Interview mit dem Regisseur Slavko Spionjak und seinem Team

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v.l.n.r.: Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak
© Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak

 

Slavko Spionjak, Jahrgang 1961, ist Regisseur, Drehbuchautor, Musiker, Ehemann und Vater. In den letzten zwanzig Jahren hat er zusammen mit seiner Frau Rita Fichtl-Spionjak und seiner Schwester Slavica Spionjak 10 Kurzfilme und 3 Spielfilme produziert und inszeniert. Sein Kurzfilm „Zwischen den Linien“ und der letzte Spielfilm „Caedes – Die Lichtung des Todes“ heimsten zahlreiche, weltweite Nominierungen und Awards auf Filmfestivals ein.

Film-Besprechungen freut sich, dem freundlichen Kroaten, der in Bayern
ansässig ist, ein paar Fragen zu stellen.

 

1. Eine Frage, die mich bei jedem Regisseur brennend interessiert: Wer sind Eure Vorbilder?

Slavko: Da gibt es viele die ich klasse finde. Besonders mag ich: Stanley Kubrik, Robert Zemeckis, Steven Spielberg.

Rita: Ich hätt da noch einen. J.J.Abrams.

Slavica: Spielberg, J.J Abrams und dann zwei „durchgeknallte“ wie Lars von Trier und Rodrigez (z.B. From Dusk Till Dawn).

 

2. Welches Projekt wäre bei finanzieller Unabhängigkeit Euer größter Traum?

Slavko: Ein Sci-Fi 3-Teiler.

Slavica: Ich bin auch ein „Serienjunkie“. Es wäre eine große Herausforderung, eine Mysterie Serie wie „Lost“ oder „The Walking Dead“ (beides meine Lieblingsserien) zu realisieren … oder Caedes Teil 2. Ideen wären da.

3. Euer Filme wirken sehr professionell. Rita (Deine Frau) und Slavica (Deine Schwester) sind immer daran beteiligt. Habt ihr diese Begeisterung für Filme schon immer geteilt oder wie kommt dieses „Familienteam“ zustande?


Slavko: Wir sind schon immer Erzähler gewesen. Menschen zu unterhalten ist unser Ding. Filmfreaks waren wir schon immer.

Rita: Früher hatten wir zusammen die Band UE, jetzt drehen wir Filme. Zusammen etwas auf die Beine gestellt haben wir also schon immer.

Slavica: Das ist ein göttlicher Zufall, denke ich, dass mein Bruder und ich gleiche Leidenschaften haben und dann kam Rita dazu, die genau so tickt. Und das unsere Filme professionell wirken, wollten wir immer haben.

 

4. Euer Kurzfilm „Zwischen den Linien“ und „Caedes – Die Lichtung des Todes“ kommen sowohl beim deutschen wie auch internationalen Publikum gut an und wird auf vielen Festivals aufgeführt. Habt Ihr beim Dreh mit so einem Erfolg gerechnet?


Slavko: Wenn an dem Projekt gearbeitet wird, dann ist immer die Hoffnung da, dass die Leute das anspricht, an das man so lange und hart gearbeitet hat. Über den Erfolg freuen wir uns unglaublich.


Slavica: Ich beschreibe es mal so: Das Drehen ist wie ein Rausch. Die Ernüchterung kommt während der Postproduktion, aber auch Zweifel. Wird die Geschichte den Menschen so gut gefallen, wie einem selbst? Wird die Botschaft gut rüberkommen? Werden sich die Zuschauer gut unterhalten? Während jeder Premiere verlasse ich den Vorführraum und warte aufgeregt ab, wie die Reaktionen sein werden. Über die Filmfestival Preise, die ja schon einige sind, ist meine Freude unglaublich und unbeschreiblich.

 

5. Was dürfen wir von Euch als nächstes erwarten? Ist es noch geheim oder könnt Ihr uns ein paar Worte zu Euren neuen Projekt verraten?

Slavko: Wir haben sehr viele Geschichten, die wir gern umsetzten wollen …Ich glaube, da genügt das ganze Leben nicht, um das alles fertig zu stellen :o)

Rita: Wir arbeiten oft an mehreren Projekten gleichzeitig.

Slavica: Ich bin Kroatin und wie man weiß, sind wir seeeehr abergläubisch. Also, wenn alles zu 100% unter Dach und Fach steht, werden wir es verraten.

 

6. Großproduktionen oder Independent-Film? Was sagt Euch persönlich mehr zu?

Slavko: Alles, was geil ist. Geld ist keine Garantie, um gute Unterhaltung zu produzieren. Da freut es mich natürlich jedes mal, wenn ich einen Low-Budget Film sehe, der gut funktioniert.

Slavica: Ein guter Film ist gut, egal wie viel er gekostet hat. Genau so ist es bei nicht so guten Filmen. Unsere Filme sind für mich Großproduktionen. Wir haben ein Team das GROßartig ist. Wir arbeiten mit Menschen die GROßartig sind.

 

7. Was sind Eure absoluten Lieblingsfilme? Verratet Ihr uns auch, warum das so ist?

Slavko: Contact von Robert Zemeckis. Weil mich Religion und Wissenschaft sehr interessiert und da prallen die beiden Dinge sehr gut aufeinander. Es ist auch sehr interessant zuzuschauen, wie die Gläubigen mit aller Macht Gott beweisen wollen … anders herum versuchen die Wissenschaftler zu zeigen, dass es ihn doch nicht gibt. Was letztendlich absolut egal ist, da es für unsere Beziehungen (eigentlich) nicht relevant ist, ob es einen Gott gibt oder nicht.

Rita: „Der letzte Mohikaner“. Regie, Schauspieler, Kamera, Musik – einfach der Wahnsinn.

Slavica: Man merkt, wir sind Geschwister: Religion, oder besser gesagt Glaube und Wissenschaft, sind für mich sehr wichtig und meiner Meinung nach die größten Rätsel der Menschheit. Ich lache auch gern bei einer Komödie (für mich das schwierigste überhaupt, Menschen zum Lachen zu bringen) oder ich lass mich gern in eine Fantasywelt entführen, ob Märchen oder Horror … Mein Spruch: Es ist wichtig, dass ich den Film aus dem Kino mitnehme und ihn nicht dort lasse und sofort vergesse. Meine Lieblingsfilme sind: From Dusk Till Dawn, Alle 3 Teile „Herr der Ringe“, Minority Report, Star Trek Filme, bei denen J.J. Abrams Regisseur war, Star Wars (Episoden 4, 5 und 6), Unheimliche Begegnung der dritten Art, Don Camillo und Peppone (die alte Filme), Constantin … Ich glaube das reicht, ha ha ha …

 

8. Gab es ein bestimmtes Erlebnis, durch das Ihr Filmemacher wurdet? Möchtet Ihr ein wenig über Euren Werdegang erzählen?

Slavko: Wir haben ein Ventil gesucht, um unsere Erlebnisse und Fantasien an die Leute zu bringen. Da wir alle auch Musiker sind, ist Film und Musik genau das Richtige.

Rita: Wir haben mal ein Musikvideo zu dem UE Lied „Soul Power“gedreht und einen Preis gewonnen. Das war wohl das erste mal vor und hinter der Kamera für uns.

Slavica: Als ich Kind war (damals, in Ex-Jugoslawien) da gab es fantastische Geschichtenerzähler (meinen Großvater und einige Onkels). Wir saßen stundenlang (verschiedene Generationen) beisammen und hörten zu. Und das „Kopfkino“ arbeitete auf vollen Touren. Die haben es unglaublich bunt und lebendig erzählt. Die Möglichkeit zu haben, selbst erdachte Geschichten im Film zu erzählen, ist natürlich der Wahnsinn.

 

9. Welche Meinung habt Ihr zur FSK (Freiwillige Selbstkontrolle)?

Slavko: Sehr gespalten. Da teilweise Filme ab 12 im Kino laufen, die ich ab 18 gemacht hätte, und Filme ab 18, die ich ab 12 gemacht hätte. Anscheinend hängt das immer von der Tagesform der FSK- Leute ab :o) Schade ist nur, dass das manche Produktionen zerstören kann.

Slavica: FSK find ich als einen guten Gedanke. Nur, es läuft nicht immer fair und korrekt ab, finde ich.

 

10. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Eurem Leben?

Slavko: Familie, Gesundheit, Film, Musik, Sport …. Ohne Frieden und Liebe zu erwähnen, denn das ist sowieso klar.

Slavica: An erster Stelle ist Familie, Freunde, Gesundheit und Frieden, dann kommen sofort danach Film, Musik und Bücher

 

Ich bedanke mich ganz herzlich für die interessanten Antworten und freue mich schon jetzt auf Euren neuen Film.

Slavica: Vielen Dank auch an Dich für das nette Interview und an die tollen Kritiken für „Zwischen den Linien“ und „Caedes“.

Infos über „Zwischen den Linien“ und „Caedes – Die Lichtung des Todes“ bekommt man, wenn man auf die Filmtitel klickt.

© 2015 Wolfgang Brunner / Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak

 

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Maggie (2015)

Maggie

Originaltitel: Maggie
Regie: Henry Hobson
Drehbuch: John Scott III
Kamera: Lukas Ettlin
Musik: David Wingo
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin, J.D. Evermore, Rachel Whitman, Jodie Moore, Bryce Romero
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Schweiz
FSK: ab 18 Jahre

*

In den Vereinigten Staaten bricht eine Epidemie aus, die die Infizierten in fleischfressende Zombies mutieren lässt und innerhalb kürzester Zeit Millionen Menschenleben fordert. Wades Tochter Maggie ist ebenfalls von dem Virus infoziert und soll in eine Quarantänestation gebracht werden. Aber Wade kämpft mit allen Mitteln darum, seine Tochter bei sich zu Hause behalten zu können. Gemeinsam mit seiner neuen Frau wartet er nun darauf, dass seine Tochter zu einem Zombie wird, ohne zu wissen, was er im Falle einer Mutation unternehmen wird.

*

„Maggie“ ist tatsächlich der etwas andere Zombiefilm. Bis auf wenige Ausnahmen läuft der Film wie ein ruhiger Bach an einem vorbei und baut dabei eine unglaublich intensive Atmosphäre auf. So ein bisschen erinnerte das Szenario an „The Returned“, wo die Zombies ebenfalls sehr menschlich dargestellt wurden. Zumindest bis sie vollständig verwandelt waren. Henry Hibson hat ein Händchen für wunderschöne Aufnahmen, die so manches Mal wie ein Gemälde wirken. „Maggie“ ist ein extrem ruhiger Film, der sich irgendwo zwischen „The Walking Dead“ und „The Road“ ansiedelt. Diese Mischung funktioniert absolut gut. David Wingos leiser Soundtrack untermalt die wunderschönen, melancholischen Bilder traumhaft und zeichnet sich zum Großteil für die elegische Stimmung mit verantwortlich.

Schauspielerisch ist dieser effektearme Film eine wahre Freude. Hier wird das Augenmerk auf schauspielerische Leistungen gelegt und die bekommt man auch zu sehen. Allen voran sei hier Arnold Schwarzenegger genannt, der in seiner Rolle als besorgter Vater wirklich berührt.  Man möchte es dem Actionhelden gar nicht so richtig zutrauen, wie emotional er Sorge und Verbissenheit ausdrücken kann. Schwarzeneggers Schauspiel ist wirklich sehr gefühlvoll und absolut überzeugend. Daneben kann aber auch Abigail Breslin in der Titelrolle bestehen, die ebenfalls sehr authentisch agiert. Joely Richardson als anfangs leicht verstörte und dann immer toughere Mutter konnte mich ebenfalls fesseln. Wie gesagt, aufgrund der fehlenden Special Effects ist „Maggie“ einfach ein Film für Schauspieler und das hat mir außerordentlich gut gefallen.

Sicherlich geht es um ein Virus, um Zombies und die Apokalypse. Aber genaugenommen könnte man das Zombievirus-Thema ausklammern und einfach einem Vater zusehen, wie er seine kranke Tochter nicht aufgibt und um ihr Leben kämpft. Das Zombievirus wäre in „Maggie“ austauschbar mit Krebs oder einer anderen tödlichen Krankheit, die das Ende unausweichlich macht. Lediglich die apokalyptische Atmosphäre rechtfertigt den Zombie-Hintergrund. „Maggie“ ist ein Drama, und zwar ein sehr gutes, das betroffen macht.

Warnung an alle, die Horror, Splatter, Action, Blut und Grusel erwarten. Von all dem findet man in „Maggie“ (Gott sei Dank) nichts. Wie in „The Road“ wird man in eine deprimierende Weltuntergangsstimmung geworfen, die einen betroffen und nachdenklich macht. Und traurig …

Warum allerdings auf dem Cover eine FSK 18-Freigabe klebt, ist ein Rätsel, denn es gibt keine einzige Szene, die solch eine Entscheidung rechtfertigt. Fast möchte man meinen, es sei ein kluger Schachzug des Verleihs, um die Splatterfans zu einem Kauf zu verleiten, damit der Verkauf angekurbelt wird. Denn wo „FSK 18“ und „Uncut“ draufsteht, ist schließlich auch beides drin. Allerdings frage ich mich, was genau man denn hätte cutten können/müssen bei „Maggie“. Dann könnte man auch ohne schlechtes Gewissen bei den „Minions“ einen „Uncut“-Kleber draufmachen, denn uncut ist der bestimmt auch. 😉

*

Fazit: Ruhig, elegisch, melancholisch und traurig wird hier eine Familiengeschichte erzählt, die auf ein unausweichliches Ende zusteuert. Meiner Meinung nach einer der besten Filme von Arnold Schwarzenegger.

© 2015 Wolfgang Brunner

V/H/S: Viral (2014)

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Originaltitel: V/H/S: Viral
Regie: Nacho Vigalondo, Marcel Sarmiento, Gregg Bishop, Justin Benson, Aaron Scott Moorhead
Drehbuch: Nacho Vigalondo, Marcel Sarmiento, Gregg Bishop, Justin Benson, Aaron Scott Moorhead, T.J. Cimfel, Ed Dougherty, David White
Kamera: Harris Charalambous, George Feucht
Musik: Drazen Bosnjak, Kristopher Carter
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Justin Welborn, Jessica Luza, Randy McDowell, Michael Aaron Milligan, Nathan Mobley, Cory Rouse, Stephen Caudill, Greyson Chadwick, Blair Redford, Amanda Baker
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre (uncut)

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Vicious Circles – Die Rahmenhandlung, in der ein Junge mit seinem Fahrrad einen Notarztwagen mit der Handkamera verfolgt, in der Hoffnung, mit diesem Video ein Youtube-Star zu werden.

Dante The Great – Ein Magier findet einen Zaubermantel, der angeblich Houdini gehört hat und verfällt diesem vollkommen.

Parallel Monsters – Ein Wissenschaftler erfindet ein Portal, das in eine Parallelwelt führt. Dort lebt sein Doppelgänger, mit dem er für 15 Minuten die Rollen tauscht. Eine verhängnisvolle Entscheidung.

Bonestorm – Drei Skateboarder machen sich auf den Weg nach Mexiko, um einen Sportfilm zu drehen. An einer abgelegenen Stelle werden sie plötzlich von Untoten angegriffen.

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Teil 1 und 2 der V/H/S-Reihe fand ich gar nicht mal so übel, obwohl mir bereits da einige Geschichten durch die Mega-Wackelkamera unangenehm aufgestossen waren. Nun folgt also Teil 3 und nachdem ich ein paar Rezensionen darüber gelesen hatte, dass dies der beste der Reihe sein soll, war ich natürlich neugierig.
Nachdem der verwirrende Einstieg durch die Rahmenhandlung geschafft war, begann das Ganze auch sehr vielversprechend.

Die Geschichte um den Magier Dante hat mir im Grunde genommen sehr gut gefallen und vor allem die Effekte konnten sich wirklich sehen lassen. In dieser Hinsicht war ich sogar richtiggehend überrascht und freundete mich in Gedanken mit V/H/S 1 und 2 wieder an. Immer wieder dachte ich, man könne tatsächlich vielleicht doch ein Fan dieses Franchise werden. Dantes Zaubereien faszinierten mich und selbst das Ende konnte mich überzeugen.

Danach kam die Geschichte um eine Parallelwelt, die mir anfangs sogar noch besser als der Dante-Einstieg gefallen hat. Die Ausgangssituation versprach Spannung und Mystery. Leider verzettelte man sich im Laufe der Story in ein etwas wirres Durcheinander, das irgendwie aus meiner Sicht nicht richtig zusammenpasste. Da hätte ich mir einen geradlinigeren Plot gewünscht und auf das Monster schlichtweg verzichtet. Dann wäre es eine zwar ruhigere, aber überzeugendere Episode geworden.

Es war alles noch im Lot, auch als die Skateboarder erschienen und ein paar Kunststücke vorführten. Als dann jedoch die Reise nach Mexiko begann und die Kopfkameras eingesetzt wurden, entwickelte sich diese letzte Episode für mich zu einem unerträglichen Desaster. Sicherlich waren ein paar Splatterszenen ganz gut gemacht, aber die Wackelbilder machten mich fast schon aggressiv und ich war nahe daran, die STOP-Taste zu drücken. Ich habe es nicht getan und zwar aus dem Grund, weil ich wissen wollte, wie die Rahmenhandlung die drei Episoden eventuell miteinander verbindet und mich über die Enttäuschung der letzten Geschichte hinwegtrösten könnte. Aber auch hier kam eine unglaubliche Enttäuschung: Irgendwie erschloss sich mir auch der echte Sinn dieser Rahmenhandlung nicht wirklich und was die anderen Storys damit zu tun hatten. Es wirkte alles sehr an den Haaren herbeigezogen.

Für mich war „V/H/S: Viral“ der schlechteste Teil der Reihe. Daher konnte er mir die ersten beiden Teile, so wie ich ursprünglich dachte, nicht noch einmal schmackhaft machen – im Gegenteil. 😦
Keinen der drei Teile werde ich nochmals ansehen, am allerwenigsten aber den dritten. Man hätte aus diesen Plots durchaus mehr machen können. „V/H/S: Viral“ ist einer jener Vertreter im Found Footage-Genre, der zeigt, dass Wackelkameras so einiges kaputt machen können. Hier ist es passiert …

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Fazit: Schlechtester Teil der Reihe. Die ersten beiden Storys vermögen durchaus zu unterhalten, die dritte nervt extremst aufgrund seiner Wackelbilder. Nichts für mich.

© 2015 Wolfgang Brunner

Destruction Of Silence (2013)

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Originaltitel: Destruction Of Silence
Regie: Jakob Gisik
Drehbuch: Jakob Gisik
Kamera: Philipp M. Hönig
Musik: Florian Linckus
Laufzeit: 41 Minuten
Darsteller: Rolf Schapals, David Gisik, Horst Janson, Andreas Pape, Sarah Alles, Lukas Best, Christian Gorgs, Franz Hofmann, Martin Roskewetz
Genre: Krieg, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Der sechsjährige Deutsche Phillip Schmidt verliert im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff beide Eltern. Als er vor einer amerikanischen Patrouille aufgefunden wird, nimmt sich der GI Jack Brown dem Jungen an. Gemeinsam kämpfen sie sich durch das Kriegsgebiet, mit dem Wissen, dass das Ende des Krieges naht. Eine zaghafte Freundschaft bahnt sich zwischen dem deutschen Jungen und dem amerikanischen Soldaten an.

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Es ist immer wieder erstaunlich, welche Perlen sich im (nicht nur deutschen) Independent-Bereich verstecken. Jakob Gisiks Kriegsdrama „Destruction Of Silence“ gehört eindeutig dazu. Zielsicher inszenierte der in Kasachstan geborene Regisseur ein beeindruckendes Kriegserlebnis, das nachhaltig im Kopf hängen bleibt. Auch wenn manche das Gegenteil behaupten: Gisiks 40-Minuten-Drama wirkt in keiner Einstellung billig und amateurhaft. Ganz im Gegenteil. Sowohl vor als auch hinter der Kamera scheint man es hier mit absolut professionellen und engagierten Leuten zu tun zu haben, die einen Blick für großes Kino haben. Regie, Schauspieler- und Kameraführung, Schnitt und Musik sind top.

Visuell können sowohl die actionlastigen Kriegs- als auch die ruhigeren Gefühlsszenen vollkommen überzeugen. Gisiks Sohn David spielt seine Rolle so überzeugend und herzerweichend, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzusehen. Aber auch Rolf Schapals glänzt in seiner Rolle und zeigt großes Talent. Man hätte das Drama durchaus auf Spielfilmlänge ausweiten können, so faszinierend ist die im Grunde genommen einfache Geschichte. Horst Jahnson hat nur einen kurzen Auftritt, der aber sehr emotional ist und im Gedächtnis haften bleibt.
Andreas Pape, der mir unter anderem schon in „German Angst“  und „Toxic Lullaby“ gefallen hat, kann auch hier wieder überzeugen. Sein Blick kann schon Angst machen. 😉

Ich wüsste nicht, was ich an „Destruction Of Silence“ auszusetzen hätte, außer der Dauer. 😉
Denn ich hätte wirklich noch gerne mehr von den wunderschön inszenierten Bildern gesehen, in denen sich die Freundschaft zwischen dem GI und dem sechsjährigen Philipp immer mehr entwickelt. Das ist es auch, was Gisik so richtig kann. Gisik fängt wunderschöne Bilder ein, die mich an Großproduktionen erinnerten. „Destruction Of Silence“ ist ein kleiner, großer Film, der beeindruckt und zeigt, was Herzblut und eine gute Crew mit wenig Geld zustandebringen können. Ich bin begeistert.

Gisiks Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg konzentriert sich auf das Grauen eines Krieges, auf die vielen Schicksale, die in so einem Fall passieren. Doch trotz aller Schrecken vermittelt sein Film Hoffnung. Melancholisch und rührend schließt sich am Ende ein Kreis, der den Zuschauer zu Tränen rührt. Am Ende hatte ich wirklich einen riesigen Kloß im Hals.

Da bin ich wirklich sehr gespannt, was Jakob Gisik mit seinem neuen Projekt „No Hate“ auf die Beine stellt.

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Fazit: Beeindruckendes und anrührendes Drama, das im Zweiten Weltkrieg handelt und die Menschlichkeit in solch einem Grauen darstellt. Professionell und visuell eindrucksvoll von Jakob Gisik in Szene gesetzt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Interview mit dem Schauspieler Max Evans

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© Max Evans

Max Evans, Jahrgang 1984, ist englischer Sänger und Schauspieler. Er lebt heute in seiner Wahlheimat Hamburg und hat in Musicals wie zum Beispiel „Footlose“ oder „Jesus Christ Superstar“ mitgespielt.
Er trat in ein paar Folgen der für den NDR gedrehten Serie „Großstadtrevier“ auf und widmet sich in letzter Zeit vorrangig Kinofilmen. In Timo Roses Mystery-Horror-Serie „Nature“ übernahm er die Hauptrolle ebenso wie auch in „Death Wish: Zero“. Im Drama „Reeperbahn“ spielt er einen Kleinkriminellen und in dem Hollywood-Remake „Blood Feast“ von Marcel Walz, das voraussichtlich 2016 in die Kinos kommt, stellt er den Charakter Mathis dar.

Film-Besprechungen freut sich riesig, dem überaus netten Schauspieler ein paar Fragen stellen zu dürfen.

1. Auf welche eigene Leistung bist Du besonders stolz?

Dank Marcel Walz durfte ich dieses Jahr in meiner ersten Hollywood-Produktion neben Caroline Williams, Robert Russler und Sophie Monk spielen, was eine unglaubliche Erfahrung war. Am stolzesten bin ich aber auf meine Arbeit in Timo Rose’s „Death Wish: Zero“. Es war für mich die erste Aktionrolle, bzw. der erste Actionfilm, in dem ich mitwirken durfte. Dieser Film hat das gesamte Team (auf jeden Fall mich!) an die physischen Grenzen gebracht. Trotz Brüche, Prellungen und anderen Verletzungen weiterzuspielen, war eine neue Erfahrung, auf die ich tatsächlich sehr stolz bin… und ich würde es immer wieder tun! 🙂

2. Du spielst nicht nur in Filmen mit, sondern auch in Theaterstücken. Was fühlt sich für Dich besser an? Wo bist Du eher zu Hause?

Also, ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Der direkte Kontakt zum Publikum und deren Reaktionen ist der Hammer und man wird schnell süchtig danach. Allerdings bin ich ein sehr schüchterner Typ und war nie eine „Rampensau“, wie viele meiner damaligen Kollegen. Ich fühle mich beim Film besser aufgehoben. Es ist meiner Meinung nach eine bessere Möglichkeit, authentische Emotionen darzustellen (zumindest für mich- es fühle sich hier bitte keiner auf den Schlips getreten!!!) und es ist für mich intimer. Ich bin ja erst seit kurzem in dieser „Nische“ angelangt, aber hoffe weiterhin vor der Kamera stehen zu dürfen und nur ab und an auf die Bühne zu müssen.

3. Kannst Du uns drei Lieblingsfilme und evtl. auch Lieblingsbücher nennen und erklären, warum sie das für Dich sind?

Oooh das ist schwierig… Star Wars 4-6… und ich weigere mich zu erklären warum! 😀 Alien. A: Geiler Film! B: Meine Kindheit BESTAND aus Alien! Mein Bruder und ich hatten ihn einmal auf VHS aufgenommen, als er im TV lief und haben die Kassette geschaut, bis sie nicht mehr funktionierte. Terminator 2. Während andere bei Bambi etc. geheult haben, bin ich immer in Tränen ausgebrochen, wenn Arnie sich am Ende in das erhitzte Metall herablässt und ein letztes „thumbs up“ gibt … *schnief* …

Bücher: John Niven „The second coming“ … Das ist mal ein Jesus, wie ich ihn mir vorstellen würde, wenn ich an sowas glauben würde … Jay McInerney „Bright lights. Big city“. Portraitiert meine Lieblingsstadt perfekt und ich liebe es einfach. „Lord of the flies“ und „1984“ sind auch mit dabei, werde ihnen aber keinen Rang geben … Ich will nicht, dass die beiden streiten … 🙂

4. Was wäre Deine absolute Traumrolle?

Es gibt so viele Rollen, die ich gerne spielen würde und die alle ihren speziellen Charme haben. Neben einem Zombie in einem Rose Film (ICH HABS NOCH NICHT AUFGEGEBEN TIMO!;)), zieht es mich immer wieder zu Dramen … Das ist einfach das Genre, welches mir am meisten Spaß macht und in dem ich mich heimisch fühle. Aufgrund meines Äußeren kommt leider nicht jede Rolle für mich in Frage … Ich werde wohl nie einen Anwalt, oder Polizisten spielen, genau so wenig wird man mir die Rolle des verantwortungsvollen Familienvaters geben, da die Gesellschaft ein solches Aussehen nicht damit assoziiert. Ich liebe jede Rolle mit Tiefgang, aber das liegt auch eigentlich am Schauspieler, einer Rolle genau diese Tiefe zu verleihen. Lange Rede, kurzer Sinn: eine „Traumrolle“ habe ich nicht … Es sei denn, man castet mich als Handtuch von Rosario Dawson … Aber das ist ’n anderes Thema!

5. Was wäre Deine zweite Berufswahl neben der des Schauspielers gewesen?

Früher wollte ich Kunst studieren und ich denke, ich wäre auf jeden Fall in einem kreativen Beruf gelandet … Ich wollte auch mal seriös werden und Kaufmann werden, aber das erledigte sich schnell … Respekt an alle mit Bürojobs, aber ich könnte das nicht. Ich würde vermutlich immer noch Tätowieren und nebenbei Illustrationsarbeiten machen …

6. Wie dürfen wir uns den privaten Max Evans vorstellen? Was machst Du in Deiner Freizeit? Welche Filme siehst Du, welche Bücher liest Du und welche Musik hörst Du?

Privat bin ich ein sehr ruhiger Typ. Klar ziehe ich auch mal los, aber das eher selten. Vor allem inzwischen! Ich bleibe gerne drinnen, lese, schaue Filme, oder schreibe. Zur Zeit lese ich “ Look who’s back“ von Timur Vermes und „Yes Please“ von Amy Poehler (absoluter Tip!!!! Selten so gelacht!) und nerve meine Nachbarn mit „SWING“ von Savage. Musikalisch bewege ich mich irgendwo zwischen Metal, Hip Hop, Pop und eigentlich ALLEM ausser Kehlkopfgesang …

7. Du hast in Timo Roses Serie „Nature“ die Hauptrolle übernommen. Was kannst Du künstlerisch in einer Serie anders umsetzen als in einem Film?

Das Tolle an einer Serie ist, dass es eigentlich nie wirklich aufhört … Auch wenn man grade eine Etappe abgeschlossen hat, fühlt es sich immer so an, als würde es weiter gehen. Vor allem hat man mehr Zeit, einen Charakter zu etablieren und seine Entwicklung darzustellen. In Timo Rose’s Nature war es mir möglich (hoffe ich zumindest), Steve Chandons Weg in die Isolation darzustellen. Wie er sich nach und nach von der Gesellschaft distanziert, wäre in einem Film meines Erachtens nach sehr schwer darzustellen. Bei Nature zB. fühlt es sich nicht so an, als wenn es vorbei wäre, auch wenn die erste Staffel abgedreht ist und eine zweite zwar angedacht, aber noch ungewiss ist.

8. Deine Darstellung in „Death Wish: Zero“ (ebenfalls unter der Regie von Timo Rose) ist sehr emotional und Du hast den Charakter Deiner Rolle sehr professionell und gut dargestellt. Wie bereitet man sich auf eine solche Rolle vor?

Ich habe nicht sonderlich viel Erfahung als Auftragskiller und bin ein recht emotionaler Mensch. Also das genaue Gegenteil von Heath! Es gehört aber zum Job, sich auch mit Rollen auseinanderzusetzen, die einem fremd erscheinen. Bei Reeperbahn zB. musste ich mich nicht sonderlich vorbereiten. Für Heath musste ich immer wieder bzw. konstant den emotionalen Ausknopf drücken, bis Heath dann selbst den Knopf auf „an“ schaltet. Körperlich wollte ich mich besser auf Death Wish: Zero vorbereiten, war allerdings nicht möglich, da ich mir, geschickt wie ich bin, bei Nature eine Rippe brach.

9. Wo liegen Deiner Meinung nach Deine Stärken? Und wo Deine Schwächen?

Ganz klar: Ich bin nicht agressiv genug. Wenn ich mitbekomme, wie viele meiner Kollegen die Ellebogen ausfahren, werde ich schon fast neidisch! Auf der anderen Seite könnte ich das nicht. Genau so wenig kann ich mich so gut verkaufen, wie andere mit mehr Selbstbewusstsein. Für mich geht immer das Projekt vor, statt meiner eigenen Promotion und das ist definitiv in diesem Geschäft eine Schwäche! Auf der anderen Seite mag ich es, auf dem Boden zu bleiben und einfach mal die Klappe zu halten… meine Stärken? Ich kann über sowas schlecht urteilen. Sagt Ihrs mir! 🙂

10. Gibt es etwas in Deiner Schauspielkarriere, das Du heute anders machen würdest?

Kein RTL oder VOX machen … Ich kann’s heute nicht leiden, wenn ich angeschrieben werde, weil ich grade bei Punkt ZWÖLF in irgendeiner Wiederholung laufe. Ansonsten gibt es vieles, was ich anders machen würde. Castings, die ich nie wahrgenommen habe, welche DIE ich wahrgenommen habe und zu nichts führten … Aber an der Vergangenheit festzuhalten bringt nichts. Immer wieder auf Neustart, immer weitermachen und vor allem keinen Wert darauf legen, wenn Menschen versuchen, einem Steine in den Weg zu legen.

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge für Dich?

Family, Kunst, Gesundheit, Freiheit und Corndogs.

Film-Besprechungen bedankt sich bei Dir für die Antworten und wünscht Dir viel Erfolg für all die kommenden Projekte. Mögen es noch viele sein …

Ich bedanke mich!!!!!!!

© 2015 Max Evans / Wolfgang Brunner

Housebound (2014)

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Originaltitel: Housebound
Regie: Gerard Johnstone
Drehbuch: Gerard Johnstone
Kamera: Simon Riera
Musik: Mahuia Bridgman-Cooper
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Morgana O’Reilly, Rima Te Wiata, Glen-Paul Waru, Cameron Rhodes, Ross Harper, Ryan Lampp
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Neuseeland
FSK: ab 16 Jahre

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Kylie wird bei einem Bankraub geschnappt und wird nach einer erfolglosen psychiatrischen Behandlung dazu verdonnert, mit einer Fußfessel versehen, im Haus ihrer Mutter eine Art „Hausarrest“ abzusitzen. Die ohnehin angespannte Stimmung wird noch schlimmer, als sich herausstellt, dass es in dem alten Haus spukt.

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„Housebound“ ist kein Gruselfilm, aber auch keine richtige Komödie. Irgendwie geht das Konzept von Regisseur Gerard Johnston nicht wirklich auf. Auch wenn vieles an „Housebound“ stimmt, von der Inszenierung bis über die Schauspieler kann nicht gemeckert werden, so erreicht der Genre-Mix den Zuschauer nicht. Zumindest ging es mir so. Ich wurde mit den Personen und mit der konstruiert wirkenden Handlung nicht warm, fühlte mich an manchen  Stellen zwar wohl, aber im Großen und Ganzen fehlte mir was. Die Atmosphäre, die manchmal aufkam, wurde leider immer wieder durch übertriebene Humoreinlagen kaputtgemacht.

Es ist ein seltsamer Film,  der uns da aus Neuseeland präsentiert wird. Und er ist keinesfalls schlecht, sondern beugt sich über den Mainstream-Tellerrand hinaus und geht andere, eigenwilligere Wege. Das ist an sich gut und in der ersten Hälfte funktioniert das auch noch ganz gut, wenn wir die Protagonistin begleiten, wie sie mit jedem,  der ihr in die Quere kommt, Streit anfängt. Anfangs mutet das Ganze eher wie ein Jugend-Drama an, das sogar außerordentlich gut unterhält. Wenn dann die Mutter ins Spiel kommt, wird es schon ein wenig nervig, denn Rima Te Wiata, die diese verkörpert, geht einem schon ganz schön auf den Wecker. Ich mochte ihre Art vom ersten Moment an nicht und hätte mir eine andere Schauspielerin in dieser Rolle gewünscht. Wenig später kommt dann noch Cameron Rhodes als Psychiater Dennis mit ins Spiel und spätestens ab diesem Moment wechselte der Film in eine Fahrspur, die mir nicht mehr gefiel.
Immer wieder spricht man in Besprechungen von skurrilen Charakteren, die Johnstone für seinen Genre-Mix kreiert hat. Hm, ich denke, David Lynch kann solcherart Charakterzeichnungen erschaffen, aber was Johnstone da fabriziert hat, empfand ich eher als nervig. Einzig Morgana O’Reilly als aufmüpfige Kriminelle konnte mich den ganzen Film überzeugen. Neben ihrer muffigen, unausstehlichen Art schaffte sie es dennoch, ihrer Figur auch einen gewissen Charme und etwas Sympathie einzuhauchen. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Gegen Ende hin versucht „Housebound“ sich durch so ziemlich alle Genre zu wälzen: Drama, Krimi, Komödie, Horror, Grusel, Thriller. Aber all das wirkte auf mich leider nicht innovativ und durchdacht genug, so dass es mich vom Hocker gerissen hätte. Im Gegenteil: Schon bald war ich gelangweilt, obwohl gerade in der letzten Hälfte eigentlich erst richtig Spannung aufkommt. Ryan Lampp als Beetlejuice-Verschnitt hat mir den Film dann endgültig vermiest. Für diese peinliche Kostümierung, obwohl mit Absicht so schwarzhumorig trocken gewählt, war ich nahe dran, mich fremdzuschämen. Das fand ich wirklich sehr sehr unpassend. Hätte Johnston den aufgesetzten Humor weggelassen und ein gruseliges Drama inszeniert, in dem lediglich ein paar Szenen mit Situationskomik versteckt gewesen wären, dann hätte „Housebound“ für mich großartig funktioniert. So aber blieb nur ein unentschlossenen Genre-Verwirrspiel zurück, das mich letztendlich am Ende überhaupt nicht mehr interessiert hat. Schade eigentlich, denn ein gewisses Potential wäre da gewesen.

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Fazit: Unentschlossener und unausgegorenen Genre-Mix, der bei mir nicht funktioniert hat. Ein Grusel-Drama ohne Klamaukeinlagen aus der nicht uninteressanten Handlung zu machen wäre da bedeutend besser gewesen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Tales Of Halloween (2015)

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Originaltitel: Tales Of Halloween
Regie:
„Sweet Tooth“ – Dave Parker
„The Night Billy Raised Hell“ – Darren Lynn Bousman
„Trick“ – Adam Gierasch
„The Weak and the Wicked“ – Paul Solet
„Grim Grinning Ghost“ – Axelle Carolyn
„Ding Dong“ – Lucky McKee
„This Means War“ – Andrew Kasch, John Skipp
„Friday the 31st“ – Mike Mendez
„The Ransom of Rusty Rex“ – Ryan Schifrin
„Bad Seed“ – Neil Marshall
Drehbuch: Axelle Carolyn, Andrew Kasch, Neil Marshall, Lucky McKee, Mike Mendez, Dave Parker, Ryan Schifrin, Clint Sears, Johnny Skipp
Kamera: Jan-Michael Losada, Zoran Popovic, David Tayar, Alex Vendler, Richard J. Vialet, Joseph White, Scott Winig
Musik: Lalo Schifrin (Titelthema), Joseph Bishara, Bobby Johnston, Edwin Wendler, Kung Fu Vampire
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Pat Healy, Barry Bostwick, Noah Segan, Booboo Stewart, Greg Grunberg, Clare Kramer, Alex Essoe, Lin Shaye, Dana Gould, James Duval, Elissa Dowling, Grace Phipps, Pollyana McIntosh, Marc Senter, Tiffany Shepis, John F. Beach, Trent Haaga, Casey Ruggieri, Kristina Klebe, Cerina Vincent, John Savage, Keir Gilchrist, Nick Principe, Amanda Moyer, Jennifer Wenger, Sam Witwer, Jose Pablo Cantillo, Ben Woolf, Caroline Williams, Robert Rusler, Cameron Easton, Austin Falk, Madison Iseman, Daniel Dimaggio, Natalie Castillo, Ben Stillwell, Hunter Smit. Cameo-Auftritte: Joe Dante, John Landis, Adam Green, Adam Pascal, Adrianne Curry, Mick Garris, Lombardo Boyer, Graham Skipper, Stuart Gordon, Greg McLean, Spooky Dan Walker, Adrienne Barbeau
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Sweet Tooth: Eine Babysitterin und ihr Freund erzählen einem Jungen eine Geschichte, in der Eltern bitter dafür bezahlen mussten, weil sie ihrem Jungen verboten haben, die an Halloween gesammelten Süssigkeiten aufzuessen.

The Night Billy Raised Hell: Ein Junge betritt das Haus eines alten Mannes und stellt bald fest, dass es sich um den Teufel handelt.

Trick: Eine Gruppe Kinder macht Jagd auf Erwachsene und ermordet diese. Doch die Erwachsenen schlagen zurück.

The Weak and the Wicked: Ein junger Mann beschwört einen Dämon herauf, mit dem er Rache an drei Brandstiftern nehmen will, die sein Elternhaus niederbrannten, obwohl seine Eltern noch darin waren.

Grim Grinning Ghost: Eine junge Frau wird von einem bösartigen Geist verfolgt.

Ding Dong: Ein junger Mann erfährt, dass seine Frau eine kinderhungrige Hexe ist und versucht, sie aufzuhalten.

This Means War: Ein Mann bekämpft seinen Nachbarn wegen dem „besten Halloween-Kostüm“ bis zum Tode.

Friday the 31st: Ein Serienmörder macht Bekanntschaft mit Aliens, die echt sauer werden, wenn sie keine Süßigkeiten bekommen.

The Ransom of Rusty Rex: Zwei Kidnapper entführen den Sohn eines reichen Mannes, nur um wenig später zu erfahren, dass der Millionär seinen Sohn gar nicht mehr zurückhaben will. Die Entführung scheint ihm sogar sehr gelegen zu kommen.

Bad Seed: Ein Detektiv versucht zu verhindern, dass ein gentechnisch manipulierter, fleischfressender Kürbis eine ganze Stadt auslöscht.

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Ich ging mit großen Erwartungen an diese Halloween-Anthologie und war teilweise begeistert, teilweise aber auch enttäuscht. Auf die einzelnen Regisseure und deren Inszenierungsstil möchte ich gar nicht weiter eingehen, denn dann würde diese Besprechung sämtliche Rahmen sprengen. Eines sei gesagt: Keiner der Regisseure hat eine Meisterleistung abgeliefert, obwohl alle Kurzfilme durchgehend einen soliden Inszenierungsstil vorweisen können. Aber als Gesamtbild bleibt ein eher mässiges Filmerlebnis zurück. Alleine der Vor- und Nachspann vermochten mich zu begeistern und erinnerten mich in seiner liebevollen Machart an „Geschichten aus der Gruft“ oder „Creepshow“.
Nun aber zu den einzelnen Episoden.

„Sweet Tooth“ ist eine der Episoden, die mir am besten gefallen hat. Da kommt schon von Anfang an eine gewisse Halloween-Stimmung auf, die einen gemütlichen Abend verspricht. Die Idee finde ich ebenso gut wie die Darsteller, die ihre Sache wirklich gut machen. Insgesamt erinnert mich diese Episode einfach sehr stark an eine Folge aus „Geschichten aus der Gruft“.

Auch „The Night Billy Raised Hell“ ist ganz akzeptabel, obwohl mir da die Kirmes-Inszenierung ein wenig auf den Keks geht. Handlungstechnisch ganz nett, aber meiner Meinung nach viel zu übertrieben in Szene gesetzt.

„Trick“ bietet einen gelungenen Anfang, verkommt aber von Minute zu Minute immer mehr zu einem uninspirierten, vorhersehbaren Plot, der auf mich langweilig wirkt.

„The Weak and the Wicked“ ist für mich bedeutungslos und nicht der Rede wert.

„Grim Grinning Ghost“ ist ebenso wie „The Weak and the Wicked“ ein Filmchen, das man schnell wieder vergisst.

„Ding Dong“ hat nette Effekte und kann zwar unterhalten, verschwindet aber auch schon bald wieder aus dem Gedächtnis.

Der Nachbarschaftskampf um das beste Halloween-Kostüm in „This Means War“ ist originell und unterhaltsam. Aber auch hier fehlt einfach das gewisse Etwas.

Mike Mendez‘ Beitrag „Friday the 31st“ gehört wieder zu den Highlights dieser Kurzfilmsammlung. Sein außerirdischer Halloweenbesuch ist witzig, innovativ und macht wirklich Spaß. Für mich neben „Sweet Tooth“, „The Ransom of Rusty Rex“ und „Bad Seed“ eine der besten Folgen.

„The Ransom of Rusty Rex“ hat mir auch unglaublich Spaß gemacht. Vor allem der Humor trifft genau den richtigen Ton. Und der Plot hat absolut seinen Reiz. Wie bereits erwähnt, gehört diese Folge ebenfalls zu meinen Favoriten.

„Bad Seed“ von Neil Marshall ist ein würdiger und amüsanter Abschluss, der die langweiligeren Folgen dann doch wieder irgendwie vergessen lässt.

Insagesamt unterhält „Tales Of Halloween“ auf jeden Fall und die teils blutigen und perfekt in Szene gesetzten Splattereinlagen trösten über die teils uninspirierten Geschichten hinweg. Von einem Kultfilm ist diese Storysammlung allerdings weit entfernt, vom Intro und Outro einmal abgesehen. 😉 Denn die sind wirklich genial gemacht und verbreiten sofort eine (kultige) Halloween-Stimmung. Wer genau hinsieht, entdeckt viele Cameo Auftritte von unter anderem John Landis oder Joe Dante. Unterhaltsam ist „Tales Of Halloween“ allemal, aber eine beeindruckende Kurzfilm-Sammlung ist es leider nicht geworden.

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Fazit: Die unterhaltsame Kurzfilm-Sammlung erreicht leider nicht den Kultstatus, den man sich gewünscht hätte. Bizarrer Humor trifft auf teils heftige Splatterszenen, die allerdings die meist uninspirierten Storys nicht retten können. Ein paar Highlights gibt es, aber insgesamt leider eher mäßiger Halloween-Grusel.

© 2015 Wolfgang Brunner