Galveston – Die Hölle ist ein Paradies (2018)

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Originaltitel: Galveston
Regie: Mélanie Laurent
Drehbuch: Jim Hammett
Kamera: Dagmar Weaver-Madsen
Musik: Marc Chouarain
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Ben Foster, Elle Fanning, Lili Reinhart, Adepero Oduye, Robert Aramayo, Maria Valverde, Beau Bridges
Genre: Drama, Thriller, Literatur
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Roy ist Profikiller und lebt irgendwie am Limit: Drogen und die Angst vor Lungenkrebs begleiten ihn durchs Leben. Für den in schmutzige Geschäfte verwickelten Stan  erledigt er so manch Drecksarbeit. Doch bei seinem letzten Auftrag geht einiges schief und er wird zur Flucht mit der jungen Prostituierten Rocky gezwungen,  die noch dazu ihre kleine Schwester mit hineinzieht. Ausgerechnet Roys Heimatstadt Galveston wird zum letzten Zufluchtsort für das ungleiche Trio, das von Stans Killern gejagt wird …

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Was für ein Film! Ohne jegliche Spezialeffekte, sondern nur mit atemberaubenden Schauspielerleistungen kann dieses Drama uneingeschränkt auftrumpfen. Es ist unglaublich, und aus meiner Sicht schon oscarreif, wie Ben Foster seine Rolle in diesem Drama meistert. Schon nach den ersten Minuten weiß man, was dieser Film bietet. Ein intensives Drama, dass einem wirklich den Atem nimmt. Ruhig und intensiv, aber dennoch mitreißend und voller Action. Es ist ein wirklich gelungener Genremix, den Mélanie Laurent nach einem Drehbuch von Jim Hammett in Szene gesetzt hat. Jim Hammet hat das Script nach seiner eigenen Romanvorlage (die er unter seinem richtigen Namen Nic Pizzolatto veröffentlicht hat) verfasst und dürfte den meisten Film- und Serienfanatikern durch seine Vorlage für „True Detectives“ bekannt sein.

„Galveston“ ist in erster Linie ein Roadmovie, in dem sich aber neben einer actionreichen, teilweise gewalttätigen Handlung auch ein Drama und eine sehr poetische und nachdenklich stimmende Liebesgeschichte verbirgt. Gerade letztere hat es mir persönlich angetan und mich sehr gefesselt und emotional berührt. Ein Hauch von „Lolita“ vermischt sich mit dem dramatischen Lebensabschnitt der beiden Protagonisten, die sich ihre Zuneigung nicht immer direkt zu verstehen geben. Genau das macht aber den Reiz jenes Aspekts dieses Films aus. Man fühlt und leidet mit den beiden, fühlt sich schlecht und glücklich gleichermaßen und beginnt immer wieder einen Hoffnungsschimmer inmitten all der sinnlosen Gewalt zu entdecken. „Galveston“ hätte gut und gerne auch aus der Feder von Larry Brown stammen können, der seinen Protagonisten ähnliche Steine in den Lebensweg legt. Die Lebensumstände erscheinen auch hier hoffnungslos, aber dennoch steckt der Plot seltsamerweise irgendwie doch voller Hoffnung. Es ist eine Gratwanderung, die sowohl schauspielerisch als auch inszenatorisch absolut gelungen ist.

 „Galveston“ ist, wenn man sich darauf einlässt beziehungsweise einlassen kann, ein unglaublich emotionaler Film, der noch lange im Gedächtnis haften bleibt. Der französischen Regisseurin Mélanie Laurent rechne ich hoch an, dass sie den Stoff konsequent ohne Hollywood-Touch inszeniert hat und schonungslos auf ein Ende hinarbeitet, mit dem der Durchschnittskinogänger mit Sicherheit nicht rechnet. Alleine aus diesem Grund, und natürlich den fulminanten Leistungen der Schauspieler – allen voran Ben Foster – ist „Galveston“ ein absolutes Muss für Filminteressierte. Diesen Film kann ich ohne Einschränkungen zu den Streifen zählen, die ich mir vierundzwanzig Stunden nach der Erstsichtung sofort wieder ansehen könnte. Energiegeladen und eindringlich, mit diesen beiden Wörtern lässt sich die Atmosphäre von „Galveston“ vielleicht am besten beschreiben. Der Spannungsbogen des Films entwickelt sich nach einem kurzen Intro, das der Beschreibung der Personen und der jeweiligen Situationen, in denen sie sich befinden, dient, zu einem Wirbelsturm aus den verschiedensten Emotionen. Bis hin zum dramatischen und ergreifenden Finale.
Dem Film wird immer wieder vorgeworfen, er vertiefe nicht genug die Charaktere, weswegen man ihnen nie genug nahekäme, um ihre Gefühle zu verstehen. Das kann ich definitiv nicht bestätigen. Beide Charaktere wuchsen mir ans Herz und ich konnte, gerade im letzten Drittel, die Liebe zwischen ihnen förmlich spüren. „Galveston“ ist für mich ein grandioser Film.

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Fazit: Roadmovie mit einer emotionaler Wucht, die zwischen den Bildern steckt.

© 2019 Wolfgang Brunner

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Das Haus der Vergessenen (1991)

Haus der Vergessenen Mediabook

Originaltitel: The People under The Stairs
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Wes Craven
Kamera: Sandi Sissel
Musik: Don Peake
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Brandon Adams, Everett McGill, Wendy Robie, A. J. Langer, Ving Rhames, Sean Whalen, Bill Cobbs
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Der 13-jährige Fool will seiner todkranken Mutter und der gesamten Familie helfen und sucht nach Möglichkeiten, zu Geld zu kommen. Zusammen mit LeRoy bricht er in ein Haus ein, in dem sich angeblich Gold befinden soll. Doch die Bewohner, ein psychopathisches Geschwisterpaar, entdecken die Eindringlinge und schotten das gesamte Haus ab, so dass es kein Entkommen für Fool und seinen Kumpel gibt. Während sie nach einem Ausweg suchen, entdecken sie seltsame Mitbewohner, die von den Geschwistern im Keller gefangen gehalten werden …

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Wes Cravens „Das Haus der Vergessenen“ ist ein vollkommen zu Unrecht unterschätzter Film, der inmitten von Erfolgen wie „Nightmare On Elm Street“ oder „Die Schlange im Regenbogen“ schlichtweg in Cravens Filmografie untergegangen ist. Vielleicht lag es daran, dass sich der Film trotz seiner sozialkritischen Aspekte nicht genau zwischen hartem Splatter und vollkommen überdrehter Horrorkomödie entscheiden konnte. Cravens Publikum hatte wahrscheinlich einen ernsteren Film erwartet und ließ sich dadurch nicht auf die schrägen Slapstick-Einlagen ein. „Das Haus der Vergessenen“, dessen Originaltitel „The People Under The Stairs“ aus meiner Sicht übrigens viel besser passt, wurde zu einem vergessenen, kleinen Meisterwerk des Kultregisseurs. Denn, wenn man sich auf die absurde Situationskomik dieses Films einlassen kann, wird man mit einem Feuerwerk an Unterhaltungskino belohnt. Sicherlich mag der ein oder andere Effekt das heutige Publikum nicht mehr aus den Socken hauen, aber im Zuge der Retrowelle könnte „Das Haus der Vergessenen“ doch wieder bestimmt bei einigen punkten.

Wes Craven hat, wie so oft in seinen Filmen (und wie unter anderem auch seine geschätzten Regiekollegen George A. Romero oder John Carpenter), auch hier eine Ausgangssituation erschaffen, die einen Pseudo-sozialkritischen Aspekt vorschiebt, um dann letztendlich in einem Horrorszenario zu enden. Doch bei „Das Haus der Vergessenen“ ging Craven einen Weg, wie ihn Peter Jackson einst auch bei seinem Kultfilm „Braindead“ einschlug, in dem er nämlich Horror- und Splatterelemente mit komödiantischen Einlagen vermischte. Man kann „Das Haus der Vergessenen“ eigentlich nicht ernst nehmen. Und man sollte es auch nicht tun, denn zuviel des Unterhaltungswertes gingen verloren, täte man es. 😉
Die hundert Minuten fliegen nur so dahin, was schon einmal unter die positiven Aspekte des Film fällt, und es macht unglaublich Spaß den Protagonisten zuzusehen. Da wären nämlich zum einen die psychopathischen Geschwister, dargestellt vom „Twin Peaks“-Ehepaar Everett McGill und Wendy Robie, die sich während der Handlung in skurrile Figuren verwandeln, die nicht mehr ernstgenommen werden können. Gegen Ende des Film haben sie sich von bedrohlichen Feinden in Karikaturen verwandelt, die aus einem „Tom und Jerry“-Comic entsprungen sein könnten. Daneben glänzt der junge Farbige Brandon Adams (den man übrigens aus Michael Jacksons „Moonwalker“ kennt) in einer sympathischen Hauptrolle, die an so manch einen Horrorfilm der „goldenen 80er Jahre“ erinnert, in denen Teenager die tragenden Rollen spielten. Die Musik von Don Peake unterstreicht diesen Eindruck zusätzlich.

Koch Media hat dieses Kleinod wieder aus der Versenkung geholt und in einem wunderschönen Mediabook  veröffentlicht, das dem Film absolut gerecht wird und ihn genau so behandelt, wie er schon die vergangenen Jahre hätte behandelt werden sollen. „Das Haus der Vergessenen“ ist sozusagen ein „Partyfilm“, ein spannender Zeitvertreib, bei dem man sich zwischendurch auch hervorragend amüsieren kann, wenn man Everett McGill zum Beispiel dabei zusieht, wie er in voller S/M-Ledermontur sein eigenes Haus zerballert und dabei hysterisch rumschreit. Diese Skurrilität ist es auch, die neben der noch immer (zumindest für mich) gelungenen Atmosphäre, diesen Film aus- und zu etwas Besonderem macht. Sicherlich ist „Das Haus der Vergessenen“ nicht Wes Cravens Meisterwerk, aber es ist auf alle Fälle innovativ und mutig, indem es nämlich damals durch seine schrägen Figuren und Charakterzeichnungen dem Horrorgenre neue Impulse gab.
Warum dieser Film allerdings über Jahrzehnte hinweg sogar indiziert war, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wie oben schon erwähnt, ist dieser Film einfach viel zu überdreht und überzogen inszeniert, als dass er jugendgefährdend sein könnte, zumal auch noch ein jugendlicher Held im Vordergrund steht. Für mich immer wieder sehenswert und in dieser perfekten Ausstattung, die dieses Mediabook bietet, sowieso.

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Fazit: Überdrehte Charaktere in einem atmosphärischen Horrorthriller. Seinerzeit innovative, aber leider missverstandene Perle eines Kultregisseurs.

© 2018 Wolfgang Brunner

Anon (2018)

Anon

Originaltitel: Anon
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Kamera: Amir Mokri
Musik: Christophe Beck
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Clive Owen, Amanda Seyfried, Colm Feore, Sonya Walger, Mark O’Brien, Joe Pingue, Iddo Goldberg
Genre: Science Fiction, Thriller
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
FSK: ab 12 Jahre

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In einer Welt, in der die Privatsphäre eines Menschen praktisch nicht mehr existiert, trifft Detektiv Sal Frieland auf eine Frau, die sich gegen diese Art von Gläsernheit schützen kann und sogar die Erinnerungen von Menschen manipulieren kann. Frieland will unbedingt ihre wahre Identität enträtseln …

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Schon nach den ersten Minuten merkt man, dass man einen neuen Film von Andrew Niccol sieht. Zu sehr erinnert das Set seiner dystopischen Zukunftsvision an den unglaublich guten „Gattaca“. Doch noch ein anderer Kultfilm fiel mir nach den ersten zehn Minuten immer wieder ein, als ich die betörend faszinierenden Bilder in Verbindung mit der sehr atmosphärischen Musik von Christophe Beck auf mich einwirken ließ: Ridley Scotts „Blade Runner“. Vielleicht lag es tatsächlich an den ruhigen Klavierklängen, die mich sehr oft an die elektrisierende Verfilmung von Phillip K. Dicks Kultroman denken ließen, es kann aber auch durchaus sein, dass die Kulissen und die ruhige Inszenierung daran schuld war, dass mir dieser Film immer wieder in den Sinn kam. „Anon“ kann zwar nicht mit „Blade Runner“ verglichen werden, aber die Atmosphäre kam den schon sehr nahe, zumal es sich auch hier um eine Mordermittlung in einer zukünftigen Welt handelte.

Andrew Niccol hat zudem noch eine faszinierende Mischung aus Film Noir und moderner Science Fiction-Mär geschaffen, in dem er nämlich eine High Tech-Welt mit „alten“ Kulissen miteinander verband. In der einen Sekunde sieht man modernste Computergrafiken und in der nächsten Oldtimer-Wagen, in denen kettenrauchende Ermittler sitzen. Gerade diese Gegensätze machen „Anon“ zu einem ganz besonderen Film, der nämlich zum einen wie eine Hommage an die alten Detektivfilme wirkt und zum anderen den technisch aktuellsten Stand der heutigen Zeit zeigt. Der Plot regt definitiv zum Nachdenken an, was die Entwicklung der Technik mit uns Menschen macht. Die Privatsphäre leidet schon jetzt in Zeiten der sozialen Netzwerke ungemein und wenn man genauer darüber nachdenkt, wird einem klar, dass Niccols Zukunftsvision fast schon zur Realität geworden ist. Der Film zeigt auf, wie es enden könnte, wenn Regierungen die Bürger immer mehr zu gläsernen Menschen machen.  „Anon“ ist beklemmend und beängstigend, bietet aber trotz seiner kritischen Momente auch gute, spannende und kurzweilige Unterhaltung. Er reiht sich aus meiner Sicht in beklemmende Zukunftsvisionen wie zum Beispiel „Her“ oder „I Origins“ ein und bleibt, zumindest bei mir, im Gedächtnis haften.

Schauspielerisch konnte Clive Owen absolut überzeugen, während Amanda Seyfried nicht immer glaubwürdig wirkte, was aber durchaus auch an ihrer Rolle liegen könnte. „Anon“ mag auf viele Zuseher lahm wirken, weil er sehr wenig Action bietet. Aber genau diese Art von Zukunftsvisionen ist es doch, die uns absolut glaubwürdig vor Augen hält, wie die Welt von Morgen aussehen könnte. Und „Anon“ ist nicht weit entfernt von diesem Szenario. Mit wirklich starken und stylischen Bildern nimmt uns der Regisseur absolut gefangen und lässt seine Vision noch eine Weile, nachdem der Film geendet hat, nachwirken. „Anon“ ist ein Film, der nicht für Blockbuster-Zuschauer gemacht ist, sondern sich an das ArtHouse-Publikum wendet. Niccols Film wirkt auf den ersten Blick steril und emotionslos, wenn man aber zwischen den Bildern genau hinsieht, entdeckt man jede Menge (verlorener) Gefühle. Zudem unterstreicht diese sterile Inszenierung die Ängste der Menschen, die fast keine Geheimnisse mehr für sich behalten können. Für mich war „Anon“ eine wirklich düstere Dystopie, die mich zum einen sehr gut unterhalten und zum anderen auch beschäftigt hat.
End of file …

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Fazit: Stylische Zukunftsvision, in der Privatsphäre nicht mehr existiert. Glaubhafte Mischung aus SF-Thriller und Film Noir.

© 2018 Wolfgang Brunner

Skinless (2013)

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Originaltitel: The Ballad Of Skinless Pete
Regie: Dustin Mills
Drehbuch: Dustin Mills, Brandon Skalkil
Kamera: Dustin Mills
Musik: Dustin Mills
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Brandon Skalkil, Erin R. Ryan, Dave Parker, Allison Egan
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: USA
FSK: keine Prüfung

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Dr. Peter Peele, selbst an Krebs erkrankt, hat ein Heilmittel gegen die Krankheit entwickelt.Allerdings scheitern die weiteren Experimente an finanzierungswilligen Geldgebern, so dass sich Peele entschließt, das Serum an sich selbst zu testen. Ihm ist nicht klar, welch ein Monster er dadurch erschafft. Als dann auch noch seine Kollegin Dr. Alice Cross auftaucht, nimmt die schreckliche Entwicklung des Versuches dramatische Ausmaße an.

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„Skinless“ trägt im Original einen weitaus besseren und geeigneteren Titel, nämlich „The Ballad of Skinless Pete“. Hier wird bedeutend mehr auf die eigentliche Aussage des Films eingegangen, bei dem es sich tatsächlich mehr um eine Ballade a lá Nick Cave handelt, als um einen blutigen Splatter-Horrorfilm. Regisseur Dustin Mills, der auch Drehbuch, Kamera, Schnitt und Musik übernommen hat, orientiert sich mit seinem Wisenschafts-Bodyhorror unübersehbar an David Cronenberg. Nur allzu oft fühlt man sich an „Die Fliege“ erinnert, was aber nicht weiter schlimm ist, denn Mills erzählt zum einen eine eigene Geschichte und vermag die relativ simpel gestrickte Handlung durch einen sehr gelungenen Inszenierungsstil unterhaltsam zu präsentieren. Kurz gesagt: „Skinless“ hat mir in seiner Einfachheit, aber nichtsdestoweniger gut vermittelten Stimmung, sehr gut gefallen.
Mills hat diesen Film komplett in seinem eigenen  Haus gedreht, um Kosten zu sparen und wahrscheinlich so oft wie möglich am Drehort sein zu können. Erstaunlicherweise sieht man das dem fertigen Film nicht an, da man so von der Handlung und Inszenierung gefangen genommen wird, dass man gar nicht bemerkt, dass sich alles nur innerhalb weniger Räume abspielt. Auch das muss man als Regisseur erst einmal hinbekommen. 😉

Streckenweise fühlte ich mich tatsächlich an die berühmt-berüchtigten Underground-Filme von Jörg Buttgereit („Necromantic“, „Der Todesking“ oder „Schramm“) erinnert. Mills schafft eine unglaublich spannende Atmosphäre, die bereits in den ersten Minuten des Films einsetzt und sich konstant bis zum dramatischen Finale (man möchte fast schon „traurigen Ende“ sagen) durchzieht. Die Schauspieler machen ihre Sache durchaus gut und geben durch ihre „unperfekte“ Natürlichkeit dem Ganzen noch einen zusätzlichen Hauch von Authentizität. „Skinless“ erzählt tatsächlich eine Geschichte, und noch dazu eine gute (wenngleich nicht weltbewegend neu), und hebt sich dadurch von den vielen „Schlachtplatten des Undergroundfilms“ wohltuend ab. Mills hält nicht immer die Kamera drauf, sondern „kaschiert“ seine wirklich gut gemachten Spezialeffekte mit künstlerischen Ideen, so dass manch einer der Effekte, der mit Sicherheit lächerlich gewirkt hätte, hätte man ihn direkt und lange gefilmt, beeindruckend gut aussieht. Das ist vielleicht auch der große Pluspunkt von „Skinless“: Im Vordergrund steht die Geschichte, die lediglich durch Spezialeffekte gewürzt wird und somit ein stimmiges Gesamtbild abgibt. Interessanterweise vergisst man schon bald, dass es sich um einen sogenannten Amateurfilm handelt, denn sowohl die Handlung und die Inszenierung wie auch die Schauspieler schaffen es, den Zuschauer vollkommen in seinen Bann zu ziehen.

Ich persönlich fand ich die von Regisseur Dustin Mills selbst komponierte Musik sehr passend. Ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass der Score unerträglich sei. Das kann ich definitiv nicht so bestätigen. Für mich haben die Klänge absolut gut zur Stimmung beigetragen. „Skinless“ ist eine Mischung aus  David Cronenbergs „Die Fliege“ und Clive Barkers „Hellraiser“ auf gehobenem Amateurfilm-Niveau. Die blutigen Effekte sind zwar nicht immer hunderprozentig gelungen, dafür aber Old School Handmade, und das alleine ist es schon wert, sich „Skinless“ anzusehen. An anderen Stellen wiederum sind die Masken sehr glaubwürdig und eklig dargestellt, so dass auch Splatterfreunde auf ihre Kosten kommen. Letztendlich ist aber „Skinless“ auf gewisse Art und Weise ein Liebesfilm (womit wir dann schon wieder bei Buttgereit landen 😉 ), der von Zuneigung, Sehnsucht und auch Vergebung erzählt. Dustin Mills hat einen sehr guten Film abgeliefert, denn ich mir mit Sicherheit noch einmal ansehen werde, und das will dann schon was heißen. 🙂 Vor allem hat es mir hier die Geschichte angetan, bei der blutige Spezialeffekte nur die zweite Geige spielen und sich absolut nicht in der Vordergrund drängen. Schön, dass sich ein Label wie „Dirt n Dust“ darum sorgt, dass wir solch kleine Independent-Underground-Perlen auf dem deutschen Markt zu sehen bekommen. Auf eine Synchronisation wurde verzichtet, so dass sich der Zuschauer mit deutschen Untertiteln zufriedengeben muss, was aber den Unterhaltungswert keinesfalls schmälert.

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Fazit: Interessanter Amateurfilm, der an Cronenbergs „Die Fliege“ erinnert und sein Hauptaugenmerk auf die Handlung und nicht die blutigen Spezialeffekte legt.

© 2018 Wolfgang Brunner

The Corpse Grinders (2018)

Originaltitel: The Corpse Grinders
Regie: Timo Rose
Drehbuch: Timo Rose
nach dem Originaldrehbuch von Arch Hall sr. und Joseph Cranston
Kamera: Costel Argesanu
Musik: Timo Rose
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Max Evans, Yazmeen Baker, Enya Maria Tames, Ted V. Mikels, Kristina Kostiv, Marc Engel, Donna Hamblin, Nils Henftling, Anthony Straeger, Thomas Binder, Shawn C. Phillips
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Deutschland, USA
FSK: ungeprüft

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Landau bekommt das Unternehmen „Lotus Cat Food“ überschrieben. Aber er hat Schwierigkeiten, das Geschäft am Leben zu erhalten, da die Umsätze weitaus schlechter als erwartet sind. Landau bekommt finanzielle Schwierigkeiten und kann die Mitarbeiter nicht länger bezahlen. Und so beginnt er, seine Mitarbeiter zu töten und auf andere Weise in seine Firma zu involvieren. Als einer der Vermissten, Frank, von der Polizei gesucht wird, entwickelt sich Landaus außergewöhnlicher „Einsatz“ für „Lotus Cat Food“ zu einer stetig ansteigenden Gefahr.

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Timo Rose, der mich mit seinen letzten Filmen „Reeperbahn“ und vor allem „Death Wish Zero“ sehr beeindruckt hat, liefert mit seinem neuen Film, einer Neuinterpretation von Ted V. Mikels KLassiker „Die Leichenmühle“, einen äußerst unangenehmen Film ab. Unangenehm wegen seiner direkten Zurschaustellung menschlicher Abgründe und den daraus resultierenden Folgen.  Roses Remake von „The Corpse Grinders“ ist in jeder Hinsicht dreckig und vulgär, aber auch tiefsinnig, wenn man genauer darüber nachdenkt. Es gab lange Zeit einen Film, der mich über Monate beschäftigt hat und dessen Bilder ich nicht mehr aus dem Kopf bekam, nämlich Marian Doras intensives, blutiges Drama „Cannibal“ über den Kannibalen von Rothenburg. Timo Rose tritt mit „The Corpse Grinders“ aus meiner Sicht in die Fußstapfen Doras und verursacht mit seinem blutigen, äußerst brutalen Horror-Thriller ein ähnlich unangenehmes Gefühl in der Magengegend. Das liegt zum Teil mit Sicherheit an den teilweise wirklich derben Szenen, die man hier zu sehen bekommt, ist aber auch auf die beeindruckende Schauspielerleistung von Max Evans zurückzuführen. Evans‘ Mimik jagt einem oftmals Angst ein und man denkt unweigerlich daran, wie es wäre, wenn man ihm in diesem (Wut-)Zustand in einer dunklen Gasse gegenüberstehen würde.
Der Charakter des Landau ist aus meiner Sicht so geschickt in Szene gesetzt, dass man nie genau weiß, ob man es mit einem sympathischen, normalen Mann zu tun hat oder mit einem extrem gefährlichen, unkontrollierbaren Psychopathen. Max Evans verkörpert beides und das macht „The Corpse Grinders“ zu einer schauspielerischen und inszenatorischen Bombe, die jederzeit losgehen kann und dies auch tut.

Aber „The Corpse Grinder“ schockiert nicht nur, sondern zeigt auch auf, zu was Menschen fähig sind, wenn sie (finanziell oder auch anderweitig) keinen Ausweg mehr sehen. Anders als im Original von Ted V. Mikels konzentriert sich Timo Rose viel mehr um den Protagonisten Landau, versucht seine Psyche zu ergründen, was ihm durch das tolle Schauspiel von Max Evans, wie oben schon erwähnt, auch gelingt. Man wird Zeuge eines psychischen Verfalls und einer Fehlschaltung menschlichen Denkens, begleitet die grenzenlose Ausuferung einer Obsession und nimmt teil, wie ein kaputter Mann seine eigenen Abgründe auslotet und die Kontrolle über sich selbst verliert. Roses Film stellt für mich im Grunde genommen eine Mischung aus brutalem Splatter und psychologischer Lebensgeschichte eines verzweifelten (wütenden und kaltblütigen) Mannes dar, der aber durchaus auch zu Gefühlen imstande ist. Und weil eben auch „gute“ Emotionen mit ins Spiel kommen, funktioniert der Film und schockt.
Erwähnen möchte ich unbedingt auch noch den genialen Score, den Timo Rose zum größten Teil selbst komponiert hat. Dadurch kommt eine sehr bedrückende Stimmung auf, die sich durch den kompletten Film zieht. Sehr einfallsreich fand ich auch, wie der Regisseur des Originalfilms Ted V. Mikels in die Handlung eingebunden wurde, das hatte einen sehr charmanten Flair. 😉

„The Corpse Grinders“ bewegt sich zwar auf einem gewissen Low-Budget-Film-Niveau, aber gerade diese, ich nenne sie jetzt einfach mal „Unperfektheit im Look“, macht den Film wiederum auf gewisse Art und Weise perfekt und unterstreicht sogar den oben erwähnten dreckigen Stil. „The Corpse Grinders“ würde in einer Hollywood-Blockbuster-Perfektion bei weitem nicht jene Beklemmungen beim Zuschauer auslösen, wie er das in der jetzigen Fassung tut. Bei einer bestimmten Szene werden die FSK und andere Altersfreigabeprüfstellen ihre helle Freude haben und händeringend zur Schere greifen, nicht wissend, was diese Sequenz eigentlich über den Protagonisten aussagt. Man sollte nämlich bei Timo Roses Film auch zwischen den Bildern lesen (auch wenn einige jetzt sagen werden, dass es bei Roses Filmen nichts zwischen den gezeigten Bildern zu interpretieren gäbe). Bei mir haben die Bilder jedenfalls ein Gedankenkarussell ausgelöst, das mich irgendwie nicht mehr loslässt. Man muss sich auf „The Corpse Grinders“ einlassen können. Hier werden die Menschen nicht, wie im Original, von Katzen getötet, sondern von Landau persönlich. Timo Roses Neuinterpretation der Geschichte ist eine moderne, brutale, schockierende, düstere und beängstigende Version.
Ich musste mir „The Corpse Grinders“ tatsächlich zwei Mal ansehen. Beim ersten Mal hat er mich nämlich „nur“ geschockt, beim zweiten Mal dann in seiner schonungslosen Konsequenz, mit der Mikels Originalfilm fortgeführt beziehungsweise zu Ende gedacht wurde, beeindruckt.

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Fazit: Brutale, dreckige, schonungslose, schockierende und düstere Neuinterpretation eines Klassikers.

© 2018 Wolfgang Brunner

Ohne dich (2018)

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Originaltitel: Ohne dich
Regie: Benjamin Bechtold
Drehbuch: Benjamin Bechtold
Kamera: Marc Schiemann
Musik: Richard Albert, Aljoscha Reinhardt
Laufzeit: 9 Minuten
Darsteller: Nikolai Will, Lilly Volk, Swantje Riechers
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ein Mann auf der Suche nach der Liebe seines Lebens. Und nach etwas vollkommen anderem …

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Da ist es wieder: Das Gespann Benjamin Bechtold und Nikolai Will, das mich schon mit der kleinen Nachtgeschichte „Dämonisch“ begeistern konnte. Und mit „Ohne dich“ tun sie es aufs Neue. Es ist immer wieder toll, Nikolai Will dabei zu beobachten, wie er in seinen Rollen aufgeht. Hinzu kommt die sehr feinfühlige, fast schon poetische Inszenierung durch Benjamin Bechtold, die dem knapp neunminütigen Genremix aus melancholischem Liebesschmerz und kaltblütigem Thriller wieder einmal eine ganz besondere Note verleiht. Ich hätte den Bildern und dem Agieren von Nikolai Will gut und gerne eineinhalb Stunden zusehen können, so eindringlich ist das Ergebnis wieder geworden. „Ohne dich“ kann man gar nicht so einfach beschreiben, denn er bewegt sich, wie oben schon erwähnt, tatsächlich zwischen verschiedenen Genre und hinterlässt den Zuseher einerseits mit einer schmerzlichen Sehnsucht nach Liebe und andererseits mit einer schockierenden Konsequenz, mit der man am Ende konfrontiert wird.

Doch über die an sich grauenhafte Handlung legt sich ein nostalgischer Schleier, der wunderschön ist.  Genau diese Gratwanderung, nämlich ein „schlimmes“ Thema zu verzerren und sozusagen aus der geschönten Sicht eines „Täters“ zu zeigen, möchte ich fast schon typisch für die Zusammenarbeit von Bechtold und Will bezeichnen. „Ohne dich“ ist die erste Produktion von Nikolai Wills „Tante Dora Film“ in Zusammenarbeit mit Fearling Entertainment und kann sich absolut sehen lassen. Was den faszinierenden Kurzfilm noch auf optimale Weise abrundet, sind zum einen die von Kameramann Marc Schiemann wunderschön eingefangenen Bilder und zum anderen die tieftraurigen und elegischen Kompositionen von Richard Albert und Aljoscha Reinhardt. Der Score und die gemäldehaften Bilder erschaffen in der kurzen Laufzeit eine unglaublich intensive Atmosphäre, der man bereits nach den ersten Einstellungen verfällt. „Ohne dich“ entwickelt sich von einer Ode an die Liebe in einen deprimierenden Thriller, bei dem der Zuschauer nicht nur die Opfer, sondern auf bestimmte Art und Weise auch den Täter bedauert und bemitleidet. Es ist wirklich erstaunlich, dass Nikolai Will in dieser Rolle auch eine gewisse Sympathie auf den Zuschauer überträgt und Empathie empfinden lässt.

Man wünscht sich unweigerlich ein Langfilmprojekt, wenn man sich „Ohne dich“ ansieht. Gerade die inszenatorische Handschrift von Benjamin Bechtold in Verbindung mit der natürlichen Rollenbewältigung und -darstellung von Nikolai Will würde Großes versprechen. Es wäre mit Sicherheit ein besonderer, ruhiger und „schöner“ Film (selbst, wenn er, wie bei „Ohne dich“, ein unangenehmes Thema behandeln würde). „Ohne dich“ erzählt eine Geschichte die berührt und gleichzeitig schockiert. Man weiß nicht genau, was man über den Plot denken soll, empfindet auf der einen Seite „schöne“ und auf der anderen irgendwie „unschöne“ Gefühle. Und genau deswegen packt „Ohne dich“ den Zuschauer, denn er befindet sich in der Zwickmühle, weil er für einen „bösen“ Protagonisten Sympathie empfindet. Das nenne ich mal Zuschauerbeeinflussung: Chapeau! an die Herren Bechtold und Will. Aber auch an die gesamte Crew um diese kleine Kurzfilmperle, die über Kamera, Musik und perfekten Schnitt bis in die toll gespielten Nebenrollen fantastisch besetzt ist.

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Fazit: Wunderbar gespielter und fantastisch inszenierter Poesie-Thriller, der den Zuschauer auch nach Sichtung noch beschäftigt.

© 2018 Wolfgang Brunner

Pyewacket – Tödlicher Fluch (2017)

Pyewacket

Originaltitel: Pyewacket
Regie: Adam MacDonald
Drehbuch: Adam MacDonald
Kamera: Christian Bielz
Musik: Lee Malia
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Nicole Muñoz, Laurie Holden, Chloe Rose, Eric Osborne, James McGowan
Genre: Thriller, Drama, Horror
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 16 Jahre

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Nach dem Tod ihres Ehemannes entschließt sich die Mutter der Teenagerin Leah umzuziehen. Die Umgebung würde sie einfach immer an ihren verstorbenen Mann erinnern, lautet der für Lea lapidare Grund, die durch den Umzug all ihre Freunde verliert. Das neue Haus ist mitten im Wald gelegen und die von Trauer und Wut getriebene Lea beschwört einen Geist namens Pyewacket, um ihre Mutter zu töten. Doch es dauert nicht lange und Leah bereut ihre Entscheidung. Doch es ist zu spät und sie muss erkennen, dass sie etwas angerufen hat, das sich nun nicht mehr aufhalten lässt.

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Ich ging, ehrlich gesagt, mit einer vollkommen anderen Erwartung an den neuen, im Label Pierrot Le Fou erschienenen, Horrorfilm heran und rechnete eigentlich mit einer Art Creature-Grusel. Doch weit gefehlt. Ich erlebte eine filmische Überraschung, mit der ich so definitiv nicht gerechnet hatte. „Pyewacket“ ist eher ein Coming of age-Drama mit Thriller- und Horrorelementen, der den Zuschauer, sofern er sich auf die Story einlassen kann, von Anfang an packt und nicht mehr loslässt.
Man sollte nicht auf die vielen Bewertungen achten, die meinen, dieser Film wäre extrem langweilig und schwer zu verstehen. Denn genau das Gegenteil ist der Fall, denn „Pyewacket“ hebt sich erfreulicher- und erfrischenderweise von anderen Produktionen in diesem Genre ab und erzählt eine geradlinige Geschichte, die uns tief in das (kaputte) Seelenleben eines Teenagers blicken lässt. Man wird Augenzeuge, wie es ist, wenn man in diesem Alter Entscheidungen trifft, die man besser nicht getroffen hätte, wenn man nur ein wenig mehr über die Sache nachgedacht hätte. Es versucht wirklich zu erzählen, was viele von uns als Teenager taten, wenn sie zu zwanghaft wurden oder aus unmittelbarer Aggression handeln und sich keine Zeit nehmen, über Dinge nachzudenken, bevor wir handeln.

Es ist absolut nicht verwirrend, wenn man sich in die Gefühle der „betrogenen“ Leah einlebt. Man kann ihre Verhaltensweisen ohne weiteres nachvollziehen, wenn man die Dinge aus ihrer Sicht betrachtet. Der Film bietet eine fast schon tiefgründige, psychologische Erklärung, wie weit Wutreaktionen von Teenagern gehen können, die sich ungerecht behandelt fühlen. „Pyewacket“ zielt nicht auf reißerische Showeffekte ab, sondern geht einen ruhigen Weg, der allerdings nicht weniger furchterregend wirkt wie ein gruseliger Geisterfilm, denn hier ist das Grauen die Realität. Einbildung und Wirklichkeit verschmelzen und führen unweigerlich auf einen dramatischen Höhepunkt zu, mit dem man nicht rechnet. Ein wenig fühlte ich mich an den hervorragenden „Metalhead“ erinnert, in dem es ebenfalls um die Gefühlswelt eines jungen Mädchens geht.
In „Pyewacket“ bekommt man den heraufbeschworenen Dämon im Grunde genommen nicht und dennoch jagt einem seine Anwesenheit Schauer über den Rücken. Je länger ich über den Plot und die dahintersteckende Botschaft denke, desto beeindruckender wirkt dieser Film im Nachhinein auf mich. „Pyewacket“ ist definitiv kein Schocker im Sinne von Schock- und oder Gruseleffekten, sondern ein relativer stiller Film über das Erwachsenwerden im Gewand eines Horrorthrillerdramas.

Die gesamte Handlung wirkt in sich stimmig, man könnte fast meinen, es handle sich um einen Film nach tatsächlich geschehenen Ereignissen. Die Schauspieler agieren allesamt hervorragend authentisch in ihren Rollen und unterstreichen diesen Eindruck. Die Musikuntermalung von Lee Malia könnte nicht besser sein, um die düstere, teils deprimierende Atmosphäre zu unterstützen. Der ambitionierte Film bietet zudem noch eigene Interpretationsmöglichkeiten, was dazu führt, dass man sich auch noch nach der Sichtung mit dem Thema beschäftigt.
Adam MacDonald, der mich bereits mit seinem ersten Film „Backcountry“ überzeugen konnte, beweist mit seinem „Pyewacket“ erneut, dass er zum einen sein Handwerk beherrscht und zum anderen, dass ein Genremix durchaus funktionieren kann, wenn man es richtig anpackt. „Pyewacket“ ist für mich eine äußerst beeindruckende Studie eines Teenagers, die grandios in einen unheimlichen (Horror-)Thriller verpackt ist. Absolut sehenswert.

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Fazit: Exzellentes Teenager-Drama, das den Horror der Realität darstellt. Ein niveauvoller Coming of age-Thriller mit Gruseleffekt. Unbedingt empfehlenswert.

© 2018 Wolfgang Brunner