Three Burials – Die drei Begräbnisse des Melquiades Estrada (2005)

Three-Burials

Originaltitel: The Three Burials of Melquiades Estrada
Regie: Tommy Lee Jones
Drehbuch: Guillermo Arriaga
Kamera: Chris Menges
Musik: Marco Beltrami
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Tommy Lee Jones, Barry Pepper, January Jones, Levon Helm
Genre: Neo-Western
Produktionsland: USA, Frankreich
FSK: ab 12 Jahren

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Ein Mexikaner, dessen Leiche man im Grenzgebiet zu Texas fand, wird ohne großes Aufsehen in einem Gemeinschaftsgrab für unbekannte illegale Einwanderer beigesetzt. Der ortsansässige Sheriff betrachtet die Sache damit als erledigt, ein gewisser Cowboy Pete jedoch nicht. Der geradlinige Mann hat nämlich etwas dagegen, da er mit dem Mexikaner befreundet war. Auf eigene Faust entführt er  den Grenzpolizisten Mike, von dem er rausfindet, dass er der Mörder ist, und zwingt ihn ihm bei seiner Mission zu helfen. Dem ermordeten Mexikaner Melquiades Estrada hatte er nämlich versprochen, ihn in seiner mexikanischen Heimaterde zu begraben …

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Dass Tommy Lee Jones ein guter Schauspieler ist, daran haben viele keinen Zweifel. Nicht umsonst ist er Golden-Globe- und Oscar-Preisträger. Doch ein guter Schauspieler muss nicht auch zwangsläufig ein guter Regisseur sein. Das Jones von beidem etwas versteht, hat er mit seinem Kinodebüt als Regisseur von Three Burials bewiesen. Darin fungiert er als Regisseur und als Darsteller. Das Drehbuch schrieb der preisgekrönte mexikanische Regisseur Guillermo Arriaga. So ist es nicht zu verwundern, dass der Film in der für Arragia typischen Weise keine chronologische Erzählweise hat, sondern sich durch drei Zeitebenen zieht und durch Perspektivwechsel sowie erzählerische Sprünge gekennzeichnet ist. Da der Originalfilm Englisch und Spanisch spricht und die spanischen Szenen in der deutschen Synchronisation mit Untertiteln versehen sind, ist das hier kein Film für nebenbei, sondern es wird Konzentration verlangt. Die Story an sich ist schon ein wenig skurill, doch nicht unbedingt aus der Luft gegriffen. Sie zeichnet ein kritisches Bild der realen Politik am Rand der USA.

Natürlich ist das Ganze auch ein wenig klischeehaft dargestellt. Ein typisch amerikanisches Pärchen, ein gewalttätiger, hedonistischer Grenzpolizist, eine verschlafene Kleinstadt, korrupte Sherrifs und schließlich ein alternder Cowboy, der die letzten Ideale seiner Jugend zu Grunde gehen sieht und sich dagegen wehrt. Zugleich werden die Mexikaner ausschließlich als erdverbundene, spirituelle Naturmenschen dargestellt. Wer will, kann sich jetzt über solche Schwarz-Weiß-Färbung aufregen, doch ich will mich in meiner Rezension auf den Film an sich konzentrieren. Die Inszenierung finde ich wirklich gut gelungen. Es gibt sehr schöne Landschaftsaufnahmen und tolle Bilder zu sehen. Was die Darsteller betrifft, war ich sofort von Jones begeistert. Er spielt den ruhigen, rechtschaffenen Cowboy mit enormer Gelassenheit. Das wird besonders an der Szene deutlich, als er mit seinem Gefangenen einen alten Mann in der Wüste trifft, der ihn bittet, ihn zu erschießen. Sein Gegenstück darf Barry Pepper verkörpern, den ich auch schon aus so einigen Filmen kannte. Auch er hat meiner Meinung nach seine Sache sehr gut gemacht. Die anderen Darsteller bekommt man mehr oder weniger kaum zu Gesicht, doch auch hier konnte ich nichts Schlechtes feststellen. Schade ist nur, dass der Part mancher Charaktere jäh endet und sie sozusagen in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

Je mehr sich der Film dem Ende nähert, umso unlogischer wird er leider für mich. Klar werden, wie man es von Arragia gewohnt ist, die großen (ausgelutschten?) Komplexe Schuld und Sühne thematisiert. Das passt auch zu einem Neo-Western, als was der Film klassifiziert wurde. Doch der Rest drumherum und besonders das Ende will meiner Meinung nach nicht so recht dazu passen. In meinen Augen ist der Film mehr ein sozialkulturelles Drama mit Westernelementen.

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Fazit: Jones schafft es hier in seiner zweiten Regiearbeit nach einer TV-Produktion, ein komplexes und mehr oder weniger spannendes Stimmungsbild einer Grenzlandschaft zu entwerfen. Zwar hat mich der Film jetzt nicht unbedingt maßlos begeistert, doch für einen netten, ruhigen Abend ist er nicht schlecht. Der Film hat 2005 in Cannes den Preis für das Beste Drehbuch sowie für den Besten Darsteller gewonnen.

© 2014 Lucas Dämmig

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The Fog – Nebel des Grauens (1980)

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Originaltitel: The Fog
Regie: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Debra Hill
Kamera: Dean Cundey
Musik: John Carpenter
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Adrienne Barbeau, Jamie Lee Curtis, Janet Leigh, Hal Holbrook, Tom Atkins, John Houseman, Nancy Loomis
Genre: Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahren

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Vor 100 Jahren, so erzählt eine Legende, haben die ersten Siedler der Küstenstadt Antonio Bay durch ein falsches Leuchtfeuer-Signal ein Schiff, auf dem sich Leprakranke befanden, gegen ein Riff gesteuert. Sie wollten dadurch verhindern, dass in ihrer Nähe eine Leprakolonie gegründet wurde. Jetzt, 100 Jahre später und pünktlich zur Hundertjahrfeier von Antonio Bay, kehren die Geister des Schiffsunglücks zurück und wollen Rache …

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Bei Kinostart ein Flop, mauserte sich Carpenters „The Fog“ danach anschließend immer mehr zu einem Kultfilm. Alleine schon die Musikuntermalung des Films ist der Hammer. Wie schon bei „Dark Star“, „Assault On Precinct 13“ (Das Ende) und „Halloween“ zeigt sich Regisseur Carpenter auch hier wieder selbst als Komponist. Diese Tradition führte er dann noch bei vielen Nachfolgefilmen fort.

Stimmungsvoll, unheimlich und actionreich inszenierte Carpenter einen Horrorfilm, der auch nach wiederholtem Ansehen immer wieder Spaß macht. Neben der zu damaligen Zeit eingeschworenen Carpenter-Schauspielerriege (Jamie Lee Curtis, Nancy Loomis, Tom Atkins) ist auch  die Mutter von Scream-Queen Jamie Lee Curtis, „Psycho“-Star Janet Leigh, zu sehen. Die Special-Effects wurden beim damaligen Saturn Award ausgezeichnet. Und auch wenn sie heute antiquiert wirken, so zeigen sie dennoch Wirkung.

Wie schon in „Assault“ wechselt Carpenter auch bei „The Fog“ zwischen spannenden Szenen und ruhigen Momenten, was dem Film eine wirklich tolle Atmosphäre verleiht, die durch die oben bereits erwähnte Musik noch unterstützt wird. Auch bei diesem Film sieht man, mit welcher Freude Carpenter an seine Inszenierungen heranging und welche Vorbilder ihn beeinflussten.

Auch wenn die Handlung nicht immer hundertprozentig logisch wirkt, ein Erlebnis bleibt der Film auch nach so vielen Jahren immer noch. Carpenter eben! 🙂

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Fazit: Stimmungsvoll und effektvoll in Szene gesetzter Horrorfilm, der durch eine perfekte Inszenierung, tolle Schauspieler und eine atmosphärische Musik immer wieder begeistern kann.

© 2014 Wolfgang Brunner

Micmacs – Uns gehört Paris! (2009)

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Originaltitel: Micmacs à tire-larigot
Regie: Jean-Pierre Jeunet
Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant
Kamera: Tetsuo Nagata
Musik: Raphaël Beau
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Dany Boon, André Dussollier, Nicolas Marié, Dominique Pinon
Genre: Komödie
Produktionsland: Frankreich
FSK: ab 12 Jahren

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Eines Abends tritt der Angestellte Bazil nichtsahnend vor die Tür seiner Pariser Videothek und bekommt prompt eine verirrte Pistolenkugel in den Kopf. Eine dumme Sache, aber nicht unbedingt tödlich, entscheiden die Ärzte und entlassen Bazil wieder aus dem Krankenhaus. Mit einer Kugel im Kopf, aber ohne Job und Wohnung, steht er nun auf der Straße. Doch das Glück geht manchmal seltsame Wege: Bazil trifft auf einen kauzigen Typen, der mit einer Gruppe genauso wunderlicher Außenseiter zusammenlebt. Bei dieser skurrilen Familie findet Bazil ein neues Zuhause. Vor allem die Schlangenfrau „Mademoiselle Kautschuk“ weckt Bazils Interesse und erobert schnell sein Herz. Doch zunächst muss Bazil noch eine Mission in eigener Sache erfüllen: Er will sich an den Waffenfabrikanten und ihren Bossen rächen und wird dabei von seinen neuen Freunden tatkräftig unterstützt …

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Der französische Spaßvogel hat wieder zugeschlagen! Jeunet kann es immer noch, was er mit dieser, seiner derzeit letzten Komödie wieder bewiesen hat. Im Stile eines Heist-Movies wie Ocean’s Eleven oder – wem eine Komödie lieber ist – Otto’s Eleven legt sich Jeunet hier voll in’s Zeug und zeigt einmal mehr, was er drauf hat. Der Plot – herrlich skurill, so wie man es von Jeunet gewohnt ist. Doch nicht nur der Plot, der ganze Film sprüht wieder einmal vor Fantasie. Ganz im Zeichen des Filmtitels, der übersetzt „Schwindel“ oder „Mauschelei“ bedeutet, trifft man auf etliche schräge Charaktere und fast alle sind liebevoll, sowie mit einer Nase für’s Detail gezeichnet.
In der Wahl seiner Darsteller hat Jeunet wieder einmal ein glückliches Händchen unter Beweis gestellt. Der Hauptdarsteller Dany Boon mit seiner lakonischen Art ist meiner Meinung nach in dem Film sehr gut besetzt. Mit seiner naiven Weltsicht verkörpert er die Figur des Bazil zwischen kindlicher Unbeholfenheit gegenüber einer brutalen Welt und sympathischer Entschlossenheit perfekt und dazu noch erstaunlich ironiefrei. Natürlich dürfen hier auch die Stammschaupieler des Regisseurs, wie zum Beispiel Dominique Pinon, nicht fehlen, der hier in der verqueren Truppe, in der Bazil sich wiederfindet, eine menschlichen Kanonenkugel spielt. Auch die restlichen Schauspieler, wie zum Beispiel die beiden Darsteller der Waffenfabrikanten, können sich durchaus sehen lassen und speziell diese beiden haben bei mir für viel Spaß gesorgt.

Nach einem Plan von Bazil nimmt also die Rache der sympathischen Freaks ihren satirischen Lauf, der oft fantasievoll, aberwitzig und teilweise grotesk wirkt. Gut und Böse werden cartoonhaft typisiert und gut ausbalanciert gezeigt. Natürlich entspricht so eine Schwarz-Weiß-Sicht nicht unbedingt der Realität, doch das fällt hier überhaupt nicht in’s Gewicht. Dem aufmerksamen Zuschauer präsentiert Jeunet sogar einige Anspielungen auf seine früheren Filme, sowie Verbeugungen gegenüber berühmten Filmen. So ähnelt zum Beispiel eine Szene ziemlich zum Schluss des Filmes, wo die beiden Waffenfabrikanten mit einer Handgranate gezeigt werden, einer Szene aus Spiel mir das Lied vom Tod.
Mit dem Ende des Filmes hat Jeunet sowieso wieder eine meisterhafte Idee geboten, die seinesgleichen sucht. Allein wegen der schlussendlichen Gegenüberstellung der Waffenfabrikanten und Bazil’s übermütigen Haufen lohnt es sich, den Film anzusehen. Wie mit einfachsten Mitteln zwei millionenschwere Männer zur Verzweiflung gebracht werden, hat mich echt begeistert. Ein Meisterwerk der Fantasie!

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Fazit: Ein überaus kurzweiliger Film, der die unverkennbare Handschrift des französischen Meisters trägt. Seine Konzepte sind zwar meist höchst eigenwillig, doch immer etwas besonderes. Diesem Film würde ich das Prädikat „besonders sehenswert“ geben.

© 2014 Lucas Dämmig

Journey Of Love (2012)

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Originaltitel: Safety Not Guaranteed
Regie: Colin Trevorrow
Drehbuch: Derek Conolly
Kamera: Benjamin Kasulke
Musik: Ryan Miller
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Aubrey Plaza, Mark Duplass, Jake Johnson, Karan Soni, Kristen Bell, Mary Lynn Rajskub
Genre: Komödie
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Durch eine außergewöhnliche Kontaktanzeige, in der ein Mann jemanden sucht, der mit ihm auf eine Zeitreise gehen würde, lernt die Praktikantin Darius den seltsamen Kenneth lernen. Je länger sie mit ihm zusammen ist, desto merkwürdiger kommt ihr der Mann vor. Dennoch verliebt sie sich in ihn. Lange ist sie unsicher, ob Kenneth tatsächlich fähig ist, Zeitreisen durchzuführen oder ob er einfach nur verrückt ist.

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Dieser Film, von den gleichen Produzenten, die den absolut wunderbaren „Little Miss Sunshine“ ermöglichten, lässt mich zwischen „Gefällt mir“ und „Gefällt mir gar nicht“ hin und her schwanken. Einerseits ist die Idee ganz nett und manchmal auch ganz gut umgesetzt, andererseits bekommt man Sprüche zu hören, die absolut schwachsinnig und niveaulos sind. Das ist der Punkt, den ich an den meisten Komödien sowieso nicht mag. Und leider trifft das auch auf „Journey Of Love“ zu.

Ich hatte eigentlich einen romantischen Liebesfilm erwartet. Vielleicht lag es daher auch an meiner falschen Erwartungshaltung, dass „Journey Of Love“ bei mir nicht funktioniert hat. Schauspielerisch fand ich, bis auf Aubrey Plaza, niemanden gut. Okay, Karan Soni als „Dumpfbacke“ konnte mich auch noch überzeugen. 😉

Obwohl der Film nur gute 80 Minuten lang ist, dümpelte er dennoch unbeholfen dahin und ließ desöfteren Langeweile bei mir aufkommen. Vor allem, weil die Geschichte einfach nicht vorwärtsging und das Thema Zeitreisen nicht im Vordergrund stand, wie einem aber anhand des Covers vermittelt wird. Komödien-Fans werden den Film mögen, ich fand ihn zu anspruchslos und schauspielerisch unbefriedigend. Man hätte aus dem Plot durchaus mehr machen können, Independent Film hin oder her.

Da bleibt nur zu hoffen, dass Colin Trevorrow bei „Jurassic World“ ein besseres (Regie-) Händchen hatte.
Für die grandiose Übersetzung des englischen Originaltitels in einen englischen deutschen Titel erhält dieser Film von mir auch noch die Auszeichnung „Golden Translation Raspberry“.

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Fazit: Lahme, nur bedingt unterhaltsame Komödie mit (leider nur sehr wenigen) romantischen, und dadurch schönen, Momenten. Ansonsten platte Comedy, die nicht wirklich Tiefgang hat.

© 2014 Wolfgang Brunner

The Tall Man (2012)

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Originaltitel: The Tall Man
Regie: Pascal Laugier
Drehbuch: Pascal Laugier
Kamera: Kamal Derkaoui
Musik: Todd Bryanton
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Jessica Biel, Jodelle Ferland, Stephen McHattie, Jakob Davies, William B. Davis, Samantha Ferris
Genre: Thriller
Produktionsland: Kanada, Frankreich
FSK: ab 16 Jahren

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In Cold Rock, einer kleinen Bergarbeiterstadt, verschwinden etwa alle zwei Monate Kinder spurlos. Keiner sieht sie jemals wieder. Die Einwohner sprechen von einem großen Mann, dem „Tall Man“, der die Kinder entführt. Die Krankenschwester Julia lebt mit ihrem Sohn David in Cold Rock, der eines Tages vom „Tall Man“ geholt wird. Doch Julia gibt nicht so schnell auf und macht sich auf die Suche nach dem Jungen …

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Der Text auf der Rückseite der Blu Ray spricht von einem Horror-Thriller. Wenn die „Schlümpfe“ Science Fiction sind, dann könnte diese Aussage sogar zutreffen. 🙂 Im Ernst: „The Tall Man“ ist ein Thriller, und zwar ein richtig guter, hat aber mit Horror so gar nichts zu tun. Wer also einen Horrofilm erwartet, sieht sich schon nach einer halben Stunde mit einem völlig anderen Genre konfrontiert.

„The Tall Man“ ist ein intelligenter Thriller, der Köpfchen vom Zuschauer verlangt. Allzu schnell könnte es passieren, dass man die Zusammenhänge nicht mehr begreift, wenn man sich in erster Linie auf seine Chipstüte konzentriert und nur hin und wieder ein Auge und ein Ohr auf den Film richtet. Jessica Biel spielt ihre Rolle sehr überzeugend und hat mich an manchen Stellen geradezu begeistert. Sie ist eindeutig die „Trägerin“ dieses Thrillers, der einem oft aufgrund der Handlung (es geht um Kindesentführungen) eine unwohle Gänsehaut verschafft.

Die zahlreichen, und vor allem geschickten, Wendungen machen den Film zu etwas Besonderem, den man wird von einer falschen Spur zur nächsten geführt und ist zeitweilig richtig verwirrt, was einem da vorgesetzt wird. Alles in allem ist „The Tall Man“ ein zwar unheimlich spannender und mitreissender, aber auch sehr ruhiger und atmosphärischer Film. Auch wenn in vielen Beschreibungen das Wort „Horror“ oder „Mystery“ erscheint, so ist Laugiers intelligenter Film einfach nur ein Thriller, der manchmal schockt, aber im Endeffekt dann doch eine gute Botschaft verkündet.

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Fazit: Kein Film für nebenbei. Aufpassen und selbst kombinieren ist hier das Stichwort, um einen sehr durchdachten Thriller zu genießen, der sowohl spannend unterhält, als auch nachdenklich macht. Mir hat „The Tall Man“ trotz irreführender Beschreibung auf der Blu Ray-Rückseite enorm gut gefallen.

© 2014 Wolfgang Brunner

Sunshine (2007)

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Originaltitel: Sunshine
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Alwin H. Kuchler
Musik: John Murphy, Karl Hyde, Rick Smith
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Cillian Murphy, Chris Evans, Rose Byrne, Michelle Yeoh, Mark Strong, Cliff Curtis
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
FSK: ab 12 Jahren

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Die Sonne stirbt!
Ein Team aus Wissenschaftlern macht sich auf den Weg, die Erde zu retten, in dem es eine Bombe im Inneren der Sonne zünden will. Doch Projekt „Icarus“ scheitert und der Funkkontakt bricht ab. Sieben Jahre später macht sich ein zweites Team unter dem Namen „Icarus II“ auf den Weg. Kurz vor dem Ziel droht auch ihre Mission zu scheitern und die einzig Hoffnung der Besatzung ist, das verschollene Raumschiff „Icarus“ zu finden.

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„Sunshine“ ist die überaus gelungene Zusammenarbeit von Regisseur Danny Boyle und Romanautor Alex Garland („The Beach“, ebenfalls verfilmt von Danny Boyle mit Leonardo DiCaprio in der Hautprolle).
„Sunshine“ war für 2007, was „Gravity“ für 2013 ist! Mit äußerst beeindruckenden Aufnahmen entführt Boyle den Zuschauer in ein Science Fiction-Abenteuer, das tatsächlich bis an die Grenzen des Vorstellbaren stößt. Zielsicher entwirft der Regisseur ein Szenario, das, obwohl unwahrscheinlich, irgendwann dann doch ziemlich glaubhaft wirkt. Die Atmosphäre, die „Sunshine“ verströmt, erinnert in der Tat an den 2013 gedrehten „Gravity“ oder auch an Brian dePalmas „Mission To Mars“.

Leider gibt es eine Entwicklung in der Handlung, die mir persönlich nicht so gut gefallen hat, und das Gesamtbild unerfreulicherweise etwas trübt. Ich müsste spoilern, um darauf hinzuweisen. Wer aber die Stimmung des Films erfasst, wird erkennen, was ich meine. Nichtsdestotrotz ist „Sunshine“ eine visuell wirklich beeindruckende Rettungsaktion für die Erde, die auch nach mehrmaligem Ansehen überwältigt. Die „Außenaufnahmen“ im All sind perfekt und realistisch und lassen einem hautnah mit dabei sein. Die realitätsnahe Inszenierung Boyles ist es wahrscheinlich auch, die den Film so unvergesslich macht.

Schauspielerisch habe ich am gesamten Team nichts auszusetzen. Jeder spielt seinen Part überzeugend. „Sunshine“ ist ein bisschen wie John Carpenters „Dark Star“ – man fühlt sich der Crew zugehörig, lebt und leidet mit ihr. Fast schon wie ein Film aus der „Star Trek“-Reihe verbindet Alex Garland eine fiktive wissenschaftliche Ausgangssituation für einen bombastischen Plot im All. Für mich eindeutig einer der besten Science Fiction-Filme der neueren Zeit.

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Fazit: Bombastisch und visuell überwältigend entführt Danny Boyle mit seinem „Sunshine“ das Publikum an den Rand des Vorstellbaren. Eine beeindruckende, fast schon philosophische Reise.

© 2014 Wolfgang Brunner

Falsches Spiel mit Roger Rabbit (1988)

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Originaltitel: Who Framed Roger Rabbit
Regie: Robert Zemeckis
Drehbuch: Jeffrey Price, Peter S. Seaman, Gary K. Wolf
Kamera: Dean Cundey
Musik: Alan Silvestri
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Bob Hoskins, Christopher Lloyd, Joanna Cassidy, Charles Fleischer, Stubby Kaye
Genre: Zeichentrick, Kinderfilm
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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In einem fiktiven Los Angeles leben Menschen und Toons, Zeichentrickfiguren, miteinander. Einer dieser Toons, Roger Rabbit, ist ein berühmter Schauspieler, der die Hauptrolle in vielen Zeichentrickfilmen innehat. Als Roger erfährt, dass sich seine Ehefrau Jessica heimlich mit dem Industrieboss Marvin Acme trifft, rastet er völlig aus. Am nächsten Tag wird Acme tot aufgefunden und Roger Rabbit steht unter Mordverdacht, denn sein Motiv ist wohl unübersehbar. Zusammen mit dem Privatdetektiv Valiant versucht Roger, seine Unschuld zu beweisen und entdeckt dabei, dass viel mehr hinter Acmes Ermordung steckt, als bisher angenommen wurde.

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Der seinerzeit als Meilenstein gefeierte Zeichentrick/Realfilm-Mix von Meisterregisseur Robert Zemeckis wirkt auch heute noch, obwohl er über 25 Jahre alt ist. Völlig ohne Computeranimationen wurden Cartoons in den Realfilm gezeichnet und das teilweise so perfekt, dass es einem heute noch die Sprache verschlägt. Mit „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ wurde aber leider auch fast schon die Ära der „Handarbeit“ von der „Computeranimation“ abgelöst.
Es macht wirklich ungemein Spaß, die Zeichentrickfiguren in der Realwelt herumzappeln zu sehen, auch wenn die Sprüche manchmal etwas veraltet wirken. Die vielen Gastauftritte und Anspielungen auf andere Zeichentrickfilme (Walt Disney, Warner Bros …)  sind immer wieder sehenswert und man kann beim wiederholten Ansehen so manche Dinge entdecken (Micky Maus, Donald, Duffy Duck, Betty Boop, Bugs Bunny, Dumbo …)

Nicht immer ganz kindgerecht erzählt Zemeckis eine spannende Detektivgeschichte, die grandios unterhält. Bob Hoskins geht, wie in all seinen Filmen, vollkommen in seiner Rolle als Privatdetektiv Valiant auf. Sein Schauspiel trägt den Film und verleiht ihm eine charmante, menschliche Note. Hoskins vermag Kinder und Erwachsene gleichermaßen zu begeistern.
Den von Steven Spielberg produzierten „Roger Rabbit“ möchte man fast schon als Kultfilm bezeichnen. Mich lässt er auf jeden Fall immer wieder Kind sein. Gerade die Mischung aus Real- und Zeichentrickfilm lässt das Ganze zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Nicht umsonst hat „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ 1989  je einen Oscar für den Tonschnitt, für die visuellen Effekte, sowie für den Filmschnitt bekommen.

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Fazit: Tricktechnisch ein Meilenstein der Filmgeschichte, bietet „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ temporeiche Unterhaltung mit bekannten Zeichentrickfiguren und einem gewohnt guten Bob Hoskins.

© 2014 Wolfgang Brunner