Pod (2015)

Pod

Originaltitel: Pod
Regie: Mickey Keating
Drehbuch: Mickey Keating
Kamera: Mac Fisken
Musik: Giona Ostinelli
Laufzeit: 78 Minuten
Darsteller: Lauren Ashley Carter, Dean Cates, Brian Morvant, Larry Fessenden, John Weselcouch
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Die Geschwister Ed  und Lyla machen sich auf den Weg zu ihrem Bruder Martin, der in einem abgelegenen und verschneiten Haus in Maine lebt. Als sie ankommen, werden sie von ihm mit einer Flinte begrüßt. Martin scheint den Verstand verloren zu haben und faselt etwas von einer Alien-Verschwörungstheorie. Er behauptet, im Keller etwas Böses gefangen zu halten. Die Situation gerät immer mehr außer Kontrolle und bald entbrennt ein Überlebenskampf für Ed und Lyla.

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„Pod“ fängt richtig gut an und wirft den Zuschauer ohne Umwege in eine spannende Handlung. Auch wenn es dann etwas ruhiger zugeht, baut der Film dennoch eine stimmungsvolle Atmosphäre auf, die einen packt. Manachmal merkt man dem Streifen das geringe Budget an, manchmal aber auch nicht. „Pod“ ist nicht schlecht, aber auch irgendwie nicht richtig gut. Höchstwahrscheinlich liegt es daran, weil einem durch das Cover und die reißerische Inhaltsangabe ein falsches Bild vermittelt wird. „Pod“ legt nämlich mehr Wert auf Dialoge (die kosten schließlich nicht so viel 😉 ) und weniger auf Schauwerte. Ich persönlich fand das gar nicht mal so schlecht, weil der Plot dadurch ein wenig realistischer wirkte und die vereinzelten Schockmomente dadurch eine bessere Wirkung zeigten. Ein paar unerwartete Wendungen lassen den dialoglastigen Film aus meiner Sicht auch nicht langweilig wirken.

Es stimmt sicherlich, dass „Pod“ an einigen Stellen tatsächlich an Akte X-Folgen erinnert, aber Regisseur Keating verneigt sich eher vor der Kultserie anstatt sie lieblos zu kopieren. Er schafft mit seinem „kleinen“ Film eine wirklich tolle Atmosphäre, was auch an dem gut gewählten Schauplatz liegt. Manchmal erinnerten mich die Verschwörungstheorien nicht nur an Akte X, sondern auch an M. Night Shyamalans „Signs“. Schauspielerisch haben mich alle drei Hauptakteure überzeugt, wenngleich manches an einigen Stellen übertrieben auf mich wirkte. Aber das sind persönliche Empfindungen, die jeder anders sieht. Inszenatorisch zeigt Keating ein Händchen für mystisch wirkende Bilder und einen geradlinigen Stil, der zu unterhalten und fesseln weiß. Und dennoch fehlt „Pod“ am Ende dann trotzdem das gewisse Etwas. Ich kann es nicht einmal genau erklären, was genau es ist, dass mich störte oder mir fehlte. Fakt ist, dass es leider so ist.

Wie gesagt, ich will dem Film keine Atmosphäre und Spannung absprechen (die sind beide gegeben), aber man hätte auch mit geringerem Budget etwas mehr herausholen können. Insgesamt hat mich „Pod“ aber dennoch überzeugt, vor allem, wenn man bedenkt, dass es einfach keine Großproduktion ist. Man spürt das Herzblut, dass in dem Streifen steckt und das alleine macht vieles wett.
Der Soundtrack hat mich begeistert, weil er mich zum einen an manche Filmmusik aus den 80er Jahren erinnert hat, und er zum anderen die bedrückende Atmosphäre hervorragend unterstrichen hat. All diese Dinge sind letztendlich ausschlaggebend, dass mir „Pod“ trotz der obengenannten Abstriche dennoch gefallen hat.

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Fazit: Wer nicht zu viel erwartet, wird mit einem schön fotografierten, gut inszenierten und stimmungsvollen B-Movie belohnt, der durchaus zu unterhalten vermag.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Stranger Things – Season 1 (2016)

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Originaltitel: Stranger Things
Regie: The Duffer Brothers, Shawn Levy
Drehbuch: The Duffer Brothers, Jessica Mecklenburg, Justin Doble, Alison Tatlock, Jessie Nickson-Lopez
Kamera: Tim Ives, Tod Campbell
Musik: Kyle Dixon, Michael Stein
Laufzeit: 8 Folgen á 41-54 Minuten
Darsteller: Winona Ryder, David Harbour, Finn Wolfhard, Millie Bobby Brown, Gaten Matarazzo, Caleb McLaughlin, Natalia Dyer, Charlie Heaton, Cara Buono, Matthew Modine
Genre: Horror, Science Fiction, Mystery, Drama, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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In der Kleinstadt Hawkins verschwindet der Junge Will spurlos. Seine verzweifelte, alleinerziehende Mutter wendet sich an die örtliche Polizei, während sich  Wills drei besten Freunde auf die Suche nach ihm machen und im Wald auf ein verstörtes Mädchen mit kahlgeschorenen Haaren stoßen. Wie sich wenig später herausstellt, hat sie paranormale Fähigkeiten und  behauptet, sie hätte Informationen über den Aufenthaltsort des vermissten Jungen. Plötzlich verschwindet ein weiterer Jugendlicher und die Sache nimmt immer mysteriösere Ausmaße an.

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Schon nach der ersten Folge wusste ich, dass sich „Stranger Things“ zu einer meiner Lieblingsserien der Neuzeit entwickeln würde. Die Stimmung, die alleine schon durch die grandiose Musik vermittelt wurde, hat mich vollkommen in ihren Bann gezogen. Aber es ist nicht nur die synthesizerlastige Musik, die den Charme dieser Netflix-Serie ausmacht: da wäre noch der Plot, die unglaublich gut gelaunten und fähigen Schauspieler, die diversen Anspielungen auf Filme der 80er Jahre und und und …
„Stranger Things“ ist fast schon eine Offenbarung für Menschen wie mich, die mit Filmen von Steven Spielberg, John Carpenter, Joe Dante und Ridley Scott aufgewachsen sind. Da purzeln die Hinweise auf besagte Regisseure und deren Filme nur so durch die acht Folgen des Mystery-Horror-Science Fiction-Dramas, dass es eine wahre Freude ist. Da hängen Plakate von „Tanz der Teufel“ und Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ an den Wänden der Jugendlichen, da werden Szenen aus „Alien“ oder „E.T“ liebevoll in eine eigenständige Handlung verpackt, so dass man schon der nächsten Einstellung entgegenfiebert, welcher Kultfilm aus den 80er Jahren sich darin eventuell verstecken könnte. Unter anderem hat es J.J. Abrams mit „Super 8“ vorgemacht, „Stranger Things“ perfektioniert diese Hommage an die 80er.

Aber nicht nur die geniale Musik von  Kyle Dixon und Michael Stein schafft die wunderbare Atmosphäre dieser Serien-Perle, man bekommt auch noch Hits von unter anderem The Clash, Foreigner, Echo & The Bunnymen, Tangerine Dream(!), Peter Gabriel,  Jefferson Airplane, Corey Heart und Vangelis(!) zu hören. Als Vangelis‘ wunderbarer Song „Fields Of Corals“ in der siebten Episode erklang, hatte ich buchstäblich Gänsehaut. Perfekt eingesetzte Musik …
Man fühlt sich in Zeiten von Joe Dantes „Explorers“, Spielbergs „E.T.“ und teilweise sogar an David Lynchs Kultserie „Twin Peaks“ zurückversetzt. Von den Kritikern wurde behauptet, dass „Stranger Things“ zwar als Hommage an die „alten“ Filme hervorragend funktionieren würde, sich aber nicht als eigenständige Serie behaupten könne. Diesen „Vorwurf“ kann ich absolut nicht nachvollziehen, denn die Drehbuchautoren haben sehr wohl eine eigenständige Handlung entworfen, die eben in vielen Dingen an die genannten Vorbilder erinnert. Aber eigenständig und gut durchdacht ist der Plot sehr wohl. Oft könnte man dem Irrglauben verfallen, Stephen King hätte seine Finger mit ihm Spiel gehabt (wahrscheinlich auch von den Autoren beabsichtigt, denn nicht umsonst erinnert der Schriftzug der Serie irgendwie an Stephen King).

Es gibt zudem ein Wiedersehen mit Winona Ryder, das unglaublich Spaß macht. Sie zeigt in ihrer Rolle, was sie (noch immer) drauf hat und kann vollends als sorgende Mutter überzeugen. Die Kinder in den Hauptrollen sind der Knaller. Sie spielen so professionell, dass man einfach nur begeistert sein kann. Wie sie miteinander umgehen, ihre Witze und die Mimik – da passt einfach alles. Ich bin absolut begeistert. Auch David Harbour (zurzeit in „Suicide Squad“ zu sehen) hat mich in seiner Rolle als Sheriff Jim Hopper uneingeschränkt überzeugt.  „Stranger Things“ kann also auch schauspielerisch vollkommen punkten.
Einige Handlungsstränge bleiben offen,  aber das wäre eigentlich nicht weiter tragisch, denn so ein mystisch, verrätseltes und offenes Ende hat schon auch eine gewisse Wirkung. Aber mittlerweile sind die Weichen für eine zweite Staffel wohl gestellt und die Macher können offene Fragen beantworten. 😉

Atmosphärisch, unheimlich, witzig, spannend, mysteriös … Alles ist vorhanden!

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Fazit: Cooler Plot, wahnsinnig gute Schauspieler, spitzenmäßige Musik … Die Hommage an die 80er-Jahre ist vollauf geglückt. Unbedingt ansehen!

© 2016 Wolfgang Brunner

American Horror Story – Freakshow – Season 4 – (2015)

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Originaltitel: American Horror Story – Freakshow
Regie: Bradley Buecker,  Michael Uppendahl, Ryan Murphy, Loni Peristere,  Craig Zisk
Drehbuch: Brad Falchuk, Ryan Murphy, James Wong, Tim Minear, John J. Gray, Jennifer Salt, Jessica Sharzer, Crystal Liu, Todd Kubrak, Ned Martel
Kamera: Michael Goi, Chris Manley
Musik: Mac Quayle
Laufzeit: 13 Episoden á 38 – 54  Minuten
Darsteller: Jessica Lange, Frances Conroy, Sarah Paulson, Finn Wittrock, Evan Peters, Lily Rabe, Emma Roberts, Kathy Bates, Angela Bassett, Dennis O’Hare, Skyler Samuels, Patti LaBelle, Michael Chiklis, Naomi Grossman
Genre: Horror, Mystery, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Elsa Mars ist die Leiterin eines Wanderzirkus mit einer Gruppe menschlicher „Kuriositäten“. Im Jahre 1952 versucht sie verzweifelt in der verschlafenen Kleinstadt Jupiter mithilfe ihrer Freaks zu überleben. Ein zweiköpfiger Zwilling, eine bärtige Frau, ein im Kern lieber Muskelprotz und dessen Frau mit drei Brüsten sind nur einge der Mutanten. Doch dann bedroht eine dunkle Macht das Leben der Stadtbewohner und der Freaks …

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Ich war sehr gespannt, wie sich die Horrorserie nach der für mich eher schwächeren Staffel „Coven“ in der vierten Runde entwickeln würde. War ich schon von Season 1 und 2 absolut begeistert, so kann ich meine Begeisterung für die vierte Show schwer in Zaum halten. Was für eine emotionale, schauspielerische Wahnsinnsleistung von Jessica Lange. Aber auch alle anderen Beteiligten zeigen hier ihr geniales Können. Da gab es keinen Charakter, der störend oder unausgegoren wirkte, da passte einfach alles.
Sarah Paulson als zweiköpfiger Zwilling war einfach nur beeindruckend. Sie schaffte es wirklich, die beiden teils unterschiedlichen Charaktere hervorragend darzustellen. Auch Evan Peters in der Rolle des Jimmy Darling hat mich dieses Mal so richtig überzeugt. Michael Chiklis als im Grunde genommen herzensguter Muskelprotz hat es mir ebenso angetan wie Frances Conroy als Witwe Gloria Mott. Kathy Bates als bärtige Frau hat eine unglaublich gute Darstellung abgeliefert, die ihr absolut authentisch gelang.
Unbedingt erwähnt werden muss auch Naomi Grossman, die eine geistig behinderte Frau mit Mikrozephalie darstellt, hat mich besonders in einer Folge (Episode 10: „Waisen“) förmlich umgehauen und zu Tränen gerührt. Sie hat dermaßen emotional gespielt, das es schon fast weh tat.

Aber nun zum Star dieser Staffel: Jessica Lange. Sie erinnerte in ihrer Rolla als Elsa Mars an die Diven fast schon vergessener (Film-)Tage wie Marlene Dietrich oder Greta Garbo. Es ist ein Abenteuer, der Oscarpreisträgerin bei ihrer Charakterisierung zuzusehen. Alleine schon der Gedanke, wenn sie die Bowies Song „Life On Mars“ oder Lana Del Reys „In The Land Of God And Monsters“ in ihrer eigenen Art und Weise interpretiert, verursacht mir Gänsehaut. Diese musikalischen Einlagen könnte ich mir einmal täglich ansehen bzw. -hören. Das ist Kult vom Allerfeinsten.

Schockmomente oder überaus brutale Szenen bekommt man in dieser Staffel allerdings nicht zu sehen, dafür aber eine unglaublich tolle Atmosphäre und sehr emotional ausgearbeitete Charaktere. Da hätte man sich als Fan durchaus gewünscht, die Staffel hätte doppelt so viele Folgen gehabt. Die Horror-Elemente treten hier allerdings etwas in den Hintergrund (von dem Mörder mit der Clownsmaske und einigen anderen Dingen einmal abgesehen) und machen Platz für ein eher gefühlvolles Drama. Jeder der Protagonisten hat ein Schicksal zu ertragen und das macht diese Staffel so überaus menschlich und glaubwürdig. Und trotz aller Probleme möchte man am liebsten zusammen mit diesen ganzen Freaks in jener Zeit leben, wo es noch echten Zusammenhalt gab. Ich habe mich auf jeden Fall in jeder Episode wohl gefühlt.
Eine überaus einfallsreiche Idee ist, dass in der vierten Staffel für den aufmerksamen Zuschauer plötzlich Bezüge zur zweiten Staffel hergestellt werden. Laut den Machern der Serie sollen sich sämtliche Staffeln irgendwie miteinander verbinden. Da bin ich ja mal gespannt. 😉

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Fazit: Unglaublich emotional und atmosphärisch stellt „Freakshow“ für mich die bisher beste Staffel von „American Horror Storys“ dar. Jessica Langes Schauspielerleistung und die Gesangseinlagen sind die einer echten Diva. 🙂

© 2016 Wolfgang Brunner

American Horror Story – Coven – Season 3 – (2014)

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Originaltitel: American Horror Story – Coven
Regie: Bradley Buecker, Alfonso Gomez-Rejon, Michael Uppendahl, Ryan Murphy, Loni Peristere,  Craig Zisk, Anthony Hemmingway
Drehbuch: Brad Falchuk, Ryan Murphy, James Wong, Tim Minear, John J. Gray, Jennifer Salt, Jessica Sharzer, Crystal Liu, Todd Kubrak, Douglas Petry
Kamera: Michael Goi,  James Chressanthis, Tom Houghton
Musik: James S. Levine
Laufzeit: 13 Episoden á 38 – 54  Minuten
Darsteller: Taissa Farmiga, Evan Peters, Jessica Lange, Frances Conroy, Sarah Paulson, Lily Rabe, Emma Roberts, Kathy Bates, Angela Bassett, Gabourey Sidibe, Stevie Nicks
Genre: Horror, Mystery, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Die jungen Hexen in Miss Robichaux’s „Akademie für außergewöhnliche junge Damen“ suchen nach einer Nachfolgerin, die den Hexenzirkel in Zukunft leiten soll. Neuankömmling Zoe gerät mitten in einen fürchterlichen Machtkampf. Fiona, eine leitende Oberhexe,  will die Hexen schützen, aber während sie nach Unsterblichkeit strebt, um die Leitung nicht abgeben zu müssen, trifft sie auf eine Voodoo-Königin,  die sich in die Geschehnisse einmischt.

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Durch die konstante Steigerung bei Staffel 1 und 2 war ich nun mehr als gespannt, was sich die Macher für die dritte Season haben einfallen lassen. Leider hat „Coven“ die überaus hohe Erwartung meinerseits nicht erreicht. Sicherlich steckt hinter der Geschichte wieder einmal eine grandiose Idee und die Schauspieler sind durch die Bank spitze, aber im Gesamtbild schwächelt hier der „American Horror Story“-Charakter. Das liegt vielleicht daran, dass es hier mehr um Teenager-Probleme geht, was ich persönlich gar nicht so schlimm gefunden hätte. Deshalb kann ich wohl auch gar nicht richtig erklären, woran es letztendlich scheiterte, mich vollends zu überzeugen. Vielleicht war es der manchmal aufkommende Klamauk-Charakter, der sich durch die komplette Season zog. Man wollte wohl versuchen, sich in dieser Staffel selbst nicht ganz ernst zu nehmen. Vor allem die zauberhafte Kathy Bates musste dran glauben und teilweise in lächerlich skurril wirkenden Szenen ihr bestes geben.

Insgesamt hat mir diese Staffel schon gefallen, was vor allem an Jessica Lange lag, die hier erneut bewies, dass sie für diese Serie wie geschaffen ist. Sie alleine war in dieser Staffel neben Lily Rabe die charismatische Hauptträgerin der dreizehn Folgen. Die Rolle von Frances Conroy mochte ich überhaupt nicht, sie hätte definitiv einen besseren Charakter verdient. Dennoch ist „Coven“ wieder auf hohem Niveau, was Serien betrifft und auch die teils splatterartigen Effekte (die allerdings viel zu selten vorkamen) konnten  sich durchaus sehen lassen. Kleines I-Tüpfelchen dieser Staffel war der Gastauftritt von Fleetwood Mac-Sängerin Stevie Nicks, die sogar ein paar Songs beisteuern durfte. Das war natürlich für Zuseher meines Jahrgangs eine nette Überraschung, die der Staffel dadurch ein paar Nostalgie- und dadurch Pluspunkte verlieh.

Ansonsten hat „Coven“ für mich das große Manko, nicht wie seine Vorgänger einen verstrickten, undurchsichtigen Plot  vorzuweisen, sondern eher eine geradlinige Geschichte erzählt. Das mag für den ein oder anderen Zuschauer durchaus ansprechend sein, mir fehlte einfach die Genialität der ersten beiden Staffeln. Doch selbst auf einen superkomplizierten Handlungsverlauf hätte ich gut und gerne verzichten können, wäre eine entsprechende Atmosphäre aufgekommen. Dies geschah jedoch meistens nicht, von ein paar Ausnahmen einmal abgesehen. Letztendlich ist meine Meinung aber genaugenommen nur ein Jammern auf hohem Niveau, denn auch die dritte Staffel hat unvergessliche Momente und Bilder, die unbedingt sehenswert sind. Im zweiten Drittel sind ein paar Momente, die sind ziemlich genial inszeniert (wenn z.B. Fiona Godde (Jessica Lange) gegen Myrtle Snow (Francis Conroy) und Hexenjägern vorgeht – das ist spitze und da lässt ja fast schon Tarantino grüßen 🙂 ). Gut gefallen haben mir vor allem die teils melancholisch anmutenden Szenen mit Jessica Lange. Gegen Ende hin kam mir das Ganze wie eine Art weiblicher Harry Potter für Erwachsene vor. Solch eine Entwicklung hätten die Macher nicht nötig gehabt, aber Geschmäcker sind nun mal verschieden. Ich hätte mir zu diesem Thema (Hexen) eine düstere Vorgehensweise der ersten beiden Staffeln gewünscht, dann wäre mit Sicherheit mehr draus geworden.

Aber … „American Horror Story: Coven“ ist dennoch unbedingt empfehlenswert für Freunde origineller und anspruchsvoller Horrorfilme. Und über den Cast brauche ich eigentlich gar kein Wort verlieren, denn die Schauspielerinnen und Schauspieler sind wie gewohnt allererste Sahne. Im Grunde genommen auch ein Plädoyer für starke Frauen, die sich gegen Rassismus und Männer erfolgreich zur Wehr setzen können.

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Fazit: Schlechteste (wenn man hier überhaupt von schlecht reden kann) und geradlinigste Staffel der Serie, was aber schlichtweg nur „Jammern auf hohem Niveau“ bedeutet.

© 2016 Wolfgang Brunner

American Horror Story – Asylum – Season 2 – (2012)

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Originaltitel: American Horror Story – Asylum
Regie: Bradley Buecker, Alfonso Gomez-Rejon, Michael Uppendahl, Ryan Murphy, Michael Lehmann, David Semel, Miguel Arteta, Tim Hunter, John Scott, Jeremy Podeswa, Michael Rymer
Drehbuch: Brad Falchuk, Ryan Murphy, James Wong, Tim Minear, Jennifer Salt, Jessica Sharzer,
Kamera: Michael Goi, John B. Aronson, Christopher Baffa
Musik: James S. Levine
Laufzeit: 13 Episoden á 38 – 54  Minuten
Darsteller: Joseph Fiennes, Dylan McDermott, Evan Peters, Jessica Lange, Frances Conroy, Sarah Paulson, Lily Rabe, Lizzie Brocheré, James Cromwell, Zachary Quinto, Franka Potente, Adam Levine
Genre: Horror, Mystery, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Die Ärzte der Briarcliff-Nervenklinik reiben ihre Insassen in den Wahnsinn. Unter dem Regiment der übertrieben strengen Nonne Schwester Jude rücken die angeblichen Spezialisten den Geisteskrankheiten auf unkonventionelle Weisen zu Leibe. Dämonische Besessenheit, Entführungen durch Außerirdische oder die vermeintliche Ankunft des psychopathischen Frauenmörders „Bloody Face“ – die Nervenärzte des Irrenhauses müssen bald schon erkennen, dass ihre Wissenschaften gegen manche Phänomene nichts ausrichten können …

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Nach der grandiosen ersten Staffel war meine Erwartungshaltung, was „Asylum“ bieten würde, natürlich entsprechend hoch. Mit der ersten Season „Murder House“ hatten sich die Macher von „American Horror Story“ die eigene Meßlatte ziemlich hoch gesetzt. Erstaunlicher-, und natürlich erfreulicherweise haben sie die erste Season aus meiner Sicht sogar hier noch getoppt.
Altbekannte Gesichter erscheinen auf der Besetzungsliste, werden aber in völlig andere Rollen als in der ersten Season verteilt. Das macht Laune, zumal man sieht, wie sich die SchauspielerInnen auf andere Charaktere einstellen können (und das tun sie auch).

In der zweiten Staffel geht es bedeutend härter zu als in der ersten. Da bewegen sich manche Szenen schon sehr dicht an der Schmerzgrenze, was aber die unglaublich intensive Atmosphäre nur noch mehr unterstreicht. Da wird man schon desöfteren schockiert, wenn einer der Ärzte (toll, endlich mal wieder James Cromwell aus „Six Feet Under“ zu sehen) seiner sadistischen Neigung nachgibt. Es wird mit der katholischen Kirche und dem Thema des Machtmißbrauchs abgerechnet, außerdem spielt eine Nazivergangenheit und eine Entführung von Außerirdischen eine Rolle in dieser verrückten, manchmal völlig abgedrehten Staffel eine Rolle.
„Asylum“ wartet neben einer hervorragenden, düsteren Stimmung auch mit überraschenden Wendungen auf, die man wirklich nicht erwartet. Jessica Lange rückt erfreulicherweise mehr in den Vordergrund als in der ersten Staffel und vermag bereits hier so richtig zu begeistern.
Frances Conroy als Todesengel ist der Hammer! Jedes Mal, wenn sie in einer Folge auftaucht, stiehlt sie allen anderen die Show, grandios.

Wie schon in der ersten Staffel, kann auch „Asylum“ mit hervorragenden Schauspielern und teils beeindruckenden Kamerafahrten punkten. Die Story ist verwirrend und teils befremdlich, aber dennoch wieder geradezu hypnotisch und fast schon kafkaesk. Es sind Alpträume a la Clive Barker, die sich hier offenbaren und die zweite Season der innovativen Horror-Serie zu etwas besonderem machen. Vielen mag dieser besondere Mix aus verschiedenen Genre und die teils absurde Handlung zu heftig sein, mir persönlich hat genau diese Mischung gefallen, weil sie sich wieder einmal von den gängigen, klischeehaften Serien absolut abhebt und ihren eigenen Weg geht.

Die Musikeinlage von Jessica Lange mit „The Name Game“ ist eine wunderbarer, grandioser Einfall, der die Absurdität der ganzen Stafel noch einmal in aller Deutlichkeit zeigt. Als diese Sing- und Tanzeinlage begann, war für mich klar, dass „Asylum“ wirklich sehr, sehr außergewöhnlich ist und „American Horror Story“ definitiv das Zeug zu einer Kultserie hat.

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Fazit: Härter, düsterer und noch unkonventioneller als die erste Staffel.

© 2016 Wolfgang Brunner

American Horror Story – Murder House – Season 1 (2012)

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Originaltitel: American Horror Story – Murder House
Regie: Bradley Buecker, Alfonso Gomez-Rejon, Michael Uppendahl, Ryan Murphy, Michael Lehmann, David Semel, Miguel Arteta, Tim Hunter, John Scott
Drehbuch: Brad Falchuk, Ryan Murphy, James Wong, Tim Minear, Jennifer Salt, Jessica Sharzer,
Kamera: Michael Goi, John B. Aronson, Christopher Baffa
Musik: James S. Levine
Laufzeit: 12 Episoden á 38 – 54  Minuten
Darsteller: Connie Britton, Dylan McDermott, Evan Peters, Taissa Farmiga, Denis O’Hare, Jessica Lange, Frances Conroy, Alex Breckenridge, Jamie Brewer, Sarah Paulson, Lily Rabe
Genre: Horror, Mystery, Serie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Die Familie Harmon zieht nach Kalifornien, um ihren Problemen zu entgehen und ein neues Leben zu beginnen: Ehemann Ben hatte eine Affäre mit einer seiner Studentinnen. Seine Frau Vivien hat eine Totgeburt hinter sich und Tochter Violet ist besessen von Selbstmordgedanken. Ihr neues Zuhause wird auch das Mörder-Haus genannt und mit der Zeit erfahren die Harmons immer mehr von den Vorfällen, die sich in dem Haus über all die Jahrzehnte hinweg zugetragen haben. Anscheinend bleibt die Seele eines jeden, der in diesem Haus stirbt, für immer in den Räumlichkeiten gefangen. Schleichend beginnen die Geister des Hauses Besitz von den Harmons zu ergreifen …

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Es gibt ja schon diverse Horrorserien, so dass man bei einer neuen mit nicht allzu großen Erwartungen herangeht, zumal sich die erste Staffel von „American Horror Story“ einem altbekannten Thema annimmt: Haunted House. Und gerade zu dieser Thematik gibt es unzählige Abhandlungen, die sich damit befassten und in der Regel nur selten einen neuen Weg einschlugen. Doch schon nach der ersten Episode von „Murder House“ wird man eines besseren belehrt: „American Horror Story“ geht definitiv neue Wege und leitet im Serien-Horror-Genre eine neue Dimension ein. Schon die Art der Inszenierung weist darauf hin, dass man es hier nicht mit einer Standard-Serie zu tun bekommt, die sich auf einen mainstreamtauglichen Plot einlässt. Freizügig wird da mit Sex und Gewalt umgegangen, aber auch mit psychologischen Ideen.
Vollkommen undurchsichtig wird man in eine Handlung geworfen, die nach Sichtung der ersten Folge eine Mischung aus völliger Ratlosigkeit und kompletter Begeisterung durch ihre innovative Art und Weise zurücklässt. Da werden Fäden in alle möglichen Richtungen ausgeworfen, denen man im Laufe der Serie verzweifelt nachzugehen versucht, um sie zu enträtseln. Nicht alle offenen Enden werden gelöst (oder doch?), aber man wird am Ende mit einer zufriedenen Begeisterung entlassen (fast schon in der Art eines David Lynch, der den Zuschauer ebenfalls ratlos, aber eben zufrieden begeistert stehen lässt).

Die Atmosphäre der Serie, die Kameraeinstellungen, die oft wirren Handlungsstränge, die sich erst im Laufe der zeit zu einem logischen Gesamtbild zusammenfügen – dies alles macht „American Horror Story“ zu einer der außergewöhnlichsten Horror-Serien, die ich kenne. Das Niveau ist absolut hochwertig, was aber nicht nur an den genannten Zutaten liegt, sondern auch an den hervorragenden Schauspielern.
Manches Mal musste ich an (die alte Verfilmung) von „Amityville Horror“ denken, manchmal aber auch an die schräge Welt eines David Lynch. „Murder House“ zieht einen von der ersten Folge an in seinen Bann und lässt einen einfach nicht mehr los. Das Suchtpotential dieser Serie ist äußerst hoch.

Man muss sich an die Machart gewöhnen, keine Frage. Aber hat man sich erst einmal darauf eingelassen, erwartet einen ein herrlich unkonventionelles Gruselspiel. Durch die ungewöhnlichen Schnitte und der unlinearen Inszenierung schafft es die erste Staffel von „American Horror Story“ auch handwerklich uneingeschränkt zu überzeugen.
Das Wiedersehen mit Jessica Lange hat ungeheuer Spaß gemacht, obwohl sie in der ersten Staffel noch nicht die große Rolle spielt, wie in den darauffolgenden drei Staffeln. Dafür können Connie Britton, Dylan McDermott und die vielen anderen Mitwirkenden zeigen, was in ihnen steckt. Frances Conroy in der Rolle als alternde Bedienstete ist einfach nur sehenswert.

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Fazit: Innovativer Einstieg der Horror-Serie. Ein bis zum Schluss undurchsichtiger Plot vermag über die ganze Staffel gleichbleibend zu begeistern.

© 2016 Wolfgang Brunner

Top Of The Lake (2013)

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Originaltitel: Top Of The Lake
Regie: Jane Campion, Garth Davis
Drehbuch: Jane Campion, Gerard Lee
Kamera: Adam Arkapaw
Musik: Mark Bradsahaw
Laufzeit: 6 Folgen á 60 Minuten
Darsteller: Elisabeth Moss, Peter Mullan, David Wenham, Thomas M. Wright, Holly Hunter, Sarah Valentine, Jay Ryan, Jacqueline Joe
Genre: Thriller, Krimi, Serie
Produktionsland: Australien, Vereinigte Staaten, Vereinigtes Königreich
FSK: ab 16 Jahre

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Tui Mitcham ist 12 Jahre alt und wollte anscheinend im eiskalten Bergsee eines neuseeländischen Provinzstädtchens Selbstmord begehen. Robin Griffin, eine junge Kommissarin, soll den Fall aufklären. Sie ist auf den Umgang mit misshandelten Kindern spezialisiert und dringt immer tiefer in ein Netz aus Intrigen und Lügen ein, die sich um Tui verbreiten. Es stellt sich heraus, dass Tui im fünften Monat schwanger ist. Als das Mädchen plötzlich verschwindet, begibt sich Robin auf eine gefährliche Suche, bei der sie sich auf einmal auch noch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert sieht.

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Eine Serie, die von Jane Campion konzipiert wurde, musste ich natürlich sehen. Nicht nur ihr wunderbarer Film „Das Piano“ hat mich von ihren Qualitäten, gute Geschichten mit wunderschönen Bildern zu erzählen, überzeugt. Unter anderem hat mich auch der zuvor gedrehte „Ein Engel an meiner Tafel“ wie auch der Folgefilm „Portrait Of A Lady“ mehr als fasziniert. Und nun also eine Serie …
Ich mache es kurz: Ich wurde nicht enttäuscht und bekam genau das, was ich erwartet hatte. Und sogar noch ein wenig mehr. Wie nicht anders zu erwarten, lebt der Film schon einmal von den wunderbaren Naturaufnahmen, die sich durch sämtliche Folgen ziehen. Aber nicht nur! Campion hat ein Schauspiel-Ensemble um sich und Co-Regisseur Garth Davis versammelt, das es in sich hat. Elisabeth Moss ist in ihrer Rolle als kühle, manchmal eigenartige Ermittlerin bestimmt nicht jedermanns Sache, aber eines muss man ihr lassen: Sie geht in ihrer Rolle auf und verkörpert den ihr zugeschriebenen Charakter unumstößlich perfekt. Man spürt den gebrochenen Menschen, der hinter der harten, nach außen hin gezeigten Hülle steckt. Moss stellt diese Zweideutigkeit einer starken, selbstbewussten und gleichzeitig verletzlichen, ängstlichen Frau unglaublich überzeugend und emotional glaubwürdig dar. Dazu gesellt sich ein Mann, dessen Schauspielerei ich bereits seit Jahren verehre: Peter Mullan. Er verkörpert in dieser Serie einen derart hassenswerten (aber in manchen Szenen auch liebenswürdigen und bemitleidenswerten) Macho, dem man im wahren Leben nicht begegnen möchte. Mullans Agieren trifft einen oftmals wie ein Schlag in die Magengrube und man möchte aufspringen, in den Bildschirm greifen und ihm mitten ins Gesicht schlagen. Und trotzdem schafft Mullan die Gratwanderung, auch positive Emotionen im Zuschauer aufzuwecken. Das ist grandios.
David Wenham als Polizist vermag ebenfalls zu überzeugen und den Zuschauer um den Finger zu wickeln, genauso wie Jacqueline Joe in der Rolle als 12jährige Tui.
Da geht Holly Hunter und die anderen Darsteller fast schon unter, obwohl auch sie auf höchstem Niveau agieren. Schauspielerisch macht die Mini-Serie unheimlich Spaß.

Mark Bardsahaws Musik ist einfach himmlisch und passt so hervorragend zu den teils melancholischen, deprimierenden Bildern, das es fast schon unheimlich ist. Dadurch kommt eine unglaublich dichte Atmosphäre auf, der man sich schwer entziehen kann und die sich erstaunlicherweise durch die komplette Serie zieht. Man fühlt sich manchmal tatsächlich an die Kultserie „Twin Peaks“ erinnert. In der dritten Episode kommt während einer Drogenszene, in der die Protagonisten im Rausch halluzinieren, eine Überraschung für alle Fans der deutschen Elektronikband Tangerine Dream. Die Bilder werden perfekt untermalt von ihrem Song „“Mysterious Semblance At the Strand of Nightmares“ aus dem Album „Phaedra“. Dieses Stück passt so hervorragend zu der Szene, dass ich auch hier eine Gänsehaut bekam.

Die Aussichtslosigkeit, die diese Serie oftmals vermittelt, ist manchmal schwer zu ertragen, obwohl sie immer wieder mit Hoffnung durchtränkt ist. Der daraus entstehende Mix ist hypnotisch und einmalig. Eine Serie, die mit dem hohen Niveau eines Kinofilmes auf jeden Fall mithalten kann. Und, wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, ist sogar eine zweite Staffel geplant. Mir wär’s recht! 🙂

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Fazit: Niveauvoll, mit wunderbaren Landschaftsaufnahmen, einem genialen Plot und unglaublich guten Schauspielern ist „Top Of The Lake“ ein Muss für mystisch angehauchte Krimi- und Serienfans.

© 2016 Wolfgang Brunner