Swallow (2019)

Originaltitel: Swallow
Regie: Carlo Mirabella-Davis
Drehbuch: Carlo Mirabella-Davis
Kamera:  Katelin Arizmendi
Musik: Nathan Halpern
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Haley Bennett, Elizabeth Marvel, David Rasche, Austin Stowell, Dennis O’Hare, Luna Laura Velez
Genre: Drama, Thriller
Produktionsland: Frankreich, USA
FSK: ab 16 Jahre

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Hunter Conrad ist mit dem vermögenden Ritchie verheiratet, der ihr ein, zumindest finanzielles, sorgenfreies Leben ermöglicht. Doch in ihrer Rolle als Hausfrau langweilt sich Hunter. Sie wird auch zusehends von ihrem Mann nicht so wahr genommen, wie sie sich das erwünscht, also beginnt sie kleine Gegenstände wie beispielsweise eine Murmel oder eine Batterie zu verschlucken. Diese Essstörung wird immer intensiver, bis sie von Hunters Ehemann entdeckt wird.
Von Schuldgefühlen geplagt und von ihrer eigenen Vergangenheit eingeholt, versucht Hunter von Ritchie loszukommen, um ihr Leben zu verändern.

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Wow, was für ein genialer und vor allem einfühlsamer Film, der die seltene Essstörungskrankheit namens Pica-Syndrom behandelt. Dieses Krankheitsbild äußert sich im Konsum ungenießbarer Gegenstände und wird von Haley Bennett derart überzeugend und eindringlich dargestellt, dass man ihre Schauspielerei niemals wieder vergessen wird. Mit einer unglaublichen Intensität und einer beeindruckenden Feinfühligkeit inszeniert Regisseur Carlo Mirabella-Davis den Leidensweg einer solchen kranken Frau und der daraus entstehenden Befreiung, nicht nur von der Krankheit sondern auch von ihrem deprimierenden Leben. Es ist äußerst spannend, wie sich diese Krankheit und die damit einhergehende Spannung (wenngleich der Film sehr ruhig ist) aufbaut und bis zu seinem verblüffenden Ende diesen Bogen aufrechterhält.

„Swallow“ ist ein Film, den man aufgrund seiner außergewöhnlichen Handlung und der fulminanten Leistung aller Mitwirkender nicht so schnell vergisst beziehungsweise zum Großteil wahrscheinlich gar nicht mehr vergisst. Das Gesehene wirkt noch lange nach und beschäftigt den Zuschauer, der so etwas mit größter Wahrscheinlichkeit noch nie gesehen hat. Was sich aber im ersten Moment schockierend und abartig anhört, entwickelt sich mit der Zeit immer mehr zu einem Drama, das von einer Frau erzählt, die sich aus der Einengung ihres bisherigen Lebens schlichtweg befreien will. Die Situationen, in denen die Protagonistin von ihrem Ehemann und dessen Eltern einfach nicht beachtet wird, sind grandios inszeniert und man fühlt diese „Erniedrigung“ in jeder Filmsekunde. Carlo Mirabella-Davis ist es gelungen, diese Frau ein Stück weit in ihrer Handlungsweise zu verstehen, was den den Film daher umso eindringlicher macht.

Zu der Essstörung gesellt sich dann in der zweiten Hälfte des Films auch noch eine Vergangenheitsbewältigung (die mit diese Essstörung auslöst), die ebenfalls in jeder Hinsicht überzeugen kann und sehr authentisch erzählt wird. Wie oben schon erwähnt, man beginnt während des Films immer mehr, die Protagonistin zu verstehen und kann, zumindest zum Teil, nachvollziehen, wieso sie sich diverse Gegenstände einverleibt, die eigentlich nicht zum Verzehr geeignet sind. „Swallow“ ist ein mitreißendes Drama und Frauenschicksal, das man mit angehaltenem Atem verfolgt. Neben Haley Bennett konnte noch Denis O’Hare mit seiner leider etwas kurzen Rolle überzeugen, so dass neben der spannenden, ungewöhnlichen Handlung auch grandiose Schauspielerleistungen bei diesem Film zum Tragen kommen. „Swallow“ war für mich eine riesige Überraschung und ich bin sicher, dass ich mir diesen Film noch ein zweites oder gar drittes Mal ansehen werde.

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Fazit: Eindringliches Frauenschicksal und Krankheitsdrama mit überzeugenden Schauspielern.

©2020 Wolfgang Brunner

High Ground – Der Kopfgeldjäger (2020)

Originaltitel: High Ground
Regie: Stephen Johnson
Drehbuch: Chris Anastassiades
Kamera:  Andrew Commis
Musik: –
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Simon Baker, Jacob Junior Nayinggul, Jack Thompson, Callan Mulvey, Witiyana Marika, Esmerelda Marimowa, Aaron Pedersen
Genre: Drama, Western, Thriller, Action
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Um seine Familie zu retten, schließt sich der junge Aborigine Gutjuk mit dem Ex-Soldaten Travis zusammen, um seinen Onkel Baywara, den gefährlichsten Krieger des ganzen Territoriums, aufzuspüren. Gutjuk und Travis verbindet ein schlimmes Ereignis aus der Vergangenheit, das die beiden einerseits näher, andererseits aber auch immer weiter auseinander bringt.

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Was für ein gigantischer Film!
„High Ground“ ist so ruhig inszeniert und steckt dennoch voller Wucht, die einen von Anfang an packt und nicht mehr loslässt. Die Handlung kommt mit einer geradezu epischen Wucht daher und lässt den Zuschauer alles um sich herum vergessen. Zumindest erging es mir so, als ich diesem Rachefeldzug im australischen Outback zusah. Stephen Johnsons Film erinnert in seiner elegischen Inszenierung ein wenig an Nicholas Roegs „Walkabout“, geht aber noch einen Schritt weiter und trifft das Publikum genau da, wo es richtig wehtut. Weil es „menschelt“ und man die Lebenseinstellung der Ureinwohner Australiens bedeutend mehr versteht als die der sogenannten zivilisierten Menschen.

Der Aufbau der Geschichte ist unglaublich geschickt gemacht und reißt den Zuschauer sofort mit, sofern er sich nicht von der nach dem brutalen Auftakt ruhigen Inszenierungsweise abschrecken lässt und gelangweilt fühlt. „High Ground“ ist eine Ode an die Menschlichkeit und Liebeserklärung an das Leben mit Mutter Natur. Da sich die Aborigines in ihrer Originalsprache unterhalten (wird alles deutsch untertitelt) kommt eine sehr starke Authentizität auf, die das ganze Drama emotional nur noch schlimmer macht. Hinzu kommen die fantastischen Bilder der australischen Natur, so dass man sich in den Aufnahmen vollkommen verlieren kann, wenn man sich, wie gesagt, darauf einlässt. Ich hätte gut und gerne noch zwei weitere Stunden zusehen können, ohne mich auch nur eine einzige Sekunde zu langweilen.

Der Film besitzt nicht einmal einen „echten“ Score, sondern wird lediglich von traditionellen Aboriginesklängen untermalt, was ebenfalls eine enorm hypnotische Wirkung hat. Neben der grandiosen Inszenierung ist der Film auch schauspielerisch eine wahre Wonne. Simon Baker spielt hervorragend, ebenso wie die Darsteller der Aborigines. Aber auch die weiteren Schauspieler machen ihre Sache ausnehmend gut und überzeugend, so dass es bei diesem Film aus meiner Sicht letztendlich überhaupt nichts zu kritisieren gibt. Ich bin noch immer absolut von diesen grandiosen Bildern und der gefühlsintensiven Handlung gefangen und weiß schon jetzt, dass ich mir diesen Film auf jeden Fall nochmal ansehen werde.

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Fazit: Eine philosophische, aber auch brutale Reise in eine andere Kultur mit grandiosen Landschaftsaufnahmen.

©2020 Wolfgang Brunner

Flucht aus Pretoria (2019)

Originaltitel: Escape from Pretoria
Regie: Francis Annan
Drehbuch: Francis Annan, L. H. Adams
Kamera:  Geoffrey Hall
Musik: David Hirschfelder
Laufzeit: 106 Minuten
Darsteller: Daniel Radcliffe, Daniel Webber, Ian Hart, Mark Leonard, Nathan Page, Grant Piro, Adam Ovadia, Adam Tuominen
Genre: Thriller
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Im Südafrika der 1970er Jahre werden die Anti-Apartheid-Aktivisten Tim Jenkin und Stephen Lee gefangengenommen, weil sie verbotenerweise Flugblätter verteilt haben. Sie landen im Hochsicherheitsgefängnis von Pretoria, wo sie auf Denis Goldberg und Leonard treffen, mit denen sie sofort Ausbruchspläne schmieden …

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Es ist eine wahre Freude, die schauspielerische Entwicklung von Daniel Radcliffe seit seinem Einstand in den „Harry Potter“-Filmen mitzuverfolgen. Der vorliegende „Flucht aus Pretoria“ stellt einen weiteren Beweis dar, dass Radcliffe zu einem begnadeten Schauspieler geworden ist, der mit seinen Rollen immer uneingeschränkt überzeugen kann. Es dauert nicht lange und er fängt mit seiner Charakterdarstellung das Publikum ein, das mit angehaltenem Atem den Ereignissen folgt. Regisseur Francis Annan inszenierte dieses Gefängnis-Drama sehr intensiv und realistisch. Man ist bei jeder Aufnahme hautnah im Geschehen und fiebert mit den Protagonisten mit. Genau so sollte ein Thriller dieser Art sein.

Das anfangs sehr interessante Thema der Apartheid ist dann (leider) nur Aufhänger der ungemein spannenden Geschichte. Man hätte gerne noch ein wenig mehr über die Hintergründe von Tim und Stephen erfahren, aber das hätte den Film vielleicht auch unnötig in die Länge gezogen. Aus dieser Anfangssequenz entsteht auf alle Fälle ein atemberaubender Flucht-Thriller mit tollen Darstellern, der die Zeit nur so vorüber fliegen lässt. Wirklich toll ist, dass neben dem grandiosen Daniel Radcliffe, sehr talentierte Schauspieler mit von der Partie sind, die dem Drama den nötigen „Drive“ geben, so dass man sich in keiner einzigen Minute langweilt, obwohl genau genommen gar nicht mal wirklich viel passiert.

Dass diese Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert, macht das Ganze dann nochmal interessanter. Der simple, dennoch ausgeklügelte Fluchtplan ist genial und, wie oben bereits erwähnt, man fiebert bei jedem Versuch mit.
Annans Film ist eine sehr gute Umsetzung des Romans von Tim Jenkin, die sich sehr eng an die Vorlage hält. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Dramaturgie des Films so hervorragend funktioniert und den Zuschauer von der ersten Minute an in seinen Bann zieht. „Flucht aus Pretoria“ ist ein Film, den man sich öfters ansehen kann, da man selbst dann noch großartig unterhalten wird, wenn man das Ende der Geschichte kennt. Ich war und bin sehr begeistert.

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Fazit: Großartige Schauspieler in einem ungemein spannenden Gefängnis-Thriller.

©2020 Wolfgang Brunner

Das Ende – Assault on Precinct 13 (2005)

Originaltitel: Assault on Precinct 13
Regie: Jean-François Richet
Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Originaldrehbuch von John Carpenter)
Kamera:  Robert Gantz
Musik: Graeme Revell
Laufzeit: 109 Minuten
Darsteller: Ethan Hawke, Laurence Fishburn, Gabriel Byrne, Brian Dennehy, Drea de Matteo, Maria Bello
Genre: Thriller, Action
Produktionsland: USA, Frankreich
FSK: ab 16 Jahre

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Inmitten eines heftigen Schneesturms sucht ein Gefängnistransport mit Schwerkriminellen Unterkunft im Revier 13, das bald stillgelegt werden soll und in dem ein paar Mitarbeiter lediglich die Silvesternacht feiern wollen, um danach das Gebäude zu räumen. Unter den Häftlingen befindet sich der skrupellose Mörder Bishop. Die Gefangenen werden über Nacht eingesperrt, als plötzlich Scharfschützen das Feuer auf die unterbesetzte Station eröffnen. Die Polizisten müssen sich mit den Gefangenen verbünden, um die Attacke zu überleben.

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Viele Jahre habe ich auf diese Veröffentlichung gewartet. Nun endlich ist es soweit und die Neuinterpretation von John Carpenters Kultklassiker erscheint über KOch Media auf Blu-Ray. Damals, als der Film erschien, habe ich als John-Carpenter-Fan hohe Erwartungen in dieses Remake gehabt und war einerseits begeistert und andererseits hat mir der Flair des Originals irgendwie gefehlt. Heute, nachdem ich den Film nun mit anderen Augen sehe, kann ich mich absolut für diese Neuinterpretation begeistern. Sicherlich fehlt immer noch die Atmosphäre des Originals, aber dafür hat Regisseur Richet eine ganz eigene Stimmung eingefangen und bietet einen äußerst spannenden Actionfilm, der immer wieder Carpenters Kultfilm durchschimmern lässt. „Das Ende – Assault on Precinct 13“ ist großes Actionkino mit einem unheimlich beängstigenden Schauplatz.

Schauspielerisch kann man nichts bemängeln. In erster Linie tragen Ethan Hawke und Laurence Fishburne den Film, aber auch Brian Dennehy und die weiblichen Protagonisten können vollends überzeugen. Insgesamt kann Jean-François Richets Remake mit einem beeindruckenden Cast aufwarten. Erfrischend ist, dass der Regisseur nicht nur plump die Handlung des ursprünglichen Films kopiert, sondern neue Wendungen und Szenen zeigt, die den Film dadurch vom Original abheben. Man muss offen an diese Neuinterpretation herangehen und darf sie nicht permanent mit der Vorlage vergleichen. Gibt man dem Film also in dieser Hinsicht eine Chance, so wird man mit einem mehr als unterhaltsamen Film mit tollen Schauspielleistungen belohnt. Gerade die Anfangssequenz besitzt eine unglaubliche Wucht und zeigt schon hier, dass Regisseur Richet eine eigene und neue Richtung einschlägt.

Bildtechnisch konnte einiges herausgeholt werden, so dass es immens Spaß macht, diesen Film in einer verbesserten Qualität zu sehen. Ich bin jedenfalls glücklich darüber, dass dieser Streifen endlich auf Blu-Ray erscheint. Auch wenn Carpenters Film definitiv der bessere bleibt, so sollte man durchaus einmal einen Bick auf diese Neuinterpretation riskieren.
Jean-François Richet versucht erst gar nicht, John Carpenter zu kopieren. Und das ist auch der Grund, warum dieses Remake nicht, wie so viele andere, scheitert. Nur die Ausgangssituation und das Thema einer verlassenen Polizeistation, die angegriffen wird, vereint diese beiden Filme. Richet hat aus der düsteren Vorlage einen actionreichen Film gemacht, der dennoch auch eine gewisse Atmosphäre versprüht.

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Fazit: Endlich auf Blu-Ray. Actionreiche Neuinterpretation des Carpenter-Klasssikers.

©2020 Wolfgang Brunner

Breaking Surface – Tödliche Tiefe (2020)

Originaltitel: Breaking Surface
Regie: Joachim Hedén
Drehbuch: Joachim Hedén
Kamera:  Anna Patarakina, Eric Börjeson (Unterwasseraufnahmen)
Musik: Patrick Kirst
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Moa Gammel, Madeleine Martin, Trine Wiggen
Genre: Thriller, Drama, Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Ida besucht ihre Mutter und Schwester im heimatlichen Norwegen. Die beiden Schwestern unternehmen einen Tauchgang in der eisigen Kälte. Die Schönheit und Stille der Unterwasserwelt lassen die Familienzwistigkeiten für einen Moment vergessen, bis aus dem Nichts ein herabstürzender Felsen Idas Schwester erfasst und auf dem Meeresboden unter sich begräbt. Ida beginnt mit einer verzweifelten Rettungsaktion und ein nervenzerfetzender Wettlauf gegen die schwindenden Sauerstoffreserven zeichnet sich dabei immer mehr ab.

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Man denkt natürlich erst einmal aufgrund des Plakats und der Thematik, dass man einen Film zu sehen bekommt, der nichts Neues bringt. Im Prinzip ist das auch so doch jetzt kommt das große Aber: „Breaking Surface“ zeigt doch etwas mehr, als der Zuschauer von Filmen wie beispielsweise „47 Meters Down“ kennt. „Breaking Surface“ zeigt mehr Tiefe bei den Charakteren und entwickelt dadurch eine besondere Richtung, wie man sie von solcherart Filmen bislang nicht kannte. Sicherlich spielt die Familiengeschichte nicht die Hauptrolle, denn dazu ist die Szenerie unter Wasser viel zu spannend. Aber dennoch bleibt dieser Handlungsstrang im Gedächtnis des Zuschauers haften, wenn er um das Leben der beiden Taucherinnen bangt und mitfiebert.

Es steckt vieles zwischen den Bildern und man kann so einiges in das Verhalten der beiden Schwestern hineininterpretieren. Die Familiensituation, die am Anfang des Filmes eine Rolle spielt, zieht sich letztendlich durch die ganze Handlung, wenngleich man es auf den ersten Blick nicht wirklich bewusst wahrnimmt. Denn es kommt eine zu hohe Spannung auf, weswegen man sich immer mehr auf die Rettungsaktionen und die verzweifelten Versuche, Hilfe zu holen, konzentriert, als dass man sich immer wieder in Erinnerung ruft, wie die beiden Schwestern zueinander stehen und sich die Familienverhältnisse bei ihnen auswirken. „Breaking Surface“ dreht die Spannungsschraube konstant in die Höhe, so dass man atemlos in den Bann gezogen wird.

Ein großer Pluspunkt gegenüber den Hollywood-Konkurrenten mit gleicher Thematik ist bei „Breaking Surface“ der Ort, an dem das Ganze spielt. Denn sobald man sich nicht zusammen mit den Protagonisten unter Wasser befindet, wird man mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen belohnt, die das raue Norwegen zeigen und Melancholie in einem wecken. Das hebt diesen film definitiv von gleichartigen Genrebeiträgen ab und bleibt auch dauerhaft in Erinnerung. Aber auch die Unterwasseraufnahmen sind hervorragend gelungen, so dass der Film insgesamt einen bleibenden Eindruck beim Zuschauer hinterlässt. Erwähnenswert ist noch, dass es sich bei der Gefahr, in denen sich die Protagonisten befinden, schlichtweg um einen dummen Zufall handelt, der geschieht, und nicht um einen Hai oder gar irren Killer. Das Szenario ist also durchaus real und daher umso erschreckender. Ich fühlte mich bestens unterhalten.

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Fazit: Extrem spannender Überlebenskampf vor einer beeindruckenden Naturkulisse.

©2020 Wolfgang Brunner

The Apartment – Willkommen im Alptraum (2019)

Originaltitel: 1BR
Regie: David Marmor
Drehbuch: David Marmor
Kamera:  David Bolen
Musik: Ronen Landa
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Nicole Brydon Bloom, Giles Matthey, Taylor Nichols, Alan Blumenfeld, Naomi Grossman, Cekeste Sully, Susan Davis
Genre: Thriller, Drama, Horror
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Endlich hat Sarah ein eigenes Apartment in L.A. gefunden, das nicht nur bezahlbar ist, sondern auch mit einer freundlichen und entspannten Nachbarschaft punkten kann. Die Nachbarn wirken fast schon übertrieben freundlich und hilfsbereit. Doch es dauert nicht lange und Sarah befindet sich plötzlich in einem schrecklichen Albtraum, der ihre Vorstellungskraft übersteigt …

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Was für ein Film!
„The Apartment – Willkommen im Alptraum“ kann durchaus in einem Atemzug mit Genremeilensteinen wie „Hereditary“ oder „Midsommar“ genannt werden. Regisseur David Marmor, der auch das Drehbuch verfasste, hat mit diesem fiesen Thriller einen cineastischen Schlag in den Magen erschaffen, der nachhaltig im Gedächtnis haften bleibt. Schleichend kommt das Grauen ins Leben der Protagonistin, so dass man selbst als Zuschauer den Übergang zwischen glücklicher Welt und lebensbedrohendem Albtraum gar nicht so richtig bemerkt. Plötzlich ändert sich die Stimmung des Films abrupt und man kann, ähnlich wie die Protagonistin, nicht mehr das Weite suchen. Gebannt starrt man auf den Bildschirm und wartet, was denn noch alles geschieht.

„The Apartment – Willkommen im Alptraum“ ist perfekt inszeniert und dreht die Spannungsschraube minütlich nach oben. Was als „normaler“ Film beginnt, endet tatsächlich in einem unangenehmen Albtraum, der so nachvollziehbar beschrieben wird, das einem, ähnlich wie bei den beiden obengenannten Filmen, ein mulmiges Gefühl in der Magengegend beschert wird. Hinzu kommen dann noch die Schauspieler, die allesamt absolut gute Arbeit leisten und die Bedrohung durch ihr Agieren neben der spannenden Inszenierung noch zusätzlich unterstützen. Die Geschichte, die erzählt wird, ist unbequem, denn man kann einiges sogar wirklich nachvollziehen. Es wirkt wie eine Kritik an unserer Gesellschaft, in der man verzweifelt nach Lösungen sucht, um wieder miteinander auszukommen und aufeinander einzugehen.

Wer bei diesem Film einen Horror- oder gar einfachen Slasherfilm erwartet, wird mit Sicherheit wegen der Ambitionen, die Regisseur Marmor verfolgt, enttäuscht sein und die Botschaften, die darin versteckt sind, erst gar nicht begreifen (wollen). Doch wer intelligentes Kino mag, wird mit einem extrem spannenden Thriller belohnt, der einen manchmal (auch gedanklich) an Grenzen bringt. Marmors Film hebt sich wohltuend vom Mainstream-Einheitsbrei ab und bietet perfekte Unterhaltung mit kritischen Untertönen. Ich hätte diesem „Spiel“ noch gut und gerne eine weitere Stunde zuschauen können, ohne dass es mir auch nur ansatzweise langweilig geworden wäre. Der Plot wirkt vielleicht im ersten Moment wenig originell, doch es steckt wesentlich mehr dahinter, als man vermutet. Realistischer Psycho-Horror wie er besser nicht sein könnte und in seiner Konsequenz äußerst erschreckend. Ein Film, denn man sich öfter ansehen kann (und auch sollte).

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Fazit: Unglaublich spannender und realitätsnaher Psychothriller, der unter die Haut geht.

©2020 Wolfgang Brunner

Grand Isle – Mörderische Falle (2019)



Originaltitel: Grand Isle
Regie: Stephen S. Campanelli
Drehbuch: Iver William Jallah, Rich Ronat
Kamera:  Eric Moynier
Musik: Josh Atchley
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Nicholas Cage, KaDee Strickland, Luke Benward, Kelsey Grammer, Zulay Henao, Oliver Trevena, Emily Marie Palmer
Genre: Thriller
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Ein Hurrikan zieht auf. Das Ehepaar Walter und Fancy Franklins bieten dem Hilfsarbeiter Buddy an, in ihrem Anwesen Unterschlupf zu finden, bis sich das Unwetter gelegt hat. Buddy nimmt erleichtert die Einladung an, doch schon bald versucht Fancy ihn zu verführen. Kurze Zeit später bietet Walter ihm eine hohe Geldsumme an, wenn er Fancy tötet. Buddy ist plötzlich in einem bösartigen Spiel des Paars gefangen.

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Ich bin ja immer sehr gespannt, was Nicholas Cage neuerdings immer abliefert, da er mich sowohl in „Mandy“ als auch in „Die Farbe aus dem All“ wieder mehr überzeugt hat, als in den vorhergehenden Filmen (den atemberaubenden „Joe“ mal außer acht gelassen). Nun, mit „Grand Isle“ setzt er den Weg, den er seit einiger Zeit wieder eingeschlagen hat, fort und konnte mich wieder einmal absolut überzeugen. Ich behaupte mal, dass er hier sogar eine Rolle einnimmt, die ihm geradezu auf den Leib geschnitten ist: Ein wenig verrückt, ein wenig diabolisch … also Cage, wie man ihn kennt und mag. 😉
„Grand Isle“ wirkt im ersten Moment ein wenig seltsam, weil man nicht wirklich dahinterkommt, welchen Film man eigentlich sieht. Drama, Thriller, Krimi oder gar Horror? Ein bisschen was von allem spielt mit, bevor man immer mehr begreift, um was es eigentlich geht. Das ist äußerst ansprechende in Szene gesetzt und es wird einem tatsächlich in keiner Sekunde langweilig.

Es bleibt lange Zeit undurchschaubar, was mit dem Ehe paar ist. Man denkt sich sicherlich, dass sie irgendetwas im Schilde führen, aber das Drehbuch von Iver William Jallah und Rich Ronat gibt in dieser Hinsicht schon einiges her. Es macht auf alle Fälle unglaublich Spaß, diesen Entwicklungen zu folgen und sich dabei Gedanken zu machen, wie sich das Ganze auflösen könnte. Inszenatorisch kann man an „Grand Isle“ eigentlich auch nicht viel aussetzen, zumal der Film eher einem Kammerspiel gleicht, weil er die meiste Zeit im Inneren des Hauses spielt. Der Spannungsbogen wird jedenfalls durchgehend aufrecht erhalten und, auch wenn der Hurrikan leider keine besonders große Rolle spielt, so ist die Grundstimmung, die diese Ausgangssituation bereitet, sehr ansprechend.

Schauspielerisch sind die drei Protagonisten absolut überzeugend von Nicholas Cage, KaDee Strickland und Luke Benward. Vor allem letzterer hat es mir so richtig angetan in dieser Rolle. Benward spielt den naiven „Jüngling“ genauso überzeugend wie später den taffen Kämpfer, der sich gegen die Anschuldigungen verteidigen muss. Es ist wirklich ein Riesenspaß diesen drei Schauspielern zuzusehen. Alleine wegen deren Leistungen sollte man sich „Grand Isle“ schon ansehen, aber auch die Auflösung des Plots lohnt eine Sichtung. Stephen S. Campanellis Thriller erfindet das Rad nicht neu, kann aber mit einer durchdachten Handlung und einem tollen Schauspieler-Ensemble überzeugen.

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Fazit: Tolle Schauspielerleistungen und ein raffinierter Plot bieten gute Unterhaltung.

©2020 Wolfgang Brunner

Harpoon (2019)

Originaltitel: Harpoon
Regie: Rob Grant
Drehbuch: Rob Grant
Kamera:  Charles Hamilton
Musik: Michelle Osis
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Munro Chambers, Emily Tira, Christopher Gray, Brett Gelman
Genre: Horror, Thriller, Komödie
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahre

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Drei Freunde, zwei Männer und eine Frau, machen einen Bootsausflug. Was als Vergnügungsausflug beginnt, entwickelt sich zu einem wahren Horrortrip, als einer der Männer herausfindet, dass sich seine Freundin mit seinem besten Freund getroffen und mit ihm geschlafen hat. Die Beziehungsprobleme geraten zu einem blutigen Höhepunkt, als die drei allein und vollkommen abgeschnitten von der Zivilisation mitten im Ozean sind und der Motor des Boots nicht mehr anspringt.

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„Harpoon“ ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn man die ersten Minuten gesehen hat. Fernab von klischeebehafteten Jumpscare-Horrorfilmen nimmt Regisseur Rob Grant sein Publikum mit auf eine außergewöhnliche Reise, die sich erst nach Sichtung so richtig entfaltet. Zumindest war es bei mir so. Zu viele Momente wirken beim ersten Ansehen zu überzogen und man vergisst andauernd, bis auf Ausnahmen, dass es sich hierbei nicht nur um einen Horrorthriller, sondern auch um eine schwarze Komödie handelt. Aber vielleicht ist es genau dieser Aspekt, der „Harpoon“ im Nachhinein dann doch zu einem absolut sehenswerten Film macht. Leider wird einem erst gegen Ende klar, dass alles nicht bitterernst gemeint ist, sondern mit Absicht übertrieben dargestellt wird.

Man muss sich mit dem Inszenierungsstil anfreunden, um zu begreifen, dass hier ein total überzeichnetes Bild von jungen Menschen gezeigt wird, die anders mit Problemen umgehen als die vorhergehende Generation. „Harpoon“ versucht anfangs, die bedrohliche Ausgangssituation immer wieder durch witzige Einschübe aufzulockern und in Richtung Komödie zu treiben. Das dürfte die eingeschworene Thrillergemeinde etwas verstören und ärgern, denn die Spannungsmomente werden dadurch immer wieder unterbrochen. Aber dennoch bleibt einem schon bald das Lachen im Halse stecken, wenn die sexuell angetriebenen Protagonisten immer mehr außer Kontrolle geraten. Keiner traut dem anderen, jeder spielt jeden aus und sucht den besten (Überlebens-)Weg für sich. Und das alles innerhalb einer fast schon klaustrophobisch wirkenden Umgebung. Das Konzept des Regisseurs geht definitiv auf, wenn man sich darauf einlassen kann.

Die zwischenmenschlichen Probleme (die genau genommen eigentlich gar keine Probleme sind, sondern nur testosterongesteuerte Machtkämpfe zwischen den beiden Männern) beschwören von Minute zu Minute eine bedrohlichere Situation herauf, die man als Zuschauer auch allzu deutlich spürt. „Harpoon“ ist ein zynisches, bösartiges Kammerspiel auf hoher See, das sich auf die Schauspieler konzentriert und blutige Effekte nur als Schauwerte benutzt. Hinzu kommen geschickte Wendungen, mit denen man nicht rechnet, so dass sich insgesamt ein sehr guter Unterhaltungswert aus der Thriller-Horror-Komödie ergibt. Allerdings vorausgesetzt, man freundet sich mit den flapsigen und in erster Linie sexuell orientierten Sprüchen an.
Ich bin ziemlich sicher, dass „Harpoon“ einer der Filme ist, die einem bei der zweiten Sichtung besser gefallen, obwohl man die Auflösung kennt. Der Film hebt sich auf jeden Fall erfrischend anders von Genrebeiträgen ab, was für mich einen großen Pluspunkt darstellt.

Fazit: Erfrischend andersartiger Genrebeitrag mit außergewöhnlichem Erzählstil.

©2020 Wolfgang Brunner

The Nightingale – Schrei nach Rache (2018)

Originaltitel: The Nightingale
Regie: Jennifer Kent
Drehbuch: Jennifer Kent
Kamera:  Radek Ladczuk
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 136 Minuten
Darsteller: Aisling Franciosi, Sam Claflin, Baykali Ganambarr, Damon Herriman, Harry Greenwood, Ewen Leslie
Genre: Drama, Thriller
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Die aus Irland stammende Clair ist Gefangene in einer Strafkolonie in Australien. Leutnant Hawking sieht in ihr eine Leibeigene und erniedrigt sie, wo er nur kann. Auch vor sexuellen Misshandlungen macht er nicht Halt. Als es zu einer Auseinandersetzung zwischen Hawking und Claires Ehemann kommt, muss sie mit ansehen, wie ihr Mann vor ihren Augen erschossen wird. Claire flieht und macht sich mit Hilfe eines einheimischen Fährtenleser aus den Weg, den Tod ihres Mannes zu rächen.

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Wenn ich ehrlich bin, hatte ich etwas ganz anderes von „The Nightingale“ erwartet. Vor allem, nachdem es sich bei der Regisseurin um Jennifer Kent handelt, die den umstrittenen „Babadook“ inszeniert hat. Der vorliegende Mix aus Rachethriller, Western und Familiendrama zeigt beeindruckend, dass sich Kent nicht auf ein einzelnes Genre beschränkt, sondern sehr vielseitig sein kann, was Handlung und Inszenierungsstil betrifft. „The Nightingale“ zeichnet sich nicht nur durch seine außergewöhnliche Machart (sowohl das 4:3-Format als auch Erzählstil) aus, sondern verströmt eine sehr eindringliche Stimmung, wie man sie aus einigen Western kennt. Es ist wirklich erstaunlich, wie konsequent Kent während der ganzen Filmdauer an diesem Stil festhält und deshalb ein beeindruckendes Ergebnis zustande bringt, das nachhaltig beschäftigt. 

Man muss sich auf den Film und die meist ruhige Erzählweise einlassen, um „The Nightingale“ wirklich genießen zu können. Wer denkt, er bekommt einen eiskalten Rachethriller a la „Ich spuck auf dein Grab“ serviert, wird hochgradig enttäuscht sein. Denn Jennifer Kent schockt auf andere Art und Weise, wenngleich an blutigen Aufnahmen nicht gespart wird. Aber das Grauen, das die Regisseurin vermittelt, wächst aus ganz anderen Gründen. Da spielt die Sklaverei oder die Stellung der Frau innerhalb der damaligen Männerwelt eine große Rolle, bei der man mit der Protagonistin (auch als männlicher Zuschauer) mitfiebert. Auf schonungslose Art führt uns Kent ein gesellschaftliches Bild aus jener Zeit vor Augen, dass unglaublich an den Nerven zerrt und die Hilflosigkeit der Heldin ohne große Worte zeigt. In oft poetischen Bildern wird eine zwar toughe, aber auch hilfsbedürftige Frau gezeigt, deren Rachegelüste wohl jeder Zuschauer nachvollziehen kann. An manchen Stellen fühlte ich mich immer wieder an „Das Piano“ von Jane Campion erinnert, was zum einen an der mutigen, entschlossenen Frauenfigur, aber mit Sicherheit auch an der australischen Landschaft lag.

„The Nightingale“ ist fies und tut weh. Schauspielerisch gibt es nichts auszusetzen, der Film ist bis auf die Nebenrollen mit fähigen Schauspielerinnen und Schauspielern besetzt und kann auch in dieser Hinsicht absolut überzeugen.  Und auch wenn der Film meist ruhig und unspektakulär verläuft, so wirkt die über zwei Stunden lange Laufzeit niemals langweilig oder gar langatmig. Jennifer Kent hat keinen Film fürs Massenpublikum gedreht, denen bereits nach der ersten Viertelstunde klar sein dürfte, dass keinerlei Action, Splatter oder gar ein CGI-Gewitter eine Hauptrolle spielt. „The Nightingale“ folgt eher klassischen Spuren und legt Wert auf eine Handlung, wenngleich auch diese die wenigsten Mainstream-Zuschauer verstehen dürften. Für mich war der Film eine große Überraschung, die mich nachhaltig beeindruckt hat.

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Fazit: Rachefilm, Familiendrama und Charakterstudie im ArtHouse-Stil. Absolut empfehlenswert.

©2020 Wolfgang Brunner

Der Tod ist nicht umsonst (2020)

tod

Originaltitel: Der Tod ist nicht umsonst
Regie: Dorian Valentino
Drehbuch: Thomas Goersch
Kamera:  Dorian Valentino
Musik: Martin Gerke
Laufzeit: 23 Minuten
Darsteller: Thomas Goersch, Timur Güler, Maximilian Winter
Genre: Kurzfilm, Komödie, Krimi, Gay
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ben und Nick sind ein Paar. Und sie haben ein Problem. Denn Ben ist fremdgegangen und dabei … nun ja, verlor sein Liebhaber das Leben. Jetzt soll Marc den beiden aus der Patsche helfen. Aber Marc will dafür eine ganz spezielle Belohnung haben und möchte gerne Ben und Nick in seinem Bett sehen. Und zwar nackt …

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„… und dann vergraben wir den Veganer“, sagt Marc, der sich bereits auf seine Belohnung freut. „Der Tod ist nicht umsonst“ ist ein witziger Kurzfilm, den man nicht allzu ernst nehmen sollte und der ungemein Spaß macht, wenn man sich sowohl auf die Handlung als auch auf die drei Akteure einlassen kann. Vor allem Timur Güler hat es mit mit seinem natürlichen Schauspiel angetan. Aber auch Thomas Goersch und Maximilian Winter passen absolut gut. Goersch, der auch das Drehbuch verfasst hat, kenne ich bereits aus anderen Filmen und auch hier konnte er mich überzeugen. Winter geht anfangs ein wenig unter und erhält erst in der zweiten Hälfte mehr Aufmerksamkeit, so dass letztendlich die Rollenverteilung unter den drei Protagonisten ziemlich gleich ausfällt.

Besonders gefallen haben mir die humorvollen Dialoge und die daraus resultierende, schauspielerische Situationskomik der drei Protagonisten. Immer wieder fallen Sätze, die szenetypisch sind und einem ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. „Der Tod ist nicht umsonst“ ist ein Projekt, dem man ansieht, wie viel Spaß die Macher dabei hatten. Ohne viel Aufwand wurde eine unterhaltsame Geschichte inszeniert, die in erster Linie von den Schauspielern lebt. Im Gegensatz zu seinem Kurzfilm „Sommerkälte“, der auf düstere Art und Weise die Einsamkeit eines Mannes beschreibt, begibt sich Regisseur Dorian Valentino hier auf eine vollkommen andere Reise, was aber nicht heißt, dass diese genauso unterhaltsam ausfällt. Nur eben anders. Es ist aber gerade die Einfachheit der Inszenierung, die einem dann doch irgendwie im Gedächtnis haften bleibt.

Insgesamt betrachtet wird der Independentfilm wahrscheinlich – wie so viele solcher Produktionen – die Lager spalten. Die einen werden ihn mögen, dazu zähle ich, andere werden in ihm nichts wirklich Besonderes sehen. Das ist natürlich alles immer Geschmackssache, nur sollte man dabei immer eines im Auge behalten. Hinter jedem Projekt dieser Art steckt eine Menge Herzblut und die Beteiligten geben ihr Bestes, um daraus ein für sie zufriedenstellendes Ergebnis abzuliefern. „Der Tod ist nicht umsonst“ ist genau so ein Herzensprojekt, dem man genau dieses auch noch ansieht. Ich fühlte mich über zwanzig Minuten lang absolut unterhalten und schloss die Darsteller in mein Herz. Genau dies schafft so manche größere Produktion in einer fünf Mal so langen Spieldauer nicht – was will man also mehr? 😉
Ich war jedenfalls von Dorian Valentinos Gay-Krimi-Komödie positiv und angenehm überrascht und werde Regisseur und Schauspieler in Zukunft im Auge behalten.

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Fazit: Sympathische und amüsante Gay-Krimi-Komödie.

© 2020 Wolfgang Brunner