Dark House (2014)

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Originaltitel: Dark House
Regie: Victor Salva
Drehbuch: Victor Salva, Charles Agron
Kamera: Don E. FauntLeRoy
Musik: Bennett Salvay
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Tobin Bell, Lesley Anne-Down, Luke Kleintank, Alex McKenna, Anthony Rey, Zack Ward, Lacey Anzelc, Ethan S. Smith
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Nick zeichnet schon als kleiner Junge immer wieder das gleiche Haus, das er niemals in der Realität gesehen hat. Als seine Mutter bei einem Brand ums Leben kommt, erbt Nick von ihr genau jenes Anwesen.
Als er mit seinen Freunden das Haus erreicht, erwartet ihn ein schreckliches Geheimnis. Sein verstorbener Vater erscheint und mit ihm axtschwingende Kreaturen, die Jagd auf Nick und seine Freunde machen.

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Victor Salvas Horror-Thriller fügt sich stilistisch an seine größten Erfolge „Jeepers Creepers“ und „Jeepers Creepers 2“ ein. Ein Hauch von 80er Jahre-Flair zieht sich durch die an sich seichte Story, die aber mit teils wunderbar atmosphärischen Aufnahmen punkten kann. Gerade die Inszenierung der axtschwingenden Kreaturen ist Salva sehr gut gelungen und erinnert in manchen Einstellungen an John Carpenters „Vampire“. Salva verfilmt sein, zusammen mit Charles Agron verfasstes, Drehbuch geradlinig und ohne großartige Schnörkel.

Das Ganze beginnt auch eher wie ein Mystery-Thriller, der mit relativ wenigen Spannungsmomenten fast eine Stunde lang erst einmal eine düstere Atmosphäre aufbaut. Salva ist das wirklich gut gelungen und, auch wenn man hinter der reißerischen Filmbeschreibung eigentlich einen harten Horrorfilm erwartet hat, stimmt einen diese eher ruhige Inszenierung zufrieden. Je weiter sich der Plot dann dem Ende nähert, kommen echte Horrorelemente ins Spiel, die den Film vorantreiben.

Don E. FauntLeRoys Kameraarbeit ist sauber und fängt die von Salva gewünschte Stimmung wie auch schon in den beiden genannten „Jeepers Creepers“-Filmen geschickt ein. Schauspielerisch kann „Dark House“ zwar keine Meisterleistungen verzeichnen, aber Luke Kleintank kann in der Hauptrolle dennoch überzeugen. Lesley Anne-Down, die übrigens mit Kameramann FauntLeRoy verheiratet ist, hat mir in ihrer Rolle als Lilian ebenfalls gefallen.
Obwohl „Dark House“ eher Standardkost für den Genrefreund bietet, finden sich vereinzelt sehenswerte Goreszenen und ein wendungsreicher, jedoch auch oft vorhersehbarer Plot.
Langeweile kommt trotzdem nie auf und alleine schon wegen der düsteren Atmosphäre sollten sich Freunde unheimlicher Filme den Streifen ansehen.

Tobin Bells charismatische Ausstrahlung kommt leider zu kurz, denn er taucht nicht besonders oft auf. Hätten die beiden Drehbuchautoren mehr Augenmerk auf seinen Charakter geworfen, wäre unter Umständen ein besserer Film entstanden. Vereinzelte logische Fehler nehmen „Dark House“ seine Atmosphäre und Stimmung zwar nicht, hätten aber durchaus verhindert werden können.

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Fazit: Stimmungsvoller, anfangs ruhiger Horror-Thriller, der erst gegen Ende blutig und spannend wird. „Dark House“ bietet nichts Neues, unterhält aber trotzdem aufgrund seiner soliden Inszenierung.

© 2015 Wolfgang Brunner

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Out Of The Dark (2014)

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Originaltitel: Out Of The Dark
Regie: Lluís Quílez
Drehbuch: Alex Pastor, David Pastor, Javier Gullón
Kamera: Isaac Vila
Musik: Fernando Velázquez
Laufzeit: 93 Minuten
Darsteller: Julia Stiles, Scott Speedman, Stephen Rea, Vanessa Tamayo, Alejandro Furth, Pixie Davies, Guillermo Morales Vitola
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Spanien, Kolumbien, Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Sarah soll die Leitung über die Firma ihres Vaters übernehmen und zieht mit Ehemann Paul und Tochter Hannah nach Kolumbien, wo sie in ein verträumtes Häuschen einzieht. Doch plötzlich wird Hannah krank und als Sarah von einer alten Legende erfährt, die seit Jahren in der Stadt erzählt wird, erkennt sie plötzlich einen Zusammenhang zwischen den Geschichten von verschwundenen Kindern und der Erkrankung ihrer Tochter.

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Lluís Quílez‘ Langfilm-Debüt bietet nicht besonders viel Neues im Horror-Mystery-Grusel-Bereich. Dennoch schafft der Regisseur einen atmosphärischen Film mit schönen Bildern und tollen Sets. Vieles ist vorhersehbar, nimmt aber dem Plot komischerweise trotzdem nicht die Spannung. Auf schöne und ruhige Weise wird eine Geschichte erzählt, die ihren grausigen Ursprung in der Vergangenheit hat.

Für viele mag „Out Of The Dark“ langweilig wirken, aber gerade die fehlende Effekthascherei und die unblutige Inszenierung hatte für mich einen Reiz, dem ich mich nicht entziehen konnte. Quílez legt mehr Wert auf eine Geschichte, als auf Schockeffekte und Blut. Dennoch hätte der Inszenierung ein paar erschreckende Gruselmomente nicht geschadet.
Die schöne Stimmung wird durch die passende und hervorragende Musik von Fernando Velázquez unterstriche, der unter anderem für Filme wie „Mama“, „The Impossible“ (absolut toll) oder „Das Waisenhaus“ die Musikuntermalungen komponierte. Seine Klänge passen wirklich gut zu den Bildern und der Geschichte.

Wie gesagt, Neues und Überraschungen darf man ebenso wenig erwarten, wie Schockmomente oder blutige Gore-Szenen. Schauspielerisch war ich ebenfalls zufrieden, denn die Darsteller agieren überzeugend und machen ihre Arbeit gut, obwohl keine der Rollen eine schauspielerische Herausforderung ist. Die Geschichte ist konstruiert und vorhersehbar, aber trotzdem nicht langweilig. Es wird kräftig in die Klischee-Kiste gegriffen, aber wahrscheinlich vermittelt „Out Of The Dark“ dadurch sogar ein klein wenig nostalgischen Hauch von alten Horrorfilmen. Mir hat die gruselige Stimmung gefallen. Den Drehort in eine kolumbianische Kleinstadt zu legen, ist ein inszenatorischer Schachzug, der die im Grunde genommen seichte und ideenlose Handlung übertüncht. „Out Of The Dark“ ist kein besonderer, aber auch kein schlechter Film. Gesehen haben muss man ihn allerdings nicht.

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Fazit: Ruhiger und ideenloser, aber dennoch handwerklich guter Horror-Thriller, der mehr Wert auf die Geschichte und Bilder als auf Schockmomente und Blut legt.

© 2015 Wolfgang Brunner

ExitUs -Play It Backward (2015)

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Originaltitel: Exeter
Alternativtitel: Backmask
Alternativtitel für den englischen Markt: The Asylum
Regie: Marcus Nispel
Drehbuch: Kirsten Elms
Kamera: Eric Treml
Musik: Eric Allaman
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Kelly Blatz, Brittany Curran, Brett Dier, Gage Golightly, Nick Nicotera, Nick Nordella, Michael Ormsby, Kevin Chapman
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Alkohol und Drogen veranlassen eine Gruppe Jugendlicher, mit dem sogenannten Backmasking – einer Praktik, bei der Platten rückwärts abgespielt werden, um übernatürliche Botschaften zu empfangen – zu experimentieren. Sie suchen dafür eine verlassene Anstalt auf, um ungestört zu sein. Doch kaum hat das Experiment begonnen, wird einer der Jugendlichen von einem grauenvollen Dämon besessen …

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Ich war wirklich sehr gespannt auf diesen Film, vermittelte doch das Cover einen sehr atmosphärischen Eindruck, der mich sofort an den grandiosen „Session 9“ erinnerte. Natürlich dachte ich nicht, dass es sich bei „ExitUs“ um einen so ruhigen und melancholischen Film handelt. Vielmehr rechnete ich mit einer Mischung aus dem obengenannten und einem reißerischen Exorzisten-Okkult-Thriller. Nun ja, um es kurz zu machen: Ich wurde sehr enttäuscht.
Der Einstieg funktionierte noch grob, aber es dauerte nicht lange und das Gesülze der Protagonisten ging mir fürchterlich auf den Keks. Die Dialoge sind absolut niveaulos und stupide. Auch die schauspielerischen Leistungen, sofern man überhaupt von Leistungen sprechen kann, lassen sehr zu wünschen übrig.

Die Thematik des Backmaskings hätte enormes Potential gehabt, wurde aber hier lediglich kurz angeschnitten und als Mittel zum Zweck für einen schon hundert Mal gesehenen Plot benutzt. Keine innovativen Ideen, eine relativ einfallslose Inszenierung und schlechte Schauspieler machen die ersten beiden Drittel dieses Horrorfilms fast unerträglich. Im letzten Drittel nimmt die Geschichte und auch die Regie zwar Fahrt auf, kann aber das bereits geschehene Desaster kaum retten. Plötzlich fließt Blut und eine gewisse Dramatik nimmt Gestalt an, die durch gut gemachte und derbe Splatterszenen unterstrichen wird. Aber da ist es eigentlich schon zu spät, um den bis dahin geduldig ausgeharrten Zuschauer noch milde zu stimmen. Der Zug ist abgefahren, wie man so schön sagt, und man genießt zwar die Wendung zum Positiven, hakt das Ganze aber nach dem Abspann bereits wieder ab. Da hat Marcus Nispel seine Chance vertan, denn die Thematik einer rückwärts abgespielten Schallplatte mit dämonischer Botschaft in Verbindung mit einer verlassenen Klinik, in der sich alles abspielt, hätte einen Kultklassiker ergeben können.
So ist aber ein 08/15-Horrorfilm entstanden, der nichts Neues bringt und abgedroschene, leere Teenager-Charaktere behandelt, die im Grunde genommen ziemlich doof wirken. Da wird so manche Szene zur unfreiwilligen Lachnummer, wenn die Hohlbirnen sich unterhalten, als wären sie aus der ersten Klasse. Schade drum!

Sehenswert sind zum einen die am Ende gezeigten Splatterszenen, die wirklich gut gemacht sind und Wirkung zeigen und zum anderen die hervorragende Kulisse des verlassenen Klinikgebäudes. Aber alles, was sich darin abspielt, ist viel Lärm um nichts. Die zahlreichen inszenatorischen Fehler brauche ich eigentlich gar nicht erwähnen, um meine Meinung kundzutun, dass es sich bei „ExitUs“ um eine echt lahme Gurke handelt.

Dass der Film unter verschiedenen Titeln („Exeter“ und „The Asylum“) läuft, ist außerdem für mich schon wieder eine extrem fiese Vermarktungsstrategie, um den qualitätsarmen Streifen bei unwissenden Konsumenten unter die Leute zu bringen, die vielleicht unter einem der Titel vernommen haben, dass es sich um einen unbedeutenden Film handelt und aufgrund eines anderen Filmnamen dann doch noch einmal zugreifen.

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Fazit: Das Potential für einen wirklich guten Horror-Mystery-Thriller wurde in jeder Sekunde verschenkt. Eine wahnsinnig gute Kulisse und gute Splattereffekte machen noch lange keinen guten Film aus. „ExitUs“ ist nicht der Rede wert, zumal auch noch schauspielerische Hohlköpfe mitwirken.

© 2015 Wolfgang Brunner

Zombiber (2014)

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Originaltitel: Zombeaver
Regie: Jordan Rubin
Drehbuch: Al Kaplan, Jon Kaplan, Jordan Rubin
Kamera: Jonathan Hall
Musik: Al Kaplan, Jon Kaplan
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Lexi Atkins, Chad Anderson, Rachel Melvin, Cortney Palm, Jake Weary, Hutch Dano, Rex Linn
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Durch einen Autounfall gerät toxischer Abfall in einen See, in dem Biber leben. Als die Tiere mit der giftigen Flüssigkeit in Berührung kommen, mutieren sie zu aggressiven Zombie-Bibern, die sofort Jagd auf junge Leute machen, die das Wochenende am See verbringen wollten. Schon bald verwandelt sich eines der Opfer in ein Mischwesen aus Zombiebiber und Zombiemensch …

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Hmmm … „Zombiber“ fängt wirklich vielversprechend an und auch der hohe Trash-Anteil, der schon in den ersten Minuten aufkommt, macht Spaß. Klar weiß man, was auf einen zukommt, denn alleine schon der Titel verheißt keinen ernstzunehmenden Horror-Splatter. Filme wie „Cabin Fever 2“ und „Rec 3“ fielen mir da spontan ein.  Und genau aus diesem Grund gibt man dem Film immer wieder eine neue Chance, obwohl er bereits nach kurzer Zeit so manches Mal in fast schon unerträglichen Klamauk abdriftet.
Sicherlich sind einige Gags dabei, die wirklich amüsant sind: Da wird zum Beispiel das Fehlen eines Handynetzes zum großen Problem. Viele Dialoge sind geglückt und haben mich auch schon mal herzhaft lachen lassen. Aber dann „stört“ immer wieder primitives Gelaber den  Unterhaltunsgwert. Die zahlreichen sexuellen Anspielungen und Szenen fand ich zum Beispiel unerträglich.

Auch wenn die zu Zombies gewordenen Biber größtenteils lächerlich wirken, erhalten die Creature-Macher absolutes Lob von mir. Denn gerade in Zeiten von CGI-generierten Effekten einen Film mit Handpuppen und Stoff-Dummys zu drehen, verdient großen Respekt und bringt den Zuseher wieder in eine Zeit zurück, wo man „nur“ so gearbeitet hat („Critters“, „Gremlins“ oder „Munchies“ lassen grüßen 🙂 ).
„Zombiber“ ist Trash pur und macht im Großen und Ganzen Spaß, wären da nicht die Slapstickeinlagen, die oftmals äußerst peinlich wirken. Genau das ist es auch, was mir den Film letztendlich vermiest hat. Das hätte man wirklich besser und auf einem „höheren“ Trash-Niveau machen können.

Die Schauspieler sind soweit in Ordnung, aber sie bringen keine Meisterleistungen, was ich aber auch gar nicht erwartet habe. „Zombiber“ bewegt sich auf dem Niveau des grottigeren „Cabin Fever“, ist aber weitaus lustiger und alleine schon wegen den liebevollen Creature-Effekten sehenswert.
Wie gesagt, ein Teil der Gags funktioniert auch ganz gut und kann amüsieren, den Rest kann man leider in die Tonne klopfen.
Die Splattereinlagen  sind teilweise derb und sehr blutig, was zwar die Stimmung des Horrorfans ein wenig milde stimmt, aber retten können sie das Desaster auch nicht. „Zombiber“ ist ein Film, den man nicht unbedingt sehen muss. Für abgebrühte Trash-Fans mag er durchaus seine Reize haben, ich kann auf ein zweites Mal verzichten. Dafür gibt es zu viele bessere Trash-Perlen.

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Fazit: Teils witzig, teils niveauloser Slapstick. Trash-Film mit liebevollen Handpuppen-Zombiebibern, der aber streckenweise nervt. Insgesamt überwiegen leider die Negativpunkte.

© 2015 Wolfgang Brunner

Backcountry – Gnadenlose Wildnis (2014)

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Originaltitel: Backcountry
Regie: Adam MacDonald
Drehbuch: Adam MacDonald
Kamera: Christian Bielz
Musik: Frères Lumières
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Missy Peregrym, Eric Balfour, Jeff Roop, Nicholas Campbell
Genre: Thriller
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 16 Jahre

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Jenn und Alex wollen ein romantisches Wochenende in der Wildnis eines Nationalparks verbringen. Sie genießen die Natur und laufen immer tiefer in die Wälder hinein, bis sie bemerken, dass sie sich verlaufen haben. Das wäre an sich nicht weiter schlimm, würden sich nicht ihre Befürchtungen, dass sie aus Versehen das Revier eines Braunbären betreten haben, immer mehr bestätigen …

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Mit „Backcountry“ hat Adam MacDonald ein sehr eindringliches Survival-Drama erschaffen, das mich spontan an „Grizzly“ aus dem Jahr 1976 denken ließ.  Aber MacDonald geht einen anderen, weitaus besseren und geradlinigeren Weg. Sein Survival-Thriller setzt, bis auf wenige Ausnahmen, eher auf subtiles Grauen, das sich nicht nur bei den Protagonisten, sondern auch beim Zuschauer mit jeder Minute des Films weiter ausbreitet.
Alles beginnt mit einem romantischen und lebensfrohen Wochenendausflug in einen Nationalpark. Dabei stellt MacDonald seine beiden Hauptdarsteller vor und blendet den ahnungslosen Zuseher mit grandiosen Naturaufnahmen. Dann betritt ein Fremder die Bühne (grandios dargestellt von Eric Balfour, der wohl vielen noch als Gabriel Dimas aus „Six Feet Under“ in Erinnerung ist). Undurchsichtig dringt der Fremde in die Privatsphäre des Paares ein, wodurch MacDonald ein unangenehmes Gefühl im Bauch des Zuschauers verursacht. Doch es kommt ganz anders, denn der eigentliche Feind ist nicht der Mensch sondern das Tier. In diesem Falle ein gigantischer Braunbär, in dessen Revier die beiden Wanderer aus Versehen eingedrungen sind.

Bis zum ersten Auftauchen des Bärs muss sich der Zuschauer allerdings gedulden. Für die einen ist der Film bis dahin enorm langweilig, für die anderen (zu denen ich mich zähle) ist genau diese langsame Entwicklung von einem normalen Wochenendtrip zu einem schrecklichen Überlebenskampf die richtige Art und Weise, die Spannungsschraube konstant weiter zu drehen. MacDonald macht es richtig und verzichtet in der ersten Hälfte auf spektakuläre und actionlastige Szenen, so dass das Grauen, wenn es dann eintritt, schockierend echt und authentisch wirkt.
Die blutigen Szenen schlagen einem auf den Magen, so detailliert und realitätsnah sind sie. Was dann folgt, ist eine „ruhige“, aber nichtsdestotrotz durchaus spannende Flucht durch eine Wildnis, die dem Tier und nicht dem Menschen gehört. An einer Stelle wirkte der Bär auf mich leider etwas tapsig und nicht wirklich bedrohlich, aber das ist nicht weiter schlimm.

„Backcountry“ ist ruhig und dennoch schockierend und spannend, wenngleich die verhaltene Inszenierung nicht jedermanns Sache sein dürfte und für viele (vor allem action- und splatterlastiges Publikum) eher öder wirken wird. Ich persönlich mochte diese Regie, weil sie zwar zurückhaltend, aber dadurch nicht weniger eindringlich ein Drama erzählt, das gerade aus diesem Grund schockiert. „Backcountry“ ist weniger sensationsträchtiger Horror als vielmehr ein Drama, bei dem menschliches Leid und Überlebensangst aufgezeigt wird.

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Fazit: Ruhig inszeniertes Drama, das aufzeigt, wie schnell und schockierend sich das Leben in einen schrecklichen Alptraum verwandeln kann. Nur durch wenige blutige Schockmomente vermag Regisseur Adam MacDonald den Zuschauer trotzdem zu erschüttern und verstören.

© 2015 Wolfgang Brunner

Harry & Bo (2008)

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Originaltitel: Harry & Bo
Regie: Slavko Spionjak
Drehbuch: Slavko Spionjak
Kamera: Reinhard Eggersdorfer
Musik: Alex Komlew, Johannes Rothenaicher
Laufzeit: 39 Minuten
Darsteller: Lorenzo Patane, Janne Drücker, Mark’n’Simon, Raphael Nocholas, Mirja Mahir, Antonio Putignano, Bernd Bozian
Genre: Komödie, Drama, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab o Jahre

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Der Alkoholiker und Versager Harry rettet zusammen mit seiner Schwester Bo die Menschheit vor einer Alieninvasion.

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Slavko Spionjaks Kurzfilm beginnt wie ein Drama, in dem die Problematik eines Alkoholikers behandelt wird. Man braucht ein wenig, um Lorenzo Patane die Rolle eines Trinkes abzunehmen, aber der Schauspieler italienischer Abstammung schafft es sehr schnell, die Zuschauer zu überzeugen. Auch Janne Drücker als Bo kann in ihrer Rolle voll punkten. Es macht schon riesigen Spaß, den beiden zuzusehen, wie sie sich anfeinden, aber dennoch auf gewisse Art und Weise zueinander stehen.

Was wie ein Drama beginnt, verändert sich schleichend zu einer unheimlich guten und ideenreichen Science Fiction-Story, in der auf viele bekannte Kinofilme in abgeänderter Form angespielt wird. Da merkt man, dass das Team um Slavko Spionjak Filme dieser Art mag.
In der zweiten Hälfte werden dann auch Special Effects geboten, die wirklich grandios sind. Oft fühlte ich mich an die wunderbare SF-Kult-Serie „LEXX“ erinnert. Unglaublich liebevoll wurde an diesen Effekten gebastelt, die sich hinter größeren und bedeutend teureren Produktionen in keiner Weise verstecken brauchen. Slavko Spionjak hat mit seiner Schwester Slavica und Ehefrau Rita Fichtl-Spionjak wieder ganze Arbeit geleistet und einen Kurzfilm auf die Beine gestellt, der sich zum einen sehen lassen kann und zum anderen richtig Spaß macht.

Die CGI-Effekte sowohl des Aliens wie auch der Raumschiff-Aufnahmen verdienen absolutes Lob, zumal sie vom Spionjak-Team mit einem minimalen Budget kreiert wurden. Das macht einen an manchen Stellen wirklich sprachlos. Die Masken der Außerirdischen sind ebenfalls der Hammer und man mag kaum glauben, was man mit wenig Geld zustanden bringen kann, wenn man mit Euphorie bei der Sache ist. Die Bilder des Raumschiffs sind genial und lassen das Herz eines jeden Star Wars- und Star Trek-Fans höher schlagen.

„Harry & Bo“ ist ein Independent-Film, der, wenngleich die Handlung ein wenig konstruiert wirkt, absolut toll unterhält und großes Talent zeigt.

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Fazit: Independent-Kurzfilm aus Deutschland mit hervorragenden Effekten und Masken, die trotz geringem Budget absolut überzeugen.

© 2015 Wolfgang Brunner

Interview mit dem Komponisten René Bidmon

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René Bidmon befasste sich schon als Kind mit Musik und arbeitete über 20 Jahre daran, seinen eigenen Stil zu kreieren und zu formen. Er war in mehreren Bands tätig und entdeckte schliesslich seine Leidenschaft für das Komponieren von Filmmusik.

Bidmon ist in unterschiedlichen Musikrichtungen unterwegs. Klassische Musik und elektronische Musik gehören allerdings zu seinen Favoriten. Derzeit arbeitet er aber an einem Rock-Soundpack, welches man für diverse Filmprojekte verwenden kann.

Film-Besprechungen freut sich, dem sympathischen Tonkünstler ein paar Fragen stellen zu dürfen.

1 Wie gehst Du bei Kompositionen vor? Wo fängst Du bei einer Filmmusik an?

Im Vorfeld bespreche ich mit dem Regisseur, wie er den Score gerne haben würde. Soll die Musik düster klingen? Soll sie atmosphärisch sein? Mit viel Orchester oder dezenten Flächen usw…
Danach sehe ich mir den Film an und beginne bei den Stellen, wo mir sofort etwas einfällt. Ich fange nicht unbedingt von vorne an, sondern dort, wo mich die Muse küsst.

2 Welcher Score / welche Komposition war Deine größte Herausforderung?

Mein erstes Projekt „Necrophile passion“(Tom Heidenberg). Mit dieser Arbeit bin Ich in die Welt des Filmes eingetaucht. Es war Neuland für mich, bewegte Bilder zu vertonen. Dazu kam, dass fast der komplette Film mit Musik unterlegt werden sollte. Ich habe den Auftrag aus reiner Neugier angenommen, weil ich wissen wollte, ob ich es packe. Die Aufgabe schien am Anfang unmöglich, weil jede Töne zu den Bildern passen und die Tempi und die Melodien mit dem Ablauf harmonieren mussten. Und das Schwierigste: Ein überzeugendes Ergebnis sollte dabei rauskommen. Ich war mit so vielen Details konfrontiert und musste jede Menge andere Aspekte berücksichtigen wie nie zuvor. Das trieb mich echt an meine Grenzen.

3 Die unvermeidliche Frage: Wer sind Deine Vorbilder?

Es gibt da einige brillante Köpfe, die ich sehr bewundere. Einer davon ist W.A. Mozart. Er hatte ein Verständnis für die Musik wie kein anderer. Oder auch Beethoven. Seine 9. Symphonie hatte er in absoluter Taubheit geschrieben. Eine Wahnsinnsleistung. Ebenso gehört Hans Zimmer zu meinen großen Vorbildern. Er ist meines Erachtens der innovativste Musiker der Neuzeit und seine Stücke geben den Filmen ihre unverkennbare Note.

4 Mit welchen Projekten bist Du in nächster Zeit beschäftigt?

Antithese“ (Thomas Binder, Jonas Sommer) wird voraussichtlich mein nächstes Projekt. Es wird aber vielleicht noch eine Weile dauern, da der Film noch nicht abgedreht ist. Bei „Antithese“ werde ich übrigens den Ton machen. „Would you go to hell for me“ (El Gore) wird dann das nächste Projekt. Die Erwartungen sind hoch, weil mich da wieder etwas Horrormäßiges erwarten wird. Wenn es keine Auftragsarbeiten gibt, komponiere ich an Soundpacks. Musik für Medien.

5 Für welchen (bekannten) Film hättest Du gerne den Soundtrack komponiert?

Ehrlich gesagt hab ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Es würde da einige geben, die ich gerne gemacht hätte. Auf die Schnelle fällt mir „Matrix“ ein. Dieser Film hat mich schwer beeindruckt. Alleine die Filmidee würde mich ohne Ende inspirieren. Man hat da ein musikalisch breites Spektrum zur Auswahl, das passen würde. Und die Trilogie wurde weitgehend düster gehalten und düstere Musik komponieren ist eine kleine Leidenschaft von mir. 🙂

6 Wie und wo kommen die Ideen zu Dir? Wie dürfen wir uns Deine Arbeitsweise vorstellen?

Meistens kommen die Ideen direkt bei der Arbeit. Die Bilder sind meine häufigste Inspirationsquelle. Es geht im Prinzip nur um das Suchen. Es ist eine ständige Suche nach dem passendem Sound.

7 Komponierst Du lieber klassische oder elektronische Musik?

Diese Frage kann ich konkret nicht beantworten, weil ich beide Stile gleichermaßen gerne komponiere. Beide Genres sind vielfältig und technisch anspruchsvoll. Es gibt allerdings Phasen, da packt mich die Lust auf Elektro, in einer anderen schreib ich lieber etwas Klassisches. Was mir allerdings am meisten Spaß macht während der Vertonung einer Arbeit, ist die Suche nach dem perfekten Sound, der die Bilder unterstützt. Egal ob klassisch, elektronisch, rockig, etc.

8 Hat für Dich Filmmusik ein eigenes Leben oder funktioniert sie nur in Verbindung mit Filmbildern?

Ganz klar ein eigenes Leben. Musik transportiert Gefühle. Wenn eine unheilvolle Melodie erklingt, und diese mit einem Paukenschlag endet, weiß man, dass da etwas passiert ist. Sogar wenn man den Film nicht gesehen hat. Musik erzählt Geschichten, in der alles vorkommen kann. Egal, ob es traurig oder spannend ist. Besonders auf emotionaler Ebene ist sie eine Sprache, mit der man sich unmissverständlich ausdrücken kann.

9 Welche Bedeutung hat aus Deiner Sicht ein Filmmusikkomponist?

Der Komponist hat die Aufgabe, dem Film eine unverwechselbare Note zu verpassen. Wenn man z.B. das Main Theme von „Fluch der Karibik“ hört, weiß man sofort, um welchen Film es sich handelt. Der nächste wichtige Punkt ist das Abrunden der Bilder mit Soundeffekten oder Melodien. Emotionen wie Ängste oder Situationen, in denen es ums Überleben geht, kann man mit Tönen um einiges verstärken.

10 Welche Musikrichtung hört René Bidmon privat?

Quer durch die Bank. Alles mögliche. Klassische Musik, elektronische Musik, Rock/Metal, Soundtracks in allen Variationen, Noise, Pop, Funk, Reggae, Blues usw ….
Mich fasziniert, was man mit nur 12 Tönen und unendlich vielen Sounds alles kreieren kann. Es inspiriert mich zu neuen Ideen und macht mich kreativ zugleich.

11 Nenne die fünf wichtigsten Dinge in Deinem Leben?

Ich halte mich kurz:

Leidenschaft, Ausdauer, Freude, Vitalität und Ausgewogenheit 🙂

Film-Besprechungen bedankt sich ganz herzlich für das interessante Interview und wünscht Dir alles Gute und viel Erfolg auf Deinem weiteren beruflichen Weg.

© 2015 René Bidmon / Wolfgang Brunner