Exodus – Götter und Könige (2014)

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Originaltitel: Exodus: Gods And Kings
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Adam Cooper, Bill Collafe, Jeffrey Caine, Steven Zaillan
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Alberto Iglesias
Laufzeit: 150 Minuten
Darsteller: Christian Bale, joel Edgerton, John Turturro, Aaron Paul, Ben Mendelsohn, Maria Valverde, Sigourney Weaver, Ben Kingsley, Isaac Andrews
Genre: Action, Abenteuer, Drama
Produktionsland: Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten, Spanien
FSK: ab 12 Jahren

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Moses widersetzt sich dem Pharao Ramses, mit dem er wie ein Bruder aufgewachsen ist, um seine Landsleute aus der Sklaverei und dem von Plagen heimgesuchten Ägypten in eine neue Zukunft zu führen.

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Ridley Scott ist und bleibt ein Garant für hochwertiges Unterhaltungskino. „Exodus: Götter und Könige“ beweist dies aufs Neue. Es ist schon erstaunlich, wie geschickt Scott einen „alten“ Historienschinken in neuem Gewand serviert. Seine Moses-Interpretation wirkt wie Cecil B. DeMills „Die zehn Gebote“ Mitte der Fünfziger oder Joseph L. Mankiewicz’s „Cleopatra“ Anfang der Sechziger Jahre, wären da nicht die umwerfenden, atemberaubenden Computereffekte, die dem Abenteuer einen zeitgemäßen (perfekten) Touch geben. Leider wurde am Ende ein wenig übertrieben, wenn das Wasser wieder zurückkommt. Das hat mir persönlich nicht so gefallen, aber das ist einfach Geschmackssache. Das Publukim will heutzutage was für sein Geld sehen, also wird es in dieser Hinsicht schlicht bedient. Etwas mehr Zurückhaltung in diesen Szenen hätte dem Film deutlich mehr Realitätsnähe verschafft. Aber man kann darüber hinwegsehen, denn ansonsten ist der Film nahezu perfekt.
Ridley Scott versteht sein Handwerk, da kann einer sagen, was er will, und wenn er dann noch so erstklassige Schauspieler wie Christian Bale und Joel Edgerton um sich schart, kommt eben ein episches, atemberaubendes Ergebnis zustande.

„Exodus: Götter und Könige“ ist einerseits bombastisch, pathetisch und prunkvoll. Andererseits aber auch sehr menschlich, intim und gefühlvoll. Besser kann Unterhaltungskino gar nicht sein und trotz einer Vielzahl an Spezialeffekten liegt das Hauptaugenmerk auf den Schauspielern und ihrem Können. Christian Bale ist wie immer erstklassig und verleiht der Figur des Moses sehr sympathische und menschliche Züge. Seine Interpretation des biblischen Propheten, der im Auftrag Gottes das israelische Volk aus der ägyptischen Sklaverei ins Land Kanaan führt, wirkte auf mich als eine der gelungensten in der Filmgeschichte. Da wurde nichts verklärt oder beschönigt, sondern ein „normaler Mann“ auf beeindruckende menschliche Weise dargestellt. Desweiteren kümmert sich Ridley Scott nicht wirklich um die religiöse Seite der Geschichte, sondern erzählt von der Freundschaft und Rivalität Moses‘ und Ramses‘. Und er zeigt die Unsicherheit von Moses in Bezug auf die Gotteserscheinung (die Scott absolut brillant umsetzte). Das hatte schon was von Ken Russell-Filmen oder Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“.

Die Filmmusik von Alberto Iglesias ist unglaublich stimmig und erinnert in seinem monströsen Bombast tatsächlich an alte Mammut-Produktionen, der aber auch die leisen Zwischentöne nicht fehlen.
„Exodus: Götter und Könige“ ist ganz großes Kino!

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Fazit: Bombastisch, spektakulär und dennoch ruhig und melancholisch. Ridley Scotts Moses-Epos ist ganz großes Kino mit beeindruckenden Schauspielern, atemberaubenden Effekten und einer unglaublich guten Filmmusik.

© 2015 Wolfgang Brunner

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Echoes 2 – Stimmen aus der Zwischenwelt (2007)

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Originaltitel: Stir Of Echoes: The Homecoming
Regie: Ernie Barbarash
Drehbuch: Ernie Barbarash
Kamera: François Dagenais
Musik: Norman Orenstein
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Rob Lowe, Marnie McPhail, Ben Lewis, Tatiana Maslany,Shawn Roberts
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Ted Cogan kehrt aus dem Irak-Krieg zurück, wo er zusammen mit seiner Truppe eine irakische Zivilisten-Familie durch einen Unfall getötet hat. Geplagt von Alpträumen sieht sich Cogan plötzlich Geistern aus der Vergangenheit gegenüber, die in sein reales Leben eindringen.

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Wer bei Echoes 2 eine Fortsetzung des überaus atmosphärischen ersten Teils erwartet, wird schon einmal absolut enttäuscht sein. Wer sich Ernie Barbarashs Horror-Thriller „einfach so“ ansieht, wird nicht weniger enttäuscht werden, denn Echoes 2 bietet im Grunde genommen gar nichts. Das klingt hart, ist aber, bis auf wirklich sehr wenige Ausnahmen, leider der Fall.
Rob Lowe hampelt sich ungelenk durch die dürftige und völlig unlogische Handlung, wird nur hin und wieder von Geistererscheinungen erschreckt (im Gegensatz zu mir als Zuschauer) und sucht, ebenso wie die Zuseher, einen logischen Faden bei den Geschehnissen.
Zugegeben: Die Anfangssequenz fand ich jetzt gar nicht mal soooo schlecht, aber das war es dann auch leider wirklich schon.
Die Handlung wurde irgendwie 1:1 vom ersten Teil kopiert, aber grauenhaft und langweilig inszeniert. Da hätte man durchaus mehr aus dem Plot machen können, hätte man ein durchdachteres Drehbuch zugrunde gelegt, denn die Ausgangssituation erinnert irgendwie an Adrian Lynns „Jacob’s Ladder„, der in dieser Hinsicht aber bedeutend überzeugender und unheimlicher geriet.

Hält man den Film bis zum Schluss durch (einen klitzekleinen Unterhaltunsgwert besitzt er ja), dann wird man allerdings am Schluß mit einem sehr konfusen und unlogischen Ende „belohnt“, das einen mehr als unzufrieden und enttäuscht zurücklässt. Richard Matheson, der die hervorragende literarische Vorlage zum Originalfilm verfasste, würde sich bestimmt im Grabe umdrehen, wüssste er von dieser schwachen Verfilmung.
Was ich außerdem extrem schlecht finde, ist, dass dieser zweite Teil in Deutschland den gleichen Untertitel bekommen hat, wie der erste Teil: Stimmen aus der Zwischenwelt. Das sorgt mal wieder für Verwirrung.

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Fazit: Schlechte Kopie des ersten Teils mit trägen Schauspielern und einer uninspirierten und unlogischen Handlung. Keine Gruselmomente, keine innovative Inszenierung und keine Handlung. Echoes 2 ist (leider) Zeitverschwendung.

© 2014 Wolfgang Brunner

Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott (2010)

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Originaltitel: Die unabsichtliche Entführung der frau Elfriede Ott
Regie: Andreas  Prochaska
Drehbuch: Uwe Lubrich, Alfred Schwarzenberger, Michael Ostrowski
Kamera: Heinz Wehsling
Musik: Heinz Ditsch, Kollegium Kalksburg
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Michael Ostrowski, Andreas Kiendl, Elfriede Ott, Angelika Niedetzky, Gerhard Liebmann
Genre: Komödie
Produktionsland: Österreich
FSK: ab 12 Jahren

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Vor zwei Jahren ist Horsts Oma verstorben. Doch Horst kassiert nach wie vor ihre Pension, um besser leben zu können, und hat den Tod der alten Frau erfolgreich verheimlichen können. Das Leben könnte so schön für Horst sein, wenn sich nicht plötzlich ein lokaler Politiker angekündigt hätte, um seiner Oma zum Geburtstag zu gratulieren.
Horst ist verzweifelt. Doch seinem Freund und Mitbewohner Toni kommt die rettende Idee. Warum sich nicht einfach für den kurzen Besuch eine Oma „ausleihen“?
Im örtlichen Krankenhaus schnappt sich Toni eine unbeaufsichtigte Frau im Rollstuhl. ohne zu wissen, dass es sich dabei um die bekannte Theaterschauspielerin Elfriede Ott handelt. Sofort wird in den Medien von einer Entführung gesprochen und so schnell können Horst und Toni gar nicht schauen, bis sie sich inmitten von zahlreichen Verwicklungen befinden.

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Komödien (vor allem deutsche) sind eigentlich nicht so mein Ding. Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott flimmerte nur deswegen über meinen Fernseher, weil zum einen Andreas  Prochaska (In 3 Tagen bist du tot 1 & 2, Das finstere Tal) Regie geführt hat und zum anderen Gerhard Liebmann mitspielt, den ich seit Blutgletscher total gerne sehe.
Was soll ich sagen, außer, dass es sich absolut gelohnt hat. 🙂

Prochaskas Komödie wirkt in der Ausgangssituation wie Lang lebe Ned Devine!
Die Charaktere sind herrlich schräg und treudoof. Der trockene österreichische Humor liegt mir bedeutend besser als der deutsche Slapstick-Klamauk (okay, Ausnahmen gibt es) und die Originalstimmen machen so richtig Spass – für mich als Bayer sowieso 😉
Was mir an Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott besonders gefallen hat, war, dass die Komik (zumindest aus meiner Sicht) nicht unbedingt zwanghaft in den Vordergrund gerückt, sondern eher verhalten inszeniert wurde. Es gab nur wenige Stellen, an denen ich lauthals lachen musste. Die meisten Szenen verursachten bei mir ein verhaltenes Schmunzeln, weil sie eben trocken vorgetragen wurden, und genau das ist es, was mir an dieser Komödie so gefallen hat. Da waren nämlich auch leise menschliche Zwischentöne spürbar.

Elfriede Ott spielt sich selbst und das macht sie auch ziemlich gut. Die beiden Hauptdarsteller Michael Ostrowski (der übrigens am Drehbuch mitgearbeitet hat) und Andreas Kiendl haben sichtlich Spaß und bringen das ganze Chaos, in das sie geraten, spürbar rüber.
Gerhard Liebmann war allerdings wieder einmal für mich unschlagbar gut. Daneben brachte mich aber auch Angelika Niedetzky mit ihrer Art desöfteren zum Schmunzeln. Ihr Humor erinnerte manchmal sogar an den typisch britischen.

Die Verwicklungen sind sehr intelligent und schlüssig. Ich fühlte mich keine Sekunde gelangweilt, denn es passierte immer wieder eine neue Wendung. Der Schluss, bei dem sämtliche Beteiligten aufeinander treffen und miteinander ein Lied singen (!!!), ist echt der Hammer! Da musste ich richtig lachen, denn mit dieser Einlage habe ich nicht gerechnet. Fast schon wie in einem Musical kommunizieren die Darsteller miteinander und klären sich gegenseitig über ihre jeweiligen Rollen in diesem Verwirrspiel auf.

2011 wurde erstmalig der Österreichische Filmpreis verliehen. Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott erhielt den Preis in drei Kategorien: Bester Spielfilm, bestes Drehbuch und beste Musik.  Bei der Romyverleihung bekam er ebenfalls in drei Kategorien eine Auszeichnung: Bester Kinofilm, bestes Buch (Kino) und beste Regie (Kino).

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Fazit: Unterhaltsame und amüsante Komödie aus Österreich, die mit sympathischen Darstellern überzeugen kann und jede Menge Verwicklungen präsentiert. Humorvoll schräg und doch mit Herz zählt Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott für mich definitiv zu einer der besseren Komödien.

© 2014 Wolfgang Brunner

THX 1138 (1971)

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Originaltitel: THX 1138
Regie: George Lucas
Drehbuch: George Lucas, Walter Murch
Kamera: David Myers, Albert Kihn
Musik: Lalo Schifrin, Johann Sebastian Bach
Laufzeit: 85 Minuten (Director’s Cut)
Darsteller: Robert Duvall, Donald Pleasence, Maggie McOmie, Don Pedro Colley, Ian Wolfe
Genre: Science Fiction, New Hollywood
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Fünfhundert Jahre in der Zukunft: Die gesamte Menschheit lebt in unterirdischen Städten. Allerdings kann man nicht von einem Leben, wie wir es heute kennen, sprechen. Es herrscht ein von einem Zentralcomputer kontrollierter Überwachungsstaat. Die Menschen werden gezwungen nur noch zu funktionieren und zu konsumieren. Sie haben ihre individuellen Rechte verloren und sind kaum mehr als nummerierte Dronen. Eine Roboterarmee an Polizisten sorgt dafür, dass nicht mehr funktionierende Personen einfach eliminiert werden. Als vorbeugende Maßnahme wird jeder unter Drogen gesetzt, um seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. Die Bevölkerung bewohnt jeweils zu zweit eine per Zufall ausgewähltes Wohneinheit. Sie werden dazu angehalten, sich gegenseitig zu kontrollieren und eventuelle Verstöße gegen die Ordnung sofort melden können. Sex gilt als perverser Umtrieb und Gefühle wie Liebe sind komplett tabu. In dieser Situation setzen THX 1138 und seine Mitbewohnerin LUH 3417 heimlich ihre verordnete Drogendosis herab und entdecken ihre Gefühle füreinander. Es folgt der unvermeidliche Kampf gegen das System …

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„THX 1138“ ist das erste Werk in Spielfilmlänge von George Lucas. Er basiert auf einem Kurzfilm, der während seiner Studentenzeit entstand. Im Stile von „1984“, „Brave New World“ und „Fahrenheit 451“ inszeniert Lucas hier seine Idee, die zu einem der bedeutendsten Sci-Fi-Werk des New Hollywood geworden ist. Er thematisiert hier die weitverbreitete Furcht vor dem Identitätsverlust des einzelnen in einer Gesellschaft, die immer technisierter wird. Zugleich stellt er die immer wiederkehrende Frage nach dem freien Willen des Menschen. Als passende Umgebung wählte der Regisseur eine Art dystopische Technokratie, also eine Gesellschaft, in der alle Handlungen nach dem wissenschaftlichen und technischen Standpunkt bewertet werden.

Gleich eines vorweg: Man merkt diesem Film an, das er in den 70er Jahren entstanden ist. An „Krieg der Sterne“ war überhaupt noch nicht zu denken und „Indiana Jones“ lag noch in weiter Ferne. Die Figuren, die Technik, die einfache und dennoch eindrucksvolle Kulisse – alles mutet heute so herrlich nostalgisch an. Für diejenigen, die diese Zeit erlebt haben, vermutlich noch viel mehr. Und dennoch war George Lucas mit diesem Film seiner Zeit weit voraus. Kaum zu glauben, das ausgerechnet er einen solchen künstlerischen und nachdenkliche Film geschaffen hat. Wie die meisten großen Visionäre wurde er zunächst verkannt und sein Werk wurde ein Flop an den Kinokassen. Wahrscheinlich hat er sich deshalb danach eher dem Mainstream zugewandt.

„Du bist ein wahrhaft Gläubiger – du hast den Segen des Staates – du hast den Segen der Massen – du bist dem Heiligsten untertan – geschaffen nach dem Willen des Menschen – von den Massen, für die Massen – Lass uns dankbar sein, das wir einen Beruf haben, der uns ausfüllt – Arbeite hart! – Erhöhe die Produktion! – Verhüte Unfälle! – und … sei glücklich!“

Das ist die dystopische Zukunftsidee, die in „THX 1138“ gezeichnet wird. Es gibt keinen erkennbaren Staat mehr sondern nur noch ein riesiges Unternehmen, das menschliche Wesen als entrechtete, willenlose Arbeiter einsetzt. Außerdem gibt es kein öffentliches Leben, keine Lokale, keine Geschäfte, keine Theater, keine Kirchen und keinen Gott. Statt eine Religion auszuüben, kann man in kleinen „Beichtkabinen“ mit einem Computer sprechen. „Was bedrückt dich?“ Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens haben sich die Menschen in diesem Zeitalter in der totalen Sinnlosigkeit verloren. Sie werden einzig und allein zum Dienen und Funktionieren in dem System wo sie leben benötigt. Wer nicht nach der Norm funktioniert und arbeitet und sich auch dementsprechend verhält, der wird aussortiert. Es sollte einen nachdenklich stimmen, dass es heute nicht anders ist. Natürlich leben wir zum Glück (noch) nicht in so einer Gesellschaft, wie sie Lucas entwarf, doch wer weiß, was die Zukunft noch alles bringt. Dauerhaft werden wir von unserer Umwelt dazu gedrängt, zu konsumieren und wir tun das auch noch sehr gern. Wir gehen arbeiten, um das System am Laufen zu halten und verdienen Geld, damit wir konsumieren können. Es ist sehr schwer, nicht nach diesen Spielregeln zu leben und es ist nahezu unmöglich, dem Gnzen zu entkommen. Für mich ist das irgendwie erschreckend, weil ich nicht immer so funktionieren will, wie es das System von mir erwartet.

So oder so, George Lucas‘ Regiedebüt sollte man auf jeden Fall einmal gesehen haben und als das betrachten was es ist – ein gutes Erstlingswerk.

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Fazit: „THX 1138“ ist eine spezielle Art von Gesellschafts- und Kapitalismuskritik. Die filmische Atmosphäre ist ziemlich bedrückend, die Dialoge sind auf das nötigste beschränkt. Der Film setzt viel mehr auf Bilder und Töne. Darum fällt es auch so schwer, sich mit den Charakteren zu identifizieren. Das ist wahrscheinlich auch im Sinne des Regisseurs gewesen, weil es einem dadurch leichter fallen soll, sich in diese Welt hineinzuversetzen. Das funktioniert aber nicht so ganz, der Film ist nicht ohne Fehler. Aber das macht einen Debütfilm aus, finde ich.

© 2014 Lucas Dämmig

Bunraku (2010)

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Originaltitel: Bunraku
Regie: Guy Moshe
Drehbuch: Guy Moshe
Kamera: Juan Ruiz Anchía
Musik: Terence Blanchard
Laufzeit: 118 Minuten
Darsteller: Josh Hartnett, Woody Harrelson, Gackt, Kevin McKidd, Ron Perlman, Demi Moore
Genre: Martial Arts, Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Der Gangster Nikola regiert ein Land, in dem es keine Schusswaffen gibt. Mit Hilfe seiner sogenannten „Roten“, abgebrühten und gefühllosen Killern, hält er die Bevölkerung in Schach. Der Samuraikämpfer Yoshi ist auf der Suche nach einem Amulett, das seinem Vater gehörte, und das sich anscheinend in Nikolas Besitz befindet. Gleichzeitig begibt sich ein geheimnisvoller Fremder auf die Suche nach Nikola, um den mächtigen Tyrannen zu bezwingen. Yoshi und der mysteriöse Fremde schließen sich zusammen.

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„Bunraku“ nennt man ein 400 Jahre altes japanisches Fígurentheater. In einem derartigen theaterhaften Stil, der oft an ein Pop-Up-Buch erinnert, präsentiert Regisseur Moshe einen außergewöhnlichen Film. Ein wenig fühlt man sich zwar an Sin City erinnert, wobei Bunraku letzendlich doch sehr eigenstöndig wirkt.
Es dauert eine Weile, bis man sich an den coolen Josh Hartnett gewöhnt, der keine Miene verzieht. Zumindest am Anfang habe ich ihm die Rolle nicht abgenommen. Aber irgendwann „funzt“ es dann doch und man hat sogar richtigen Spaß an Hartnetts Gesichtsausdruck.
Japans Superstar Gackt wirkt sehr androgyn, hat aber eine faszinierende, sympathische Ausstrahlung, die sich durch den gesamten Film zieht.

Bunraku ist Actionthriller, Martial Arts-Film und Komödie in einem. Eine Mischung, die Spaß macht und überzeugt. Das Set, in dem der Film spielt, ist sehr außergewöhnlich und innovativ. Ähnlich wie in Sin City oder 300 (beide Filme werden zu recht auf der Hülle als Vergleich herangezogen) sind oft wirklich atemberaubend und visionär. In einem comichaften, oft auch übertrieben schrägen Set agieren die Schauspieler, als wären sie Teil einer Comicwelt, wie einst Bob Hoskins in Falsches Spiel mit Roger Rabbit. Nur ist Bunraku um einiges perfekter, weil verspielter.

Woody Harrelson als Barkeeper überzeugt, ebenso wie Ron Pearlman als Gangsterboss Nikola.
Die Kampfszenen sind sehr gut choreographiert, aber ein wenig unspektakulär. Dafür überzeugen die unbesiegbaren „Roten“  mit ihrer Unsympathie auf ganzer Linie. Die Stimme aus dem Off (im Original übrigens von Faith No More – Frontmann Mike Patton gesprochen – im Deutschen von Engelbert von Nordhausen, der deutschen Synchronstimme von Samuel L. Jackson) erinnert allerdings wirklich sehr stark an Sin City.

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Fazit: Herrlich schräg und visuell comichaft überzogen, kann Bunraku mit gut aufgelegten Schauspielern und einem coolen Soundtrack aufwarten. Die Martial Arts-Kämpfe sind zwar unspektakulär, aber dennoch sehenswert. Insgesamt klare Empfehlung für Fans von außergewöhnlichen Filmsets.

© 2014 Wolfgang Brunner

Killing Moves (2002)

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Originaltitel: Assassination Tango
Regie: Robert Duvall
Drehbuch: Robert Duvall
Kamera: Félix Monti
Musik: Luis Enríquez Bacalov
Laufzeit: 109 Minuten
Darsteller: Robert Duvall, Rubén Blades, Kathy Baker, Luciana Pedraza, Julio Oscar Mechoso
Genre: Thriller, Tanzfilm
Produktionsland: USA, Argentinien
FSK: ab 12 Jahren

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Der alternde Auftragskiller John J. wird für einen Job nach Argentinien geschickt. Doch der Mann, den er töten soll, ist außer Land und so vertreibt sich John die Zeit mit Manuela, einer wunderschönen Tango-Tänzerin. Vollkommen verzaubert von Manuela, zerbricht plötzlich die Idylle, als die Realität, nämlich einen tödlichen Auftrag zu erledigen, wieder über ihn hereinbricht.

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Killing Moves, der im Original übrigens Assassination Tango heißt – was dem Inhalt des Filmes bedeutend näher kommt, als der bescheuerte „deutsche“ Titel, der ja eigentlich auch wieder englisch ist (???) – ist ein cineastischer Zwitter. Es dauert ziemlich lange, bis man sich daran gewöhnt hat, dass sich Duvall nicht zwischen Thriller, Liebesdrama und Tanzfilm entscheiden kann. Herausgekommen ist dabei ein außergewöhnlicher, ruhiger Film, der seine besten Momente immer dann zeigt, wenn die Thrillerhandlung in den  Hintergrund rückt.

Robert Duvall als alternder Killer wirkt sympathisch und wenn er seinen Charme an die schöne Tango-Tänzerin versprüht, dann macht das schon enormen Spaß, dabei zuzusehen. Killing Moves ist kein alltäglicher Film und viele gehen mit einer völlig anderen Erwartungshaltung an den Streifen, da sie sich mit Sicherheit von dem Titel irritieren  lassen. Serviert wird nämlich kein Action-Thriller sondern eine zarte Liebesromanze, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt, denn der Killer kehrt nach Erledigung seines Auftrags zu seiner Partnerin zurück und beendet die Affäre mit der Tango-Tänzerin. Mit ruhigen Bildern wird hier quasi ein „Seitensprung“ gezeigt, der berührt.

Robert Duvall meistert meiner Meinung nach beide Rollen ziemlich gut: die des Regisseurs und die des Hauptdarstellers. Killing Moves ist wieder mal so ein Film, der mich noch im Nachhinein beschäftigt hat, zeigt er doch wieder sehr viele Dinge zwischen den Bildern, die man erst im Nachhinein bemerkt.

Aufgrund des deutschen Titels reiht sich auch dieser Film in die Preisträger unserer „Golden Translation Raspberry“ ein.

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Fazit: Ruhiger Liebes- und Tanzfilm, der nur am Rande einen Thriller-Handlungsstrang benutzt. Wer einen Action-Thriller erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich auf die Stimmung des Films einlässt und die Story auf sich wirken lässt, wird mit einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte belohnt, die von hervorragenden Schauspielern lebt.

© 2014 Wolfgang Brunner

Rammbock (2010)

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Originaltitel: Rammbock
Regie: Marvin Kren
Drehbuch: Benjamin Hessler
Kamera: Moritz Schultheiß
Musik: Marco Dreckkötter, Stefan Will
Laufzeit: ca. 63 Minuten
Darsteller: Michael Fuith, Theo Trebs, Anka Graczyk, Emily Cox, Sebastian Achilles
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: 16

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Michael reist geknickt nach Berlin, um seiner Exfreundin die Wohnungsschlüssel zurückzugeben. In der Wohnung findet er allerdings nicht „seine“ Gaby, sondern nur zwei Handwerker vor, von denen einer aus heiterem Himmel die Kontrolle über sich verliert und wie wildgeworden auf Michael und den zweiten Handwerker losgeht. Mit gemeinsamen Kräften schaffen es die beiden, den „Irren“ aus der Wohnung zu befördern. Sie verbarrikadieren sich und erfahren über Nachrichtensondersendungen, dass ein mysteriöses Virus Berlin heimgesucht hat, das sich über Körperflüssigkeiten verbreitet. Die Infizierten werden zu tollwütigen Bestien und gieren nach frischem Menschenfleisch. Michael und der Handwerker sitzen in der Wohnung fest, als sich die blutrünstigen Bestien innerhalb des Hauses auf Nahrungssuche begeben.

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Rammbock ist Marvin Krens Regiedebüt, nachdem er mit Drehbuchautor Benjamin Hessler jahrelang davon geträumt hat, selbst einmal einen Zombiefilm zu realisieren. Völlig überrascht bin ich davon, dass der Film vom ZDF mitproduziert wurde und in der Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ erschien. Da haben ein paar Verantwortliche ja mal wirklich Mut gezeigt und sich tatsächlich einem Zombiestoff angenommen. 🙂

Rammbock kann wirklich überzeugen, sogar ziemlich gut. In der Tat fühlt man sich zwar an Rec und 28 Days Later erinnert, aber Krens Film zeigt außergewöhnliche, erfrischende Eigenständigkeit. Man merkt eindeutig, dass hier zwei Zombiefans (als Regisseur und als Drehbuchautor) am Werk waren. Die düsteren Handlungsorte beschränken sich, bis auf eine Ausnahme, ausschließlich auf das Innere des Hauses und den Innenhof. Nahezu apokalyptisch (und vor allem überzeugend) kommt das Szenario daher, als über die Nachrichtensender von der gefährlichen Virusepidemie aufgeklärt wird.

Michael Fuith wächst mit jeder Minute in seiner Rolle und hat mich im Laufe des Films immer mehr begeistert. Sein trockener Humor machte ungemein Spaß. Die bedrückenden Szenen in der Wohnung, im Treppenhaus, auf dem Dachspeicher und auf dem Dach des Hauses hätten auch ohne weiteres für einen Kinofilm gereicht. Dass Rammbock lediglich eine Stunde dauert, ist auf den ersten Blick sehr bedauerlich, denn ich hätte liebend gerne noch eine Weile zugesehen, wie sich die Hausbewohner gegen die blutrünstigen Infizierten zur Wehr setzen. Aber bei genauerer Betrachtung liegt genau in dieser Kürze die Würze, denn die Handlung wird dadurch straff und ohne großartige Schnörkel geradlinig erzählt. Ein unnötiges Aufplustern der Story hätte vielleicht sogar den Reiz des Films zunichte gemacht, ich bin aber nicht sicher.

Insgesamt ein sehr beeindruckender, etwas anderer Zombiefilm, der mich absolut gut unterhalten hat, zudem auch noch ein paar gelungene Witze auf Lager hat, und dadurch enorm kurzweilig (und das nicht nur wegen der 63-Minuten-Laufzeit!) wirkt.
Und dass Marvin Kren sein Handwerk versteht, hat er 2013 dann mit Blutgletscher erneut bewiesen.

Rammbock erschien auf DVD bzw. Blu Ray noch unter folgenden Alternativtiteln:
Berlin Undead
Siege Of The Dead  

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Fazit: Gelungener, düsterer Endzeit- Zombiefilm, der durch seine Machart und Schauspieler überzeugen kann. Da der Film vom ZDF mitproduziert wurde, wünscht man sich automatisch, dass die Verantwortlichen öfter Mut zu so einer Produktion zeigen würden. Rammbock ist nämlich ein toller deutscher Beitrag zum Zombie-Genre. Zum größten Teil unblutig und unspektakulär zeigt der Film einfach nur eine spannende Geschichte.

© 2014 Wolfgang Brunner