Mandy (2018)

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Originaltitel: Mandy
Regie: Panos Cosmatos
Drehbuch: Panos Cosmatos, Aaron Stewart-Ahn
Kamera: Benjamin Loeb
Musik: Jóhann Jóhannsson
Laufzeit: 121 Minuten
Darsteller: Nicholas Cage, Andrea Riseborough, Linus Roache, Ned Dennehy, Olwen Fouéré, Line Pillet, Clément Baronnet, Alexis Julemont
Genre: Horror, Fantasy
Produktionsland: USA, Belgien
FSK: ab 18 Jahre

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Einzelgänger Red Miller, eigentlich sehr liebevoll und friedlich,  musste hilflos mit ansehen, wie seine große Liebe Mandy von den Mitgliedern einer religiösen Sekte verbrannt wurde. Jeremiah Sand, der Führer der religiösen Fanatiker hatte sie entführt und kaltblütig umgebracht, weil sich Mandy ihm verweigert hat. Red hat alles verloren, was ihm im Leben wichtig war und  nichts mehr zu verlieren. Mit einer gewaltigen Axt und einer Droge, die ihm schier übermenschliche Kräfte verleiht, macht er sich auf einen grausamen Rachefeldzug.

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Der Film „Mandy“ hat schon im Vorfeld die Geister geschieden, bevor der Hype um ihn überhaupt losging. Als hätten Peter Greenaway, David Lynch, Lars von Trier, Dario Argento und Peter Jackson gemeinsam einen Film gedreht und jeder dufte seinen Launen freien Lauf lassen, so könnte man „Mandy“ durchaus bezeichnen, wenn man ihn angesehen und ein wenig sacken lassen hat. Panos Cosmatos‘ neuester Film erinnert ein wenig an seinen Debütfilm „Beyond The Black Rainbow“, in dem er ebenfalls mit psychedelischen Farbkompositionen gespielt hat und sich mehr auf den künstlerischen Aspekt des Films als auch die eigentliche Handlung konzentriert hat. „Mandy“ wirkt in der Tat wie ein Drogenrausch im ArtHaus-Format: ruhig, abgedreht, pseudo-philosophisch und unerbittlich brutal. Man muss sich natürlich darauf einlassen (können), um das Racheepos in vollen Zügen zu genießen. Wer die Inszenierung nicht an sich heranlässt, wird schnell gelangweilt sein und permanent in Versuchung geraten, den Ausschaltknopf zu betätigen. 😉

Ich gehöre eindeutig zu den Zuschauern, die ihre wahre Freude bei „Mandy“ hatten. Vor allem der sehr ruhig gehaltene Einstieg hat mich nachhaltig in seiner atmosphärischen Wirkung beeindruckt, was wiederum aber nicht bedeutet, dass mich die Steigerung in einen brutalen Rachefeldzug nicht überzeugt hat. „Mandy“ besteht für mich aus zwei Teilen, die jeweils ihren eigenen und besonderen Reiz bilden. Während die erste Hälfte fast schon sinnlich und poetisch daherkommt, entwickelt sich die zweite Hälfte zu einem Blutbad, wie es Peter Jackson in seinen Anfangszeiten zubereitete. Oftmals zeigten sich sogar Parallelen zu „Braindead“, obwohl die Themen der beiden Filme vollkommen unterschiedlich waren. „Mandy“ arbeitet vor allen Dingen mit seiner bildgewaltigen und künstlerischen  Inszenierung, wenngleich gerade dieser künstlerische Aspekt von vielen Zuschauern aus „Pseudokunst“ bezeichnet wird. Cosmatos hat Dario Argentos Visionen aus meiner Sicht sozusagen perfektioniert und in einem künstlerischen Kontext dargestellt. Genau diese Kombination trägt zu der unglaublich intensiven Stimmung bei.

Schauspielerisch bewegt sich „Mandy“ definitiv auf sehr hohem Niveau, allerdings wage ich anzuzweifeln, dass es sich hier um die beste Leistung von Nicholas Cage handelt. Denn er hat zum Beispiel in der leider vollkommen untergegangenen (und unterbewerteten) Literaturverfilmung „Joe“ ein wirklich oscarreifes Schauspiel geboten, das besser nicht hätte sein können und „Mandy“ absolut übertrifft. Dennoch stellt er hier den abgedrehten, von unbändiger Rache besessenen Red Miller unglaublich überzeugend und voller Hingabe dar. Somit zähle ich auch diese Rolle zu denen von Cages besten, die man so schnell nicht vergisst. Aufmerksame Zuseher werden die zahlreichen Anspielungen auf (Kult-)Filme der 80er Jahre bemerken, die wirklich sehr liebevoll und teilweise versteckt von Cosmatos eingebaut worden sind. „Mandy“ ist ein Film, den man nicht nur einmal ansehen darf, denn zu viele Verweise auf diverse Filme verbergen sich darin, die entdeckt werden wollen. Der mehr als passende Score wurde von Johann Johannsson komponiert und stellt leider seine letzte Arbeit dar, da der Komponist noch im Jahr 2018 an einer Überdosis Kokain verstorben ist.  „Mandy“ ist ein Gesamtkunstwerk, das man unter vielen verschiedenen Aspekten betrachten sollte: Da sind zum einen die wirklich guten und mutigen Leistungen der Schauspieler  und zum anderen die phänomenale visuelle Umsetzung. Hinzu kommt dann aber auch noch die bereits erwähnte musikalische Untermalung, die aus den gezeigten Bildern (die ohnehin schon für sich allein stehend ein Kunstwerk darstellen) eine weitere Dimension herausholt. „Mandy“ ist ein Film für Filmliebhaber. Und man mag ihn oder eben nicht – ich mag ihn definitiv, weil er sich so wohltuend vom Mainstream-Brei abhebt und einen eigenen, innovativen Weg geht, der seinesgleichen sucht. Unbedingt mehr davon, Herr Cosmatos!

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Fazit: Stylischer, surrealer Filmtrip, der brutalen Horror und philosophischen ArtHaus-Stil grandios verbindet.

© 2019 Wolfgang Brunner

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Das Haus der Vergessenen (1991)

Haus der Vergessenen Mediabook

Originaltitel: The People under The Stairs
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Wes Craven
Kamera: Sandi Sissel
Musik: Don Peake
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Brandon Adams, Everett McGill, Wendy Robie, A. J. Langer, Ving Rhames, Sean Whalen, Bill Cobbs
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Der 13-jährige Fool will seiner todkranken Mutter und der gesamten Familie helfen und sucht nach Möglichkeiten, zu Geld zu kommen. Zusammen mit LeRoy bricht er in ein Haus ein, in dem sich angeblich Gold befinden soll. Doch die Bewohner, ein psychopathisches Geschwisterpaar, entdecken die Eindringlinge und schotten das gesamte Haus ab, so dass es kein Entkommen für Fool und seinen Kumpel gibt. Während sie nach einem Ausweg suchen, entdecken sie seltsame Mitbewohner, die von den Geschwistern im Keller gefangen gehalten werden …

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Wes Cravens „Das Haus der Vergessenen“ ist ein vollkommen zu Unrecht unterschätzter Film, der inmitten von Erfolgen wie „Nightmare On Elm Street“ oder „Die Schlange im Regenbogen“ schlichtweg in Cravens Filmografie untergegangen ist. Vielleicht lag es daran, dass sich der Film trotz seiner sozialkritischen Aspekte nicht genau zwischen hartem Splatter und vollkommen überdrehter Horrorkomödie entscheiden konnte. Cravens Publikum hatte wahrscheinlich einen ernsteren Film erwartet und ließ sich dadurch nicht auf die schrägen Slapstick-Einlagen ein. „Das Haus der Vergessenen“, dessen Originaltitel „The People Under The Stairs“ aus meiner Sicht übrigens viel besser passt, wurde zu einem vergessenen, kleinen Meisterwerk des Kultregisseurs. Denn, wenn man sich auf die absurde Situationskomik dieses Films einlassen kann, wird man mit einem Feuerwerk an Unterhaltungskino belohnt. Sicherlich mag der ein oder andere Effekt das heutige Publikum nicht mehr aus den Socken hauen, aber im Zuge der Retrowelle könnte „Das Haus der Vergessenen“ doch wieder bestimmt bei einigen punkten.

Wes Craven hat, wie so oft in seinen Filmen (und wie unter anderem auch seine geschätzten Regiekollegen George A. Romero oder John Carpenter), auch hier eine Ausgangssituation erschaffen, die einen Pseudo-sozialkritischen Aspekt vorschiebt, um dann letztendlich in einem Horrorszenario zu enden. Doch bei „Das Haus der Vergessenen“ ging Craven einen Weg, wie ihn Peter Jackson einst auch bei seinem Kultfilm „Braindead“ einschlug, in dem er nämlich Horror- und Splatterelemente mit komödiantischen Einlagen vermischte. Man kann „Das Haus der Vergessenen“ eigentlich nicht ernst nehmen. Und man sollte es auch nicht tun, denn zuviel des Unterhaltungswertes gingen verloren, täte man es. 😉
Die hundert Minuten fliegen nur so dahin, was schon einmal unter die positiven Aspekte des Film fällt, und es macht unglaublich Spaß den Protagonisten zuzusehen. Da wären nämlich zum einen die psychopathischen Geschwister, dargestellt vom „Twin Peaks“-Ehepaar Everett McGill und Wendy Robie, die sich während der Handlung in skurrile Figuren verwandeln, die nicht mehr ernstgenommen werden können. Gegen Ende des Film haben sie sich von bedrohlichen Feinden in Karikaturen verwandelt, die aus einem „Tom und Jerry“-Comic entsprungen sein könnten. Daneben glänzt der junge Farbige Brandon Adams (den man übrigens aus Michael Jacksons „Moonwalker“ kennt) in einer sympathischen Hauptrolle, die an so manch einen Horrorfilm der „goldenen 80er Jahre“ erinnert, in denen Teenager die tragenden Rollen spielten. Die Musik von Don Peake unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich.

Koch Media hat dieses Kleinod wieder aus der Versenkung geholt und in einem wunderschönen Mediabook  veröffentlicht, das dem Film absolut gerecht wird und ihn genau so behandelt, wie er schon die vergangenen Jahre hätte behandelt werden sollen. „Das Haus der Vergessenen“ ist sozusagen ein „Partyfilm“, ein spannender Zeitvertreib, bei dem man sich zwischendurch auch hervorragend amüsieren kann, wenn man Everett McGill zum Beispiel dabei zusieht, wie er in voller S/M-Ledermontur sein eigenes Haus zerballert und dabei hysterisch rumschreit. Diese Skurrilität ist es auch, die neben der noch immer (zumindest für mich) gelungenen Atmosphäre, diesen Film aus- und zu etwas Besonderem macht. Sicherlich ist „Das Haus der Vergessenen“ nicht Wes Cravens Meisterwerk, aber es ist auf alle Fälle innovativ und mutig, indem es nämlich damals durch seine schrägen Figuren und Charakterzeichnungen dem Horrorgenre neue Impulse gab.
Warum dieser Film allerdings über Jahrzehnte hinweg sogar indiziert war, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wie oben schon erwähnt, ist dieser Film einfach viel zu überdreht und überzogen inszeniert, als dass er jugendgefährdend sein könnte, zumal auch noch ein jugendlicher Held im Vordergrund steht. Für mich immer wieder sehenswert und in dieser perfekten Ausstattung, die dieses Mediabook bietet, sowieso.

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Fazit: Überdrehte Charaktere in einem atmosphärischen Horrorthriller. Seinerzeit innovative, aber leider missverstandene Perle eines Kultregisseurs.

© 2018 Wolfgang Brunner

Anon (2018)

Anon

Originaltitel: Anon
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Kamera: Amir Mokri
Musik: Christophe Beck
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Clive Owen, Amanda Seyfried, Colm Feore, Sonya Walger, Mark O’Brien, Joe Pingue, Iddo Goldberg
Genre: Science Fiction, Thriller
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
FSK: ab 12 Jahre

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In einer Welt, in der die Privatsphäre eines Menschen praktisch nicht mehr existiert, trifft Detektiv Sal Frieland auf eine Frau, die sich gegen diese Art von Gläsernheit schützen kann und sogar die Erinnerungen von Menschen manipulieren kann. Frieland will unbedingt ihre wahre Identität enträtseln …

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Schon nach den ersten Minuten merkt man, dass man einen neuen Film von Andrew Niccol sieht. Zu sehr erinnert das Set seiner dystopischen Zukunftsvision an den unglaublich guten „Gattaca“. Doch noch ein anderer Kultfilm fiel mir nach den ersten zehn Minuten immer wieder ein, als ich die betörend faszinierenden Bilder in Verbindung mit der sehr atmosphärischen Musik von Christophe Beck auf mich einwirken ließ: Ridley Scotts „Blade Runner“. Vielleicht lag es tatsächlich an den ruhigen Klavierklängen, die mich sehr oft an die elektrisierende Verfilmung von Phillip K. Dicks Kultroman denken ließen, es kann aber auch durchaus sein, dass die Kulissen und die ruhige Inszenierung daran schuld war, dass mir dieser Film immer wieder in den Sinn kam. „Anon“ kann zwar nicht mit „Blade Runner“ verglichen werden, aber die Atmosphäre kam den schon sehr nahe, zumal es sich auch hier um eine Mordermittlung in einer zukünftigen Welt handelte.

Andrew Niccol hat zudem noch eine faszinierende Mischung aus Film Noir und moderner Science Fiction-Mär geschaffen, in dem er nämlich eine High Tech-Welt mit „alten“ Kulissen miteinander verband. In der einen Sekunde sieht man modernste Computergrafiken und in der nächsten Oldtimer-Wagen, in denen kettenrauchende Ermittler sitzen. Gerade diese Gegensätze machen „Anon“ zu einem ganz besonderen Film, der nämlich zum einen wie eine Hommage an die alten Detektivfilme wirkt und zum anderen den technisch aktuellsten Stand der heutigen Zeit zeigt. Der Plot regt definitiv zum Nachdenken an, was die Entwicklung der Technik mit uns Menschen macht. Die Privatsphäre leidet schon jetzt in Zeiten der sozialen Netzwerke ungemein und wenn man genauer darüber nachdenkt, wird einem klar, dass Niccols Zukunftsvision fast schon zur Realität geworden ist. Der Film zeigt auf, wie es enden könnte, wenn Regierungen die Bürger immer mehr zu gläsernen Menschen machen.  „Anon“ ist beklemmend und beängstigend, bietet aber trotz seiner kritischen Momente auch gute, spannende und kurzweilige Unterhaltung. Er reiht sich aus meiner Sicht in beklemmende Zukunftsvisionen wie zum Beispiel „Her“ oder „I Origins“ ein und bleibt, zumindest bei mir, im Gedächtnis haften.

Schauspielerisch konnte Clive Owen absolut überzeugen, während Amanda Seyfried nicht immer glaubwürdig wirkte, was aber durchaus auch an ihrer Rolle liegen könnte. „Anon“ mag auf viele Zuseher lahm wirken, weil er sehr wenig Action bietet. Aber genau diese Art von Zukunftsvisionen ist es doch, die uns absolut glaubwürdig vor Augen hält, wie die Welt von Morgen aussehen könnte. Und „Anon“ ist nicht weit entfernt von diesem Szenario. Mit wirklich starken und stylischen Bildern nimmt uns der Regisseur absolut gefangen und lässt seine Vision noch eine Weile, nachdem der Film geendet hat, nachwirken. „Anon“ ist ein Film, der nicht für Blockbuster-Zuschauer gemacht ist, sondern sich an das ArtHouse-Publikum wendet. Niccols Film wirkt auf den ersten Blick steril und emotionslos, wenn man aber zwischen den Bildern genau hinsieht, entdeckt man jede Menge (verlorener) Gefühle. Zudem unterstreicht diese sterile Inszenierung die Ängste der Menschen, die fast keine Geheimnisse mehr für sich behalten können. Für mich war „Anon“ eine wirklich düstere Dystopie, die mich zum einen sehr gut unterhalten und zum anderen auch beschäftigt hat.
End of file …

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Fazit: Stylische Zukunftsvision, in der Privatsphäre nicht mehr existiert. Glaubhafte Mischung aus SF-Thriller und Film Noir.

© 2018 Wolfgang Brunner

Die Frau, die vorausgeht (2017)

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Originaltitel: Woman Walks Ahead
Regie: Susanna White
Drehbuch: Steven Knight
Kamera: Mike Eley
Musik: George Fenton
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Jessica Chastain, Michael Greyeyes, Sam Rockwell, Ciarán Hinds, Rulan Tangen, Chaske Spencer, Bill Camp, Louisa Krause
Genre: Drama, Abenteuer, Western
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Die Malerin und Witwe Catherine Weldon reist in den Wilden Westen, um dort den legendären Indianerhäuptling Sitting Bull zu zeichnen. Schon vor ihrer Ankunft eilt ihr der Ruf voraus, sie wäre eine Aktivistin, die sich für die Indianerrechte einsetzt. Weldon lässt sich dennoch nicht aufhalten und trifft sich mit Sitting Bull. Schon bald entwickelt sich  zwischen Sitting Bull und Catherine eine tiefe Freundschaft, die fast schon wie Liebe wirkt. Catherine hilft Sitting Bull dabei, sein Volk davon zu überzeugen, nicht einen neuen Vertrag zu unterschreiben, der den Siouxindianern das Land rauben würde. Und damit nimmt eine schreckliche Entwicklung ihren unheilvollen Lauf.

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Es ist wirklich unglaublich, wie schnell einen dieser Film in seinen Bann zieht. Von der ersten Minute an hervorragend inszeniert und grandios gespielt, wird der Zuschauer von Susanna White – vielen vielleicht als Regisseurin des zweiten Teils von „Eine zauberhafte Nanny“ mit Emma Thompson in der Hauptrolle ein Begriff – in ein Abenteuer gesogen, dass einen vergessen lässt, dass man einen Film ansieht. White vermischt historische, politische Begebenheiten mit der eigenen Welt der Protagonistin und schlägt dadurch keine ganz klare Richtung ein. Von vielen Kritikern wurde diese „Unschlüssigkeit“, die aus meiner Sicht absolut nicht existiert, dem Film vorgeworfen. Es hieß, er könne sich nicht wirklich zwischen einem Western, einer Liebesgeschichte oder einem Historienfilm entscheiden. Aber genau dieser Genremix ließ für mich diese Geschichte absolut glaubwürdig erscheinen. So ist schließlich das Leben, es geht seinen eigenen Weg und lässt sich nicht zur Geradlinigkeit zwingen.

„Die Frau, die vorausgeht“ ist ein ruhiger, teils intimer Film, der die Gefühlswelt einer Frau beleuchtet, die in einer von Männern beherrschten Welt überleben muss und will. Jessica Chandain meistert diese Rolle einer einerseits verletzlichen und andererseits bedingungslos kämpfenden Frau beeindruckend. An ihrer statt hätte ich mir nur noch Kate Winslet vorstellen können, die ihren Rollen immer eine ähnliche Tiefe verleiht. Chandain ist grandios, wenn sie sich zwischen Attraktivität und Entschlossenheit bewegt und die Zuschauer durch ihre Mimik bedingungslos zu überzeugen und fesseln vermag. Susanna Whites Film hebt sich von klischeehaften Western ab. Er erinnert in seiner optischen Wucht und den überwiegend ruhigen Momenten an Filme wie „Der mit dem Wolf tanzt“ oder auch „Open Range“, um nur zwei Beispiele zu nennen. „Die Frau, die vorausgeht“ ist ein sehr eindrucksvolles Frauenporträt, das aber auch auf den Indianerhäuptling Sitting Bull und seinen Charakter eingeht.

Untermalt wird die Geschichte von einem wunderbaren Score, der aus der Feder von George Fenton stammt und geradezu hypnotisch wirkt. Seinen Klängen ist es unter anderem zu verdanken, dass man dem Film noch gut und gerne zwei weitere Stunden seiner Zeit gewidmet hätte. Darstellerisch war neben der erwähnten Jessica Chandain auch Michael Greyeyes als Sitting Bull unglaublich überzeugend und sympathisch. Und das Zusammenspiel zwischen Chandain und Greyeyes hat unglaublich Spaß gemacht, weil man die Funken förmlich hat fliegen sehen, wenn sie miteinander sprachen und sich dabei intensive Blicke zuwarfen. Aber auch Sam Rockwell in seiner überaus unsympathischen Rolle als Silas Groves verdient schauspielerische Hochachtung, vor allem weil er es in einigen Momenten auch geschafft hat, einen Funken Sympathie auflodern zu lassen, so dass sein vielfältiges, darstellerisches Können zu erkennen war. Insgesamt konnte man an den Darstellern bis in die Nebenrollen nichts aussetzen. „Die Frau, die vorausgeht“ ist ein brillanter, höchst unterhaltsamer und sehr emotionaler Film, wenn man als Zuschauer auch einmal zwischen den Bildern „lesen“ kann. Ein Ausnahmewestern, den ich mir mit Sicherheit mindestens noch ein zweites Mal ansehen werde.

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Fazit: Bildgewaltiger, ruhiger Western mit beeindruckendem Schauspielerensemble.

© 2018 Wolfgang Brunner

Das schwäbische Sägewerkmassaker (2015)

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Regie: Madman Marv

Kamera: Ronny Zito, El Excremento

Rollen: Madman Marv, Ronny Zito, Kelly Carlito, Flo Grinder

Musik: O.S. und Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)

Laufzeit: 23 Minuten

Genre: Amateursplatter

Produktionsland: Deutschland

FSK: ungeprüft

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Ein Serienmörder zieht durchs Schwabenland. Er tötet wahllos und schließlich führt ihn der Weg in ein Sägewerk.

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Glänzte in der Vergangenheit noch der spanische Slasherfilm „Pieces“ (1982) durch Ehrlichkeit indem man auf dem Poster vermerkte ‚It’s exactly what you think it is!‘, bekommt man hier ähnliches geboten. „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ von der Produktionsschmiede Fäkalocaust Produktion – das sagt einem alles, was man über diesen Film wissen muss.

Der Film selbst nimmt sich zu keiner Sekunde ernst. Gegenteilig bekommt man hier und da durchaus das Gefühl, dass hier ein ganzes, mehr oder weniger vergangenes, Subgenre aufs Korn genommen wird. Der deutsche Wald- und Wiesensplatter des letzten Jahrhunderts lebt hier nämlich wieder auf. Waren es damals noch Filmemacher wie Andreas Schnaas, die mit ihren Heimvideos bewiesen haben, dass zumindest technisch jeder in der Lage ist Filme zu machen, beweist Regisseur Madman Marv, dass sich in der Independent-Filmwelt einiges geändert hat, außer eben für ihn selbst. Suff, Pipi-Kaka-Witze und Gekröse sind beim stumpfen Zielpublikum immer noch Trumpf. Ja, dieser Film ist Eskapismus pur. Eine kleine Zeitkapsel. Er sehnt sich in längst vergangene Zeiten zurück in denen die Welt noch in Ordnung war. Allgemein strotzt DSSM trotz kurzer Laufzeit nur so Referenzen zu ähnlichen Filmen wie z.B. Blutnacht (1999) oder aber auch ganz anderen Filmen, die für die Jugend der Filmemacher wohl prägend waren wie Mad Max II – Der Vollstrecker (1981). Folgerichtig ist es daher auch, dass der gute alte Lucio Fulci als ehemaliger Sägewerksleiter im Büro über den Dingen thront.

Schauspielerisch ist das Ganze unterirdisch, aber warum soll man sich auch anstrengen, wenn man sich andererseits auch einfach eine Perücke aufsetzen kann? Nicht nur einmal sieht man die Spiegelung des Kameramanns und zweifellos gibt es weitere technische Fehler. Der Film ist von Amateuren gemacht und so sollte man ihn auch sehen und bewerten. Auch wenn man nicht sonderlich viel geboten bekommt, so kann man sich vorstellen, dass die Filmemacher ihren Spaß gehabt haben und diesen nun mit der Welt teilen möchten und das ist per se nichts Böses. Nichts Böses, aber vielleicht etwas Sadomasochistisches. Lobende Erwähnung gebührt hier allerdings noch dem Soundtrack, der u. a. von Stephan Ortlepp stammt. Das Opening-Theme könnte genau so gut von John Carpenter sein.

Während ich hier mein Review schreibe, arbeitet die Crew um Madman Marv bereits an ihrem nächsten Werk. Der erlauchte Titel lautet „Die dämonische Mörderoma“ und soll Anfang 2019 erscheinen. Dann kann man ja jetzt schon mal mit dem Vorglühen anfangen, so dass man dann auch den richtigen Pegel hat, wenn es so weit ist. Prost!

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Fazit: Pipi-Kaka oder Dada? Schnaas‘ Erben schlagen zu!

© 2018 René Wiesner

Skinless (2013)

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Originaltitel: The Ballad Of Skinless Pete
Regie: Dustin Mills
Drehbuch: Dustin Mills, Brandon Skalkil
Kamera: Dustin Mills
Musik: Dustin Mills
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Brandon Skalkil, Erin R. Ryan, Dave Parker, Allison Egan
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: USA
FSK: keine Prüfung

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Dr. Peter Peele, selbst an Krebs erkrankt, hat ein Heilmittel gegen die Krankheit entwickelt.Allerdings scheitern die weiteren Experimente an finanzierungswilligen Geldgebern, so dass sich Peele entschließt, das Serum an sich selbst zu testen. Ihm ist nicht klar, welch ein Monster er dadurch erschafft. Als dann auch noch seine Kollegin Dr. Alice Cross auftaucht, nimmt die schreckliche Entwicklung des Versuches dramatische Ausmaße an.

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„Skinless“ trägt im Original einen weitaus besseren und geeigneteren Titel, nämlich „The Ballad of Skinless Pete“. Hier wird bedeutend mehr auf die eigentliche Aussage des Films eingegangen, bei dem es sich tatsächlich mehr um eine Ballade a lá Nick Cave handelt, als um einen blutigen Splatter-Horrorfilm. Regisseur Dustin Mills, der auch Drehbuch, Kamera, Schnitt und Musik übernommen hat, orientiert sich mit seinem Wisenschafts-Bodyhorror unübersehbar an David Cronenberg. Nur allzu oft fühlt man sich an „Die Fliege“ erinnert, was aber nicht weiter schlimm ist, denn Mills erzählt zum einen eine eigene Geschichte und vermag die relativ simpel gestrickte Handlung durch einen sehr gelungenen Inszenierungsstil unterhaltsam zu präsentieren. Kurz gesagt: „Skinless“ hat mir in seiner Einfachheit, aber nichtsdestoweniger gut vermittelten Stimmung, sehr gut gefallen.
Mills hat diesen Film komplett in seinem eigenen  Haus gedreht, um Kosten zu sparen und wahrscheinlich so oft wie möglich am Drehort sein zu können. Erstaunlicherweise sieht man das dem fertigen Film nicht an, da man so von der Handlung und Inszenierung gefangen genommen wird, dass man gar nicht bemerkt, dass sich alles nur innerhalb weniger Räume abspielt. Auch das muss man als Regisseur erst einmal hinbekommen. 😉

Streckenweise fühlte ich mich tatsächlich an die berühmt-berüchtigten Underground-Filme von Jörg Buttgereit („Necromantic“, „Der Todesking“ oder „Schramm“) erinnert. Mills schafft eine unglaublich spannende Atmosphäre, die bereits in den ersten Minuten des Films einsetzt und sich konstant bis zum dramatischen Finale (man möchte fast schon „traurigen Ende“ sagen) durchzieht. Die Schauspieler machen ihre Sache durchaus gut und geben durch ihre „unperfekte“ Natürlichkeit dem Ganzen noch einen zusätzlichen Hauch von Authentizität. „Skinless“ erzählt tatsächlich eine Geschichte, und noch dazu eine gute (wenngleich nicht weltbewegend neu), und hebt sich dadurch von den vielen „Schlachtplatten des Undergroundfilms“ wohltuend ab. Mills hält nicht immer die Kamera drauf, sondern „kaschiert“ seine wirklich gut gemachten Spezialeffekte mit künstlerischen Ideen, so dass manch einer der Effekte, der mit Sicherheit lächerlich gewirkt hätte, hätte man ihn direkt und lange gefilmt, beeindruckend gut aussieht. Das ist vielleicht auch der große Pluspunkt von „Skinless“: Im Vordergrund steht die Geschichte, die lediglich durch Spezialeffekte gewürzt wird und somit ein stimmiges Gesamtbild abgibt. Interessanterweise vergisst man schon bald, dass es sich um einen sogenannten Amateurfilm handelt, denn sowohl die Handlung und die Inszenierung wie auch die Schauspieler schaffen es, den Zuschauer vollkommen in seinen Bann zu ziehen.

Ich persönlich fand ich die von Regisseur Dustin Mills selbst komponierte Musik sehr passend. Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass der Score unerträglich sei. Das kann ich definitiv nicht so bestätigen. Für mich haben die Klänge absolut gut zur Stimmung beigetragen. „Skinless“ ist eine Mischung aus  David Cronenbergs „Die Fliege“ und Clive Barkers „Hellraiser“ auf gehobenem Amateurfilm-Niveau. Die blutigen Effekte sind zwar nicht immer hunderprozentig gelungen, dafür aber Old School Handmade, und das alleine ist es schon wert, sich „Skinless“ anzusehen. An anderen Stellen wiederum sind die Masken sehr glaubwürdig und eklig dargestellt, so dass auch Splatterfreunde auf ihre Kosten kommen. Letztendlich ist aber „Skinless“ auf gewisse Art und Weise ein Liebesfilm (womit wir dann schon wieder bei Buttgereit landen 😉 ), der von Zuneigung, Sehnsucht und auch Vergebung erzählt. Dustin Mills hat einen sehr guten Film abgeliefert, denn ich mir mit Sicherheit noch einmal ansehen werde, und das will dann schon was heißen. 🙂 Vor allem hat es mir hier die Geschichte angetan, bei der blutige Spezialeffekte nur die zweite Geige spielen und sich absolut nicht in der Vordergrund drängen. Schön, dass sich ein Label wie „Dirt n Dust“ darum sorgt, dass wir solch kleine Independent-Underground-Perlen auf dem deutschen Markt zu sehen bekommen. Auf eine Synchronisation wurde verzichtet, so dass sich der Zuschauer mit deutschen Untertiteln zufriedengeben muss, was aber den Unterhaltungswert keinesfalls schmälert.

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Fazit: Interessanter Amateurfilm, der an Cronenbergs „Die Fliege“ erinnert und sein Hauptaugenmerk auf die Handlung und nicht die blutigen Spezialeffekte legt.

© 2018 Wolfgang Brunner

The Corpse Grinders (2018)

Originaltitel: The Corpse Grinders
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
nach dem Originaldrehbuch von Arch Hall sr. und Joseph Cranston
Kamera: Costel Argesanu
Musik: Timo Rose
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Max Evans, Yazmeen Baker, Enya Maria Tames, Ted V. Mikels, Kristina Kostiv, Marc Engel, Donna Hamblin, Nils Henftling, Anthony Straeger, Thomas Binder, Shawn C. Phillips
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Deutschland, USA
FSK: ungeprüft

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Landau bekommt das Unternehmen „Lotus Cat Food“ überschrieben. Aber er hat Schwierigkeiten, das Geschäft am Leben zu erhalten, da die Umsätze weitaus schlechter als erwartet sind. Landau bekommt finanzielle Schwierigkeiten und kann die Mitarbeiter nicht länger bezahlen. Und so beginnt er, seine Mitarbeiter zu töten und auf andere Weise in seine Firma zu involvieren. Als einer der Vermissten, Frank, von der Polizei gesucht wird, entwickelt sich Landaus außergewöhnlicher „Einsatz“ für „Lotus Cat Food“ zu einer stetig ansteigenden Gefahr.

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Timo Rose, der mich mit seinen letzten Filmen „Reeperbahn“ und vor allem „Death Wish Zero“ sehr beeindruckt hat, liefert mit seinem neuen Film, einer Neuinterpretation von Ted V. Mikels KLassiker „Die Leichenmühle“, einen äußerst unangenehmen Film ab. Unangenehm wegen seiner direkten Zurschaustellung menschlicher Abgründe und den daraus resultierenden Folgen.  Roses Remake von „The Corpse Grinders“ ist in jeder Hinsicht dreckig und vulgär, aber auch tiefsinnig, wenn man genauer darüber nachdenkt. Es gab lange Zeit einen Film, der mich über Monate beschäftigt hat und dessen Bilder ich nicht mehr aus dem Kopf bekam, nämlich Marian Doras intensives, blutiges Drama „Cannibal“ über den Kannibalen von Rothenburg. Timo Rose tritt mit „The Corpse Grinders“ aus meiner Sicht in die Fußstapfen Doras und verursacht mit seinem blutigen, äußerst brutalen Horror-Thriller ein ähnlich unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Das liegt zum Teil mit Sicherheit an den teilweise wirklich derben Szenen, die man hier zu sehen bekommt, ist aber auch auf die beeindruckende Schauspielerleistung von Max Evans zurückzuführen. Evans‘ Mimik jagt einem oftmals Angst ein und man denkt unweigerlich daran, wie es wäre, wenn man ihm in diesem (Wut-)Zustand in einer dunklen Gasse gegenüberstehen würde.
Der Charakter des Landau ist aus meiner Sicht so geschickt in Szene gesetzt, dass man nie genau weiß, ob man es mit einem sympathischen, normalen Mann zu tun hat oder mit einem extrem gefährlichen, unkontrollierbaren Psychopathen. Max Evans verkörpert beides und das macht „The Corpse Grinders“ zu einer schauspielerischen und inszenatorischen Bombe, die jederzeit losgehen kann und dies auch tut.

Aber „The Corpse Grinder“ schockiert nicht nur, sondern zeigt auch auf, zu was Menschen fähig sind, wenn sie (finanziell oder auch anderweitig) keinen Ausweg mehr sehen. Anders als im Original von Ted V. Mikels konzentriert sich Timo Rose viel mehr um den Protagonisten Landau, versucht seine Psyche zu ergründen, was ihm durch das tolle Schauspiel von Max Evans, wie oben schon erwähnt, auch gelingt. Man wird Zeuge eines psychischen Verfalls und einer Fehlschaltung menschlichen Denkens, begleitet die grenzenlose Ausuferung einer Obsession und nimmt teil, wie ein kaputter Mann seine eigenen Abgründe auslotet und die Kontrolle über sich selbst verliert. Roses Film stellt für mich im Grunde genommen eine Mischung aus brutalem Splatter und psychologischer Lebensgeschichte eines verzweifelten (wütenden und kaltblütigen) Mannes dar, der aber durchaus auch zu Gefühlen imstande ist. Und weil eben auch „gute“ Emotionen mit ins Spiel kommen, funktioniert der Film und schockt.
Erwähnen möchte ich unbedingt auch noch den genialen Score, den Timo Rose zum größten Teil selbst komponiert hat. Dadurch kommt eine sehr bedrückende Stimmung auf, die sich durch den kompletten Film zieht. Sehr einfallsreich fand ich auch, wie der Regisseur des Originalfilms Ted V. Mikels in die Handlung eingebunden wurde, das hatte einen sehr charmanten Flair. 😉

„The Corpse Grinders“ bewegt sich zwar auf einem gewissen Low-Budget-Film-Niveau, aber gerade diese, ich nenne sie jetzt einfach mal „Unperfektheit im Look“, macht den Film wiederum auf gewisse Art und Weise perfekt und unterstreicht sogar den oben erwähnten dreckigen Stil. „The Corpse Grinders“ würde in einer Hollywood-Blockbuster-Perfektion bei weitem nicht jene Beklemmungen beim Zuschauer auslösen, wie er das in der jetzigen Fassung tut. Bei einer bestimmten Szene werden die FSK und andere Altersfreigabeprüfstellen ihre helle Freude haben und händeringend zur Schere greifen, nicht wissend, was diese Sequenz eigentlich über den Protagonisten aussagt. Man sollte nämlich bei Timo Roses Film auch zwischen den Bildern lesen (auch wenn einige jetzt sagen werden, dass es bei Roses Filmen nichts zwischen den gezeigten Bildern zu interpretieren gäbe). Bei mir haben die Bilder jedenfalls ein Gedankenkarussell ausgelöst, das mich irgendwie nicht mehr loslässt. Man muss sich auf „The Corpse Grinders“ einlassen können. Hier werden die Menschen nicht, wie im Original, von Katzen getötet, sondern von Landau persönlich. Timo Roses Neuinterpretation der Geschichte ist eine moderne, brutale, schockierende, düstere und beängstigende Version.
Ich musste mir „The Corpse Grinders“ tatsächlich zwei Mal ansehen. Beim ersten Mal hat er mich nämlich „nur“ geschockt, beim zweiten Mal dann in seiner schonungslosen Konsequenz, mit der Mikels Originalfilm fortgeführt beziehungsweise zu Ende gedacht wurde, beeindruckt.

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Fazit: Brutale, dreckige, schonungslose, schockierende und düstere Neuinterpretation eines Klassikers.

© 2018 Wolfgang Brunner