Airport ’80 – Die Concorde (1979)

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Originaltitel: The Concorde … Airport ’79
Regie: David Richmond-Peck
Drehbuch: Jennings Lang, Eric Roth
Kamera:  Philip H. Lathrop
Musik: Lalo Schifrin
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Alain Delon, Susan Blakely, Robert Wagner, Sylvia Kristel, George Kennedy, Eddie Albert, Bibi Andersson, Charo, John Davidson, David Warner
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Eine nagelneue Concorde-Maschine befindet sich auf den Weg von Washington nach Moskau mit Zwischenstop in Paris. Maggie hat sich vor Start noch von ihrem Freund Kevin  getrennt, der Chef eines großen Rüstungskonzerns ist und illegale Waffengeschäfte betreibt. Maggie bekommt vertrauliche Dokumente zugespielt, die diese kriminellen Machenschaften beweisen. Ihr Exfreund möchte natürlich um jeden Preis verhindern, dass diese belastenden Unterlagen in falsche Hände geraten und beschließt, die Concorde mit allen Mitteln zum Absturz zu bringen. Seine Beziehungen reichen sogar bis ins Militär, die das Passagierflugzeug abschießen wollen.

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Und wieder verstrichen zwei Jahre nach „Verschollen im Bermuda-Dreieck“, um einen weiteren Film der erfolgreichen „Airport“-Reihe auf die Leinwand zu bringen. Dieses Mal finden sich Alain Delon, George Kennedy und David Warner im Cockpit ein, um ein größeres Unglück zu verhindern. „Airport ’80 – Die Concorde“ lässt erneut den Schrecken in der Luft aufleben und bringt dieses Mal das Militär mit ins Spiel. Für mich stellt der abschließende Teil trotz einiger sehenswerter Komponenten den schlechtesten der Reihe dar. Zu viele phantastisch anmutende Szenen kommen darin vor, die mehr als unglaubwürdig sind. Aber eines nach dem anderen: Das erfreulichste, das der Film zu bieten hat, ist nicht Alain Delon sondern George Kennedy, der dieses Mal auf dem Pilotensitz Platz nimmt. Der sympathische, manchmal ein wenig unscheinbar wirkende Schauspieler hat in jedem der vier „Airport“-Filme mitgewirkt, war aber meist nur in Nebenrollen und im Hintergrund zu sehen. Doch dieses Mal übernahm er eine der Hauptrollen und war in meinen Augen bedeutend besser als Delon. Er stellte seinen Charakter überaus natürlich, authentisch und sympatisch dar. Für mich der wichtigste Pfeiler dieses Films.

Alain Delon macht seine Sache gut, steckt aber, wie bereits erwähnt, in meinen Augen hinter Kennedy zurück. Der weibliche Part, dieses Mal von Susan Blakely dargestellt, verkörpert, wie in allen vorhergehenden Teilen, eine toughe Frau, die mit Problemen umzugehen weiß. Dieser in allen Teilen durchgängig gegenwärtige Aspekt macht für mich den Reiz dieser „Airport“-Filme mit aus. Blakely kann hier auch ohne weiteres gegenüber ihren Vorgängerinnen und Kolleginnen bestehen. Überhaupt ist schauspielerisch und regietechnisch an „Airport ’80 – Die Concorde“ nichts auzusetzen. Was aber, zumindest aus meiner Sicht, kolossal zu Buche schlägt, ist der Plot und die Ereignisse, die sich abspielen.
Die Concorde schafft es zum Beispiel, einer Rakete auszuweichen und überschlägt sich dabei ein paar Mal … ähm …
Während Schallgeschwindigkeit wird ein Fenster in der Pilotenkanzel aufgemacht, um eine Leuchtrakete abzufeuern … ähm …
Es gäbe noch einige weitere Vorfälle aufzuzählen, die mich einfach aufgrund ihrer absoluten Unwahrscheinlichkeit nicht gefallen (und auch gestört) haben.

„Airport ’80 – Die Concorde“ ist trotz dieser Logikfehler und Unstimmigkeiten dennoch äußerst rasant und teilweise auch richtig witzig. Das ist auch der Punkt, der mich dann letztendlich doch wieder zufrieden gestimmt hat, denn eines kann der letzte Teil der Reihe definitiv wieder: Unterhalten.
Dank Koch Media ist dieser erneute Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen. Beim vorliegenden „Airport ’80 – Die Concorde“ leiden die Spezialeffekte unter der HD-Bearbeitung und bewegen sich teilweise auf Fernsehniveau. Das man damals aber auch hervorragende Effekte machen konnte, zeigen die vorangegangenen ersten drei Teile.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

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Fazit: Für mich noch immer der schlechteste Teil der Reihe, der aber dennoch mit tollen Schauspielern auftrumpfen kann.

©2020 Wolfgang Brunner

Verschollen im Bermuda-Dreieck – Airport ’77 (1977)

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Originaltitel: Airport ’77
Regie: Jerry Jameson
Drehbuch: Michael Scheff, David Spector
Kamera:  Philip H. Lathrop
Musik: John Cacavas
Laufzeit: 114 Minuten
Darsteller: Jack Lemmon, Lee Grant, Brenda Vaccaro, George Kennedy, Joseph Cotton, Olivia de Havilland, James Stewart, Christopher Lee, Robert Foxworth
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Eine Boeing 747 wird von Kunstdieben entführt und stürzt im gefürchteten Bermuda-Dreieck ab, wo es im Ozean versinkt. Die Überlebenden kämpfen um ihr Leben, als immer mehr Wasser in das Flugzeugwrack eindringt. Mit einer gewagten Rettungsaktion soll das  beschädigte Flugzeug an die Wasseroberfläche gebracht werden.

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Es dauerte nicht ganz so lange wie zwischen den Teilen 1 und 2 bis eine dritte Fortsetzung der erfolgreichen „Airport“-Serie seinen Weg in die Kinos fand. Und, man mag es kaum glauben, das dritte Abenteuer toppt in Sachen Spannung, Schauspielerleistungen, Setting und Handlung seine beiden Vorgänger. Alleine die Handlung hebt sich dermaßen von den anderen beiden Filmen, und auch dem letzten Teil, ab, dass sie einem nicht mehr aus dem Kopf geht. Schon als Jugendlicher empfand ich „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ als besten Teil der Reihe.  Das lag (und liegt noch immer) in erster Linie an der faszinierenden Verbindung von Luft und Wasser. Die Handlung spielt sich nämlich nicht nur in der Luft ab, sondern größtenteils auch unter der Wasseroberfläche (aber noch immer in einem Flugzeug). Diese Kombination ist atemberaubend und bringt eine unvergleichliche Atmosphäre zustande, der man sich nicht entziehen kann.

Hinzu kommt die hervorragende Leistung von Jack Lemmon. Seine Rolle als Captain Don Gallagher ist für mich immer noch eine seiner besten Darstellungen. Das Szenario eines im Meer versunkenen Flugzeugs war seinerzeit absolut unverbraucht und innovativ. Die Drehbuchautoren vermischten galant die Plots erfolgreicher Katastrophenfilme wie „Airport“ und „Höllenfahrt der Poseidon“ und schufen ein enorm beeindruckendes Setting. Was mir persönlich gefallen hat, den damaligen Kritikern aber eher sauer aufstieß, ist die Tatsache, dass die sich in Gefahr befindlichen Passagiere nicht permanent hysterisch benommen, sondern meist die Ruhe bewahrt haben. Das war für mich ein äußerst realistischer Aspekt, den die meisten Menschen werden in solch einer Situation nicht unentwegt kreischen und die Nerven verlieren. Trotz aller Dramatik strahlt „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ auf gewisse Art und Weise Ruhe aus.

Das Mitwirken von damaligen Stars wie Olivia De Havilland, Christopher Lee, James Steward und Robert Foxworth äußerte sich ebenfalls als Magnetwirkung, um „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ zu einem ansehnlichen Erfolg zu machen. Für heutige Sehgewohnheiten wirkt alles (leider) ein wenig unspektakulär, aber bedenkt man die damaligen Mittel, die zur Verfügung standen, gelangen der Crew eindrucksvolle Effekte und Aufnahmen. Und wie so oft bei Filmen dieser Art, kann das Ganze dann auch noch mit einem nostalgischen Sympathiebonus punkten. „Verschollen im Bermuda-Dreieck“ ist einer jener Katastrophenfilm-Klassiker, die ich mir immer wieder ansehen könnte.
Dank Koch Media ist dieser Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

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Fazit: Für mich der beste Teil der „Airport“-Reihe.

©2020 Wolfgang Brunner

Giganten am Himmel – Airport ’75 (1975)

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Originaltitel: Airport ’75
Regie: Jack Smight
Drehbuch: Don Ingalls
Kamera:  Philip H. Lathrop
Musik: John Cacavas
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Charlton Heston, Karen Black, George Kennedy, Gloria Swanson, Efrem Zimbalist jr., Susan Clark, Linda Blair, Myrna Loy
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Eine Boeing 747 kollidiert mit einem Kleinflugzeug. Der Pilot wird schwer verletzt, so dass eine Stewardess mit Unterstützung eines Fluglehrers per Funk versucht, die Maschine zu steuern und einen Absturz zu verhindern. Doch das Flugzeug rast direkt auf eine Gebirgskette zu und verliert zusätzlich auch noch Benzin.

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Fünf Jahre vergingen, bevor sich jemand getraut hat, eine Fortsetzung der erfolgreichen Literaturverfilmung von Arthur Haileys „Airport“ zu drehen. Die Erwartungshaltung war natürlich groß, als der Film in die Kinos kam. Aber Regisseur Jack Smight hat es tatsächlich geschafft, den Spannungsbogen auf jeden Fall zu halten beziehungsweise für einige Zuschauer sogar noch zu toppen. Eines ist aber unbedingt positiv hervorzuheben: Drehbuchautor Don Ingalls hat sich nicht dazu hinreißen lassen, sich auf dem Erfolg des Originalfilms auszuruhen und einen ähnlichen Plot geschrieben, sondern er ging einen neuen Weg und brachte frischen Wind in den Katastrophenfilm.
Wieder sind, wie schon beim ersten Teil, jede Menge Stars der damaligen Zeit auf der Besetzungsliste zu finden, allen voran natürlich Charlton Heston. Er spielt auf gewohnt hohem Niveau, muss sich aber dennoch gegen die hervorragend agierende Karen Black behaupten, die eine beeindruckend toughe Frau darstellt.

„Giganten am Himmel“ ist pure Unterhaltung, die über die gesamte Spieldauer fasziniert. Bedenkt man das Alter des Films, so muss man seinen virtuellen Hut vor der Crew ziehen, die die Spezialeffekte gemacht hat. An manchen Stellen mutet das Ganze wie ein perfekt inszenierter Teil aus der James-Bond-Reihe an, so atemberaubend sind die Trickaufnahmen. Besonders Spaß macht auch der Auftritt der einstigen Diva aus der Stummfilmära Gloria Swanson. Die Dame spielt sich selbst, was noch einen zusätzlichen Bonus darstellt. Wer sich ein wenig mit der Stummfilmzeit und ihren Leinwandgöttinen auseinandergesetzt hat, wird Swanson in dieser Rolle lieben.  Zwei Jahre nach ihrem Erfolg als dämonenbesessene Regan in William Friedkins „Der Exorzist“ ist die junge Linda Blair an Bord des Flugzeugs und kann auch hier wieder mit ihrer natürlichen Art absolut überzeugen.

Gegenüber seinem Vorgänger „Airport“ lässt sich „Airport ’75“ weitaus weniger Zeit, um richtig Fahrt aufzunehmen. Während man sich im Original mehr um die Charaktere kümmerte, legt man in der Fortsetzung gleich los, um dem Publikum genau das zu bieten, was es erwartet: Nämlich einen handfesten, spannenden Thriller über den Wolken. „Airport ’75“ ist in dieser Hinsicht besser wie sein Original.
Dank Koch Media ist dieser weitere Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

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Fazit: Spannender und spektakulärer als der Vorgänger „Airport“.

© 2020 Wolfgang Brunner

Airport (1970)

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Originaltitel: Airport
Regie: George Seaton
Drehbuch: George Seaton
nach dem Roman von Arthur Hailey
Kamera:  Ernest Laszlo
Musik: Alfred Newman
Laufzeit: 137 Minuten
Darsteller: Burt Lancaster, Dean Martin, Jean Seberg, Jaqueline Bisset, George Kennedy, Helen Hayes, Maureen Stapleton, Barry Nelson
Genre: Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Durch vehemente Schneestürme blockiert ein liegengebliebenes Flugzeug die Landebahn eines Flughafens, während sich bereits eine weitere Maschine im Anflug befindet. Doch nicht nur die blockierte Landebahn stellt ein Problem dar, denn an Bord der im Landeanflug befindlichen Maschine ist auch noch ein Psychopath mit einer Bombe. Sowohl für den Flughafendirektor als auch den Kapitän des Passagierflugzeugs beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

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„Airport“ stellt neben „Flammendes Inferno“, „Erdbeben“ und „Höllenfahrt der Poseidon“ – um nur einige zu nennen – einen der wichtigsten Vertreter des in den 1970er Jahren aufgekommenen Katastrophenfilm-Booms dar. Zu Recht, wie man nach einer Sichtung nach fast fünfzig Jahren feststellen muss. Dieser Klassiker ist angenehm gealtert und zeigt beeindruckend, wie Kino damals funktioniert hat und eigentlich noch heute funktionieren müsste. In aus heutiger Sicht fast schon unspektakulärer Weise wird eine äußert spannende Geschichte erzählt, bei der aber auch noch Beachtung auf die Charaktere gelegt wird. „Airport“ wurde nach dem erfolgreichen Roman von Arthur Hailey unter der Regie von George Seaton umgesetzt und konnte mit einer Reihe bekannter Schauspielerinnen und Schauspieler aufwarten. Da der Film technisch perfekt umgesetzt war, konnte er sowohl die Kritiker als auch das Publikum überzeugen und war für den Oscar in neun Kategorien nominiert.

Interessant ist auch, dass der Zuschauer hier das erste Mal einen fast schon detailgetreuen Ablauf eines Arbeitstages am Flughafen zu sehen bekommt. Gewürzt mit persönlichen Schicksalen wird diese Normalität vermischt mit dem Katastrophenszenario eines Unwetters und eines Attentäters. Dieser Mix ist hervorragend gelungen und lässt in keiner Minute Langeweile aufkommen, obwohl der Film über zwei Stunden dauert. Trotz seiner eher langatmigen und ruhigen Inszenierung kann der Film auch in der heutigen Zeit einen absolut in den Bann ziehen, vorausgesetzt man kann sich auf diese (leider) „veraltete“ Inszenierungsweise einlassen. „Airport“ ist und bleibt ein Klassiker des Katastrophenfilms und wird immer seine Anhänger haben. Dank Koch Media ist dieser Meilenstein des Spannungskinos endlich in einer Komplett-Edition mit allen vier Teilen erhältlich. Die Bildbearbeitung ist durchwegs gelungen (soweit dies anhand des Ursprungsmaterials möglich war) und lässt die Filme in einem neuen Licht erstrahlen.
Erwähnenswert ist auch die auf den Discs verewigten Super 8-Fassungen, die man von jedem Film bewundern kann.

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Fazit: Unumstößlich noch immer ein Klassiker des Katastrophenfilms.

© 2020 Wolfgang Brunner

Deepwater Horizon (2016)

Originaltitel: Deepwater Horizon
Regie: Peter Berg
Drehbuch: Matthew Michael Carnahan, Matthew Sand
Kamera: Enrique Chediak
Musik: Steve Jablonsky
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Mark Wahlberg, Kurt Russell, John Malkovich, Gina Rodriguez, Dylan O’Brien, Kate Hudson, Ethan Suplee, J.D. Evermore, Brad Leland
Genre: Katastrophenfilm, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

 

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Die Ölbohranlage Deepwater Horizon steht 2010 kurz vor ihrer Inbetriebnahme.  Mehr als 100 Millionen Barrel Öl sollen nur in 70 Kilometer Entfernung vom amerikanischen Festland entfernt gefördert werden. Doch die beiden Chef-Techniker Mike Williams (Mark Wahlberg) und Jimmy Harrell (Kurt Russell)  entdecken, dass der Druck, der auf dem Bohrloch lastet, viel zu hoch ist. Doch ihre Warnungen werden ignoriert und so kommt es unweigerlich zu einem katastrophalen, sogenannten, „Blowout“, bei dem das Öl unter enormen Druck an die Oberfläche schießt. Die Bohrinsel explodiert. Die Männer auf der Plattform müssen sich einem tödlichen Flammeninferno stellen und um ihr Überleben kämpfen.

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Regisseur Peter Berg ist definitiv kein unbeschriebenes Blatt. Ob als Schauspieler (Hauptrolle zum Beispiel in Wes Cravens „Shocker“oder Nebenrollen in u.a. „Copland“ und „Collateral“) oder Regisseur („Very Bad Things“, „Battleship“ oder „Lone Survivor“) kann er überzeugen. Und genauso verhält es sich auch mit seinem neuen Film „Deepwater Horizon“, bei dem er wieder auf dem Regiestuhl Platz genommen hat.
Der Film schildert wahre Ereignisse, die am 20. April des Jahres 2010 geschahen. Durch das auslaufende Öl kam es zur schwersten Umweltkatastrophe, die durch einen Bohrturm ausgelöst wurde. Sehr authentisch schildert Berg die Geschehnisse, die der Tragödie vorangingen. Das liegt nicht nur an seinem sicheren Inszenierungsstil, sondern auch an den hervorragenden Schauspielern, die aus meiner Sicht bis in die kleinste Nebenrolle optimal besetzt sind. Kurt Russell und Mark Wahlberg sind Spitzenklasse, wenn sie um das eigene Überleben und das der Arbeiter kämpfen.

Emotional wird vor allem das Schicksal der Arbeiter während der Katastrophe beleuchtet. Sicherlich widmet sich Berg auch den geldgierigen Ölmagnaten, die nichts anderes als Profit im Kopf haben und sich genau genommen einen Dreck um die Sicherheit der Arbeiter und drohenden Umweltschäden kümmern. Aber in erster Linie richtet sich das Augenmerk auf die Opfer dieses Dramas auf dem Ozean. Es dauert eine Weile, bis das Unglück passiert, doch in keiner Sekunde kommt auf irgendeine Art und Weise Langeweile auf. Im Gegenteil, der Spannungsbogen bis zum unweigerlichen Katastrophenfall baut sich unglaublich dicht und atmosphärisch auf. Und mit dem Wissen, dass das alles tatsächlich (zumindest so ähnlich) passiert ist, erhält „Deepwater Horizon“ einen bitteren Beigeschmack, der einen während des gesamten Films nicht loslässt.

Begleitet von einem absolut passenden Score von Steve Jablonsky zeigt Regisseur Berg in spektakulären, bombastischen Aufnahmen, wie die Bohrinsel explodiert. Man fühlt sich an Filme wie „Flammendes Inferno“ oder „Backdraft“ erinnert, wenn die Flammen in die Höhe schießen und Menschen töten. Gerade die Spezialeffekte bestechen in ihrer bedrohlichen, realitätsnahen Machart und gehen eine faszinierende Symbiose mit den Schauspielern ein, so dass sie niemals in den Vordergrund treten. Und das macht „Deepwater Horizon“ zu einem realistischen Actionfeuerwerk, bei dem aber die Emotionen und die schrecklichen Ereignisse, die in Wirklichkeit passiert sind, nie zurückstecken müssen. Trotz der Action stehen die realen Begebenheiten immer im Vordergrund. Herausgekommen ist ein Film, der zwar auf fantastische Weise unterhält, sich aber den wahren Schicksalen dieser Männer widmet. Die aus dem Unglück resultierende Umweltkatastrophe wird daher nur angedeutet.
„Deepwater Horizon“ ist durchweg spannend und fesselnd. Bei manchen Szenen spürt man den förmlich den Druck und die Todesangst der Männer, als sie versuchen, ihr Leben zu retten. Auch wenn einige Szenen patriotisch und übertrieben wirken mögen, so kann ich mir ohne weiteres vorstellen, dass es diese Art von Heldentum auf der Bohrinsel tatsächlich gegeben hat.
Peter Berg ist ein Blockbuster gelungen, der eigentlich kein Blockbuster ist, sondern den Opfern der Ölkatastrophe aus dem Jahr 2010 ein filmisches Denkmal setzt. Vor allem während des Abspanns gewinnt der Film beim Zuschauer eine Bedeutung, die jedem gefühlvollen Mensch einen Schauer über den Rücken jagen und Tränen in die Augen treten lässt.

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Fazit: Realitätsnah, emotional und unglaublich spannend, gewürzt mit bombastischen Spezialeffekten. Absolut zu empfehlen!

© 2017 Wolfgang Brunner

San Andreas (2015)

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Originaltitel: San Andreas
Regie: Brad Peyton
Drehbuch: Carlton Cuse
Kamera: Steve Yedlin
Musik: Andrew Lockington
Laufzeit: 114 Minuten
Darsteller: Dwayne Johnson, Carla Gugino, Alexandra Daddario, Paul Giamatti, Ioan Gruffudd, Archie Panjabi, Hugo Johnstone-Burt, Art Parkinson, Kylie Minogue
Genre: Action, Katastrophenfilm
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Die San Andreas Verwerfung verschiebt sich und in Kalifornien kommt es zum stärksten Erdbeben aller Zeiten. Der Helikopterpilot Ray rettet seine Noch-Ehefrau Emma und macht sich dann zusammen mit ihr auf den Weg von Los Angeles nach San Francisco, wo sich ihre gemeinsame Tochter befindet. Auf ihrer Reise in den Norden müssen sie feststellen, dass sich die tektonische Platte verschiebt und das ganze Land in ein Katastrophengebiet schlimmsten Ausmaßes verwüstet hat.

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Brad Peytons Arbeiten haben sich in der Vergangenheit eher auf Jugend- und Familienfilme wie zum Beispiel „Cat’s And Dogs 2“ oder „Journey 2: Die geheimnisvolle Insel“ beschränkt. Letzterer war dann übrigens auch mit Dwayne Johnson. Nicht dass obengenannte Filme schlecht gewesen wären, aber mit „San Andreas“ setzt Peyton seinem bisherigen Schaffen zumindest die Krone auf. Die Handlung beschränkt sich auf die üblichen Zutaten eines Katastrophenfilms: Mann und Frau, die sich zwar irgendwie noch lieben, aber sich dennoch scheiden lassen wollen. Der neue Freund der Frau ist ein arroganter Schnösel und mittendrin die Tochter, die ihre Eltern noch immer liebt und nicht wahrhaben will, dass die Beziehung zu Ende ist. Und dann kommt ein Erdbeben, das diese sowieso schon zerrissene Familie noch mehr auseinanderbringt, um sie am Ende wieder zusammenzuführen. Der Plot ist also nicht wirklich weltbewegend. Was man von den Spezialeffekten allerdings nicht behaupten kann. Da rummst es wie in einem Film von Roland Emmerich und man kommt kaum zum Luftholen.

Obwohl man auch bei „San Andreas“ fast schon einer Reizüberflutung durch die permanente Effektorgie unterliegen könnte, wirkt der Film dennoch anders als die mittlerweile ermüdenden Transformers- oder Marvel-Filme. Brad Peyton haucht seinen Charakteren zwar nicht unbedingt ein überzeugendes Leben ein, aber es gibt durchaus die ein oder andere Szene, in der man mit den Protagonisten mitfiebert und sogar so etwas wie eine Emotion ihnen gegenüber empfindet. Hauptsache bei „San Andreas“ sind aber nun mal die Spezialeffekte. Und die sind wirklich atemberaubend gut gelungen.

Dwayne Johnson kann neben Alexandra Daddario überzeugen, jedoch müssen beide den schauspielerischen Ruhm in diesem Action-Feuerwerk Paul Giamatti überlassen. Denn der spielt alle anderen unübertroffen an die Wand und kann vollends als besorgter und nervöser Wissenschaftler überzeugen. Giamatti ist auch derjenige, der der Spezialeffekt-Orgie eine wirklich menschliche Note verleiht, die manch einem Blockbuster heutzutage leider fehlt.

„San Andreas“ ist astreines Mainstream Popcorn-Kino der heutigen Zeit und garantiert vortreffliche Unterhaltung, die sich zwar größtenteils auf digital generierte Effekte konzentriert, aber trotzdem noch ein wenig Augenmerk auf die Schauspieler legt. Handlungstechnisch keine erwähnenswerte Geschichte, rauben einem die einstürzenden Gebäude und teils extreme Spannung den Atem.

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Fazit: Popcorn-Kino vom Feinsten, das durch atemberaubende Effekte eine wahnsinnige Spannung erzeugt. Schauspielerisch bekommt vor Hauptdarsteller Dwayne Johnson und dessen Filmtochter Alexandra Daddario der grandiose Paul Giamatti die volle Punktzahl.

© 2015 Wolfgang Brunner

Poseidon (2006)

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Originaltitel: Poseidon
Regie: Wolfgang Petersen
Drehbuch: Mark Protosevich
nach dem Roman von Paul Gallico
Kamera: John Seale
Musik: Klaus Badelt
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Josh Lucas, Kurt Russell, Richard Dreyfuss, Jacinda Barrett, Jimmy Bennett, Emmy Rossum, Mike Vogel, Mía Maestro
Genre: Katastrophenfilm, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Das Passagierschiff „Poseidon“ wird durch eine 50 Meter hohe Riesenwelle erfasst und auf den Kopf gedreht. Die Überlebenden versuchen nun, von unten nach oben zur Rumpfunterseite des kieloben liegenden Wracks zu kommen, um in die Freiheit zu gelangen, bevor das stark beschädigte Schiff sinkt …

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Wolfgang Petersen mag wohl das Wasser. 😉
Nach seinem Welterfolg „Das Boot“ kehrte er neunzehn Jahre später mit „Der Sturm“ aufs Wasser zurück. Und dann, nach sechs weiteren Jahren, inszenierte er erneut ein Action-Drama auf dem Meer: „Poseidon“.

Sehr locker an die Buchvorlage von Paul Gallico und den 1972 entstandenen Film „Die Höllenfahrt der Poseidon“ angelehnt, serviert Petersen dem Zuschauer einen wirklich atemberaubenden und spannenden Katastrophenfilm, der keine Sekunde langweilt. Oft fühlt man sich an Camerons „Titanic“-Spektakel erinnert, aber das ist wohl bei der Thematik unausweichlich. Petersens Untergangs-Drama wird oft vorgeworfen, keine tiefgehenden Charaktere verzeichnen zu können. Mag schon sein, obwohl ich persönlich finde, dass Kurt Russell und Josh Lucas ihre Sache ganz gut machen. Sicherlich sind hier keine ausgeprägten Charaktereigenschaften dargestellt, aber wir sehen ja schließlich einen Actionfilm. Aber, für mich das Wichtigste: Haben diese Kritiker nicht gesehen, wie Richard Dreyfuss agiert?
Für mich ist Dreyfuss in seiner Rolle als alternder, von einer frischen Trennung trauriger Homosexueller einfach nur grandios. Hier finde ich auch, dass sehr wohl ein ausgezeichneter und überzeugender Charakter geschaffen wurde. So ausdruckslos, wie in vielen Meinungen die Charakterarmut und -leere in Petersens Film kritisiert wurde, empfinde ich sie deswegen nicht.

Wichtig bei diesem Film sind meiner Meinung nach die sehr guten Spezialeffekte und der unglaublich gut aufgebaute Spannungsbogen. Man wird in die Flucht der Überlebenden förmlich mit hineingerissen und das hat für mich einen sehr hohen Unterhaltungswert. Ich mag „Poseidon“, zum einen wegen der, wie gesagt, gut eingesetzten Effekte und der rasanten Inszenierung, aber vor allem wegen der grandiosen Schauspielerleistung von Richard Dreyfuss.

Die Musik von Klaus Badelt ist übrigens auch eine unglaublich passende Untermalung für diesen Katastrophenfilm.

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Fazit: Enorm spannend, mit tollen Effekten und einem beeindruckenden Richard Dreyfuss, hat mich Wolfgang Petersens „Poseidon“ vollkommen überzeugt.

© 2015 Wolfgang Brunner