Star Force Soldier (1998)

soldier

Originaltitel: Soldier
Regie: Paul W. S. Anderson
Drehbuch: David Webb Peoples
Kamera: David Tattersall
Musik: Joel McNeely
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Kurt Russell, Jason Scott Lee, Connie Nielsen, Gary Busey, Jason Isaacs, Sean Pertwee, Michael Chiklis, Mark Bringelson
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 18 Jahre

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Im Jahr 2036 haben Wissenschaft  Krieger entwickelt, die seit ihrer Geburt ausschließlich für den Kampf ausgebildet wurden. Sie sind ihrer sämtlichen Individualitäten beraubt, werden von der Gesellschaft weitestgehend getrennt und leben nur noch nach dem Motto: töten und getötet werden. Einer von ihnen, Todd, wird auf einen Planeten gebracht, auf dem vergessene Krieger ihr Dasein fristen. Als die dortige Zivilisation dann bedroht wird, erwacht in Todd der kaltblütige Krieger …

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Obwohl „Star Force Soldier“ im Jahr 1998 gedreht wurde, erinnert er durchwegs an die Kassenschlager der 80er Jahre. Er verstrahlt ein entsprechendes Flair, das sich durch den ganzen Film zieht. Das mag vielleicht daran liegen, dass Kurt Russel mitspielt und man permanent seine Rolle als Snake Plissken in John Carpenters „Die Klapperschlange“ vor Augen hat, aber es sind auch die Sets, die an dieses Filmjahrzehnt erinnern.
Regisseur Paul W. Anderson hat einen handfesten Science Fiction-Action-Knaller erschaffen, der von Anfang bis Ende unterhält. Kurt Russel spielt seine Rolle sehr minimalistisch und spricht nicht wirklich viele Sätze. Sein Schauspiel besteht nur aus einer verbissenen Mimik, bei der man kein einziges Mal ein Lächeln zu sehen bekommt. „Star Force Soldier“ ist auch nicht unbedingt ein Highlight in Kurt Russels Karriere, aber dennoch bleibt seine Rolle als wortkarger Söldner im Gedächtnis haften.

Ich kann durchaus nachvollziehen, dass viele Zuschauer diesen Film nicht mögen und als puren Trash bezeichnen. Zum Teil trifft diese Aussage auch sicherlich zu, denn das Set und auch teilweise die schauspielerischen Leistungen sehen danach aus. Aber man sollte den Film vielleicht auch einmal unter einem anderen Aspekt betrachten: Der von Kurt Russel dargestellte Söldner ist sehr wortkarg und zeigt seine Emotionen nur durch Mimik. In dieser Hinsicht kann man über den Schauspieler sagen, was man will, aber diesen Part hat er wirklich sehr gut gespielt. Was mir persönlich am besten gefallen hat, sind die Szenen, in denen der Söldner mit einem kleinen Jungen agiert. Gerade diese Stellen sind sehr emotional, wenn man sich darauf einlassen kann. „Star Force Soldier“ ist mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack und ich denke viele werden nicht verstehen, was einem daran gefallen kann. Bei mir sind es auf alle Fälle die schauspielerische Leistung von Kurt Russel und  das 80er Jahre-Flair, das dieser Film verströmt, obwohl er eigentlich nicht in diese Filmära gehört.

Koch Media hat nun diesen Film erstmalig auf Blu-Ray veröffentlicht. Und das auch noch in der ungekürzten Version. Warum man damals diese Szenen allerdings herausgeschnitten hat, ist mir unverständlich, denn so brutal, wie man jetzt meinen könnte, sind sie definitiv nicht. Nichtsdestotrotz ist es für den Filmfan schön, diese ungekürzte Version endlich ansehen zu können. Die Bildqualität bewegt sich in einem absolut tollen Rahmen. Da hat Koch Media ganze Arbeit geleistet. Es macht großen Spaß, diesen Film einmal in bestmöglicher Qualität zu sehen. Ich bin froh, dass sich Koch Media diesem Film angenommen und mir (und hoffentlich auch vielen anderen) damit einen Ausflug in meine filmische Vergangenheit beschert hat. Wer den Film damals schon mochte, wird mit dieser Version definitiv zufrieden sein.

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Fazit: Erstmalige Uncut-Veröffentlichung auf Blu-Ray in hervorragender Bildqualität.

© 2019 Wolfgang Brunner

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Anon (2018)

Anon

Originaltitel: Anon
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Kamera: Amir Mokri
Musik: Christophe Beck
Laufzeit: 100 Minuten
Darsteller: Clive Owen, Amanda Seyfried, Colm Feore, Sonya Walger, Mark O’Brien, Joe Pingue, Iddo Goldberg
Genre: Science Fiction, Thriller
Produktionsland: Vereinigtes Königreich
FSK: ab 12 Jahre

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In einer Welt, in der die Privatsphäre eines Menschen praktisch nicht mehr existiert, trifft Detektiv Sal Frieland auf eine Frau, die sich gegen diese Art von Gläsernheit schützen kann und sogar die Erinnerungen von Menschen manipulieren kann. Frieland will unbedingt ihre wahre Identität enträtseln …

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Schon nach den ersten Minuten merkt man, dass man einen neuen Film von Andrew Niccol sieht. Zu sehr erinnert das Set seiner dystopischen Zukunftsvision an den unglaublich guten „Gattaca“. Doch noch ein anderer Kultfilm fiel mir nach den ersten zehn Minuten immer wieder ein, als ich die betörend faszinierenden Bilder in Verbindung mit der sehr atmosphärischen Musik von Christophe Beck auf mich einwirken ließ: Ridley Scotts „Blade Runner“. Vielleicht lag es tatsächlich an den ruhigen Klavierklängen, die mich sehr oft an die elektrisierende Verfilmung von Phillip K. Dicks Kultroman denken ließen, es kann aber auch durchaus sein, dass die Kulissen und die ruhige Inszenierung daran schuld war, dass mir dieser Film immer wieder in den Sinn kam. „Anon“ kann zwar nicht mit „Blade Runner“ verglichen werden, aber die Atmosphäre kam den schon sehr nahe, zumal es sich auch hier um eine Mordermittlung in einer zukünftigen Welt handelte.

Andrew Niccol hat zudem noch eine faszinierende Mischung aus Film Noir und moderner Science Fiction-Mär geschaffen, in dem er nämlich eine High Tech-Welt mit „alten“ Kulissen miteinander verband. In der einen Sekunde sieht man modernste Computergrafiken und in der nächsten Oldtimer-Wagen, in denen kettenrauchende Ermittler sitzen. Gerade diese Gegensätze machen „Anon“ zu einem ganz besonderen Film, der nämlich zum einen wie eine Hommage an die alten Detektivfilme wirkt und zum anderen den technisch aktuellsten Stand der heutigen Zeit zeigt. Der Plot regt definitiv zum Nachdenken an, was die Entwicklung der Technik mit uns Menschen macht. Die Privatsphäre leidet schon jetzt in Zeiten der sozialen Netzwerke ungemein und wenn man genauer darüber nachdenkt, wird einem klar, dass Niccols Zukunftsvision fast schon zur Realität geworden ist. Der Film zeigt auf, wie es enden könnte, wenn Regierungen die Bürger immer mehr zu gläsernen Menschen machen.  „Anon“ ist beklemmend und beängstigend, bietet aber trotz seiner kritischen Momente auch gute, spannende und kurzweilige Unterhaltung. Er reiht sich aus meiner Sicht in beklemmende Zukunftsvisionen wie zum Beispiel „Her“ oder „I Origins“ ein und bleibt, zumindest bei mir, im Gedächtnis haften.

Schauspielerisch konnte Clive Owen absolut überzeugen, während Amanda Seyfried nicht immer glaubwürdig wirkte, was aber durchaus auch an ihrer Rolle liegen könnte. „Anon“ mag auf viele Zuseher lahm wirken, weil er sehr wenig Action bietet. Aber genau diese Art von Zukunftsvisionen ist es doch, die uns absolut glaubwürdig vor Augen hält, wie die Welt von Morgen aussehen könnte. Und „Anon“ ist nicht weit entfernt von diesem Szenario. Mit wirklich starken und stylischen Bildern nimmt uns der Regisseur absolut gefangen und lässt seine Vision noch eine Weile, nachdem der Film geendet hat, nachwirken. „Anon“ ist ein Film, der nicht für Blockbuster-Zuschauer gemacht ist, sondern sich an das ArtHouse-Publikum wendet. Niccols Film wirkt auf den ersten Blick steril und emotionslos, wenn man aber zwischen den Bildern genau hinsieht, entdeckt man jede Menge (verlorener) Gefühle. Zudem unterstreicht diese sterile Inszenierung die Ängste der Menschen, die fast keine Geheimnisse mehr für sich behalten können. Für mich war „Anon“ eine wirklich düstere Dystopie, die mich zum einen sehr gut unterhalten und zum anderen auch beschäftigt hat.
End of file …

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Fazit: Stylische Zukunftsvision, in der Privatsphäre nicht mehr existiert. Glaubhafte Mischung aus SF-Thriller und Film Noir.

© 2018 Wolfgang Brunner

Alien: Covenant (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 122 Minuten
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Guy Pearce
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Das Raumschiff Covenant ist mit 2.000 schlafenden Menschen und über 1.000 menschlichen Embryonen unterwegs, um auf einem fremden Planeten eine Kolonie zu gründen. Durch einen Sonnensturm wird das Schiff beschädigt und die Mannschaft aus dem Tiefschlaf geweckt. Während sie die Schäden am Schiff untersuchen, entdecken sie einen fremden Planeten, der der Erde ähnelt und anscheinend bewohnbar ist. Als ein Teil der Crew auf dem Planeten landet und ihn erforscht, kommen zwei Männer in Kontakt mit einer seltsamen Spore. Ohne es zu wissen, wächst ein fremdartiges Lebenwesen in ihren Körpern heran, dass schon bald das Leben der gesamten Mannschaft bedroht.

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Im Vorfeld waren ja schon wieder die unterschiedlichsten Meinungen zu Ridley Scotts neuestem Alien-Film vertreten. Doch ich wollte mir, wie auch übrigens bei „Prometheus“, einfach unvoreingenommen eine eigene Meinung bilden. Und ich bin froh, dass ich mir das Filmvergnügen nicht selbst verdorben habe, indem ich die anderen Rezensionen genau durchgelesen sondern nur überflogen habe. Denn … ich finde, dass Ridley Scott wieder einmal einen visionären Film abgeliefert hat. Sicherlich muss man über die ein oder andere Logiksache hinwegsehen, das ist mir aber in diesem Fall wirklich egal, denn ich möchte mit solchen Filmen unterhalten werden. Und das hat mit „Alien: Covenant“ eindeutig hervorragend geklappt. Ein bisschen Kritik habe ich dennoch zu vermelden, aber eines nach dem anderen.

Zunächst einmal fand ich den Spannungsaufbau sehr gelungen und wirkungsvoll. Langsam wird der Zuschauer in eine bedrückende Atmosphäre eingelullt, der man sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr entziehen kann. Gerade die Infizierung auf dem fremden Planeten und die ersten Alien-Attacken sind grandios inszeniert und fast schon unerträglich in ihrer Spannung. Die Bilder von der „Geburt“ des ersten Aliens gehen mir in ähnlicher Weise nicht mehr aus dem Kopf wie seinerzeit eine ähnliche Szene in John Carpenters Kultfilm „Das Ding aus einer anderen Welt“. Oftmals habe ich irgendwann gemerkt, dass ich den Atem angehalten habe, so spannend waren die Angriffe der Aliens, obwohl sie mit dem Computer designt wurden. Die Attacken sahen in einigen Szenen ähnlich wie in „Starship Troopers“ aus vermittelten eine ähnliche, ausweglose Situation. und Die ersten beiden Drittel fand ich persönlich absolut atemberaubend in Szene gesetzt, enorm spannend und extremst kurzweilig. Leider verzetteln sich die Drehbuchautoren am Ende in einem ideenlosen Abklatsch des Originals, was mir nicht so gefallen hat. Da hätte ich mir dann doch eine etwas andere Wendung beziehungsweise ein innovativeres Ende gewünscht. Aber nun gut, der Mainstream möchte genau so etwas wahrscheinlich sehen und die Macher haben sich wahrscheinlich darauf eingelassen, um Erfolg an der Kinokasse zu haben. Das hat schon der mäßig erfolgreiche „Alien 3“ von David Fincher gezeigt, dass Innovation nicht immer gut beim Massenpublikum ankommt. Bei „Alien: Covenant“ wollte man deswegen wohl sichergehen und hat sich für diesen Weg entschieden, der dem Massenpublikum genau das gibt, was es will, und den „echten“ Filmfreund dann eher enttäuscht. Soweit zu meinem einzigen Kritikpunkt.

Nahezu begeistert war ich von der Entwicklung, die Ridley Scott den „menschlichen Robotern“ zugedacht hat. Es mutet fast wie eine leichte Symbiose oder wie eine Brücke zu seinem Meisterwerk „Blade Runner“ an, wenn er in „Alien: Covenant“ den Maschinenwesen unheimliche menschliche Züge verschafft. Ich denke, diese Annäherung beider Universen ist beabsichtigt, denn gerade die Anfangssequenz könnte durchaus bei „Blade Runner“ Anwendung finden. Auch darstellerisch kann man bei „Alien: Covenant“ nichts aussetzen, denn alle spielen durchwegs außerordentlich gut und nehmen ihre Rollen sichtlich ernst. Michael Fassbender, der angebliche Star des Films, wird aber aus meiner Sicht eindeutig von Danny McBride an die Wand gespielt, der seinen Protagonisten unglaublich authentisch und vor allem sehr emotional verkörpert. McBride hat mich während des ganzen Films am meisten begeistert und beeindruckt, da kam Fassbender nicht einmal annähernd mit. Ist aber einfach nur meine Meinung. Scoretechnisch hat Jed Kurzel eigene Töne mit markanten Klängen aus Jerry Goldsmiths Originalscore vermischt und für eine sehr passende und atmosphärische Musikuntermalung  gesorgt.
Alles in allem hat mir „Alien:Covenant“, genauso wie „Prometheus“, in seiner Fortführung und/oder Neuinterpretation des Alien-Universums absolut gut gefallen.

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Fazit: Ästhetisch, brutal und atmosphärisch. Trotz einiger Logikfehler ein würdiges, sehenswertes Teil im Alien-Universum-Puzzle.

© 2017 Wolfgang Brunner

Passengers (2016)

Originaltitel: Passengers
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Jon Spaihts
Kamera: Rodrigo Prieto
Musik: Thomas Newman
Laufzeit: 116 Minuten
Darsteller: Jennifer Lawrence, Chris Patt, Michael Sheen, Laurence Fishburne, Kimberly Battista, Aurora Perrineau, Andy García
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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5.000 Menschen machen sich im Tiefschlaf auf die Reise zum Planeten Homestead II, um dort ein neues Leben zu beginnen. Durch eine Fehlfunktion der Schlafkammer wacht einer der Passagiere, Jim, viel zu früh auf, nämlich neunzig Jahre vor der Landung auf Homestead II. Jim versucht den Grund seines vorzeitigen Erwachens herauszufinden und trifft schließlich auf Aurora, die ebenfalls erwacht ist. Sie fühlen sich sofort zueinander hingezogen und versuchen, aus ihrer Zukunft das beste zu machen. Doch dann erfahren sie, dass etwas mit dem Raumschiff, auf dem sie durchs All rasen, nicht stimmt.

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Schon nach wenigen Minuten wusste ich, dass „Passengers“ der richtige Film für mich ist. Ruhige Science Fiction ohne Weltraumschlachten und überzogene Bösewichte hat mich schon immer begeistert. Sicherlich mag ich auch actionlastige SF-Streifen a lá „Star Wars“ und Konsorten, aber stimmungsvolle Filme wie „Blade Runner“, „Arrival“ oder „Interstellar“ sind mir im Grunde genommen lieber. Die Eingangssequenz erinnert ein wenig an die Aufwachszene in „Alien“, was durchaus beabsichtigt und als Hommage gedacht sein könnte. Doch dann geht Regisseur Morten Tyldum einen anderen, bedeutend ruhigeren Weg. Melancholisch, philosophisch und enorm beeindruckend wird die Weite, Stille und Einsamkeit des Alls in Szene gesetzt. Man möchte trotz dieser Einsamkeit mit dabei sein. Bei manchen Szenen fühlte ich mich an John Carpenters Debütfilm „Dark Star“, „Gravity“ oder den einzigartigen Klassiker „Lautlos im Weltraum“ von Douglas Trumbull erinnert. Morten Tyldum schafft es einfach hervorragend, diese Leere zu inszenieren.

Die Liebesgeschichte zwischen Jim und Aurora wirkt lebendig und glaubwürdig. Zumindest anfangs. Es kommt nämlich ein Punkt, an dem Aurora etwas erfährt, dass sie besser nicht erfahren hätte, und die Liebesgeschichte gerät ins Schwanken und wirkt teilweise nicht mehr nachvollziehbar. Das würde ich, neben dem Finale, als einzige Drehbuchschwäche bezeichnen. Diese Problematik hätte man umgehen können beziehungsweise müssen. Aber sieht man über diesen „Fehler“ hinweg, wird man mit einem unglaublich optischen Abenteuer belohnt, dass einem (zumindest mir) nicht mehr aus dem Kopf geht. Visuell kann man solch ein einsames Weltraumabenteuer nicht besser machen.  Beeindruckende Spezialeffekte, die aber keineswegs die Aufmerksamkeit von den Schauspielern an sich reißen, ziehen sich durch den kompletten Film. Da gibt es wirklich nichts auszusetzen und die ein oder andere Szene versetzt einen derart in Erstaunen, dass einem die Luft wegbleibt.

Jennifer Lawrence und Chris Patt machen ihre Sache ausnahmslos gut. Es macht ungemein Spaß, sie bei ihrer zweisamen Reise durchs All zu begleiten. Michael Sheen, der schon den wirklich schlechten Nicolas Cage-Streifen „Drive Angry“ mit seiner Darstellung einigermaßen retten konnte, brilliert hier wieder einmal in einer absolut tollen Rolle. Er mimt den Serviceroboter hinter der Theke der Bordbar mit Witz und Charme. Sheen stellt neben den guten schauspielerischen Leistungen und  den grandiosen Effekten ein weiteres Highlight von „Passengers“ dar.
Toll fotografiert regt das Science Fiction-Epos oftmals auch zum Nachdenken an. Wie würde man sich selbst in solch einer Situation verhalten? Man mag von der Entwicklung der Handlung halten, was man will, aber die Pattsituation(en), in denen sich der Protagonist Jim befindet, sind nicht von der Hand zu weisen und beschäftigen den Zuseher.

Freunde von Weltraumschlachten werden „Passengers“ als seicht, langweilig und kitschig bezeichnen. Ich finde aber, dass auch solche Zukunftsvisionen eine große Berechtigung im SF-Bereich haben und haben sollten. Die Menschheit wird sich in Zukunft nicht nur Kriege gegen Außerirdische liefern, sondern sie wird auch auf der Suche nach einem neuen Lebensraum sein. Und die Menschen werden sich auch in Zukunft lieben und sich nach Wärme und Geborgenheit sehnen. Für mich war „Passengers“ trotz einiger Makel im Plot eine absolut erfreuliche Überraschung, so dass sich der Film eindeutig in der Liste meiner Lieblings-SF-Filme findet.

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Fazit: Visuell überwältigendes Science Fiction-Liebes-Drama mit leicht philosophischen Touch.

© 2017 Wolfgang Brunner

Penthesilea (2013)

Originaltitel: Penthesilea
Regie: Stefan Kaufhold
Drehbuch: Michael John Cherdchupan
Kamera: Nicolai Mehring
Musik: Simon Theißen
Laufzeit: 28 Minuten
Darsteller: Juli Klement, Wolfram Schorlemmer, Meri Husagic
Genre: Kurzfilm, Science Fiction
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Penthesilea ist ein Haushaltshilferoboter. Sie verliebt sich in ihren Besitzer, den verschlossenen Jeremy, kann sich ihm aber anfangs nicht mitteilen, weil sie nicht fähig ist, ihre Gefühle zu zeigen. Während Jeremy von Yukari, einem hübschen aufgeweckten Mädchen, in Besitz genommen wird, vermeint Penthesilea in diesem Verhalten eine Bedrohung für Jeremy und ihre Liebe zu ihm zu erkennen. Kurzerhand beschließt sie, etwas gegen ihre Rivalin zu unternehmen.

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Sehr locker interpretiert Regisseur Stefan Kaufhold die griechische Sage um die Amazonenkönigin Penthesilea und verlegt die Handlung in die Zukunft. Die Roboterbedienstete Penthesilea wird grandios und unglaublich authentisch von Juli Klement verkörpert, der man vom ersten Moment an jede Bewegung und Handlung abnimmt. Klement zeigt in jeder Sekunde ihr außergewöhnliches Talent und nimmt den Zuschauer ohne Umschweife für sich ein. Es ist eine wahre Wonne, ihren roboterhaften und gleichzeitig ungemein menschlichen Handlungen zu folgen. Zusammen mit dem zwar kühlen, aber sehr stylisch und präzise gehaltenen Inszenierungsstil funktioniert das Science Fiction-Drama vorbehaltlos. Die „Mimik“ der Künstlichen Intelligens, als sie sich in ihren Besitzer namens Jeremy verliebt, ist unglaublich intensiv, obwohl sie irgendwie auch wieder gar nicht richtig zu sehen ist. Es ist wirklich Wahnsinn, wie Kuli Klement das hin bekommt. Daumen hoch!
Doch auch Meri Husagic als „menschliche Konkurrentin“ und Wolfram Schorlemmer als Jeremy geben eine wunderbare Performance ab, an die man sich noch lange erinnert.

Doch die tolle Stimmung liegt nicht nur alleine an den Schauspielern, die allesamt gut und glaubwürdig sind, sondern auch an dem sicheren Händchen, das Stefan Kaufhold als Regisseur beweist. Er benutzt keine hektischen Kamerafahrten oder Schnitte. Ohne unnötige Schnörkel wird eine Geschichte erzählt, die sich mehr auf die Emotionen der Protagonisten (in erster Linie auf die Protagonistin Penthesilea) konzentriert und nicht auf Spezialeffekte, die hier nur stören würden. Kaufhold meistert die Gratwanderung zwischen SF-Story, Liebesdrama und Erotik hervorragend und lässt mit seinem knapp halbstündigen Kurzfilm keine inszenatorischen Wünsche offen. Hier zeigt sich wieder einmal, welch vielseitige, ideenreiche Filmkünstler Deutschland besitzt, die von den Branchenverantwortlichen schlichtweg ignoriert werden, weil sie nicht ins Schema F passen. Kaufhold zeigt mit seiner gesamten Crew einfach unglaublich großes Talent.

Ein bisschen erinnert das Thema an „Der 200 Jahre Mann“, noch mehr aber an den aus meiner Sicht SF-Meilenstein „Her“. Kaufhold geht, wie im letztgenannten Film, sehr intensiv und emotional an seine Geschichte heran und lässt dadurch die Gefühle eines Roboters vollkommen nachvollziehbar werden. Der Zuschauer fühlt teilweise mehr mit der Künstlichen Intelligenz als mit den Menschen.
Was der Atmosphäre ebenfalls äußerst zugute kommt, ist die, wie oben schon erwähnt, unspektakuläre, dafür aber umso intensivere Kameraführung von Nicolai Mehring. Wie George Lucas in seinem Debütfilm „THX 1138“ fängt Mehring perfekt ausgeleuchtete Momente ein, die aufgrund ihrer schlichten Schönheit im Gedächtnis haften bleiben. Einige Bildkompositionen könnte man sich ohne weiteres als Ölgemälde an die Wand hängen. 😉
Wer Gelegenheit dazu hat, sollte sich „Penthesilia“ mindestens zweimal ansehen, um die gesamte Bandbreite der Filmemacher und Schauspieler zu inhalieren, denn man entdeckt immer wieder Neues.
Stefan Kaufhold legt mit seiner „Penthesilea“-SF-Interpretation ein tiefgründiges, elegisches kleines Meisterwerk vor, das zum Nachdenken über die eigenen Gefühle anregt und sich natürlich auch mit der Thematik beschäftigt, ob Liebe auch tatsächlich von Künstlichen  Intelligenzen empfunden werden kann. Tja, und wenn man seinen Film gesehen hat, kann man die letzte Frage eindeutig mit „Ja“ beantworten. Und „Penthesilea“ zeigt desweiteren, wohin Liebe auch führen kann – nämlich zu unendlicher Eifersucht.

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Fazit: Elegisch, melancholisch und emotional, aber auch erschreckend und kaltblütig. Mit „Penthesilia“ ist der gesamten Crew unter Regisseur Stefan Kaufhold ein kleines Meisterwerk gelungen, nach dem man süchtig werden kann.

©© 2017 Wolfgang Brunner

Arrival (2016)

Originaltitel: Arrival
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heisserer
basierend auf der Kurzgeschichte Story of Your Life von Ted Chiang
Kamera: Bradford Young
Musik: Jóhann Jóhannsson
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O’Brien, Tzi Ma
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Zwölf außerirdische Raumschiffe landen an verschiedenen Stellen auf der ganzen Erde.  Die Linguistin Louise Banks soll zusammen mit dem Mathematiker Ian Donnelly Kontakt zu der außerirdischen Lebensform aufnehmen.  Die Kommunikation mit den Aliens entwickelt sich als bedeutend schwieriger als angenommen. Nach Monaten stellt Louise fest, dass die Außerirdischen gekommen sind, um Unheil von der Menschheit abzuwenden.
Eine unglaubliche Reise in die Geister der Menschen und Außerirdischen beginnt.

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Manchmal gibt es Filme, die man schlecht in Worte fassen kann. „Arrival“ ist einer davon. Und er zählt zu jenen Filmen, die man zu verstehen glaubt, tagelang darüber nachdenkt und immer unsicherer wird, ob man den wahren Sinn erkannt hat. Wie bei einem Werk von David Lynch lässt einen der Plot nicht mehr los und man versucht immer wieder, Dinge in die Handlung hineinzuinterpretieren, die einem plötzlich wie aus heiterem Himmel in den Sinn kommen. Dennis Villeneuve ist ein bombastischer, gewaltiger und beeindruckender Film zum Nachdenken gelungen, der einen nicht mehr loslässt.
Das komplexe Thema eines Erstkontakts mit einer außerirdischen Lebensform wird absolut realitätsnah, nachvollziehbar und äußerst spannend erzählt. Man fiebert und rätselt mit den Wissenschaftlern mit, ist beeindruckt von der unglaublich ausdrucksstarken „Sprache“ der Aliens und verfällt automatisch ins  Philosophieren über das eigene Leben.

Schon der düstere Einstieg in den Film vermittelt „Großes“, das auf den Zuschauer zukommt. Und man wird nicht enttäuscht. Die ruhige, melancholische Inszenierung tut das ihrige dazu, eine höchst stimmungsvolle Atmosphäre aufzubauen, der man sich nicht entziehen kann. Anfangs fühlt man sich noch an eine Science-Fiction-Variante von „Apocalypse Now“ erinnert, wenn die Hubschrauber durchs Bild rattern. Später ändert sich aber der Kurs eindeutig in Richtung „Contact“ oder auch „Interstellar“. Und wie Christopher Nolan schafft Regisseur Villeneuve es ebenfalls, den Zuschauer zu verzaubern und zu hypnotisieren, in dem er Gedanken zwischen seine Filmbilder zaubert, die zum Nachdenken und Philosophieren anregen. Ohne es zu wollen, stellt sich der Zuschauer dem Rätsel, das den Protagonisten geboten wird, und nimmt daran teil. Villeneuve erzählt zwei Geschichten: Eine, die er in seinen wunderschönen Bildern zeigt und eine, die er zwischen seinen Bildern, den Monologen und Dialogen geschickt versteckt, damit der Zuschauer sie selbst entschlüsselt. Oder es zumindest versucht, denn wie bereits angedeutet, wirft der Film viele Fragen auf, die auf lyncheske Weise den Zuschauer beschäftigen.

Schauspielerisch geben Amy Adams und Jeremy Renner eine wirklich gute Figur ab.  Gerade erstere unterstreicht mit ihrer Mimik die melancholische Seite des Films hervorragend.
Die Spezialeffekte sind wohltuend dezent eingesetzt. Man sieht die Aliens nicht wirklich und das ist auch gut so. Die „Kommunikationsringe“ sind so faszinierend, das ich davon geträumt habe. „Arrival“ lässt einen einfach nicht mehr los und die philosophischen Aspekte (des eigenen und menschlichen Lebens im Allgemeinen) wirken langhaltig nach. Villeneuves Meileinstein lässt sämtliche CGI-Orgien weit hinter sich, indem er das Publikum zum Denken auffordert, es in den Film involviert, und nicht einfach nur mit bombastischen Effekten vollballert. „Arrival“ zeigt nicht nur, wie der Erstkontakt mit Außerirdischen ablaufen könnte, sondern er zeigt auch, was Menschsein und Leben bedeutet, und das auf äußert beeindruckende Weise. Der „Sinn“ dieses Films ist weitaus bombastischer und epischer als ein Effekte-Feuerwerk. „Ariival“ ist für mich jetzt schon Kult und reiht sich in philosophische, ernstzunehmende Meisterwerke wie „Contact“, „Interstellar“ oder auch „Solaris“ ein.

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Fazit: Beeindruckend, philosophisch und visuelle atemberaubend. Weitab vom Mainstream zeigt Villeneuve Science-Fiction-Kino zum Nachdenken. Ein Meisterwerk!

© 2017 Wolfgang Brunner

Pod (2015)

Pod

Originaltitel: Pod
Regie: Mickey Keating
Drehbuch: Mickey Keating
Kamera: Mac Fisken
Musik: Giona Ostinelli
Laufzeit: 78 Minuten
Darsteller: Lauren Ashley Carter, Dean Cates, Brian Morvant, Larry Fessenden, John Weselcouch
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Die Geschwister Ed  und Lyla machen sich auf den Weg zu ihrem Bruder Martin, der in einem abgelegenen und verschneiten Haus in Maine lebt. Als sie ankommen, werden sie von ihm mit einer Flinte begrüßt. Martin scheint den Verstand verloren zu haben und faselt etwas von einer Alien-Verschwörungstheorie. Er behauptet, im Keller etwas Böses gefangen zu halten. Die Situation gerät immer mehr außer Kontrolle und bald entbrennt ein Überlebenskampf für Ed und Lyla.

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„Pod“ fängt richtig gut an und wirft den Zuschauer ohne Umwege in eine spannende Handlung. Auch wenn es dann etwas ruhiger zugeht, baut der Film dennoch eine stimmungsvolle Atmosphäre auf, die einen packt. Manachmal merkt man dem Streifen das geringe Budget an, manchmal aber auch nicht. „Pod“ ist nicht schlecht, aber auch irgendwie nicht richtig gut. Höchstwahrscheinlich liegt es daran, weil einem durch das Cover und die reißerische Inhaltsangabe ein falsches Bild vermittelt wird. „Pod“ legt nämlich mehr Wert auf Dialoge (die kosten schließlich nicht so viel 😉 ) und weniger auf Schauwerte. Ich persönlich fand das gar nicht mal so schlecht, weil der Plot dadurch ein wenig realistischer wirkte und die vereinzelten Schockmomente dadurch eine bessere Wirkung zeigten. Ein paar unerwartete Wendungen lassen den dialoglastigen Film aus meiner Sicht auch nicht langweilig wirken.

Es stimmt sicherlich, dass „Pod“ an einigen Stellen tatsächlich an Akte X-Folgen erinnert, aber Regisseur Keating verneigt sich eher vor der Kultserie anstatt sie lieblos zu kopieren. Er schafft mit seinem „kleinen“ Film eine wirklich tolle Atmosphäre, was auch an dem gut gewählten Schauplatz liegt. Manchmal erinnerten mich die Verschwörungstheorien nicht nur an Akte X, sondern auch an M. Night Shyamalans „Signs“. Schauspielerisch haben mich alle drei Hauptakteure überzeugt, wenngleich manches an einigen Stellen übertrieben auf mich wirkte. Aber das sind persönliche Empfindungen, die jeder anders sieht. Inszenatorisch zeigt Keating ein Händchen für mystisch wirkende Bilder und einen geradlinigen Stil, der zu unterhalten und fesseln weiß. Und dennoch fehlt „Pod“ am Ende dann trotzdem das gewisse Etwas. Ich kann es nicht einmal genau erklären, was genau es ist, dass mich störte oder mir fehlte. Fakt ist, dass es leider so ist.

Wie gesagt, ich will dem Film keine Atmosphäre und Spannung absprechen (die sind beide gegeben), aber man hätte auch mit geringerem Budget etwas mehr herausholen können. Insgesamt hat mich „Pod“ aber dennoch überzeugt, vor allem, wenn man bedenkt, dass es einfach keine Großproduktion ist. Man spürt das Herzblut, dass in dem Streifen steckt und das alleine macht vieles wett.
Der Soundtrack hat mich begeistert, weil er mich zum einen an manche Filmmusik aus den 80er Jahren erinnert hat, und er zum anderen die bedrückende Atmosphäre hervorragend unterstrichen hat. All diese Dinge sind letztendlich ausschlaggebend, dass mir „Pod“ trotz der obengenannten Abstriche dennoch gefallen hat.

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Fazit: Wer nicht zu viel erwartet, wird mit einem schön fotografierten, gut inszenierten und stimmungsvollen B-Movie belohnt, der durchaus zu unterhalten vermag.

© 2017 Wolfgang Brunner