Upside Down (2012)

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Originaltitel: Upside Down

Laufzeit: 108 Minuten

Regie: Juan Solanas

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In einem uns unbekannten Universum existieren zwei Planeten, die voneinander getrennt, aber dennoch miteinander verbunden sind. Die obere Welt gehört den Reichen, die untere den Armen.
Adam aus der unteren Welt verliebt sich in Eden, ein Mädchen aus der oberen. Obwohl Kontakte zwischen den Bewohnern der verschiedenen Welten verboten sind, widersetzt sich Adam dieser Bestimmung und muss nicht nur die Gesetze der Schwerkraft, sondern auch die  Konventionen beider Welten überwinden.

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„Beeindruckendes SciFi-Abenteuer in fantastischem 3D!! – So wird der Film beworben und macht sowohl von der Handlung wie auch den zu erwartenden Bildern neugierig.
„Upside Down“ erfüllt die Erwartungen leider nur teilweise. Solanas entwirft eine wirklich fantastische und durchaus glaubwürdige Welt, wenn er den Zuschauer in seine moderne „Romeo und Julia“-Interpretation einführt. Es klingt alles logisch und durchdacht, auch wenn Einiges unsere Vorstellungskraft übersteigt. Aber der Plot macht ungemein Spaß – zumindest anfangs.
Je weiter die Handlung nämlich voran schreitet und man sich an den wirklich überaus gelungenen und fantastischen 3D-Aufnahmen satt gesehen hat, entwickelt sich der Film zu einem 08/15-Liebesfilm, der plötzlich nicht mehr überzeugt. Das liegt aber nicht einmal an der absurden Idee zweier übereinanderliegenden Welten, sondern eher an der Entwicklung dieser Liebesgeschichte.
Jim Sturgess überzeugt in seiner Rolle zwar mehr als Kirsten Dunst, aber dennoch geben die beiden ein sympathisches Paar ab. Woran liegt es aber dann, dass man den beiden ihre Liebe nicht abnimmt?
Man erfährt nämlich nie, wie diese derart innige Liebesbeziehung überhaupt entstehen konnte, denn die beiden wurden als Jugendliche voneinander getrennt und haben sich über viele Jahre nicht mehr getroffen. Und plötzlich sieht Adam seine Freundin aus Jugendtagen im Fernsehen und setzt alles daran, die Liebe seines Lebens (?) wieder zu finden?
Das überzeugt leider nicht und hinterlässt am Ende (das zwar sehr gelungen und emotional ist, aber eben aus obengenannten Gründen nicht plausibel wirkt) einen faden Beigeschmack.
Die dreidimensionale Welt, die Solanas auf Film bannte, hat aber dennoch einen Reiz, dem man sich schwer entziehen kann.

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Fazit: Liebesfilm in absolut fantastischer 3D-Optik, der den Zuschauer unweigerlich in seinen Bann zieht. Leider ist die Liebesgeschichte, die zwar mit zwei sympathischen Schauspielern großartig besetzt ist, nicht glaubwürdig genug, um aus dem Film einen visionären Meilenstein in Sachen „Liebe über alle Konventionen hinweg“ zu machen, wie es einst Lars von Trier mit seinem „Breaking The Waves“ geschafft hat. Für 3D-Fans aber dennoch absolut zu empfehlen.

© Wolfgang Brunner

Insidious 2 (2013)

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Originaltitel: Insidious: Chapter 2

Lauflänge: 106 Minuten

Regie: James Wan

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Nach den unheimlichen Ereignissen mit ihrem Sohn ist Familie Lambert ins väterliche Elternhaus gezogen, wo sie von der Großmutter aufgenommen werden. Alles scheint in Ordnung, dennoch will die Familie dem Spuk auf den Grund gehen. Dies führt zurück in die Vergangenheit des Vaters, der als Kind Ähnliches wie sein Sohn erlebt hat. Es gilt, Gegenwart und Vergangenheit zu verbinden, um den Dämonen siegreich entgegentreten zu können …

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„Insidious 2“ beginnt da, wo Teil 1 endete. Aber zuvor gibt es eine kleine Rückblende in die Vergangenheit des Vaters und der Zuschauer erfährt, dass dem Ähnliches als Kind widerfahren ist, wie seinem Sohn.
Komischerweise verfährt Wan im zweiten Teil seiner Gruselreihe aus meiner Sicht komplett anders: Das erste Drittel ist gut, das zweite driftet knapp am Kitsch vorbei (wie das Ende von Teil 1) und das letzte bringt den ganzen Film irgendwie wieder auf ein ansehnliches Niveau.
Ich ging an diesen zweiten Teil mit gemischten Gefühlen heran, hat mich der erste Teil im letzten Drittel leider sehr enttäuscht (nachzulesen hier).
Wie sich herausstellte, war der zweite Teil aber (zumindest in meinen Augen) bedeutend besser, da er auf weiten Strecken sehr durchdacht wirkte und voll mit verblüffenden Wendungen war.
So manches Mal musste ich tatsächlich sogar an David Lynchs Meisterwerk „Lost Highway“ denken, wobei „Insidious 2“ da nicht einmal annähernd mithalten kann.

Sicherlich findet sich der ein oder andere Schwachpunkt im Drehbuch was die Logik der Handlung betrifft, aber dennoch gibt es in „Insidious 2“ Szenen, die mir absolut gut gefallen haben. Zum einen wird sich zwar wieder an altbewährten Schockmomenten bedient, die aber immerhin gut eingesetzt wurden und ihre Wirkung zum größten Teil auch tun, zum anderen zeigt James Wan in diesem zweiten Kapitel seiner Filmserie gleiche Szenen aus verschiedenen Sichtweisen, die handlungstechnisch oft verblüffen.
Gegen Ende zeigt der Vater seine dämonische Seite. Das Ganze hat mich dann sehr an Jack Nicholsons Performance als Jack Torrance in Kubricks King-Verfilmung „The Shining“ erinnert. Es war eine sehr gute schauspielerische Leistung, die Patrick Wolsin da hingelegt hat.

Wie dann auch noch der erste Teil verbaut wurde, fand ich schon extrem gut.

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Fazit: „Insidious 2“ wirkt in seiner Handlung und dem Ideenreichtum bedeutend besser als Teil 1. Auch wenn an manchen Stellen die logischen Zusammenhänge fehlen, so ist der Film im Grunde doch eine recht ansehnliche Unterhaltung, die zudem auch noch so manchen Gänsehauteffekt verursacht.

© Wolfgang Brunner

Wir sind was wir sind (2010)

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Originaltitel:  Somos lo que hay

Lauflänge: 93 Minuten

Regie: Jorge Michel Grau

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Der plötzliche Tod des Familienoberhauptes einer mexikanischen Kannibalenfamilie wirft dunkle Schatten über die weitere Existenz der Ehefrau und ihren drei Kindern, war es doch der Vater, der (vornehmlich Prostituierte als) Nahrung besorgt hatte.
Das Los, Nahrung für die Familie zu beschaffen, fällt schließlich auf den ältesten Sohn, der bei den Außenseitern der Gesellschaft, wie zum Beispiel Straßenkindern, Huren und Homosexuellen sein Glück versucht. Doch er muss feststellen, dass die Nahrungsbeschaffung gar nicht so einfach ist. Die Lage der Familie wird immer prekärer.

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Aufmerksam auf diesen Film wurde ich durch das Remake desselben von Jim Mickle, der mich mit seinem Film „Vampire Nation“ ziemlich beeindruckt hat.
Mickle hatte den Originalfilm von Grau gesehen und war so beeindruckt, dass er beschloss, eine Neuinterpretation zu drehen. Nun wollte ich natürlich erst einmal den Originalfilm sehen. Ich ging ohne Erwartungen an „Wir sind was wir sind“ heran und wurde über alle Maße überrascht.

Es erwartete mich kein Splatter-Film im üblichen Sinne, sondern eher ein bedrückendes und atmosphärisch stimmiges Kammerspiel. Grau entwirft das Porträt einer Außenseiter-Familie, die mit ihrem Schicksal, Kannibalen zu sein, jede Menge Probleme hat, aber gelernt hat, damit umzugehen.
Im Vordergrund des Films steht die Menschlichkeit der Protagonisten, die ihrem inneren Drang, ihre Spezies zu verspeisen, nicht widerstehen können.

In eindringlichen Bildern und Szenarien entwirft Grau eine beklemmende Atmosphäre, die einen gefangen nimmt und mitreisst, bis zu einem gut durchdachten Höhepunkt.

„Wir sind was wir sind“ gleicht einem Experiment, denn für den echten Horrorfan spritzt viel zu wenig Blut und es ist viel zu wenig an Gedärmen und dergleichen zu sehen. Für den anspruchsvollen Filmkenner könnten aber genau diese wenigen Szenen, die zu sehen sind, schon zu viel sein, so dass der Film die Frage aufwirft: Horrorfilm oder anspruchsvolle, sozialkritische Unterhaltung? Für mich war dieser Film eine große Überraschung mit hervorragenden Schauspielern, die leider keiner kennt.  Jorge Michel Grau hat einen wunderbaren, atmosphärischen Debütfilm abgeliefert.

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Fazit: Beklemmender, kunstvoller Film über eine Kannibalenfamilie in Mexiko City. Für den ein oder anderen könnte es ein Problem darstellen, dass sich der Film nicht zwischen echtem Splatterhorror und sozialkritischem Kammerspiel entscheiden kann. Für den experimentierfreudigen Zuseher hingegen erweist sich genau diese absurde Mischung als kleine Perle.

© Wolfgang Brunner

Gravity (2013)

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Originaltitel: Gravity

Lauflänge: 91 Minuten

Regie: Alfonso Cuaron

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Während eines Routineeinsatzes im Weltraum geraten Dr. Ryan Stone (Sandra Bullock) und ihre Kollege Matt Kowalsky (George Clooney) in einen Hagel aus Trümmern, die von einer zerstörten Raumstation stammen. Das Shuttle wird dabei zerstört und Stone und Kowalsky trudeln allein, nur mit einem Band miteinander verbunden, in den unendlichen Weiten des Alls. Kowalsky entwickelt einen Plan …

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„Gravity“ ist ein Film, für den die neue 3D-Technik ein Segen ist. Selten hat man den Weltraum in seiner Schön- und Grausamkeit so deutlich vor Augen wie in diesem ruhigen Kammerspiel um eine Katastrophe im All.

Bullock und Clooney ergänzen sich fantastisch und machen diesen Trip unvergesslich. Erstaunlich ist, dass man an vielen Stellen des Films denkt, dass jetzt eigentlich Schluss sein müsste, weil es keinen Ausweg mehr gibt. Und dennoch schaffen es die Drehbuchautoren (der Regisseur und sein Sohn) immer wieder, die Handlung voranzutreiben.

„Gravity“ ist ein Ausnahmefilm der heutigen Zeit, denn während sich bei den aktuellen Comicverfilmungen die Effekte nur noch in einen Effekte-Rausch-Orgasmus ergießen, nutzt Cuaron die „echten“ Möglichkeiten digitaler Effekte, um ein Szenario zu erschaffen, von dem die Menschen seit ewigen Zeiten träumen: sich in Schwerelosigkeit im Weltraum aufzuhalten.
Nie wirkt ein Effekt übertrieben, alles ist so realistisch angelegt, dass es einen förmlich vom Hocker reisst, wenn Wrackteile durchs All geschleudert werden oder sich die beiden Protagonisten einsam und alleine in einem Nichts (auch das wirkt übrigens in 3D) vorwärtsbewegen.

Nicht umsonst wurde der Film mit sieben Oscars ausgezeichnet. Sandra Bullock beeindruckt mehr als George Cloones, das liegt aber auch daran, dass sie den größeren Part spielt. Doch die eigentliche Hautprolle dieses Films ist das Weltall. Dank digitaler, geschickt eingesetzter Specialeffects, hat Cuaron eine schwerelose Welt geschaffen, die betörender nicht sein könnte.

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Fazit: Absolut sehenswerter Science Fiction Film der besonderen Art. Alle drei Darsteller (Sandra Bullock, George Clooney und das All 🙂 ) sind eindrucksvoll. Der Spannungsbogen und die Atmosphäre des Films suchen ihresgleichen im effekteüberladenen Kino der letzten Jahre. Unbedingt in 3D ansehen!

© Wolfgang Brunner

J. Edgar (2011)

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Originaltitel: J. Edgar

Lauflänge: 137 Minuten

Regie: Clint Eastwood

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Das Leben von J. Edgar Hoover, dem Chef des Federal Bureau Of Investigation, dem F.B.I. Hoover wurde gefürchtet, geächtet, bewundert und verehrt. Er kämpfte für neuartige Methoden in der Verbrechensbekämpfung, die wegweisend waren: Abnahme von Fingerabdrücken und deren Archivierung in einer Datei, Überwachung durch Wanzen und dergleichen. Sein Privatleben verbarg er, denn er wollte nicht, dass man sein Image, seine Karriere und sein Leben zerstörte.

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In gewohnt hochwertiger Qualität inszenierte Clint Eastwood die Biografie des „mächtigsten Mannes der Welt“.
„J. Edgar“ ist ein Film für Schauspieler, in dem sie zeigen können, was in ihnen steckt. Von Leonardo DiCaprio erwartet man mittlerweile eh nichts anderes mehr als eine auf höchstem Niveau präsentierte Performance. Auch in „J. Edgar“ zeigt der Schauspieler sein Können und vor allem seine Wandelbarkeit. Sowohl als junger Edgar als auch als älterer und alter Mann überzeugt er ausnahmslos. Sein Schauspiel wirkt lange nach und hat sich bei mir erst einen Tag nach Ansehen des Films so richtig entfaltet.
Neben ihm faszinierte mich aber auch Armie Hammer als homosexueller Liebhaber Hoovers und dessen Stellvertreter. Souverän zeichnet Hammer das Bild eines „normalen“ Homosexuellen. Weder über- noch untertrieben spielt er den eifersüchtigen und verliebten Mann.

Faszinierend wie das Team um Eastwood den Bogen in eine Vergangenheit schlägt, in der die Ermittlungen eines Kriminalfalls bei Weitem noch nicht die Detailgenauigkeit der heutigen Zeit erreicht hatte. Genau darum geht es, neben der persönlichen und mitunter intimen Lebensgeschichte Hoovers, in diesem Film.
Die Klärung der Entführung des Lindbergh-Babys, die damals für Schlagzeilen sorgte, nimmt einen Teil der Story ein und zeigt deutlich, mit welcher Verbissenheit Hoover sich in seine Aufgaben stürzte, aber auch vor Lügen nicht zurückschreckte.

Was Eastwood dann (natürlich zusammen mit den großartigen Schauspielern) die letzten zwanzig Minuten bietet, raubte mir den Atem. Einfühlsam und eindringlich, ruhig und meisterhaft inszeniert, zeigt das Ende des Films die wahre Liebe zwischen zwei Männern, die gemeinsam alterten. Der Schluß von „J. Edgar“ brachte mich richtig zum Weinen. Einfach toll gemacht!

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Fazit: Clint Eastwood und Leonardo DiCaprio at their best! Hochwertige, intime Biografie einer bedeutenden Persönlichkeit, die ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit versteckte. Schauspielerisch und regietechnisch nahezu perfekt. Uneingeschränkte Empfehlung!

Fragile – A Ghost Story (2005)

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Originaltitel: Frágiles (2005)

Laufzeit: 97 Minuten

Regie: Jaume Balagueró

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Das baufällige Kinderkrankenhaus Mercy Falls steht kurz vor der Schließung. Bis auf einige wenige Kinder haben bereits alle Patienten das Gebäude verlassen. Plötzlich kommt es zu merkwürdigen Zwischenfällen. Die Knochen der Kinder brechen wie von Geisterhand, aus dem leerstehenden zweiten Stock tönen laute Geräusche und Schatten huschen durch die nächtlichen Flure. Nachtschwester Amy geht dem Geheimnis auf den Grund und stößt dabei auf die Legende vom „mechanischen Mädchen“. Tiefer und tiefer dringt sie schließlich in die düstere Geschichte des Krankenhauses vor.

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Der Autor und Regisseur Jaume Balagueró ist ein eher unauffälliger Vertreter seiner Zunft. Auch wenn er mit seinem blutigen Zombieschocker REC ein breites Publikum erreichte, bleiben seine früheren Arbeiten doch weiterhin Geheimtipps unter Horrorfreunden. Dabei beweist Balagueró, ehemals Journalist und Filmkritiker, ein sicheres Gespür für unheimliche Geschichten mit beklemmender Atmosphäre, außerdem spielen Frauen und Kinder eine zentrale Rolle. So auch bei seinem dritten Film, Fragile – A Ghost Story.

Wie der Untertitel schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um eine klassische Geistergeschichte. Das Genre erfindet der Film nicht neu, setzt eher auf Altbewährtes. Das macht er allerdings wirklich gut. Ohne jegliche Splattereffekte, weiß Balagueró mit soliden Gruselelementen zu unterhalten. Das verfallene Gebäude, dessen zweiter Stock nach einem mysteriösen Vorfall geschlossen wurde, bildet eine ideale Kulisse. Oft glaubt man, in den von Schatten durchfluteten Gängen die eine oder andere plötzliche Bewegung zu erhaschen. So fesseln einen die düstere Stimmung und die dichte Atmosphäre von Beginn an.

Auch wenn die Charaktere ein bisschen oberflächlich geraten sind, spielen die Darsteller ihre Rollen mit voller Überzeugung. Viele Zuschauer haben sich an Calista Flockhart in der Hauptrolle gestört und sich über ihre eintönige und lustlose Art beschwert. Ich persönlich mochte sie sehr gerne in dieser Rolle. Passend zum Titel des Film wirkt sie unheimlich zerbrechlich, kämpft sich aber umso tapferer durch das zerfallene Gebäude und deckt Stück für Stück dessen dunkle Vergangenheit auf. Dabei läuft einem so mancher wohlige Schauer über den Rücken, und auch die gut platzierten Schreckmomente verfehlen ihre Wirkung nicht.

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Fazit: Fragile ist ein äußerst charmanter und spannender Gruselspaß. Leider sticht er aus der breiten Masse nicht sonderlich heraus, bietet aber gute Unterhaltung für den gelegentlichen Gruselabend.

© Tobias Schumacher

 

 

Insidious (2010)

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Originaltitel: Insidious

Lauflänge: 102 Minuten

Regie: James Wan

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Die Lamberts ziehen in ein neues Haus und sind überglücklich. Mit ihren zwei Söhnen und der kleinen Tochter scheinen sie das große Los gezogen zu haben.
Doch dann geschehen seltsame Dinge im Haus und einer der Söhne fällt ins Koma.
Als die Lamberts vollkommen davon überzeugt sind, dass das Böse vom Haus ausgeht, ziehen sie erneut um. Doch die Schrecken hören nicht auf und die Familie muss feststellen, dass es nicht das Haus war, das besessen war, sondern …

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Der Film beginnt wirklich gut – und vor allem unheimlich!
Die Familiensituation wirkt sehr realistisch und hat mich überzeugt. Die Schausieler machen ihre Arbeit gut, ebenso der Regisseur und der Kameramann. James Wan gelingt ein gelungener Einstieg , der eine gruselige Atmosphäre vermittelt – allerdings schafft er das nur in den ersten beiden Dritteln.

Die gut verstreuten Schock- und Gruselelemente funktionierten (zumindest bei mir) hervorragend und verursachten absolute Gänsehaut (ich sage nur „Babyphone“). Das waren ähnliche Elemente, die mich damals beim Originalfilm von „The Eye“ den DVD-Player haben abschalten lassen. 🙂

Leider versagt Wan dann im letzten Drittel fast auf ganzer Linie. Die ernstzunehmende Dramatik von „Insidious“ verkommt am Ende zu einem billigen, kitschigen und klischeehaften Geisterbahngerumpel, das den ganzen ersten Teil zerstört.
Auch wenn die Idee gut wäre, Wan nimmt die Chance, einen Mystery-Thriller im Stil von „Amityville Horror“ oder „The Sixth Sense“ zu inszenieren, nicht wahr. Fast könnte man meinen, er habe dieses Ende aus kommerziellen Gründen so gestaltet, um den Zuschauern etwas zu bieten.
Das ging aber leider gründlich daneben. Fast so ähnlich wie derzeit Tobe Hooper das Finale von „Poltergeist“ verhunzt hat, in dem er Schleim und Konsorten auf den Plan gerufen hat, um es kräftig rumsen zu lassen.
Hätte Wan die ersten beiden Drittel im letzten Teil fortgesetzt, wäre ein recht ansehnlicher Gruselfilm zustande gekommen. Ich bin gespannt, was Teil 2 bietet.

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Fazit: Anfangs solider Gruselthriller mit wirklich packenden Schockszenen, die unter die Haut gehen. Zum Ende hin flacht der Film leider trotz relativ gut durchdachter Handlung in eine seichte, mit unnötigen Effekten überhäufte, Geisterbahnfahrt ab, die  heutzutage nicht vom Hocker reisst. Anfang gut – Ende schlecht. Schade, denn es hätte ein von Anfang bis Ende guter Film werden können, hätte man den Stil der ersten beiden Drittel beibehalten.

© Wolfgang Brunner

Die Eiskönigin – Völlig unverfroren (2013)

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Originaltitel: Frozen
Länge: 101 Minuten
Regie: Chris Buck, Jennifer Lee

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Der Animationsfilm von Disney, welcher entfernt auf dem Märchen von Hans Christian Andersen basiert, handelt von zwei Schwestern (Prinzessinnen), Anna und Elsa, aus dem Königreich Arendelle. Eine der Schwestern, Elsa, besitzt die Fähigkeit Schnee, Frost und Eis zu erzeugen. Als Kind verletzte sie versehentlich ihre Schwester mit einem Eisblitz. Seitdem lebt sie alleine und zurückgezogen, bis zum dem Tag ihrer Krönung, drei Jahre nach dem Tod ihrer Eltern durch ein Seeunglück, in ihrem Zimmer.
Bei der Krönung geht etwas schief. Elsa flieht und hälte Arendelle ungewollt durch ihre Emotionen und Machtlosigkeit über ihre Fähigkeiten in einem ewigen Winter gefangen.
Ihrer Schwester Anna und deren Weggefährten begegnen auf der Suche nach ihr vielen Gefahren, Überraschungen und andere märchenhaften Phänomenen.

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Nach vielen immergleichen Märchenverfilmungen, die mir, wenn überhaupt, nur mittelmäßig gefallen haben, war ich nicht gerade begeistert als ich von einer Freundin diesen Filmtipp erhielt.
Ich war allerdings mehr als angenehm überrascht! “Frozen“ löst sich auf ironische, lustige und emotionale Weise von nahezu allen Märchenklischees und -normen, was dazu führt, dass man von diesem meisterhaften Film mehr als nur einmal überrascht wird.
Auch dieser Disney-Film, wie schon einige vor ihm, wurde durch so manche Gesangseinlage der Protagonisten untermalt, die jedoch nicht deplaziert oder kitschig wirkten. Vielmehr rundeten sie die Handlung perfekt ab und gleichten die Schwankung zwischen lustiger, dramatischer und romantischer Atmosphäre aus, sodass ich bereits nach 30 Minuten das erste mal zu Tränen gerührt war.
Der Soundtrack des Films lässt einem beinahe WIRKLICH das Blut in den Adern gefrieren!
Das unvorhersehbare Ende des Films ist ein grandioser Abschluss für diesen, in meinen Augen nahezu perfekten Film. Einige Fragen die sich mir stellten, wie z.b nach dem Grund und dem Ursprung für Elsas Gabe, hatten jedoch keine große Relevanz für den Film, der eine zwanglose Kinder- und Familienunterhaltung darstellen soll.
Dies hat “Frozen“ eindeutig geschafft. Man fließt förmlich durch die Handlung, es wird nie langweilig und ehe man sich versieht sind 101 Minuten um!

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Fazit: Dieser Film macht Spaß und rührt zu Tränen. Er beinhaltet alles, was man sich von einer modernen Märchenverfilmung erhoffen kann, sodass man auch mühelos noch 101 weitere Minuten in der Märchenwelt verbringen und mitfiebern könnte, ohne zu merken wie die Zeit vergeht.

Ein absolut sehenswerter Film, der in meinen Augen zu einem der besten Disney-Animationsfilmen zählt, die ich je gesehen habe! Ganz viele imaginäre Sterne für Frozen!

© Jasmin Hegmann

Doomsday – Tag der Rache (2008)

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Originaltitel: Doomsday

Lauflänge: 109 Minuten

Regie: Neal Marshall

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„The Reaper“, ein tödliches Virus sucht die Menschheit heim und Hunderttausende fallen der geheimnisvollen Krankheit zum Opfer. Um eine Pandemie zu verhindern, beschließt die britische Regierung, ganz Schottland vom Rest des Landes abzutrennen, um Gesunde von Infizierten zu trennen und die tödliche Kranheit einzudämmen.
30 Jahre später denkt kein Mensch mehr an „The Reaper“ und jeder hat sich an die Sperrzone gewöhnt. Doch dann taucht der Erreger plötzlich außerhalb von Schottand auf und bedroht erneut die ganze Menschheit.
Nur Dr. Kane, der aber damals in die Sperrzone verbannt wurde, weiß das Gegenmittel, um die Krankheit aufzuhalten. Eden Sinclair, eine Frau, die vor 30 Jahren durch „The Reaper“ ihre Mutter verloren hat, nimmt den Auftrag an, in der von Infizierten bewohnten Zone nach Dr. Kane zu suchen.

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Es ist schon eine Zeit her, dass ich „Doomsday“ gesehen habe. Damals handelte es sich um die ca. zehn Minuten gekürzte deutsche FSK 18-Fassung und ich muss ehrlich gesetehen, dass der Film damals keinen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat.  Umso erstaunter war ich nun, als ich die ungekürzte Version sah.

Marshall bedient sich zwar, zumindest in der Ausgangssituation, ungehemmt an John Carpenters „Die Klapperschlange“ und mixt mitunter dann Passagen in seinen Endzeitfilm, die an Mad Max 2 erinnern, aber dennoch weiß „Doomsday“ zu faszinieren.
Anstelle von Snake Plissken wird eine Frau namens Eden Sinclair in einen abgeriegelten Ort voller Anarchie eingeschleust, doch die Grundstimmung ähnelt weitgehend dem Carpenter-Klassiker.
Schauspielerisch kann der Film mit akzeptablen Leistungen aufwarten, wobei ich Craig Conway als Sol Kane besonders hervorheben möchte. Seine Darstellung des völlig abgedrehten, irren Anführers war beeindruckend.

Die in der deutschen Fassung geschnittenen Szenen mögen brutal sein, aber sie sind der Handlung und der Atmosphäre des Filmes dienlich, weshalb ich auch vermute, dass mir der Film in der geschniittenen Fassung nur bedingt gefallen hat.
In der ungekürzten Fassung macht „Doomsday“ auf jeden Fall Spaß und als Bob Hoskins-Fan genoss ich die Auftritte des britischen Schauspielers, der übrigens seit 2011 leider an Parkinson erkrankt ist und sich daher aus dem Filmgeschäft zurückgezogen hat.

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Fazit: Akzeptabler Endzeitfilm im Stil von „Die Klapperschlange“ und „Mad Max 2“, der dennoch eigenständige Ideen vorweisen kann und daher für Actionfans absolut sehenswert ist. Der Gore-Anteil ist in der ungekürzten Fassung gut über den Film verteilt und für den Handlungsverlauf stimmig.

© Wolfgang Brunner

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Der Science-Fiction-Actionthriller spielt im Jahr 2008. Das Reaper-Virus ist ausgebrochen und brachte schnell tausenden Menschen den Tod. Ohne Gegenmittel ist die Regierung machtlos, also entscheidet sie sich kurzum das betroffene Gebiet durch eine Mauer zu isolieren und unter Quarantäne zu stellen.
25 Jahre später bricht das das Virus erneut aus, diesmal in London. Eden Sinclair, die taffe Tochter einer damals vom Virus betroffenen Mutter wird mit einem Elite-Team in die Sperrzone geschickt um Dr. Kane, der ein Gegenmittel kennen soll, oder andere Überlebende zu finden. Doch Kane und sein Sohn sind nach all den Jahren übergeschnappt und wollen dies mit allen Mitteln verhindern.

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Nach mehreren ‚Endzeit‘-Filmen die mir gut gefallen haben, wie z.b ‚2012‘, ‚The day after Tomorrow‘ oder ‚The Road‘ war ich offen für einen weiteren Film der diese Stimmung verkörpern sollte.
Leider bin ich von dem Film sehr enttäuscht. Der Anfang hat mir noch sehr gut gefallen, er war düster und spannend gestaltet. Von der Vergangenheit der Protagonistin, über die Verrieglung des Sperrgebiets, bis hin zum Eindringen des Elite-Teams in die Quarantäne-Zone waren interessant und gut gestaltet. Als das Team im ehemaligen Krankenhaus von Dr. Kane ankommt, entdecken sie eine Überlebende und man denkt, es wäre etwas besonderes, bis auf einmal hunderte ‚Punker‘ die Ortschaft stürmen und auf brutale Weise die Soldaten angreifen. Auch Kane, den sie bald später finden, lebt im mittelalterlichen Stil und besitzt eine ‚Arena‘ in der eine Art von Gladiatoren-Kämpfen stattfindet. All seine Leute sind mit Äxten und Speeren bestückt, sie reiten auf Pferden mit Rüstungen und Schilde und jagen die ‚Eindringlinge‘.
Der Rückschritt in die Mittelalter-Zeit wirkt sehr unrealistisch und unpassend. Die von dem Virus bedrohte Welt außerhalb der Zone spielt schon nach einigen Minuten kaum noch eine Rolle, genauso wie die ‚Suche‘ nach einem Gegengift. Vielmehr spitzt sich die Handlung auf einen zeitaufwendigen Rivalenkampf zwischen dem Elite-Trupp und den Überlebenden zu. Kurz vor dem finalen Kampf, findet der Trupp einen hochmodernen Sportwagen, tonnenweise Sprit, Handys und anderes (man hinterfragt erneut die mittelalterliche Lebensweise). Bei einem Autobahn-Showdown zwischen dem Anführer der ‚Punker‘ und Sinclair der Protagonistin, siegt diese und trifft ein paar Meter weiter den Helikopter ihrer Rettung an. Bei der Frage nach dem Gegenmittel, tut sie diese mit dem Blut der scheinbar imunen Überlebenden ab. Die Tochter von Dr. Kane hatte sich freiwillig der Gruppe angeschlossen und dient praktischer Weise nun als Gegenmittel.
Die Protagonistin Sinclair bleibt aus unersichtlichen Gründen im Sperrgebiet, um den Platz als Anführerin der Punk-Gruppe einzunehmen. Der Zuschauer bleibt mit vielen offenen Fragen zurück, wie z.b ob das Blut in ein Gegenmittel umgewandelt werden kann, wie viele Infizierte es in London bereits gibt und was mit den Überlebenden aus dem Sperrgebiet passiert, denen durch den Virus scheinbar keine Gefahr droht.

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Fazit: Der Film besitzt in meinen Augen keinen klaren Handlungsfaden. Der zu Beginn aufgegriffene Faden, wird im Haupteil fast vollkommen fallen gelassen und erst in den letzten paar Minuten wieder aufgegriffen, um dem Film einen halbwegs sinnvolles Ende zu bescheren. Zu loben sind die schauspielerischen Leistungen und diverse Special Effects, dennoch werde ich mir diesen Film wohl nicht erneut ansehen.

© Jasmin Hegmann

Noah (2014)

Noah

Noah (2014)

Originaltitel: Noah

Lauflänge: 138 Minuten

Regie: Darren Aronofsky

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Schritt für Schritt zerstört der Mensch die Erde. Bäume und Pflanzen gibt es nicht mehr, Tiere werden bei lebendigem Leibe gefressen, Mord und Vergewaltigung stehen an der Tagesordnung. Noah und seine Familie sind die letzten guten Menschen in dieser verrohten Welt. In einer Vision deutet er den Auftrag des Schöpfers, ein Paar jeder Tierart vor der drohenden Sintflut zu retten, die den Menschen endgültig von der Erde tilgen soll. Mit Hilfe der Nephilim, der gefallenen Engel, die bei der Berührung mit der Erde zu steinernen Riesen wurden, beginnt Noah mit dem Bau seiner Arche. Doch so leicht will sich die restliche Menschheit ihrem Schicksal nicht ergeben.

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Noah hatte keinen leichten Start. Schon vor der Veröffentlichung schrie das amerikanische Publikum Blasphemie, und in den arabischen Ländern wurde der Film komplett verboten. Religion ist nun einmal ein sensibles Thema, besonders dann, wenn man sie so frei interpretiert, wie Aronofsky es getan hat. Denn wer bei Noah eine klassische Bibelverfilmung im Stil von Die zehn Gebote erwartet, der hat sich getäuscht.

Durch industriellen Fortschritt betreibt der Mensch Raubbau an der Erde. Wo es früher Seen, Wiesen und Wälder gab, sind nur noch unendliche, steinerne Wüsten geblieben. Respekt vor menschlichem oder tierischem Leben erhofft man sich vergeblich. Das Thema ist also brandaktuell, und durch den zeitlosen Look könnte man meinen, man befindet sich in der nahen Zukunft, in der eine vom Menschen verursachte Apokalypse bereits stattgefunden hat. Umso deutlicher spürt man so manches Mal den erhobenen Zeigefinger des Films.

Eine weitere Bereicherung dieser postmodernen Geschichte ist der Charakter des Noah, brillant dargestellt von Russell Crowe. Verfolgt er am Anfang noch das edle Ziel, den Fortbestand der Tiere zu sichern, steigert er sich mehr und mehr in Fanatismus, deutet göttliche Zeichen, wo es scheinbar keine gibt, verfällt seinem religiösen Wahn, um dann am Ende schließlich selbst vor Mord nicht zurückzuschrecken. So hat Aronofsky aus Noah nicht einfach den frommen Helden der Bibel gemacht, sondern einen Menschen voller innerer Zerrissenheit, der an der ihm übertragenen Aufgabe zu zerbrechen droht.

Untermalt wird die Geschichte nicht nur von einem bombastischen Soundtrack von Clint Mansell, sondern auch durch die für Aronofsky typische Symbolhaftigkeit. Bei ihm gehen Schöpfung und Evolution Hand in Hand, das Wort Gott wird nicht ein einziges Mal erwähnt, sondern nur vom Schöpfer gesprochen und Adam und Eva werden zu leuchtenden, übermenschlichen Wesen.

Aronofsky hat es geschafft, die Moral der Geschichte von den religiösen Aspekten loszulösen und so in breitem Maße auf unsere industrialisierte, von Feindseligkeit, Kriegen und religiösem Fanatismus zerrüttete Zeit zu übertragen. Es ist schade, dass sich gerade Gläubige von dieser Herangehensweise in ihrem religiösen Empfinden gekränkt fühlen, zeigt der Film doch, wie aktuell die Erzählungen der Bibel auch heute noch sind.

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Fazit: Eine bildgewaltige Apokalypse, die unserer modernen Industriegesellschaft den Spiegel vorhält, Charaktere, deren Leid und Verzweiflung man bis in jede Faser spürt, und ein facettenreicher Noah, den man liebt, hasst und bemitleidet. Für mich eines der ersten großen Highlights des Kinojahres.

 © Tobias Schumacher