Ich seh Ich seh (2014)

Originaltitel: Ich seh Ich seh
Regie: Veronika Franz, Severin Fiala
Drehbuch: Veronika Franz, Severin Fiala
Kamera: Martin Gschlacht
Musik: Olga Neuwirth
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Susanne Wuest, Elias Schwarz, Lukas Schwarz
Genre: Drama, Thriller, Horror
Produktionsland: Österreich
FSK: ab 16 Jahre

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Nach einem Unfall kehrt die Mutter der Zwillinge Lukas und Elias ins elterliche Haus zurück. Doch noch am Tag der Ankunft verhält sich die Mutter in den Augen der beiden Jungen anders als sonst. Vor allem Elias bekommt immer mehr Zweifel, ob es sich tatsächlich noch um die echte Mutter handelt. Ist es eine fremde Frau, die sich in das Familienleben der Zwillinge einmischt?

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„Ich seh Ich seh“ ist ein österreichisches Psychothriller-Drama, das es in sich hat. Verträumt wird der Zuschauer in die Welt der Zwillinge Lukas und Elias eingeführt, die ein anscheinend ruhiges und ihrem Alter entsprechend abenteuerliches Leben führen. Doch die Idylle trügt, als die Mutter nach einem Unfall aus dem Krankenhaus zurück ins Haus kommt. Ihr ganzes Gesicht ist verbunden und lässt sie wie ein unheimliches Monster aussehen. Zusätzlich scheint sie sich durch den Unfall verändert zu haben, denn sie unterdrückt ihre Gereiztheit gegenüber ihren Söhnen nicht, sondern verhält sich aggressiv und wirkt oftmals bedrohlich. Es ist Horror, der da gezeigt wird, aber kein Horror im Sinne von Geistern, Dämonen und blutspritzenden Gewaltorgien, sondern Horror im wahrsten Sinne des Wortes. So schockierend kann das Leben sein, so erschreckend tiefgründig die menschliche Psyche. Es dauert eine Weile, bis man sich in der Welt der Zwillinge und der veränderten Mutter zurechtfindet. Aber hat es einen erst mal gepackt, lässt es einen nicht mehr los.

Die zweite Hälfte hätte durchaus ein älterer Film von Michael Haneke sein können, denn zu stark sind die schockierenden Parallelen in der Inszenierung. „Ich seh Ich seh“ kann sich ohne weiteres in österreichische Psychoschocker wie „Funny Games“ oder „Bennys Video“ (beide vom oben erwähnten Michael Haneke inszeniert) einreihen. Das ist atemberaubend, mit welch einfachen, minimalistischen Stilmitteln ein derartig intensives Drama entstehen kann. Atmosphärisch dicht, handlungstechnisch und dramaturgisch perfekt inszeniert, entführt der Film in eine Welt, die einem Angst macht. Fürchterliche Angst, denn wie in dem beeindruckenden „The Living And The Dead“ ist der „Übeltäter“ genaugenommen nicht schuldig, sondern bedauernswert. Man weiß nicht, was man davon halten soll, fühlt sich unbehaglich, schockiert und hilflos.
Veronika Franz und Severin Fiala brauchen nicht viel Blut, um den Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes zu schockieren. Und wenn man am Ende die Auflösung erfährt, möchte man vor Mitleid und Anteilnahme fast weinen, obwohl einem der Schrecken noch immer in den Knochen steckt.

Schauspielerisch können sowohl die Zwillinge, die sich im Grunde genommen selbst verkörpern, als auch Susanne Wuest als Mutter absolut überzeugen. „Ich seh Ich seh“ ist ein Kunst- und Schauspielerfilm, ein Kammerspiel des Schreckens, das uns die Psyche eines Unschuldigen verdeutlicht, der nichts gegen seine Krankheit unternehmen kann. Das leicht unprofessionelle, teils emotionslose Agieren der beiden Jungen trifft den Zuschauer, macht den Film authentisch, den man vergisst schon nach wenigen Augenblicken, dass man Schauspielern zusieht. Fast wirkt die Inszenierung wie eine Dokumentation mit Laiendarstellern, die dadurch umso schockierender auf mich wirkte. Ich finde, dass die Gebrüder Schwarz eine tolle Show abgegeben haben. Sie wirken, im Gegensatz zu dem nervigen Jungen in „Der Babadook“, einfach echt und unverfälscht.

Weitgehend wird auf Dialoge verzichtet. Erzählt wird mit Bildern und Handlungen, wodurch das gesprochene Wort, wenn es denn einmal eingesetzt wird, unheimlich und irreal wirkt. Auch der österreichische Dialekt, den übrigens wirklich jeder verstehen kann, vermittelt eine unglaubliche authentische und außergewöhnliche Stimmung. Wie schon oben erwähnt: „Ich seh Ich seh“ ist kein Horrorfilm fürs breite Publikum. Solche Zuschauer werden vergebens auf mainstreamtaugliche Schock- und Bluteffekte warten, denn die kommen nicht.  Veronika Franz‘ und Severin Fialas Drama geht tiefer als schlichter Geisterhorror. Die hervorragende Kameraführung und die passende Örtlichkeit tun das ihrige dazu, um „Ich seh Ich seh“ zu einem nachhaltigen Filmerlebnis zu machen. Dieser Thriller verlangt absolute Aufmerksamkeit und ist absolut nicht für einen Kinoabend mit Popcorn geeignet. Wer es schafft, sich in diese irreal wirkende Welt fallen zu lassen, der wird in einen unentrinnbaren Strudel des Schreckens gesogen.

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Fazit: Horror aus dem wahren Leben. Schockierend und nachhaltig beeindruckend.

© 2017 Wolfgang Brunner

Filmprojekt „Feed The Reapers“

Und wieder einmal will ein Herzensprojekt im Horrorgenre an den Start gehen. Deutsche Independentfilme sind oft schwer zu realisieren, obwohl schon des öfteren gezeigt wurde, wie stark solche Filme sein können. Mit „Feed The Reapers“ möchte Regisseur Gero Sammrey einen Genrefilm umsetzen, den wohl jeder, der auf die Horrorklassiker der 80er Jahre steht, gerne sehen würde. Das kann man auch schon klar und deutlich an dem wunderbaren und aussagekräftigen Filmplakat erkennen.

Ein verlassenes Gasthaus, ein ehrgeiziger, genialer Wissenschaftler und jede Menge handgemachte, blutige Effekte stehen im Mittelpunkt des geplanten 50 bis 60 Minuten langen Films. Kim und Denny suchen das Abenteuer und gelangen an ein verlassenes Gasthaus. Doch schon bald muss das Pärchen feststellen, dass etwas nach ihrem Leben trachtet. Doch das ist noch nicht alles, denn in einem Labor versucht ein Wissenschaftler ein bahnbrechendes Medikament für die Zukunft zu erschaffen, ein Geschenk für die Menschheit, für den Patienten jedoch die Hölle.

Kling unglaublich interessant, wie ich finde, und wenn man sich die Beschreibung des Crowdfunding-Projekts durchliest, kann man sich vorstellen, dass einen ein liebevoll inszenierter Herzblut-Horror mit einer tollen Atmosphäre erwartet. Ein paar namhafte SchauspielerInnen haben bereits zugesagt, an dem Projekt mitzuwirken, sollte das finanzielle Ziel erreicht werden: Susen Ermich zum Beispiel, die in Andreas Marschalls „Masks“  mitgewirkt hat. Außerdem wären da noch Barry D. Fallow, Annika Grobau und Moloch, den viele bereits unter anderem aus „Interimere“, „Dogma Dogma“ oder jüngst „Z-Office“ oder „Hi8: Ressurrectio“ kennen.
Das klingt alles sehr vielversprechend und sollte unterstützt werden. Gerade weil dieses Projekt von Menschen gemacht wird, die sich nicht viel um Mainstream und andere Vorgaben scheren, sondern mit dem Herzen dabei sind. Ein Film von Filmfreaks für Filmfreaks – kann es etwas besseres und ehrliches geben?
Regisseur Sammrey will wohl eine wilde Mischung aus 80er Jahre-Slasher und verrücktem Wissenschaftler á la „Re-Animator“ auf die Beine stellen, wie er sich auf der Projektbeschreibung ausdrückt.

Momentan wird noch eifrig geplant, das Drehbuch effektvoll und dramaturgisch umgeschrieben, designt und vorbereitet. Das Projekt läuft also in der Vorbereitungsphase bereits auf Hochtouren und wartet nur noch auf die finanzielle Unterstützung von Horrorfans. Und das kann und sollte man unbedingt auf folgender Seite tun —> FEED THE REAPERS CROWDFUNDING


Rechts: Regisseur Gero Sammrey Links: Autor Robert Gryczke
© Samrec.ordz / Katrin Steffer

Ich hoffe sehr, dass das Crowdfunding-Projekt gelingt und die Dreharbeiten endlich beginnen können. Ich bin sicher, dass auch „Feed The Reapers“ beweisen würde, dass der deutsche Independent-Horrofilm mehr denn je lebt. Also, mitmachen … Cast und Crew freuen sich darüber.

© 2017 Wolfgang Brunner

 

Doctor Strange (2016)

Originaltitel: Doctor Strange
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derrickson, C. Robert Cargill
Kamera: Ben Davis
Musik: Michael Giacchino
Laufzeit: 115 Minuten
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Chiwetel Ejiofor, Mads Mikkelsen, Rachel McAdams, Benedict Wong, Michael Stuhlbarg, Benjamin Bratt, Scott Adkins
Genre: Abenteuer, Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Nach einem schlimmen Autounfall verliert der Neurochirurg Dr. Strange fast beide Hände. Nicht nur sein Ehrgeiz, sondern auch das Verlangen, seinen Beruf weiter auszuführen, führen ihn nach Tibet, wo er eine alternative Heilungsmethode sucht. Eine geheimnisvolle Frau lehrt ihn, dass es nicht nur die eine Wirklichkeit gibt, in der die Menschheit lebt, sondern noch andere Realitäten existieren. Dr. Strange lernt schnell und findet sich bald in einem schrecklichen Kampf zwischen verschiedenen Dimensionen …

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Wer andere Rezensionen von mir schon gelesen hat, weiß, dass ich Comicverfilmungen zwar ansehe (und teilweise auch mag), aber eher abgeneigt bin, wenn das meiste vom Film nur noch CGI-Effekte ausmacht. Demzufolge ging ich mit keinen besonders großen Erwartungen an „Doctor Strange“ heran. Und so kam es, dass mich diese Marvel-Comic-Adaption fast vom Hocker katapultierte. 🙂
Interessanterweise spielen aber genau in diesem Film, der mich so begeistert hat, genau jene Effekte eine Rolle, die ich in der Regel bei jedem derartigen Film verdamme, sogar eine sehr große Rolle, wenn nicht sogar die Hauptrolle. Ein Widerspruch? Eindeutig, das gebe ich zu. Aber hier geht es um einen der wenigen Ausnahmefilme, bei denen die Effekte die echte Geschichten hinter dem Plot so grandios unterstützen, dass einem die Luft wegbleibt. Sicherlich bekommt man auch bei „Doctor Strange“ die comictypischen Zutaten serviert, aber zugleich auch eine auf esoterischer Ebene verpackte Handlung, die zum Nachdenken anregt und einen auch noch nach dem Film beschäftigt.

Regisseur Scott Derrickson reiht sich mit seiner atemberaubenden Comicadaption fast schon in die Reihen visionärer Regisseure wie Christopher Nolan oder auch Jonathan Glazer. Sicherlich sind die Filme der Regisseure nicht miteinander zu vergleichen, aber eines haben sie alle gemeinsam, nämlich bisher Ungesehenes auf visionäre, atemberaubende Art auf der Leinwand zu zeigen.
Dr. Stephen Strange ist zudem ein Superheld, der sich von den anderen Superhelden aus dem Marvel-Universum unterscheidet. Er besitzt geistige Macht, setzt sein Gehirn als Waffe ein und zeigt sich als Herrscher über Raum und Zeit. Ein Thema, das eines Christopher Nolan würdig wäre, aber von Scott Derrickson gleichermaßen souverän und bildgewaltig inszeniert wurde. Visuell enorm beeindruckend und mit einer brachialen, dennoch Ohrwurm-tauglichen Filmmusik von Michael Giacchino untermalt, setzt „Doctor Strange“ die Meßlatte für künftige (Comic-)Verfilmungen mit Grips extrem hoch. Man wird süchtig nach den Aufnahmen, die entfernt an „Inception“ von Christopher Nolan  und „Die Reise ins Labyrinth“ von Jim Henson und dennoch irgendwie ein ganz eigenes Universum öffnen. Gerade die Verfolgungs- und Kampfsequenz am Ende des Films wirkte wegweisend auf mich wie seinerzeit die „Matrix“-Filme.

Für mich eher weniger ein Marvel-Film, sondern eher eine spannende Interpretation möglicher Paralleluniversen. Die Comicvorlage kenne ich nicht, wie auch die aller anderen Marvel und DC-Verfilmungen, und kann daher nur den Film beurteilen. Und der ist einfach nur grandios!

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Fazit: Noch nie gesehene visuelle, esoterische Achterbahnfahrt in Paralleluniversen. Ausnahmefilm in Sachen nervige CGI-Effektorgien, denn hier passen die Effekte.

© 2017 Wolfgang Brunner

Interview mit der Schauspielerin und Produzentin Caprice Crawford


©deebeephunky

Caprice Crawford ist eine amerikanische Produzentin und Schauspielerin, die derzeit in Berlin lebt. Bereits seit ihrem 16. Lebensjahr ist sie vor der Kamera tätig und hat im Laufe der Jahre in Fernseh- und Kinofilmen neben Jamie Foxx, Don Johnson, Orlando Bloom und Burt Reynolds gespielt.
Noch während sie als Schauspielerin arbeitete, interessierte sich Crawford immer mehr für die Dinge, die hinter der Kamera vor sich gingen. Sie begann als Fotografin zu arbeiten und fotografierte auch viele Promi-Schauspieler/innen. Danach wurde sie als Filmproduzentin und Talentsucherin für neue Gesichter tätig. Caprice Crawford betreibt seit 2016 die „Crawford Talents International Actors Management Agency“.
Film-Besprechungen freut sich sehr, Caprice Crawford einige Fragen stellen zu dürfen.

1. Von der Schauspielerin zur Filmproduzentin und Talentsucherin. Wie kam es zu diesem Schritt, der vor der Kamera begann und schließlich hinter der Kamera endete?

 Schauspielen war eine Leidenschaft, aber beim Drehen faszinierte mich die Welt hinter den Kulissen. Wie überhaupt ein Film zustande kommt. Welch komplexer Vorbereitungen es bedarf. Der kommunikative Prozess der Zusammenarbeit liegt mir sehr. Schon in Los Angeles fing ich neben meinen Filmrollen an zu produzieren, wodurch ich zahlreichen anderen Künstlern eine Plattform gab und sie mit richtigen Leuten in Verbindung brachte.

2. Du warst als Schauspielerin in sehr unterschiedlichen Rollen zu sehen. War es schwierig, sich in diese Charaktere einzufinden? Was war Deine Lieblingsrolle?

Es war immer eine spannende Herausforderung, sich in verschiedene Figuren zu versetzen. Dieser Aspekt meiner Arbeit hat mir immer großen Spaß gemacht. Aber der direkte zwischenmenschliche Kontakt, der unmittelbare Austausch, hat mir auf Dauer mehr gegeben. Daher ist meine Lieblingsrolle die Vernetzung und Kommunikation mit Menschen und versteckte Potentiale zu finden. Als Agentin habe ich die Möglichkeit Talente zu entdecken, zu fördern und beruflich zu begleiten.


3. Strebst Du als Ziel an, nur noch als Produzentin und Talentsucherin zu agieren, oder willst Du mit der Schauspielerei dennoch weiter machen?

Mein Fokus liegt in der Vermittlung meiner Schauspieler und für sie die richtigen Rollen zu finden.

4. An welchen Projekten arbeitest Du im Moment?

Täglich suche ich für meine Schauspieler das jeweils perfekte Projekt und momentan besetze ich einen Langspielfilm für die Regisseurin Sheri Hagen.

5. Wenn Du eine berühmte Persönlichkeit treffen könntest (bereits verstorben oder noch am Leben), wen würdest Du wählen und warum?

Ich lebe für die Zukunft und nicht in der Vergangenheit. Daher freue ich mich auf die noch unbekannten Talente, denen ich morgen und übermorgen begegnen werde.

6. Bleibt Dir bei Deiner vielfältigen, zeitintensiven Arbeit überhaupt noch Zeit für Hobbys? Was machst Du in Deiner Freizeit?

Früher war ich neben meiner Karriere als Schauspielerin das erste erfolgreiche schwarze Fitness-Model, das für amerikanische Magazin-Covers fotografiert wurde. Sportlich aktiv bin ich immer noch, aber genau so gerne genieße ich das Leben.

7. Fünf Bücher für eine einsame Insel wären für Dich welche?

Die nächsten fünf Drehbücher, die meinen Schauspielern angeboten werden.


8. Fünf Filme für eine einsame Insel wären für Dich welche?

The Way We Were – Falls ich Heimweh habe und weinen muss, aber es nicht kann, würde ich den genau zu dem Punkt vom film vorspulen und Rotz und Wasser heulen.

Finding Neverland – Es bringt mich sehr nah an „our inner child“ – wir dürfen einfach nie aufhören zu träumen.

The Notebook – So eine schöne Liebesgeschichte; ob jung oder alt Liebe hat kein Verfallsdatum Liebe ist grenzenlos.

Blow – Wegen dem klasse Soundtrack so sexy „arranged“ vom Amanda Demme

The Door 


9. Du castest gerade für den neuen Film von Sheri Hagen, mit der Film-Besprechungen ebenfalls schon ein Interview führen durfte. Wie darf man sich so ein Casting vorstellen? Kannst Du uns einen kleinen Einblick in diese Tätigkeit geben?

So ein Casting gehört zum kreativen Denken. Man lernt auf unterschiedlicher Art viele verschiedene Facetten von Menschen kennen und kann schon sehr persönlich werden. Speziell wenn es um „life casting“ geht und die wundervollen Schauspieler/innen ihr Herz und Blut geben für diese eine Rolle. Es ist das schon fast wie eine Neugeburt.

10. Was fällt Dir spontan ein bei

– David Lynch

Seine auffällige Frisur und die speziellen Filme und Serien wie Mulholland Drive , Twin Peaks. Vor allem aber die wunderbare Casting-Szene mit Naomi Watts in Mulholland Drive

– John Carpenter

Was sind das für Horrorfragen 🙂

– American Horror Story

Sollt ich mir unbedingt anschauen.

– Akte X

David Duchovny – sonst hat mich diese Show nie so richtig interessiert

– Dein erster Kinofilm 🙂

Poltergeist von Steven Spielberg. Ich hatte eine Angst, ich war grade 11 Jahre

11. Was sind für Dich die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

Gesundheit , Liebe , Lust am Leben und streben nach seinem eigenen Glück, um es währenddessen mit anderen zu teilen.

Ich bedanke mich für die Beantwortung meiner Fragen und wünsche Dir viel Erfolg in allen beruflichen und privaten Belangen.

© 2017 Caprice Crawford / Wolfgang Brunner

BFG – Big Friendly Giant (2016)

Originaltitel: The BFG
Alternativtitel deutscher Titel: BFG – Sophie und der Riese
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Melissa Mathison
nach dem Roman von Roald Dahl
Kamera: Janusz Kamiński
Musik: John Williams
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader, Michael Adamthwaite, Adam Godley
Genre: Fantasy
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich, Kanada
FSK: ab 6 Jahre

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Das Waisenmädchen Sophie lernt eines Tages einen freundlichen Riesen kennen, der sie mit in die Welt der Riesen nimmt. Doch dort leben nicht nur freundliche Riesen, sondern auch böse, die liebend gerne Menschen, insbesondere Kinder, fressen. Sie haben auch vor, in die Welt der Menschen einzudringen und sie anzugreifen. Sophie heckt mit ihrem neuen Freund und der Königin von England einen Plan aus, um dies zu verhindern.

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Spielbergs neuer Film wird die Kinogängern und Filmfans in zwei Lager spalten: Die einen werden die Adaption von Roald Dahls Kinderklassiker als nervtötend langweilig bezeichnen und die anderen als wunderschön fotografierten Fantasyfilm für die ganze Familie.  Und ich? Ich liege irgendwie genau in der Mitte beider Seiten, denn zum einen sieht man dem Film an, dass er mit großer Hingabe gedreht wurde und zum anderen fehlt letztendlich doch irgendwie das gewisse Etwas, das den Charme anderer Spielberg-Filme ausmacht. Aber der Reihe nach:  Spielberg geht erfreulicherweise einen Weg, der das Kino nicht in die Dimensionen bombastischer CGI-Effektorgien mit keinerlei Gefühlen schleudert, sondern er erzählt eine Geschichte in ruhigen, prinzipiell unspektakulären Tönen. Sicherlich lebt der Film von den Tricks, die ich im Übrigen äußerst gelungen empfand. Aber es werden, wie in so vielen Filmen Steven Spielbergs, auch Freundschaft, Mut und Lebensweisheiten behandelt. Es macht ungemein Spaß, dem ungleichen Freundespaar zu folgen, und gerade durch die oft leisen Zwischentöne wirkt der Film wie ein Traum. Roald Dahls Vorlage wird kongenial umgesetzt, da sie die Gefühlswelt eines Kindes, und wie dieses seine Umgebung wahrnimmt, sehr schön darstellt: ein bisschen Traurigkeit, ein bisschen Abenteuer und eine Prise Spaß durch die Augen eines Kindes.

Lässt man sich auf diese Welt, durch die Augen eines Kindes gesehene, Welt ein, wird man mit einem wunderschönen Film belohnt, der zum Träumen einlädt. Erwartet man einen mit Effekten überladenen Blockbuster-Film im Stil der heutigen Comicverfilmungen, wird man wohl bitterlich enttäuscht sein. Alleine die Tatsache, dass sich Spielberg nicht auf dieses Niveau begibt, macht „BFG“ zu etwas Besonderem. Und dennoch fehlt im Gesamtbild das Flair der älteren Spielberg-Filme. Woran es liegt, kann ich nicht einmal genau sagen, denn im Grunde genommen passt alles: Eine Geschichte, wie für Spielberg geschrieben, wunderbare Effekte und eine tolle Filmmusik von Hauskomponisten John Williams. Doch gerade Williams ist mit seinem Score nicht der große Wurf gelungen, obwohl die Musik gewohnt hochwertig und wunderschön ist. Aber sie bleibt leider nicht im Gedächtnis haften, wie so manch andere aus der Feder von John Williams.

Insgesamt gesehen habe ich mich prächtig unterhalten und auch amüsiert. Eine Szene bei der Königin von England hat mich sogar lauthals zum Lachen gebracht, obwohl ich den Film alleine angesehen habe. Spielberg versteht sein Handwerk nach wie vor, allerdings erscheint mir „BFG“ nicht so kultverdächtig wie seine anderen Filme und befindet sich für mich auf gleicher Ebene wie zum Beispiel „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ . Das soll nicht heißen, dass mir diese beiden Filme nicht gefallen, absolut nicht, aber in seinen anderen Werken kann Spielberg eindeutig mehr sein Können als Regisseur zeigen als in den beiden genannten. Für mich also eher ein untypischer Spielberg-Film, der mich dennoch vollauf überzeugen konnte.

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Fazit: Wunderschön fotografierter Märchenfilm, der sich durch seine ruhige, besinnliche Inszenierung wohltuend von effekteüberladenen Blockbustern der heutigen Zeit abhebt.

© 2017 Wolfgang Brunner

The Jungle Book (2016)

Originaltitel: The Jungle Book
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Justin Marks
Kamera: Bill Pope
Musik: John Debney
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Neel Sethi, Ritesh Rajan
Genre: Abenteuer
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 6 Jahre

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Als sein Vater im Dschungel ums Leben kommt, wird der kleine Junge Mogli von dem Panther Bagheera zu einem Wolfsrudel gebracht, wo er aufwächst. Doch eines Tages erscheint der Tiger Shir Khan und verlangt den Tod des Jungen. Daraufhin beschließt das Wolfsrudel, Mogli aus dem Rudel zu entlassen und ihn auf die Reise zu einem Menschendorf zu schicken. Mogli steht eine gefährliche und spannende Reise bevor.

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Wer kennt nicht Walt Disneys Zeichentrick-Klassiker „Das Dschungelbuch“? Viele Realverfilmungen erblickten das Licht der Filmwelt, aber keine brachte es zu so viel Ruhm wie das Original. Und nun folgt eine weitere Adaption von Rudyard Kiplings Kinderbuch und wieder einmal steckt Disney dahinter. Man möchte gar nicht glauben, dass Regisseur Jon Favreau ein solch großer Wurf gelungen ist, der den Zeichentrick-Klassiker tatsächlich in den Schatten stellt. Und wie …
„The Jungle Book“ ist hinreissend, visuell atemberaubend und hält sich ziemlich gut an die literarische Vorlage (was hoffen lässt, dass auch „Das zweite Dschungelbuch“ vielleicht noch verfilmt wird). Warum man allerdings den deutschen Titel beim amerikanischen Originaltitel „The Jungle Book“ beließ, ist für mich nicht nachvollziehbar, denn schließlich befinden wir uns doch in Deutschland. Wollte man eine Verwechslung mit den anderen „Das Dschungelbuch“ betitelten Filmen vermeiden? Keine Ahnung, auf jeden Fall finde ich die Unsitte in Deutschland, amerikanische Titel zu verwenden, befremdlich und äußerst schade. Denn meine 80jährige Mutter kann zum Beispiel mit solchen Titel absolut nichts anfangen.

 Nun aber zum Film, der mich von Anfang an mit seinem ganz besonderen Charme in den Bann gezogen hat. Sicherlich liegt das auch daran, dass mit der heutigen Technik die Dschungeltiere nahezu perfekt in Szene gesetzt werden können. Aber das alleine ist es nicht, dass diesen Film so hervorragend macht. Neel Sethio, der den kleinen Jungen spielt, macht seine Sache wirklich hervorragend. Umso weniger kann ich nachvollziehen, dass dieser junge Schauspieler nicht einmal auf dem Plakat namentlich erwähnt wird, sondern nur die Namen der berühmten Synchronsprecher. Wenn man bedenkt, dass Neel Sethio hauptsächlich nur vor Greenscreen-Wänden agiert hat, um danach im fertigen Film mit den Tieren zu sehen ist, kann man dem jungen Schauspieler nur seine Hochachtung aussprechen. Schade, dass viele den Jungen in seiner Rolle als Mogli nicht mochten, für mich unverständlich.
Die Tiere sind hervorragend animiert und schon nach wenigen Minuten vergisst man fast, keine echten Tiere vor sich zu haben, so stark versinkt man in dieser Welt. Die deutschen Synchronsprecher, allen voran Joachim Krol als erzählender Bagheera, haben tolle Arbeit geleistet.

Wie eine Mischung aus Peter Jacksons „Herr der Ringe“ und John McTiernans „Medicine Man“ überrascht „The Jungle Book“ mit außergewöhnlichen Effekten und Aufnahmen wie auf Ölgemälden. Favreau ist ein Kunststück gelungen, das sowohl die ältere wie auch die neuere Generation begeistert. Unaufdringlich werden auch noch zwei Songs des alten Zeichentrick-Klassikers mit eingebaut, ansonsten geht Favreaus Interpretation eigene, visuell extrem beeindruckende Wege.
John Debneys Score ist wunderschön. Passagen aus dem alten Soundtrack von George Bruns werden gekonnt eingesetzt und wechseln sich mit bombastischen, melancholischen Tönen ab, die teilweise sehr stark an Jerry Goldsmiths Meisterwerk „Medicine Man“ erinnern. Debneys Musik passt so hervorragend zu den gezeigten Bildern, dass es einem an manchen Stellen Gänsehaut beschert.
Jon Favreau hat eine Geschichte aus meiner Kindheit so emotional und episch inszeniert, wie ich es mir nie hätte erträumen lassen. „The Jungle Book“ ist nostalgisches Kindsein mit Effekten auf auf technisch hohem Niveau.

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Fazit: Ein Klassiker in neuem Gewand. So bombastisch und episch hat man „Das Dschungelbuch“ noch nie gesehen.

© 2017 Wolfgang Brunner

Interview mit der Schauspielerin Annika Strauss



© Julian Wieshoff

Annika Strauss wurde 1984 in Nürtingen geboren und wuchs in Reutlingen auf. Nach dem Abitur, studierte sie Allgemeine Rhetorik und Germanistik an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen und schloss dieses mit dem Master of Arts ab.
Schon als Kind spielte sie hingebungsvoll in Theateraufführungen an der Schule. Ihre erste Hauptrolle war die des Drachen Tabaluga aus Peter Maffays Musical „Tabaluga und Lilly.“
Annika Strauss besuchte eine private Schauspielschule und fand durch den Independent-Film „La Petit Morte“ des Regisseurs Marcel Walz Einstieg ins Filmgeschäft. Seither hat sie in knapp dreißig Produktionen mitgespielt.
Film-Besprechungen freut sich, der von Spiegel Online betitelten „Deutschen Scream-Queen“ ein paar Fragen stellen zu dürfen.

1. Du warst ja in der letzten Zeit wieder unglaublich fleißig und bist derzeit in „Blood Feast“ von Marcel Walz und bald in „Scars Of Xavier“ von Kai E. Bogatzki zu sehen. Gibt es denn Pläne für ein neues Projekt und darfst Du schon darüber reden.

Naja, für meine Verhältnisse habe ich ja eher einen Gang zurückgeschaltet und weniger Projekte als die Jahre zuvor gemacht. Das liegt vor allem daran, dass ich mich momentan mehr meiner Tätigkeit als Autorin widme und bei Filmproduktionen mehr selektiere. Meine Auftritte in „Blood Feast“ und „Scars of Xavier“ sind dabei auch nur kleine Nebenrollen und nicht im üblichen Umfang. Ein anderes Projekt, das mir großen Spaß gemacht hat war „Skin Creepers“ von Ezra Tsegaye, indem ich eine Nebenrolle habe.

2. Du spielst in sehr vielen Filmen des deutschen Regisseurs Marcel Walz mit. Zwischen euch scheint die Chemie zu stimmen. Wie wichtig ist es für Dich als Schauspielerin, mit dem Regisseur auf gleicher Wellenlänge zu sein?

Marcel und ich hatten von Anfang an einen guten Draht zueinander und haben uns auch privat angefreundet. Mittlerweile kennen wir uns schon seit 8 Jahren und haben 9 Filme zusammen gedreht. Das verbindet natürlich außerordentlich. Und wenn man sich so gut kennt, ist es auch einfach, zusammen zu arbeiten. Ich weiß, wie er tickt und was er sich wünscht. Prinzipiell ist ein gutes Verhältnis zum Regisseur schon wichtig und vor allem angenehm. Ich denke aber nicht, dass es ein Muss ist. Solange er dir gut erklären kann, was er möchte und er das Beste aus dir rausholen kann, ist es mir egal, ob wir Best Friends werden oder nicht. Aber normalerweise verstehe ich mich eigentlich mit allen immer sehr gut.


In „La Petit Morte 2“ von Marcel Waltz


3. Gibt es eine Rolle, die Du nie im Leben annehmen würdest?

Ja! Eine Rolle in einem Human Centipede Film! 😉

4. Horror scheint Dein Lieblingsgenre zu sein. Warum drehst Du nicht einmal einen Liebesfilm?

Oh, ich würde sehr gerne einen Liebesfilm drehen. Aber anscheinend sehen mich diese Produktionen nicht. Das mit dem Horrorgenre war von mir nie bewusst beabsichtigt und hat sich von alleine entwickelt. Das finde ich auch nicht schlimm, da ich Horrorfilme mag, aber ich hätte große Lust auf andere Genres. Ich hätte auch total Bock auf eine Komödie oder einen Actionfilm. Also wer was weiß – immer her damit!

5. Du betätigst Dich auch als Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Anscheinend sprudelst Du nur so vor Kreativität. 😉
Was bedeutet Dir, Hand aufs Herz, am meisten. Schauspielerei oder Schreiberei?

Hand aufs Herz: Die Schauspielerei! Die Schauspielerei macht aus mir einen ganz anderen Menschen – im wahrsten Sinne des Wortes – und das liebe ich einfach! Es ist das, was mir am meisten Freude macht und das immer an erster Stelle stehen wird. Leider ist es ein hartes Pflaster und es ist sehr schwer, davon zu leben. Die Schreiberei macht mir großen Spaß und damit verdiene ich auch meine Brötchen. Allerdings fällt es mir recht leicht und ich sollte es daher auf jeden Fall ausbauen. Trotzdem bin ich lieber auf der Bühne oder an einem Filmset als alleine vorm Rechner.

6. Du schreibst gerade an einem neuen Roman. Verrätst Du ein wenig, um was es geht?

Es wird ein schöner Psychothriller mit einigen Horrorelementen, womit wir wieder bei meinem Steckenpferd wären. Es heißt „Grand Guignol“ und ist der Pilot einer Serie mit insgesamt 13 Folgen/Büchern. Ganz wie der Titel verspricht handelt es von dem einem kleinen, französischen Theater in Paris, dass auf der Bühne grausame Stücke inszeniert. Das gab es ja bis in die 60er wirklich in Paris (ich war sogar dort – jetzt ist es ein Theater für Gehörlose Menschen). In meinem Roman wird es wieder eröffnet.


7. Die schlimmste Situation in Deiner Schauspielerlaufbahn war …?

Ein Kaktus in meinem Oberschenkel während einer Szene zum Dreh von „Seed 2“ in der Wüste.

                                                           In „Seed 2“ von Marcel Waltz – Foto: ItWaits Art

8. Fünf Filme für die einsame Insel und warum?


Sind Serien auch ok?

Also:

  • Sex and the City – die Serie plus beide Filme: das vertreibt schlechte Laune und ist einfach fabelhaft
  • Cast Away: davon kann ich sicher noch was lernen
  • The Walking Dead: auch hier kann ich noch was lernen plus Unterhaltungswert
  • Das letzte Einhorn: ist mein Lieblingsfilm
  • Kill Bill 1&2: ist ebenfalls mein Lieblingsfilm

9. Fünf Bücher für die einsame Insel und warum?

  • Meine Goethe-Sammlung! Ich habe eine komplette Goethe-Sammlung zu Hause inklusive aller Briefe und Tagebuch-Einträge des werten Herr Goethe – werde aber sicher nie dazu kommen alles zu lesen. Außer auf einer einsamen Insel vielleicht…
  • Ein Überlebenshandbuch (kann ich sicher brauchen)
  • Ein Buch über giftige Pflanzen (kann ich sicher auch brauchen)
  • Geschichten aus 1001 Nacht – ich brauche Märchen zum Einschlafen…
  • Parzival (Wolfram von Eschenbach) – weil ich es gerne noch einmal lesen würde und auf jeder der rund 600 Seiten ein Abenteuer geschieht! Ich liebe Artus-Romane!

 

10. Welcher männliche Schauspieler (national oder international) wäre für Dich Dein Traumpartner? Ich spreche aber nicht vom Aussehen, sondern von seinen schauspielerischen Fähigkeiten. 😉


Kevin Costner! Kevin Costner! Kevin Costner!

Der hat auch beides: Aussehen und schauspielerische Fähigkeiten. Das ist einfach ein Schauspieler, dem ich immer zugucken kann und außerdem hat der sowas unglaublich ruhiges, das mich fürchterlich beeindruckt. Und er ist sexy. Ziemlich sexy.

11. Nenne die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben.


Mein Mann.

Meine Familie und Freunde.

Gesundheit.

Freiheit.

Kreativität.

Ich bedanke mich ganz herzlich für die interessanten Antworten und freue mich noch auf sehr viele Filme mit Dir.

Ich bedanke mich ebenso für das nette Gespräch und für tolle Fragen, die ich nicht immer gestellt bekomme.

Mehr über die Schauspielerin auf ihrer Homepage.

© 2017 Wolfgang Brunner / Annika Strauss