One Cut of the Dead (2017)

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Originaltitel: Kamera o Tomeru na!
Regie: Shinichiro Ueda
Drehbuch: Shinichiro Ueda
Kamera: Tsuyoshi Sone
Musik: Nobuhiro Suzuki, Kailu Nagai
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Takayuki Hamatsu,  Mao, Harumi Shuhama, Yuzuki Akiyama,Kazuaki Nagaya,  Manabu Hosoi
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Japan
FSK: ab 16 Jahre

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Die Macher eines Low-Budget-Zombie-Films, der den Titel „One Cut of the Dead“ trägt, drehen in einem verlassenen Fabrikgelände. Es soll ein Film ohne jegliche Schnitte werden und Regisseur Higurashi gibt letzte Anweisungen, bevor er das Set verlässt.Die Dreharbeiten beginnen, doch es ist gar nicht so einfach, einen Zombiefilm zu inszenieren.

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„One Cut of the Dead“ macht es einem wahrlich nicht leicht. Man geht erst einmal natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Film heran, wenn man zum Beispiel Vergleiche wie „Train to Busan“ oder „Shaun of the Dead“ zu hören bekommt. Das suggeriert im Vorfeld bereits eine vollkommen andere Art von Film als  „One Cut of the Dead“ letztendlich ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man nach den ersten zehn Minuten mehr als verwundert und irritiert ist und tatsächlich überlegt, ob man den Film vielleicht doch einfach abschalten sollte. Weitere zehn Minuten später ist man dann sehr nahe dran, das Handtuch zu schmeißen. Und dann wird es plötzlich, nach einer knappen halben Stunde interessant: Der Abspann von „One Cut of the Dead“ flimmert über den Bildschirm. Das macht in erster Linie stutzig und vor allem eines noch: nämlich neugierig.

Das Szenario ändert sich von einem Moment auf den anderen und man wird mit einem komplett neuen Plot konfrontiert. Auch hier dauert es zwar eine Weile, bis man sich daran gewöhnt und sich auf die neue Situation eingelassen hat. Hat man dann aber diese ersten vierzig Minuten dieses Films überwunden, wird man mit einer der genialsten Horrorkomödien, die ich kenne, belohnt. Es ist einfach unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit und Raffinesse die Macher dieses Films den Plot nach dieser völlig unerwarteten Wendung vorantreiben. „One Cut of the Dead“ ist dennoch keine Zombie- Horror-Komödie à la „Shaun of the Dead“, sondern geht definitiv einen absolut anderen Weg. Noch heute, ein paar Tage nach Sichtung dieses Films, zaubern mir einige Einstellungen ein Schmunzeln ins Gesicht. Ich bin noch immer über diesen Ideenreichtum, den „One Cut of the Dead“ bietet, erstaunt und im Nachhinein wundert mich der phänomenale weltweite Erfolg dieser außergewöhnlichen Komödie absolut nicht.

Dieser Film ist ein absolut gutes Beispiel dafür, dass man mit geringfügigen finanziellen Mitteln und nur durch eine geniale Idee einen unterhaltsamen Film drehen kann. „One Cut of the Dead“ sieht man im ersten Drittel das wenige zur Verfügung stehende Budget an, aber nach besagter Wendung vergisst man diese Tatsache und genießt nur noch den ausgeklügelten Witz und die nahezu perfekte Situationskomik, die dieser Low-Budget Film bietet. Ich bin schlichtweg von diesem Streifen begeistert und zudem auch noch sehr beeindruckt, wie die Macher diese Thematik umgesetzt haben. Man sieht, gerade in der zweiten Hälfte, mit wie viel Herzblut alle Beteiligten an die Umsetzung herangegangen sind. „One Cut of the Dead“ ist mit ganz viel Liebe gedreht, was man dem Film unbedingt anmerkt. Wie gesagt, die erste knappe halbe Stunde muss man schlichtweg überstehen und in Kauf nehmen, um dann das geniale Endergebnis zu sehen. Vor allem gibt diese, im Grunde genommen unerträgliche erste halbe Stunde, am Ende absoluten Sinn. Ich bin mir sicher, dass „One Cut of the Dead“ beim zweiten Mal sogar noch besser funktioniert als beim ersten Mal. Dennoch sollte man bei der Erstsichtung definitiv ohne irgendwelche Informationen an diesen Film herangehen.

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Fazit: Herrlich erfrischende Zombie-Komödie, die ihre gesamte Genialität erst in den letzten zwei Dritteln preisgibt.

©2019 Wolfgang Brunner

Legend Of Hell (2012)

Legend

Originaltitel: Legend Of Hell
Regie: Olaf Ittenbach
Drehbuch: Olaf Ittenbach
Kamera: Denis Alarcon Ramirez
Musik: Philipp Chudalla, Reinhard Eggersdorfer, Axel Rubbel, Thomas Wozny
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Karen Breece, Wayne Darrin, Martin Ittenbach, Hanno Ley, Carsten Blume, Garloff Langenbeck, Daryl Jackson, James Matthews-Pyecka, Sebastian Gerold, Birte Hanusrichter, Thomas Schimon
Genre: Horror, Fantasy
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre

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Die Archäologin Selma entdeckt ein 5.000 Jahre altes Portal, das von innen fest verschlossen ist. Wenig später findet sie eine ebenso alte Karte, die bald darauf ein alter Kunsthändler mit allen Mitteln von ihr erwerben will. Bei der Übergabe kommt es zum Streit und Selma wird erschossen. Und plötzlich befindet sich Selma im Mittelalter, wo sie erneut ermordet wird und erstaunlicherweise auf einer astralen Ebene wieder erwacht. Dort trifft sie David, Elias und Luise, die alle aus verschiedenen Zeitaltern in die astrale Ebene gelangt sind, um einen Auftrag auszuführen. Sie müssen das Tor zur Hölle, das von Selma in einem anderen Leben entdeckte Portal, schließen, das zwischenzeitlich entriegelt wurde.

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Wo „Ittenbach“ draufsteht ist auch „Ittenbach“ drin. 🙂
Es gibt Filmemacher, die spalten die Zuschauer: Herr Ittenbach ist eindeutig einer davon. Entweder man mag seine Art, Filme zu machen, oder eben nicht. Ich für meinen Teil mag seine Orgien. Ittenbach ist kein Spielberg, das ist ganz klar. Aber ich esse ja auch nicht jeden Tag ein 5-Sterne Menü, sondern auch mal Fast Food. Und beides mag ich.
Somit wären wir dann auch schon beim Thema: Ittenbachs „Legend Of Hell“ ist eine unterhaltsame Mischung aus „Conan – Der Barbar“, „Hinter dem Horizont“ und Zombie-Splatter. Der Film möchte einfach unterhalten und das tut er, wenn man sich auf die manchmal unlogische Handlung einlässt. Fantasyelemente werden wild mit Horror- und Mysteryeinschüben vermischt. Heraus kommt ein spannender Genremix, der sogar ein klein wenig zum Nachdenken einlödt. Sicherlich ist der Plot nicht logisch durchdacht und konzipiert, aber dennoch hat mir die Idee einer astralen Ebene, in der sich alles abspielt, sehr gut gefallen. Dadurch bekam die Handlung doch einen gewissen Reiz für mich.

Olaf Ittenbach schert sich einen Teufel um gängige Erwartungen: Er macht, was ihm Spaß macht und was er zeigen will – Punkt. Im Falle von „Legend Of Hell“ bewegt er sich nicht durchgängig, wie ihm vorgehalten wird, auf Amateur-Niveau.  Dazu agieren die Schauspieler ab dem ersten Drittel viel zu gut und die Drehorte sind teilweise wirklich sehr gut und atmosphärisch ausgewählt. Sicherlich fallen hin und wieder die Blue (oder Green?)-Screen-Aufnahmen auf, aber was ist daran so schlimm? Der Film ist zum Großteil handmade gemacht und das rechne ich Ittenbach in der heutigen Zeit hoch an. Da werden Puppen abgeschlachtet, dass es eine wahre Freude ist. Und genau das habe ich erwartet. Klar werden auch CGI-Effekte eingesetzt, aber im Grunde sehr verhalten. Die Handarbeit liegt Ittenbach immer noch am Herzen.

Wer einen stylischen Hochglanz-Horror erwartet, wird hier enttäuscht werden. Wer sich allerdings eineinhalb Stunden mit einem Fantasy-Horror-Trash-Splatter-Trip vertreiben möchte, ist genau richtig. Und, wie gesagt, man bekommt auch ein paar wunderbare und stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen zu sehen. Ittenbach-Fans werden ihre Freude haben, B-Movie- und Independent-Gegner sollten einfach die Finger davon lassen.

Anfangs kommt der Plot sehr schwer in die Gänge, genauso wie die deutsche Synchronisation. Aber schon nach einer Viertelstunde wird es besser und auch die Synchro tut’s.
Einziges wirkliches Manko an „Legend Of Hell“ fand ich die animierten Drachen am Ende, die lächerlich und wie aus einem Film der 50er Jahre wirkten. Aber nun gut … ich mochte den Rest und fand die Story wirklich einen unterhaltsamen B-Movie mit blutigen Effekten. Mit geringem Budget hat Ittenbach seinen Fans ein neues Werk geliefert, und das finde ich gut. 😉

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Fazit: So schlecht, wie alle tun, ist „Legend Of Hell“ nun auch wieder nicht. Coole Effekte wurden in eine ganz nette, wenngleich nicht unbedingt logische, Handlung verpackt. Mir hat’s gefallen.

© 2015 Wolfgang Brunner

V/H/S: Viral (2014)

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Originaltitel: V/H/S: Viral
Regie: Nacho Vigalondo, Marcel Sarmiento, Gregg Bishop, Justin Benson, Aaron Scott Moorhead
Drehbuch: Nacho Vigalondo, Marcel Sarmiento, Gregg Bishop, Justin Benson, Aaron Scott Moorhead, T.J. Cimfel, Ed Dougherty, David White
Kamera: Harris Charalambous, George Feucht
Musik: Drazen Bosnjak, Kristopher Carter
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Justin Welborn, Jessica Luza, Randy McDowell, Michael Aaron Milligan, Nathan Mobley, Cory Rouse, Stephen Caudill, Greyson Chadwick, Blair Redford, Amanda Baker
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre (uncut)

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Vicious Circles – Die Rahmenhandlung, in der ein Junge mit seinem Fahrrad einen Notarztwagen mit der Handkamera verfolgt, in der Hoffnung, mit diesem Video ein Youtube-Star zu werden.

Dante The Great – Ein Magier findet einen Zaubermantel, der angeblich Houdini gehört hat und verfällt diesem vollkommen.

Parallel Monsters – Ein Wissenschaftler erfindet ein Portal, das in eine Parallelwelt führt. Dort lebt sein Doppelgänger, mit dem er für 15 Minuten die Rollen tauscht. Eine verhängnisvolle Entscheidung.

Bonestorm – Drei Skateboarder machen sich auf den Weg nach Mexiko, um einen Sportfilm zu drehen. An einer abgelegenen Stelle werden sie plötzlich von Untoten angegriffen.

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Teil 1 und 2 der V/H/S-Reihe fand ich gar nicht mal so übel, obwohl mir bereits da einige Geschichten durch die Mega-Wackelkamera unangenehm aufgestossen waren. Nun folgt also Teil 3 und nachdem ich ein paar Rezensionen darüber gelesen hatte, dass dies der beste der Reihe sein soll, war ich natürlich neugierig.
Nachdem der verwirrende Einstieg durch die Rahmenhandlung geschafft war, begann das Ganze auch sehr vielversprechend.

Die Geschichte um den Magier Dante hat mir im Grunde genommen sehr gut gefallen und vor allem die Effekte konnten sich wirklich sehen lassen. In dieser Hinsicht war ich sogar richtiggehend überrascht und freundete mich in Gedanken mit V/H/S 1 und 2 wieder an. Immer wieder dachte ich, man könne tatsächlich vielleicht doch ein Fan dieses Franchise werden. Dantes Zaubereien faszinierten mich und selbst das Ende konnte mich überzeugen.

Danach kam die Geschichte um eine Parallelwelt, die mir anfangs sogar noch besser als der Dante-Einstieg gefallen hat. Die Ausgangssituation versprach Spannung und Mystery. Leider verzettelte man sich im Laufe der Story in ein etwas wirres Durcheinander, das irgendwie aus meiner Sicht nicht richtig zusammenpasste. Da hätte ich mir einen geradlinigeren Plot gewünscht und auf das Monster schlichtweg verzichtet. Dann wäre es eine zwar ruhigere, aber überzeugendere Episode geworden.

Es war alles noch im Lot, auch als die Skateboarder erschienen und ein paar Kunststücke vorführten. Als dann jedoch die Reise nach Mexiko begann und die Kopfkameras eingesetzt wurden, entwickelte sich diese letzte Episode für mich zu einem unerträglichen Desaster. Sicherlich waren ein paar Splatterszenen ganz gut gemacht, aber die Wackelbilder machten mich fast schon aggressiv und ich war nahe daran, die STOP-Taste zu drücken. Ich habe es nicht getan und zwar aus dem Grund, weil ich wissen wollte, wie die Rahmenhandlung die drei Episoden eventuell miteinander verbindet und mich über die Enttäuschung der letzten Geschichte hinwegtrösten könnte. Aber auch hier kam eine unglaubliche Enttäuschung: Irgendwie erschloss sich mir auch der echte Sinn dieser Rahmenhandlung nicht wirklich und was die anderen Storys damit zu tun hatten. Es wirkte alles sehr an den Haaren herbeigezogen.

Für mich war „V/H/S: Viral“ der schlechteste Teil der Reihe. Daher konnte er mir die ersten beiden Teile, so wie ich ursprünglich dachte, nicht noch einmal schmackhaft machen – im Gegenteil. 😦
Keinen der drei Teile werde ich nochmals ansehen, am allerwenigsten aber den dritten. Man hätte aus diesen Plots durchaus mehr machen können. „V/H/S: Viral“ ist einer jener Vertreter im Found Footage-Genre, der zeigt, dass Wackelkameras so einiges kaputt machen können. Hier ist es passiert …

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Fazit: Schlechtester Teil der Reihe. Die ersten beiden Storys vermögen durchaus zu unterhalten, die dritte nervt extremst aufgrund seiner Wackelbilder. Nichts für mich.

© 2015 Wolfgang Brunner

First Person Shooter (2014)

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Originaltitel: First Person Shooter
Regie: Andreas Tom
Drehbuch: Andreas Tom
Kamera: Andreas Tom
Musik: Julio de la Garza, Nelson Scott
Laufzeit: 80 Minuten
Darsteller: Andreas Tom, Atlanta Amanda Lützelschwab, Hans Lützelschwab, Ines Klein, Tobias Winkler, Sascha Strack, Achim Lützelschwab, Sebastian Kettner
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 18 Jahre (ungekürzt)

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„Held“ will seine schwangere Freundin retten, die von einem irren Wissenschaftler in einer von Zombies bevölkerten Klinik festgehalten wird. „Held“ muss sich gegen die Monster stellen und hinterlässt eine blutige Spur, bis er seine Freundin findet …

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Spiel oder Film? Film oder Spiel? Was ist Andreas Toms Regiedebüt?
Egal, Hauptsache „First Person Shooter“ unterhält. Und das tut er auf ganzer Linie. Erstaunlich wie konsequent der Regisseur das Level und den Spannungsbogen über die ganze Spieldauer aufrechterhält. Ich selbst bin kein wirklicher Gamer, dennoch konnte ich mich der Faszination dieser Inszenierung nicht widersetzen. Die Ego-Shooter-Perspektive rockt und macht unglaublichen Spaß. Man spielt praktisch ein Spiel, ohne es selbst zu spielen und ist zum Zuschauen verdammt.
„First Person Shooter“ ist in dieser Hinsicht wirklich einzigartig und Andreas Tom hat einen der innovativsten deutschen Horrorfilme der letzten Jahre abgeliefert. Ich kann nicht einmal genau erklären, was den Reiz ausmacht, aber eines ist sicher: Ich werde mir diesen Film noch öfter ansehen. 🙂

Mit wenig Geld wurde vom Team um Andreas Tom eine Perle des Independent-Films geschaffen. Die Aufnahmen bekommt man nicht mehr so schnell aus dem Kopf. Hin und wieder kehrt man, eben wie in einem Spiel, an die gleichen Orte zurück, um sie noch einmal zu untersuchen. Die Perspektive, die sich durch den ganzen Film zieht, ist einfach nur der Hammer. Ebenso wie die Sets, die besser nicht ausgewählt hätten sein können. Andreas Tom inszenierte ein(en) Spiel/Film, das/der enorm spannend und unterhaltsam ist.
Die vielen Anspielungen auf Computerspiele blieben mir (leider) verschlossen, da ich, wie erwähnt, kein echter Gamer bin. Aber die zahlreichen Andeutungen auf Filme und Regisseure waren eine wahre Freude für mich. In „First Person Shooter“ liegt eine unglaubliche Detailverliebtheit in alte Computerspiele und man erkennt, dass  das Ganze ein Filmfreak  (und wohl auch ein Computerspielefreak) inszeniert hat.

Durch die wirklich hervorragenden Kulissen, in denen gedreht wurde (eine alte Klinik und ein Bergwerk) kommt eine absolut tolle Atmosphäre auf. Die witzigen und neuartigen Ideen der Filmemacher machen so richtig Spaß, genauso wie die zum größten Teil hervorragenden Splattereffekte. Auch hier erkennt man die Euphorie und Hingabe des Teams, etwas Vernünftiges auf die Beine zu stellen. Und das haben sie geschafft, denn man sieht „First Person Shooter“ in keiner Sekunde an, dass es sich um eine Low-Budget-Produktion handelt.

Ich habe noch tagelang die genialen Aufnahmen aus der Ego-Shooter-Perspektive im Kopf gehabt, was meine Begeisterung nur unterstreicht. Andreas Tom ist ein extrem cooler und vor allem anderer Horrorfilm gelungen, der süchtig macht. Mich zumindest … 😉

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Fazit: Erster Film aus der Ego-Shooter-Perspektive, bei der der Hautprotagonist zugleich der Zuschauer ist. Innovativer, liebevoller und extrem kurzweiliger Horrorfilm aus Deutschland. Einfach cool!

© 2015 Wolfgang Brunner

Rec 4 – Apocalypse (2014)

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Originaltitel: Rec 4 – Apocalypse
Regie: Jaume Balagueró
Drehbuch: Jaume Balagueró, Manu Diez
Kamera: Pablo Rosso
Musik: Arnau Bataller
Laufzeit: ca. 95 Minuten
Darsteller: Manuela Velasco, Paco Manzanedo, Hector Colome, Mariano Venancio, Ismael Fritschi, Críspulo Cabezas, Paco Obregón
Genre: Horror
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 16 Jahren

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Die TV-Reporterin Angela Vidal wird aus dem abgeschotteten Gebäude der ersten beiden Teile befreit. Sie wird auf einen Öltanker gebracht, der völlig isoliert ist, um einen erneuten Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Dort soll Angela untersucht werden. Doch mit ihr ist leider der Schrecken an Bord gekommen …

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Nachdem ich vom dritten Teil der REC-Reihe wirklich sehr enttäuscht war (nachzulesen hier), stimmte mich der vierte Nachschlag dann doch wieder ein wenig milder. „Rec 4“ ist auch nicht das Gelbe vom Ei, wenn man ihn mit den ersten beiden Teilen vergleicht, aber dennoch ist es eine Entwicklung, die mir wieder bedeutend besser gefällt, als Paco Plazas Alleingang. Bei „Rec 4“ übernahm Jaume Balagueró wieder die Regie (dieses Mal alleine), was dem Film sichtlich gut tat.

Der Einstieg versetzt einen sofort wieder zurück in die ersten beiden Teile, denn man befindet sich wieder in jenem Haus, in dem der ganze Horror begann. Das lässt den Zuseher sofort wieder in die gute und spannende Stimmung fallen. Was mir außerdem besonders gut gefallen hat, war, wie die ersten beiden Teile und der dritte Teil stimmig in die Handlung des vierten Teils integriert wurden. Das war äußerst gelungen und glaubwürdig gemacht. Erfrischend ist, dass die Handlung auf ein abgeschottetes Schiff verlegt wurde und somit nicht langweilig oder abgekupfert von den ersten beiden Teilen wirkte.

Die erste Hälfte des Films wirkt etwas langweilig und es dauert eine Weile, bis das Ganze dann so richtig Fahrt aufnimmt. Aber gerade die ruhigen Stellen am Anfang haben mir gefallen. Was nicht heißen soll, dass mir die Attacken der Infizierten nicht gefallen hätten, aber aus meiner Sicht wurde dann gegen Ende hin einfach zu viel aufgedreht. Das hätte ruhiger und atmosphärischer wahrscheinlich eine weitaus größere Wirkung gehabt. Balagueró inszenierte teilweise Szenen, die mich an Peter Jacksons „Braindead“ oder „Armee der Finsternis“ erinnerten. Da war zu viel Blut und Splattergemetzel, wie ich finde.

Schauspielerisch und auch inszenatorisch kann man aber bei „Rec 4“ nicht meckern. Und auch die teilweise Rückbesinnung auf die Wurzeln der Serie verleiten mich zu einen weiteren Pluspunkt. „Rec 4“ ist sehenswert, übertrumpft Teil 3 bei Weitem, kann aber die Qualität der ersten beiden Filme leider nicht erreichen, obgleich eine stimmige Weiterführung der Handlung gelungen ist.

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Fazit: Besser als Teil 3 erreicht „Rec 4“ aber nicht die gruselige und beklemmende Atmosphäre der ersten beiden Teile. Dennoch sehenswert und überzeugend, wenngleich das Ende zu übertrieben blutig und splatterig auf mich wirkte.

© 2015 Wolfgang Brunner

28 Weeks Later (2007)

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Originaltitel: 28 Weeks Later
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesús Olmo, Enrique López Lavigne
Kamera: Enrique Chediak
Musik: John Murphy
Laufzeit: 99 Minuten
Darsteller: Imogen Poots, Mackintosh Muggleton, Jeremy Renner, Robert Carlyle, Rose Byrne, Idris Elba, Catherine McCormack, Harold Perrineau jr.
Genre: Horror
Produktionsland: Großbritannien, Spanien
FSK: ab 18 Jahren

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Nachdem das Virus anscheinend besiegt wurde, wird in den Städten mit dem Wiederaufbau begonnen.
Jede verdächtige Person wird allerdings sofort eliminiert. Don, seine Frau Alice und deren Kinder finden in einer sogenannten Sicherheitszone wieder zusammen. Doch einer von ihnen trägt, ohne es zu wissen, das tödliche Virus in sich …

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„28 Weeks Later“ schlägt seinen Vorgänger „28 Days Later“ aus meiner Sicht um Längen. Das geht schon mit der ungemein spannenden und nervenaufreibenden Anfangssequenz los, in der das (brutale) Grauen wie aus heiterem Himmel über die Protagonisten (und den Zuschauer) hereinbricht. Aber auch die weitere Entwicklung der Geschichte hat es in sich und mich förmlich mitgerissen.

Juan Carlos Fresnadillo, der bis dahin nur Werbeclips, Kurzfilme und den Langfilm „Intacto“ inszenierte, legt ein unglaubliches Tempo vor, das sich durch den ganzen Film zieht. Fast perfekt wirken da die locker eingestreuten ruhigen und stimmungsvollen Szenen, die dem Zuschauer Atem holen lassen. Fresndaillo hat dem Originalfilm auch inszenatorisch einiges voraus. Man mag es kaum glauben, aber aus meiner Sicht ist einfach tatsächlich so. Aber auch die Schauspieler haben mir hier eindeutig mehr zugesagt.
Finster, düster und brutal zeigt der Regisseur eine apokalyptische Welt, vor der man Angst bekommt. Das Überleben steht an erster Stelle und jeder ist sich selbst der Nächste – besser kann man solch ein Szenario fast gar nicht darstellen, wie es Fresnadillo getan hat. Durch die oft mit Handkamera gedrehten Szenen wirkt „28 Weeks Later“ unheimlich beklemmend und realistisch. Hinzu kommen die schnellen Schnitte, die einem so manches Mal die Zeit vergessen lassen, so sehr fiebert man mit den Protagonisten mit.

Die Fortsetzung zu Danny Boyles Weltuntergangsszenario ist innovativ und reißerisch, aber dennoch mit einer manchmal ruhigen Atmosphäre. Genau diese Mischung ist es, die mich in den Bann gezogen und begeistert hat.

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Fazit: Besser als der Vorgänger. Brutaler, düsterer und vor allem noch beklemmender. Da wird beim Zuschauer eineinhalb Stunden Adrenalin produziert. 😉

© 2015  Wolfgang Brunner

28 Days Later (2002)

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Originaltitel: 28 Days Later
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Kamera: Anthony Dod Mantle
Musik: John Murphy
Laufzeit: 113 Minuten
Darsteller: Cillian Murphy. Naomie Harris, Megan Burns, Brendan Gleeson, Christopher Eccleston, Noah Huntley, Christopher Dunne, Emma Hitching
Genre: Horror
Produktionsland: Großbritannien
FSK: ab 18 Jahren

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Jim wacht in einem Krankenhaus auf und hat keine Ahunng, was mit ihm geschehen ist. Als er das menschenleere Hospital verlässt, muss er feststellen, dass er sich in einer völlig ausgestorbenen Stadt befindet. Niemand ist zu sehen, bis Jim in einer Kirche dann doch auf Menschen stößt. Doch die sind bösartig und greifen Jim an. Als Jim vor den Bestien flieht, wird er von einer kleinen Gruppe Menschen unterstützt, die ihn retten und bei sich aufnehmen. Jim erfährt, dass die Menschheit von einem grauenhaften Virus heimgesucht wurde und nur noch wenige Nichtinfizierte existieren.

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Wenn man sich den Anfang von „28 Days Later“ ansieht, fühlt man sich sofort an den Beginn von „The Walking Dead“ erinnert. Die Aufwachszene im Krankenhaus gleicht schon sehr der ersten Folge der Erfolgs-Zombie-Serie. 😉
Danny Boyles Endzeitfilm nimmt einen durch die teils unscharfen und körnigen  Bilder sofort gefangen, verleihen sie dem Ganzen doch fast optimale Authenzität. Das verlassene London ist hypnotisch eingefangen und wirkt beängstigend und bedrohlich. Die ganze erste Hälfte des Films verströmte auf mich eine sehr dichte Atmosphäre, in der der Schrecken der Seuche hautnah zu spüren ist. Kurzzeitig entwickelt sich das Ganze sogar zu einer Art Roadmovie. Diese Stellen sind es auch, die mich am meisten begeistert haben. Das lag mit Sicherheit zum einen daran, dass sich die Protagonisten vorwärts bewegten, zum anderen aber auch am Auftritt des grandiosen Brendan Gleeson, der mir ausnehmend gut in seiner Rolle als Vater gefallen hat.

Boyles Infizierte sind schnell und furchteinflössend. Die blutigen Angriffe wurden effektiv in Szene gesetzt und erschrecken. Die Handlung nimmt in der zweiten Hälfte des Films eine Wendung ein und hat mir im ersten Moment bei weitem nicht so gut gefallen, wie die erste Hälfte. Doch Alex Garlands Drehbuch (bzw. Idee) ist es zu verdanken, dass die Geschichte im angeblich sicheren Soldatenlager nicht im Einheitsbrei versinkt, sondern Hand und Fuß hat. Auch wenn ich Szenarien dieser Art eigentlich gar nicht mag (Evakuierungscamps, die von Soldaten geleitet werden – wie z.B. in Romeros „Day Of The Dead“ oder „Doomsday“) wirkt es in „28 Days Later“ stimmig.

Danny Boyles Inszenierung ist rasant, obwohl der Film auch einige gelungene ruhige Stellen besitzt. Die Auswirkungen einer Epidemie dieser Art wird sehr glaubhaft dargestellt und könnte ohne weiteres möglich sein. Düster entwirft Boyle eine Endzeitwelt, in der es ums nackte Überleben geht.

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Fazit: Düster und schonungslos zeigt der Film einen Kampf ums Überleben, bei dem der Mensch gegen seine eigene Spezies kämpft. Schauspielerisch und inszenatorisch absolut gelungen.

© 2015 Wolfgang Brunner