Dust Devil (1992)

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Originaltitel: Dust Devil
Regie: Richard Stanley
Drehbuch: Richard Stanley
Kamera: Steven Chivers
Musik: Simon Boswell
Laufzeit: 87 Minuten / Final Cut: 108 Minuten
Darsteller: Robert John Burke, Chelsea Field, Zakes Mokae, John Matshikiza, Rufus Swart, William Hotkins, Terry Norton, Russell Copley, Marianne Sägebrecht
Genre: Horror, Mystery
Produktionsland: Südafrika, Großbritannien
FSK: ab 16 Jahre

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Ein Dämon aus alten Legenden durchstreift in Form eines Gestaltwandlers  die Wüste Namibias. Er sucht Opfer, denn mit jedem Mord wachsen seine Kräfte.
Die junge Wendy flieht vor ihrem tyrannischen Ehemann und begegnet dem geheimnisvollen Wanderer und verliebt sich in ihn.
Währenddessen begibt sich ein ortsansässiger Cop auf die Suche nach dem „Dust Devil“, um ihn ein für alle Mal auszulöschen.

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„Dust Devil“ ist ein zwar in die Jahre gekommener Kultklassiker, der aber bis heute nichts von seinem außergewöhnlichen Reiz verloren hat. Mit einer wilden Mischung aus Horror-Thriller, Mystik und Western schafft es dieser kurzweilige Film auch heute noch absolut zu faszinieren. In hypnotischen Bildern erzählt Regisseur Richard Stanley die Reise eines Wesens aus alten Legenden aus einer anderen Dimension in unserer Realität. Wenn man sich die ersten 10 Minuten von „Dust Devil“ ansieht, fühlt man sich unwillkürlich an eine Umsetzung von Stephen Kings Roman „Schwarz“, dem ersten Teil seiner „Dunklen Turm“- Reihe erinnert. Genauso habe ich mir nämlich zum Beispiel die Hauptperson Roland vorgestellt und nicht wie in der Verfilmung „Der dunkle Turm“. Aber zurück zu „Dust Devil“. Stanley schafft es von der ersten Minute an, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Das liegt vor allem am wunderbaren Agieren des Hauptdarstellers Robert (John) Burke, aber auch an den visuell einwandfreien Aufnahmen, mit denen der Regisseur seine Geschichte erzählt. Hinzu kommt der stimmige und unglaublich atmosphärische Score von Simon Boswell, der das Geschehen auf optimalste Weise untermalt. Seine Mischung aus mystischen, sphärischen Klängen und musikalischen Westernmotiven ist auch ohne Film absolut hörenswert.

Koch Media liegt mit diesem Mediabook sowohl die knapp eineinhalbstündige Kinofassung als auch den eine Stunde und 48 Minuten dauernden Final Cut vor. Gerade letzteren sollten sich Fans dieses Films unbedingt ansehen, denn die ohnehin schon komplexe Handlung wird in diesen zwanzig Minuten weitaus mehr vertieft. Man hätte diesen Plot auch gut und gerne auf drei Stunden ausdehnen können und es wäre nicht langweilig geworden. Die neuen Szenen wurden übrigens, nicht wie man es bei solchen Projekten gewohnt ist, lediglich mit deutschen Untertiteln versehen, sondern sogar neu synchronisiert. Allerdings standen wohl die Originalsprecher und -sprecherinnen nicht mehr zur Verfügung, so dass man in diesen wenigen Szenen auffällig hörbar andere Stimmen vernimmt. Ich persönlich fand das allerdings gar nicht wirklich schlimm.
Was mir bei dieser erneuten Sichtung (ich habe „Dust Devil“ das letzte Mal vor etwa fünfundzwanzig Jahren gesehen) aufgefallen ist, sind die teilweise wirklich krassen Splatter- und Goreeinlagen, bei denen ich mich fragte, warum der Film eine FSK 16- Freigabe erhalten hat. Aber das leidige Thema  FSK hat hier nichts verloren. Freunde von Goreszenen werden bei „Dust Devil“ definitiv ihren Spaß haben, zumal die Effekte allesamt handgemacht und ohne Hilfe von Computer(programmen) angefertigt wurden.

„Dust Devil“ ist für mich heute mehr denn je ein zeitlose Kultklassiker, den man sich immer wieder mal ansehen kann (und auch sollte), denn solche Filme sind in der heutigen Zeit eher selten geworden. Obwohl „Dust Devil“ Anfang der 90er Jahre entstand, wirkt er an manchen Stellen wie ein Werk aus den „goldenen 80er Jahren“. Wer diese kleine Perle noch nicht kennt, sollte dies unbedingt nachholen, zumal es nun eine mehr als würdige Veröffentlichung auf Blu-Ray durch Koch Media gibt.

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Fazit: Tolle Mediabook-Veröffentlichung eines heimlichen Kultfilms. Absolut sehenswert.

©2019 Wolfgang Brunner

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Santa Sangre (1989)

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Originaltitel: Santa sangre
Regie: Alejandro Jodorowsky
Drehbuch: Alejandro Jodorowsky, Robert Leoni, Claudio Argento
Kamera: Damiele Nannuzzi
Musik: Simon Boswell
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Axel Jodorowsky, Adan Jodorowsky Blanca Guerra, Guy Stockwell, Thelma Tixou, Sabrina Dennison, Faviola Elenka Tapia, Jesús Juárez, Teo Jodorowsky
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Mexiko, Italien
FSK: ab 16 Jahre

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Die Kindheit des kleinen Fenix, der einmal Magier in einem Zirkus werden soll, ist ein wahrer Albtraum. Bei einem Streit trennt sein Vater der fanatisch religiösen Mutter beide Arme ab und bringt sich dann vor den Augen seines Sohnes selbst um.
Fenix landet in einer Nervenheilanstalt. Erst als viele Jahre später seine Mutter wieder in Erscheinung tritt, gelingt Fenix als Erwachsener die Flucht vor seiner Vergangenheit. Doch es ist ein schwerer, blutiger Weg bis zur Erlösung …

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„Santa Sangre“ ist ein Film, der mich Sicherheit nicht jedermanns Geschmack trifft. Es ist eigentlich auch gar nicht verwunderlich, das Jodorowskys kontroverser Film für manch einen zu überlastet wirkt. Denn es sind in der Tat eine Unmenge an symbolträchtigen Aphorismen versteckt, die den Film bei der ersten Sichtung förmlich überfluten. Genau das wirkt wahrscheinlich auf viele Zuseher viel zu intellektuell und überladen. Wer sich aber auf Jodorowksys Visionen einlassen kann, der wird mit einem wahnsinnig innovativen und ideenreichen Spektakel belohnt. „Santa Sangre“ ist für mich irgendwie wie eine Mischung aus Filmen von Lars von Trier, Peter Greenaway, Federico Fellini oder an manchen Stellen sogar Werner Herzog. „Santa Sangre“ hat mich tief berührt und oftmals zum Nachdenken gebracht.
Vor allem, ohne jetzt spoilern zu wollen, die Szene, in der Mutter und Vater streiten, stellt für mich eine grandiose Schlüsselszene des gesamten Films dar und hat mich enorm beeindruckt. Da kommt eine Intensität zum Tragen, die mich nicht nur während des Ansehens, sondern auch noch Tage danach schlichtweg umhaut.

Schauspielerisch möchte ich es fast Meisterleistungen nennen, die die Akteure hier abliefern. Denn es ist mit Sicherheit nicht einfach, Jodorowskys skurrile, groteske und teils makabren Visionen zum Leben zu erwecken. Die Schauspielerei wirkt an vielen Stellen theatralisch, was dem Film aber zusätzlich noch einen besonderen Reiz verschafft, dem man sich schlecht entziehen kann, sofern man sich, wie oben bereits erwähnt, darauf einlassen kann. Zumindest auf mich hat der Film einen unglaublichen Sog ausgeübt. „Santa Sangre“ dürfte Jodorowskys zugänglichster Film sein, denn mit seinen bekanntesten Werken „El Topo“ oder „Der heilige Berg“ hat der Regisseur die Geschmäcker der Kinozuschauer weitaus mehr gespalten und strapaziert. „Santa Sangre“ wirkt wie ein irrer Trip ins eigene Ich und konfrontiert den Zuschauer mit Dingen, die einem Albtraum entsprungen erscheinen. Die unglaublich intensive Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Film.

„Santa Sangre“ ist kein weiterer „El Topo“ und hat im Grunde genommen wenig mit dem Einfallsreichtum und Mystizismus von „Der heilige Berg“ zu tun, mit dem Jodorowsky keine Geschichte erzählen, sondern eine Erfahrung mit dem Publikum teilen wollte. Jodorowsky wendet sich fast schon an das Mainstream-Publikum, wenn er seine authentische und äußerst wuchtige Geschichte einer gequälten Seele in Szene setzt. Unverändert allerdings sind seine kraftvollen, ausdrucksstarken Bilder, die lange nachwirken. Dennoch ist „Santa Sangre“  absolut kein massentauglicher Film, sondern eher unbequem, visionär und absurd. Ein Gemisch aus wahnwitzigen, poetischen, philosophischen und blutig-brutalen Ideen. „Santa Sangre“ ist einerseits ein Horrortrip, andererseits eine Art Psychothriller, der unter die Haut geht. Das Publikum wird von beeindruckenden, aber auch gewalttätigen Bildern überflutet. Das Begräbnis eines Elefanten hat Kultstatus erreicht und auch die ein oder andere Szene könnte irgendwann einmal Filmgeschichte sein. Wer echtes, emotionales und künstlerisches Kino erleben will, sollte sich „Santa Sangre“ unbedingt ansehen. Für mich ein Meisterwerk.

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Fazit: Wahnwitziges, poetisches, philosophisches, surreales und blutig-brutales Meisterwerk.

© 2019 Wolfgang Brunner

Die Schlange im Regenbogen (1988)

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Originaltitel: The Serpent And The Rainbow
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Richard Maxwell, Adam Rodman
Kamera: John Lindley
Musik: Brad Fiedel
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Bill Pullman, Cathy Tyson, Zakes Mokae, Paul Winfield, Brent Jennings, Conrad Roberts, Badja Djola, Theresa Merritt, Michael Gough
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 18 Jahre

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Dennis Alan ist Wissenschaftler und sucht im Auftrag eines Pharmaunternehmens auf Haiti nach  einem Pulver, das angeblich Menschen in Zombies, willenlose Untote, verwandeln soll. Mit der Psychiaterin Marielle Duchamp begibt er sich auf eine gefährliche Reise zwischen Leben und Tod …

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Ich habe „Die Schlange im Regenbogen“ das letzte Mal vor circa 30 Jahren gesehen. Schon damals hat mich dieser Film außerordentlich beeindruckt und fasziniert. Umso neugieriger war ich, wie Wes Cravens Voodoo-Shocker heute auf mich wirken würde. Und was soll ich sagen? Der Film hat mich sogar weitaus mehr als vor drei Jahrzehnten mitgerissen. Wie bereits bei seinem Ausnahme-Horrorfilm „Das Haus der Vergessenen“ schlug auch hier Wes Craven einen Weg ein, der sich vom Mainstreamkino etwas entfernt. „Die Schlange im Regenbogen“ ist ein Film, der sich erfreulicherweise mit der Thematik Voodoo und Zombies auf eine komplett andere Art und Weise beschäftigte, wie man es in den 80er Jahren von Filmen mit ähnlicher Thematik gewohnt war. Craven schafft eine einzigartige, fast schon hypnotische Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht. Bill Pullman meistert die Hauptrolle brillant. Und auch der Soundtrack von Brad Fiedel unterstreicht diese außergewöhnliche und bedrückende Stimmung optimal.

Hin und wieder sieht man Szenen, die sogar etwas an Wes Cravens Erfolgshit „A Nightmare on Elm Street“ erinnern. „Die Schlange im Regenbogen“ zeigt einen Horror, der mich an Ken Russells „Der Höllentrip“ erinnert hat: Realität und Drogenrausch vermischen sich zu einer wahnwitzigen Welt. Und die hat Craven hervorragend und vor allem glaubhaft inszeniert. Koch Media hat nun ein Mediabook auf den Markt gebracht, das neben der Blu-Ray auch noch die DVD-Version des Films enthält und eine Bonus-DVD. Jede Menge Extras erwarten den Fan, sodass ich das Mediabook als absolut gelungen bezeichnen möchte. Leider wurde „Die Schlange im Regenbogen“ in der Zeit seiner Veröffentlichung zu einem Flop. Der Film wurde damals definitiv unterschätzt und hat wahrscheinlich nur aus einem einzigen Grund den verdienten Erfolg nicht gehabt: er bedient nämlich nicht die gängigen Horrorklischees und lässt grauenerregenden Monster auf die Kinozuschauer los, sondern zeigt den Horror namens Realität.

In teils wunderschönen Bildern wird hier eine atemberaubende Geschichte erzählt die eventuell nur noch mit dem erwähnten „Der Höllentrip“ oder aber auch dem fantastischen „Angel Heart“ von Alan Parker zu vergleichen ist. Die Aufmachung des Mediabooks ist äußerst ansprechend und gefällt mir sehr gut. Eine Krönung wäre eventuell noch eine CD mit dem Score von Brad Fiedel gewesen, aber man kann schließlich nicht alles haben. Ausschlaggebend ist, dass dieser hervorragende Film endlich eine Veröffentlichung bekommen hat, die er verdient hat. Die Bildbearbeitung ist ebenfalls sehr gelungen. Sicherlich sieht man dem Film sein Alter an, aber in den meisten Szenen bekommt man diesen Streifen jetzt in einer Qualität zu sehen, die bedeutend besser ist als alle bisherigen Publikationen.
„Die Schlange im Regenbogen“ zählt für mich auf alle Fälle zu den zeitlosen Klassikern des „modernen“ Horrorfilms, den man sich immer wieder mal ansehen kann und auch sollte.

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Fazit: Würdige Veröffentlichung eines zeitlosen Horrorklassikers, der seinerzeit leider zu wenig Beachtung fand.

© 2019 Wolfgang Brunner

 

Suspiria (2018)

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Originaltitel: Suspiria
Regie: Luca Guadagnino
Drehbuch: David Kajganich
Kamera: Sayombhu Mukdeeprom
Musik: Thom Yorke
Laufzeit: 152 Minuten
Darsteller: Dakota Johnson, Tilda Swinton, Mia Goth, Angela Winkler, Ingrid Caven, Chloë Grace Moretz, Elena Fokina, Sylvie Testud, Jessica Harper
Genre: Horror
Produktionsland: Italien, USA
FSK: ab 16 Jahre

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Berlin, 1977: Die  Tänzerin Susie kommt  aus Ohio und kann es kaum erwarten,  an einer namhaften Tanzakademie in West-Berlin angenommen zu werden. Doch schon bald wird ihr klar, dass am Institut unter der Leitung von Madame Blanc  etwas Böses und Übernatürliches sein Unwesen treibt. Als die Leiche einer der Tänzerinnen gefunden wird, beginnt für Susie ein wahrer Höllentrip.

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Sobald es um das Remake eines Klassikers geht, wie im vorliegenden Fall um Dario Argentos Kultfilm „Suspiria“, scheiden sich die Geister der Fangemeinde. Die einen bestehen darauf, dass man solch einen Kultfilm einzigartig lassen sollte, weil man ihn ohnehin unmöglich toppen kann, und die anderen geben einem Remake respektive einer Neuinterpretation eine Chance. „Suspiria“ aus dem Jahr 2018 sollte man unbedingt eine Chance geben, denn was Regissseur Guadagnino hier bietet, ist unglaublich.
Zwar richtet sich die Haupthandlung noch nach dem Originaldrehbuch von Argento, aber Luca Guadagnino legt im Grunde genommen eine völlig neue Geschichte vor. Hier handelt es sich eindeutig um kein Remake, sondern um eine vollkommene Neuinterpretation des Stoffes. Der grundsätzliche Plot ist sicherlich noch vorhanden, sprich es spielt sich alles in einer Tanzschule ab, aber der Handlungsort ist zum Beispiel nicht länger München sondern Berlin. Soweit zu den erst einmal nicht besonders gravierenden Änderungen, die der Regisseur vorgenommen hat.

Ich kann meine Begeisterung noch immer nicht unterdrücken, so überrumpelt hat mich diese innovative und visionäre Neuinterpretation von „Suspiria“. Mir fehlen die Worte, denn ich kann gar nicht beschreiben, was dieser Film alles in mir ausgelöst hat: Faszination, Schrecken und eine unglaublich melancholische Traurigkeit am Ende. „Suspiria“ ist ein Wechselbad der Gefühle und eine Inszenierung, die hypnotischer nicht sein könnte. Regisseur  Luca Guadagnino hat ein Meisterwerk geschaffen, das sich bei mir auf einen Knall in die Top Ten meiner All Time Favorites katapultiert hat. „Suspiria“ ist magisch, brutal, melancholisch, steckt voller mystischer Botschaften und einer unglaublichen Liebe zum Leben. Es ist wirklich meisterhaft, wie diese Atmosphäre in Szene gesetzt wurde und einem von der ersten Minute an bis zum Ende nicht mehr loslässt. Der Film hat genau genommen zwei Enden: Eines, das zutiefst verstört, und ein anderes, das einem die Tränen in die Augen treibt. Eigentlich bleibt nicht mehr viel von Argentos Klassiker übrig, denn der Regisseur geht einem vollkommen anderen Weg. Und das ist auch absolut gut so. Dennoch schafft er es, den Geist des alten Films in seine Interpretation hineinzuarbeiten. Ich habe wirklich keine Ahnung, wie er das gemacht hat, aber Fakt ist, dass mich dieser neue Film weitaus mehr beeindruckt hat als Argentos Original, aber dennoch der alten Version auf gewisse Art und Weise huldigt. Es ist wirklich faszinierend wie Regisseur Guadagnino das gemacht hat. Hinzu kommt bei dieser Neuinterpretation, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler absolut perfekt ausgewählt wurden, um diese mehr als geniale Atmosphäre einzufangen.

Ich könnte den Film sofort wieder ansehen, so begeistert und beeindruckt hat er mich. Vor allem lässt er  eine Unmenge an eigenen Interpretationen zu, die einen nachhaltig beschäftigen. Ähnlich wie bei Filmen von David Lynch, Peter Greenaway oder Lars von Trier begleitet einen der Film noch eine Weile nach Sichtung. „Suspiria“ ist die Art von Film, die ich die letzten Jahre oftmals im Kino vermisst habe. Außerordentlich künstlerisch, aber dennoch  spannend und auf gewisse Art und Weise tauglich für ein Massenpublikum, öffnet diese Art von Film ein ganz besonderes Fenster im Gehirn des Zuschauers. Die einen werden den Film einfach so hinnehmen, wie er ist, und die anderen werden unzählige Möglichkeiten hineininterpretieren. Das ist ganz großes Kino, das bewegt und beschäftigt. Ich wünschte mir, es gäbe mehr solcher genialen Filme. Ich bin gespannt, was Regisseur Guadagnino in naher Zukunft noch abliefern wird. „Suspiria“ bekommt definitiv die höchste Punktzahl von mir, die es gibt, und eigentlich noch einen Sonderpunkt extra für den umwerfenden Arthouse-Stil. In meinen Augen ein absoluter Kultfilm, der neue Maßstäbe im Genre setzt.

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Fazit: Beeindruckender Arthouse-Horror, der nachhaltig im Gedächtnis bleibt. Innovativ und emotional.

© 2019 Wolfgang Brunner

Nekromantik (1987)

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Originaltitel: Nekromantik
Regie: Jörg Buttgereit
Drehbuch: Jörg Buttgereit, Franz Rodenkirchen
Kamera: Uwe Bohrer
Musik: Daktari Lorenz, John Boy Walton, Hermann Kopp
Laufzeit: 68 Minuten
Darsteller: Daktari Lorenz, Beatrice Manowski, Harald Lundt, Volker Hauptvogel, Susa Kohlstedt
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

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Der nekrophil veranlagte Robert arbeitet bei einer Säuberungsfirma, die Leichen nach Unfällen und anderen Todesfällen beseitigt. Seine Freundin, die seine Leidenschaft für Leichen teilt, ist begeistert, als er einen der Toten mit nach Hause bringt. Sie beginnen eine sexuelle Dreiecksbeziehung mit der Leiche. Doch dann verliert Robert seine Arbeit und kurz danach deswegen seine Freundin, die ihn zusammen mit der Leiche verlässt. Robert versinkt in Depressionen …

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Buttgereits erster Langfilm ist definitiv Geschmackssache. Der im Super 8-Format gedrehte Amateurfilm gefällt einem oder nicht – ein Dazwischen wird es nicht oder zumindest schwerlich geben.
Wenn man sich auf den Inszenierungsstil einlässt, erwartet einen ein äußerst beeindruckendes Werk, das einerseits schockiert, andererseits wunderschöne, künstlerische Darstellungen enthält. Es ist eine gewagte Gratwanderung, die Buttgereit hier wagt, aber meiner Meinung nach hervorragend meistert.
Die Musikuntermalung in Verbindung mit den gezeigten Bildern erinnert oftmals an Filme von Peter Greenaway oder Michael Haenekes „Benny’s Video“. Der Regisseur schafft es tatsächlich, dass man von dem Thema Nekrophilie angewidert, aber auch morbide fasziniert ist und den Blick von den manchmal schrecklichen Szenen nicht abwenden kann. Die künstlerischen Ambitionen, die Buttgereit verfolgt, werden vielen nicht ersichtlich sein, weil sie den Film als Schrott abtun und sich nicht darauf einlassen.

„Nekromantik“ ist meiner Meinung nach ein geschickt inszeniertes Liebesdrama, das seinen Schrecken nicht nur durch schockierende Splattereinlagen, sondern in erster Linie in einem äußerst behutsam dargestellten Versuch, Sex mit einer Leiche darzulegen, findet. „Nekromantik“ ist nichts für Weicheier, die Wert auf den guten Geschmack legen. Wer aber künstlerisch ambitioniertes, abseits des Mainstream angelegtes Genrekino aus Deutschland sucht und sich sowohl auf die Thematik und als auch den außergewöhnlichen Inszenierungsstil einlassen kann, wird eine kleine Perle unter den Amateur-Horror-Filmen finden, die sich ins Hirn einbrennt.

Jörg Buttgereits Film bricht eindeutig Tabus und zeigt hervorragend, wie man so etwas machen kann. Sensibel, morbide, schockierend, experimentell, bewegend, verstörend … und letztendlich auf gewisse Art und Weise künstlerisch. Man muss „Nekromantik“ einfach gesehen haben, um sich seine eigene Meinung zu bilden. Für mich ist dieses gelungene Experiment aus schockierendem, tabubrechendem Horror-Splatter-Albtraum und sensibel berührender Liebesgeschichte auf jeden Fall gelungen und unvergesslich.

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Fazit: Buttgereit bricht Tabus und schockt mit sichtbarem und psychologischem Grauen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Cold In July (2014)

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Originaltitel: Cold In July
Regie: Jim Mickle
Drehbuch: Jim Mickle, Nick Damici
nach dem Roman von Joe R. Lansdale
Kamera: Ryan Samul
Musik: Jeff Grace
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Michael C. Hall, Sam Shepard, Don Johnson, Vinessam Shaw, Nick Damici, Wyatt Russell, Lanny Flaherty, Rachel Zeiger-Haag, Brogan Hall
Genre: Thriller, Drama, Literatur
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Richard Dane wacht in der Nacht auf und überrascht einen Einbrecher. In Notwehr erschießt Dane den Mann und wird von den Bewohnern als Held gefeiert. Doch es dauert nicht lange und der Vater des Erschossenen taucht auf und sinnt auf Rache. Dane muss um sein eigenen Leben und das seiner Familie fürchten. Doch schon bald stellt sich heraus, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Dane findet Hilfe bei Bob Luke, einem sehr eigenwilligen Gesetzeshüter.

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Regisseur Mickle hat mich schon mit „Vampire Nation“ und „We Are What We Are“ total fasziniert. Was er mit „Cold In July“ abgeliefert hat, fügt sich nahtlos in meine Begeisterungsliste ein. Ein abgefahrener Rache-Thriller, der in den Südstaaten spielt, und neben tollen Schauspielern viele unerwartete Wendungen bereithält.

Eines von Mickles Vorbildern muss wohl John Carpenter sein, denn durch die wahnsinnig stimmungsvolle Musik von Jeff Grace fühlt man sich desöfteren an Carpenters Kultfilme wie zum Beispiel „Die Klapperschlange“ oder „Assault – Anschlag bei Nacht (Das Ende)“ erinnert. Da kommt so manches Mal eine unglaublich gute Stimmung auf, die den Film zu einem beeindruckenden Erlebnis macht. Die wirklich überraschenden Wendungen haben mir außerordentlich gut gefallen, genauso wie das Wiedersehen mit „Miami Vice“ Don Johnson und „Six Feet Under“ Michael C. Hall. Die beiden spielen wunderbar. Daneben glänzt Sam Shepard in einer wie auf ihn zugeschnittenen Rolle.
Der Plot funktioniert so richtig gut und läßt niemals Langeweile aufkommen.
Inszenierung, Musik, ein gutes Drehbuch und das Zusammenspiel der drei Hauptprotagonisten macht „Cold in July“ zu einem echten Überraschungshit. Hinzu kommen die gekonnt und alles andere als aufdringlich verstreuten Anspielungen auf Kultfilme wie Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ oder Tarantinos „Kill Bill“. Das macht gute Laune und erweckt desöfteren den Eindruck, man sähe einen Kultfilm. Das Potential dazu hat Mickles satirischer Actionfilm auf alle Fälle.

Was als hochspannender, fast schon gruseliger Thriller beginnt, endet in einem witzigen und dennoch brutalen Actionreißer. Diese Mischung hat es wirklich in sich …

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Fazit: „Cold in July“ erinnert sehr stark an die besten Fime von John Carpenter und wandelt sich von einem dramatischen, beängstigenden Thriller in einen brutalen, mit Witzen gespickten, Actionfilm. Absolut sehenswert!

© 2015 Wolfgang Brunner

Die Klasse von 1984 (1982)

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Originaltitel: Class Of 1984
Regie: Mark L. Lester
Drehbuch: Mark L. Lester, John C. W. Saxton, Tom Holland
Kamera: Albert J. Dunk
Musik:Lalo Schifrin
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Perry King, Merrie Lynn Ross, Timothy Van Patten, Roddy McDowall, Stefan Arngrim, Michael J. Fox, Lisa Langlois, Al Waxman, Keith Knight
Genre: Thriller
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahren (Indiziert)

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Andrew Norris ist der neue Musiklehrer an einer amerikanischen Highschool. Schon bald muss er feststellen, dass dort raue Sitten herrschen und die Schüler mit Messern und Waffen zum Unterricht kommen. Norris will sich den Jugendlichen, allen voran dem 16-jährigen Stegman und seiner Gang, nicht beugen und versucht, sie in ihre Schranken zu verweisen. Was auf dem Schulgelände beginnt, weitet sich zu einem brutalen Machtkampf zwischen den Jugendlichen und dem Lehrer aus, der bis in die Privatsphäre des Musiklehrers eindringt.

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Mark L. Lesters radikaler Highschool-Thriller war, ist und bleibt für mich Kult!
Ich bin auch der Meinung, dass dieser Film seinerzeit verkannt wurde, denn Regisseur Mark Lester hat hier nicht einfach nur einen plumpen, brutalen Thriller auf Zelluloid gebannt, sondern auch einen sozialkritischen Hintergrund berücksichtigt. Da gehen die Meinungen mit Sicherheit auseinander, aber ich empfand „Die Klasse von 1984“ zum einen gar nicht einmal so unglaubwürdig und abwegig und zum anderen sind in dem Film auch sehr viele kleine „Menschlichkeiten“ verborgen.
Perry King für die Rolle als Lehrer zu verpflichten, empfinde ich als Glücksgriff, denn seine Art macht die Handlung richtig glaubhaft und man kann sich durchaus in die Gedanken des bedrohten Erwachsenen hineinversetzen. Aber auch Timothy Van Patten in der Rolle des punkigen, bösen und hinterlistigen Teenagers Peter Stegman hätte besser fast nicht gewählt werden können. Van Patten hat sich in den letzten Jahrzehnten übrigens zu einem ziemlich erfolgreichen Regisseur gemausert (er inszenierte einige Folgen der Serien „Die Sopranos“, „Sex And The City“, „Rom“, „Boardwalk Empire“ und nicht zuletzt „Game Of Thrones“).
Michael J. Fox ist in Lesters Rache-Drama in seiner zweiten Rolle zu sehen und kann ebenfalls durchaus überzeugen.

Der Spannungsbogen, in dem sich der Hass zwischen Teenager und Lehrer immer mehr aufbaut, ist grandios von Mark L. Lester gemeistert und begeistert mich nach mehrmaligen Ansehen auch nach über 30 Jahren noch immer. Warum der Film in der ungekürzten Fassung noch immer auf dem Index steht, ist für mich ein Rätsel (und wird es wohl auch bleiben). Die gezeigte Brutalität hält sich meines Erachtens sehr in Grenzen und zeigt lediglich, was handlungstechnisch auch nötig ist. Hier wird einfach nur stimmig dargestellt, wie es zu einer Situation kommen kann, in der Gewalt mit Gewalt bekämpft wird.

Der Titelsong von Alice Cooper („We Are The Future“) ist ein Ohrwurm, den ich noch heute immer wieder mal in meinen Gedanken höre. „Die Klasse von 1984“ ist ein Film aus meiner Jugend, der in meinen Augen ein zeitloser Klassiker im Thriller-Genre darstellt.

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Fazit: Kultfilm aus den 80er Jahren mit beeindruckenden Darstellern, einem tollen Soundtrack und auf gewisse Art und Weise auch einer „Message“. Immer wieder sehenswert!

© 2015 Wolfgang Brunner