Max Schmeling (2010)

Originaltitel: Max Schmeling
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Timo Berndt, Uwe Boll
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Rooij
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Henry Maske, Susanne Wuest, Heino Ferch, Vladimir Weigl, Arthur Abraham, Yoan Pablo Hernández, Detlef Bothe
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Während des Zweiten Weltkriegs erzählt Max Schmeling als Soldat einem britischen Kriegsgefangenen, den er aus Kreta überführen soll, seine Lebensgeschichte. Er schildert seine ersten WM-Kämpfe, seine große Liebe zur Schauspielerin Anny Ondra und letztendlich die legendären Kämpfe gegen Joe Louis.

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Ein Film, über den nur gemeckert wird, sei es wegen des Regisseurs oder auch wegen des angeblich schlechten Schauspiels von Henry Maske. Nun gut, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und die daraus resultierenden Meinungen logischerweise auch. Mit „Max Schmeling“ ist Uwe Boll meiner Meinung nach ein unglaublich ehrlicher und authentischer Film gelungen, der das Leben des Boxweltmeisters sehr gelungen beschreibt. Gerade mit Henry Maske wurde ein Mann für die Hauptrolle verpflichtet, der Max Schmeling sogar ziemlich ähnlich sieht (ein kurzer Blick über eine Bildersuchmaschine im Internet kann meine Aussage bestätigen). Hinzu kommt das eher schüchterne, zurückhaltende Agieren Maskes, das wohl auch dem realen Charakter Schmelings entspricht. Interessant dürfte in dieser Sache auch sein, dass Max Schmeling und Henry Maske bis zum Tod Schmelings eine sehr enge Freundschaft verband, während der Schmeling einmal geäußert hatte, dass er von Maske dargestellt werden wolle, sollte sein Leben jemals verfilmt werden. Maske empfand das natürlich als eine große Ehre und sagte Bolls Angebot zu.

Sogar die Kritiker der „großen“ Zeitungen und Zeitschriften missbilligten sowohl Maskes Schauspielleistung wie auch Bolls Regie, obwohl die filmische Biografie aus meiner Sicht (und übrigens auch der meiner Frau) absolut gelungen ist. Kurzweilig und sehr intensiv wird das Leben dieses Mannes geschildert und auch ein kleiner Einblick in seinen Charakter gewährt. Selbst die so oft verpönten Boxszenen empfand ich als sehr authentisch (müssen sie ja eigentlich auch, denn sie wurden schließlich von einem echten Boxer gespielt) und vor allem sehr spannend inszeniert. Teils mit wunderschönen Bildern und teils mit beunruhigenden Einschüben der nationalsozialistischen Vorgehensweisen inszenierte Boll ein beeindruckendes Porträt eines Mannes, der sich nicht alles gefallen ließ. Uwe Boll entführt den Zuschauer ins alte Berlin, lässt eine vergangene Welt glaubhaft wieder aufleben und setzt damit nicht nur dem Boxer Schmeling, sondern auch dem alten Berlin ein Denkmal.
Man sollte diesem Film wirklich eine Chance geben, egal ob man zu den Boll-Hassern (warum gibt es die überhaupt?) oder den Henry Maske-Verurteilern bezüglich seiner Schauspielerei gehört, denn „Max Schmeling“ hat es verdient. Hier sieht man nämlich, dass Uwe Boll sehr wohl was kann, wenn er ein anständiges Budget zur Verfügung hat.

An der Seite von Henry Maske agiert Susanne Wuest als seine große Liebe. Wuest verkörpert die Geliebte und Frau des Boxers absolut gekonnt und auch sie sieht der echten Anny Ondra verblüffend ähnlich. Die Schauspieler der beiden Hauptparts hätten besser nicht gecastet werden können. Auch Heino Ferch passt als Trainer sehr gut in das Gesamtbild. Der wirklich fantastische Score von Jessica de Rooij, die so ziemlich jeden Film von Uwe Boll musikalisch untermalt hat, rundet das Bild noch so richtig ab. Unaufdringlich vermitteln ihre Töne mal Sanftes und mal Gewaltiges und verschaffen der filmischen Biografie das nötige I-Tüpfelchen, um „Max Schmeling“ zu einem wirklich sehenswerten Film zu machen. Ich fühlte mich perfekt unterhalten und vergaß die Zeit, so hat mich die Story (und auch der Inszenierungsstil) gepackt.  Schon jetzt weiß ich, dass ich diesen Film auf jeden Fall noch einmal ansehen werde.
Man sollte sich den Film unvoreingenommen ansehen und sich schlichtweg seine eigene Meinung bilden. Es wäre zu schade, wenn sich der ein oder andere Zuschauer / Interessierte von unqualifizierten Meinungen oder hasserfüllten Vorurteilen gegenüber Schauspieler oder Regisseur dieses Ereignis entgehen lassen würde.

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Fazit: Völlig zu Unrecht missachtetes Lebensporträt eines berühmten Mannes.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Tut – Der größte Pharao aller Zeiten (2015)

TUT

Originaltitel: Tut
Regie: David von Ancken
Drehbuch: Michael Vickerman, Peter Paige & Bradley Bredeweg
Kamera: Christopher La Vasseur
Musik: Jeff Russo
Laufzeit: 6 Folgen á 45 Minuten
Darsteller: Ben Kingsley, Avan Jogia, Sybilla Deen, Alexander Siddig, Kylie Bunbury, Peter Gadiot, Iddo Goldberg, Nonso Anozie
Genre: Action, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Politische Intrigen, Machtspiele und Kriege begleiten das kurze Leben des legendären Pharaos Tutanchamun. Schon als Kind besteigt er den Thron und muss sich gegen private und kriegerische Bedrohungen zur Wehr setzen.

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Die von David van Ancken inszenierte Miniserie über einen der bekanntesten (nicht unbedingt größten) Pharao bietet absolut gelungene, aufwändige und interessante Unterhaltung. Es wurde meines Erachtens zwar gut recherchiert, aber der historischen Handlung natürlich (und glücklicherweise) eine Portion erfundener Geschehnisse hinzugefügt, um einen annehmbaren Plot um die Person des jungen Herrschers aufzubauen.
Manches kommt leider viel zu kurz. Da hätten die Macher ruhig Mut zeigen können und die Serie auf die doppelte Länge ausbauen können, denn so verlieren sich leider viele Handlungsstränge und Ideen einfach oder werden mit ein paar Sätzen abgehandelt. Das wirkt bisweilen etwas unbefriedigend und hätte man sich die Mühe gemacht, die Serie weiter auszubauen, wäre mit Sicherheit ein weitaus beeindruckenderes Ergebnis zustande gekommen. Aber beeindruckend ist die Story dennoch, denn man wird glaubhaft in die prächtige Welt der Ägypter entführt und nimmt am Leben und sämtlichen privaten und politischen Intrigen teil.

Avan Jogiam in der titelgebenden Hauptrolle hätte nicht besser ausgewählt werden können. Er stellt die jugendlichen Schwächen des jungen Pharaos hervorragend den harten und skrupellosen Befehlstönen eines Erwachsenen gegenüber. Hinzu kommt das leicht androgyne Aussehen, das Jogiam unglaublich schön wirken lässt. Der Schauspieler agiert absolut hervorragend und es stellte sich für mich wieder einmal unweigerlich die Frage, warum man solche Talente noch nie in einem „großen“ Film gesehen hat.
Obwohl Weltstar Ben Kingsley an seiner Seite spielt, lässt sich Jogiam nicht einschüchtern und stiehlt Kingsley so manches Mal eindeutig die Show. Man hört hoffentlich, wie sehr mich dieser junge Schauspieler in dieser Rolle begeistert und überzeugt hat.
Aber auch die anderen Schauspieler überzeugten durch die Bank und gaben der Mini-Serie gute Charaktere, die aber, wie bereits oben erwähnt, durchaus noch viel mehr ausgebaut hätten werden können. Das Potential dazu wäre auf jeden Fall da gewesen.

Wer einen historisch fundierten Film über das Leben von Tutanchamun erwartet, sollte sich vor Augen halten, dass es sich hier um Fernsehunterhaltung mit historischem Hintergrund handelt. Ich möchte die Serie nicht unbedingt als seicht einstufen, aber im Grunde genommen wird das Leben dieses Mannes in eine unterhaltsame Story verpackt. Das Leben dieses Pharaos hätte sicherlich bedeutend epischer und historisch korrekter dargestellt werden können, aber die Macher haben sich nun mal für diesen Weg entschieden. Und der ist auch nicht schlecht, sondern einfach nur auf Unterhaltung konzipiert.
Untermalt wird das ägyptische Drama von einer hervorragenden, manchmal richtig epischen Musik, die aus der Feder von Jeff Ruso stammt, der übrigens auch die Musik zur Serie „Fargo“ komponierte. Sie passt grandios zu den Schlacht-, Liebes- und Actionszenen. Vor allem das „Main Theme“ bleibt bereits nach der ersten Folge schon im Ohr.
Die Ausstattung der Serie wirkt bombastisch und wird dem Thema gerecht. Man kann sich gut vorstellen, dass das Leben zu jener Zeit genau so stattgefunden hat. Die Masken wirken sehr bunt, was aber wohl auch der Realität von damals entsprach. Insgesamt hat mir die Serie, alleine schon aufgrund des Hauptdarstellers und der hervorragenden Musik, absolut gefallen. Aber ich hätte mir eine zweite Staffel gewünscht, um dem Leben des Pharaos und den Charakteren mehr Platz zu geben. So wirkt die Serie irgendwie „unfertig“ und auch leicht unbefriedigend.

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Fazit: Ansprechend inszenierte Miniserie mit einem exzellenten Hauptdarsteller und einer passenden, epischen Musik. Nur leider zu kurz.

© 2016 Wolfgang Brunner

Destruction Of Silence (2013)

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Originaltitel: Destruction Of Silence
Regie: Jakob Gisik
Drehbuch: Jakob Gisik
Kamera: Philipp M. Hönig
Musik: Florian Linckus
Laufzeit: 41 Minuten
Darsteller: Rolf Schapals, David Gisik, Horst Janson, Andreas Pape, Sarah Alles, Lukas Best, Christian Gorgs, Franz Hofmann, Martin Roskewetz
Genre: Krieg, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Der sechsjährige Deutsche Phillip Schmidt verliert im Zweiten Weltkrieg bei einem Luftangriff beide Eltern. Als er vor einer amerikanischen Patrouille aufgefunden wird, nimmt sich der GI Jack Brown dem Jungen an. Gemeinsam kämpfen sie sich durch das Kriegsgebiet, mit dem Wissen, dass das Ende des Krieges naht. Eine zaghafte Freundschaft bahnt sich zwischen dem deutschen Jungen und dem amerikanischen Soldaten an.

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Es ist immer wieder erstaunlich, welche Perlen sich im (nicht nur deutschen) Independent-Bereich verstecken. Jakob Gisiks Kriegsdrama „Destruction Of Silence“ gehört eindeutig dazu. Zielsicher inszenierte der in Kasachstan geborene Regisseur ein beeindruckendes Kriegserlebnis, das nachhaltig im Kopf hängen bleibt. Auch wenn manche das Gegenteil behaupten: Gisiks 40-Minuten-Drama wirkt in keiner Einstellung billig und amateurhaft. Ganz im Gegenteil. Sowohl vor als auch hinter der Kamera scheint man es hier mit absolut professionellen und engagierten Leuten zu tun zu haben, die einen Blick für großes Kino haben. Regie, Schauspieler- und Kameraführung, Schnitt und Musik sind top.

Visuell können sowohl die actionlastigen Kriegs- als auch die ruhigeren Gefühlsszenen vollkommen überzeugen. Gisiks Sohn David spielt seine Rolle so überzeugend und herzerweichend, dass es eine wahre Freude ist, ihm zuzusehen. Aber auch Rolf Schapals glänzt in seiner Rolle und zeigt großes Talent. Man hätte das Drama durchaus auf Spielfilmlänge ausweiten können, so faszinierend ist die im Grunde genommen einfache Geschichte. Horst Jahnson hat nur einen kurzen Auftritt, der aber sehr emotional ist und im Gedächtnis haften bleibt.
Andreas Pape, der mir unter anderem schon in „German Angst“  und „Toxic Lullaby“ gefallen hat, kann auch hier wieder überzeugen. Sein Blick kann schon Angst machen. 😉

Ich wüsste nicht, was ich an „Destruction Of Silence“ auszusetzen hätte, außer der Dauer. 😉
Denn ich hätte wirklich noch gerne mehr von den wunderschön inszenierten Bildern gesehen, in denen sich die Freundschaft zwischen dem GI und dem sechsjährigen Philipp immer mehr entwickelt. Das ist es auch, was Gisik so richtig kann. Gisik fängt wunderschöne Bilder ein, die mich an Großproduktionen erinnerten. „Destruction Of Silence“ ist ein kleiner, großer Film, der beeindruckt und zeigt, was Herzblut und eine gute Crew mit wenig Geld zustandebringen können. Ich bin begeistert.

Gisiks Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg konzentriert sich auf das Grauen eines Krieges, auf die vielen Schicksale, die in so einem Fall passieren. Doch trotz aller Schrecken vermittelt sein Film Hoffnung. Melancholisch und rührend schließt sich am Ende ein Kreis, der den Zuschauer zu Tränen rührt. Am Ende hatte ich wirklich einen riesigen Kloß im Hals.

Da bin ich wirklich sehr gespannt, was Jakob Gisik mit seinem neuen Projekt „No Hate“ auf die Beine stellt.

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Fazit: Beeindruckendes und anrührendes Drama, das im Zweiten Weltkrieg handelt und die Menschlichkeit in solch einem Grauen darstellt. Professionell und visuell eindrucksvoll von Jakob Gisik in Szene gesetzt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Mad Max: Fury Road (2015)

Mad Max

Originaltitel: Mad Max: Fury Road
Regie: George Miller
Drehbuch: George Miller, Brendan McCarthy, Nick Lathouris
Kamera: John Seale
Musik: Junkie XL
Laufzeit: 120 Minuten
Darsteller: Tom Hardy Charlize Theron, Nicholas Hoult,
Hugh Keays-Byrne, Zoë Kravitz
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: Australien, USA
Freigabe: ab 16 Jahren

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Die Erde nach der Apokalypse: Die Soldatin Imperator Furiosa verhilft den Frauen des Warlords Immortan Joe zur Flucht. In Begleitung des Gefangenen Max Rockatansky brechen sie auf, um im Land ihrer Vorfahrinnen Frieden und Sicherheit zu finden…

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1979 eroberte George Millers Mad Max die Kinosäle. Mit Mel Gibson in der Titelrolle hatte Miller einen Meilenstein des Ozploitation-Kinos geschaffen. Es folgten zwei Fortsetzungen, Der Vollstrecker (1981) und Jenseits der Donnerkuppel (1985), dann wandte sich Miller anderen Genres zu. Nach der Updike-Verfilmung Die Hexen von Eastwick und den Kinderfilmen Babe – Ein Schweinchen in der großen Stadt und Happy Feet, kehrt er nun, genau 30 Jahre später, in die Welt von Max Rockatansky zurück.

In der äußerst sehenswerten Doku Not Quite Hollywood sagte Quentin Tarantino „Nobody shoots a car the way Aussies do. They manage to shoot cars with this fetishistic lens that just makes you want to jerk off.“ Nun, wenn wir Tarantino beim Wort nehmen können, dann wird ihm dieser Film sicher einen Tennisarm bescheren. Denn nach 20 Jahren hat Autor und Regisseur George Miller nichts verlernt, ganz im Gegenteil. Mad Max: Fury Road ist ein Action-Kracher der Spitzenklasse.

Dabei ist es gar nicht die Geschichte, die den Film so besonders macht, denn diese ist aus unzähligen postapokalyptischen Erzählungen altbekannt: die Erde ist zur Wüste geworden, Wasser und Benzin sind die kostbarsten Güter. Die letzten Überlebenden haben sich in Enklaven zurückgezogen, wo sie von gnadenlosen Warlords beherrscht werden. Einer dieser Warlords ist Immortan Joe, der regelmäßig seine Soldatin Imperator Furiosa in die Städte Gastown und Bullet Farm schickt, um Benzin und Munition zu holen.

Auf einer dieser Versorgungsfahrten desertiert Furiosa und verhilft dabei Immortans „Brütern“ zur Flucht. Die jungen Frauen, wie Schätze in einem großen Tresor gehalten, wollen nicht mehr als Gebärmaschinen benutzt werden, deren einziger Zweck es ist, Nachschub für Immortans Armee auf die Welt zu bringen. Sofort schickt der Warlord seine Soldaten, die War Boys, um seinen Besitz zurückzuholen. Der Gefangene Max Rockatansky, eigentlich nur als lebende Blutkonserve mit an Bord, wird in einen Krieg verwickelt, der über den Fortbestand der Menschheit entscheiden soll. Und damit beginnt es, das zweistündige Action-Feuerwerk, das dem Zuschauer nur wenig Gelegenheit zum Luftholen lässt.

Zwar fällt die Geschichte an sich ziemlich flach aus, wie es bisher bei allen Mad Max-Filmen üblich war, dafür kreiert Miller eine unglaublich komplexe Welt, die ihren eigenen Regeln folgt. Viele kleine Details wurden liebevoll eingearbeitet, werden aber dem Zuschauer nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern offenbaren sich dem aufmerksamen Betrachter erst nach und nach, manche vielleicht sogar erst nach mehrmaligem Ansehen.

Mad Max: Fury Road ist ein Augenschmaus. Ursprünglich sollte in Australien gedreht werden, doch der erste Regenguss seit 15 Jahren verwandelte die australische Wüste in ein Blumenmeer mit starkem Pflanzenwuchs, Flamingos und Froschteichen. Als die Ödnis nach einem Jahr nicht wieder zurückgekehrt war, verlagerte man die Dreharbeiten kurzerhand nach Namibia. Auch wenn die Landschaft jetzt merklich nicht mehr nach Australien aussieht, hat der Ortswechsel dem Look des Films nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Sandwüsten, Salzwüsten und Canyons wechseln sich ab und wurden von Kameramann John Seale in atemberaubenden Panoramabildern in Szene gesetzt.

Das Produktionsdesign ist ein Traum. Die Fahrzeuge, für den Film allesamt aus Schrottplatzfundstücken zusammengesetzt, gehören zum Kuriosesten, das man seit langer Zeit auf der Leinwand gesehen hat, und dabei sind sie doch so funktional, dass sie tatsächlich aus einer postapokalyptischen Welt stammen könnten. Eine Schande eigentlich, wenn sie sich im Laufe des Film überschlagen, explodieren, gegen Felsen prallen, zusammenstoßen oder auf sonst erdenkliche Art zerstört werden. Und das passiert am laufenden Band, und zwar auf unglaublich spektakuläre Weise. Echtes Handwerk ist für Miller wichtig, kein einziger Stunt stammt aus dem Computer, alles wurde tatsächlich live vor Ort gedreht.

Außerdem überrascht Miller mit einer weiteren Besonderheit, die man im Kino unserer Zeit oft vergeblich sucht: den Männern der postapokalyptischen Welt, missgebildet, fanatisch, dem Wahnsinn nahe, stellt er unglaublich starke Frauenfiguren gegenüber. Denn tatsächlich sind hier die Frauen die treibende Kraft der Geschichte. Durch ihre Stärke und Kompetenz wollen sie die aus den Fugen geratene Welt wieder ins Lot bringen, und sogar der schweigsame Max, der unfreiwillig durch sein Abenteuer getrieben wird, wäre ohne Hilfe der Furiosa so manches Mal zum Scheitern verurteilt.

Doch nicht nur den Augen wird einiges geboten, es gibt auch ordentlich was auf die Ohren. Das Donnern der V8-Motoren lässt die Boxen beben, wo man früher mit Dudelsack und Trommel auf das Schlachtfeld zog, gibt nun der Doof Wagon, ein riesiger Truck, ausgestattet mit Taiko-Trommeln und E-Gitarre, den Kampfrhythmus des motorisierten Heeres vor (das Wort doof stammt aus dem australischen Slang und bedeutet soviel wie Party, Rave), zudem wird das ganze untermalt mit dem mal brachialen, mal melancholischen Soundtrack von Tom Holkenborg alias Junkie XL.

Wer sich nun noch weiter über Mad Max, bzw. die Geschichte des australischen Kinos informieren möchte, dem empfehle ich, wie bereits oben erwähnt, die unterhaltsame und völlig abgedrehte Doku Not Quite Hollywood: The Wild, Untold Story of Ozploitation! von Mark Hartley.

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Fazit: Mad Max: Fury Road ist ein atemberaubendes Spektakel, das mit handgemachten Special Effects, einer clever durchdachten und wunderschön in Szene gesetzten Welt, einem großartigen Cast und einem brachialen Soundtrack glänzt. Für mich das Action-Highlight des Jahres, wenn nicht sogar des Jahrzehnts.

 © 2015 Tobias Schumacher

Zwischen den Linien (2014)

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Originaltitel: Zwischen den Linien
Internationaler Titel: Between The Lines
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak, Rita Fichtl-Spionjak, Slavica Spionjak
Kamera: Nic Mussel
Musik: Trevor Coleman
Laufzeit: 43 Minuten
Darsteller: Tobias Licht, Burak Akkoyun
Genre: Drama, Mystery, Krieg
Produktionsland: Deutschland
FSK: —

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Zwei Soldaten wachen in einem Raum auf. Einer von ihnen ist Christ, der andere Mohammedaner. Beide sind an Händen und Füßen angekettet und gehen gemeinsam der Frage nach, wie sie in diesen Raum gekommen sind …

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Slavko Spionjaks preisgekrönter Kurzfilm fängt an wie „Saw“ und endet wie eine Folge der Mystery-Serie „Twin Peaks“. Und dazwischen liegt ein ambitioniertes Stück voller Kritik an der Menschheit und Kriegsbewältigung a la „Birdy“.
Spionjak ist ein kleines Meisterwerk gelungen, das durchaus die doppelte Länge haben könnte, so gewaltig ist die Sogkraft, die hinter der Geschichte steckt. Was der Regisseur in eine Dreiviertelstunde verpackt hat, ist enorm. Tobias Licht und Burak Akkoyun liefern eine grandiose Zweimann-Show ab, die sich auf beeindruckende Weise ins Gedächtnis brennt.
„Zwischen den Linien“ lässt sich schwer in Worte fassen. Und, wie oben bereits erwähnt, komme ich nicht umhin, immer wieder Vergleiche mit „Twin Peaks“ zu ziehen. Denn genau diese Art von Mystery-Touch hat Spionjak in seine Parabel über Krieg und unterschiedliche Religionen und Weltanschauungen geschickt eingebaut.

Es ist eine wahre Freude, den beiden Protagonisten zuzusehen, wie sie sich gegenseitig beleidigen, die Lebensart des anderen schlecht machen und dabei ganz aus den Augen verlieren, dass sie letztendlich beide an das Gleiche glauben. Darstellerisch hat mich Burak Akkoyun sogar noch ein klein wenig mehr begeistert als Tobias Licht, aber im Grunde genommen leisten beide hervorragende Arbeit. Nic Mussels Kameraführung und seine oftmals künstlerisch wirkenden Einstellungen machen den Kurzfilm zu einem visuellen Augenschmaus, der durch die hervorragende Musik Trevor Colemans noch zusätzlich unterstrichen wird.

Die Emotionen, die dieser Kurzfilm hervorruft, gehen über Wut, Ungerechtigkeit, Hilflosigkeit, Angst bis hin zu Hoffnung. Wie aus einer fanatischen Rivalität zweier Kriegsgegner fast schon Freundschaft wird, ist unglaublich intensiv und vor allem glaubhaft dargestellt. Ich bin so begeistert von „Zwischen den Linien“, dass ich ihn sofort wieder ansehen könnte. 😉
Das Trio Slavko, Slavica Spionjak und Rita Fichtl-Spionjak hat einen wirklich beeindruckenden Film erschaffen, der handwerklich perfekt ist und zu Recht internationale Preise eingeheimst hat. Wer mit solchen Ambitionen und handwerklichem Können Filme macht, verdient eindeutig mehr Aufmerksamkeit.

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Fazit: Beeindruckendes Kriegs-Antikriegs-Mystery-Drama, das nachhaltig in Erinnerung bleibt. Großes Kino mit kleinem Geld gemacht. Mehr davon!

© 2015 Wolfgang Brunner

Exodus – Götter und Könige (2014)

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Originaltitel: Exodus: Gods And Kings
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Adam Cooper, Bill Collafe, Jeffrey Caine, Steven Zaillan
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Alberto Iglesias
Laufzeit: 150 Minuten
Darsteller: Christian Bale, joel Edgerton, John Turturro, Aaron Paul, Ben Mendelsohn, Maria Valverde, Sigourney Weaver, Ben Kingsley, Isaac Andrews
Genre: Action, Abenteuer, Drama
Produktionsland: Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten, Spanien
FSK: ab 12 Jahren

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Moses widersetzt sich dem Pharao Ramses, mit dem er wie ein Bruder aufgewachsen ist, um seine Landsleute aus der Sklaverei und dem von Plagen heimgesuchten Ägypten in eine neue Zukunft zu führen.

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Ridley Scott ist und bleibt ein Garant für hochwertiges Unterhaltungskino. „Exodus: Götter und Könige“ beweist dies aufs Neue. Es ist schon erstaunlich, wie geschickt Scott einen „alten“ Historienschinken in neuem Gewand serviert. Seine Moses-Interpretation wirkt wie Cecil B. DeMills „Die zehn Gebote“ Mitte der Fünfziger oder Joseph L. Mankiewicz’s „Cleopatra“ Anfang der Sechziger Jahre, wären da nicht die umwerfenden, atemberaubenden Computereffekte, die dem Abenteuer einen zeitgemäßen (perfekten) Touch geben. Leider wurde am Ende ein wenig übertrieben, wenn das Wasser wieder zurückkommt. Das hat mir persönlich nicht so gefallen, aber das ist einfach Geschmackssache. Das Publukim will heutzutage was für sein Geld sehen, also wird es in dieser Hinsicht schlicht bedient. Etwas mehr Zurückhaltung in diesen Szenen hätte dem Film deutlich mehr Realitätsnähe verschafft. Aber man kann darüber hinwegsehen, denn ansonsten ist der Film nahezu perfekt.
Ridley Scott versteht sein Handwerk, da kann einer sagen, was er will, und wenn er dann noch so erstklassige Schauspieler wie Christian Bale und Joel Edgerton um sich schart, kommt eben ein episches, atemberaubendes Ergebnis zustande.

„Exodus: Götter und Könige“ ist einerseits bombastisch, pathetisch und prunkvoll. Andererseits aber auch sehr menschlich, intim und gefühlvoll. Besser kann Unterhaltungskino gar nicht sein und trotz einer Vielzahl an Spezialeffekten liegt das Hauptaugenmerk auf den Schauspielern und ihrem Können. Christian Bale ist wie immer erstklassig und verleiht der Figur des Moses sehr sympathische und menschliche Züge. Seine Interpretation des biblischen Propheten, der im Auftrag Gottes das israelische Volk aus der ägyptischen Sklaverei ins Land Kanaan führt, wirkte auf mich als eine der gelungensten in der Filmgeschichte. Da wurde nichts verklärt oder beschönigt, sondern ein „normaler Mann“ auf beeindruckende menschliche Weise dargestellt. Desweiteren kümmert sich Ridley Scott nicht wirklich um die religiöse Seite der Geschichte, sondern erzählt von der Freundschaft und Rivalität Moses‘ und Ramses‘. Und er zeigt die Unsicherheit von Moses in Bezug auf die Gotteserscheinung (die Scott absolut brillant umsetzte). Das hatte schon was von Ken Russell-Filmen oder Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“.

Die Filmmusik von Alberto Iglesias ist unglaublich stimmig und erinnert in seinem monströsen Bombast tatsächlich an alte Mammut-Produktionen, der aber auch die leisen Zwischentöne nicht fehlen.
„Exodus: Götter und Könige“ ist ganz großes Kino!

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Fazit: Bombastisch, spektakulär und dennoch ruhig und melancholisch. Ridley Scotts Moses-Epos ist ganz großes Kino mit beeindruckenden Schauspielern, atemberaubenden Effekten und einer unglaublich guten Filmmusik.

© 2015 Wolfgang Brunner

Nova Zembla – Unbekanntes Land (2011)

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Originaltitel: Nova Zembla
Regie: Reinout Oerlemans
Drehbuch: Hugo Heinen
nach den Erinnerungen von Gerrit de Veer
Kamera: Lennert Hillege
Musik: Melcher Meirmans, Merlijn Snitker, Chrisnanne Wiegel
Laufzeit: 108 Minuten
Darsteller: Doutzen Kroes, Derek de Lint, Semmy Schilt, Robert de Hoog, Jan Decleir, Teun Kuilboer, Victor Reinier, Bas Keijzer
Genre: Abenteuer, Drama
Produktionsland: Niederlande
FSK: ab 12 Jahren

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Holland leidet im Jahr 1596 unter der Seeblockade der Spanier. Unter dem Kommando von Willem Barents und Kapitän Jacob von Heemskerk bricht eine Schiffsexpedition auf, um eine neue Route nach China zu finden. Auf dem Weg durch das Polarmeer muss die Insel Nova Zembla umfahren werden. Dabei bleibt das Schiff im Eis stecken  und für die Mannschaft beginnt ein erbitterter Überlebenskampf im arktischen Winter.

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Ich hatte mir einiges bei dem niederländischen Historienfilm vorgestellt, aber was ich dann zu sehen bekam, übertraf meine Erwartungen. „Nova Zembla“ ist Abenteuer pur und erinnert an Klassiker wie „Die Schatzinsel“, „Meuterei auf der Bounty“,„Das Boot“ oder den neueren „Kontiki“. Sehr routiniert wurde die Schiffsexpedition á la „Shackleton“ oder die Arktiskatastrophe der „Terror“ und „Erebus“ in Szene gesetzt. Da kam gleich von Anfang an eine unglaublich spannende Atmosphäre auf, die sich bis zum Ende durch den ganzen Film zog.

Die Schauspieler haben  mir allesamt gefallen. Sie können es durchaus mit weitaus bekannteren Persönlichkeiten im internationalen Filmbusiness aufnehmen. Die Stimmung auf dem Schiff könnte besser nicht dargestellt werden und hat mich richtig in den Bann gezogen. Durch die hervorragende Musik der Komponisten Melcher Meirmans, Merlijn Snitker und Chrisnanne Wiegel, letztere lieferte auch die Musik zu der Mo Hayder Verfilmung „Die Behandlung“, wurde diese Stimmung optimal unterstützt.

Am herausragendsten fand ich allerdings die unglaublich gute Kameraarbeit von Lennert Hillege. Seine Kamerafahrten und -einstellungen fielen mir durchwegs positiv auf und ließen mich bei den Abenteuern der Seefahrer hautnah mit dabei sein.

Inwieweit sich das Drehbuch an die Aufzeichnungen des echten Gerrit de Veer hält, kann ich leider nicht beurteilen. Für mich war „Nova Zembla“ auf jeden Fall ein unglaublich gutes, intensives und spannendes Abenteuer, das ich mir gerne noch einmal ansehen werde.

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Fazit: Spannende Schiffsexpedition, die  manchmal an das Schicksal der „Shackleton-Reise“ erinnert, und die mit guten Schauspielern und einer hervorragenden Kameraarbeit und Filmmusik aufwarten kann.

© 2015 Wolfgang Brunner