The Zero Theorem (2013)

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Originaltitel: The Zero Theore
Regie: Terry Gilliam
Drehbuch: Pat Rushin
Kamera: Nicola Pecorini
Musik: George Fenton
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Christoph Waltz, David Thewlis, Mélanie Thierry, Lucas Hedges, Matt Damon, Ben Whishaw,  Tilda Swinton, Peter Stormare, Rupert Friend
Genre: Drama, Science Fiction
Produktionsland: Großbritannien, Rumänien
FSK: ab 12 Jahre

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Das exzentrische Computergenie Qohen Leth arbeitet und lebt vollkommen zurückgezogen in einer ausgebrannten Kapelle. Einzig mit der sinnlichen Bainsley genießt er virtuellen Sex und hin und wieder besucht ihn Bob, der Sohn des  Vorsitzenden der Firma, für die Qohen arbeitet.
Momentan arbeitet Qohen daran, das „Zero Theorem“ zu lösen, eine Formel, durch die sich eventuell der Sinn des Lebens bestimmen lassen könnte. Seine Arbeit daran wird zur Besessenheit, bis er erkennt, dass die Wahrheit nicht im Computer, sondern im Leben zu finden ist.

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Terry Gilliam setzt seinen Grundgedanken von „Brasil“ in diesem Film fort. Fast könnte man sagen, es ist eine Art Neuinterpretation seiner Dystopie. Man muss sich auf Gilliams Inszenierungsstil und seine Gedankenkonstruktionen einlassen, um solcherart Filme zu mögen (und vielleicht auch zu begreifen). Gilliam geht auf die heutige, hochaktuelle Problematik von Computer- und Internetabhängigkeit ein und führt uns vor Augen, wie dicht wir vor einem Abgrund stehen, der die Menschlichkeit in uns auslöscht. Jeder lebt und arbeitet für sich allein, ist menschenscheu und argwöhnisch gegenüber allem Neuen und Ungewohnten. Das Szenario, das Gilliam uns da zeigt, ist absolut düster und auf erschreckende Weise ganz dicht an der Wahrheit dran. Zumindest in einigen Belangen.
Nicht selten dachte ich für mich, dass einige der gezeigten Szenen schon heute der Wirklichkeit verdammt nahe kommen.
Die Botschaft, die uns der Regisseur aufzeigt, ist klar und eindeutig: Wendet euch wieder der Realität und dem wahren Leben zu. Aber es steckt noch so viel mehr in diesem Film, den man sich ohne weiteres öfters ansehen kann (und vielleicht auch sollte).

Christoph Waltz ist hier in einer mehr als außergewöhnlichen Rolle zu sehen. Und, um es gleich vorweg zu sagen, er meistert sie hervorragend. Seine Angst vor Menschen und seine Unsicherheit bezüglich seines eigenen Lebens nimmt man ihm in jeder Einstellung ab. Waltz zeigt, wie wandlungsfähig er ist und wie problemlos er in verschiedene, auch skurrile, Rollen schlüpfen kann. Ihm zuzusehen macht auf jeden Fall Spaß. Matt Damon tritt dagegen irgendwie in den Hintergrund, sein Charakter hinterlässt bei weitem nicht die Spuren wie der von Waltz.

Gilliam hat einen weitschichtigen Film gedreht, der dem Zuschauer so manches Mal klar macht, dass unser derzeitiges Leben von Werbung, Computern und virtuellen Realitäten dermaßen gesteuert wird, dass es einem Angst machen sollte. Der Regisseur will zeigen, wie es um uns in ein paar Jahren steht, wenn wir uns nur noch auf diese Dinge konzentrieren und das wirkliche Leben außer Acht lassen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass vielen Zusehern der Film nicht besonders gefällt, weil er wenig Action bietet und durch seine skurrile Machart auf manch einen womöglich langweilig wirkt. Wie schon erwähnt, man muss sich darauf einlassen, um die Genialität zu erkennen, die sich zwischen den gezeigten Bildern versteckt.
Zu der wirklich außergewöhnlichen und exzentrischen Stimmung gesellt sich ein wunderbar stimmiger Soundtrack von George Fenton hinzu, der das Ganze passend untermalt.
Manche Bilder erinnern an „Blade Runner“ oder „Das fünfte Element“, wobei man „The Zero Theorem“ auf keinen Fall mit diesen Filmen vergleichen kann. Es ist lediglich die Optik, die mich an die genannten Filme denken ließ.
Wer virtuelles Künstlerkino abseits des Mainstreams mag, wird mit Terry Gilliams Dystopie seine Freude haben, alle anderen werden sich im visuellen und philosophisch angehauchten Wirrwarr unwohl fühlen.

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Fazit: Visuell reizvolles Kino zum Nachdenken mit einem wunderbaren Christoph Waltz.

© 2016 Wolfgang Brunner

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Maggie (2015)

Maggie

Originaltitel: Maggie
Regie: Henry Hobson
Drehbuch: John Scott III
Kamera: Lukas Ettlin
Musik: David Wingo
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin, J.D. Evermore, Rachel Whitman, Jodie Moore, Bryce Romero
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Schweiz
FSK: ab 18 Jahre

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In den Vereinigten Staaten bricht eine Epidemie aus, die die Infizierten in fleischfressende Zombies mutieren lässt und innerhalb kürzester Zeit Millionen Menschenleben fordert. Wades Tochter Maggie ist ebenfalls von dem Virus infoziert und soll in eine Quarantänestation gebracht werden. Aber Wade kämpft mit allen Mitteln darum, seine Tochter bei sich zu Hause behalten zu können. Gemeinsam mit seiner neuen Frau wartet er nun darauf, dass seine Tochter zu einem Zombie wird, ohne zu wissen, was er im Falle einer Mutation unternehmen wird.

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„Maggie“ ist tatsächlich der etwas andere Zombiefilm. Bis auf wenige Ausnahmen läuft der Film wie ein ruhiger Bach an einem vorbei und baut dabei eine unglaublich intensive Atmosphäre auf. So ein bisschen erinnerte das Szenario an „The Returned“, wo die Zombies ebenfalls sehr menschlich dargestellt wurden. Zumindest bis sie vollständig verwandelt waren. Henry Hibson hat ein Händchen für wunderschöne Aufnahmen, die so manches Mal wie ein Gemälde wirken. „Maggie“ ist ein extrem ruhiger Film, der sich irgendwo zwischen „The Walking Dead“ und „The Road“ ansiedelt. Diese Mischung funktioniert absolut gut. David Wingos leiser Soundtrack untermalt die wunderschönen, melancholischen Bilder traumhaft und zeichnet sich zum Großteil für die elegische Stimmung mit verantwortlich.

Schauspielerisch ist dieser effektearme Film eine wahre Freude. Hier wird das Augenmerk auf schauspielerische Leistungen gelegt und die bekommt man auch zu sehen. Allen voran sei hier Arnold Schwarzenegger genannt, der in seiner Rolle als besorgter Vater wirklich berührt.  Man möchte es dem Actionhelden gar nicht so richtig zutrauen, wie emotional er Sorge und Verbissenheit ausdrücken kann. Schwarzeneggers Schauspiel ist wirklich sehr gefühlvoll und absolut überzeugend. Daneben kann aber auch Abigail Breslin in der Titelrolle bestehen, die ebenfalls sehr authentisch agiert. Joely Richardson als anfangs leicht verstörte und dann immer toughere Mutter konnte mich ebenfalls fesseln. Wie gesagt, aufgrund der fehlenden Special Effects ist „Maggie“ einfach ein Film für Schauspieler und das hat mir außerordentlich gut gefallen.

Sicherlich geht es um ein Virus, um Zombies und die Apokalypse. Aber genaugenommen könnte man das Zombievirus-Thema ausklammern und einfach einem Vater zusehen, wie er seine kranke Tochter nicht aufgibt und um ihr Leben kämpft. Das Zombievirus wäre in „Maggie“ austauschbar mit Krebs oder einer anderen tödlichen Krankheit, die das Ende unausweichlich macht. Lediglich die apokalyptische Atmosphäre rechtfertigt den Zombie-Hintergrund. „Maggie“ ist ein Drama, und zwar ein sehr gutes, das betroffen macht.

Warnung an alle, die Horror, Splatter, Action, Blut und Grusel erwarten. Von all dem findet man in „Maggie“ (Gott sei Dank) nichts. Wie in „The Road“ wird man in eine deprimierende Weltuntergangsstimmung geworfen, die einen betroffen und nachdenklich macht. Und traurig …

Warum allerdings auf dem Cover eine FSK 18-Freigabe klebt, ist ein Rätsel, denn es gibt keine einzige Szene, die solch eine Entscheidung rechtfertigt. Fast möchte man meinen, es sei ein kluger Schachzug des Verleihs, um die Splatterfans zu einem Kauf zu verleiten, damit der Verkauf angekurbelt wird. Denn wo „FSK 18“ und „Uncut“ draufsteht, ist schließlich auch beides drin. Allerdings frage ich mich, was genau man denn hätte cutten können/müssen bei „Maggie“. Dann könnte man auch ohne schlechtes Gewissen bei den „Minions“ einen „Uncut“-Kleber draufmachen, denn uncut ist der bestimmt auch. 😉

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Fazit: Ruhig, elegisch, melancholisch und traurig wird hier eine Familiengeschichte erzählt, die auf ein unausweichliches Ende zusteuert. Meiner Meinung nach einer der besten Filme von Arnold Schwarzenegger.

© 2015 Wolfgang Brunner

Der Omega Mann (1971)

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Originaltitel: The Omega Man
Regie: Boris Sagal
Drehbuch: John William Corrington, Joyce Hooper Corrington
nach dem Roman von Richard Matheson
Kamera: Russell Metty
Musik: Ron Grainer, Cootie Williams
Laufzeit: 98 Minuten
Darsteller: Charlton Heston, Anthony Zerbe, Rosalind Cash, Paul Koslo, Eric Laneuville, Lincoln Kilpatrick, Jill Giraldi, Anna Aries, Brian Tochi
Genre: Science Fiction, Literatur
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Nach einem verheerenden, bakteriologischen Krieg ist die Menschheit dezimiert. Nur wenige haben überlebt und sich in halbblinde Kreaturen verwandelt, die Jagd auf die Menschen machen, die nicht infiziert sind. Robert Neville ist Wissenschaftler und immun gegen die freigesetzten Bakterien. Als er auf eine Gruppe Überlebender trifft, nimmt er zusammen mit ihnen den Kampf gegen die neue Spezies auf, die in der Dunkelheit der Städte lauert.

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Bereits 1964 wurde Richard Mathesons grandioser Science Fiction-Roman „I Am Legend“ mit Vincent Price in der Hauptrolle verfilmt. Unter dem Titel „The Last Man On Earth“ wurde sich damals zwar handlungstechnisch enger an die Romanvorlage gehalten, dafür aber die Namen aus unerfindlichen Gründen verändert.
Sieben Jahre später übernahm dann Charlton Heston die Hauptrolle in der Neuverfilmung unter der Regie von Boris Sagal. In „Der Omega Mann“ wurden aus den vampirähnlichen Infizierten einfach nur Mutanten, die Jagd auf die gesunden Menschen machen. Sieht man sich den Film heute an, wirken viele Szenen fast schon lächerlich. Dennoch verbreitet der Film noch heute eine ganz ansehnliche, dystopische Stimmung, die einen noch immer in seinen Bann zu ziehen vermag. Die Stelle zum Beispiel, in der sich Heston in einem verlassenen Kino „Woodstock“ ansieht, hat schon einen gewissen Reiz, den heutige Filme gar nicht mehr auf diese Art und Weise verströmen (können).

Sieht man einmal von den lächerlich wirkenden Mutanten ab, könnte man bei den Aufnahmen von „Der Omega Mann“  durchaus vermuten, dass John Carpenter dadurch zu einigen Einstellungen für seinen grandiosen Weltuntergangsfilm „Die Klapperschlange“ inspiriert wurde. Hestons Darstellung des Wissenschaftlers Neville kann durchaus überzeugen und ist entsprechend der damaligen Zeit auch sicherlich bestmöglich umgesetzt. Sieht man sich aber die 2007 entstandene Neuinterpretation „I Am Legend“ mit Will Smith an, weiß man erst, wie eine Umsetzung aussehen kann, die dem Geist von Mathesons Roman noch irgendwie am meisten entspricht, was aber mit Sicherheit an der Möglichkeit von  Spezialeffekten liegt. Alleine die Tatsache, dass Sagals Film ohne großartige Spezialeffekte auskommt, spricht allerdings wiederum für ihn.

„Der Omega Mann“ hat durch seine für die damalige Zeit visionären Aufnahmen von leeren Straßen und verlassenen Häusern den Status eines Kultfilms. Ein Klassiker ist er allemal, auch wenn, wie gesagt, einige Dinge (leider) veraltet wirken. Und trotz dieser (zeitverschuldeten) Kritik bleibt „Der Omega Mann“ einfach im Gedächtnis haften, was daher bedeutet, dass es sich schlichtweg um einen guten Film handelt. 🙂

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Fazit: Science Fiction-Klassiker nach dem Roman von Richard Matheson. Schnörkellos und ohne großartige Effekte zeichnet Sagal das Bild eines Einzelgängers, perfekt dargestellt von Charlton Heston, in einer dystopischen Welt nach.

© 2015 Wolfgang Brunner

Metallica – Through The Never (2013)

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Originaltitel: Metallica – Through The Never
Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Nimród Antal, James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett, Robert Trujillo
Kamera: Gyula Pados
Musik: Metallica
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Dane DeHaan, Mackenzie Gray, Kyle Thomson, James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett, Robert Trujillo
Genre: Musikfilm
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Während eines Metallica-Konzerts wird der Roadie namensTrip, der für die Metal Band „Metallica“ arbeitet, vom Tourmanager in die Stadt geschickt, um eine für die Band enorm wichtige Tasche aus einem liegengebliebenen LKW zu holen. Während Metallica vor Zehntausenden begeisterter Fans ihre bekanntesten Songs spielen, wird Trip immer mehr in eine apokalyptische, teils surrealistische Welt geschleudert. Schon bald kann er Realität und Einbildung nicht mehr unterscheiden und beides scheint sich sogar zu vermischen.

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Metallica-Fans kommen um diesen Film sowieso nicht rum. 😉
Da wird nämlich ein Konzert der Superlative geboten, und wenn man die 3D-Fassung ansieht, erlebt man die vier Musiker hautnah bei ihrem Auftritt. Die Bühnenshow und die Ausstrahlung der Musiker, allen voran Sänger/Gitarrist James Hetfield und Schlagzeuger Lars Ulrich, sind umwerfend. Das Bühnenbild und die Auswahl der Songs könnte besser nicht sein. Die Band kommt absolut sympathisch rüber und reißt selbst Nicht-Fans mit ihrer Musik mit, sofern man dieser Art der Musik wenigstens ein klein wenig abgewinnen kann.

Einziges Manko dieses Konzertfilms ist die teils abstruse Nebenhandlung um den Roadie Trip. Sicherlich sind fantastische und atemberaubende Aufnahmen zu sehen, doch erschließt sich dem Zuschauer leider nicht der wirkliche Sinn. Da hätte man trotz aller Mystery-, Fantasy und postapokalyptischen Elemente mehr als nur eine an den Haaren herbeigezogene, pseudo-intellektuelle Story bauen können. Es ist ja auch nicht so, als wäre die Nebenhandlung nicht interessant – keineswegs. Aber man sucht, ob dies beabsichtigt ist oder nicht, wenigstens einen „kleinen“ Sinn in dem Ganzen und bleibt leicht verwirrt zurück. In der ein oder anderen Einstellungen wecken die gezeigten Bilder sogar kurzzeitig Assoziationen zu Alan Parkers grandioser Pink Floyd-„The Wall“-Verfilmung, aber der Plot schlittert leider sofort wieder in die Unsinnigkeit hinein. Man ist versucht, das Ganze als Drogentrip zu interpretieren, dem sich dann nachvollziehbarer Weise jeglicher Sinn entzieht. Das wäre für mich auch die einzig zufriedenstellende Lösung …

„Metallica – Through The Never“ ist nichtsdestotrotz ein Konzerterlebnis allererster Güte und eine selbstinszenierte Hommage an eine der einflussreichsten Metalbands der Rockgeschichte. Die zwar wirre Nebenhandlung lockert die Konzertabschnitte derart gut auf, dass keine Sekunde Langeweile  aufkommt. Der Musikfilm lohnt sich unbedingt und kann mit Sicherheit ein paar Mal angeschaut werden. Vielleicht kann man bei einem der nächsten Sichtungen sogar das ein oder andere Geheimnis der Nebenhandlung enträtseln. 😉

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Fazit: Bombastisch und atemberaubender Konzertfilm mit einer eher schwachen Fantasy-Nebenhandlung. Visuell und audiell absolut beeindruckend. Für Fans ein Muss, für alle anderen ebenfalls lohnenswert, sofern man dieser Art der Musik zugetan ist.

© 2015 Wolfgang Brunner

Automata (2014)

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Originaltitel: Autómata
Regie: Gabe Ibáñez
Drehbuch: Gabe Ibáñez, Igor Legaretta Gomez, Javier Sanchez Donate
Kamera: Alejandro Martinez
Musik: Zacarias M. de la Riva
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Antonio Banderas, Melanie Griffiths, Birgitte Hjort Sørensen, Dylan McDermott, Robert Forster, Tim McInnerny
Genre: Science Fiction
Produktionsland: Bulgarien, Spanien
FSK: ab 12 Jahren

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Durch Sonnenstürme wird die Erde verwüstet und radioaktiv verseucht. Nur 21 Millionen Menschen überleben die Katastrophe und sind fortan gezwungen, sich auf die Hilfe von intelligenten Robotern zu verlassen. Als die Maschinen immer mehr Eigenleben entwickeln, beginnt der Versicherungsagent der Herstellerfirma Ermittlungen anzustellen. Er entdeckt dabei ein Geheimnis, das sein Weltbild vollkommen auf den Kopf stellt …

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Im ersten Moment fühlt man sich sofort an Philip K. Dicks Replikanten aus „Blade Runner“ oder Isaac Asimovs „Roboter-Zyklus“ erinnert. Auch hier müssen sich die Roboter an Gesetze halten und entwickeln immer mehr ein Eigenleben. Doch diese Übereinstimmung an die beiden genannten literarischen Vorbilder ist lediglich der Grundstein zu einem sehr soliden Science Fiction-Film, der schon bald seine eigene Richtung festlegt.

Antonio Banderas spielt seinen Part unglaublich gut und überzeugend.
„Automata“ verbreitet von Anfang an eine Atmosphäre, die an die „alten“ Science Fiction-Filme der 70er und 80er Jahre erinnert. Das macht so richtig Spaß, zumal die Roboter auch nicht so perfekt wie zum Beispiel in „I, Robot“ oder den Transformer-Filmen dargestellt sind. Gerade diese Unperfektion macht „Automata“ so sympathisch und wiederum auf gewisse Art und Weise perfekt. Die Bewegungen der Maschinen sehen aus wie bei „Nummer 5 lebt“ 😉 und haben dennoch faszinierenderweise eine Menschlichkeit inne, mit der man mitfiebert und mitleidet. Diese Roboter sind die heimlichen Stars des Films, wenngleich die menschlichen Darsteller auf jeden Fall gute Arbeit leisten.

Gabe Ibáñez hat einen Science Fiction-Film erschaffen, an den man noch lange denkt. Gerade die unspektakuläre Inszenierung ist es, die begeistert. In der heutigen Zeit, in der effekteüberladene Filme die Spitze der Kinocharts anführen, wirkt „Automata“ wie ein Segen für die Kinogänger, die sich mehr für Schauspieler, Inszenierung und Filmideen interessieren und nicht auf teuerste, perfekte Specialeffects Wert legen.
Wie oben bereits erwähnt ist das Thema von menschlichen Androiden nicht neu, aber dennoch realitätsnah und, bis auf die genannten Anleihen aus der Literatur und deren Verfilmungen, ideenreich umgesetzt. Das Finale wirkt fast schon wie ein Western und ließ mich irgendwie an Michael Crichtons „Westworld“ denken. 🙂
„Automata“ gesellt sich auf jeden Fall zu meinen Lieblingsfilmen im Bereich „Science Fiction“.

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Fazit: Liebevoll inszenierter Science Fiction-Film, der sich auf angenehme Weise vom gängigen, Compuereffekte-überladenen Mainstream abhebt und einen fast schon nostalgischen Rückblick in die 70er und 80er-Jahre bildet.

© 2015 Wolfgang Brunner

72 Stunden (2008)

72 stunden

Originaltitel: Tres Dias
Alternativtitel: Before The Fall
Regie: F. Javier Gutiérrez
Drehbuch:  F. Javier Gutiérrez, Juan Velarde (Original Story)
Kamera: Miguel Ángel Mora
Musik:Antonio Meliveo
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Víctor Clavijo , Eduard Fernández, Juan Galván, Mariana Cordero , Daniel Casadella, Elvira DeArmiñán
Genre: Thriller
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 18 Jahren

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Ein Meteorit rast auf die Erde zu und droht, die gesamte Menschheit auszulöschen. Ale und seine Mutter beschützen die Kinder seines Bruders. Und während für die Menschheit die letzten drei Tage anbrechen, droht Ale und seiner Familie eine andere Gefahr, die aus seiner Vergangenheit kommt und nicht nur sein eigenes Leben bedroht.

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„72 Stunden“ ist ein recht ansehnlicher Endzeit-Thriller, der die Genre Katastrophenfilm und Psychothriller geschickt miteinander vermischt. Die Geschichte beginnt wie ein typischer Weltuntergangsfilm und zeigt bereits hier beachtliche Stärken des Regisseurs. Im Verlauf des Films wird aber immer mehr eine Grenze überschritten, die vom Katastrophenszenario in eine nicht uninteressante Mischung aus dramatischem Familiendrama und perfidem Psychothriller führt.

Der von Antonio Banderas produzierte Film sondert sich schon in den ersten Minuten von typischen Mainstream-Produktionen ab und macht neugierig. Oft wird eine härtere Gangart eingelegt, was der Dramatik des Thrillers enorm zu gute kommt. Und die Geschichte um das Familiengeheimnis ist sehr geschickt in Szene gesetzt, da gibt es nichts zu meckern. Genausowenig wie in Sachen Schauspielerei. Die Akteure machen ihre Sache gut und vermögen zu überzeugen.

Das Hauptproblem des Films ist allerdings, dass er zwei Genres bedient und sich nicht so recht entscheiden kann, welches nun das Hauptgenre sein soll. Obwohl gerade dieser Richtungsmix im ersten Moment unglaublich interessant wirkt, verliert sich der Katastrophenanteil plötzlich komplett in einem psychologischen Überlebenskampf, der plötzlich vollkommen unlogisch wirkt, da die Welt ja in 72 Stunden sowieso untergehen wird. Das stört an manchen Stellen, wirkt sich aber auf die Spannung überraschender- und erfreulicherweise nicht aus.

Kurz vor dem Ende schwenkt Gutiérrez dann aber doch noch einmal auf das Weltuntergangs-Szenario und rundet zumindest am Schluss das Ganze damit ein wenig ab.  Mich hat das Ende des Films dann doch wieder einigermaßen zufriedengestellt. 😉
Ein bisschen mehr Katastrophe und etwas weniger Psychothriller wären aus meiner Sicht besser gewesen.

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Fazit: Raffinierter Genremix aus Katastrophen-Weltuntergangs-Film und spannendem Psychothriller, der hervorragend unterhält, aber letztendlich an der unausgewogenen Mischung ein klein wenig scheitert. Sehenswert ist der außergewöhnliche Thriller aber auf jeden Fall.

© 2015  Wolfgang Brunner

The Rover (2014)

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Originaltitel: The Rover
Regie: David Michôd
Drehbuch: David Michôd
Kamera: Natasha Braier
Musik: Antony Partos
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Guy Pearce, Robert Pattinson, Scoot McNairy, David Field, Anthony Hayes, Gillian Jones, Susan Prior
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahren

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Das weltweite Wirtschaftssystem ist zusammengebrochen. Gesetze und Gesellschaft, so wie wir sie kennen, verschwinden und jeder denkt nur noch ans eigene Überleben. In dieser Zeit stiehlt eine kriminelle Gang den letzten Besitz des ehemaligen Farmers Eric: sein Auto, einen Rover.
Zusammen mit dem leicht zurückgebliebenen Rey, ein Bruder eines der Diebe, beginnt Eric die Verbrecher zu jagen. Denn er will seinen Rover wieder zurückhaben, egal zu welchem Preis.

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Ich muss gestehen, dass mich der Film voll erwischt hat. Ich hatte mir sicherlich einen enorm guten Endzeit-Thriller vorgestellt, aber was ich dann zu sehen bekam, riss mich, ehrlich gesagt, nahezu vom Hocker.
Das beginnt schon bei dem wahnsinnig guten Schauspielerleistungen, die Guy Pearce und Robert Pattinson da hinlegen. Da bleibt einem schon alleine beim Agieren der beiden der Atem stehen, so intensiv und realitätsnah schauspielern sie. Guy Pearce habe ich selten so gut und emotional (und dennoch kaltblütig) erlebt. Es ist eine wahre Freude, ihm bei der Jagd nach seinem geliebten Rover zuzusehen. Und Pattinson, der mich schon in David Cronenbergs „Cosmopolis“ begeistert hat, legt hier noch einen drauf, auch wenn man das irgendwie erst einen Tag später realisiert. 😉

David Michôd hat eindeutig das Zeug, zu einem Kultregisseur zu werden. Seine eigenwillige Inszenierung, die meist außergewöhnlich ruhig und minimalistisch daherkommt, wird von überraschenden und schockierenden Einwürfen unterbrochen, die wie ein brutaler Schlag in die Magengrube wirken. Da bleibt einem bei einzelnen Szenen schlicht die Luft weg und ein Gedankenblitz in der Art wie „Was war das denn jetzt?“ durchzuckt einen.
Ein Hauch David Lynch, eine Prise Quention Tarantino und ein Großteil eigener Kreativität zeichnen diesen außergewöhnlichen Film aus.

„The Rover“ plätschert die meiste Zeit dahin, als handle es sich um eine enorm ruhige Geschichte, und dennoch brennt sich der Plot durch seine fast schon visionäre Machart ins Gedächtnis ein wie selten ein Film. Ein Vergleich mit „The Road“ drängt sich auf und trifft die Atmosphäre noch am ehesten, aber auch diese Parallele hinkt irgendwie, denn „The Rover“ ist viel zu eigenständig, um mit einem anderen Film verglichen werden zu können. Pearce und Pattinson legen zusammen mit Regisseur Michôd ein Meisterwerk vor, das man meiner Meinung nach gesehen haben muss.

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Fazit: Minimalistisch und auf unheimliche Weise eindrucksvoll wird in „The Rover“ ein Rachefeldzug erzählt, der ohne Spezialeffekte auskommt, dafür aber mit fast schon oskarreifen Schauspielerleistungen aufwarten kann. Für Freunde des außergewöhnlichen Films ohne Zweifel ein Muss.

© 2015 Wolfgang Brunner