Big Driver (2016)

Originaltitel: Big Driver
Regie: Mikael Salomon
Drehbuch: Richard Christian Matheson
nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Kamera: Steve Cosens
Musik: Jeff Beals
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Maria Bello, Ann Dowd, Will Harris, Joan Jett, Olympia Dukakis, Jennifer KyddTara Nicodemo
Genre: Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

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Nach einer Lesung bleibt die Schriftstellerin Tess Thorne während der Heimfahrt aufgrund einer Reifenpanne in einer verlassenen Gegend mit dem Auto liegen. Ein riesiger, aber sehr freundlicher Mann hilft ihr und bietet an, den Reifen zu wechseln. Doch noch bevor er sich an die Arbeit macht, bedrängt er Tess und ist alles andere als nett zu ihr.  Tess überlebt den Angriff und findet zurück ins Leben. Doch sie kann das Geschehen nicht vergessen und entschließt sich eines Tages, sich auf die Suche nach dem großen Mann zu machen, der ihr das angetan hat.

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Die Geschichte beginnt, King typisch, ruhig und eher harmlos. Das Grauen schleicht sich aus einer, wenngleich unerfreulichen, Alltagssituation in das Leben der Schriftstellerin. Die Überschreitung dieser Grenze wurde von Regisseur Mikael Salomon (dessen Filme „Hard Rain“ und das Remake „Andromeda“ den meisten bekannt sein dürften) hervorragend in Szene gesetzt. Man spürt das Knistern zwischen den beiden Protagonisten, erlebt das Umschwenken von Freundlichkeit in Bedrohung so hautnah, das es einem selbst als Zuschauer Angst einjagt. Dazu kommt neben der intensiven Inszenierung die unglaublich gute Schauspielleistungen von Maria Bello und Will Harris. Das Agieren der beiden passt so perfekt zusammen, dass es unglaublich authentisch wirkt, wenn der riesige Mann die Frau bedroht. Die Szenen, die dann folgen, sind hart und strapazieren die Nerven, wirken aber niemals übertrieben gewalttätig, sondern einfach nur real.

Trotz diesem harten und teilweise auch brutalen Einstieg wird die Geschichte im weiteren Verlauf in einem sehr ruhigen Ton erzählt, der eine wahnsinnig gute Atmosphäre aufkommen lässt. Die Schauspielleistung von Maria Bello ist beeindruckend und in Verbindung mit der besonnenen und stillen Inszenierung sehr emotional. Ich war absolut gebannt von den Ereignissen und Wendungen und fieberte mit der Protagonistin in jeder Sekunde mit. Alleine ihre Wandlung/Darstellung von einer hilflosen Frau in eine toughe „Kriegerin“ ist sehr glaubwürdig und intensiv.
Überhaupt sind die Charaktere King typisch und wurden allesamt sehr gut umgesetzt. Ein Wiedersehen mit der Rocksängerin und Gitarristin Joan Jett („I Love Rock ’n‘ Roll“ dürfte wohl jeder kennen), die ihre größten Erfolge in den 80er Jahren feierte, und mit der Golden Globe- und Oscargewinnerin Olympia Dukakis („Mondsüchtig“) runden das gelungene Filmerlebnis noch ab.

Man merkt dem Film in keiner Minute an, dass er fürs Fernsehen produziert wurde. Regisseur Mikael Salomon überzeugt mit stimmungsvollen Bildern und einer konsequent durchdachten Linie, als hätte er fürs große Kino gedreht. Ein wenig erinnert „Big Driver“ an den Rape & Revenge-Thriller „I Spit On Your Grave“, nur dass hier einfach mehr Menschlichkeit und Emotionen hinter dem Rachefeldzug stecken. „Big Driver“ enthält bedeutend mehr Seele als ein einfacher Slasher- und/oder Splatterfilm in dieser Art. Genre-Fans, die hier einen ähnlichen Film erwarten, könnten unter Umständen sogar enttäuscht sein. Fast schon auf melancholische Art und Weise erzählt Mikael Salomon die Geschichte einer zutiefst verletzten Frau, die sich erst später zu wehren beginnt. Auch wenn „Big Driver“ nicht zwingend etwas Neues in der Krimi- , Thriller- und Stephen King Verfilmungswelt bietet, so ist er für mich dennoch eine der besseren Adaptionen Kings (die von Frank Darabon inszenierten einmal ausgenommen, denn die sind unschlagbar spitzenmäßig) und spricht ein Publikum an, dass eine intelligente, emotionale Handlung mag, die von einem sehr fähigen Regisseur und grandiosen Schauspielern umgesetzt wurde. Wer sich für die Kurzgeschichte interessiert, die Vorlage für diesen Film war, sollte sich das Buch „Zwischen Nacht und Dunkel“ zulegen, das in Deutschland im Jahr 2010 erschien. Die zweite Geschichte dieser Kurzgeschichtensammlung ist „Big Driver“.

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Fazit: Atmosphärischer Thriller, der mehr Wert auf Emotionen als auf blutige Effekte legt. Ganz klarer Geheimtip für echte King-Fans.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Ich seh Ich seh (2014)

Originaltitel: Ich seh Ich seh
Regie: Veronika Franz, Severin Fiala
Drehbuch: Veronika Franz, Severin Fiala
Kamera: Martin Gschlacht
Musik: Olga Neuwirth
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Susanne Wuest, Elias Schwarz, Lukas Schwarz
Genre: Drama, Thriller, Horror
Produktionsland: Österreich
FSK: ab 16 Jahre

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Nach einem Unfall kehrt die Mutter der Zwillinge Lukas und Elias ins elterliche Haus zurück. Doch noch am Tag der Ankunft verhält sich die Mutter in den Augen der beiden Jungen anders als sonst. Vor allem Elias bekommt immer mehr Zweifel, ob es sich tatsächlich noch um die echte Mutter handelt. Ist es eine fremde Frau, die sich in das Familienleben der Zwillinge einmischt?

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„Ich seh Ich seh“ ist ein österreichisches Psychothriller-Drama, das es in sich hat. Verträumt wird der Zuschauer in die Welt der Zwillinge Lukas und Elias eingeführt, die ein anscheinend ruhiges und ihrem Alter entsprechend abenteuerliches Leben führen. Doch die Idylle trügt, als die Mutter nach einem Unfall aus dem Krankenhaus zurück ins Haus kommt. Ihr ganzes Gesicht ist verbunden und lässt sie wie ein unheimliches Monster aussehen. Zusätzlich scheint sie sich durch den Unfall verändert zu haben, denn sie unterdrückt ihre Gereiztheit gegenüber ihren Söhnen nicht, sondern verhält sich aggressiv und wirkt oftmals bedrohlich. Es ist Horror, der da gezeigt wird, aber kein Horror im Sinne von Geistern, Dämonen und blutspritzenden Gewaltorgien, sondern Horror im wahrsten Sinne des Wortes. So schockierend kann das Leben sein, so erschreckend tiefgründig die menschliche Psyche. Es dauert eine Weile, bis man sich in der Welt der Zwillinge und der veränderten Mutter zurechtfindet. Aber hat es einen erst mal gepackt, lässt es einen nicht mehr los.

Die zweite Hälfte hätte durchaus ein älterer Film von Michael Haneke sein können, denn zu stark sind die schockierenden Parallelen in der Inszenierung. „Ich seh Ich seh“ kann sich ohne weiteres in österreichische Psychoschocker wie „Funny Games“ oder „Bennys Video“ (beide vom oben erwähnten Michael Haneke inszeniert) einreihen. Das ist atemberaubend, mit welch einfachen, minimalistischen Stilmitteln ein derartig intensives Drama entstehen kann. Atmosphärisch dicht, handlungstechnisch und dramaturgisch perfekt inszeniert, entführt der Film in eine Welt, die einem Angst macht. Fürchterliche Angst, denn wie in dem beeindruckenden „The Living And The Dead“ ist der „Übeltäter“ genaugenommen nicht schuldig, sondern bedauernswert. Man weiß nicht, was man davon halten soll, fühlt sich unbehaglich, schockiert und hilflos.
Veronika Franz und Severin Fiala brauchen nicht viel Blut, um den Zuschauer im wahrsten Sinne des Wortes zu schockieren. Und wenn man am Ende die Auflösung erfährt, möchte man vor Mitleid und Anteilnahme fast weinen, obwohl einem der Schrecken noch immer in den Knochen steckt.

Schauspielerisch können sowohl die Zwillinge, die sich im Grunde genommen selbst verkörpern, als auch Susanne Wuest als Mutter absolut überzeugen. „Ich seh Ich seh“ ist ein Kunst- und Schauspielerfilm, ein Kammerspiel des Schreckens, das uns die Psyche eines Unschuldigen verdeutlicht, der nichts gegen seine Krankheit unternehmen kann. Das leicht unprofessionelle, teils emotionslose Agieren der beiden Jungen trifft den Zuschauer, macht den Film authentisch, den man vergisst schon nach wenigen Augenblicken, dass man Schauspielern zusieht. Fast wirkt die Inszenierung wie eine Dokumentation mit Laiendarstellern, die dadurch umso schockierender auf mich wirkte. Ich finde, dass die Gebrüder Schwarz eine tolle Show abgegeben haben. Sie wirken, im Gegensatz zu dem nervigen Jungen in „Der Babadook“, einfach echt und unverfälscht.

Weitgehend wird auf Dialoge verzichtet. Erzählt wird mit Bildern und Handlungen, wodurch das gesprochene Wort, wenn es denn einmal eingesetzt wird, unheimlich und irreal wirkt. Auch der österreichische Dialekt, den übrigens wirklich jeder verstehen kann, vermittelt eine unglaubliche authentische und außergewöhnliche Stimmung. Wie schon oben erwähnt: „Ich seh Ich seh“ ist kein Horrorfilm fürs breite Publikum. Solche Zuschauer werden vergebens auf mainstreamtaugliche Schock- und Bluteffekte warten, denn die kommen nicht.  Veronika Franz‘ und Severin Fialas Drama geht tiefer als schlichter Geisterhorror. Die hervorragende Kameraführung und die passende Örtlichkeit tun das ihrige dazu, um „Ich seh Ich seh“ zu einem nachhaltigen Filmerlebnis zu machen. Dieser Thriller verlangt absolute Aufmerksamkeit und ist absolut nicht für einen Kinoabend mit Popcorn geeignet. Wer es schafft, sich in diese irreal wirkende Welt fallen zu lassen, der wird in einen unentrinnbaren Strudel des Schreckens gesogen.

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Fazit: Horror aus dem wahren Leben. Schockierend und nachhaltig beeindruckend.

© 2017 Wolfgang Brunner

Couchsurfers (2015)

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Originaltitel: Couchsurfers
Regie: Julian Schöneich
Drehbuch: Julian Schöneich
Kamera: Henri Schierk, Julian Harenberg
Musik: Alexander Paprotny
Laufzeit: 16 Minuten
Darsteller: Alexander Bornhütter, Natasha Manzungu, Samira Calder, Iskander Madjitov, Sandra Malek, Philip Görres, Anni Sultany, Claus-Peter Rathjen, Johannes Neinens
Genre: Thriller, Horror, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahren

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Brenda (Natasha Manzungu) und Sam (Samira Calder) wollen sich für ein Wochenende Hamburg ansehen. Sie wollen Sightseeing und Party. Als Unterkunft wollen sie das kostenlose „Couchsurfing“ nutzen. Sie lenern Max (Alexander Bornhütter) kennen, der sehr zuvorkommend und freundlich ist, und ihnen ein Zimmer zur Verfügung stellt. Doch ist max wirklich der, der er vorgibt, zu sein?

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Schon „Roulette – A Game Of Chance“ von Julian Schöneich hat mich total begeistert. Nach „St. Pauli Zoo“ (einem Dokumentarfilm, den ich leider noch nicht gesehen habe, der aber auch noch auf der To-Do-Liste steht) folgt nun der erste von drei Kurzfilmen, der eine „Death On Demand“ betitelte Trilogie einleitet.
„Couchsurfers“ kommt schon von Beginn an richtig gut und authentisch. Die beiden Hauptdarstellerinnen spielen sehr natürlich, aber dennoch auf absolut hohem Niveau. Dadurch erreichen sie eine tolle Gratwanderung zwischen realistischem Amateurfilm (hier absolut nicht negativ gemeint) und professionellem Agieren. Das gibt gleich zu Beginn schon eine sehr tolle Atmosphäre, die so richtig glaubwürdig wirkt. Wenn dann auch noch Alexander Bornhütter als Max ins Spiel kommt, ist die sympathische Dreierkombi perfekt.
Gerade die erste Hälfte des leider viel zu kurz geratenen Films bringt eine wunderbare, harmonische Stimmung zustande, die den Zuschauer in Sicherheit wiegt und ihn glauben lässt, dass es gar nicht so schlimm kommen kann, wie man ursprünglich dachte, denn man wusste ja irgendwie, dass man sich auf eine Mischung aus Thriller und Splatter-Horror einlassen würde. Aber, wie gesagt, durch den harmonisch wirkenden Einstieg in die Geschichte täuscht Regisseur Schöneich den Zuschauer.

Und dann plötzlich geschieht aus heiterem Himmel das, was man insgeheim doch irgendwie die ganze Zeit wusste. Das mag auf den ersten Blick vorhersehbar wirken und ist es auch im Grunde genommen. Dennoch kann Schöneich mit seiner Inszenierung überraschen, weil er einen die drohende Gefahr, wie oben beschrieben, erst einmal vergessen lässt. Aber das aus dem schönen Hamburg-Aufenthalt für die beiden weiblichen Couchsurferinnen ein Alptraum wird, ist noch längst nicht das Ende der (Kurz-)Geschichte. Tatsächlich schafft es das Team von „Couchsurfers“ sowohl auf inszenatorische wie auch schauspielerische Weise, dem Plot eine derart unerwartete Wendung zu geben, dass man erst denkt, man hat irgendwas verpasst oder wird auf den Arm genommen.
Das Blatt wendet sich so abrupt, dass man erst einmal realisieren muss, was man da vorgesetzt bekommt. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Vor allem Bornhütters Agieren in diesen Szenen verursacht einem im Nachhinein eine astreine Gänsehaut.

Julian Schöneich hat einen Kurzfilm auf hohem Niveau gedreht, der unterhält, packt und gleichzeitig zum Nachdenken über das Handeln im Internet anregt. „Couchsurfers“ schockiert nicht nur durch perfekt eingesetzte Bluteinlagen, sondern auch durch seine Geschichte. Genau diese Kombination ist es auch, die den ersten Teil der geplanten Kurzfilmtrilogie, im Gedächtnis haften lässt. Alexander Bornhütter war in seiner Rolle genial, weil er Sympatieträger und Verbrecher perfekt in einer Person darstellen konnte, ohne in einer davon unglaubwürdig zu sein. Natasha Manzungu und Samira Calder passten ebenfalls in ihre (Opfer-)Rollen, ohne jemals übertrieben zu wirken. Julian Schöneich hat, wie schon in „Roulette – A Game Of Chance“ Regie und Drehbuch übernommen und wieder ein sicheres Gespür für eine solide, professionelle Inszenierung gezeigt. Ich freue mich schon sehr auf die beiden fehlenden Teile der „Death On Demand“-Trilogie.

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Fazit: Ein Kurzfilm auf hohem schauspielerischen und inszenatorischen Niveau, der nicht nur durch seine Splattereinlagen zu schocken vermag. „Couchsurfers“ hinterlässt ein ungutes Gefühl in der Magengegend.

© 2017 Wolfgang Brunner

The Purge – Die Säuberung (2013)

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Originaltitel: The Purge
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Kamera: Jacques Jouffret
Musik: Nathan Whitehead
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Ethan Hawke, Lena Headey, Max Burkholder, Adelaide Kane, Edwin Hodge, Tony Oller, Rhys Wakefield, Arija Bareikis, Tom Yi, Chris Mulkey
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Um die hohe Verbrechensrate in den Griff zu bekommen, greift die amerikanische Regierung zu einer radikalen Maßnahme: Einmal im Jahr sind für 12 Stunden sämtliche Verbrechen, einschließlich Mord, erlaubt. Jeder kann sich seinen bestialischen „Gelüsten“ hingeben und Rache an Menschen nehmen, die ihn stören. Wie viele andere Familien schließen sich die Sandines in ihrem Haus ein und wollen einfach nur diese „Nacht der Säuberung“ überleben. Als der Sohn allerdings einen Flüchtenden ins Haus lässt, um ihm zu helfen, gerät die Familie ins Visier der Verfolger. Die Ereignisse geraten immer mehr außer Kontrolle …

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„The Purge“ wirkte schon nach wenigen Minuten wie ein Film von John Carpenter auf mich. Das Ausgangsszenario erinnerte mich an „Die Klapperschlange“, die Verschanzung im Haus an „Assault On Precinct 13“. Die an sich absurde Idee, der Bevölkerung 12 Stunden Narrenfreiheit zu schenken, um Mord und Totschlag zu begehen, wird so gut eingeführt und erläutert, dass sie letztendlich doch gar nicht so verrückt erscheint, wie es eigentlich sollte. Aber selbst wenn es jemand unglaubwürdig empfinden würde, wäre er schon bald in dem megaspannenden Plot, den uns Regisseur und Drehbuchautor James DeMonaco beschert, gefangen.
Mit einer unglaublichen Intensität und richtig guten, überraschenden Wendungen, lässt DeMonaco, der übrigens auch das Originaldrehbuch von John Carpenter zum Remake von „Assault On Precinct 13“  im Jahr 2002 bearbeitet hat, den Zuschauer mitfiebern.

An manchen Stellen steigert sich die Spannung fast schon ins Unerträgliche, bevor sie mit einer Wendung wieder überrascht und die Zeit vergessen lässt. Ethan Hawke stellt den Familienvater sehr gut dar und auch seine Unentschlossenheit, was zu tun ist, nimmt man ihm in jeder Sekunde ab.  Es ist ein Worst-Case-Szenario, in das uns DeMonaco wirft. Und das mit einer solch radikalen Wucht, dass man Angst beim Zusehen bekommt, denn die Bedrohung hat der Regisseur meisterhaft eingefangen und spürbar gemacht. Oftmals fühlt man sich an die obengenannten Carpenter-Filme erinnert, aber auch an William Lustigs „Streetfighters“, „Panic Room“ oder „Uhrwerk Orange“. Dennoch wirkte dieses Survival-Drama auf mich niemals kopiert. Rasant und kurzweilig vergehen 85 Minuten voller dramatischer und ideenreicher Spannung. Und nebenbei bekommt man eine Botschaft „untergejubelt“, über die man unweigerlich nachdenkt.

DeMonacos Thriller funktioniert sowohl in seiner Inszenierung wie auch auf schauspielerischer Ebene. Sämtliche Akteure können überzeugen und fügen sich perfekt in die Story ein. „The Purge“ bleibt im Kopf des Zuschauers haften, egal, ob man diesen Film mag oder eben nicht. Die Kettenreaktion, die durch einen kleinen Zwischenfall ausgelöst wird, ist einfach nur genial. So manch geschilderte Pattsituation lässt einen noch die nächsten Tage über den Film nachdenken. Und auch wenn viele das Ende nicht so gut fanden, ich empfand es als sehr befriedigend und dennoch offen. Mich hat dieser Hausterror bestens unterhalten und ich freue mich schon auf die nächsten Teile, denn ein Fan der Grundidee bin ich durch den ersten Teil geworden.

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Fazit: Spannend und teilweise emotional aufwühlend. Ein Thriller-Drama, das man nicht so schnell vergisst.

© 2017 Wolfgang Brunner

Dogma Dogma (2015)

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Originaltitel: Dogma Dogma
Regie: Marco Romagnoli
Drehbuch: Marco Romagnoli
Kamera: Marco Romagnoli
Musik: Dufsen
Laufzeit: 18 Minuten
Darsteller: Omid Tabari, Emre Kubat, Jesse Albert , Nikolaus Benda, Daniel Müller, Moloch
Genre: Thriller, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Zwei Türken belästigen auf offener Straße eine Frau. Zwei Deutsche geben sich als Polizisten aus und „verhaften“ die beiden Ausländer. Schnell stellt sich aber heraus, dass sie einen Hass auf Ausländer haben und an ihnen ein Exempel statuieren wollen. Sie bringen ihre Opfer in eine Autowerkstatt, wo sie klarmachen, was sie von Ausländern, Migranten und Flüchtlingen halten.

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Der Kölner Regisseur Romagnoli weiß, wie man die Gefühle des Zuschauers schon in den ersten Einstellungen herauslockt. Als die beiden Türken eine ahnungslose Frau belästige, spürt man als Zuseher sofort, wie einem der Hals anschwillt. Zu gut kennt man diese Szenarien aus der Realität, obwohl es sich da oftmals auch um Deutsche und eben keine Ausländer handelt. Aber der Plot braucht diese Ausgangssituation, dieses Klischee der meisten Deutschen, dass alle Ausländer kein Benehmen haben und uns schaden wollen. Romagnoli packt den Zuschauer gnadenlos und lässt ihn erst einmal in die Rolle der angeblichen Polizisten schlüpfen. Unweigerlich identifiziert man sich nicht mit den Tätern, sondern mit den Rächern. Da ist dem Regisseur ein ganz geschickter Schachzug gelungen, in dem er den Zuseher in eine Rolle zwängt, die er ursprünglich vielleicht gar nicht annehmen möchte.

Doch Romagnoli ist noch nicht fertig mit seinen Charakterzeichnungen, die er erstaunlicherweise in einer knapp zwanzigminütigen Lauflänge äußerst detailliert ausarbeitet. Einer der beiden Türken zeigt so etwas wie Reue, während der andere an seinem Macho-Status festhält. Und nun kommen die „besorgten Bürger“ -wie sie im Abspann genannt werden- ins Spiel. Und plötzlich beginnt man als Zuschauer zu zweifeln, ob denn wirklich alle Ausländer so sind, wie dem Großteil der deutschen Bevölkerung immer weisgemacht wird. Schleichend wechselt man die Seiten, fühlt sich in einem Moment näher bei den Deutschen, im anderen aber empfindet man durchaus Empathie für die Opfer. Es ist ein Spiegel, den der Regisseur uns da vors Gesicht hält, mit dem er uns zeigen will, wie viele von uns Deutschen sind, aber nicht sein sollten.

Schauspielerisch gibt es nichts auszusetzen. Emre Kubat und Omid Tabari überzeugen absolut, genauso wie Jesse Albert, Daniel Müller, Nikolaus Benda und Moloch. Letzterer ist ausnahmsweise mal wieder nicht hinter einer Horrormaske verborgen und kann dadurch zeigen, dass er auch als „Mensch“ was kann. Es macht unglaublich Spaß -wenn man bei einer derartig bedrohlichen Atmosphäre überhaupt von Spaß reden kann- dem Ensemble zuzusehen.
Man merkt, dass alle mit hundert Prozent bei der Sache waren und alles mögliche gaben. Das Ergebnis kann sich definitiv sehen lassen.
Und Marco Romagnoli zeigt nicht nur als Regisseur Talent, sondern ist auch für die ansprechende Kameraarbeit zuständig.

Mit „Dogma Dogma“ ist Romagnoli ein spannender und bedrückender Kurzfilm gelungen, der ein Thema behandelt, dass es schon seit Jahrzehnten gibt und in letzter Zeit wieder aktueller denn je geworden ist: Ausländerfeindlichkeit in Deutschland.
Allerdings gelingt hier das Wunder, dass die Täter- und Opferrollen nicht klar dargestellt werden, sondern verwischen, so dass sich der Zuschauer unweigerlich noch weiter mit der Thematik befasst, nachdem der Film längst zu Ende ist. Ich fände es gar keine schlechte Idee, wenn dieser Film Pflichtprogramm an deutschen Schulen wäre. Er gäbe nämlich einen perfekten Ausgangspunkt für eine Diskussion ab, die unter Umständen zu Hause mit den Eltern weitergeführt werden könnte.

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Fazit: Nachdenklich stimmender Kurzfilm mit einer bedrückenden Atmosphäre, der das Thema „Ausländerfeindlichkeit“ sehr nachhaltig behandelt.

© 2017 Wolfgang Brunner

Gelosia – Vendetta D’amore (2016)

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Originaltitel: Gelosia – Vendetta D-Amore
Regie: Alberto Barone
Drehbuch: Alberto Barone
Kamera: Martin Rath
Musik: Antonio Verdone
Laufzeit: 26 Minuten
Darsteller: Milton Welsh, Manoush, Kristina Kostiv, Tara Rubin, Yve König, Alexa Unique, Lana Vegas
Genre: Horror, Thriller, Erotik, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Thomas ist sexbesessen und Alkoholiker. Als bei einem Autounfall seine Frau Heidi schwer im Gesicht verlwetzt wird und entstellt ist, findet Thomas sie nicht mehr attraktiv. Er betrinkt sich und sucht Ablenkung bei fremden Frauen, mit denen er seine Phantasien auslebt.
Doch wie lange macht Heidi dieses Spiel mit?

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Alberto Barones Filmdebüt ist eine wilde Mischung aus Beziehungsdrama, Erotikthriller, Softporno und Splatter. Ein gewagter Einstieg ins Filmgeschäft, möchte man meinen. Aber Barone zeigt, dass er erzählen kann. Vor allem sein Gespür, das Ganze trotz „nackter Tatsachen“ in einen nicht rein trashigen Film abfallen zu lassen, hat mich schon sehr angesprochen. Barone zeigt zwar viel Haut, verpackt es aber in ein glaubwürdiges und vor allem authentisches Szenario.  Doch vielleicht erst einmal von  Anfang an. 😉

Der Einstieg in den knapp halbstündigen Film ist hervorragend gelungen und vermittelt bereits hier ein recht stylisch anmutendes Intro. In Verbindung mit der (übrigens ziemlich guten und passenden) Musik wird man durch geschickt eingesetzte Filmschnitte sofort in die Handlung geworfen. Das funktioniert ziemlich gut und lässt durch diesen künstlerisch wirkenden Anfang die nachfolgenden Nackt- und Erotikszenen in einem ganz anderen Licht erscheinen. Auch das fand ich persönlich sehr clever inszeniert.

Hauptdarsteller Milton Welsh („German Angst“, „Conan (2011)“ oder „The Grand Budapest Hotel“) ist für die Rolle des alkoholkranken und sexgierigen Thomas absolut passend gewählt und agiert sehr überzeugend. Seine anfängliche Geilheit und das danach folgende schlechte Gewissen werden so richtig realitätsnah gezeigt, so dass man seine Zerrissenheit wegen seiner „Taten“ absolut nachvollziehen kann. Welsh zeigt Mut in seiner Rolle und meistert sein Zusammenspiel mit einer Domina, gespielt von Alexa van Unique („Wedding Party Teaser“), einer Nonne, Tara Rubin aus „The Curse of Doctor Wolffenstein“ oder Pornostar Lana Vegas (Beate Uhse TV) sehr gekonnt.
Aber es werden nicht nur reine Sexszenen gezeigt, sondern auch sehr schöne Augenblicke voller Erotik. In einer solchen Szene kann sich Kristina Kostiv (ebenfalls in „German Angst“ zu sehen) beweisen. Dieser erotische Akt wird nämlich nicht nur angedeutet, sondern sehr ausführlich, und somit eben auch sehr realitätsnah, inszeniert.  Regisseur Barone ist eine wirklich schöne Gratwanderung gelungen, die in der kurzen Laufzeit des Films dennoch seine Wirkung entfalten kann. Manoush, die mit „Gelosia“ ihren sechzigsten (!!!) Filmauftritt absolviert, hat mir in ihrer Rolle auch sehr gut gefallen. Überhaupt hat man bei diesem Projekt ein gutes Händchen fürs Castging bewiesen.

Aber es gibt nicht nur nackte Haut und Sex in Barones Debütfilm zu sehen. Der Zuschauer wird auch mit einer fetten, blutigen Splattereinlage belohnt, die von keinem Geringeren als Philipp Rathgeber (u.a. „Paranormal Demons“ und „Scars Of Xavier“) entworfen wurde. Da kommt dann auch diese Mischung aus Sex und Gewalt im Finale sehr gut zum Tragen. So manches Mal habe ich mich ein wenig an die älteren Filme von Jörg Buttgereit erinnert gefühlt.
Die knapp dreißig Minuten vergehen wie im Flug und man hätte gut und gerne noch länger zusehen können. und dennoch hinterlässt „Gelosia“ erstaunlicherweise am Ende nicht den Eindruck, man hätte einen Kurzfilm gesehen. Ich kann nicht einmal genau erklären, woran es liegt, aber im Gedächtnis bleibt eher ein Langfilm haften. Alleine durch diese Tatsache darf der Regisseur stolz auf sich sein, denn außer den gezeigten Bildern hat er wohl noch (zumindest bei mir) eine Art Kopfkino ausgelöst, dass dem Film eine längere Spieldauer verschafft hat. 🙂

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Fazit: Geschickt inszenierte Mischung aus Sex-, Erotik- und Horrorthriller. Alberto Barone ist ein kleiner (S)Exploitationfilm gelungen, der auf allen Ebenen funktioniert.

© 2017 Wolfgang Brunner

Interview mit dem Regisseur Kai E. Bogatzki

14203678_1382614105086734_2064200911_o© Sascha S. Goldbach (itWaits Art)

Kai E. Bogatzki wurde am 22.07.1986 in Augsburg geboren. Schon als Kind hat er erste „Filme“ im Kinderzimmer mit Jurassic Park Spielzeug gedreht.
2007 – 2009 studierte er Digital Film & 3D Animation am SAE Institute in Köln, wo auch ein paar Musikvideos und sein Kurzfilm „Unter der Oberfläche“ entstand.
Danach arbeitete er als Cutter für „Infomercials“ und „Werbe und Imagefilme“ in Essen. In dieser Zeit entstand sein Kurzfilm „Liebe“.
Seit Juni 2015 ist Bogatzki als Cutter und Filmemacher selbstständig. Er übernahm den Schnitt in vielen Filmen von u.a Marcel Walz und Timo Rose.

1. Bevor wir auf Deinen neuen Film „Scars Of Xavier“ zu sprechen kommen, muss ich eines wissen 😉 :
Wie kam es dazu, dass Du Cutter und Regisseur wurdest? Wen würdest Du als „Initialzünder“ bezeichnen?

Wie kam es dazu?… Hmm … Gute Frage … irgendwie war „Film“ schon immer ein wesentlicher Bestandteil von mir. Ich hatte, anders als viele damalige Klassenkameraden in der Grundschule, schon sehr früh meinen ersten eigenen Videorekorder, mit dem ich Filme (Batman, Der weiße Hai, Halloween etc.) vom TV Programm aufgenommen und mir immer und immer wieder angesehen habe. Mein Vater hat mich damals sehr oft geweckt, wenn abends Horrorfilme im TV liefen (Omen, The Fog). Er war es auch, der mir „Zombie – Dawn of the Dead“ gezeigt hat (für mich immer noch der beste Zombiefilm, den es gibt). Zudem habe ich auch schon immer VHS (später dann DVDs, BluRays) gesammelt, eigene Geschichten geschrieben, was sich dann irgendwann in das Schreiben von „Drehbüchern“ gewandelt hat. Irgendwann flatterte dann die erste Videokamera ins Haus und der Rest ist Geschichte, haha.

2. Dein erster Langfilm „Scars Of Xavier“ ist das Porträt eines brutalen Serienkillers. Wo und wie fand diese Idee ihren Ursprung?

Wie das so ist, hatte ich natürlich schon ewig mehrere Ideen für meinen ersten Langfilm. Oft ist es an der Finanzierung gescheitert.

Ich war und bin schon immer sehr interessiert an Serienkillern, bzw. Serienkillerthemen, egal ob fiktiv (Dexter, Hannibal, Sieben etc.) oder real (Jeffrey Dahmer, Ed Gein etc.). Deshalb war es schon irgendwie immer klar, dass ich früher oder später etwas mit einem Serienkiller drehen will.

Lange vor „Scars Of Xavier“ hatte ich die Idee für eine Webserie, die ich auch beinahe gemacht hätte (Casting etc. lief schon). Dabei sollte es auch um einen Serienkiller gehen, der, ähnlich wie in „Dexter“, sehr schwarzhumorig gewesen wäre. Die Idee habe ich dann aber irgendwann verworfen, weil ich keinen „lustigen“ Killer wollte. Irgendwann ist dann der Gedanke für einen düsteren, dreckigen und ernsten Killer geboren worden und so nach und nach kamen die Ideen wie der Film aussehen soll, wo er spielt und und und …


3. Was stand bei der Entwicklung der Geschichte für dich im Vordergrund – die brutale Vorgehensweise eines Killers oder die Auseinandersetzung mit einem unserer psychopathischen Kranken, der eventuell Opfer unserer heutigen Gesellschaft ist?


Wichtig war mir vor allem die Figur Xavier. Der Film dreht sich zu 90% um Xavier und somit war für mich klar, dass diese Figur sehr gut ausgearbeitet werden muss. Zudem war mir auch eine düstere und bedrückende Atmosphäre wichtig und die Wahl der Locations. Zuerst war ja angedacht, dass der Film in Deutschland spielt und auch auf deutsch hätte gedreht werden sollen. Allerdings habe ich mich dann irgendwann dazu entschieden, dass wir den Film auf englisch drehen MÜSSEN, einfach aus dem Grund, dass man damit definitiv mehr Leute erreicht (Festivals, Verkauf etc.) Dann stellte sich direkt die Frage, wenn wir auf englisch drehen, wo spielt der Film? Amerika könnte man hier nie im Leben faken, also mussten wir in Europa bleiben. Irgendwie fiel dann die Wahl auf Prag. Die Stadt bringt für uns Westeuropäer, finde ich, direkt eine „schmuddelige“ Atmosphäre rüber (dabei ist Prag so wunderschön). Aber ein Unwohlsein bringt das ganze Östliche für uns ja schon mit irgendwie (und nicht erst seit „Hostel“).

Somit sind wir dann für paar Tage nach Prag gefahren und haben dort viele Außenaufnahmen an original Schauplätzen, welche u.a. bereits für den ersten „Mission: Impossible“ hergehalten haben, was mir allerdings erst jetzt vor ein paar Tagen bewusst aufgefallen ist, nach dem ich mir den Film mal wieder angeguckt habe. Da ging mir doch ein breites Grinsen übers Gesicht, als ich gesehen habe, dass Tom Cruise und Jon Voight an denselben Locations zu sehen sind, wie unsere SchauspielerInnen dann auch bei „Scars Of Xavier“.

Trotzdem war es natürlich auch wichtig, dass, wenn man einen Film über einen Serienkiller dreht, man natürlich auch sein blutiges Handwerk zeigen muss, denn das wollen die Leute ja auch sehen. Somit haben wir eine Reihe von coolen, mehr oder weniger blutigen/brutalen Kills im Film, welche oftmals noch mal eine Schippe zu den vorherhigen drauflegen werden. Für die Effekte konnten wir Philipp Rathgeber gewinnen, der einen wirklich großartigen Job gemacht hat. Seine Effekte sind der absolute Knaller. Ganz besonders von einem war ich hellauf begeistert, weil er das so krass hinbekommen hat. Was verrate ich an der Stelle natürlich nicht  🙂


4. Welche Bedeutung hat dieser Film für dich persönlich?

Für mich (und ich denke, da spreche ich für alle Beteiligten) ist der Film ein absolutes Herzensprojekt geworden. Das Team war immer mit 200% jeden Tag, egal wie lang der Drehtag vorher war, dabei und hat wirklich ALLES gegeben, um den Film umzusetzen. An dieser Stelle noch mal vielen Dank an mein großartiges Team, ohne das ich den Film niemals hätte umsetzen können. Ganz davon abgesehen ist „Scars of Xavier“ mein erster eigener Spielfilm, was, denke ich für jeden, der einen Film dreht, automatisch was ganz besonderes ist. Der Film begleitet mich jetzt schon, mal mehr, mal weniger, seit über 1 ½ Jahren und es werden noch locker ein bis zwei Jahre dazukommen. Deshalb hat das ganze Projekt einen verdammt hohen Stellenwert für mich und ich werde mein bestes geben, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Zudem auch noch ein ganz großer Dank an Sascha S. Goldbach, der als Hauptproduzent tätig ist und mir vollstes Vertrauen in meine kreative Arbeit schenkt, und an die Co-Produzenten Walther Olligschläger und Jörg Lindner, die ebenfalls dazu beigetragen haben, dass ich den Film machen kann. Und ein Dank auch noch an meinen guten Freund Daniele Rizzo (mit dem ich bereits mehrfach zusammengearbeitet habe und der auch einen kleinen Cameo-Auftritt in „Scars of Xavier“ haben wird), der ebenfalls einen ganz großen Beitrag für mich und meinen Film geleistet hat!! Zudem habe ich auch noch selber einiges an Geld in den Film gesteckt (somit also auch noch Mitproduzent), deshalb hoffe ich umso mehr, dass sich die ganze Mühe, Liebe und natürlich der Geldeinsatz lohnen und auszahlen werden.


5. Wie konntest Du Marc Engel für die Hauptrolle gewinnen und wie empfandest du die Zusammenarbeit mit ihm?


Das war ganz einfach. Ich hab ihn während oder nach dem Schnitt für REEPERBAHN irgendwann mal angeschrieben, weil mir seine „Fresse“ zugesagt hat und ich ihn direkt als Serienkiller in meinem Film sah, ohne dass es bisher ein Gerüst für die Story etc. gab.

Die Zusammenarbeit mit Marc, und damit breche ich ENDLICH auch einmal öffentlich eine Lanze für ihn, war der absolute Hammer! Ich habe noch nie jemandem erlebt, der sich so extrem für eine Rolle vorbereitet hat und bereit war, alles für diese Rolle zu opfern. Dieser verrückte Kerl hat für „Scars Of Xavier“, nachdem klar war, dass Xavier ein eher dürrer Typ ist, 10kg innerhalb kürzester Zeit abgenommen.

Zudem stehe ich seit der ersten Anfrage an Marc täglich mit ihm in Kontakt, wir schicken uns Ideen und Voicemails hin und her (auch jetzt gerade, während ich das Interview beantworte) und er hat auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass der Film so ist, wie er letztendlich geworden ist. Wir haben uns ständig die Bälle hin und her geschoben, Ideen ausgetauscht und und und … Ich habe ihn direkt von Anfang an sehr stark in den kreativen Prozess involviert und als er dann irgendwann die erste Fassung vom Drehbuch bekommen hat, musste er während des Lesens öfters unterbrechen und mir eine Voicemail schicken, wie geil doch das Buch ist und dass er gerada eine Mega-Gänsehaut hat  🙂

Im Gegensatz zu ein/zwei Darstellern meiner früheren Kurzfilme, zählt Marc definitiv zu den Leuten, mit denen ich immer wieder arbeiten möchte 🙂

Zudem hat Marc auf jegliche Gage verzichtet, weil er „Scars Of Xavier“ vom ersten Moment an eingeatmet und gelebt hat. Somit hat den Film sogar noch mitproduziert.


6. Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten zu „Scars Of Xavier“?

Ich glaube, mit die größte Herausforderung war die Ausstattung des Filmes. Es war klar, dass Xavier eine Wohnung braucht. Woher also eine Wohnung nehmen, die man auch noch nach den eigenen Wünschen gestalten kann? Passenderweise stand eine kleine Zweizimmer-Wohnung in meinem Haus, sogar auf derselben Etage, auf der sich meine Wohnung befindet, frei. Ich habe meine Vermieter gefragt, ob ich die Wohnung für ein paar Wochen als Drehkulisse nutzen darf, und habe dann auch direkt eine Zusage bekommen.

Somit ging es dann ans Einrichten. Ich habe Möbel bei eBay-Kleinanzeigen gekauft, vom Sperrmüll mitgenommen und Tapeten gekauft, die ich dann ein paar Tage vor Drehbeginn mit meiner Freundin angebracht habe. Dann habe ich viele weitere kleine Details wie tschechische Kennzeichen, Arbeitskleidung mit tschechischer Aufschrift, Bierlabels etc. eingekauft, um die Illusion in den Szenen, die wir in Deutschland gedreht haben aufrecht zu erhalten, wir wären in Prag.

Die andere große Herausforderung war dann tatsächlich das Bewältigen des Crowdfundings, durch das wir unser fehlendes Restbudget wieder reinholen wollten. Knapp auf der Zielgeraden haben wir es dann auch noch geschafft.

Das war, glaube ich, das nervenaufreibendste des ganzen Filmes! Ich hoffe, ich kann bei zukünftigen Projekten auf Crowdfundings verzichten.

Vielen Dank noch mal an ALLE, die das Crowdfunding unterstützt und dafür gesorgt haben, dass es erfolgreich endete.


7. Was war die lustigste Begebenheit, die passierte?

Wir hatten eigentlich sehr viele lustige Momente am Set, angefangen damit, dass Marc sich fast jeden Tag eine neue Verletzung zugezogen hat und am Ende des ersten Drehblocks ein wahres Wrack war, bis hin, dass es fast jeden Drehtag ein „Lied des Tages“ gab, das das gesamte Team geträllert hat. Von „Radio Ga Ga“ von Queen bis hin zu irgendwas von den Backstreet Boys (übriogens toll gesungen von Marc und José) war, glaube ich, alles mal vertreten.

Eine Sache wird mir aber glaube ich für immer hinterherhängen. Und zwar befanden wir uns gerade mit zwei Autos auf dem Rückweg aus Prag. Nach über zwei Stunden Fahrt (wir waren bereits kurz vor Dresden) klingelte plötzlich mein Handy. Der Vermieter, bei dem wir ein Apartment in Prag angemietet hatten, rief mich an und sagte, wir hätten einen Rucksack bei ihm vergessen. Es stellte sich heraus, dass ich die Filmkamera in Prag vergessen hatte und dummerweise hatten wir am nächsten Tag breits den nächsten Dreh. Ich also auf den nächsten Rastplatz um die anderen (Marc, Sascha und meinen Kameramann Lucas) zu informieren. Die drei sind dann weiter nach Hause gefahren und meine Freundin Vanessa und ich sind nochmal zurück nach Prag, um die Kamera zu holen. Anstelle von geplant 22 Uhr waren wir beide dann erst um 3:30 Uhr endlich zu Hause. Gegen 8 uhr morgens klingelte dann für mich schon wieder der Wecker für den nächsten Drehtag.

8. Ich nenne ein Stichwort und Du gibst mir eine Antwort:

Kultfilm:
Halloween – Die Nacht des Grauens

Bester Filmschnitt aller Zeiten:
Puuuhh … schwer zu beantworten. Wüsste ich jetzt ehrlich gesagt nicht.

Steven Spielberg:
Fand ich mal cool

Mainstream:
Hätte ich nix dagegen, irgendwann da zu landen  🙂

9. Liebäugelst du bereits mit einer Fortsetzung von „Scars Of Xavier“ oder hast du schon andere Pläne, die du uns verraten kannst?

Eine Fortsetzung zu „Scars of Xavier“ wird es nicht geben (zumindest ist nix geplant).

Irgendwann in der Planung von „Scars of Xavier“ habe ich das Projekt zugunsten eines anderen Filmes (der dann mein erster Spielfilm, auch in Zusammenarbeit von Sascha und mir, geworden wäre) nach hinten geschoben. Allerdings hat es dann terminlich bei einem der Hauptdarsteller nicht gepasst, weswegen ich wieder geswitcht habe und den Film hinter „Scars Of Xavier“ gestellt habe. Ich denke also, den werde ich als nächstes realisieren. Oder aber vielleicht doch was ganz anderes, mal sehen. Ideen für zukünftige Filme sind auf jeden Fall mehr als genug vorhanden.


10. Was macht Kai E. Bogatzki privat? Welche Musik hörst Du, welche Filme siehst Du und welche Bücher liest Du?

Ich bin eigentlich ein sehr ruhiger Zeitgenosse. Ich verbringe viel meiner Freizeit mit meiner Freundin, gehe ins Kino oder gucke Filme zu Hause, genieße das Wetter (wenn es denn mal gut ist) und treffe mich mit Freunden.

Ich höre sehr gerne Metal(core), aber auch sehr oft Filmsoundtracks oder Musik anderer Genres. Bin da mittlerweile sehr offen für, wie ich finde, einfach gute Musik.

Ich gucke sehr Filme verschiedener Genres (bis auf Liebesfilme), bevorzuge aber natürlich das Thriller/Horrorgenre („Halloween“, „SAW“, „Sieben“ sind meine Lieblinge, um nur ein paar zu nennen) und bin ein unsterblicher BATMAN Fan.


11. Nenne die fünf für Dich wichtigsten Dinge im Leben?

Meine Freundin

Meine Eltern / Freunde

Kreativität

Essen

Freiheit / Immer irgendwo Kind bleiben


Film-Besprechungen bedankt sich bei Dir für die Antworten und hofft (und wartet) sehnsüchtig auf neue Filme von Dir.

Ich habe zu danken  🙂

© 2016 Wolfgang Brunner / Kai. E. Bogatzki