Point Break (2015)

point break

Originaltitel: Point Break
Regie: Ericson Core
Drehbuch: Kurt Wimmer
Kamera: Ericson Core
Musik: Junkie XL
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: Edgar Ramirez, Luke Bracey, Teresa Palmer, Ray Winstone, Tobias Santelmann, Clemens Schick, Matias Varela, Bojesse Christopher, Nikolai Kinski, judah Lewis
Genre: Abenteuer, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Deutschland, China
FSK: ab 12 Jahre

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Weltweit werden von einer Gruppe Krimineller waghalsige Überfälle auf große Unternehmen durchgeführt. FBI-Agent Johnny Utah  ist durch die lebensgefährliche Vorgehensweise der Verbrecher davon überzeugt, dass hinter den Aktionen ein Team von Extremsportlern steckt. Johnny schleust sich undercover in die Extremsportler-Szene ein und macht schon bald Bekanntschaft mit  Bodhi. Er sieht zwar Zusammenhänge zwischen den Sportjunkies, verfällt aber zusehends mit der Zeit den Adrenalinkicks der Gruppe. Es dauert nicht lange und Johnny weiß nicht mehr, auf welche Seite er sich stellen soll …

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Kathryn Bigelows „Gefährliche Brandung“ mit Keanu Reeves und Patrick Swayze hat mich seinerzeit schwer beeindruckt. Umso neugieriger war ich, als ich von einer Neuverfilmung erfuhr.
Ericson Core hat einen bildgewaltigen Actionfilm erschaffen, das ist keine Frage. Spektakuläre Stunts, wunderschöne Landschaftsaufnahmen und eine atemberaubende Optik machen „Point Break“ aus, vor allem in 3D. Luke Bracey und Edgar Ramirez machen ihre Sache sehr gut, die anderen Schauspieler gehen etwas unter. Einzig Nikolai Kinski in einer abgefahrenen Nebenrolle als Pascal Al Fariq konnte mich noch so richtig überzeugen. Aber ums Schauspielern geht es in diesem Film eh nicht so richtig.
Die Handlung wirkt an vielen Stellen aufgesetzt und unglaubwürdig, fast, als hätte man zwanghaft nach einem logischen Hintergrund für all die verrückten Dinge gesucht, die die Extremsportler da tun. Aber hier verhält es sich eher so wie bei manch einem Horrorfilm: Die Handlung ist zweitrangig, die Schauwerte treten dafür umso mehr in den Vordergrund.

Wer sich noch an das Original erinnert, wird vom Plot der Neuinterpretation und von der Botschaft enttäuscht sein. Fast unentwegt wird man von beeindruckenden Stunts in Staunen versetzt und vergisst dadurch manchmal, dass alles etwas unsinnig und unlogisch ist. Und das ist es letztendlich auch, was den Film wirklich ausmacht. Eine unglaubliche Ästhetik macht geradezu süchtig nach mehr und der Zuschauer verfällt der oberflächlich gehaltenen Story dadurch trotzdem. Die Stunts werden immer noch eine Stufe höher geschraubt und lassen einen so manches Mal wirklich den Atem anhalten. Aber etwas mehr Seele und Menschlichkeit hätten dem Film gut getan. Da hätte man auf den ein oder anderen Stunt gerne verzichten können, um  etwas mehr Tiefe zu erreichen. Da helfen auch die verstreuten esoterischen Ansätze nichts mehr, denn ihnen wurde zuwenig Aufmerksamkeit gewidmet, wodurch sie im bildgewaltigen Spektakel der Extremsport-Stunts untergehen.

Extremsportler und Actionfreunde werden diesen Film mögen. Wer Wert auf Schauspielkunst legt, sollte sich einfach auf ein spannendes Popcornkino einlassen, die wunderbaren, spektakulären Aufnahmen genießen und dieses Remake nicht mit dem Original vergleichen. Dann ist alles gut. 😉

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Fazit: Extrem rasant, spektakulär und mit einer atemberaubenden Optik kann „Point Break“ bestens unterhalten. Tiefe findet man aber hier nicht viel.

© 2016 Wolfgang Brunner

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Blood Feast (2016)

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Originaltitel: Blood Feast
Regie: Marcel Walz
Drehbuch: Philip Lilienschwarz
Kamera: Roland Freitag
Musik: Klaus Pfreundner
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Robert Rusler, Caroline Williams, Sophie Monk, Sadie Katz, Roland Freitag, Wilfried Capet, Max Evans, Annika Strauss, Liliana Nova, Methisa Schaefer, Gioele Viola, Herschell Gordon Lewis
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Fuad Ramses betreibt in Paris ein amerikanisches Restaurant, hat aber in einem Museum für ägyptische Kultur einen zweiten Job. Während einer seiner Nachtschichten fühlt er sich zu der Statue der Göttin Ishtar hingezogen, die in Visionen mit ihm zu sprechen beginnt. Fuad verfällt der Gottheit und möchte ihr seine Verehrung durch ein Festmahl beweisen, bei dem er ihr  Menschen als Opfergabe bereiten will. Fuad verfällt immer mehr dem Wahnsinn und einem Blutrausch. Er mordet, um das blutige Festmahl für Ishtar so schnell wie möglich abhalten zu können …

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Herschell Gordon Lewis Originalfilm „Blood Feast“ aus dem Jahr 1963 gilt als erster Splatterfilm überhaupt und ist mittlerweile, trotz vieler (teils ungewollter) Schwächen ein Kultfilm. Nun hat sich der deutsche Regisseur Marcel Walz (unter anderem Raw“, „La Petit Morte 1 & 2“, „Seed 2“ und „#funnyFACE“, um nur ein paar seiner Filme zu nennen) und Drehbuchautor Philip Lilienschwarz („Absolutio – Erlösung im Blut“) einer Neuinterpretation angenommen.
Und, ich muss schon sagen, das Projekt ist vollends gelungen. Walz entwickelt sich mit jedem Film sichtlich weiter und hat mit dem Remake von „Blood Feast“ seinen bis dato eindeutig besten und handwerklich perfektesten Film abgeliefert. Da stimmt so ziemlich alles.

Was mir persönlich außerordentlich gut gefällt, ist die Tatsache, dass hier nicht nur eine blutige Gewalt- und Torture-Orgie im Vordergrund steht, sondern eine Geschichte erzählt wird, die im Gegensatz zum Original, bedeutend mehr Tiefe besitzt. Vor allem die immer wieder eingesetzten ruhigen Szenen, die übrigens absolut genial musikalisch von Klaus Pfreundner untermalt wurden, lassen eine sehr schöne Stimmung aufkommen, die mich so richtig in den Bann gezogen hat. Pfreundners Soundtrack trägt einen großen Teil zu dieser Atmosphäre bei.
„Blood Feast“ ist teilweise richtig atmosphärischer Horror geworden, der sämtliche Fehler des Originals mühelos kompensiert und eine faszinierende Neuinterpretation des Stoffes abgibt. Drehbuchautor Lilienschwarz hat die Grundstory des Originals zwar übernommen, ist aber zusätzlich einen konsequent eigenen Weg gegangen, der den Plot um Längen verbessert.
Nicht übertrieben, sondern nur immer dann, wenn es passt, werden blutige Goreszenen in die ansonsten relativ ruhige Inszenierung eingefügt, so dass im Endeffekt ein wirklich ansprechender Film dabei herausgekommen ist. Splatterfans werden dennoch ihre Freude an den Effekten von Megan und Ryan Nicholson (u.a. „Riddick – Chroniken eines Kriegers“, „Extraterrestrial“ , oder „Warcraft: The Beginning“) haben.
Kai E. Bogatzki, der bereits schon für den Schnitt vieler Filme von Marcel Walz und auch Timo Rose verantwortlich war und momentan an seinem ersten Langfilm „Scars Of Xavier“ arbeitet, hat wieder wunderbare Arbeit geleistet und einen hypnotischen Vorspann abgeliefert.

Bei der Auswahl der Schauspieler hat Walz ein gutes Händchen bewiesen. An erster Stelle steht eindeutig Robert Rusler, den vielleicht einige noch aus „L.I.S.A. – Der helle Wahnisnn, „Nightmare 2“, „Vamp“ und Stephen Kings „Manchmal kommen sie wieder“ kennen. Mittlerweile ist er älter geworden und in manchen Einstellungen sieht er sogar aus wie George Clooney ;), das aber nur am Rande.
Rusler hat sichtlich Spaß an seiner Darstellung des Psychopathen Ramses. Von Anfang an geht er in seiner Rolle auf und kann durch sein Charisma beeindrucken. Durch ihn wird „Blood Feast“ zu einem echten Erlebnis und ich habe ihm seine Schauspielerei in jeder Sekunde abgenommen. Top!
Aber auch Caroline Williams als seine Frau konnte mich absolut überzeugen, genauso wie Sophie Monk als Tochter. Kameramann Roland Freitag gibt einen überzeugenden Polizisten ab und Sadie Katz, wenngleich nicht oft zu sehen, spielt die Rolle der Göttin Ishtar mysteriös und sexy.
Das Wiedersehen mit Max Evans in der Rolle des Mathis hat mich total gefreut, denn auch hier kann er zeigen, was er kann, auch wenn es leider keine echte Hauptrolle war. Annika Strauss, die bereits in vielen Filmen von Marcel Walz, mitgespielt hat, verkörperte die Lilou souverän und überzeugend.
Auch die Nebendarsteller gefielen mir durchweg. Als besonderes „Schmankerl“ bekommt der Zuschauer sogar Herschell Gordon Lewis, den Regisseur des Originals, in einer kurzen Szene zu sehen.

Mit „Blood Feast“ hat Marcel Walz nicht nur eine enorm positive Entwicklung seines Handwerks bewiesen, sondern dem kultigen Originalfilm eine würdige Hommage bereitet. Walz‘ Film geht einen realistischeren und härteren Weg als das Original, macht die Handlungsweisen des Protagonisten auf gewisse Art und Weise nachvollziehbar und dadurch erschreckend authentisch.
Bleibt abzuwarten, ob und vor allem in welcher Schnittfassung „Blood Feast“ auch Deutschland erreicht. Wünschenswert wäre es.

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Fazit: Marcel Walz‘ bisher bester Film. So lasse ich mir eine Neuinterpretation eines eher mäßig inszenierten Originals gefallen. Robert Rusler glänzt in der Hauptrolle und Klaus Pfreundner liefert dazu einen würdigen Klangteppich.

© 2016 Wolfgang Brunner

It’s Alive (2008)

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Originaltitel: It’s Alive
Regie: Josef Rusnak
Drehbuch: Larry Cohen, Paul Sopocy, James Portolese
Kamera: Wedigo von Schultzendorff
Musik: Nicholas Pike
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Bijou Phillips, James Murray, Raphaël Coleman, Owen Teale, Skye Bennett, Ty Glaser, Arkie Reece, Todd Jensen
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Lenore Harker  ist im sechsten Monat schwanger und  zieht deswegen zu ihrem Freund Frank, der mit seinem kleinen Bruder Chris in einem verlassenen Landhaus wohnt. Alles scheint perfekt, nur noch das Baby fehlt noch zum Glück. Die Wehen setzen verfrüht ein und das Baby kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Doch kaum hat das Kind das Licht der Welt erblickt, ermordet es das Krankenhauspersonal im Kreißsaal, um sich danach zu seiner unter Narkose stehenden Mutter ins Bett zu legen. Die Polizei steht vor einem Rätsel und sucht den Mörder. Lenore und Frank kehren unwissend mit ihrem Baby zurück ins Landhaus, wo die Morde nach einer Weile weitergehen. Und es sind nicht nur Tiere, hinter denen das Killerbaby her ist …

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Wenn man Larry Cohens Kultklasiker-Trilogie um die mordenden Babys kennt, geht man wahrscheinlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an ein Remake heran. So erging es auch mir. Ich fand alle drei Teile der Wiegen-Reihe ganz gut (nachzulesen hier: Die Wiege des Bösen„, „Die Wiege des Satans„, „Die Wiege des Schreckens) und war wirklich gespannt, wie man die Story mit der heutigen Technik in Bezug zum Beispiel auf die Spezialeffekte umsetzen würde.
Viele mögen diese Wiederverfilmung nicht, ich hingegen fand sie gar nicht mal so schlecht und an bestimmten Stellen sogar um einiges besser als das Original.
Gerade der Anfang hat mich richtig überzeugt und fasziniert. Die Musik vermittelte die Stimmung wie in 80er Jahren Horrorfilmen und erweckte leichte Nostalgie in mir. Der deutsche Regisseur Josef Rusnak, den viele vielleicht noch durch den von Roland Emmerich produzierten Cyber-Thriller „The 13th Floor“ in Erinnerung haben, inszenierte einen optisch ansprechenden Horrorthriller. Die Bilder wirken stylisch edel und ziehen sich erfreulicherweise durch den ganzen Film. Alleine diese Optik hebt „It’s Alive“ gegenüber den Originalen hervor.

Der Plot ist nicht innovativer als der der Originale, aber auch nicht unbedingt schlechter. Man merkt sofort, dass Larry Cohen seine Hände mit im Spiel und am Drehbuch mitgearbeitet hatte, denn sein „Geist“ steckt irgendwie auch in diesem Film. Fast könnte man meinen, er hätte sogar riesigen Spaß gehabt, seinem Kultfilm auf moderne Art und Weise noch einmal Leben einzuhauchen. Die sozialkritische Botschaft kam nicht so zur Geltung wie in den alten Filmen, aber man kann nicht alles haben. 😉
Insgesamt konnte mich das Remake aufgrund seiner Inszenierung durchaus überzeugen. Auch die Darsteller lieferten durchschnittliche bis gute Arbeit ab, da kann man eigentlich nichts aussetzen.

Viele finden diese Neuinterpretation schlecht und mies in Szene gesetzt. Ich kann mich dieser Meinung nicht anschließen, obwohl ich natürlich weitaus bessere Streifen gesehen habe. Aber Rusnak verspritzt erfrischend wenig Blut und schafft dennoch eine gute Atmosphäre. Wahrscheinlich ist genau diese Blutarmut und die relativ ruhige Herangehensweise vielen Horrorfilm-Fans ein Dorn im Auge.
Am Ende gibt es einen Brand, der wirklich cool in Szene gesetzt wurde und dem leider doch etwas schwachen Ende wieder einen Pluspunkt verschafft. Insgesamt fand ich das Thema weitaus weniger trashig behandelt wie in den Originalen und dennoch kann Rusnak einen leichten Hauch von Trash mit seinem Film versprühen. Das macht mir „It’s Alive“ sympathisch, wenngleich er defintiv nicht in den Olymp meiner Lieblings-Horror-Filme aufsteigt, sondern im annehmbaren, durchaus sehenswerten, Mittelmaß dahindümpelt.

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Fazit: Überraschenderweise ganz annehmbare moderne Variante des alten Trash-Kultklassikers von Larry Cohen. Auf jeden Fall in sehenswerter, edler Optik in Szene gesetzt.

© 2016 Wolfgang Brunner

Poltergeist (2015)

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Originaltitel: Poltergeist
Regie: Gil Kenan
Drehbuch: David Lindsay-Abaire
Kamera: Javier Aguirresarobe
Musik: Marc Streitenfeld
Laufzeit: 93 Minuten
Darsteller: Sam Rockwell, Rosemarie DeWitt, Saxon Sharbino, Kyle Catlett, Kennedi Clements, Jared Harris, Jane Adams, Susan Heyward, Nicholas Braun
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Die fünfköpfige Familie Bowen bezieht ein Vorstadt-Haus, das perfekt für sie zu sein scheint. Doch schon bald wird die kleine Tochter Maddy von unheimlichen Phänomenen heimgesucht. Als die Erscheinungen eskalieren, beauftragen die Eltern Geisterjäger, um den Geschehnissen auf den Grund zu kommen. Es stellt sich heraus, dass in dem Haus ein Poltergeist umgeht, der aus unerfindlichen Gründen Maddy entführen will.

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Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Neuinterpretation des Klassikers von Tobe Hooper auch nur annähernd überzeugt. Aber man lernt ja bekanntlich nicht aus und Gil Kenan, dessen Filme „Monster House“ und „City Of Ember“ mir schon gefallen haben, hat mich mit seinem Remake durchaus für sich gewinnen können. Das liegt wohl auf der einen Seite an den natürlich besseren, computererzeugten Spezialeffekten, aber erstaunlicherweise auch an der Besetzung. Wobei ich mich hier dann doch einschränke und zugeben muss, dass Heather O’Rourke als Carol Anne doch weit besser war als Kennedi Clements in der entsprechenden Rolle der Madison Bowen. Dennoch kann auch dieses Mädchen etwas und meistert ihre Rolle.

Überraschenderweise wusste ich nicht, wie ich die „neuen“ Erwachsenen mögen würde, denn JoBeth Williams und vor allem Craig T. Nelson mochte ich in der 80er Jahre Verfilmung beide sehr gut leiden. Nun gut, anfangs war ich noch ein wenig vorsichtig, als ich Sam Rockwell und Rosemarie DeWitt dabei beobachtete, wie sie die Eltern der heimgesuchten Maddy spielten. Aber je weiter der Film fortschritt, desto mehr mochte ich die beiden und wenn ich jetzt am Ende genauer darüber nachdenke, fand ich sie besser als die Eltern im Original. Ich kann nicht einmal genau erklären, aus welchem Grund, aber ihr (Zusammen-)Spiel hat mich vollkommen überzeugt. Erfrischend ist bei dieser Neuverfilmung auch, dass die damals störende Rolle der Tangina Barrons (perfekt nervtötend von Zelda Rubinstein dargestellt) gestrichen wurde. Wir haben es einfach nur noch mit einem Team aus Geisterjägern zu tun – und das ist auch gut so.

Dass man nun auch in die andere Welt (die der Toten) sehen konnte, fand ich extremst faszinierend. Einige Bilder hatten da fast schon einen Dante’schen Charakter an sich. Das hat mir sehr gut gefallen, zumal es eine eindeutige Änderung und Neuerung gegenüber dem Originalfilm war. Der neue Poltergeist ist natürlich effekthascherischer aufgemacht, was ich in diesem Fall aber gar nicht mal so schlecht fand. Die Grundstimmung des Originals wird leider vernachlässigt, aber da sehe ich diese Neuinterpretation einfach als eigenständigen Film.
Schade ist, dass sich die Filmmusik nicht an Jerry Goldsmiths genialen Score von damals annähern kann. Alleine dadurch verliert der Film an Atmosphäre, die mit einem besseren Score bestimmt zumindest einigermaßen gelungen wäre.

„Poltergeist“ hat mir gefallen, allerdings nur unter der Prämisse eines eigenständigen Films und dem Versuch, einen Kultfilm in ein modernes Gewand zu stecken. Das ist aus meiner Sicht auf jeden Fall gelungen und die Familie hat ihren eigenen Charme, der sich einfach nur von dem der anderen unterscheidet. Schauspielerisch, inszenatorisch und ideenmäßig empfand ich das 2015er-Remake als gelungen und auf jeden Fall noch ein weiteres Mal sehenswert. Entgegen vieler anderer Meinungen vertrete ich den Standpunkt, dass Kenan eine schwere Aufgabe angenommen hat, um einen Kultfilm neu zu inszenieren, und dennoch sehr souverän an das Projekt herangegangen ist , in dem er einiges der alten Vorlage beibehalten hat und dennoch neue, eigenständige Wege gegangen ist. Das finde ich allemal besser, als eine einstellungsgetreue Wiederverfilmung. Und gegenüber den Comic-Verfilmungen, von denen wir ja in letzter Zeit überhäuft werden, richtet „Poltergeist“ sein Hauptaugenmerk  eher immer noch auf die Schauspieler und nicht auf Effekteorgien. Mir hat’s gefallen. 😉

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Fazit: Wider Erwarten gut inszenierte Neuinterpretation eines Klassikers. Schauspielerisch vollkommen in Ordnung und ein paar innovative Neuerungen in der Handlung gibt es auch noch.

© 2016 Wolfgang Brunner

Der Tag, an dem die Erde stillstand (2008)

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Originaltitel: The Day, The Earth Stood Still
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: David Scarpa
Kamera: David Tattersall
Musik: Tyler Bates
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Keanu Reeves, Jennifer Connelly, Jaden Smith, John Cleese, Kathy Bates, Jon Hamm, James Hong, Roger Cross
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Kanada
FSK: ab 12 Jahre

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Der Außerirdische Klaatu kommt in friedlicher Absicht auf die Erde, um die Menschen zu warnen. Sie sollten sich um Frieden bemühen und kriegerische Auseinandersetzungen verhindern, damit der Planet Erde erhalten bleibt. Doch die Menschheit hört nicht auf Klaatus Warnungen …

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Effektetechnisch kommt das Remake des Klassikers von Robert Wise natürlich besser daher als das Original. Aber obwohl sich auch die Besetzungsliste gut liest, fehlt es der Neuinterpretation irgendwie an Gefühl. Ich kann es nicht einmal genau erklären, aber ich habe Scott Derricksons Film eine zweite Chance gegeben und ihn nach knapp fünf Jahren noch einmal angesehen. Das Ergebnis war das gleiche: Der Film hat mir gefallen, mich aber letztendlich nicht befriedigt.

Keanu Reeves macht seine Sache gewohnt gut. Besser agiert Jennifer Connelly, die mir hier ausnehmend gut gefallen hat. Die kleinen Auftritte von John Cleese und Kathy Bates sind eigentlich nicht der Rede wert und hätten von jeder anderen Schauspielerin und jedem anderen Schauspieler genauso gut dargestellt werden können.
Im Gegensatz zum Original kam die Botschaft des Films auch nicht so gut rüber wie es sein sollte. Derrickson legte mehr Wert auf Specialeffects und gab dem Ganzen einen Touch Katastrophenfilm, der allerdings nicht wirklich funktionierte. Erfrischend fand ich, dass in der Neuverfilmung statt Raumschiffen sogenannte Sphären eingesetzt wurden, mystische Kugelwelten, in denen sich die Außerirdischen aufhielten. Das gab dem Film einen wirklich guten Science Fiction-Touch, der eine tolle Wirkung hatte. Das war es dann aber leider auch schon.
Unschlüssig zwischen Öko-Thriller mit „Message“ und Science Fiction-Apocalypse kann sich Derrickson nicht entschließen, was er eigentlich will. Ich bin sicher, hätte man dem Film eine Laufzeit von 3 Stunden gegönnt, wäre ein weitaus besseres Szenario entstanden.

Handwerklich, effektetechnisch, musikmäßig und schauspielerisch ist eigentlich nichts auszusetzen. Aber dennoch fehlt den Protagonisten eine Tiefe, die ich mir gewünscht hätte. Und die Friedensbotschaft bzw. -warnung der Außerirdischen hätte weitaus intensiver und dramatischer gestaltet werden können. So wirkt sie lediglich als Auslöser / Mittel zum Zweck für ein Katastrophenszenario apokalpytischen Ausmaßes. „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ aus dem Jahre 2008 ist kein Meisterwerk, aber durchaus sehenswert.
Doch das Schlimmste kam am Schluß: Kaum ist das letzte Filmbild erloschen, das auf den Zuschauer noch einwirkt oder zumindest einwirken sollte, ertönt ein völlig unpassender Hiphop-Song aus den Lautsprechern. Das geht ja mal gar nicht, liebe Leute. Nachdem wir einer dramatischen, effekteüberladenen Weltrettung beigewohnt haben, singt Thomas D. von der Band „Die Fantastischen Vier“: „Es hatte keiner geglaubt, dass sich das einer hier traut und ganz alleine durchschaut, was ihr auf Steinen gebaut …“ Das Finale des Films verliert dadurch sämtliche Dramatik. Dieses Abspannlied ist nur in der deutschen Version enthalten. Unglaublich. Und man fragt sich, wer sich diesen Mist ausgedacht hat.

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Fazit: Unentschlossener Mix aus Science Fiction und Katastrophenfilm, der die Botschaft der Originalverfilmung leider nicht in der intensiven Art rüberbringt, wie es sein sollte. Der Film ist durchaus sehenswert, aber kein Meisterwerk, und bleibt nicht lange im Gedächtnis haften.

© 2015 Wolfgang Brunner

Warte, bis es dunkel wird (2014)

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Originaltitel: The Town That Dreaded Sundown
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Drehbuch: Roberto Aguirre-Sacasa
Kamera: Michael Goi
Musik: Ludwig Göransson
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Joshua Leonard, Andy Abele, Arabella Field, Denis O’Hare, Wes Chatham, Morganna May, Jaren Mitchell, Kurt Krause
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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65 Jahre nachdem eine Kleinstadt von einem maskierten Mörder terrorisiert wurde („Der Umleger“), beginnt eine erneute Mordserie. Die junge Jami begibt sich auf Spurensuche, weil sie der Meinung ist, die Polizei interessiert sich nicht sonderlich für die Zusammenhänge, die auf die Morde in der Vergangenheit hinweisen. Jami entdeckt, dass die Spur tatsächlich in jene Zeit zurückführt, in der die ersten Morde geschahen.

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Bevor man sich „Warte, bis es dunkel wird“ ansieht, sollte man sich dem Original mit dem Titel „Der Umleger“ widmen. Denn bei Alfonso Gomez-Rejons Film handelt es sich genaugenommen um eine Fortsetzung, die auf den 1976 gedrehten Film eingeht und die Handlung auch weiterspinnt.
Es ist nicht schwierig, das Original zu toppen, aber dennoch verbeugt sich der Regisseur mit einer spürbaren Hingabe vor dem Original, dass es eine wahre Freude ist.
Die Fortsetzung / das Remake kommt auch bedeutend stylischer daher und weckt Erinnerungen an die gute alte Zeit, als Horrorfilme noch handmade waren. Die Story wirkt zwar so manches Mal ein wenig an den Haaren herbeigezogen und konstruiert, aber dennoch erscheint der Film keine Minute lang langatmig.

Alfonso Gomez-Rejon erfindet das Genre nicht neu und genaugenommen würde man „Warte, bis es dunkel wird“ trotz seiner stylischen und professionellen Machart relativ schnell wieder vergessen. Aber die oben erwähnten Anspielungen und das Einbeziehen des Originalfilms machen diese Fortsetzung dann doch irgendwie zu etwas Besonderem, weil der  Plot dadurch nämlich richtig erfrischend neu wirkt. Dass dann auch noch Charles B. Pierce jr., der Sohn vom Regisseur des Originals, mitspielt und im Autokino sogar der aus dem jahr 1976 stammende „Der Umleger“ läuft, macht ungemein Spaß.

„Warte, bis es dunkel wird“ ist ein astreiner Slasher, der gut unterhält. Eine Verfolgungsjagd im Maisfeld ist zum Beispiel hervorragend inszeniert und hat schon fast künstlerische Werte. So ziehen sich viele kreative Kameraeinstellungen und geschickte Inszenierungs-Schmankerl durch den Film, aber am Schluss bleibt dann doch irgendwie nicht viel im Gedächtnis haften. Zu oft hat man derartige Abschlacht-Morde wohl doch schon gesehen.
Was mir aber dann so gar nicht gefallen hat, war das Ende. Zu konstruiert, zu unglaubwürdig und, ja, auch zu offensichtlich. Ein wenig hat mich das Ganze an die fpr mich damals schlechte Auflösung von „Scream“ erinnert.‘
Der Film lässt zwar das Flair der 70er und 80er Jahre Slasher-Filme gekonnt wieder aufleben, bringt aber an Ideen absolut nichts Neues, sondern lebt lediglich von einer modernen, visuell ansprechenden Inszenierung und der Tatsache, sein Original geschickt in die Handlung mit einzubeziehen.

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Fazit: Stylisch und visuell ansprechende Fortsetzung, die liebevoll das Original miteinbezieht. Leider versinkt „Warte, bis es dunkel wird“ trotzdem irgendwie im Sumpf des momentanen 80er Jahre-Slasher-Revivals.

© 2015 Wolfgang Brunner

Lost In Space (1998)

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Regie: Stephen Hopkins
Drehbuch: Akiva Goldsman
Kamera: Peter Levy
Musik: Bruce Broughton
Laufzeit: 125 Minuten
Darsteller: William Hurt, Mimi Rogers, Heather Graham, Lacey Chabert, Jack Johnson, Gary Oldman, Matt LeBlanc, Jared Harris
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich
FSK: ab 12 Jahre

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Um eine neue Heimat für die Menschheit zu suchen, macht sich die Familie Robinson auf den Weg durchs All. Doch ein Sabotageakt vereitelt das Vorhaben und als die Robinsons aus ihrem Tiefschlaf erwachen, befinden sie sich nicht mehr auf dem geplanten Kurs. Doch nicht nur die Frage, wo sie sich befinden, beschäftigt die Familie, sondern auch das Wann? Denn schon bald sind sie sich nicht mehr sicher, ob sie sich überhaupt noch in der richtigen Zeit aufhalten …

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Im Grunde genommen, wäre „Lost In Space“ eine ganz passable Angelegenheit, wenn … ja, was wenn? Ich kann nicht einmal genau benennen, was dem Familien – Science Fiction – Film eigentlich fehlt. Es ist wahrscheinlich die menschliche Wärme, die Hopkins mit seinem Abenteuer bestimmt ausdrücken wollte, die aber der ganzen Inszenierung irgendwie fehlt. William Hurt ist da noch der glaubwürdigste Träger, den der Zuschauer durch seine sympathische Art und Weise ins Herz schließt. Allen anderen Charakteren fehlt leider die Tiefe, um ein echtes Familiengefühl aufzubringen.

„Lost In Space“ hat wirklich eine Vielzahl an ansehnlichen Spezialeffekten, die über die schlampig ausgearbeiteten Charaktere hinwegtrösten können. Aber Effekte alleine machen nun mal leider keinen Film aus. Wie gesagt: William Hurt ist für mich der Haupt-Sympathieträger des Films, gefolgt von Mimi Rogers, als dessen liebende Ehefrau. Leider kommt Rogers aber irgendwie zu kurz. Der kleine Jack Johnson kam auch noch ganz passabel in seiner Rolle als technisch und wissenschaftlich versierter Sohnemann rüber. Der Rest kann sich schauspielerisch zwar sehen lassen, aber Tiefe bekommen die von ihnen dargestellten Personen leider nicht wirklich.

Die Filmmusik ist grandios und passt perfekt. Und auch über die Inszenierung an sich kann man nicht meckern. Dennoch funktioniert „Lost In Space“ nicht so, wie er hätte funktionieren können, wäre man liebevoller an die Charaktere herangegangen. Doch trotz aller Kritikpunkte hat Stephen Hopkins einen unterhaltsamen Abenteuerfilm für die ganze Familie erschaffen, der aufgrund seiner tollen Spezialeffekte und William Hurts Darstellung sogar im Gedächtnis haften bleibt. Im Grunde genommen werden alle bekannten Zutaten eines Science Fiction- und Familienfilms wild durcheinandergemixt, um einfach nur zu unterhalten. Und das tut „Lost In Space“ auf alle Fälle.

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Fazit: Tolle Spezialeffekte machen „Lost In Space“ zwar zu einem äußerst unterhaltsamen Zeitvertreib, doch die eher mäßigen Charakterzeichnungen der Personen hinterlassen einen leicht störenden Beigeschmack.

© 2015 Wolfgang Brunner