Domino – A Story of Revenge (2019)

domino

Originaltitel: Domino
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: Petter Skavlan
Kamera: José Luis Alcaine
Musik: Pino Donaggio
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Carice van Houten, Guy Pearce, Søren Malling, Nicolas  Bro, Paprika Steen
Genre: Action, Thriller
Produktionsland: Dänemark
FSK: ab 16 Jahre

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Der Partner von Polizist Christian wird in Kopenhagener durch ein ISIS-Mitglied namens Imran ermordet. Christian jagt den Mörder, um den Tod seines Freundes zu rächen. Dabei gerät er immer tiefer in die terroristischen Machenschaften der ISI und schon bald beginnt für ihn ein Wettlauf gegen die Zeit, denn es geht plötzlich nicht mehr nur um Rache an seinem Partner, sondern darum, sein eigenes Leben zu behalten.

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Brian De Palma ist zurück! Auch wenn seine Filme der 90er und 2000er Jahre ansprechend und teilweise brillant waren, so besaßen sie nicht mehr den Charme seiner besten Werke wie „Schwarzer Engel“, „Carrie“ oder an erster Stelle „Dressed To Kill“.
Sieht man sich die ersten Minuten von „Domino“ an, denkt man, der Meisterregisseur wäre am Ende seiner Karriere angekommen und bringt nur noch zweitklassige Filme zustande. Doch weit gefehlt. Es dauert nicht lange und der typische Brian De Palma-Touch, den man in vielen seiner letzten Filme vermisst hat, tritt auf. Das liegt vielleicht auch am grandiosen Score von Pino Donaggio, der einen sofort wieder in die „goldene Ära“ des Regisseurs zurückwirft. Die Musik untermalt das Geschehen auf optimalste Weise und beschwört eine unglaubliche Stimmung hervor, deren Bann sich man nicht entziehen kann.

Aber nicht nur inszenatorisch und musikalisch kann „Domino“ auf ganzer Linie überzeugen. Auch die Schauspieler und der Plot vermögen zu faszinieren. Alle Akteure machen ihre Sache sehr gut und spielen überzeugend ihre Charaktere. Man nimmt ihnen jede Handlung und Äußerung ab. Die Handlung ist erschreckend realistisch und regt zum Nachdenken an. Sicherlich spielt De Palma mit Klischees, aber leider treffen die meisten dieser Dinge in der Realität zu. Religiöse Fanatiker, die über Leichen gehen, um ihren Glauben zu untermauern, sind heutzutage an der Tagesordnung und „Domino“ rückt diese „Bedrohung“ ein Licht, das einem an manchen Stellen wirklich unwohl wird. Der Plot ist auf alle Fälle äußerst zeitgemäß verfasst und spiegelt eine Welt wider, in der wir uns tatsächlich befinden. Die Thematik hat mich schon sehr betroffen gemacht und bei mir Angst vor solchen Menschen verursacht. Da hat Drehbuchautor Petter Skavlan, bekannt durch seine Skripts für „Sofies Welt“ und dem hervorragenden „Kon Tiki“, ganze Arbeit geleistet.

Wer erinnert sich nicht an die magische Szene aus „Dressed To Kill“, wenn die sexuell frustrierte Hausfrau Kate Miller durchs Museum irrt und immer wieder auf einen attraktiven Unbekannten stößt, der sie nicht aus den Augen lässt. Diese Passage wird untermalt von Pino Donaggios eindringlicher Musik und gleicht dadurch fast schon einer opernhaften Inszenierung. Eine ähnliche Szene gibt es auch in „Domino“: Wenn ein Selbstmordattentäter versucht, sich in einer gefüllten Stierkampfarena selbst in die Luft zu jagen, fühlt man sich an Brian De Palmas Meisterleistung aus „Dressed To Kill“ erinnert. Auch hier gehen Score und hypnotische Inszenierung eine Symbiose ein, die einen die Welt um sich herum vergessen lässt. Das ist ganz großes Kino ohne jeglichen Effekte-Schnickschnack. Hier zählt das Können von Regisseur, Filmmusikkomponist und Schauspielern. Solche Szenen machen süchtig und ich weiß schon jetzt, dass ich „Domino“ nicht nur einmal sehen werde. Der Film war eine absolut positive Überraschung für mich, die ich nicht so schnell vergessen werde. Brian De Palma kann es immer noch – und wie!

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Fazit: Fantastische Rückkehr von Brian De Palma zu seinen Wurzeln.

© 2019 Woilfgang Brunner