Interview mit der Schauspielerin Anita Olatunji

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© Jeanne Degraa

Anita Olatunji wurde in München geboren, verlebte aber einige Jahre in Lagos, Nigeria, und kehrte dann zurück nach Deutschland ins Ruhrgebiet.
Sie studierte an der Folkwanghochschule in Essen Schauspiel und verbrachte dann ein Jahr durch ein Stipendium an der Webber Douglas Acadamy of Dramatic Arts in London.
Nach verschiedenen Film, TV und Theaterrollen nahm sie an einem Kurs für Creative Writing in London teil und studierte dann Film und Drehbuch an der Hamburg Media School. Jetzt widmet sie sich auch dem Schreiben von Gedichten, Kurzgeschichten und Drehbüchern.

1. Wie bereitest Du Dich auf Deine Rollen vor? Nimmst Du auch schon mal eine Rolle mit nach Hause ins Privatleben?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt darauf an, wieviel Zeit mir vor dem Dreh zur Vorbereitung bleibt. Bei meiner allerersten festen Fernsehrolle (eine durchgehende Rolle als Lernschwester bei der RTL Serie „Stadtklinik“) hatte ich kaum Schauspielerfahrung, habe aber zwei Wochen lang in einem Krankenhaus auf der HNO Station ausgeholfen.
Für meine Rolle als blinde Jazzsängerin in dem Film „Auf den Zweiten Blick“ habe ich mit einer ganz fantastischen blinden Frau gearbeitet. Ich trug eine Augenbinde und wir sind zu zweit durch Berlin gelaufen und U-Bahn gefahren. Ich denke, wir haben recht viel Aufmerksamkeit erregt. Nicht sehen zu können, und ganz auf Gehör, Gespür und Blindenstock angewiesen zu sein, war eine Erfahrung, die mich bis in meine Träume verfolgt hat. 

2. Du schreibst Gedichte, Kurzgeschichten und Drehbücher. Ich bin selbst Schriftsteller und interessiere mich deshalb natürlich brennend, welchen Ursprung diese Leidenschaft hat.  Wie kamst Du zum Schreiben und kannst Du uns ein paar Vorbilder nennen?

Ich habe einen Drang zum Geschichten erzählen, ob dies nun als Schauspielerin vor der Kamera, auf der Bühne oder beim Schreiben ist. Bei Gedichten folge ich eher einem starken Gefühl, während ich bei Prosa oft von einer Figur motiviert bin, einem Charakter, der mich besonders fasziniert und meine Fantasie anregt. Vorbilder zum Schreiben sind für mich Elena Ferrante, Damon Lindelof und das Autorenteam von der dänischen Krimi-Serie „The Killing“.

3. Was macht Anita Olatunji in ihrer Freizeit? Filme schauen oder auch mal lesen? Was ist Dein bevorzugtes Genre im Film und welche Art von Büchern liest Du?

Ich lese viel und schaue auch gerne Serien Box Sets – vor allem Krimis. Besonders begeistert war ich zuletzt von Elena Ferrante. „Meine geniale Freundin“  und die drei Folgebände habe ich mir in London gekauft und in kürzester Zeit verschlungen. Spannend finde ich gerade auch Yuval Noah Hararis Buch „Sapiens“.
Ansonsten habe ich mir neuerdings angewöhnt, so viel wie möglich zu Fuss zu Terminen zu gehen, selbst wenn es mich eine ganze Stunde „kostet“: Man sieht und lernt dabei so viel Neues und Überraschendes von der Stadt, in der man lebt!

4. Auf welche Leistung als Schauspielerin bist Du besonders stolz?

Das schönste Kompliment wurde mir nach einer Kinovorführung von „Auf den Zweiten Blick“ gemacht. Es war eine Vorstellung, in der viele Sehbehinderte und Blinde mit Begleitung da waren, und dort sagten mir einige Betroffene aus dem Publikum, dass sie meine Darstellung der Jazzsängerin, die ihren Verlobten durch ihr plötzliches Erblinden verliert, echt und deshalb berührend fanden. Ich schreibe dies der grossartigen Frau zu, mit der ich üben durfte. Meine damalige Agentin sagte mir nach der Vorstellung, sie hätte an meiner Stelle einiges anders gemacht, aber das war mir nach dem Lob dieses besonderen Kinopublikums egal.

5. Welche Schauspielerin und welchen Schauspieler bewunderst Du und warum?

Ich liebe Barbara Auer, vor allem in „Polizeiruf 110 Wölfe“: Zum Niederknien. Ich habe mir kürzlich auch einmal wieder „Der Prinz von Zamunda“ angesehen und halte Eddie Murphy und Arsenio Hall für absolute Genies.  

6. Ein Künstler entwickelt sich während seiner Karriere ständig. Welche Rolle wäre Dein größter Wunsch?

Ich würde sehr gerne eine deutsche Polizistin spielen. Das ist mein absolut grösster konkreter Rollenwunsch!

8. An welchen Projekten arbeitest Du derzeit?

Ich arbeite zur Zeit an einem TV Krimi über eine afro-deutsche Polizistin mit einem sehr schwierigen Verhältnis zum Vater, die durch einen Fall mit ihrer Herkunft konfrontiert wird – ein sehr persönliches Thema für mich.

9. Was fühlt sich für Dich besser an? Für das Fernsehen oder das Kino zu drehen?

Ich liebe Fernsehen. Ich wollte schon als Kind immer zum Fernsehen, vielleicht weil ich nicht mit einer starken Kinokultur aufgewachsen bin. Das habe ich dann auf der Filmhochschule ausgiebig nachgeholt. Seitdem sind Kinodrehs für mich eine grosse Ehre, weil ich jetzt viel mehr begreife, welches Risiko bei jedem Dreh, mit jeder Entscheidung, mit jeder Besetzung eingegangen wird. Das gilt natürlich auch fürs Fernsehen.

10. Welchen Menschen aus der Gegenwart oder der Vergangenheit würdest Du gerne treffen oder hättest Du gerne getroffen?

Wenn ich für einen sehr kurzen Zeitraum in die Vergangenheit reisen dürfte, dann wäre ich gerne Augenzeuge für den Moment, als Rosa Parks sich weigerte, ihren Sitz im Bus aufzugeben und sich damit 1955 in den USA der Rassentrennung widersetzte.

11. Legst Du auch etwas Persönliches von Dir in die Rollen, die Du spielst, oder hältst Du Dich strikt an das Drehbuch bzw. die Vorgaben des Regisseurs?

Es ist immer etwas persönliches von mir in jeder Rolle, auch wenn ich mich strikt an das Drehbuch und die Vorgaben des Regisseurs halte. Letztendlich ist jede Rolle eine Kollaboration der drei Bereiche.

Film-Besprechungen bedankt sich ganz herzlich für die ausführliche Beantwortung der Fragen und wünscht Dir alles Gute auf dem privaten und beruflichem Weg.

© 2016 Wolfgang Brunner / Anita Olatunji

UFO – Es ist hier (2016)

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Originaltitel: UFO
Regie: Daniele Grieco
Drehbuch: Daniele Grieco
Kamera: Daniele Grieco
Musik: —
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Laura Berlin, Olga von Luckwald, Dennis Mojen, Leonard Hohm, Jan Walter
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland, Belgien, Luxemburg
FSK: ab 16 Jahre

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Fünf Filmstudenten beobachten eine Feuerkugel am Himmel, die wie ein Meteoriten aussieht und in einiger Entfernung einschlägt. Sie machen sich auf den Weg zum Einschlagpunkt, um das Ereignis mit ihren Kameras zu dokumentieren. In einem abgelegenen Waldgebiet finden sie schließlich die Einschlagschneise,doch da es bereits zu dunkel zum Filmen ist, richten sie sich für die Nacht ein. Am nächsten Morgen stellen sie fest, dass einer von ihnen verschwunden ist. Auf der Suche nach ihm machen sie einen grauenhaften Fund: Sie finden die zerfetzten Überreste ihres Freundes. Voller Panik  verirren sie sich im Wald und bemerken schon bald, dass sie nicht allein sind …

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Nach „Die Präsenz“ war ich natürlich sehr gespannt, wie Griecos zweiter Ausflug ins Found Footage-Genre ausfallen würde. Gerade in diesem Genre ist es bei mir immer so eine Sache, denn ich kann vielen Filmen dieser Art leider wenig bis gar nichts abgewinnen. Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder. So zählt nun auch „UFO – Es ist hier“, wie schon „Die Präsenz“, wieder dazu. Und wieder ist es die relativ ruhige, unspektakuläre Machart Griecos, die mir absolut gut gefällt und mich von der ersten Minute an fasziniert hat. Es ist einfach toll, wie hier eine wunderbar authentische Stimmung aufgebaut wird. Schon nach wenigen Minuten vergisst man, dass es sich um einen fürs Kino produzierten Film handelt, sondern glaubt tatsächlich, es wäre echtes Filmmaterial. das man zu sehen bekommt. Das hat Grieco auch schon in „Die Präsenz“ super hinbekommen.

„UFO“ lebt von dieser spannenden Inszenierung, wenngleich sich ein paar Fehler hinsichtlich der Logik, warum in genau jenem Augenblick eine Kamera läuft, eingeschlichen haben. Aber das ist in diesem Genre einfach nun mal so und muss hingenommen werden. Die Darsteller agieren ausnahmslos gut und überzeugend, was dem Film den nötigen Real-Touch gibt. Man bekommt sicherlich auch den ein oder anderen Spezialeffekt zu sehen, wird aber niemals davon erschlagen. Es spielt sich, trotz unglaublich guter Spannung, eigentlich alles relativ ruhig ab und wird niemals übertrieben hysterisch oder aufgesetzt inszeniert. Die Spezialeffekte sind auf alle Fälle super gut gelungen. An manchen Szenen kam es mir fast so vor, als hätten die Darsteller ein wenig improvisiert, um die Handlung realistischer wirken zu lassen. Sollte dies der Fall gewesen sein, ist ihnen dadurch tatsächlich gelungen, das ganze Szenario glaubwürdig aussehen zu lassen.
Wie schon bei „Die Präsenz“ webt Grieco während des Films Filmzitate und liebevolle Anspielungen auf Horror- und Science Fiction-Klassiker ein, die so richtig Spaß machen, sofern man sie entdeckt.😉

„UFO“ bewegt sich zwar auf altbewährtem Boden (man kann das Found Footage Genre ja auch schlecht neu erfinden), aber vermischt dennoch geschickt Anleihen aus den Klassikern „Blair Witch Project“, „Cloverfield“, „Alien“ und „Akte X“. Genau diese interessante Mischung kommt auch bereits im Trailer sehr gut rüber und wird beim gesamten Film durchgehend beibehalten. Es gibt zwar nur wenige Augenblicke, in denen ich wirklich erschrocken bin, aber das hat der Spannung absolut keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: Viel mehr hat mich der unterschwellige Horror und das beklemmende Gefühl, das gegen Ende des Films heraufbeschwört wird, in Bann gezogen. Am Schluss meint man, Zeuge eines globalen Ereignisses aus der Sicht von nur wenigen Menschen geworden zu sein. Das gibt dem Film am Ende noch einmal einen richtig guten Schwung, der die vergangenen Ereignisse der Stunde davor in ein vollkommen anderes Licht rückt. Gerade davon war ich wirklich sehr beeindruckt und begeistert. Man merkt diesem Film auf jeden Fall an, dass er von einem Filmfan mit Herzblut inszeniert wurde. Und, wie gesagt, Daniele Grieco schafft es, mich für Found Footage zu begeistern, obwohl ich diese Art von Film eigentlich nicht (mehr) mag.

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Fazit: Spannend, unheimlich und sehr glaubwürdig. „UFO“ hinterlässt am Ende ein wirklich komisches Gefühl im Magen. Für Freunde des Found Footage-Genres absolut empfehlenswert. Wer Kameragewackel nicht so sehr mag, sollte dennoch einmal einen Blick auf diese deutsche Produktion werfen, denn interessante Ideen sind durchaus zu verzeichnen.

© 2016 Wolfgang Brunner

The Zero Theorem (2013)

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Originaltitel: The Zero Theore
Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Pat Rushin
Kamera: Nicola Pecorini
Musik: George Fenton
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, Matt Damon, Ben Whishaw,  Tilda Swinton, Peter Stormare, Rupert Friend
Genre: Drama, Science Fiction
Produktionsland: Großbritannien, Rumänien
FSK: ab 12 Jahre

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Das exzentrische Computergenie Qohen Leth arbeitet und lebt vollkommen zurückgezogen in einer ausgebrannten Kapelle. Einzig mit der sinnlichen Bainsley genießt er virtuellen Sex und hin und wieder besucht ihn Bob, der Sohn des  Vorsitzenden der Firma, für die Qohen arbeitet.
Momentan arbeitet Qohen daran, das „Zero Theorem“ zu lösen, eine Formel, durch die sich eventuell der Sinn des Lebens bestimmen lassen könnte. Seine Arbeit daran wird zur Besessenheit, bis er erkennt, dass die Wahrheit nicht im Computer, sondern im Leben zu finden ist.

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Terry Gilliam setzt seinen Grundgedanken von „Brasil“ in diesem Film fort. Fast könnte man sagen, es ist eine Art Neuinterpretation seiner Dystopie. Man muss sich auf Gilliams Inszenierungsstil und seine Gedankenkonstruktionen einlassen, um solcherart Filme zu mögen (und vielleicht auch zu begreifen). Gilliam geht auf die heutige, hochaktuelle Problematik von Computer- und Internetabhängigkeit ein und führt uns vor Augen, wie dicht wir vor einem Abgrund stehen, der die Menschlichkeit in uns auslöscht. Jeder lebt und arbeitet für sich allein, ist menschenscheu und argwöhnisch gegenüber allem Neuen und Ungewohnten. Das Szenario, das Gilliam uns da zeigt, ist absolut düster und auf erschreckende Weise ganz dicht an der Wahrheit dran. Zumindest in einigen Belangen.
Nicht selten dachte ich für mich, dass einige der gezeigten Szenen schon heute der Wirklichkeit verdammt nahe kommen.
Die Botschaft, die uns der Regisseur aufzeigt, ist klar und eindeutig: Wendet euch wieder der Realität und dem wahren Leben zu. Aber es steckt noch so viel mehr in diesem Film, den man sich ohne weiteres öfters ansehen kann (und vielleicht auch sollte).

Christoph Waltz ist hier in einer mehr als außergewöhnlichen Rolle zu sehen. Und, um es gleich vorweg zu sagen, er meistert sie hervorragend. Seine Angst vor Menschen und seine Unsicherheit bezüglich seines eigenen Lebens nimmt man ihm in jeder Einstellung ab. Waltz zeigt, wie wandlungsfähig er ist und wie problemlos er in verschiedene, auch skurrile, Rollen schlüpfen kann. Ihm zuzusehen macht auf jeden Fall Spaß. Matt Damon tritt dagegen irgendwie in den Hintergrund, sein Charakter hinterlässt bei weitem nicht die Spuren wie der von Waltz.

Gilliam hat einen weitschichtigen Film gedreht, der dem Zuschauer so manches Mal klar macht, dass unser derzeitiges Leben von Werbung, Computern und virtuellen Realitäten dermaßen gesteuert wird, dass es einem Angst machen sollte. Der Regisseur will zeigen, wie es um uns in ein paar Jahren steht, wenn wir uns nur noch auf diese Dinge konzentrieren und das wirkliche Leben außer Acht lassen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass vielen Zusehern der Film nicht besonders gefällt, weil er wenig Action bietet und durch seine skurrile Machart auf manch einen womöglich langweilig wirkt. Wie schon erwähnt, man muss sich darauf einlassen, um die Genialität zu erkennen, die sich zwischen den gezeigten Bildern versteckt.
Zu der wirklich außergewöhnlichen und exzentrischen Stimmung gesellt sich ein wunderbar stimmiger Soundtrack von George Fenton hinzu, der das Ganze passend untermalt.
Manche Bilder erinnern an „Blade Runner“ oder „Das fünfte Element“, wobei man „The Zero Theorem“ auf keinen Fall mit diesen Filmen vergleichen kann. Es ist lediglich die Optik, die mich an die genannten Filme denken ließ.
Wer virtuelles Künstlerkino abseits des Mainstreams mag, wird mit Terry Gilliams Dystopie seine Freude haben, alle anderen werden sich im visuellen und philosophisch angehauchten Wirrwarr unwohl fühlen.

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Fazit: Visuell reizvolles Kino zum Nachdenken mit einem wunderbaren Christoph Waltz.

© 2016 Wolfgang Brunner

Der Gott des Gemetzels (2011)

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Originaltitel: Carnage
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Roman Polanski, Yasmina Reza
nach dem gleichnamigen Theaterstück von Yasmina Reza
Kamera: Paweł Edelman
Musik: Alexandre Desplat
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Jodie Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz, John C. Reilly
Genre: Drama, Literatur
Produktionsland: Frankreich, Deutschland, Polen
FSK: ab 12 Jahre

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Zwei Elfjährige prügeln sich. Daraufhin treffen sich die Eltern der beiden Jungs und versuchen, die Situation vernünftig zu klären. Doch während des Gesprächs entsteht ein immer heftig werdender Streit, der die vier Beteiligten schon bald sämtlichen guten Anstand vergessen lässt.

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Roman Polanskis kammerspielartiges Drama ist einfach nur genial. Absolut grandios wurde das Theaterstück mit einem wahrhaft göttlichen Ensemble in Szene gesetzt. Es dauert nicht lange, bis diese Beobachtung gesellschaftlicher Entgleisungen den Zuschauer in den Bann zieht. Man kann sich schwer diesen bitterböse, sarkastischen und teilweise absolut realistischen Dialogen entziehen, die da siebzig Minuten lang auf einen einprasseln. Während des Films dachte ich immer nur abwechselnd: Jodie Foster ist am besten, nein Christoph Waltz … ähm Kate Winslet hat’s aber echt drauf, wow, John C. Reilly ist aber auch nicht ohne.
Es ist eine wahre Freude, wie sich die vier Schauspieler gegenseitig übertrumpfen und dennoch auf fabelhafte Weise ergänzen.

Man mag verschiedener Auffassungen sein, was die im Film vorkommenden Erziehungsmaßnahmen bzw. die Forderungen der Elternpaare an die jeweils anderen betrifft. Aber dennoch zeigt der Film eine Wirkung, die es in sich hat, die aufzeigt, wie sehr wir uns von einem echten Problem entfernen können und uns letztendlich mit Hingabe völlig anderen Streitpunkten zuwenden. Man kommt während einer Diskussion bzw. einer Auseinandersetzung von einem Punkt zu anderen, entfernt sich vom wesentlichen und geht immer mehr unter die Gürtellinie. Polanski zeigt auf, wie sich Menschen während eines Streites und unter Alkoholeinfluss verändern,  wie unbeherrscht und unfair sie werden können. Die vier Schauspieler reizen diese Situation mit ihrem unglaublichen Können vollends aus, zeigen sich in den unterschiedlichsten Stimmungsvarianten und beweisen, welch gute SchauspielerInnen sie sind. Das trifft uneingeschränkt auf alle vier Darsteller zu, die mich während der gesamten Filmdauer mit ihrem Schauspiel derart hypnotisiert haben, dass es kaum zu glauben ist. Man bekommt von jedem eine oscarreife Schauspielerleistung zu sehen.

Polanski hat ein cineastisches Meisterwerk geschaffen, einen Dialogfilm, wie man ihn meist nur noch aus früheren Zeiten kennt. Keine Spezialeffekte, kein hochkomplizierter Plot und keine bombastische Musikuntermalung, die den Kinosaal zum Dröhnen bringt. „Der Gott des Gemetzels“ ist ein ruhiger, nachdenklicher, böser, satirischer und manchmal erschreckender Film über die Spezies Mensch, die sich in bestimmten Situationen zu einer Art Tier zurück entwickelt und seine Zivilisiertheit vergisst. Auch wenn der ein oder andere behauptet, das alles sei ein wenig übertrieben, letztendlich werden viele solcher Gespräche zwischen Erwachsenen zumindest in ähnlicher Form ablaufen, während die Streitobjekte – nämlich die Kinder – schon längst die Sache unter sich geregelt haben.
Für mich ist Polanskis Umsetzung des bekannten Theaterstücks eine ganz große Entdeckung, die ich mir mit Sicherheit noch einmal ansehen werde. Alleine Kate Winslet als Betrunkene ist schon Grund genug, hinzu kommt dann auch noch John C. Reillys, vor allem gegen Ende des Films, beeindruckende Darstellung. Aber auch Jodie Foster und Christoph Walz sind … siehe oben.🙂
Man kann sich wirklich nicht entscheiden, welche der Schauspielerinnen oder welcher der Schauspieler am besten ist. Einfache Antwort: Alle vier!

Roman Polanski ist mit „Der Gott des Gemetzels“ großartiges, beeindruckendes Schauspielkino gelungen. Ein agressives Spiegelbild unserer Gesellschaft, die einen Konflikt aus einer Situation heraufbeschwört, die eigentlich keiner Auseinandersetzung bedürfte. Die Betroffenen bilden lediglich die Arena für einen Streit, den man mit verbalen Beleidigungen zu lösen versucht und dabei den Blick auf das Wesentliche verliert.
Darstellerkino vom Feinsten!

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Fazit: Hier wird noch echte Schauspielkunst gezeigt. Unbedingt ansehen. Polanski in Hochform!

© 2016 Wolfgang Brunner

Everest (2015)

Everest

Originaltitel: Everest
Regie: Baltasar Kormákur
Drehbuch: William Nicholson, Simon Beaufoy
Kamera: Salvatore Totino
Musik: Dario Marianelli
Laufzeit: 120 Minuten
Darsteller: Jason Clarke, Josh Brolin, John Hawkres, Robin Wright, Sam Worthington, Keira Knightley, Emily Watson, Jake Gylenenhaal, Michael Kelly
Genre: Abenteuer
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Zwei Expeditionen machen sich auf den Weg, den Gipfel des Mount Everest zu bezwingen. Durch einen plötzlichen, starken Wetterwechsel entwickelt sich der Aufstieg zu einem lebensgefährlichen Kampf, bei dem die beiden Teams zur Zusammenarbeit gezwungen sind.

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„Everest“ erzählt die tragischen Ereignisse einer wahren Begebenheit nach, kann aber durch die begrenzte Dauer eines Spielfilms nicht alle Einzelheiten behandeln. Dem ein oder anderen, der sich mit dem wirklichen Drama aus dem Jahr 1996 auseinandergesetzt hat, mag das vielleicht sauer aufstoßen, ich für meinen Teil fand die Umsetzung mehr als gelungen.
Die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen haben mich vom ersten Augenblick an in  ihren Bann gezogen ( vor allem in 3D!). Das ist unglaublich authentisch in Szene gesetzt, so dass man sich sofort mittendrin fühlt und die Schönheit der Natur ebenso spürt wie ihre brutale, unbarmherzige Härte. Regisseur Baltasar Kormákur baut die Handlung geschickt auf und fängt das Ganze eher harmlos an, wie es die Teilnehmer wohl auch empfunden haben. Man nimmt als Zuschauer teil an der Vorfreude, den höchsten Berg des Himalaja zu besteigen, und fühlt förmlich den Nervenkitzel der Teilnehmer. Doch schon bald gerät das Abenteuer außer Kontrolle und die Menschen kämpfen um ihr Leben.

Beeindruckend in seiner Darstellung als Leiter einer der beiden Expeditionen ist Jason Clarke, der seine Rolle dermaßen überzeugend und emotional spielt, dass er aus meiner Sicht eine Oscarnominierung verdient hätte. Mit anhaltender Begeisterung verfolgte ich vor allem sein Schauspiel während des ganzen Films. Clarke hat es dadurch auch geschafft, die ganzen anderen Stars wie zum Beispiel Josh Brolin, Robin Wright, Sam Worthington, Keira Knightley, Emily Watson oder Jake Gylenenhaal an die Seite zu spielen. Sicherlich sind alle anderen beteiligten Schauspieler absolut Spitze in diesem Film, aber keiner kann Clarke das Wasser reichen.😉

Kormákur inszenierte die tragische Bergbesteigung überzeugend und erschreckend realistisch. Manchmal ist es für den Zuschauer fast schon unerträglich, den Strapazen und Gefahren der Protagonisten beizuwohnen. Hinzu kommt, dass bestimmte Szenen wirklich sehr emotional sind, obwohl durch die Dauer des Films nicht allzuviel persönliche Bindung zu den Akteuren aufgebaut werden kann. Diese Bindung funktionierte, zumindest bei mir, eben nur zu dem von Clarke dargestellten Bergführer Rob Hall. Mit ihm fieberte ich mit, litt und hoffte. Das ging, wie gesagt, bei manchen Szenen an die Substanz.😉
Erfreulicherweise wurde aus meiner Sicht niemals etwas übertrieben dargestellt, aber dennoch eine unglaubliche Spannung aufgebaut. Selbst Menschen, die nichts mit Bergsteigen anfangen können, werden sich diesem faszinierenden Trip nicht entziehen können. Ich könnte mir den Film schon wieder ansehen, so begeistert hat er mich. Hinzu kommt die fantastische Musik von Dario Marianelli, die sowohl die ruhigen wie auch die dramatischen Momente hervorragend untermalt. Die gezeigten, teils bombastischen Naturaufnahmen wirken dadurch unglaublich intensiv.

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Fazit: Bildgewaltiges und durch die Darstellung von Jason Clarke sehr emotionales Bergsteigerdrama, das man nicht so schnell vergisst.

© 2016 Wolfgang Brunner

Interview mit dem Komponisten Klaus Pfreundner

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© Jürgen Wunderlich

Klaus Pfreundner kam als Sohn eines Musikers zur Welt und bekam natürlich die Musikbegeisterung bereits „in die Wiege“ gelegt. Mit sechs Jahren erlernte er schon Akkordeon, Gitarre und Trompete.
Im Alter von 12 Jahren entdeckte er dann das Klavier und gründete zeitgleich seine erste Band namens Radspitz, mit der er noch heute aktiv tätig ist.
Nach einer Ausbildung an der Berufsfachschule für Musik in Kronach besuchte Pfreundner anschließend das Konservatorium für Musik der Stadt Nürnberg.
Nach professionellen Erfahrungen im Bereich Tonstudio folgte das Komponieren von eigenen Stücken. Durch das Projekt „.Amadeus rockt.“ mit den Hofer Symphonikern erwachte im Jahr 2006 Pfreundners neue Leidenschaft, nämlich die Filmmusik.

Ich freue mich sehr, dass der Komponisten für Film-Besprechungen einige Fragen beantwortet.

1. Deine Klänge zum aktuellen Remake „Blood Feast“ von Marcel Walz sind oftmals sehr ruhig und pianolastig. Orientierst Du Dich dabei an klassischer Musik oder wo finden sich Deine Vorbilder?

Als Pianist tendiere ich natürlich immer zuerst zum Piano.
Mit diesem Instrument kann ich Emotionen einfach am besten ausdrücken und auch transportieren.
Lustige Geschichte am Rande: Dem ersten Schnitt von „Blood Feast“ fehlte die Eröffnungsszene, was ich aber zu diesem Zeitpunkt nicht wusste. Ich begann also mit der für mich ersten Szene des Films und komponierte dafür ein leichtes Pianothema mit Variationen.
Ca. drei Wochen später bekam ich dann von Kai Bogatzki einen neuen Filmschnitt. Du kannst dir denken, wie überrascht ich war. Die Eröffnungsszene von „Blood Feast“ ist ja absolut extrem!
Im ersten Moment war ich natürlich irritiert und nicht mehr sicher, ob mein Pianothema nach dieser Eingangsszene funktionieren kann. Ich nahm die Musik erstmal heraus, doch Marcel Walz hatte sich schon so sehr in das Pianothema verliebt, dass er es drin lassen wollte. Und die Entscheidung war goldrichtig!
Na ja, und so blieb es dann im weiteren Verlauf des Film bei dieser Kombination. Piano für die Emotionen und der Rest ist extreme Eskalation.
Um nochmal kurz auf deine Frage zu kommen:
Natürlich ist die klassische Literatur ein großer Topf, aus dem ich auch gerne schöpfe. Es verbietet sich für mich aber, nur platt zu kopieren. Ich denke, es geht mir wie allen Komponisten dieser Welt beim täglichen Prozess des Schaffens: Ich bin immer auf der Suche nach dem Eigenständigen im großen Universum des schon Vorhandenen.
Vorbilder habe ich nicht explizit, es faszinieren und inspirieren mich viele Künstler quer Beet.

2. Wie muss ich mir Deine Arbeit vorstellen? Komponierst Du schon, bevor Du etwas von dem Film gesehen hast oder gehst Du erst am Ende ans Werk?

Meine kompositorische Arbeit beginnt meist dann, wenn ich den ersten Schnitt des Films in meinen Händen halte.
Vorab bekomme ich ab und an auch schon mal das Drehbuch und kann mich – ähnlich wie ein Schauspieler – in den Film einlesen.
Bei „Blood Feast“ habe ich schon weit vor Beginn der Dreharbeiten auf Wunsch von Marcel Walz das „Main Theme“ geschrieben, welches am Schluss des Filmes erklingt.
Dabei bestand die Aufgabe darin, möglichst viel von der originalen Filmmusik aus dem Jahr 1963 in den neuen Score einzubinden.
Das war auch ein sehr interessanter Prozess, da die Originalmusik von „Blood Feast“ sehr minimalistisch ist.

3. Welche sind die Deiner Meinung nach besten Filmmusiken aller Zeiten?

Ich bin ein großer Bewunderer von John Williams’ Arbeit. Daher auch leider befangen. Für mich hat er einige der bedeutsamsten Filmmusiken geschrieben.

4. Was macht Klaus Pfreundner in seiner Freizeit? Welchen Hobbys gehst Du nach?

Wenn ich freie Zeit habe, gehe ich gerne Biken. Viel zu selten besuche ich dann auch mal Freunde. Und dann versuche ich mich auch ab und zu mal in der Kunst, NICHTS zu tun (was gar nicht so einfach ist).

5. Fünf spontane Antworten auf Namen:

– Michael Jackson

Schade. Ich wünschte, er wäre noch da.

– Jerry Goldsmith

Star Trek. Ich liebe es!

– John Carpenter

The Fog – mein erster Horrorfilm.

– Philip Glass

The Truman Show. Klasse Film, klasse Score.

– Marcel Walz😉

Ein toller Typ.

6. Was wäre Dein größter Traum als Filmmusik-Komponist?

And the Oscar goes to… Und bis es soweit ist, wäre ein weiterer Traum von mir, einmal Musik für einen Tatort zu schreiben.

7. Welche Musikrichtung bevorzugst Du privat?

Quer Beet. Privat höre ich gerne coole Musik z.B. Ed Sherran oder James Bay. Ich mag Künstler, die authentisch sind und auch ein oder mehrere Instrument spielen. Das kann dann aber auch z.B. Stefan Dettl und seine LaBrassBanda sein. Aktuell habe ich auch eine Rammstein-Phase. Ich finde es für mich gut, dass ich da wenig Berührungsängste habe. Alles ist interessant, wenn ich mich dafür interessiere.

8. Was sind aus kompositorischer Sicht Deine größten Herausforderungen?

Die richtige Stimmung für den Film als Ganzes zu finden. Und mich dann aus Zeitgründen musikalisch nicht zu wiederholen, das ist die größte Herausforderung für mich.

9. Welche Persönlichkeit aus der Vergangenheit hättest Du gerne einmal kennengelernt?

Jesus von Nazareth – das wäre sicher interessant geworden.🙂

10. Gibt es schon neue Musikprojekte? Darfst und willst Du uns schon etwas darüber verraten?

Na klar. In meinem Studio geht selten das Licht aus. :) 
Vor kurzem habe ich mit meiner Band RADSPITZ (http://www.radspitz.de) einen neuen Song produziert. Der Song heißt „Der Isländer“. Gerade arbeiten wir an der englischen Version. Auch eine Dance Version ist in Arbeit.
Dann entsteht gerade das erste Album der NEWCOMER Band ANGIZ (http://www.angiz.de) für die ich einige Keyboardsachen einspielen werde. Die Jungs stehen im Newcomer Contest 2016 von Bayern 3 und machen tolle Mukke!
Das nächste Filmmusikprojekt steht Anfang des kommenden Jahres auf dem Plan. Und wie es eben so üblich ist, darf ich im Vorfeld noch nichts darüber sagen. Es wird mir nicht langweilig. :-)

11. Was sind die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben.

Gesundheit

Familie und Freunde

Vertrauen

Freiheit

Emphatie

Ich bedanke mich ganz herzlich für die tollen Antworten und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

Ich bedanke mich auch bei dir für die interessanten Fragen und wünsche Dir ebenfalls alles Gute für die Zukunft.

© 2016 Wolfgang Brunner / Klaus Pfreundner

Blood Feast (2016)

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Originaltitel: Blood Feast
Regie: Marcel Walz
Drehbuch: Philip Lilienschwarz
Kamera: Roland Freitag
Musik: Klaus Pfreundner
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Robert Rusler, Caroline Williams, Sophie Monk, Sadie Katz, Roland Freitag, Wilfried Capet, Max Evans, Annika Strauss, Liliana Nova, Methisa Schaefer, Gioele Viola, Herschell Gordon Lewis
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Fuad Ramses betreibt in Paris ein amerikanisches Restaurant, hat aber in einem Museum für ägyptische Kultur einen zweiten Job. Während einer seiner Nachtschichten fühlt er sich zu der Statue der Göttin Ishtar hingezogen, die in Visionen mit ihm zu sprechen beginnt. Fuad verfällt der Gottheit und möchte ihr seine Verehrung durch ein Festmahl beweisen, bei dem er ihr  Menschen als Opfergabe bereiten will. Fuad verfällt immer mehr dem Wahnsinn und einem Blutrausch. Er mordet, um das blutige Festmahl für Ishtar so schnell wie möglich abhalten zu können …

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Herschell Gordon Lewis Originalfilm „Blood Feast“ aus dem Jahr 1963 gilt als erster Splatterfilm überhaupt und ist mittlerweile, trotz vieler (teils ungewollter) Schwächen ein Kultfilm. Nun hat sich der deutsche Regisseur Marcel Walz (unter anderem Raw“, „La Petit Morte 1 & 2“, „Seed 2“ und „#funnyFACE“, um nur ein paar seiner Filme zu nennen) und Drehbuchautor Philip Lilienschwarz („Absolutio – Erlösung im Blut“) einer Neuinterpretation angenommen.
Und, ich muss schon sagen, das Projekt ist vollends gelungen. Walz entwickelt sich mit jedem Film sichtlich weiter und hat mit dem Remake von „Blood Feast“ seinen bis dato eindeutig besten und handwerklich perfektesten Film abgeliefert. Da stimmt so ziemlich alles.

Was mir persönlich außerordentlich gut gefällt, ist die Tatsache, dass hier nicht nur eine blutige Gewalt- und Torture-Orgie im Vordergrund steht, sondern eine Geschichte erzählt wird, die im Gegensatz zum Original, bedeutend mehr Tiefe besitzt. Vor allem die immer wieder eingesetzten ruhigen Szenen, die übrigens absolut genial musikalisch von Klaus Pfreundner untermalt wurden, lassen eine sehr schöne Stimmung aufkommen, die mich so richtig in den Bann gezogen hat. Pfreundners Soundtrack trägt einen großen Teil zu dieser Atmosphäre bei.
„Blood Feast“ ist teilweise richtig atmosphärischer Horror geworden, der sämtliche Fehler des Originals mühelos kompensiert und eine faszinierende Neuinterpretation des Stoffes abgibt. Drehbuchautor Lilienschwarz hat die Grundstory des Originals zwar übernommen, ist aber zusätzlich einen konsequent eigenen Weg gegangen, der den Plot um Längen verbessert.
Nicht übertrieben, sondern nur immer dann, wenn es passt, werden blutige Goreszenen in die ansonsten relativ ruhige Inszenierung eingefügt, so dass im Endeffekt ein wirklich ansprechender Film dabei herausgekommen ist. Splatterfans werden dennoch ihre Freude an den Effekten von Megan und Ryan Nicholson (u.a. „Riddick – Chroniken eines Kriegers“, „Extraterrestrial“ , oder „Warcraft: The Beginning“) haben.
Kai E. Bogatzki, der bereits schon für den Schnitt vieler Filme von Marcel Walz und auch Timo Rose verantwortlich war und momentan an seinem ersten Langfilm „Scars Of Xavier“ arbeitet, hat wieder wunderbare Arbeit geleistet und einen hypnotischen Vorspann abgeliefert.

Bei der Auswahl der Schauspieler hat Walz ein gutes Händchen bewiesen. An erster Stelle steht eindeutig Robert Rusler, den vielleicht einige noch aus „L.I.S.A. – Der helle Wahnisnn, „Nightmare 2“, „Vamp“ und Stephen Kings „Manchmal kommen sie wieder“ kennen. Mittlerweile ist er älter geworden und in manchen Einstellungen sieht er sogar aus wie George Clooney😉, das aber nur am Rande.
Rusler hat sichtlich Spaß an seiner Darstellung des Psychopathen Ramses. Von Anfang an geht er in seiner Rolle auf und kann durch sein Charisma beeindrucken. Durch ihn wird „Blood Feast“ zu einem echten Erlebnis und ich habe ihm seine Schauspielerei in jeder Sekunde abgenommen. Top!
Aber auch Caroline Williams als seine Frau konnte mich absolut überzeugen, genauso wie Sophie Monk als Tochter. Kameramann Roland Freitag gibt einen überzeugenden Polizisten ab und Sadie Katz, wenngleich nicht oft zu sehen, spielt die Rolle der Göttin Ishtar mysteriös und sexy.
Das Wiedersehen mit Max Evans in der Rolle des Mathis hat mich total gefreut, denn auch hier kann er zeigen, was er kann, auch wenn es leider keine echte Hauptrolle war. Annika Strauss, die bereits in vielen Filmen von Marcel Walz, mitgespielt hat, verkörperte die Lilou souverän und überzeugend.
Auch die Nebendarsteller gefielen mir durchweg. Als besonderes „Schmankerl“ bekommt der Zuschauer sogar Herschell Gordon Lewis, den Regisseur des Originals, in einer kurzen Szene zu sehen.

Mit „Blood Feast“ hat Marcel Walz nicht nur eine enorm positive Entwicklung seines Handwerks bewiesen, sondern dem kultigen Originalfilm eine würdige Hommage bereitet. Walz‘ Film geht einen realistischeren und härteren Weg als das Original, macht die Handlungsweisen des Protagonisten auf gewisse Art und Weise nachvollziehbar und dadurch erschreckend authentisch.
Bleibt abzuwarten, ob und vor allem in welcher Schnittfassung „Blood Feast“ auch Deutschland erreicht. Wünschenswert wäre es.

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Fazit: Marcel Walz‘ bisher bester Film. So lasse ich mir eine Neuinterpretation eines eher mäßig inszenierten Originals gefallen. Robert Rusler glänzt in der Hauptrolle und Klaus Pfreundner liefert dazu einen würdigen Klangteppich.

© 2016 Wolfgang Brunner