nicht so gefallen hat. Da hätte ich mir dann doch eine etwas andere Wendung beziehungsweise ein innovativeres Ende gewünscht. Aber nun gut, der Mainstream möchte genau so etwas wahrscheinlich sehen und die Macher haben sich wahrscheinlich darauf eingelassen, um Erfolg an der Kinokasse zu haben. Das hat schon der mäßig erfolgreiche „Alien 3“ von David Fincher gezeigt, dass Innovation nicht immer gut beim Massenpublikum ankommt. Bei „Alien: Covenant“ wollte man deswegen wohl sichergehen und hat sich für diesen Weg entschieden, der dem Massenpublikum genau das gibt, was es will, und den „echten“ Filmfreund dann eher enttäuscht. Soweit zu meinem einzigen Kritikpunkt.

Nahezu begeistert war ich von der Entwicklung, die Ridley Scott den „menschlichen Robotern“ zugedacht hat. Es mutet fast wie eine leichte Symbiose oder wie eine Brücke zu seinem Meisterwerk „Blade Runner“ an, wenn er in „Alien: Covenant“ den Maschinenwesen unheimliche menschliche Züge verschafft. Ich denke, diese Annäherung beider Universen ist beabsichtigt, denn gerade die Anfangssequenz könnte durchaus bei „Blade Runner“ Anwendung finden. Auch darstellerisch kann man bei „Alien: Covenant“ nichts aussetzen, denn alle spielen durchwegs außerordentlich gut und nehmen ihre Rollen sichtlich ernst. Michael Fassbender, der angebliche Star des Films, wird aber aus meiner Sicht eindeutig von Danny McBride an die Wand gespielt, der seinen Protagonisten unglaublich authentisch und vor allem sehr emotional verkörpert. McBride hat mich während des ganzen Films am meisten begeistert und beeindruckt, da kam Fassbender nicht einmal annähernd mit. Ist aber einfach nur meine Meinung. Scoretechnisch hat Jed Kurzel eigene Töne mit markanten Klängen aus Jerry Goldsmiths Originalscore vermischt und für eine sehr passende und atmosphärische Musikuntermalung  gesorgt.
Alles in allem hat mir „Alien:Covenant“, genauso wie „Prometheus“, in seiner Fortführung und/oder Neuinterpretation des Alien-Universums absolut gut gefallen.

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Fazit: Ästhetisch, brutal und atmosphärisch. Trotz einiger Logikfehler ein würdiges, sehenswertes Teil im Alien-Universum-Puzzle.

© 2017 Wolfgang Brunner