2 Lava 2 Lantula (2016)

Originaltitel: 2  Lava 2 Lantula
Regie: Nick Simon
Drehbuch: Neil Elman, Ashley O’Neil
Kamera: Kevin Duggin
Musik: Navid Hejazi
Laufzeit: 81 Minuten
Darsteller: Steve Guttenberg, Michael Winslow, Marion Ramsey, Eric Etebari, Michelle Weaver, R.J. Walker, Martin Kove
Genre: Horror, Science Fiction, Komödie
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Die Überlebenden des Spinnen-Angriffs in Los Angeles dachten, alles wäre vorbei. Doch in Florida tauchen die mutierten Feuerspinnen erneut auf, um die Menschheit endgültig zu vernichten. Filmstar Colton West sagt den Achtbeinern erneut den Kampf an und zusammen mit seinem besten Freund Marty setzt er dieses Mal alles daran, die Bedrohung ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.

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Die Feuerspinnen-Attacken gehen weiter. Nach dem zugegebenermaßen absolut gelungenen Trashfeuerwerk des ersten Teils ging ich eher mit gemischten Gefühlen an dieses Sequel heran. Ich fühlte mich auch in den ersten Minuten in meiner vorgefassten Meinung bestätigt, dass es sich bei dieser Fortsetzung eher um einen mittelmäßigen Film handelt, der an das Original nicht heranreichen würde. Doch ich muss zugeben, dass ich mich geirrt habe und der zweite Teil mindestens ebenso amüsant und unterhaltsam ist wie der Originalfilm. „2 Lava 2 Lantila“ ist trashiger und die Spezialeffekte wirken um einiges billiger als im ersten Teil, aber vielleicht ist genau das der Grund, warum die Fortsetzung funktioniert. Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler nehmen sich selbst noch weniger ernst als im ersten Teil,  was zur Folge hat, dass das Ergebnis einfach noch abgedrehter als im Original geworden ist.

In einem unglaublich rasanten Tempo werden die Protagonisten ohne große Vorgeschichte in das Chaos der Spinnenangriffe geworfen, so dass dem Zuschauer kaum Zeit zum Atmen und Nachdenken bleibt. Ein Gag reiht sich an den anderen, wobei viele, wie bereits im ersten Teil, in der deutschen Übersetzung nicht wirklich funktionieren. Aber das tut dem Vergnügen, das man bei „2Lava „Lantula“ hat , keinen Abbruch. In bester 80er Jahre Manier wird hier geblödelt und gesplattert, wobei sich letzteres im jugendfreien Rahmen hält. Dennoch verstecken sich allerdings ein paar Szenen, die aus meiner Sicht nicht unbedingt ab 12 Jahren freigegeben werden sollten. Aber das Thema FSK ist eine andere Geschichte, die mit dem Film nichts zu tun hat. Die Schauspieler sind allesamt absolut gut aufgelegt, allen voran Steve Guttenberg, der mich bereits im ersten Teil mit seiner übertriebenen Machoart vollkommen überzeugt hat. Auch im zweiten Teil wird er der fast schon kultverdächtigen Rolle des Colton West in allen Belangen gerecht. Guttenberg bringt einen mit seiner charmanten, unverstellten Art fast in jeder Szene irgendwie zum Schmunzeln. 🙂

Aufgrund der rasanten Erzählweise findet man natürlich keine tiefgreifenden Charakterentwürfe in den Protagonisten, was aber meiner Meinung nach in dieser Art von Film sowieso nichts verloren hätte. Wer sich so einen Film ansieht, will Trash und Spaß. Und genau das bekommt man auch bei „2Lava 2Lantula“. Ich hatte teilweise den Eindruck, als wollten die Macher dieses Mal sogar ihre eigene, ohnehin schon schräge Vorlage selbst auf den Arm nehmen, denn das Sequel ist in der Tat noch eine Spur verrückter und irrwitziger als das Original. Besonders eine Szene hat es mir so angetan, dass ich sie ein paar Mal hintereinander wiederholen musste. Es ist so herrlich witzig, wenn die Protagonisten über die Größe der Mutter-Feuerspinne diskutieren und dieser Dialog einfach kein Ende nimmt.
Interessant für Filmfans dürften auch die zahlreichen Anspielungen (manche versteckt, manche offensichtlich) auf „Crocodile Dundee“, „Scarface“ oder „Jurassic Park“, aber auch die alten japanischen Monsterfilme sein, die sich durch den ganzen Film ziehen. Das Zeug und Potential zur Kultserie hätten die „Lavalantulas“ auf alle Fälle, zumal Steve Guttenberg in der Rolle des Colton West sowieso aus meiner Sicht einer der besten und charismatischsten „Trash-Schauspieler“ ist. Ich würde mich jedenfalls über eine weitere Fortsetzung freuen.

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Fazit: Rasant inszenierte Fortsetzung der Lava-Spinnen-Invasion. Ein Muss für Trashfans.

© 2017 Wolfgang Brunner

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ABCs Of Superheroes (2015)

Originaltitel: ABCs Of Superheroes
Buch und Regie: Jens Holzheuer, Oliver Tietgen
Kamera: Oliver Tietgen
Musik: —
Laufzeit: 86 Minuten
Darsteller: Bai Ling, Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Jerry Kwarteng, Lloyd Kaufman, Fred Olen Ray, Aramis Merlin, René Wiesner, Simon Lammers, Biggi Bardot, Manni Laudenbach, Uwe Schueder, Meggan Anderson
Genre: Fantasy, Komödie
Herstellungsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Während eines Einkaufs nörgelt ein junges Mädchen so lange, bis sie von ihrer Mutter ein Comicheft gekauft bekommt: ABCs Of Superheroes. In diesem Heft werden Superhelden, deren Namen mit allen 26 Buchstaben des Alphabets beginnen, vorgestellt. Eine abgedrehte Reise durch eine Comicwelt voller ungewöhnlicher Superhelden beginnt.

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Am besten sollte man unvoreingenommen an diesen herrlich verrückten und schrägen Independent-Film herangehen. „ABCs Of Superheroes“ kann man im Grunde genommen sehr schwer beschreiben, denn was da auf einem zukommt, ist schlichtweg einfach nur genial und dermaßen abwechslungs- und ideenreich, dass einem so manches Mal die Worte fehlen. Unzählige Einfälle, verbunden mit liebevollen Anspielungen auf kleinere, größere, bekannte und unbekannte Filme machen diesen Streifen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis, von dem man gar nicht genug bekommen kann (zumindest geht es mir da so). Die Regisseure Jens Holzheuer und Oliver Tietgen, die auch beide das Drehbuch verfassten, nahmen sich augenscheinlich vor, einfach das zu machen, worauf sie Lust hatten. „ABCs Of Superheroes“ ist eine wilde Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Komödie, Softporno und und und …, eine Verbeugung vor echten und trashigen Kultfilmen, eine Hymne an das freie Filmemachen, wo es einfach nur um Spaß und das Umsetzen eigener Ideen geht und nicht um eine perfekte, geldlastige Perfektion. Und gerade diese Nichtperfektion macht den unglaublichen Charme dieses Films aus, der einen von der ersten bis zur letzten Minute nicht mehr loslässt.

Noch heute, ein paar Tage später, zaubert mir die ein oder andere absurde Szene noch ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht. Die Rahmenhandlung (das Mädchen, das den Comic liest) lockert die zwanzig Episoden immer wieder auf und bringt den Zuschauer auch einige Male zum Lachen. Aber getragen wird der Film von der unendlichen Fülle an skurrilen und verrückten Ideen, die man in ihrer Vielseitigkeit fast nicht erfassen kann. Gespannt wartet man darauf, mit welchen Einfällen der nächste Superheld im Alphabet präsentiert wird und vergisst darüber tatsächlich die Zeit. Ich habe selten einen so kurzweiligen Episodenfilm gesehen, der mit einem wahren Feuerwerk an Inspirationen und Gags aufwarten kann. Die Gastauftritte von Uwe Boll, Jörg Buttgereit, Lloyd Kaufmann und Bai Ling tun ihr übriges dazu, um „ABCs Of Superheroes“ unterhaltsam zu machen. Die Darsteller sind allesamt witzig und souverän (und oftmals in ihrer naiven Amateurhaftigkeit liebenswert doof), wobei mir Jerry Kwarteng in der Rolle als Jesus dann doch ziemlich positiv aufgefallen ist.

Es ist Ultra-Trash, den man hier serviert bekommt, und man muss das eindeutig mögen und dafür auch offen sein. Es ist Blödsinn, der einem hier präsentiert wird, und als Filmfan erkennt man unendlich viele Anspielungen. Mit einfachen Mitteln (ob gewollt oder nicht, sei hier dahingestellt) wurden Visionen in Szene gesetzt, denen man einfach den riesengroßen Spaß an der Produktion ansieht. Nichts wird ernst genommen, alles wird veralbert und obgleich es in teilweise wirklich dummen Klamauk abdriftet, hat es für mich bedeutend mehr Spaßfaktor als sogenannte erfolgreiche, deutsche Komödien wie „Fuck Ju Göhte“. „ABCs Of Superheros“ ist ein kranker, aber gutgelaunter Trip, von Menschen gemacht, die Splatter, Porno, Horror, Fantasy und SF mögen und Spaß am Filmedrehen haben. Da wird ausgelassen gealbert, aber sich auch vor Genregrößen verbeugt, dass es eine wahre Freude ist. Vielleicht sollte ich nochmal explizit erwähnen, dass es den Machern mit Sicherheit nicht darum ging, eine perfekte Superhelden-Parodie auf die Beine zu stellen, sondern eher absichtlich eine dilettantische Trashperle a la „Flash Gordon“ zu zaubern, bei der sämtliche Effekte stümperhaft, aber nichtsdestoweniger liebenswert unterhaltsam wirken(zumindest kam das bei mir so an). Ich für meinen Teil habe mich auf jeden Fall schon lange nicht mehr so prächtig amüsiert, wenngleich viele Witze einen sexistischen und plumpen Anschein erwecken. Aber sie sind dann schon wiederum eben so doof, dass sie Spaß machen und in ihrer dumpfbackigen Albernheit funktionieren. Ich mag diesen Film auf jeden Fall. 😉
May the Fist Fuck Force be with you. 🙂

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Fazit: Abgedreht und ausgelassen albern. Unperfekter Ultra-Trash, der amüsiert und kurzweilig unterhält.

© 2017 Wolfgang Brunner

Michael – (K)ein harter Vampirfilm (2017)

Originaltitel: Michael – (K)ein harter Vampirfilm
Regie: José Hidalgo
Drehbuch: José Hidalgo, Kirsten Rusche
Kamera: Niklas Meyer
Musik: José Hidalgo, Marius Knetsch, Adrian Wojtynek
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Jörn Guido, José Hidalgo, Simone Kaufmann, Klaus Thiel-Klenner, Evelyn Fytter, Andreas Rimkus
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Mit Erschrecken muss Michael feststellen, dass sein „bestes Stück“ nicht mehr funktioniert. Deprimiert wegen seiner verlorenen Männlichkeit beginnt er zusammen mit seinem Freund Mumu und dessen Freundin Lola nach den Ursachen zu suchen. Nach einer gründlichen, ärztlichen Untersuchung lautet die Diagnose: Michael ist tot. Und die Tatsache, dass er nicht fotografiert werden kann, lässt den Schluss zu, dass er sich zu einem Vampir verwandelt hat. Michael und seine Freunde machen sich auf die Suche nach der schuldigen Vampirin. Begleitet werden sie von Michaels Vater, einem Priester, der Spezialist im Töten solcher Ungeheuer ist.

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Der deutsche Independet-Film bietet immer wieder mal Überraschungen. So auch die herrlich schräge und von Filmzitaten strotzende Vampir-Komödie „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ des Regisseurs José Hidalgo. Schon am Anfang begann ich an „Night Of The Living Dead“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ zu denken, als ich die Einstellungen mit Pater Engelbert (übrigens absolut gelungen dargestellt von Klaus Thiel-Klenner) sah. Und in ähnlichem Stil setzt Hidalgo seine Hommage an unzählige Horrorfilme und -bücher fort. Man muss schon genau aufpassen, um alles zu registrieren, denn unentwegt entdeckt man versteckte Anspielungen auf bekanntere und unbekanntere Kultfilme sowohl in Bild als auch Ton. Genial fand ich auch, dass literarische Größen wie zum Beispiel Anne Rice, Dean Koontz, Stephen King und Bram Stoker einen Platz unter den Vorbildern ergattert haben. Es ist wirklich eine wahre Freude, dem Protagonisten bei der Suche nach seiner fehlenden Männlichkeit zu begleiten. Womit ich auch schon bei einem sehr großen Pluspunkt dieser eigenwilligen Produktion lande: der Humor. Deutsche Filme und Humor passen für mich in den seltensten Fällen zusammen, denn meist endet diese Mischung (zumindest in Deutschland) in einer peinlichen Abfolge unlustiger Klamaukeinlagen. Nicht so bei „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“. Auch wenn nicht jeder Gag sitzt, so kann man sich über die meisten wirklich so richtig amüsieren und auch schon mal lauthals lachen. Die Situationskomik funktioniert bestens, was vielleicht sogar daran liegt, dass die Schauspieler so manches Mal amateurhaft wirken. Aber genau das ist es auch, was den Humor so trocken und eben auch authentisch wirken lässt. Ich war jedenfalls vollkommen angetan davon.

Inszenatorisch kann man nicht meckern, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese liebevolle Produktion ein Budget von lediglich etwa 17.000 Euro zur Verfügung hatte. Da hat Hidalgo ganz schön was auf die Beine gestellt. Schauspielerisch konnte  mich am meisten Klaus Thiel-Klenner überzeugen, der mir schon bei „Z-Office“ sehr gut gefallen hat. Aber auch José Hidalgo brachte mich mit seinem trockenen Humor immer wieder zum Schmunzeln. Jörn Guido war in der Hauptrolle ebenfalls überzeugend und passte sich hervorragend dem Team an. Der Spaß während des Drehs ist in jeder Einstellung spürbar. Leider passt der Soundtrack nicht immer hundertprozentig zum Filmgeschehen. An manchen Stellen ließe ich mir das durchaus gefallen, an anderen hätte ich mir mehr Dramatik im Score gewünscht (zum Beispiel im Endkampf). Ich bin nicht sicher, ob das so gewollt ist.

„Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ ist zwar ein Amateurfilm, aber mit vielen professionellen Ansätzen. Jegliche Amateurhaftigkeit, die sich definitiv nicht durch den ganzen Film zieht, sondern sich nur auf einzelne Szenen beschränkt, wird durch die durchwegs sympathischen Darsteller und den wirklich witzigen Wort- und Situationswitz eingedämmt. Dazu gesellen sich die, wie oben schon erwähnt, zahlreichen und genial verstreuten Zitate aus anderen Filmen, die die Komödie noch einmal gehörig auflockern und den Film zu einem kurzweiligen Ereignis machen. „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ will nicht ernst genommen werden, sondern einfach nur intelligent und amüsant unterhalten. Und das tut er auf ganzer Linie. Der Film wurde sichtlich mit viel Hingabe und Liebe zum Film inszeniert und funktioniert in vielerlei Hinsicht. Hier waren unübersehbar Filmfans am Werk, die ein Feuerwerk an witzigen Ideen abliefern, von denen man gar nicht genug bekommen kann. Hätte mehr Budget zur Verfügung gestanden, wäre „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ sicherlich einem breiteren Publikum zugänglich und ein Kultfilm unter den deutschen Horror-Komödien geworden. So aber hat nur ein auserwählter Kreis von interessierten Independentfilm-Zuschauern das Privileg, dieses witzige Spektakel zu genießen. Da fragt man sich, warum solche einfallsreichen Regisseure wie José Hidalgo keine Unterstützung von zum Beispiel Fernsehsendern bekommen.
Wer aber den Regisseur dabei unterstützen möchte, dass dieser wunderbare Film auf DVD erscheint, kann dies bei der Startnext Crowdfunding Kampagne unter https://www.startnext.com/michael-vampirfilm tun.

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Fazit: Ein filmisches Feuerwerk mit unzähligen Anspielungen auf Kultfilme und einem außergewöhnlichen Humor. Mehr davon!

© 2017 Wolfgang Brunner

Z-Office (2017)

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Originaltitel: Z-Office
Regie: Douglas Stahl
Drehbuch: Douglas Stahl
Kamera: Dustin Stahl
Musik: Christian Dominik Dellacher, David Rodrigues Noguieira
Laufzeit: 47 Minuten
Darsteller: Nikolai Will, Alexandra Schiller, Florian Simbeck, Klaus Thiel-Kenner, Uwe Choroba, Moloch, Julian Laur de Manos,  Dustin Stahl, Robin Stehr
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ein Büroalltag, bei dem alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann. Gleich am frühen Morgen wird Karl nach 14 Jahren loyalster Mitarbeit entlassen. Doch Karl gibt nicht auf und will den letzten Arbeitstag noch hinter sich bringen, um zu zeigen, wie wichtig ihm die Firma ist. Aber die Entlassung ist nicht das Schlimmste, dass ihm an diesem Tag widerfährt. Denn eine Zombie-Apokalypse ist ausgebrochen und die fleischhungrigen Untoten finden natürlich auch den Weg ins Büro …

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Eine Horror-Komödie aus Deutschland, die unglaublich viel Spaß macht? Gibt’s sowas überhaupt? Douglas Stahl ist mit seinem Zombie-Büro-Film ein kleines Wunder gelungen, von dem ich dachte, dass so etwas in Deutschland gar nicht mehr möglich wäre: Eine Komödie, die einen wirklich zum Lachen bringt. 🙂
Das liegt zum einen an der gut platzierten Situationskomik, zum anderen aber an den hervorragenden Darstellern. Allen voran muss man Nikolai Will erwähnen, der sich hier sichtlich in seinem Element befindet. Auch wenn ich ihn persönlich  in seinen ernsten Rollen lieber mag ( 😉 ), so ist Will hier einfach unglaublich passend besetzt und geht in seiner Rolle auf, dass es nur so eine Freude ist, ihm bei seinem Überlebenskampf zuzusehen. Doch genauso erwähnenswert sind seine „Kollegen“, die von Klaus Thiel-Kenner und Alexandra Schiller gespielt werden. Ihr teils trockener Humor kommt richtig gut und verursacht in vielen Augenblicken ein amüsiertes Schmunzeln beim Zuseher. Wenngleich er nicht eine der Hauptrollen übernommen hat, so kann aber auch Florian Simbeck absolut überzeugen und macht die Vierergruppe an sympathischen Hauptdarstellern komplett. Moloch als Infizierter ist einfach nur genial und hätte aus meiner Sicht gut und gerne eine größere Rolle verdient.

Stahl hat eine wunderbare Gratwanderung zwischen Humor und Funsplatter geschafft. Seine Zombies sind nicht richtig böse, sondern eher doof vertrottelt, was aber nicht heißt, dass sie nicht in einigen Passagen (Moloch) gefährlich sind. Die Dreiviertelstunde vergeht wie im Flug und an manchen Stellen wird der Film so richtig schön trashig, an anderen nimmt der Streifen einen höherwertigen Charakter an. Insgesamt wirkt aber alles, wenngleich der Plot nichts wirklich weltbewegendes ist (obwohl einige Ideen wirklich sehr, sehr gut sind 😉 ), sehr professionell und vor allem unterhaltsam.

Aber Douglas Stahls Zombiestreifen kann nicht nur durch äußerst fähige Schauspieler überzeugen, sondern er glänzt auch von der Inszenierung her. Da werden zum Beispiel stylische Bildkompositionen mit der Kamera eingefangen, die den ganzen Film künstlerisch auflockern, und es kommen einige Slow-Motion-Szenen vor, die schlichtweg begeistern. Hinzu kommen geschickt eingesetzte Anspielungen auf diverse Genre-Klassiker, die der Film-Nerd sofort begeistert erkennt und seine wahre Freude daran hat. „Z-Office“ zeigt wieder einmal, dass sich in Deutschland fähige Jungregisseure tummeln, die inszenatorische Ideen haben und diese auch mit geringen Mitteln gekonnt umsetzen können. Zudem stimmt auch der Rest der Crew, wie zum Beispiel Kameramann oder die Filmmusik-Komponisten. Ich bin wirklich sehr angetan von diesem (Kurz-)Film und hätte noch weitere 45 Minuten zusehen können. Douglas Stahl kann Geschichten erzählen und diese auch professionell in Szene setzen, so dass ich wirklich sehr gespannt bin, was er uns als nächstes Projekt präsentiert.

Ab 01.März 2017 wird „Z-Office“ über Amazon Prime als VOD angeboten.

Infos über den Film kann man auf folgenden Seiten erhalten:

Hashtag: #ZOfficeFilm
Facebook: https://www.facebook.com/ZOfficeFilm
YouTube: https://www.youtube.com/Zofficefilm
Twitter: https://twitter.com/ZOFFICEfilm
Instagram: https://www.instagram.com/zofficefilm/

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Fazit: Witziger Genrebeitrag aus Deutschland, der neben trashigen Einlagen auch sehr künstlerisch und professionell ist. Tolle, gutgelaunte Darsteller schaffen eine Funsplatter-Zombie-Komödie, die Lust auf mehr macht.

© 2017  Wolfgang Brunner

 

Gangster Chronicles (2013)

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Originaltitel: Pawn Shop Chronicles
Regie: Wayne Kramer
Drehbuch: Adam Minarovich
Kamera: Jim Whitaker
Musik: The Newton Brothers
Laufzeit: 112 Minuten
Darsteller: Paul Walker, Brendan Fraser, Elijah Wood, Matt Dillon, Chi McBride, Norman Reedus, Pell James, Vincent D’Onofrio, Michael Cudlitz
Genre: Komödie, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Zwei Junkies planen, ihren Dealer hochzunehmen. Ein Mann findet den Ehering seiner vermissten Frau und macht sich auf die Suche nach ihr. Ein schlechter Elvis-Imitator schließt einen Pakt mit dem Teufel. um erfolgreich zu werden. Und alle drei Geschichten verbinden sich im Pfandleihhaus von Alton, dem Besitzer.

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Wow, was für eine Orgie an sprühenden Ideen, coolen Settings und abgedrehten Charakteren. Ich weiß gar nicht, wo genau ich anfangen soll, denn zu vieles gefällt einfach.
Da wären zum einen schon mal die durchdachten und vollkommen undurchschaubaren Stories, die in ihrer Erzählweise manchmal wie die besten Episoden aus „Geschichten aus der Gruft“ wirken.  Die Übergänge zwischen den Geschichten, die verzwickten Zusammenhänge und die teils aberwitzigen Dialoge sind einfach nur genial. Inszenatorisch ist diese filmische Kurzgeschichtensammlung meisterhaft gelungen und erinnert des öfteren an Grindhouse-Produktionen. Niveauvoller Trash wechselt sich mit schauspielerischen Glanzleistungen und einem äußerst effektiven Plot ab, der die 112 Minuten wie im Winde verstreichen lässt. Es macht unheimlichen Spaß, den irren, aggressiven, bescheuerten und manches Mal sogar philosophisch angehauchten Charakteren auf ihren mal brutalen und mal völlig abgefahrenen Wegen zu begleiten.

Regisseur Wayne Kramer liefert ein kleines Meisterwerk ab, das bei mir noch öfter den Weg in den BluRay-Player schafft. Die Besetzungsliste liest sich wie ein „Who Is Who“ der jungen Hollywood-Darstellerriege: Paul Walker in einer vollkommen untypischen Rolle, als abgefahrenen Drogenabhängiger. Elijah Wood als perverser Triebtäter, Brendan Fraser als erfolgloser Elvis-Imitator … es ist unglaublich, zu welchen grandiosen Darstellerleistungen Kramer seine Schauspieler treibt. Matt Dillon ist da als verzweifelter Ehemann eher unterfordert und Norman Reedus sieht man leider gar nicht, denn er verbirgt sich hinter einer Maske. Skurril und unkonventionell werden  die Geschichten erzählt, die alle ihren Auslöser in einem Pfandhaus haben.  Und auch diese „Rahmenhandlung“ im Pfandhaus ist grandios, vor allem Vincent D’Onofrio als Pfandleiher hat es mir da angetan. Es ist eine wahre Freude, seiner coolen Schauspielerei zuzusehen.

Das Schöne an diesem Film (der im Original übrigens „Pawn Shop Chronicles“ heißt, was auch viel mehr Sinn als „Gangster Chronicles“ ergibt) ist, dass er sich definitiv keinem Genre zuordnen lässt. Krimi, Action, Mystery, Komödie … das alles versteckt sich in den Episoden und verbindet sich zu einem meisterhaften Mix, der zwar manchmal an Tarantino erinnert, aber auf jeden Fall sehr eigenständig und voller eigener kreativer Ideen ist.
Hinzu kommen noch Jim Whitakers außergewöhnlichen Kameraeinstellungen, die den Film neben der Regie und den Schauspielern nochmals aufwerten. Wer verrückte Geschichten im Gewand einer abgedrehten, innovativen Regieführung mag, wird wie ich hellauf begeistert sein. Wer einen geradlinigen Actionfilm erwartet, schaltet wahrscheinlich nach der ersten Episode ab. Hier ist nichts, wie es scheint und endet alles anders, als man denkt.
Für mich ein äußerst herausragender Film, der unverständlicherweise nicht einmal annähernd den Bekanntheitsgrad erreicht hat, den er verdient hätte.

Kramer versucht auch, seinen Bildern eine künstlerische Note zu verleihen, indem er Szenen mit Flammen unterlegt oder comicartige Überblendungen einsetzt. Hin und wieder setzt eine gewöhnungsbedürftige, aber dadurch auch sehr mutige, Situationskomik ein, die die Grenze zur Lächerlichkeit nie überschreitet, sondern brav im Rahmen bleibt. Der Film wirkt, als Gesamtwerk gesehen, wie ein von Drogen vernebelter Alptraum, dessen Faszination man sich schwer entziehen kann, vorausgesetzt natürlich, man kann sich auf so ein filmisches Experiment einlassen.
Volle Punktzahl für dieses ausgezeichnete Meisterwerk.

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Fazit: Skurril, abgedreht und dennoch manchmal hintergründig. Abseits vom Mainstream strotzt dieser Film von innovativen Ideen, sowohl den Plot als auch die Inszenierung betreffend.

© 2016 Wolfgang Brunner

The Visit (2015)

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Originaltitel: The Visit
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Kamera: Maryse Alberti
Musik: Paul Cantelon
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Kathryn Hahn, Deanna Dunagan, Peter McRobbie, Benjamin Kanes
Genre: Horror, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Die Geschwister Rebecca und Tyler wollen ihrer alleinerziehenden Mutter eine Kreuzreise mit ihrem neuen Freund ermöglich und erklären sich bereit, die gesamte Zet bei ihren Großeltern zu verbringen. Wegen eines Streits mit ihrem Exmann hat die Mutter den Kontakt zu ihren Eltern abgebrochen und die beiden Kinder kennen daher Oma und Opa überhaupt nicht. Schon kurz nachdem sie bei den älteren Herrschaften angekommen sind, bemerken die Kinder, dass sich ihre Großeltern etwas seltsam benehmen. Die Kinder nehmen alle Vorgänge mit einer Videokamera auf und analysieren die seltsamen Vorgänge, bis sie auf ein unheimliches Geheimnis stoßen …

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Ein neuer Film von M. Night Shyamalan? Gespannter wie ich konnte man kaum sein, wenn man Shyamalans Filme von Anfang an mochte und dann zusehen musste, wie er leider eine Stufe nach der anderen auf der Erfolgsleiter nach unten stieg.  War „The Happening“ noch grob erträglich, so endete „Die Legende von Aang“ für mich in einem ziemlichen Desaster. Genauso wie der nachfolgende „After Earth“, der zwar inszenatorisch schon wieder um Längen besser war, aber einfach nicht Shyamalans „Style“ entsprach. Zu kommerziell und uninspiriert waren seine letzten beiden Filme. Nun war ich natürlich neugierig, was der indisch abstammende Regisseur mit seinem neuesten Film, der scheinbar erfreulicherweise wieder weit abseits des Blockbuster-Mainstream angesiedelt war, gezaubert hat.

Tja, was soll ich sagen. Shyamalan hat zumindest wieder zu einer annehmbaren Form zurückgefunden, die an den Regisseur erinnert, der er einst war. „The Visit“ ist nicht weltbewegend, aber doch weitaus bewegender als viele andere Filme diese Art. Shyamalans Handlung merkt man sich wenigstens, das ist schon ein grundlegender Vorteil im Sumpf der Möchtegern-Grusler, die den Markt seit Jahren überschwemmen. Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben, ergo rollen keine Köpfe und glitschen keine Gedärme über den Bildschirm. Shyamalan konzentriert sich fast schon eher auf die Genre Drama bzw. Thriller und sprenkelt seine Geschichte mit Zutaten leisen Gruselhorrors. Das funktioniert auch wirklich absolut gut und hält den Spannungsbogen stets aufrecht. Erfreulicherweise übertreibt Shyamalan das Kamerawackeln in seinem ersten Film im „Found Footage“-Stil nicht, so dass „The Visit“ niemals nervt. Erfrischend sind auch die augenzwinkernden, nicht ernstzunehmenden Humoreinlagen, die das Ganze unheimlich auflockern.

Aber am Ende bringt Shymalan dann wieder eine Wendung ins Spiel, die man von ihm in seinen alten Filmen gewohnt war. Von einer Sekunde auf die andere entwickelt sich die Handlung zu etwas völlig anderem und schlägt eine Richtung ein, mit der man niemals gerechnet hätte. Das ist Shyamalan, wie ich ihn kenne und mag. Sicherlich ist es keine Rückkehr zur alten Form, dazu ist „The Visit“ zu unspektakulär, aber ein Schritt in die richtige Richtung ist dieser kleine Grusler allemal.
Die Darsteller machen ihre Sache gut, vor allem Deanna Dunagan und Peter McRobbie in ihren herrlich schrägen und skurrilen Rollen als Großeltern sind wirklich sehenswert. Aber auch Olivia DeJonge und Ed Oxenbould bringen die Charaktere ihrem Alter entsprechend überzeugend rüber.
Wie gesagt, es ist kein „echter“ Shyamalan, aber auf alle Fälle schon alleine durch seinen Plot sehenswert. Logikfehler, die während des ganzen Films leider immer wieder mal auftauchen, sollte man einfach übersehen, um sich die Atmosphäre des seichten Familiengrusels nicht zu verderben.

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Fazit: Außergewöhnlicher Familienfilm mit Gruseltouch und einer unerwarteten Wendung, die wieder in Richtung der ersten Filme von M. Night Shyamalan geht. Eindeutig sehenswert.

© 2016 Wolfgang Brunner

Stung – Sie werden dich stechen (2015)

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Originaltitel: Stung
Regie: Benni Diez
Drehbuch: Adam Aresty
Kamera: Stephan Burchardt
Musik: Antonio Gambale, David Menke
Laufzeit: 87 Minuten
Darsteller: Matt O’Leary, Jessica Cook, Lance Henriksen, Clifton Collins jr., Tony De Maeyer, Daniele Rizzo, Florentine Lahme, Eve Slatner
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland, Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Auf der Gartenparty einer älteren Dame tauchen plötzlich riesige, mutierte Killerwespen auf. Der Catering-Mitarbeiter Paul bemerkt schnell, dass diese Wespen eine tödliche Gefahr sind und verschanzt sich mit einer Kollegin und Gästen im Haus. Ein erbitterter Kampf ums Überleben beginnt …

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Ich hätte nicht gedacht, dass mir „Stung“ so gut gefällt, wie er es letzten Endes dann doch getan hat. Ich habe Trash erwartet und Trash bekommen. Aber wirklich guten, ideenreichen Trash, der meistens mit absolut guten Effekten aufwarten kann. Bei manchen Szenen fühlt man sich unweigerlich an John Carpenters Klassiker „Das Ding aus einer anderen Welt“ erinnert. Ich bin nicht sicher, ob das als Hommage beabsichtigt oder einfach nur „nachgemacht“ ist. Auf jeden Fall haben die Szenen einen enormen Reiz. Spannungstechnisch wird nicht lange herumgefackelt, bis die Wespenangriffe und der Kampf ums Überleben beginnen. Adam Aresty hat ein zwar nicht weltbewegendes, innovatives Drehbuch geschrieben, aber für einen Creature-Film dieser Art reicht es allemal. Träger dieses Films sind eindeutig die gelungenen Spezialeffekte, die trashige Grundstimmung und die aus meiner Sicht sehr talentierten Hauptdarsteller.

Allen voran hat mich Matt O’Leary am meisten überzeugt. Mit seinem sympathischen, überaus menschlichen und natürlichen Schauspiel hat er mich wirklich vollkommen in seinen Bann gezogen. Es war eine wahre Freude, ihm dabei zuzusehen, wie er um die Gunst seiner Catering-Kollegin und ihrer beider Überleben kämpft. Neben Jessica Cook, eben jener Kollegin, glänzt Altstar Lance Henriksen als tougher Bürgermeister.
Das Regiedebüt von Benni Diez ist eine Verneigung vor Creature-Horror-Filmen und funktioniert sowohl aus der Komik- wie auch der Trash-Splatter-Sicht. Man merkt „Stung“ nicht wirklich an, dass es eigentlich eher ein Low Budget-Film ist, zu perfekt sind die Effekte gelungen und zu stylisch die Aufnahmen. Horror aus Deutschland funktioniert, wenngleich man sich hier zu sehr an amerikanischen Vorbildern gehalten hat und keine eigenen Ideen entwickelte. „Stung“ ist zwar ein deutscher Film, wirkt aber wie ein amerikanischer. Aber sei’s drum, er macht auf jeden Fall gewaltig Spaß.

„Stung“ legt an manchen Stellen eine harte Gangart ein, die Splatterfans begeistern wird. An anderen Stellen werden etwas ruhigere Szenen eingefügt, damit nicht nur die Protagoisten sondern auch die Zuschauer sich etwas erholen können. Vermischt mit ein paar netten, lockeren Sprüchen vereint „Stung“ somit gekonnt die Genre „Horror“, „Drama“ und „Komödie“ und mausert sich in meinen Augen zu einer echten, kleinen Perle, die man sich ruhig öfter anschauen kann. Ich bin sicher, man wird in Zukunft noch einiges von Regisseur Bennie Diez hören, denn routiniert und solide wirkt seine Arbeit auf jeden Fall.

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Fazit: Durchgeknallt, mit hervorragenden Effekten und sympathischen Darstellern, legt ein deutscher Regisseur sein Debüt vor. Den Namen Bennie Diez sollte man sich merken.

© 2016 Wolfgang Brunner