Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind (2016)

Originaltitel: Fantastic Beasts and Where to Find Them
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling
Kamera: Philippe Rousselot
Musik: James Newton Howard
Laufzeit: 133 Minuten
Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Ezra Miller, Dan Fogler, Alison Sudol, Colin Farrell, Faith Wood-Blagrove, Samantha Morton, Ron Perlman, Jon Voight, Johnny Depp
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Der exzentrische und hochbegabte britische Zauberer Newt Scamander erforscht mit Hingabe die Vielfalt aller magischen Wesen und setzt sich für ihre Rettung und Erhaltung ein. Ein paar solcher Wesen trägt er in seinem Koffer mit sich herum, als er nach Amerika aufbricht, um dort ein neues Wesen zu ergattern. Durch einen unglücklichen Zufall gerät eines der Wesen durch den Menschen Jacob Kowalski frei und sorgt für Aufregung. Bei dem Versuch, das Wesen wieder einzufangen, begegnen Newt und Jacob der Magierin Tina Goldstein. Doch das Problem ist nicht nur, dass Newts magische Wesen auf freiem Fuß sind, sondern auch ein europäischer Zauberer, der nichts Gutes im Schilde führt …

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Niemand hätte damit gerechnet, dass es nach dem letzten Teil der Harry Potter-Reihe noch einmal einen Film gibt, der im gleichen Universum spielt. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch, als es hieß, dass „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ in die Kinos kommen sollte. Das titelgebende Büchlein, in dem lediglich magische Wesen beschrieben werden, bildete aber nur entfernt die Vorlage für den ersten von insgesamt fünf geplanten Teilen der neuen „Potter“-Reihe. Protagonist der Handlung ist der Zauberer Newt Scamander, den eingeschweißte Harry Potter-Fans selbstverständlich als Verfasser des obengenannten Buches kennen. Und genau jene Abenteuer, die Scamander während seiner Forschungen erlebt, bilden das Handlungsgerüst des Films.  Während anfangs noch ein Hauch von Rückkehr in die magische Welt von Harry Potter gelingt (Hogwarts, Dumbledore und einige andere Verweise auf die ursprünglichen Potters werden genannt), entwickelt sich „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ aber schon bald in eine andere, eigenständige Richtung, die aber dennoch absolut funktioniert.

Regisseur David Yates, der bereits bei den letzten drei Büchern (vier Filmen) der Harry Potter-Reihe und auch den beeindruckenden „Legend Of Tarzan“ Regie führte, zeigt auch hier ein sicheres Händchen in der Inszenierung für einen abendfüllenden, spannenden und sehr unterhaltsamen Kinofilm. In wunderbaren Bildern, die nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene verzaubern, erzählt er eine magische Geschichte, die einem in der Tat die reale Welt um einen herum für etwas mehr als zwei Stunden vergessen lässt. Man merkt dem Film an, dass er auf mehrere Teile angelegt ist, denn nichts in der Handlung wirkt überfrachtet und mit Gewalt in die Laufzeit hineingequetscht. Yater geht es relativ ruhig an und erzählt eine geradlinige Geschichte, die allerdings mit nicht viel Innovationen aufwarten kann. Doch dieser kleine Makel wird schnell aufgrund der rasanten Inszenierungsweise und den perfekten Effekten vergessen. „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ist ein Film, in den man sich fallen lassen muss, um ihn genießen zu können. Allerdings finde ich persönlich die FSK-Freigabe ab 6 Jahren etwas grenzwertig, aber das ist ein anderes Thema und hat mit dem Film nichts zu tun.

Schauspielerisch liegt das ganze auf einem guten Niveau, das sich sehen lassen kann. Eddie Redmayne (2015 Oscargewinner für seine Rolle des Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit) hat zwar schon viele Filme auf seinem Karriereblatt zu verzeichnen, dürfte aber den meisten wohl in letzter Zeit nur durch seine Rolle in  „Jupiter Ascending“ in Erinnerung geblieben sein. Er wirkt in den ersten Momenten des Films etwas fehlbesetzt, aber das legt sich sehr schnell und schon bald erweist sich sein Schauspiel als wahrer Glücksgriff für den Film. Er verkörpert den jungen Zauberer „very british“ und verleiht ihm dadurch einen ganz besonderen Charakter, der im Gedächtnis haften bleibt. Katherine Waterston wirkt neben ihm ein wenig blass, obwohl auch sie ihre Rolle sehr gut und glaubwürdig im Griff hat. Sympathieträger des Films ist allerdings unumwunden Dan Fogler in der Rolle als Jacob Kowalski, der zum einen einen unglaublichen Charme versprüht und zum anderen die Gratwanderung zwischen gutem Slapstick und peinlichem Klamauk bravourös meistert und niemals in letzteren abgleitet. Es macht wirklich ungemein Spaß, ihm bei seiner sympathischen Tölpelhaftigkeit zuzusehen. Aber dass er schauspielern kann, hat Fogler bereits in „Scenic Route“ vortrefflich bewiesen.
Insgesamt lässt „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ auf eine gute Reihe von Kinofilmen hoffen, die nicht nur die Augen von Kindern sondern auch von Erwachsenen glänzen lässt. Für mich war dieser Film eine unerwartete, freudige Überraschung.

Hervorzuheben ist noch der wirklich fantastische Score von James Newton Howard, der die tollen Bilder passend untermalt und in ihrer Wirkung unterstreicht. Vor allem am Ende, wenn die Zauberer (ohne spoilern zu wollen) Schäden an der Stadt wieder beheben, kann einen schon mal eine wohlige Gänsehaut überkommen, so intensiv und emotional wirken und harmonieren da Musik und Bild miteinander.

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Fazit: Treffsicherer, märchenhafter Ausflug in die Welt von Harry Potter, der mit guten Schauspielern und einem überragenden Dan Fogler aufwartet.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Moloch – Die Dokumentation – Teil 6 – Regisseur Marco Romagnoli

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Im Jahr 2015 hat Moloch eine Rolle im Marco Romagnolis Drama „Dogma Dogma“ übernommen. Ein willkommener Grund, um dem Kölner Regisseur ein paar Fragen über den Künstler Moloch zu stellen.
Viel Spaß …

 

Legend Of Tarzan (2016)

Originaltitel: The Legend Of Tarzan
Regie: David Yates
Drehbuch: Stuart Beattie, Craig Brewer, John Collee, Adam Cozad
Kamera: Henry Braham
Musik: Rupert Gregson-Williams
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Alexander Skarsgård, Margot Robbie, Christoph Waltz, Samuel L. Jackson, Djimon Hounsou, Casper Crump, Ella Purnell, John Hurt, Rory J. Saper
Genre: Abenteuer
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Vor Jahren hat Tarzan den afrikanischen Dschungel verlassen hat und wohnt nun unter dem Namen John Clayton III als Lord Greystoke mit seiner geliebten Frau Jane auf seinem Anwesen in England gezogen.
Einst von Affen aufgezogen, fühlt er sich in der Zivilisation inzwischen wohl und schlägt eine Einladung als Botschafter in den Kongo erst einmal ab. Noch immer denkt er an seine Feinde im Dschungel,  allen voran Chief Mbonga. Schließlich willigt er doch ein, die Reise zusammen mit Jane anzutreten. Er ahnt nicht, dass er von dem gerissenen belgischen Captain Rom hereingelegt wurde, der ein Geschäft mit Tarzans Erzfeind Mbonga abgeschlossen hat, um an wertvolle Diamanten zu gelangen.

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Da es mir die im Jahr  1984 inszenierten Neuinterpretation des Tarzan-Stoffes von Edgar Rice Burroughs „Greystoke – Die Legende von Tarzan, Herr der Affen“ mit Christopher Lambert in der Hauptrolle ziemlich angetan hatte, war ich natürlich sehr gespannt, wie nun eine weitere Verfilmung in der heutigen Zeit  wohl aussehen würde. Und ich muss zugeben, dass ich wirklich hellauf begeistert bin. Das hat ganz verschiedene Gründe, auf die ich allesamt ein wenig näher eingehen möchte. Das erste, was mir an „Legend Of Tarzan“ schon vor der Sichtung unglaublich gut gefallen hat, war der bombastische, emotionale Score von Hans Zimmer-Schüler Rupert Gregson-Williams. An manchen Stellen könnte man fast glauben, der Meister selbst habe Hand an der Komposition angelegt so episch klingt das Orchester. Die Filmmusik rotierte einige Tage hintereinander in meinem CD Player und nun, in Verbindung mit den fantastischen Bildern, die der Film bietet, wirkt sie noch besser wie als eigenständige Musik.

Außer der Musik bietet der Film auch grandiose Landschaftsaufnahmen und hervorragend animierte Tierszenen, die einen so manches Mal wohlige, aber auch erschreckende Schauer über den Rücken jagen. In Verbindung mit dem oben erwähnten Score strahlt „Legend Of Tarzan“ teilweise eine Atmosphäre aus, die an „Medicine Man“, „Kongo“ oder die bislang letzte Verfilmung von „Der letzte Mohikaner“ aus dem Jahr 1992. Man kann sich gar nicht satt sehen, an den bildgewaltigen Einstellungen und den berührenden, aber auch sehr spannenden Szenen. Mit einem unglaublichen, inszenatorischen Feingefühl treibt Regisseur David Yates die Handlung voran und zeigt eine völlig andere Seite von Tarzan. Schon die letzten vier Harry Potter-Filme, die Yates inszeniert hat, zeigten sein Können, das er nach „Legend Of Tarzan“ mit dem fantastischen Potter-Ableger „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erneut unter Beweis stellte. Erfrischend anders als die „alten“ Tarzan-Filme, die man kennt, versucht Yates „seinen“ Tarzan dem Gegenwartskino anzupassen, ohne sich in unnötige Effektehascherei zu verzetteln. Die Spezialeffekte wirken für mich einfach konform zur Story.

Schauspielerisch ist allen voran Christoph Waltz einsame Spitze. Mit welchem Charme er den Bösewicht verkörpert ist schon oscarreif, das muss man einfach gesehen haben. Es ist wirklich unglaublich, wie intensiv Waltz sich in die Rolle einlebt. Man mag ihn, obwohl er böse ist. 😉
Alexander Skarsgård in der Rolle des Tarzan ist ebenfalls eine absolut gute Wahl gewesen.  Skarsgård, der mich schon in der Serie „True Blood“ begeistert hat, übertrifft sich mit dieser Darstellung selbst. Viele meinen, er sei nicht unbedingt der beste Schauspieler, sondern profitiert in erster Linie von seinem Aussehen. Dieser Aussage kann ich nicht folgen, denn  Skarsgård zeigt in jedem Film, den ich mit ihm gesehen habe, Talent. Als Tarzan hat er mich allerdings wirklich vollends überzeugt, was sein durchtrainierter Körper natürlich noch zusätzlich unterstreicht. Für mich ist Alexander Skarsgård der beste Tarzan, den ich je gesehen habe. Er wirkte durch und durch glaubwürdig.
Margot Robbie in der Rolle als Jane harmoniert mit ihm unglaublich schön, so dass auch die Romanze zwischen den beiden absolut sehenswert ist. Und … ja, ich habe am Schluss ein paar Tränchen vergossen. 🙂

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Fazit: Für mich die beste und emotionalste Tarzan-Interpretation.

© 2018 Wolfgang Brunner

Moloch – Die Dokumentation – Teil 5 – Schauspielerin Manoush

Dieses Mal kommt Schauspielerin Manoush zu Wort und erzählt uns etwas über den Künstler „Moloch“. Manoush hat bereits über 60 (!!!) Haupt- und Nebenrollen in Filmen aus Europa und USA gespielt. Unter anderem war sie in Marian Doras „Cannibal“ oder Filmen von Timo Rose zu sehen. 2011 gewann sie den Preis für die Beste Nebendarstellerin beim PollyGrind Film Festival in Las Vegas für ihre Rolle als Olga in „The Super“.

27939249_1839215732769381_190425460_n© privat

1. Wie hast Du Moloch kennengelernt beziehunsgweise wie bist Du auf ihn aufmerksam geworden ?

Moloch habe ich kennengelernt beim Dreh zu Adriano Ingraos Film “Wedding Party“, in dem sowohl Moloch als auch ich Rollen hatten.

2. Wie kann man sich die Zusammenarbeit mit ihm vorstellen ? Wie ist er vor, während und nach dem Dreh?

Zusammenarbeit – vollkommen normal .. stressfrei …angenehm … sowohl am Set, als auch behind the scenes.

3. Unterscheidet sich die Zusammenarbeit mit Moloch – der sich ja selbst in erster Linie als Künstler/ Horror Artist (mit seiner Kunstfigur u. Künstlernamen ) sieht – im Vergleich zu anderen „normalen“ Schauspielern u. Darsteller – Kollegen, auch unter der Prämisse, das er (noch) kein ausgebildeter Schauspieler ist ?

Da gibt es nichts zu unterscheiden. Moloch hat seine Arbeit gemacht wie jeder andere Darsteller auch. Ich unterscheide auch nicht zwischen gelernten Schauspielern und ungelernten.

4. Wenn Moloch in „seiner Rolle“ aufgeht, wie verhält er sich dann? Verändert er sich überhaupt ?

Er spielt halt seine Rolle … präsent … bedrohlich … glaubwürdig.

5. Man liest ja oft, dass sich Schauspieler, um sich besser in ihre Rolle versetzen zu können, beim Dreh oder auch schon davor entsprechend anders verhalten und wie wirkt Moloch beim Dreh eigentlich auf die anderen Schauspieler ? Wie hat er auf dich beim gemeinsamen Dreh gewirkt ?

Nein, da ist er ganz und gar professionell. Liebenswert „off camera“ und “in character“ beim Dreh.

6. Man hört ja immer wieder, dass es Künstler gibt, die am Set entweder Allüren haben oder „Diven“ sind oder irgendwelche Splien´s haben oder sonstige merkwürdige Eigenschaften. Da Moloch mit seinen Darstellungen seiner Rollen ja immer sehr skurrile oder boshafte Figuren darstellt, hat dann diese Leidenschaft für Bösewichte auch Einflüsse auf sein Verhalten wenn er mal nicht „in der Rolle ist“ ?

Unsinn, gar nicht. Moloch ist wie er ist … und er ist angenehm so.

6. Zu guter letzt, was möchtest du Moloch noch mit auf den Weg geben ?

Geh Deinen Weg weiter .. denn so wie Du ihn gehst, ist er offensichtlich richtig.

Scars Of Xavier (2017)

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Originaltitel: Scars Of Xavier
Regie: Kai E. Bogatzki
Drehbuch: Kai E. Bogatzki
Kamera: Philipp Peißen, Lucas Blank
Musik: Klaus Pfreundner (Maintitle:Jan Loamfield)
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Marc Engel, Constance Wetzel, Alexia von Wismar, Dirk Sonnenschein, Oliver Troska, Isabelle Aring, Angelina Markiefka, Annika Strauss, Daniele Rizzo, Vanessa Tesch, Lamacra
Genre: Horror, Thriller, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Xavier ist ein schüchterner Mittvierziger, der in Prag lebt und arbeitet . Er führt ein unauffälliges Leben am Rande der Gesellschaft. Doch in der Nacht kommt sein wahres Ich zum Vorschein und Xavier wird zu einem brutalen Killer.
Doch eines Tages lernt er die Bedienung Karolina kennen, in die er sich ein wenig verliebt. Nun muss Xavier gegen seinen Drang, zu töten, ankämpfen.

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„Scars Of Xavier“ ist der erste Langfilm des äußerst talientierten Editors (zuletzt Marcel Walz‘ „Blood Feast“) und Regisseures Kai E. Bogatzki. Nachdem mich bereits sein Kurzfilm „Liebe“ hellauf begeistert hat, war die Erwartungshaltung an seinen ersten Spielfilm extrem hoch. Um es gleich vorweg zu nehmen: Bogatzki hat mich absolut nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil: Er hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen und das mag schon was heißen, denn sie waren wirklich sehr hoch. 😉
Aber der Reihe nach: Alleine die Handlung respektive den Drehort nach Prag zu verlegen war ein absoluter Glücksgriff. Sehr stimmungsvoll wird schon während der ersten Bilder eine beeindruckende Atmosphäre aufgebaut, die einerseits durch die grandiosen Bilder heimelig  andererseits wegen der düsteren Umgebung teils kafkaesk wirkt. Jedenfalls trägt die wunderschöne Kulisse der Stadt einen großen Teil zur gesamten Stimmung des Films bei.

Es gibt so viel über diesen grandiosen Film zu erzählen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. 😉 Das fängt schon beim gewohnt perfekten Schnitt an, der sich durch den ganzen Film zieht. Die Titelsequenz zum Beispiel kann nur grandios bezeichnet werden. „Scars Of Xavier“ ist ein beeindruckendes, brutales, schockierendes und extrem glaubwürdiges Psychogramm eines Serienkillers, das noch lange nachwirkt. Mit Hauptdarsteller Marc Engel hat Kai E. Bogatzki einen Mann gefunden, mit dem er seine Visionen Wirklichkeit werden lassen konnte. Man spürt förmlich in nahezu jeder Einstellung, wie intensiv (und sowohl körperlich als auch psychisch anstrengend) die Dreharbeiten waren. Die Rolle des Xavier ist eine Paraderolle für Marc Engel, der wirklich alles gibt, um dem Bösen ein glaubwürdiges Gesicht zu geben. Das Schlimme und Erschreckende an seiner Darstellung ist, dass dieses Böse ein Mensch und keine erfundene Horrorfigur á la Freddy Krueger, Jason Vorhees oder Michael Myers ist, die nur stereotype Abschlachter mit wenig Informationen über deren Vergangenheit. Aber hier verkörpert Marc Engel einen Menschen, der mit seinen inneren Dämonen ringt und sie alleine bekämpfen muss. Gerade dieser Aspekt macht den Killer Xavier für mich so wahnsinnig erschreckend und bösartig. Ein wenig erinnert sein Charakter tatsächlich an Dexter Morgan, wobei Xavier verzweifelter, hilfloser und dadurch authentischer und fast schon bedauernswerter wirkt. Bogatzki geht psychologischer an die Thematik heran und versetzt den Zuschauer in eine voyeuristische Rolle, weil er ihn in allen Situationen im Leben des Täters teilnehmen lässt, sowohl am nach außen vollkommen normalen Dasein als auch am inneren Kampf des Killers und seinen blutigen Metzeleien an unschuldigen Opfern, die nichts anderes als Hilferufe nach Absolution seiner verkorksten Kindheit und Mutter-Sohn-Beziehung sind.   Marc Engel geht in seiner Rolle so emotional auf, dass man ihm alles abnimmt. Er stellt den unscheinbaren Nachbar und Mitarbeiter genauso glaubwürdig dar, wie den entfesselten Killer, der auf nichts mehr Rücksicht nimmt und seine Taten „genießt“, weil sie ihn in seinen Augen „retten“ und „erlösen“. Ich habe selten eine solch intensive und authentische Darstellung eines Serienkillers gesehen, wie sie hier in „Scars Of Xavier“ von Marc Engel gezeigt wird.
„And the Oscar goes to …. Marc Engel!“

Bogatzki macht den deutschen Film mit seinen innovativen Ideen und ästhetischen Bildern wieder interessant und zeigt, dass auch in Deutschland extrem gute Filme entstehen können. Unweigerlich fragt man sich nach dieser emotionalen Bilderflut, die einen mit „Scars Of Xavier“ überrollt hat, warum solche Werke mühsam mittels Crowdfunding ins Leben gerufen werden müssen und nicht eine große Produktionsfirma zur Seite hat. Man bekommt zum wiederholten Mal unerträgliche Komödien aus Deutschland geliefert, die nur für Dumpfbacken ein hohes Niveau darstellen, und inszenatorische und schauspielerische Meisterleistungen wie „Scars Of Xavier“ werden im eigenen Land unbeachtet. Und somit komme ich auch schon zu Kai E. Bogatzki selbst, der mit seinem ersten Langfilm ein unglaublich beeindruckendes, perfekt in Szene gesetztes und äußerst bedrückendes Werk abgeliefert hat, dass mich gegen Ende hin sogar an visionäre Filme von Regisseuren wie David Lynch und Lars von Trier erinnert hat. Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus, wenn ich an eine Szene, etwa in der Mitte des Films, denke, in der in einer Rückblende ein Mord „zelebriert“ wird. Eine solch blutige (im Grunde genommen abscheuliche) Szene derart künstlerisch zu inszenieren, dass sie Arte-gerecht wirkt, kann ich einfach nur als Genialität bezeichnen. Bogatzki hat ein cineastisches Auge, das vielen Mainstream-Regisseuren schlichtweg fehlt. Unter anderem bei dieser überwältigenden Szene kommt die perfekte Musikuntermalung von Klaus Pfreundner, die der „Schönheit“ jener Bilder noch zusätzlichen Ausdruck verleiht.
An dieser Stelle vielleicht auch noch ein ganz dickes Lob an die Jungs vom Sound: Thorsten Mies hat sich zusammen mit Robert Gondorf um den On-set Ton gekümmert, der ihnen wirklich gut gelungen ist. Robert Gondorf hat dann anschließend mit Robert Prus  das Sound Design gemacht.Philipp Kaase hat all dies im Studio zusammengemischt und auch beim Sound Design mitgemacht! Das Ergebnis kann sich absolut hören lassen.

Und am Ende, wenn der Zuschauer denkt, er hätte den brutalen und blutigen Weg des Xavier mitsamt seinen Opfern hinter sich gebracht, eröffnet Bogatzki noch eine weitere psychologische Tür, die einem den Atem raubt. Visuell überwältigend geht die Reise des Killers weiter, überschreitet Grenzen und macht letztendlich alles, was man gesehen hat, schlüssig.
Bogatzki, der Hauptdarsteller und das ganze Filmteam schockieren, verwirren, und berühren emotional. „Scars Of Xavier“ ist eine Achterbahnfahrt in die Psyche eines Mörders, aber auch in die kranke Welt eines von einem Kindheitstrauma geplagten Menschen, der im Grunde genommen bedauernswert ist. Die äußert real wirkenden Spezialeffekte (verantwortlich unter anderem Philipp Rathgeber) tun ihr übriges dazu, um diesen Film zu einem der schockierendsten, aber auch bemerkenswertesten Filme des deutschen Kinos der letzten Jahre zu machen.
Gerade in Zeiten von computeranimierten, seelenlosen Blockbustern zeigt Bogatzkis „Scars Of Xavier“ was Filmemachen wirklich heißt: Visionen nicht mit Millionen-Budget umsetzen zu können, Schauspiel und innovative, emotionale Ideen. Alle diese drei Dinge vereinen sich in „Scars Of Xavier“. Hinzu kommt noch eine grandiose Kameraführung und ein toller Score.
Danke an Kai E. Bogatzki nebst seinem kompletten Team und dem großartigen Hauptdarsteller Marc Engel, dass ich an diesem blutigen Albtraum teilhaben durfte, der authentischer nicht sein könnte und mich noch lange in meinen Gedanken begleiten wird. Begeisterter kann ich von einem Film fast nicht sein.
Wohlverdient heimst der Film auch gerade auf ausländischen Festivals eine Nominierung und Auszeichnung nach der anderen ein. Die nachfolgende Auflistung hat den Stand vom 12. Dezember 2017:

Gewinner (bisher):
„Best Thriller“ – Nightmares Film Festival
„Best Editing“ – FEARnyc
„Best Festure Film“ – DarkVeins Horror Fest
“Best Special Effects“ – DarkVeins Horror Fest
„Best Director“ – 13horror.com
„Special Mention“ – Optical Theatre Festival

Nominierungen (bisher):
„Best Cinematography“ – Nightmares Film Festival
„Best Feature Film“ – FEARnyc
„Best Actor“ – DarkVeins Horror Fest
„Best Score“ – DarkVeins Horror Fest
„Best Feature Film“ – Optical Theatre Festival
„Best Actor“ – Optical Theatre Festival
„Best Film“ – 13horror.com
„Best Actor“ – 13horror.com
„Best Actress“ – 13horror.com
„Best supporting Actress“ – 13horror.com

Official Selections:
FrightNights – Linz
SoIndependent Film Festival – Sofia

Wie gesagt: Wohlverdient! 😉

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Fazit: Brutal, blutig und schockierend. Psychogramm eines Serienkillers mit visionären  Bildern und brillanter, stylischer Umsetzung. Uneingeschränkt volle Punktzahl in jeder Hinsicht.

© 2017 Wolfgang Brunner

MOLOCH – Die Dokumentation – Teil 3 – Con Crew Mitarbeiter Michael Taubitz

 

Heute beantwortet Michael Taubitz, ein sogenannter Con Crew Mitarbeiter, ein paar Fragen über Moloch. Michael Taubitz ist seit über 8 Jahren bei den Cons dabei und in erster Linie für Shuttles aller Art beim Weekend Of Hell und bei der German Comic Con verantwortlich. Beim WOH leitet er außerdem die gesamte Crew.

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Wie er Moloch kennengelernt hat, beantwortet er folgendermaßen:

Moloch hab ich früher als „Maskierten“ auf dem Weekend of Horrors gesehen. Nachdem der Split zwischen den damaligen Veranstaltern eintrat ist Moloch quasi ein Crewmitglied der dann „Weekend of Hell“ Crew geworden und somit einer derjenigen, die von mir mit „betreut“ werden.

Hattest du Moloch auch privat bzw als Mensch hinter der Maske kennengelernt ( ggf. auch in sozialen Netzwerken, wenn nicht persönlich)? Wenn ja, was kannst du uns über ihn erzählen ?

Nachdem er zur Crew gehörte wurden wir halt Freunde auf Facebook und haben uns halt im Zuge der Con Vorbereitung, Chats usw. näher kennengelernt. Er ist ein Typ, der auf FB sehr aktiv ist, zu vielen Dingen einen Beitrag abgibt, was es hier natürlich nicht zu bewerten gilt. In den drei Jahren mit ihm hab ich ihn als einen netten, zuverlässigen und immer engagierten Hühnen kennengerlernt, der meine Art von Humor z.B. zu schätzen weiß. Er ist ein guter Typ um das mal ganz „einfach“ auszudrücken.

Wie kann man sich Moloch auf Conventions vorstellen, was tut er dort und wie tritt er da auf ?

Moloch malocht vor und nach der Con was Auf- und Abbau betrifft wie ein Tier. Während der Con schmeißt er sich in sein Moloch Outfit und ist präsent… macht Fotos, verteilt Flyer und ist halt in seiner Funktion als Moloch er selbst.

Wie würdest du Moloch mit eigenen Worten beschreiben ?

Wie schon oben erwähnt ist er ein Super Typ. Groß ist er…

Hast du schon mit Moloch gemeinsam in Projekten oder auf Events gearbeitet, z.B an einem Stand oder für eine Ausstellung oder Darbietung,wenn ja, wie kann man sich die Zusammenarbeit mit ihm vorstellen ?

Moloch ist halt Teil der Crew, für die ich verantwortlich bin und was mich betrifft gibt es da nichts zu bemängeln. Natürlich hab ich auch schon mal an seinem Stand das ein oder andere Foto gemacht… ansonsten keine Projekte mit ihm was mich betrifft.

Wie findest du das was Moloch so darstellt mit und durch seiner Kunstfigur ? Wird er dem Image gerecht was er versucht darzustellen und wie findest du seine Wirkung auf das Publikum , Con Besucher und andere, die ihn auf Cons / Evenst erleben ?

Grundsätzlich find ich es bewundernswert, wie zielstrebig er ist. Jeder der auch nur im Entferntesten im „Rampenlicht“ steht hat „Kritiker“, von denen er sich aber nicht aus der Ruhe bringen läßt. Er zieht halt sein Ding durch und das ist auch gut so. Er gehört in dieses Horror Genre und ich denke, daß die Fans auf den einzelnen Veranstaltungen das ebenfalls so sehen.

Wie ist Moloch´s Umgang mit den Besuchern /Fans auf den Conventions und wie ist so die allgemeine Resonanz auf seine Auftritte / Darstellungen u. Promotions für dessen Filme? (z.B die Besucher,die ihn zum ersten mal erleben )

Moloch ist sehr präsent, sehr Fan-nah, macht viele Fotos mit jung und alt. Die allgemeine Resonanz kann ich nicht wirklich beurteilen. Ich weiß, daß er Fans hat und ich weiß, daß es Leute gibt, die in nicht mögen, wobei ich das nicht spezifizieren kann… ich meine ich nicht weiß ob es die Maske selbst oder der Mann hinter der Maske ist.

Da Matthias ja auch in der Con Crew arbeitet, wie ist da die Zusammenarbeit mit ihm ? Behindert seine künstlerische Tätigkeit seine Arbeitsweise im Team oder klappt das auch alles Problemlos ?

Moloch hat einen eigenen „Deal“ wenn man so will. Er hilft beim Auf-und Abbau und während der Veranstaltung ist er Moloch. Je nach Veranstaltung steht er aber auch durchaus zum Flyern zur Verfügung… in Kostüm dann halt. Alles problemlos.

Wie sehr identifiziert sich Moloch mit dem Event, auf dem er auch als Crew Member mitmacht und wie kommt er als Team Mitglied bei den andere Crew Leuten an ?

Moloch steht zu 100% hinter der Crew und dem Event. Da wir als WOH Crew eh das Bestreben haben eine „Familie“ zu sein ist er selbstverständlich einer davon und ich denke, daß das der Rest der Crew genauso sieht.

Als Crew Mitglied hast du ihm ja als „nicht Künstler zu tun“ . Kannst du sagen, dass er dieses Verhalten anderen gegenüber auch als Künstler Moloch wiedergibt oder gibt es da signifikante Unterschiede zwischen seinem Verhalten als Privatperson oder als Künstler -sowohl positive als auch negative Unterschiede ?

Für mich ist Moloch Moloch oder Matthias ist Matthias. Wie auch immer er gerade aussieht, also verkleidet oder nicht, für mich ist er immer der Selbe

Zu guter letzt -was möchtest du Moloch noch mit auf den Weg geben ?

Alter, bleib einfach so, wie Du bist !

Vielen Dank, Michael, dass Du Dir die Zeit genommen hast, ein wenig über „Moloch“ zu sprechen.

 

Batman v Superman – Dawn Of Justice (2016)

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Originaltitel: Batman v Superman – Dawn Of Justice
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Chris Terio, David S. Goyer
Kamera: Larry Fong
Musik: Hans Zimmer, Junkie XL
Laufzeit: 151 Minuten / 183 Minuten (Ultimate Edition)
Darsteller: Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Jesse Eisenberg, Gal Gadot, Diane Lane, Jeremy Irons, Laurence Fuishburne, Holly Hunter, Scoot McNairy, Kevin Costner
Genre: Science Fiction, Action, Comicverfilmung
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Superman und General Zod brachten im Finale von „Man Of Steel“ Zerstörung auf die Erde. Superman wird fortan von den meisten als eine Art Gott verehrt, während Bruce Wayne alias Batman ihn eher als Bedrohung sieht. Während Batman und Superman miteinander konkurrieren, taucht eine neue Bedrohung auf, die beide unter Umständen sogar zusammenschweißen könnte: Der junge Unternehmer Lex Luthor hat Pläne, um beide Helden ein für alle Mal zu vernichten …

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Da ich im Vorfeld schon einiges von diesem Film gehört habe (vorwiegend negatives), war ich natürlich sehr gespannt, was das erste gemeinsame Abenteuer mit Batman und Superman bietet. Eines vorweg, so ganz nachvollziehen kann ich die teils sehr schlechten Kritiken und Meinungen nicht. Für mich hat „Batman v Superman“ als eigenständiger Film funktioniert. Sicherlich sind einige Handlungsstränge und -entwicklungen nicht ganz nachvollziehbar und weisen auch logische Fehler auf, aber es handelt sich hierbei um eine Comic- und nicht um eine hochwertige Literaturverfilmung. DC-Fans haben wohl das größte Problem mit dieser (und auch der „Man Of Steel“-) Version von Zack Snyder. Ich persönlich mag Synders Inszenierungsstil nach wie vor und kann mich auch immer wieder für seine stylischen Bilder begeistern. Aber anscheinend hat er das besondere DC-Feeling nicht, dass die Fans erwartet haben. „Batman v Superman“ ist an vielen Stellen episch und konnte mich dramaturgisch überzeugen.

Vor allem im Finale bekommt man allerdings wieder einmal (wie bei fast allen derartigen Blockbustern) eine Überdosis an Spezialeffekten geboten, die schlichtweg zuviel ist und den Film und die aufgebaute Atmosphäre nahezu vollkommen kaputt macht. Ein bisschen weniger hätte da gereicht und der Gesamtstimmung auf jeden Fall gut getan. Ich habe die Ultimate Version angesehen und bin auch nach drei Stunden noch immer nicht vollauf zufrieden, was die Gesamtlogik angeht. Dennoch vergingen die drei Stunden wie im Flug, was eindeutig für den Film spricht, der mich absolut gut unterhalten hat. Wie gesagt, es gibt einige sehr stimmungsvolle (ruhige) Momente, die mich begeistert haben und auch die meist düstere Grundstimmung des Films hat mich sehr angesprochen. Schauspielerisch beziehungsweise typentechnisch hatte ich sowohl mit Henry Cavill als Superman (da ging es mir bei „Man Of Steel“ bereits so) und als auch mit Ben Affleck als Batman anfangs Schwierigkeiten. Beide machen ihren Job gut, keine Frage, aber das spezielle Etwas wie es Christopher Reeve (Superman) oder Christian Bale (Batman) hatten, fehlte sowohl Cavill als auch Affleck irgendwie. Doch das legte sich dann im Laufe des Films bei beiden und mittlerweile muss ich sagen, dass beide einfach passen.

Beeindruckend fand ich Jesse Eisenberg in seiner Rolle als Lex Luthor. An manchen Stellen erinnerte er mich an Heath Ledgers Joker-Performance, aber Eisenberg zieht sein eigenes Ding durch. Und das macht er wirklich nahezu perfekt und eben eindrucksvoll. Ich habe sein Schauspiel wirklich genossen.
„Batman v Superman“ ist eine solide Comicverfilmung, die für mich einfach wie ein Comic wirkt: An manchen Stellen übertrieben, an anderen düster-ernst – das Gesamtbild war für mich also stimmig und, wie oben schon erwähnt, konnte ich mich an vielen Stellen richtig begeistern, wenngleich eben die (an sich gar nicht mal so schlechte) Handlung ein wenig zu wünschen übrig lässt, was die nachvollziehbare Logik angeht. Viele Fragen bleiben leider offen und ebenso viele Handlungsweisen der Protagonisten sind nicht verständlich. Dennoch ist der Unterhaltungs- und Schauwert des Films gut und ich bin sicher, dass ich ihn mir noch einmal ansehen werde. Manchmal kam er mir sogar ie ein James Bond-Film vor.
Nicht vergessen werden sollte der erste Auftritt von Wonder Woman, die am Ende noch einmal neuen Schwung in die Handlung bringt und die Vorfreude auf den „eigenen“ Film steigen lässt.
Doch nun komme ich noch zu einem der größten Pluspunkte  von „Batman v Superman“: Hans Zimmers und Junkie XLs Score. Der ist einfach nur der Megahammer und unterstreicht den kompletten Film bombastisch und episch, wie es besser nicht sein könnte. Alleine die Filmmusik ist es wert, sich den Film anzusehen.
Ich fand „Batman v Superman“ absolut sehenswert und fühlte mich wirklich sehr gut unterhalten.

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Fazit: Bombastische, kurzweilige Comicverfilmung mit vielen Logikschwächen, die im Ultimate Cut zumindest teilweise ausgeglichen werden.

© 2017 Wolfgang Brunner