Der Babadook (2014)

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Originaltitel: The Babadook
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Kamera: Radoslaw Ladczuk
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West, Benjamin Winspear
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Samuels Mutter hat ihren Mann verloren und muss sich nun alleine um den Jungen kümmern. Als sie ihm eines Tages ein Kinderbuch mit dem Titel „Der Babadook“ vorliest, glaubt Samuel darin das Monster aus seinen Träumen zu erkennen. Seine Angst wird von Tag zu Tag schlimmer und ergreift schließlich auch seine Mutter. Alpträume und Realität verschmelzen miteinander zu einem erschreckenden Gesamtbild.

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Irgendwie habe ich den Eindruck, dass bei diesem Film die Meinungen sehr weit auseinandergehen. Die einen sind hellauf begeistert und bezeichnen „Der Babadook“ als besten Horrorfilm des Jahres, die anderen können dem Genremix wohl wenig bis gar nichts abgewinnen.
Ich wusste nicht, was mich erwartete, folglich ging ich also völlig unvoreingenommen an diesen Film heran. Und das war auch genauso gut, wie die Tatsache, dass ich mich von den schlechten Meinungen, die ich im Vorfeld gelesen hatte, nicht habe abschrecken lassen. Denn was Jennifer Kent hier abgeliefert hat, hat mich tief beeindruckt. Die Mischung aus Horror und Familiendrama hat mich voll erwischt und gänzlich in Atem gehalten. Man merkt kaum die Grenze, bei der die „normale“ Horrorstory in ein tiefgründiges, äußerst deprimierendes Psychodrama abdriftet. Mit einer unglaublichen Intensität inszenierte Kent eine Geschichte, in der das Gehirn eines Menschen immer krankhafter wird und schließlich die Grenze zwischen Realität und Einbildung vollkommen miteinander verschmelzen lässt.

Essie Davis stellt die kranke Mutter hervorragend und absolut überzeugend dar, während Noah Wiseman seine Rolle zwar ebenfalls gut spielt, aber leider mit einem teilweise sehr nervigen Charakter „gestraft“ ist. Es gibt manche Stellen, da wünschte ich mir, ein anderer Junge hätte diese Hauptrolle übernommen. Zu übertrieben wird die Angst dargestellt, dass sie oftmals leider nicht wirklich glaubhaft wirkt, sondern  gestellt. Das schadet dem Film aus meiner Sicht sehr, denn die wirklich hervorragende Stimmung wird dadurch an einigen Stellen leider zunichte gemacht.

Jennifer Kents Horrordrama arbeitet weniger mit klassischen Horrorelementen, obwohl der ein oder andere Schockmoment mit dabei ist, sondern zeigt, wie sich die Geborgenheit eines Kindes unter der Obhut seiner Mutter immer mehr zerbricht. Das ist schockierend und sehr dramatisch aufgezeigt und nimmt den Zuschauer, der sich auf solch ein Psychospiel einlassen kann, absolut mit.

„Der Babadook“ ist ein Hochglanzfilm mit einer erschütternden Thematik geworden, den ich im Grunde genommen gar nicht in die Kategorie „Horrorfilm“ stecken würde. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum viele Zuschauer absolut enttäuscht von diesem unterschätzten Film sind. Da gibt es keine spektakulären Spezialeffekte, keine übermäßigen Schockeffekte und kein Blut spritzt. Das Fehlen dieser Dinge bei einem Film, lässt diesen in der heutigen Zeit leider sehr schnell in die Kategorie „Langweiliger Müll“ fallen. Wer jedoch ein bisschen Hirn besitzt und sich nicht nur von Effekten blenden lassen kann, sondern auch einen mit Fingerspitzengefühl inszenierten Horror des wirklichen Lebens versteht, wird diesen Film so schnell nicht vergessen.
Für mich eindeutig eine Perle unter den heutigen „Horrorfilmen“, gerade weil er einen Horror zeigt, der passieren könnte. Und welcher Horror wäre schlimmer für ein Kind, als seine Familiengeborgenheit auf die hier gezeigte Art und Weise zu verlieren?

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Fazit: Kein Horrorfilm, sondern ein erschreckendes Psychogramm einer Mutter, die durch den Tod ihres Mannes den Bezug zur Realität verliert und ihrem Sohn das einzige nimmt, das ein Kind in  diesem Alter braucht: Geborgenheit! Horror aus dem wirklichen Leben.

© 2016 Wolfgang Brunner

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Storm Warning (2007)

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Originaltitel: Storm Warning
Regie: Jamie Blanks
Drehbuch: Everett De Roche
Kamera: Karl von Moller
Musik: Jamie Blanks
Laufzeit: 86 Minuten (Unrated)
Darsteller: Nadia Farés, Robert Taylor, David Lyons, Mathew Wilkinson, John Brumpton
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Australien
FSK: ungeprüft

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Rob und seine Frau Pia wollen angeln und sind in der Nähe der Insel French Island unterwegs. Als ein Sturm aufkommt, bemerken sie, dass sie sich verfahren haben. Sie steuern die Insel an und suchen Unterschlupf in einem anscheinend verlassenen Haus. Doch schon bald kehrt die Familie (ein Vater und seine beiden Söhne) zurück und machen sich einen Spaß daraus, das Ehepaar gefangenzunehmen und zu foltern. Rob und Pia beschließen, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln, ihre Peiniger zu besiegen. Ein blutiger Alptraum beginnt …

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„Storm Warning“ beginnt wie „Die Reise nach Agatis“ von Marian Dora wie ein harmloser Urlaubsfilm. Gerade diese ruhige Einführungsphase, übrigens ähnlich wie in „Wolf Creek“,  lullt den Zuseher ein und vermittelt, dass alles, was gleich kommen mag, gar nicht so schlimm werden kann. Mit diesem psychologischen Trick nimmt „Urban Legend“-Regisseur Jamie Blanks den Zuschauer auf eine faszinierende Reise, die einen fesselt. Wenn dann der Terror losgeht, ist man bereits so in den Stricken der Spannung verheddert, dass man gar nicht mehr abschalten kann, egal welche schrecklichen Dinge einem erwarten. Natürlich wieder einmal nur in der unzensierten Fassung, die der erwachsene Bürger in Deutschland nicht bekommt.

Der Horror und Terror bricht über den Zuseher herein, wie der Sturm über die Protagonisten. Man ist überrascht, welche Wendungen ein Abenteuer durchleben kann und wie aus einer anfangs unspektakulären Situation ein derartiger Alptraum entstehen kann. Blanks schockt mit blutigen, derben Szenen genauso wie mit psychologischen Horrormomenten. „Storm Warning“ mutet wie eine Mischung aus „Muttertag“ (das Original aus dem Jahr 1980), „Texas Chainsaw Massacre“ (das Original aus dem Jahr 1974) und „Wolf Creek“ an. Man kann sich dem Grauen nicht mehr entziehen, wenn es soweit ist. Entgegen vieler Kritiken finde ich die beiden Hauptdarsteller Nadia Farés und Robert Taylor absolut passend in ihren Rollen und auch ihr Schauspiel hat mich überzeugt.  Mir jagt es jetzt noch einen Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke, wie alles beginnt, immer mehr zu eskalieren. An manchen Stellen erinnerte mich der Plot und die sadistischen Ungerechtigkeiten an Michael Hanekes Meisterwerk „Funny Games“, bei dem ich auch heute noch einen Stoß in den Magen bekomme.

„Storm Warning“ ist ein astreiner, brutaler und verstörender Thriller, der einen in Atem hält. Spannungsmäßig wird die Schraube konstant nach oben gedreht, so dass wirklich in keiner Sekunde Langeweile aufkommt. Gegen Ende des Films wird der Zuschauer dann mit perfekt gemachten Splatter- und Goreszenen belohnt, die es in sich haben. Doch der wahre Horror steckt hier nicht in den blutrünstigen Bildern, die man zu sehen bekommt, sonder schlicht und einfach im Handlungsablauf.
Hinzu kommt, das Regisseur Blanks seinen Backwood-Slasher und Rachefeldzug teilweise in sehr stimmungsvollen Bildern inszeniert hat und uns so den Schrecken dadurch noch näher bringt. Denn nicht alles an „Storm Warning“ ist ohne Hoffnung …

In der Unrated-Fassung ein absolutes Highlight im Backwood-Slasher-Genre. Schauspieler, Musik und Inszenierung passen hervorragend zueinander und die Atmosphäre kann sich ebenfalls sehen lassen. Sicherlich bietet der Film nichts Neues, aber alleine die spannungsaufbauende Inszenierung lässt viele Genrevergleiche vergessen. Für mich bleiben die Bilder von „Storm Warning“ unvergesslich.

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Fazit: Extrem spannend und brutaler Backwood-Slasher, der es in der Unrated-Fassung in sich hat. Was leise beginnt, endet in einem blutigen, schockierenden Alptraum.

© 2016 Wolfgang Brunner

Wyrmwood – Road Of The Devil (2014)

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Originaltitel: Wyrmwood
Regie: Kiah Roache-Turner
Drehbuch: Kiah & Tristan Roache-Turner
Kamera: Tim Nagle
Musik: Michael Lira
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Jay Gallagher, Bianca Bradey, Leon Burchill, Keith Agius, Berryn Schwerdt, Luke McKenzie, Cain Thompson, Damian Dyke, Catherine Terracini
Genre: Horror, Action
Produktionsland: Australien
FSK: ab 18 Jahre (uncut)

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Von einer Sekunde auf die andere ist das ganze Land von einem Virus verseucht, der die Infizierten zu fleischfressenden Zombies macht. Barry macht sich auf den Weg, um seine Schwester Brooke zu finden. Doch er muss erfahren, dass ein sadistischer Wissenschaftler Brooke entführt hat, um sie für Experimente zu nutzen, die er an Zombies durchführt. Weder Brooke noch Barry haben eine Ahnung, dass Brooke eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Seuche innehat.

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„Wyrmwood“ wird als eine Mischung aus „Zombieland“ und „Mad Max“ angepriesen. Irgendwie stimmt das auch, dennoch konnte mich der australische Endzeit-Horror nicht hundertprozentig überzeugen. Es gab sicherlich die ein oder andere Szene, die mir gefallen hat. Vor allem fand ich die Idee, die hinter den Zombies steckte, sehr interessant und innovativ. Das war es dann aber auch schon. Nach einem gelungenen Einstieg entwickelte sich der Plot für mich immer mehr zu einem in die Länge gezogenen Kurzfilm. Besonders die Szenen mit dem verrückten Wissenschaftler, der Experimente an den hilflosen Zombies machte, gingen mir zusehends auf den Wecker. Machte dieses extrem Skurrile am Anfang sogar noch ein klein wenig Spaß, so entwickelte sich diese übertriebene Darstellungsweise gegen Ende hin zu einem störenden Faktor, der den Film zerstörte. Wenig wäre da auf jeden Fall besser gewesen.

Schauspielerisch bewegte sich „Wyrmwood“ auf einem ganz guten, erträglichen Mittelmaß. Es gab im Grunde genommen nichts auszusetzen, aber an manchen Stellen wirkte das Agieren etwas aufgesetzt und unglaubwürdig. Hauptdarsteller Jay Gallagher konnte mich da noch am ehesten überzeugen.  Leon Burchill konnte auch an manchen Stellen ganz witzig sein, aber meistens wirkte er dann doch irgendwie unecht.  Caine Thompson wirkte neben Gallagher allerdings am ausgeglichensten. Berryn Schwerdt in der Rolle des verrückten Wissenschaftlers erinnerte mich immer wieder an David Cronenberg ;). Schauspielerisch machte er seine Sache ganz akzeptabel, aber der Charakter war schlichtweg einfach nur nervtötend.

„Wyrmwood“ ist Funsplatter und Trashorgie, keine Frage. Die Effekte sind teilweise wirklich sehr gut gemacht und der Unterhaltungsfaktor ist definitiv auch gegeben. Es gibt einige innovative Ansätze, die das Zombiegenre neu definieren, aber dem Film fehlt manchmal eine gewisse Professionalität – auch, was den Plot angeht. Es wirkt alles sehr einfach und ohne jegliche Tiefe. Vieles ist übertrieben dargestellt und hätte durchaus besser inszeniert werden können. Man findet kein Meisterwerk vor, aber auch keine echte Independence-Perle. Für das eine ist der Film zu schlecht, für das andere zu gut.  Die Dialoge sind manchmal unerträglich peinlich. Auch die wenigen Witze, die sitzen, reissen da nichts mehr raus.

„Wyrmwood“ wird sich mit Sicherheit eine kleine Fangemeinde aufbauen, denn -wie oben erwähnt- ist so manche Idee erfrischend und innovativ.  Mein Fall war es leider nicht.

Ich habe die 3D-Version gesehen, bei der es sich wieder einmal um eine Mogelpackung handelt. Der Film wurde nicht dreidimensional gedreht und für eine BluRay-Veröffentlichung einfach nachträglich bearbeitet. Ärgerlich, wie ich finde, denn vielleicht hätte das Spektakel aus dreidimensionaler Sicht doch noch ein wenig besser gewirkt. Aber auch in dieser Hinsicht hat „Wyrmwood“ leider enttäuscht.

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Fazit: Innovativer Zombiefilm, der leider die Gratwanderung zwischen hochwertigen Funsplatter und niveaulosem Trash nicht ganz schafft und daher in keiner Richtung punkten kann. Schade um die erfrischenden Ideen.

© 2016 Wolfgang Brunner

Wolf Creek 2 (2013)

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Originaltitel: Wolf Creek 2
Regie: Greg McLean
Drehbuch: Greg McLean, Aaron Sterns
Kamera: Toby Oliver
Musik: Johnny Klimek
Laufzeit: 102 Minuten (Unrated)
Darsteller: John Jarratt, Ryan Corr, Shannon Ashlyn, Annie Bryon, Phillipe Klaus, Gerard Kennedy, Ben Gerrard, Shane Connor
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Australien
FSK: k.A.

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Die Deutschen Katarina und Rutger campen im Wolf Creek National Park. Dort stoßen sie auf Mick Taylor, einen psychopathischen Serien-Mörder, der es auf Rucksacktouristen abgesehen hat. Als der Engländer Paul Katarina bei der Flucht vor dem Perversen hilft, gerät er ins Visier des Killers und macht schon bald Bekanntschaft mit den sadistischen Spielen des Killers.

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Greg McLeans Fortsetzung über die Greueltaten des Serienmörders Mick Taylor verzichtet auf die ruhige Einführunsphase des ersten Teils und geht gleich in die Vollen. Ich habe selten so eine schockierende, brutale Anfangsszene gesehen, wie in „Wolf Creek 2“. Da weiß man gleich von Anfang an, was einen erwartet.
McLean geht wirklich einen Schritt weiter und treibt das Höllenszenario in Australiens Outback auf die Spitze. Die Handlung wird im Grunde genommen einfach fortgeführt und der Zuschauer begleitet den charismatischen, aber dennoch völlig irren Taylor bei der Suche nach seinen nächsten Opfern.

Geschickt wird ein Handlungsstrang mit einem anderen verknüpft, der sich dann wiederum in die eigentliche Haupthandlung entwickelt. Schauspielerisch kann man bei den „Neueinsteigern“, den neuen Opfern, nicht meckern, zumindest. Aber auch im zweiten Teil ist John Jarratt der absolute Star. Sein Spiel gleicht dem im ersten Teil und wieder ist man hin und her gerissen zwischen der sympathischen Freundlichkeit und dem abgrundtief bösen Psychopathen, der sich in dem Mann versteckt. Es ist Wahnsinn, wie Jarrett diese beiden Charaktereigenschaften so gut rüberbringt, dass man ihn auf gewisse Art und Weise mag, andererseits aber eine enorme Panik bei seinem Auftritt verspürt.

Goretechnisch wird der Fan, zumindest in der Unrated-Fassung (die in Deutschland natürlich wieder einmal indiziert ist), gehörig belohnt. Wie schon oben erwähnt, alleine die Eingangssequenz lässt einen den Atem anhalten. Die Handlung ist nicht wirklich der Rede wert und stützt sich, wie schon im ersten Teil, auf tatsächliche Begebenheiten. Aber auch hier werden einfach nur ähnliche Vorkommnisse einfach in eine erfundene Handlung mit eingebaut. Erschreckend ist das Szenario auf jeden Fall, in das uns Regisseur Greg McLean wirft. Obgleich der zweite Teil um einiges härter als der erste ausfällt, fehlt hier das mulmige Bauchgefühl an manchen Stellen. Das wird meiner Meinung nach aber erst dadurch zerstört, als eines der Opfer in einem unterirdischen Labyrinth landet und dort erfährt, zu was Mick Taylor fähig ist.

Im Kino lief „Wolf Creek 2“ als eine um acht Minuten geschnittene FSK 16er Fassung, die jeglichen Schrecken nimmt und aus dem Plot eine Farce macht. Wer so was nicht sehen will, braucht doch auch keine geschnittene Fassung, oder? Aber das ist ein anderes Thema. „Wolf Creek 2“ ist wie sein Vorgänger aus meiner Sicht einer der besten und meist unterschätzten Slasher Filme, die Schauspielkunst, harte Gorszenen und sogar Torture perfekt miteinander verbinden. Immer wieder hervorzuheben ist John Jarratts Schauspiel, das mich enorm beeindruckt hat.

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Fazit: Meiner Meinung nach iner der meistunterschätzten Slasher-Filme der letzten Jahre. John Jarrett als Serienkiller ist einfach nur der Hammer. Und die teils derbe Brutalität schockt ungemein.

© 2015 Wolfgang Brunner

Wolf Creek (2005)

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Originaltitel: Wolf Creek
Regie: Greg McLean
Drehbuch: Greg McLean
Kamera: Will Gibson
Musik: François Tétaz
Laufzeit: 104 Minuten (Unrated)
Darsteller: John Jarratt, Cassandra Magrath, Kestie Morassi, Nathan Phillips, Guy O’Donnell, Gordon Poole, Guy Petersen, Jenny Starvall, Greg McLean
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Australien
FSK: k.A.

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Der Australier Ben will mit den beiden Engländerinnen Liz und Kristy den Meteoritenkrater „Wolf Creek“ im Outback besuchen. Als sie von der Stelle fahren wollen, bemerken sie, dass weder ihre Uhren noch das Fahrzeug funktioniert. Sie müssen sich damit abfinden, die Nacht im liegengebliebenen Auto zu verbringen. Doch in der Nacht taucht unverhofft Hilfe auf: Der hilfsbereite Mick Taylor bietet an, die Touristen abzuschleppen und ihnen am nächsten Tag das Auto zu reparieren. Die drei lassen sich auf den Vorschlag ein. Doch sie wissen nicht, dass sich hinter dem hilfsbereiten, freundlichen Mann eine perverse Bestie verbirgt.

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Im Vorspann wird behauptet, dass es sich bei dem folgenden Film um eine wahre Begebenheit handelt. Im Prinzip stimmt das zwar, aber Greg McLean hat in seinem Drehbuch verschiedene Mordfälle, die in Australien passierten, vermischt und zu einer eigenständigen Handlung verarbeitet. Das aber nur am Rande, denn der Plot zeigt durchaus eine authentische Wirkung. Was mir besonders gefallen hat, war der langsame Aufbau der Ereignisse. Anfangs nehmen wir einfach nur am Ausflug der drei Menschen teil, wie sie das australische Outback erkunden wollen.
Langsam nimmt der Film nach etwa einer Stunde  erst Fahrt auf und baut eine anfangs sehr unterschwellige wirkende Spannung auf, bei der sich ein unangenehmes Gefühl im Magen breitmacht.

John Jarratt als psychopathischer, perverser Mörder und Folterer ist unglaublich gut. Er wirkt lustig, sympathisch und an manchen Stellen derart übertrieben gutgelaunt, dass es einem Angst macht. Man fängt an, ihm zu misstrauen, je länger man ihm zusieht. Das macht Jarratt wirklich sehr gut und absolut überzeugend. Wie er sich von einem echten Sympathieträger in einen gnadenlosen, kaltblütigen Killer verwandelt, ist unbedingt sehenswert.
Nathan Phillips als Ben, der mir bereits in „Chernobyl Diaries“ und „These Final Hours“ positiv aufgefallen ist, macht auch in „Wolf Creek“ eine gute Figur. Ebenso die beiden Frauen an seiner Seite, Cassandra Magrath und Kestie Morassi. Beide geben sich in ihren Rollen sehr souverän und beweisen, dass sie sowohl die sympathische Frau von nebenan wie auch ein gequältes Opfer spielen können. Beides nimmt man ihnen ab und gerade die blutigen Szenen wirken durch die beiden niemals übertrieben hysterisch.

In der zweiten Hälfte legt der Film eine immer härtere Gangart ein. Angenehm ist, dass die Folterszenen niemals ausufernd gezeigt werden, sondern genaugenommen immer nur angedeutet werden. Sicherlich bekommt man einiges zu sehen und die Gore-Einlagen sind auch nicht zu verachten. Aber der größte Teil der Qualen findet im Hirn des Zusehers statt. McLean zeigt einen brutalen Thriller, den er aber immer wieder mit wunderschönen Aufnahmen unterbricht. Sonnenuntergänge, vor denen die Protagonisten nur als Schatten zu sehen sind, Spinnweben mit Tau oder fantastische Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit derben, blutigen Folter- und Fluchtszenarien ab. Auf mich hatte diese Mischung eine bedrückende Wirkung.

„Wolf Creek“ ist nichts für schwache Nerven und bewegt  sich zwischen Filmvorbildern wie „Saw“ oder „Hostel“, wobei er letzteren ohne weiteres um Längen schlägt.  Greg McLeans Regiedebüt ist handwerklich solide und zeigt gekonnte Kameraeinstellungen. Der Plot gibt zwar nichts Neues her und zeigt einfach einen weiteren Slasherfilm, der sich eindeutig mehr in die Torture-Richtung bewegt, aber inszenatorisch und schauspielerisch hebt er sich wohltuend von so mancher amerikanischen Produktion ab.
Aufmerksame Zuschauer und/oder Filmkenner könnten das Zitat aus „Predator“ erkennen, wenn der Killer das erste Mal in der Nacht auftaucht und Ben flüstert: „Da draußen ist etwas … und es ist kein Mensch!“

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Fazit: Anfangs ruhiger Thriller, der sich in der zweiten Hälfte zu einem beklemmenden und verstörenden Folter-Alptraum entwickelt. Hauptdarsteller John Jarratt spielt sehr glaubwürdig.

© 2015 Wolfgang Brunner

Charlie’s Farm (2014)

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Originaltitel: Charlie’s Farm
Regie: Chris Sun
Drehbuch: Chris Sun
Kamera: Scott Kimber
Musik: Mark Cyprian Smythe
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Tara Reid, Nathan Jones, Bill Moseley, Kane Hodder, Sam Coward, Justin Gerardin, Robert J. Mussett
Genre: Horror
Produktionsland: Australien
FSK: ab 18 Jahre (uncut)

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Vier Freunde wollen auf einer verlassenen Farm übernachten, in der vor einiger Zeit eine Familie wohnte, die angeblich Rucksack-Touristen ermordet und gegessen hat. Die erbosten Bewohner der nahegelegenen Stadt töteten daraufhin die Kannibalen, um dem Grauen ein Ende zu machen.
Es sollten ein paar spannende, gruselige Tage für die vier Freunde werden. Doch keiner von ihnen konnte ahnen, dass Charlie, der Sohn der Kannibalen, noch lebt und auf der Farm noch immer sein Unwesen treibt.

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Chris Suns Slasher lässt einen in die gute alte Zeit der Horrorfilme zurückkehren, wo Kultfiguren wie Freddy Krueger, Jason Verhoes und Michael Myers ihr grausiges Unwesen trieben. In gleicher Art und Weise wie die Regisseure damals lässt Sun einen Killer auf Rucksacktouristen los, aber leider taugt sein Charlie nicht als Kultfigur. Schade, denn ansonsten hätte „Charlie’s Farm“ wirklich das Zeug gehabt, sich in die Riege stimmungsvoller Horrorfilme einzureihen. Charlie sieht aus wie ein mutierter Neandertaler und das ist der Hauptgrund, warum für mich der Film nicht so funktioniert hat, wie ich es mir eigentlich gewünscht hätte.
Die Protagonisten, die Szenerie, die teils brutalen Kills, die Regie und die Musik – das alles hat gestimmt und unglaublichen Spaß gemacht, wenngleich nichts Neues auf die Leinwand gezaubert wurde. Aber das macht nichts, denn Fans solcher Filme erwarten nichts anderes als das, was Chris Sun bietet. Und dann kommt der Killer-Hulk mit zotteligem Yeti-Bart und zerstört die ganze Atmosphäre, obwohl er durch dieses Aussehen wohl bedrohlich wirken sollte. Auf mich wirkte es eher lächerlich und störend.

Aber wenn man von der äußerlichen Erscheinung des Killer-Charlies einmal absieht, bietet „Charlie’s Farm“ wirklich exzellente Splatterkost und gut gelaunte Darsteller. Besonders aufgefallen ist mir da Sam Coward, der hier sein Spielfilmdebüt gibt und in seiner Rolle eigentlich eher trottelig und asozial wirken soll. Coward bringt das aber auf sehr liebenswürdige Art rüber und ist für mich Sympathieträger Nummer Eins in diesem Slasher. Erstaunt hat mich, dass die FSK die teils derben Morde mit einem 18er-Siegel freigegeben hat, denn an manchen Stellen geht es schon so richtig zur Sache.
Schade ist, dass gegen Ende hin vieles im Dunkeln spielt und man nicht wirklich viel erkennen kann.
Die Musik von Mark Cyprian Smythe könnte aus einem 80er Jahre Horrorfilm stammen. Sie ist wunderbar passend, atmosphärisch und hat mir absolut gut gefallen.

Insgesamt ist „Charlie’s Farm“ ein unterhaltsamer Slasher, der an alte Zeiten erinnert und mich hauptsächlich durch die Darsteller und die tollen handgemachten Gore-Effekte überzeugt hat. Neues bietet er allerdings nicht und der Plot ist eher einfallslos als wendungsreich und überraschend. Trotzdem ein sehenswerter Beitrag, der wenigstens handgemachte Spezialeffekte und eine Old School-Inszenierung bietet.

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Fazit: Old School Slasher mit einem leider etwas unpassenden Bösewicht, der übertrieben degeneriert wirkt. Brutale, solide gemachte Kills und gutgelaunte Schauspieler trösten über dieses Manko jedoch hinweg.

© 2015  Wolfgang Brunner

Mad Max: Fury Road (2015)

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Originaltitel: Mad Max: Fury Road
Regie: George Miller
Drehbuch: George Miller, Brendan McCarthy, Nick Lathouris
Kamera: John Seale
Musik: Junkie XL
Laufzeit: 120 Minuten
Darsteller: Tom Hardy Charlize Theron, Nicholas Hoult,
Hugh Keays-Byrne, Zoë Kravitz
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: Australien, USA
Freigabe: ab 16 Jahren

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Die Erde nach der Apokalypse: Die Soldatin Imperator Furiosa verhilft den Frauen des Warlords Immortan Joe zur Flucht. In Begleitung des Gefangenen Max Rockatansky brechen sie auf, um im Land ihrer Vorfahrinnen Frieden und Sicherheit zu finden…

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1979 eroberte George Millers Mad Max die Kinosäle. Mit Mel Gibson in der Titelrolle hatte Miller einen Meilenstein des Ozploitation-Kinos geschaffen. Es folgten zwei Fortsetzungen, Der Vollstrecker (1981) und Jenseits der Donnerkuppel (1985), dann wandte sich Miller anderen Genres zu. Nach der Updike-Verfilmung Die Hexen von Eastwick und den Kinderfilmen Babe – Ein Schweinchen in der großen Stadt und Happy Feet, kehrt er nun, genau 30 Jahre später, in die Welt von Max Rockatansky zurück.

In der äußerst sehenswerten Doku Not Quite Hollywood sagte Quentin Tarantino „Nobody shoots a car the way Aussies do. They manage to shoot cars with this fetishistic lens that just makes you want to jerk off.“ Nun, wenn wir Tarantino beim Wort nehmen können, dann wird ihm dieser Film sicher einen Tennisarm bescheren. Denn nach 20 Jahren hat Autor und Regisseur George Miller nichts verlernt, ganz im Gegenteil. Mad Max: Fury Road ist ein Action-Kracher der Spitzenklasse.

Dabei ist es gar nicht die Geschichte, die den Film so besonders macht, denn diese ist aus unzähligen postapokalyptischen Erzählungen altbekannt: die Erde ist zur Wüste geworden, Wasser und Benzin sind die kostbarsten Güter. Die letzten Überlebenden haben sich in Enklaven zurückgezogen, wo sie von gnadenlosen Warlords beherrscht werden. Einer dieser Warlords ist Immortan Joe, der regelmäßig seine Soldatin Imperator Furiosa in die Städte Gastown und Bullet Farm schickt, um Benzin und Munition zu holen.

Auf einer dieser Versorgungsfahrten desertiert Furiosa und verhilft dabei Immortans „Brütern“ zur Flucht. Die jungen Frauen, wie Schätze in einem großen Tresor gehalten, wollen nicht mehr als Gebärmaschinen benutzt werden, deren einziger Zweck es ist, Nachschub für Immortans Armee auf die Welt zu bringen. Sofort schickt der Warlord seine Soldaten, die War Boys, um seinen Besitz zurückzuholen. Der Gefangene Max Rockatansky, eigentlich nur als lebende Blutkonserve mit an Bord, wird in einen Krieg verwickelt, der über den Fortbestand der Menschheit entscheiden soll. Und damit beginnt es, das zweistündige Action-Feuerwerk, das dem Zuschauer nur wenig Gelegenheit zum Luftholen lässt.

Zwar fällt die Geschichte an sich ziemlich flach aus, wie es bisher bei allen Mad Max-Filmen üblich war, dafür kreiert Miller eine unglaublich komplexe Welt, die ihren eigenen Regeln folgt. Viele kleine Details wurden liebevoll eingearbeitet, werden aber dem Zuschauer nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern offenbaren sich dem aufmerksamen Betrachter erst nach und nach, manche vielleicht sogar erst nach mehrmaligem Ansehen.

Mad Max: Fury Road ist ein Augenschmaus. Ursprünglich sollte in Australien gedreht werden, doch der erste Regenguss seit 15 Jahren verwandelte die australische Wüste in ein Blumenmeer mit starkem Pflanzenwuchs, Flamingos und Froschteichen. Als die Ödnis nach einem Jahr nicht wieder zurückgekehrt war, verlagerte man die Dreharbeiten kurzerhand nach Namibia. Auch wenn die Landschaft jetzt merklich nicht mehr nach Australien aussieht, hat der Ortswechsel dem Look des Films nicht geschadet, ganz im Gegenteil. Sandwüsten, Salzwüsten und Canyons wechseln sich ab und wurden von Kameramann John Seale in atemberaubenden Panoramabildern in Szene gesetzt.

Das Produktionsdesign ist ein Traum. Die Fahrzeuge, für den Film allesamt aus Schrottplatzfundstücken zusammengesetzt, gehören zum Kuriosesten, das man seit langer Zeit auf der Leinwand gesehen hat, und dabei sind sie doch so funktional, dass sie tatsächlich aus einer postapokalyptischen Welt stammen könnten. Eine Schande eigentlich, wenn sie sich im Laufe des Film überschlagen, explodieren, gegen Felsen prallen, zusammenstoßen oder auf sonst erdenkliche Art zerstört werden. Und das passiert am laufenden Band, und zwar auf unglaublich spektakuläre Weise. Echtes Handwerk ist für Miller wichtig, kein einziger Stunt stammt aus dem Computer, alles wurde tatsächlich live vor Ort gedreht.

Außerdem überrascht Miller mit einer weiteren Besonderheit, die man im Kino unserer Zeit oft vergeblich sucht: den Männern der postapokalyptischen Welt, missgebildet, fanatisch, dem Wahnsinn nahe, stellt er unglaublich starke Frauenfiguren gegenüber. Denn tatsächlich sind hier die Frauen die treibende Kraft der Geschichte. Durch ihre Stärke und Kompetenz wollen sie die aus den Fugen geratene Welt wieder ins Lot bringen, und sogar der schweigsame Max, der unfreiwillig durch sein Abenteuer getrieben wird, wäre ohne Hilfe der Furiosa so manches Mal zum Scheitern verurteilt.

Doch nicht nur den Augen wird einiges geboten, es gibt auch ordentlich was auf die Ohren. Das Donnern der V8-Motoren lässt die Boxen beben, wo man früher mit Dudelsack und Trommel auf das Schlachtfeld zog, gibt nun der Doof Wagon, ein riesiger Truck, ausgestattet mit Taiko-Trommeln und E-Gitarre, den Kampfrhythmus des motorisierten Heeres vor (das Wort doof stammt aus dem australischen Slang und bedeutet soviel wie Party, Rave), zudem wird das ganze untermalt mit dem mal brachialen, mal melancholischen Soundtrack von Tom Holkenborg alias Junkie XL.

Wer sich nun noch weiter über Mad Max, bzw. die Geschichte des australischen Kinos informieren möchte, dem empfehle ich, wie bereits oben erwähnt, die unterhaltsame und völlig abgedrehte Doku Not Quite Hollywood: The Wild, Untold Story of Ozploitation! von Mark Hartley.

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Fazit: Mad Max: Fury Road ist ein atemberaubendes Spektakel, das mit handgemachten Special Effects, einer clever durchdachten und wunderschön in Szene gesetzten Welt, einem großartigen Cast und einem brachialen Soundtrack glänzt. Für mich das Action-Highlight des Jahres, wenn nicht sogar des Jahrzehnts.

 © 2015 Tobias Schumacher