Backdraft 2 (2019)

backdraft

Originaltitel: Backdraft 2
Regie: Gonzalo López-Gallego
Drehbuch: Gregory Widen
Kamera:  José David Montero
Musik: Randy Edelman
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Joe Anderson, William Baldwin, Donald Sutherland, Alisha Bailey, Alastair MacKenzie, Dominic Mafham, Jessamine-Bliss Bell, Aaron McCusker, Cyril Nri
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Feuerwehrmann Sean McCaffrey, Sohn des verstorbenen und berühmten Steven ‚Bull‘ McCaffrey, arbeitet bei der gleichen Feuerwache in Chicago. Als er eines Tages zu einem speziellen Einsatz gerufen wird, merkt er schnell, dass es dabei mehr als nur um ein gewöhnliches Feuer geht. Es geht nicht nur um Brandstiftung, sondern auch um Mord und sogar internationalen Terrorismus.

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Es ist immer so eine Sache, wenn ein erfolgreicher Film, der für manche sogar den Inbegriff des Actionkinos darstellt, fortgeführt oder neu interpretiert wird. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, kommt einem bei einem Film wie „Backdraft 2“ sofort in den Kopf, dass er dem Original niemals das Wasser reichen kann. Was aber, wenn diese Fortführung der Geschichte gar nicht wirklich im Sinn hat, das Original zu erreichen, sondern einfach nur eine neue Geschichte erzählen will, die locker an die Ereignisse des ersten Films anknüpft? Ich war wirklich angenehm überrascht, als ich die ersten Minuten von „Backdraft 2“ sah und dachte schon wenige Minuten später gar nicht mehr darüber nach, beide Filme auf irgendeine Weise miteinander zu vergleichen. Der Film hätte, würde nicht William Baldwin in seiner Rolle des Originals mitspielen, durchaus einen eigenständigen Titel tragen können. Ich will damit sagen, dass es „Backdraft 2“ gar nicht nötig hat, mit dem Titel seines berühmten Originals „hausieren“ zu gehen. Viel zu eigenständig (und auch gut) ist die Handlung, die sich Drehbuchautor Gregory Widen da ausgedacht hat.

Hinzu kommt eine wirklich gute Performance von Joe Anderson und eine grandiose Darbietung von Donald Sutherland, der im Alter immer wieder beweist, dass er nach wie vor ein toller Schauspieler ist. Aber auch alle anderen beteiligten Akteure machen ihre Sache ausnehmend gut und es macht wirklich Spaß, ihnen dabei zuzusehen.
An manchen Stellen dachte ich zwar, dass das Feuer vielleicht ein wenig mehr Rolle spielen könnte, aber letztendlich fiel es nicht weiter auf, weil die Geschichte einfach viel zu spannend und unterhaltsam war. Sicherlich kommen immer wieder Parallelen zum Originalfilm zur Sprache, aber eigentlich wird eine vollkommen neue Geschichte erzählt. Man muss sich darauf einlassen, dann funktioniert der Film. Wer sich allerdings permanent darüber aufregen mag, dass diese Fortsetzung den Originalfilm nicht erreicht (und ihm daher auch gar keine Chance gibt), wird sicherlich enttäuscht sein.

Ich persönlich fand es nämlich sogar gut, dass frischer Wind in der Polizeiwache wehte und nicht auf plumpe Art und Weise versucht wurde, den alten Plot irgendwie aufrechtzuerhalten und zwanghaft fortzuführen. So, wie Regisseur  Gonzalo López-Gallego es letztendlich angepackt und gemacht hat, empfand ich als richtigen Weg. Es wurde niemals versucht, dem Kult des ersten Teils nachzueifern, sondern man setzte auf Eigenständigkeit.
„Backdraft 2“ hat aber offensichtlich dennoch keine Chance und muss die in der heutigen Zeit gängigen, ständigen Nörgeleien (oftmals sogar schon im Vorfeld) über sich ergehen lassen, wie etwa auch ein neuer Teil der Star Wars-Saga. Solche Filme haben es heutzutage einfach schwer, Fuß zu fassen, selbst wenn sie etwas zu bieten haben wie auch im vorliegenden Fall von „Backdraft 2“. Das Negativreden hat bei solchen Projekten oftmals Vorrang, wie man in zahlreichen und überwiegend unkonstruktiven Rezensionen nachlesen kann. Für mich stellte „Backdraft 2“ zwar keine bahnbrechende Fortsetzung dar, aber eine sehr solide (und vor allem eigenständige) Fortführung der Geschichte mit guten schauspielerischen Leistungen und einer soliden Inszenierung.

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Fazit: Eigenständige Fortsetzung des Klassikers mit guten Schauspielern.

© 2019 Wolfgang Brunner

Das schwäbische Sägewerkmassaker 1 & 2 (2015/ 2019)

 

Originaltitel: Das schwäbische Sägewerkmassaker
Regie: Madman Marv
Drehbuch: Madman Marv
Kamera: Ronny Zito, El Excremento
Musik: Musica Non Grata (Stephan Ortlepp)
Laufzeit: Teil 1: 23 Minuten / Teil 2: 35 Minuten
Darsteller: Teil 1 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Thomas K., Nosegrinder, Flo Grinder, Kelly Carlito
Teil 2 – Madman Marv, El Excremento, Ronny Zito, Schenzellot, Iggi Braineater, Zwenner, Christoph Choleriko, Alex Armageddon, Hugo, Joe, Nasus Grindus, Hiller
Genre: Horror, Splatter, Kurzfilm, Amateur, Independent
Produktionsland: Deutschland
FSK: ungeprüft

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Ein Serienkiller ist in Schwaben unterwegs. Er macht Jagd auf die Mitarbeiter eines Sägewerks und schreckt vor nichts zurück …

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Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich für die beiden Teile jeweils eine separate Rezension verfasse. Letztendlich habe mich aber dazu entschieden, eine Gesamtbesprechung zu schreiben, denn die Filme gehören meiner Meinung nach unbedingt zusammen, obwohl zwischen den beiden Werken ein qualitativer Unterschied besteht.
Teil 1 dieses abgefahrenen Amateursplatters wirkt tatsächlich so richtig amateurhaft, was aber wiederum absolut unterhaltsam (und äußerst sympathisch) wirkt. Man spürt den Spaß in jeder Filmminute, den die ‚Schauspieler‘, aber auch das ganze Team während der  Dreharbeiten hatten. Ich fühlte mich sofort wieder an die eigene Zeit erinnert, als ich ebenfalls solche ‚Projekte‘ mit Freunden auf die Beine gestellt habe (welcher Filmfreak hat das nicht bereits als Kind und/oder Jugendlicher gemacht? 🙂 )
Interessant sind auf jeden Fall die zahlreichen Anspielungen auf Kultfilme und Klassiker aus dem Horrorgenre. Wenn zum Beispiel Lucio Fulci als ehemaliger Chef des Sägewerks betitelt wird, finde ich das schon ziemlich geil.

Nun aber zum Inszenierungsstil beziehungsweise den Schauspielleistungen und Spezialeffekten. Man merkt eindeutig, dass Regisseur Madman Marv ein Liebhaber der 80er Jahre-Horrorfilme ist, denn in vielen Einstellungen sieht man, wie er seinen Vorbildern nacheifert und dies auch oft überzeugend erreicht. Beide Teile von „Das schwäbische Sägewerkmassaker“ darf man nicht sonderlich ernst nehmen, viel zu viel Klamauk (und Spaß an der Freude) stecken darin, aber dennoch gibt es die ein oder andere Einstellung, die ein Gespür für cineastische Dramaturgie verrät. Das Endergebnis ist schlichtweg ein absolut toller Spaß, dem man gerne zusieht. Die derben Spezialeffekte schwanken zwischen übertrieben simpel und ganz gut gelungen. Aber auch hier ist einfach ausschlaggebend, welche Intentionen dahinterstecken und man muss schon sagen, dass selbst die (für viele mit Sicherheit lächerlich wirkenden) Splattereinlagen dennoch auf gewisse Art und Weise eine Wirkung zeigen. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese mit sozusagen keinem Budget auf die Beine gestellt wurden. Ich mochte es auf jeden Fall. 😉

Schauspielerisch kann man nicht viel sagen, denn alle Akteure sind durch die Bank Amateure. Doch zumindest aus dieser Sicht haben sie ihre Sache ausnahmslos gut gemacht und, wie schon erwähnt, der Spaß ist es, der bei diesen beiden Kurzfilmen zählt. Während man den ersten Teil mit seinen übertriebenen Verkleidungen überhaupt nicht ernst nehmen kann (und auch nicht soll), sieht es beim zweiten Teil schon ein wenig anders aus. Die Schauspieler agieren bedeutend besser und auch die Inszenierung gibt sich um ein Vielfaches Mühe, etwas ernster zu wirken. Das funktioniert genauso gut wie die Effekte, die bedeutend brutaler und auch glaubwürdiger ausfallen, obwohl man sich auch hier wieder mit den einfachsten Mitteln hilft.
Erwähnenswert ist unbedingt noch der Score von Musica Non Grata, hinter dem sich Stephan Ortlepp verbirgt. Die Sounds und die Musik haben wir supergut gefallen und den Filmen zu einer Atmosphäre verholfen, die ohne die Klänge nicht vorhanden gewesen wäre.

Insgesamt haben mich beide Teile auf gewisse Art und Weise begeistert (klingt komisch, ist aber so), weil ich mich wirklich hervorragend (übrigens ohne Alkohol 😉 ) amüsiert habe und den fühlbaren Spaß der Macher beim Zusehen gespürt habe. Handlungstechnisch geben die beiden Kurzfilme nichts her, müssen sie aber auch gar nicht, denn das erwartet niemand von einem derartigen No Budget-Amateurfilm. Hier heißt es wirklich: Hirn aus und die flachen Witze und stümperhaften (aber dennoch geschickt) gemachten Effekte einfach auf sich einprasseln lassen. Es ist ein besonderer Humor, der einen hier erwartet, und man mag ihn entweder und schüttelt verständnislos den Kopf. Ich mag ihn und werde mir beide Filme bei Gelegenheit mit Sicherheit nochmals ansehen. Außerdem freue ich mich jetzt umso mehr auf den ersten Langfilm von Madman Marv mit dem Titel „Die Dämonische Mörderoma“, den René Wiesner bereits gesehen und rezensiert hat.

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Fazit: Man kann diese beiden Kurzfilme genau genommen gar nicht richtig bewerten, sondern müsste eher eine Amüsierskala einführen und verwenden. Auf dieser erreichen sie bei mir allerdings auch auf alle Fälle das obere Viertel.

© 2019 Wolfgang Brunner

Mörderspinnen (1977)

mörderspinnen

Originaltitel: Kingdom of the Spiders
Regie: John „Bud“ Cardos
Drehbuch: Alan Caillou, Stephen Lodge
Kamera:  John Arthur Morrill
Musik: Dorsey Burnette
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: William Shatner, Tiffany Bolling, Woody Strode, Lieux Dressler
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Rack Hansen ist Tierarzt und untersucht eine Reihe von mysteriösen Todesfällen von Nutztieren. Dabei findet er heraus, dass die Stadt von tödlichen Taranteln heimgesucht wird. Doch bevor er etwas dagegen unternehmen kann, werden die Straßen der Stadt bereits von den Spinnen überrannt …

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„Mörderspinnen“ ist einer jener Filme, die aus heutiger Sicht sogar noch einen größeren Kultfaktor besitzen, als sie ohnehin die letzten Jahrzehnte bereits  hatten. Das liegt vor allem daran, dass die Spinnen nicht computeranimiert, sondern echte Lebewesen sind. Gerade in der heutigen zeit macht so etwas unglaublich viel Spaß, zumal man sich dessen wieder bewusst wird, welche Kreativität und Herzblut in solchen Projekten steckt und welche Hürden die damaligen Filmemacher auf sich nehmen mussten, um ihre Vision Wirklichkeit werden zu lassen. Das verleiht diesem Edeltrashfilm eine derart wunderbare Atmosphäre, dass man ihn sofort wieder von vorne ansehen könnte, nachdem das Wort „Ende“ auf dem Bildschirm erschienen ist.
Ich habe „Mörderspinnen“ vor einigen Jahrzehnten das letzte Mal gesehen und ich muss  sagen, dass mich der Film in der nun restaurierten Fassung auf Blu-Ray von Anfang an absolut in seinen Bann gezogen hat. Die Minuten flogen nur so an einem vorbei und ich kann gar nicht sagen, an wie vielen Stellen mich ein derart wohlwollendes Nostalgiegefühl im Bauch erfasst hat, dass es eine wahre Freude war.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich gar nicht mehr so in Erinnerung hatte, dass William Shatner seine Hauptrolle nahezu perfekt meistert. Er spielt den Veterinär Rack Hansen mit so viel Charme, dass man Lust bekommt, weitere Filme mit Shatner anzusehen. Doch neben den schauspielerischen Leistungen, die übrigens allesamt sehr gut sind, überzeugen vor allem die Spezialeffekte, die vorwiegend aus über 5000 lebenden Vogelspinnen bestehen und dem Film somit eine unschlagbare Atmosphäre gegenüber den heutigen CGI-Effekteorgien geben. Der Ende der 70er Jahre entstandene Tierhorror erinnerte mich manchmal an die alten Schwarz-Weiß-Filme des Regisseurs Jack Arnold, der mich bis in die heutige Zeit mit seinen Werken begeistert. „Mörderspinnen“ reiht sich in diese Art von Filmen nahtlos mit ein und stellt für mich mehr denn je einen absoluten Klassiker dar.

Zur Bearbeitung des Filmes kann ich nur sagen, dass die Farben und die Schärfe des Bildes absolut gelungen für eine Blu-Ray-Veröffentlichung sind. Gerade unter dem Aspekt, dass keine computergenerierten Effekte Verwendung fanden, macht eine so qualitativ hochwertige Nachbearbeitung ungemein Spaß. Zudem sind auf der Blu-Ray noch einige Extras zu verzeichnen, die absolut interessant sind. Ein informatives Booklet über die Dreharbeiten rundet diese Veröffentlichung von Koch Films ab und dürfte somit jeden Fan dieses Films begeistern. Ich bin auf alle Fälle absolut angetan von dieser Neuauflage von „Mörderspinnen“ und freue mich umso mehr, dass der erste Film der Creature Feature Reihe von Koch-Media nun endlich auch auf Blu-Ray erschienen ist. Meinerseits kann ich nur eine absolute Kaufempfehlung aussprechen.

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Fazit: Ein Must See des klassischen Tierhorrorfilms in einer perfekten Edition.

© 2019  Wolfgang Brunner

Operation Mekong (2016)

mekong

Originaltitel: Méigōng Hé Xíngdòng
Regie: Dante Lam
Drehbuch: Dante Lam, Kang Ki-chu, Lau Siu-kwan
Kamera: Yuen Man Fung
Musik: Henry Lai, Kwan Fai Lam, Julian Chan
Laufzeit: 124 Minuten
Darsteller: Zhang Hanyu, Eddie Peng, Feng Wenjuan, Baoguo Chen, Chun Sun, Carl Ng, Kenneth Low, Ha Yu, Vithaya Pansringarm, Xudong Wu, Jian Zhao, Mandy Wei
Genre: Thriller
Produktionsland: China, Thailand
FSK: ab 18 Jahre

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Auf dem Mekong werden die Leichen gefunden, die aller Wahrscheinlichkeit nach mit Drogengeschäften im sogenannten Goldenen Dreieck von Laos, Myanmar und Thailand zu tun haben. Um die Morde aufzuklären, wird eine Spezialeinheit in das Gebiet geschickt. Die Spuren führen geradewegs zu Drogenbaron Naw Khar, der sein Hoheitsgebiet mit Terror und Gewalt unterjocht und beherrscht. Das Team soll seine im Dschungel gelegene Basis vernichten und die Verantwortlichen gefangennehmen.

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„Operation Mekong“ ist ein astreiner und knallharter Actionfilm, der sich dennoch von anderen Genrebeiträgen abhebt. Ich kann nicht einmal genau erklären, woran es liegt, aber ich fühlte mich bei diesem Film anders unterhalten als zum Beispiel bei einem „Expendables“-Abenteuer. Der Grund liegt wahrscheinlich in der Inszenierungsweise, denn Dante Lam ist Chinese und arbeitet nicht wie ein europäischer oder amerikanischer Regisseur, sondern eher wie John Woo. Herausgekommen ist auf jeden Fall ein sehenswerter Film, der einen die Zeit vergessen lässt und teilweise erfrischende Akzente für das Actionkino setzt. Spektakuläre Stunts und Autoverfolgungsjagden lassen das Herz eines jeden Actionfreunds höher schlagen, aber dennoch unterbrechen immer wieder ruhigere Szenen und atemberaubende Landschaftsaufnahmen das Feuerwerk. Dadurch entsteht eine angenehme Mixtur aus wilden Schießereien und nachdenklich stimmenden Bildern, die hervorragend unterhält.

An manchen Stellen hatte ich allerdings Schwierigkeiten, die Personen auseinander zu halten, das muss ich ehrlich zugeben. Das lag zum einen daran, dass die Schauspieler teilweise vermummt agierten und sich oftmals auch sehr ähnlich sahen. Trotzdem habe ich den Film verstanden, was letztendlich auch das Wichtigste ist. 😉
Da der Film teilweise auf wahren Begebenheiten basiert, wirkt der Plot natürlich weitaus schockierender und beeindruckender. Der fast eine halbe Stunde andauernde Showdown entwickelt sich dann eher schon zu einer Blockbusterinszenierung, die es allerdings wirklich schafft, dass man die Zeit vergisst. Sicherlich wirkt „Operation Mekong“ an einigen Stellen wie übertriebenste Propganda, aber darüber kann / sollte man ruhig hinwegsehen, denn man wird, wie gesagt, mit einem ordentlichen Actioner belohnt, der unglaublich viel Spaß macht.

Was ebenfalls einen Großteil der hervorragenden Atmosphäre ausmacht, ist nicht nur der professionelle Inszenierungsstil, sondern auch die bombastische Filmmusik der Herren Henry Lai, Kwan Fai Lam und Julian Chan. Auch wenn man merkt, dass an einigen Stellen schamlos von Scores von Hans Zimmer oder auch Brian Tyler „geklaut“ wurde (oftmals fühlt man sich an Hans Zimmers genialen Soundtrack zu „The Rock“ erinnert), so klingen die Kompositionen definitiv auch nach dem Film noch nach, so stilsicher und passend sind sie eingesetzt. Insgesamt ist „Operation Mekong“ ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

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Fazit: Actionreicher Bombastthriller mit ausgefallenen Stunts und tollen Aufnahmen.

© 2019 Wolfgang Brunner

Nomis (2018)

nomis

Originaltitel: Nomis
Alternativtitel: Night Hunter
Regie: David Raymond
Drehbuch: David Raymond
Kamera: Michael Barrett
Musik: Alex Lu
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Henry Cavill, Ben Kingsley, Alexandra Daddario, Stanley Tucci, Brendan Fletcher, Minka Kelly, Nathan Fillion
Genre: Thriller
Produktionsland: USA, Kanada
FSK: ab 16 Jahre

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Seit mehreren Jahren sucht sich ein Serienkiller junge Frauen über das Internet, um sie sexuell zu missbrauchen. Cop Marshall kommt mit Unterstützung des radikalen Coopers, der zusammen mit seiner Tochter Jagd auf diese Kinderschänder macht und diese durch Selbstjustiz bestraft, einem Verdächtigen auf die Spur. Es handelt sich um den psychisch gestörten Simon, der offensichtlich mehrere Identitäten annehmen kann. Doch ganz so einfach, wie es auf den ersten Anschein aussieht, ist es doch nicht …

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Keine fünf Minuten dauert es, bis Regisseur David Raymond den Zuschauer mit seinem Psychothriller in den Bann zieht. Man fühlt sich, natürlich aufgrund der Thematik Serienkiller, in der ein oder anderen Szene an „Sieben“ oder „Das Schweigen der Lämmer“ erinnert, die in diesem Genre Meilensteine darstellen. Doch auch „Nomis“ bewegt sich in diese Richtung, was vor allem am geschickten inszenierten Plot  und zum anderen an einer phänomenalen Schauspielleistung von Brendan Fletcher liegt. Dazu aber später noch. Zuerst einmal bedarf es einer Schilderung, wie atmosphärisch „Nomis“ daherkommt. Durch die Figur des behinderten Simon stellt sich sofort eine bedrückende Stimmung ein, die sich durch den kompletten Film zieht. „Nomis“ ist düster, an einigen Stellen unglaublich brutal und in seiner Charakterzeichnung der Protagonisten tiefgehender als so manch andere Genrebeitrag. „Nomis“ macht Spaß, wenn man das bei dieser Art Thematik so nennen kann, und lässt die Zeit nur so dahinfliegen.

Henry Cavill und Ben Kingsley spielen fantastisch und man nimmt ihnen ihre Rollen uneingeschränkt ab. Ebenso können Alexandra Daddario und Stanley Tucci absolut überzeugen und verleihen dem Film einen authentischen Charme. Brendan Fletcher stiehlt jedoch allen die Show, wenn er in den psychisch behinderten und gestörten Simon zum Besten gibt. Das Szenario erinnert natürlich ein wenig an „Split“, in dem ein Serienkiller ebenfalls verschiedene Identitäten annimmt, aber „Nomis“ konzentriert sich eher nur auf zwei Seiten des Killers: eine böse und eine hilflose. Dieses doppelt Ich wird von Fletcher unglaublich intensiv dargestellt und man kann an manchen Stellen gar nicht glauben, dass dieser Mann nicht tatsächlich eine geistige Behinderung hat. Für mich war diese Darstellung oscarreif, so dass der Film weitaus mehr Beachtung verdient hätte, als ihm bisher widerfahren ist.

„Nomis“ folgt natürlich gewissen cineastischen Regeln, in dem sich zum Beispiel am Ende des Films ein Endkampf / Showdown entwickelt, den man natürlich in fast jedem Thriller auf ähnliche Art zu sehen bekommt. Da hätte man sich von den Machern etwas mehr Mut und eine unkonventionellere Vorgehensweise gewünscht, aber nach diesen Regeln / Vorgaben funktioniert anscheinend das Filmgeschäft. Nichtsdestotrotz stellt dieser „Makel“ ein Jammern auf hohem Niveau dar und tut dem Gesamtergebnis keinen Abbruch. „Nomis“ ist im Thrillergenre ein Höhepunkt des Produktionsjahres 2018 und man darf gespannt sein, ob, wann und vor allem was David Raymond hier nachlegt und ob er die selbst hochgelegte Messlatte wieder erreicht. „Absence of War“ soll der Actionthriller heißen, an dem er gerade arbeitet. Auf alle Fälle ist David Raymond ein Name, den man sich merken sollte, denn mit „Nomis“ hat er einen hervorragenden, atmosphärischen, intelligenten und spannenden Thriller abgeliefert, der sich wohltuend vom Einheitsbrei abhebt.

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Fazit: Atmosphärisch, intelligent, spannend. Mit einem hervorragenden Brendan Fletcher.

© 2019 Wolfgang Brunner

Verurteilt – Jeder hat etwas zu verbergen (2018)

verurteilt

Originaltitel: Acusada
Regie: Gonzalo Tobal
Drehbuch: Ulises Porra, Gonzalo Tobal
Kamera: Fernando Lockett
Musik: Rogelio Sosa
Laufzeit: 104 Minuten
Darsteller: Lali Espósito, Gael Garcia Bernal, Leonardo Sbaraglia, Inés Estévez, Daniel Fanego, Gerardo Romano, Martina Campos
Genre: Drama, Thriller
Produktionsland: Argentinien
FSK: ab 12 Jahre

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 Zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod ihrer besten Freundin muss sich die junge Dolores vor Gericht verteidigen,da sie unter Mordverdacht steht. Während ihre Eltern das Mädchen auf den Prozess vorbereiten, kämpft Dolores mit den Dämonen ihrer Vergangenheit.

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Gonzalo Tobas Gerichtsfilm braucht nicht lange, um den Zuschauer in einen hypnotischen Sog zu ziehen, dem man bis zum Ende des Dramas nicht mehr entkommen kann. In einer wunderbar ruhigen, aber nichtsdestotrotz sehr spannenden und emotionalen Weise lässt uns der Regisseur an den Problemen und der Gefühlswelt der Protagonistin teilhaben. Präzise, aber dennoch ein wenig undurchschaubar, präsentiert Tobas den Mordfall, der den Fall des „Engels mit den Eisaugen“, Amanda Knox, als Ausgangsidee benutzt. Lali Espósito zeigt eine wirklich beeindruckende darstellerische Leistung, die sie konstant durch den ganzen Film aufrechterhält. Aber nicht nur sie, sondern auch das komplette Ensemble kann durchwegs mit seinem Agieren überzeugen.

Es ist vor allem die ruhige, und im Grunde genommen absolut unspektakuläre Inszenierung, die diesen Film so intensiv und authentisch wirken lässt. Keine reißerischen Szenen, kein blutiger Mord, der detailliert zeigt, wie jemand sein Leben verliert und keine atemberaubende Gerichtsverhandlung, bei der mit allen Mitteln um die Schuld oder Unschuld der Angeklagten gekämpft wird. Untermalt von einer fantastischen, atmosphärischen Musik wendet sich Regisseur Gonzalo Tobas vielmehr der Psyche der Protagonistin zu und zeigt, wie man innerhalb der Familie mit den Verdächtigungen umgeht. Das Ganze wirkt dabei so echt, dass man tatsächlich in manchen Momenten vergisst, einer erfundenen Geschichte beizuwohnen. Für viele ist dieser gemächliche Inszenierungsstil mit Sicherheit ein ganz großer Minuspunkt, der in der heutigen Kinowelt, in der es nur noch um „größer, besser, bombastischer“ geht, keine Chance und auch keinen Bestand hat. Für Filminteressierte, die sich für Schauspielerei und inszenatorische Feinheiten begeistern können, wird „Verurteilt“ ein kleiner Höhepunkt sein.

Wer Tobas‘ Vorgängerfilm „Der unsichtbare Gast“ kennt, weiß, was ihn bei „Verurteilt – Jeder hat etwas zu verbergen“ erwartet. Ein gefühlvolles Drama, das zwar eine schreckliche Tat erzählt, sich aber eigentlich auf etwas völlig anderes konzentriert: nämlich das Innenleben eines Menschen, der mit seinen Problemen nicht klar kommt.
Durch seine raffinierte Erzählweise wird der Film in keiner Sekunde langweilig, weil man mit der Protagonistin (und auch deren Familie) mitfiebert und wissen möchte, was wirklich geschehen ist. „Verurteilt – Jeder hat etwas zu verbergen“ ist einer jener Ausnahmefilme, die bedeutend mehr Aufmerksamkeit verdient hätten, als ihnen zukommt. Wer großes Erzählkino mag, wird an diesem Drama / Thriller nicht vorbeikommen.

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Fazit: Großartig erzähltes Drama, das durch seine ruhige Inszenierung punkten kann.

© 2019 Wolfgang Brunner

Domino – A Story of Revenge (2019)

domino

Originaltitel: Domino
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Petter Skavlan
Kamera: José Luis Alcaine
Musik: Pino Donaggio
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Carice van Houten, Guy Pearce, Søren Malling, Nicolas  Bro, Paprika Steen
Genre: Action, Thriller
Produktionsland: Dänemark
FSK: ab 16 Jahre

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Der Partner von Polizist Christian wird in Kopenhagener durch ein ISIS-Mitglied namens Imran ermordet. Christian jagt den Mörder, um den Tod seines Freundes zu rächen. Dabei gerät er immer tiefer in die terroristischen Machenschaften der ISI und schon bald beginnt für ihn ein Wettlauf gegen die Zeit, denn es geht plötzlich nicht mehr nur um Rache an seinem Partner, sondern darum, sein eigenes Leben zu behalten.

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Brian De Palma ist zurück! Auch wenn seine Filme der 90er und 2000er Jahre ansprechend und teilweise brillant waren, so besaßen sie nicht mehr den Charme seiner besten Werke wie „Schwarzer Engel“, „Carrie“ oder an erster Stelle „Dressed To Kill“.
Sieht man sich die ersten Minuten von „Domino“ an, denkt man, der Meisterregisseur wäre am Ende seiner Karriere angekommen und bringt nur noch zweitklassige Filme zustande. Doch weit gefehlt. Es dauert nicht lange und der typische Brian De Palma-Touch, den man in vielen seiner letzten Filme vermisst hat, tritt auf. Das liegt vielleicht auch am grandiosen Score von Pino Donaggio, der einen sofort wieder in die „goldene Ära“ des Regisseurs zurückwirft. Die Musik untermalt das Geschehen auf optimalste Weise und beschwört eine unglaubliche Stimmung hervor, deren Bann sich man nicht entziehen kann.

Aber nicht nur inszenatorisch und musikalisch kann „Domino“ auf ganzer Linie überzeugen. Auch die Schauspieler und der Plot vermögen zu faszinieren. Alle Akteure machen ihre Sache sehr gut und spielen überzeugend ihre Charaktere. Man nimmt ihnen jede Handlung und Äußerung ab. Die Handlung ist erschreckend realistisch und regt zum Nachdenken an. Sicherlich spielt De Palma mit Klischees, aber leider treffen die meisten dieser Dinge in der Realität zu. Religiöse Fanatiker, die über Leichen gehen, um ihren Glauben zu untermauern, sind heutzutage an der Tagesordnung und „Domino“ rückt diese „Bedrohung“ ein Licht, das einem an manchen Stellen wirklich unwohl wird. Der Plot ist auf alle Fälle äußerst zeitgemäß verfasst und spiegelt eine Welt wider, in der wir uns tatsächlich befinden. Die Thematik hat mich schon sehr betroffen gemacht und bei mir Angst vor solchen Menschen verursacht. Da hat Drehbuchautor Petter Skavlan, bekannt durch seine Skripts für „Sofies Welt“ und dem hervorragenden „Kon Tiki“, ganze Arbeit geleistet.

Wer erinnert sich nicht an die magische Szene aus „Dressed To Kill“, wenn die sexuell frustrierte Hausfrau Kate Miller durchs Museum irrt und immer wieder auf einen attraktiven Unbekannten stößt, der sie nicht aus den Augen lässt. Diese Passage wird untermalt von Pino Donaggios eindringlicher Musik und gleicht dadurch fast schon einer opernhaften Inszenierung. Eine ähnliche Szene gibt es auch in „Domino“: Wenn ein Selbstmordattentäter versucht, sich in einer gefüllten Stierkampfarena selbst in die Luft zu jagen, fühlt man sich an Brian De Palmas Meisterleistung aus „Dressed To Kill“ erinnert. Auch hier gehen Score und hypnotische Inszenierung eine Symbiose ein, die einen die Welt um sich herum vergessen lässt. Das ist ganz großes Kino ohne jeglichen Effekte-Schnickschnack. Hier zählt das Können von Regisseur, Filmmusikkomponist und Schauspielern. Solche Szenen machen süchtig und ich weiß schon jetzt, dass ich „Domino“ nicht nur einmal sehen werde. Der Film war eine absolut positive Überraschung für mich, die ich nicht so schnell vergessen werde. Brian De Palma kann es immer noch – und wie!

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Fazit: Fantastische Rückkehr von Brian De Palma zu seinen Wurzeln.

© 2019 Woilfgang Brunner