Ich. darf. nicht. schlafen. (2014)

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Originaltitel: Before I Go To Sleep
Regie: Rowan Joffé
Drehbuch: Rowan Joffé
nach dem Roman von S.J. Watson
Kamera: Ben Davis
Musik: Ed Shearmur
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Nicole Kidman, Colin Firth, Mark Strong, Anne-Marie Duff, Adam Levy, Dean-Charles Chapman
Genre: Thriller, Literaturverfilmung
Produktionsland: Großbritannien, Frankreich, Schweden
FSK: ab 12 Jahre

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Christine Lucas leidet an Amnesie: Sie wacht jeden Morgen auf und kann sich an absolut nichts mehr erinnern. Jeden Tag aufs Neue beginnt sie, ihr Leben wie ein Puzzle mühsam zusammenzusetzen. Hilfreich sind ihr dabei Ehemann Ben und der Neuropsychologe Dr. Nash. Beide Männer wissen allerdings nichts voneinander. Mit Hilfe eines Video-Tagebuchs, das sie jeden Tag durch einen Anruf Dr. Nashs wiederfindet, fügt Christine ihr Leben wieder zusammen. Je mehr sie von sich erfährt, desto weniger schöpft sie Vertrauen zu Ben und auch Dr. Nash. Schon bald weiß Christine nicht mehr, wem sie vertrauen kann, denn ihr Leben scheint nur aus Lügen zu bestehen. Und die Wahrheit droht weitaus schrecklicher zu sein, als Christine die ganze Zeit denkt …

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Die von Starregisseur Ridley Scott produzierte Umsetzung von S.J. Watsons Psychothriller ist vollauf gelungen. Sehr nah hält sich das Drehbuch an die literarische Vorlage und langweilt keine einzige Sekunde. Spannend von Anfang bis zum Ende nimmt Regisseur Rowan Joffé, der übrigens auch das Drehbuch verfasste, den Zuschauer auf eine andere Art von „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit.
Auch wenn man die Romanvorlage kennt, läuft der Film niemals Gefahr, langweilig zu werden. Ein paar Änderungen, die einfach filmtauglicher waren, wurden vorgenommen, die aber an der Handlung absolut nichts verändern.

Nikole Kidmann, Colin Firth und Mark Strong liefern ein sehr überzeugendes Verwirrspiel ab, dem man oft mit angehaltenem Atem folgt. Glaubwürdig mimt Kidman die Amnesie-Patienten, die völlig verwirrt hinter das Geheimnis ihrer Vergangenheit kommen möchte. „Ich. darf. nicht. schlafen.“ ist perfekte Thriller-Unterhaltung, die sich jeder Leser des Romans unbedingt ansehen sollte, denn Rowan Joffé hat die Vorlage wirklich sehr gut umgesetzt.

Gerade die ruhige Inszenierung mit nur sparsam eingesetzten „Action“-Szenen macht die Bedrohung deutlich, der sich die Protagonistin gegenübersteht. Diese relativ unspektakuläre Suche nach den Geschehnissen der Vergangenheit wirkte aus diesem Grund sehr glaubwürdig auf mich. Am Ende zeigt Rowan Joffé, dass er Alfred Hitchcock mag. 😉
Mark Strong wirkt so manches Mal ein wenig unterfordert, ihm (und damit dem Film) hätte ein wenig mehr Aufmerksamkeit bestimmt gut getan.

„Ich. darf. nicht. schlafen.“ kann zwar mit Genremeisterwerken wie Christopher Nolans „Memento“ nicht mithalten, aber eine sehenswerte Literaturverfilmung ist es dennoch geworden, die man nicht unterschätzen sollte. Schauspielerisch und inszenatorisch lässt sich nicht wirklich viel bemängeln, das Ergebnis hätte bei einem unfähigeren Team weitaus schlechter ausfallen können.

Wer sich für das Buch interessiert, kann hier eine Rezension meiner Frau nachlesen. 😉

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Fazit: Gelungene Verfilmung des Bestsellers von S.J. Watson. Gut agierende Schauspieler und eine durchweg spannende Inszenierung machen „Ich. darf. nicht. schlafen.“ zu einem ansehnlichen Thriller. Wer das Buch nicht kennt, wird die überraschenden Wendungen lieben.

© 2015 Wolfgang Brunner

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Portrait Of A Zombie (2012)

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Originaltitel: Portrait Of A Zombie
Regie: Bing Bailey
Drehbuch: Bing Bailey, Laura Morand Bailey
Kamera: Clayton H. Haskell
Musik: Amanda Rose Smith
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Todd Fletcher, Patrick Murphy, Geraldine McAlinden, Rory Mullen, Paul O’Bryan, Sonya O’Donoghue
Genre: Horror
Produktionsland: Irland
FSK: ab 18 Jahre

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Die Murphys sind schockiert, als sich ihr Sohn Billy in einen Zombie verwandelt. Trotz aller Warnungen beschließt die Familie, den Mutierten in der Wohnung zu behalten. Schon bald erfährt ein Filmteam von dem Zombie und dreht einen Dokumentarfilm über Billy.

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Der Einstieg dieser Independent-Produktion gelang noch ganz gut. Aber schon schnell verabschiedet sich die Atmosphäre und der Film gerät zu einer billigen, schlecht inszenierten Farce, die es nicht einmal annähernd schafft, den Zuschauer bei der Stange zu halten. Es fiel mir schon ungemein schwer, den Film nicht einfach abzuschalten. Ich habe es nicht getan, aber mein Durchhaltevermögen wurde leider nicht belohnt.

„Portrait Of A Zombie“ ist eine schlecht gemachte Mockumentary mit dürftigen Schauspielern. Die wenigen Splatterszenen, die ganz ansehnlich umgesetzt wurden, reissen den Film nicht heraus, denn alles wirkt lustlos, gekünstelt und unrealistisch. Die Pseudo-Interviews sind lahm und auch wenn in der zweiten Hälfte ein wenig Spannung aufkommt, kann das die unprofessionelle Inszenierung nicht retten. Die deutsche Synchronisation lässt zudem sehr zu wünschen übrig.

Die Grundidee, einem Zombie Rechte einzuräumen, hätte weitaus besser umgesetzt werden können. Auch wenn nur ein geringes Budget zur Verfügung steht, hätten bessere Schauspieler und ein fähigerer Regisseur durchaus eine Independent-Perle zu Wege bringen können. So aber kam lediglich ein uninspirierter und handwerklich und schauspielerisch schlechter B-Movie zustande, der mich absolut nicht überzeugen konnte.

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Fazit: Lustlos heruntergekurbelter Independent-Zombie-Film mit einer zwar ganz netten Grundidee, dafür aber umso schlechterer Umsetzung. Das war leider nix!

© 2015 Wolfgang Brunner

Her (2013)

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Originaltitel: Her
Regie: Spike Jonze
Drehbuch: Spike Jonze
Kamera: Hoyte van Hoytema
Musik: Arcade Fire
Laufzeit: 126 Minuten
Darsteller: Joaquín Phoenix, Amy Adams, Rooney Mara, Olivia Wilde, Chris Pratt, Matt Letscher, Scarlett Johansson (Samanthas Stimme im Original)
Genre: Science Fiction, Drama, Liebesfilm
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Los Angeles in naher Zukunft: Theodore hat eine Trennung hinter sich und verbringt seine Abende alleine und einsam in seiner Wohnung. Als er von einem intelligenten Computer-Betriebssystem erfährt, legt er sich dieses sofort zu. Das System spricht mit ihm, reagiert verständnis- und liebevoll auf seine Worte und schon bald beginnt Theodore, sich in die Stimme und das System zu verlieben …

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Schon nach den ersten Minuten wurde mir klar, dass „Her“ ein Film wird, den ich lieben würde. Und ich habe mich nicht getäuscht. Spike Jonzes Zukunfts-Liebes-Drama ist schlichtweg genial. Die Stimmung, die Jonze schafft, ist der absolute Wahnsinn. Jonze, Ehemann von Sofia Coppola, legte bereits mit dem grandiosen „Being John Malkovich“ einen nicht alltäglichen Film vor. Mit „Her“ übertrifft er sich aber sogar selbst. Was wie eine Zukunftsvision erscheint, könnte in ein paar Jahren bereits erschreckende Realität sein. Wie Jonze diese tragische Cyberspace-Lovestory umgesetzt hat, ist schwer zu erfassen, denn man meint tatsächlich, Zeuge einer wahren Geschichte zu sein.

Joaquin Phoenix legt eine oscarreife Schauspielerleistung hin, die unvergesslich bleibt. Seine Darstellung eines einsamen, verzweifelten Mannes auf der Suche nach einer perfekten Liebe ist unglaublich intensiv und glaubwürdig. Für mich ist diese Rolle der bis jetzt unübertreffliche Höhepunkt seiner Karriere. Ich konnte mich an seiner Darstellung überhaupt nicht sattsehen, so gefühlvoll und echt war sie. Überhaupt hatte das ganze Szenario einen Reiz, dem ich mich nicht entziehen konnte.
Melancholisch, herzerweichend und irgendwie auch todtraurig wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der sich in die Stimme eines Betriebssystems verliebt. Jonzes Film zeigt, dass Liebe durchaus auch körperlos existieren kann. Es ist eine philosophische Gratwanderung, die „Her“ darstellt, und nicht jeder wird diese Art Liebeserklärung mögen. Für mich war dieser Streifen eine Art Lebenserfahrung, die man schwer erklären kann. „Her“ muss man einfach gesehen haben! Dieses tragische Dystopie-Liebesdrama ist eines der intelligentesten der letzten Jahre. Die Zukunft, die Jonze zeigt, ist nur noch ein paar Schritte von uns entfernt und wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir Menschen tatsächlich den Bezug zu wahrer Liebe und flüchten uns in die vermeintliche „Wärme“ eines Betriebssystems.

„Her“ weckt Emotionen, mit denen man bei der Thematik dieses Films nicht rechnet. Unweigerlich wird der Zuschauer, der sich auf dieses Spiel einlässt, von einer tiefen Melancholie erfasst, die traurig und irgendwie glücklich zugleich macht. „Her“ ist ein unvergessliches, unvergleichliches und beeindruckendes Erlebnis, das abseits des Mainstream zeigt, wie gute Filme mit hervorragender Schauspielerei auszusehen haben.

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Fazit: Eine emotional wuchtige Lebenserfahrung voller Melancholie und Liebessehnsucht. Eindeutig Joaquin Phoenix‘ bisheriger Karriere-Höhepunkt. Seine Darstellung ist grandios.

© 2015 Wolfgang Brunner

Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers (1986)

stand by me

Originaltitel: Stand By Me
Regie: Rob Reiner
Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon
nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Kamera: Thomas Del Ruth
Musik: Jack Nitzsche
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Wil Wheaton, River Phoenix, Corey Feldman, Jerry O’Connell, Kiefer Sutherland, Casey Siemaszko, John Cusack, Richard Dreyfuss
Genre: Abenteuer, Literatur
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 6 Jahre

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Vier Jungs im Alter zwischen 11 und 13 Jahren machen sich auf den Weg, um die Leiche eines vermissten Teenagers zu suchen.  Sie hoffen Helden zu werden, wenn sie erfolgreich sind. Als sie sich auf eine zweitägige Wanderung aufmachen, entwickelt sich der Trip immer mehr zu einer Reise in die Erwachsenenwelt.

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Rob Reiners Ausflug in eine glückliche und abenteuerliche Kindheit nach einer Kurzgeschichte von Stephen King hat auch nach fast 30 Jahren nichts von seinem Reiz verloren. Auf hypnotische Weise wird der Zuschauer schon nach den ersten Minuten verzaubert und in eine Welt geworfen, wie sie sich ein jeder von uns zurückwünscht und vielleicht in seiner Kindheit sogar gehabt hat. Mit einer unglaublichen Intensität wird die Geschichte einer Freundschaft von vier Kindern erzählt, die sich an der Grenze zur Jugend und zum Erwachsensein befinden.

Ganz vortrefflich sind die verschiedenen Charaktere der Schauspieler ausgewählt, die allesamt überzeugen und die der Zuschauer ins Herz schließen muss. Allen voran brilliert Wil Wheaton in seiner Rolle als Gordie Lachance, weil er zwar kindlich naiv und dennoch auf gewisse Art und Weise auch schon sehr erwachsen wirkt. Bereits ein Jahr nach „Stand By Me“ konnte er in seiner Rolle als Wesley Crusher an der Seite von Captain Picard (dargestellt von Patrick Stewart) in der Serie „Star Trek – The Next Generation“ erneut sein Können unter Beweis stellen. Corey Feldman überzeugt mit seiner witzigen und professionellen Art ebenso wie River Phoenix. Jerry O’Connell wirkt äußerst sympathisch und passt hervorragend in die Gruppe.

Rob Reiner erweckt in seinem Abenteuerfilm Erinnerungen an eine glückliche Kindheit, die fast schon wehtut. Man fühlt sich fast selbst wieder zurückversetzt in jenes Alter, in dem ein Ausflug in den Wald ein Abenteuer bedeutete. Reiner hat aus meiner Sicht einen zeitlosen Klassiker geschaffen, der auf jeden Fall zu einer der besten Stephen King-Verfilmungen zählt. Allerdings steht hier nicht Horror im Vordergrund (wenn man von der gruseligen Vorstellung einmal absieht, eine Leiche im Wald zu suchen und auch zu finden), sondern eher eine nostalgische Reise in ein Alter, in dem man die Welt noch mit den Augen eines Kindes sieht, sich aber dennoch erwachsen fühlt. Und genau diese Stimmung hat Rob Reiner hervorragend in seinem Film eingefangen.

„Stand By Me“ kann man sich immer wieder ansehen und die Tatsache, den jungen River Phoenix auf einem weiteren Schritt zum Höhepunkt seiner Karriere zuzusehen, macht den Film noch sehenswerter, als er ohnehin schon ist. Richard Dreyfuss‘ kurzer Auftritt als in die Jahre gekommener Gordie Lachance, der die Geschichte von damals jetzt als Schriftsteller erzählt, hat mich schon damals beeindruckt und das ist auch bis heute so geblieben.

Rob Reiners atmosphärisch dichter Kindheitstraum, der im Jahr 1959 spielt, wirkt vor allem in der heutigen Zeit wie ein wehmütiger Rückblick in eine Zeit, in der Spielen noch draußen im Freien stattfand und nicht an Computerkonsolen.

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Fazit: Melancholisch und verklärt erzählt Rob Reiner eine Geschichte über Freundschaft, Abenteuer und das Erwachsenenwerden. „Stand By Me“ ist ein zeitloser, nostalgischer Klassiker.

© 2015 Wolfgang Brunner

Murder Party (2007)

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Originaltitel: Murder Party
Regie: Jeremy Saulnier
Drehbuch: Jeremy Saulnier
Kamera: Jeremy Saulnier
Musik: Brooke & Will Blair
Laufzeit: 79 Minuten
Darsteller: Chris Sharp, Kate Porterfield, Tess Porterfield Lovell, Puff Snooty, Damon Lindsay, Macon Blair, Stacy Rock
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Chris findet am Halloween-Abend auf der Straße eine Einladungskarte zu einer Party. Da er nichts anderes vorhat, beschließt er hinzugehen. Allerdings erwartet ihn eine vollkommen andere Party, als er sich vorgestellt hat: Eine Gruppe Psychopathen fesseln ihn und wollen seinen Tod in einer Art Kunstfilm festhalten.

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Nachdem mich Jeremy Saulnier mit seinem neuen Film „Blue Ruin“ dermaßen begeistert hat, wollte ich natürlich sein Debüt „Murder Party“ sehen. Leider entsprach die Komödie nicht meinen Erwartungen. „Murder Party“ hat sicherlich einige ansprechende Szenen und wartet mit diversen Anspielungen auf andere Kultfilme auf, aber insgesamt ist die Horror-Komödie einfach zu seicht und einfallslos. Hinzu kommt, dass die meisten der Gags nicht sitzen und mir nicht einmal ein flüchtiges Schmunzeln auf die Lippen gezaubert haben.

Handwerklich sieht man, dass Saulnier was kann und auch die Idee ist grundsätzlich nicht die schlechteste. Aber insgesamt ist die Inszenierung dann doch eher holprig und nicht ausreichend gut genug, damit man sie genießen könnte. Schauspielerisch wäre auch durchaus mehr drin gewesen, da sind einfach zu viele Szenen, in denen die Schauspieler nicht überzeugen können.
Und der Plot, der anfangs noch ganz interessant rüberkommt, verwandelt sich zusehends in eine Gerschichte, die sich nicht zwischen Ernst und Klamauk entscheiden kann und daher den Zuschauer einfach nicht für sich gewinnen kann.

Bessere Schauspieler und ein konsequenterer Weg, nämlich Splatter mit Komödie zu mischen und nicht umgekehrt, hätte „Murder Party“ durchaus zu einer kleinen Independent-Perle gemacht. So aber ist das Ergebnis enttäuschend, wenngleich auch nicht so schlecht, dass der Film keine Existenzberechtigung hätte. Genrefreunde, die gerne Komödien mit Horrorhintergrund sehen, können einen Blick riskieren. Ich persönlich halte mich da lieber an kleine, ähnlich gelagerte, aber weitaus besser inszenierte Independent-Meisterwerke wie den deutschen Caedes – Die Lichtung des Todes.

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Fazit: Enttäuschendes Erstlingswerk, das zwar anfangs noch ganz gute Ansätze vorweist, aber in nichtssagendem Horror-Klamauk versinkt.

© 2015 Wolfgang Brunner

Aggression Scale – Der Killer in dir (2012)

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Originaltitel: The Aggression Scale
Regie: Steven C. Miller
Drehbuch: Ben Powell
Kamera: Jeff Dolen
Musik: Kevin Riepl
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Ray Wise, Dana Ashbrook, Derek Mears, Fabianne Therese, Ryan Hartwig, Jacob Reynolds
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Kanada
FSK: ab 18 Jahre (uncut)

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Familie Rutledge zieht in ein abgelegenes Haus, um einen Neuanfang zu wagen. Keiner der Familienmitglieder weiß allerdings, dass Familenvater Bill noch eine offene Rechnung mit einem Gangsterboss hat. Der schickt seine Leute aus, um einen großen Batzen Geld, den Bill unterschlagen hat, wieder zu besorgen. Doch die Einbrecher rechnen nicht mit Bills Sohn, der äußerst aggressiv ist und eigentlich in eine geschlossene Anstalt gehört. Schon bald kämpfen die Gangster um ihr Leben …

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Ich mochte Steven C. Millers Hommage an die 80er Jahre Horrorfilme „Under The Bed“, deswegen war ich natürlich auch auf seinen „Aggression Scale“ neugierig. Handlungstechnisch fand ich den Home Invasion-Thriller ganz okay. Vor allem die erste Hälfte des Films, in der man die Familie näher kennengelernt hat, fand ich überzeugend und gut.
Komischerweise gefiel mir der Film ab dem Zeitpunkt nicht mehr so besonders, an dem es spannend wurde. Diese Spannungsmomente wurden zu sehr in die Länge gezogen, dass sie für mich schon bald nicht mehr spannend, sondern eher nervend wirkten.

Hätte Miller bessere Schauspieler zur Verfügung gehabt, wäre sein Thriller mit Sicherheit überzeugender geworden. Aber so scheitert das Ganze an teilweise unbeholfenem Agieren, das den an sich nicht schlechten Plot zunichte macht. Wie gesagt, so lange keine wirklich Spannung aufkam, wirkten auch die Schauspieler nicht ganz so schlecht, wie sie es dann in den actionreicheren Szenen leider waren.
Inszenatorisch war „Aggression Scale“ enttäuschenderweise auch nicht gerade der Knaller. Zu viele offensichtliche Anleihen, die aber unausgegoren wirkten, verloren schon nach kurzer Zeit die Luft. Ein Wiedersehen mit Ray Wise und Dana Asbrook aus David Lynchs Kultserie „Twin Peaks“ konnte da leider auch nichts ändern. Vor allem Dana Ashbrook, der mir in seiner Rolle als Bobby noch sehr gut in Erinnerung war, konnte mich hier gar nicht mehr überzeugen. Seine Darstellung wirkte auf mich sehr unprofessionell oder gar laienhaft. Da hätte ich wirklich mehr erwartet.

Auch Ryan Hartwig in der Rolle des kleinen „Rambo“ konnte mich nicht ganz überzeugen. Wie oben schon erwähnt, fand ich die Grundidee gar nicht schlecht. Aber man hätte aus der härteren, brutalen Version von „Kevin allein zu Hause“ durchaus mehr machen können. Da hat Miller viele Möglichkeiten leider nicht genutzt und durch die nicht besonders guten Schauspieler noch zusätzlich ein Manko zu verzeichnen. Schade drum, denn „Aggression Scale“ hätte durch seinen Plot ein durchaus sehenswerter Thriller werden können.

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Fazit: Netter Home Invasion-Plot, der leider durch eine nicht überzeugende Inszenierung und schlechte Schauspieler sämtliches Potential verliert.

© 2015 Wolfgang Brunner

Fürst der Dämonen (2014)

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Originaltitel: Vij
Alternativtitel: Forbidden Empire
Regie: Oleg Stepchenko
Drehbuch: Oleg Stepchenko, Aleksandr Karpov
Romanvorlage: Nikolai Gogol
Kamera: Vladimír Smutný
Musik: Anton Garcia Abril
Laufzeit: 111 Minuten
Darsteller: Aleksandr Karpov, Jason Flemyng, Andrey Smolyakov, Aleksey Chadov, Yuriy Tsurilo, Olga Zaytseva, Aleksandr Yakovlev
Genre: Fantasy
Produktionsland: Russland , Tschechische Republik , Ukraine
FSK: ab 12 Jahre

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Jonathan Green will als erster Wissenschaftler den Umfang der Erde messen. So macht er sich Anfang des 18. Jahrhunderts mit seiner Kutsche, an der das Messinstrument angebracht ist, auf den Weg, bis er inmitten der Karpaten auf ein einsames Dorf stößt, das verflucht zu sein scheint. Der Geist eines verstorbenen Mädchens soll in einer Kirche zu spuken und Green kommt schon bald einem unheimlichen Geheimnis auf die Spur.

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Ich wusste nicht genau, was mich erwartet, deswegen war ich wohl auch überrascht, dass „Fürst der Dämonen“ wie ein klassischer Märchenfilm beginnt. Ich hatte wohl eher mit einem Plot a la „Van Helsing“ oder so ähnlich gerechnet. Nichtsdestotrotz ließ ich mich auf die Handlung ein.
So manches Mal erschien mir die Inszenierung ein wenig wirr und durcheinander, dennoch hatte sie einen gewissen Reiz, dem ich mich nicht entziehen konnte. Schauspielerisch waren keine Meisterleistungen zu verzeichnen, sondern eher unbeholfenes Agieren, das aber nicht so schlecht war, dass ich den Film abgebrochen hätte. Aber mit anderen Schauspielern (vor allem bei den Bewohnern des Dorfes) wäre durchaus mehr Potential entstanden.

„Fürst der Dämonen“ bewegt sich zwischen Fantasy, Horror und Märchen, kann sich bis zum Ende nicht wirklich entscheiden, was für eine Art von Film er ist. Man muss ich darauf einlassen (können), um die Geschichte zu genießen, denn es gibt durchaus einige Szenen, die sehenswert sind. In der Mitte des Films zum Beispiel wird der Zuschauer mit einer Sequenz belohnt, die an die visionären Bilder des Horrorschriftstellers Clive Barker erinnert. Diese Szene hat mich unter anderem sehr beeindruckt, auch wenn die Effekte nicht hundertprozentig perfekt waren. Aber auch das hat seinen Reiz, wie ich finde.

Die 3D-Version zeigt die wunderbaren Kulissen in fabelhaften Bildern. Alleine deswegen ist der Film einen Blick wert. „Fürst der Dämonen“ ist anders als die meisten Horror- oder Fantasyfilme. Vielleicht macht es genau dieser Umstand aus, dass viele diesen Film nicht mögen, denn er bewegt sich, wie gesagt, die meiste Zeit zwischen verschiedenen Genres. Das ist nicht jedermans Sache. Ich für meinen Geschmack fand diese Kombination gar nicht mal so schlecht und durchaus unterhaltsam, weil es einfach mal etwas anderes war wie der Mainstream-Einheitsbrei.

Wer Märchen mag, die mit einem Schuß Horror und Fantasy gewürzt sind, könnte an „Fürst der Dämonen“ seinen Spaß haben. Weniger offene Zuseher, die einen Mainstream-Blockbuster erwarten, sollten die Finger davon lassen.

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Fazit: Unentschlossener Genremix aus Märchen-, Fantasy- und Horrorfilm. Visuell beeindruckende Kulissen und Bilder lassen über die eher mäßigen schauspielerischen Leistungen hinwegsehen. Alles in allem dennoch sehenswert.

© 2015 Wolfgang Brunner