Buried (2010)

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Originaltitel: Buried
Regie: Rodrigo Cortés
Drehbuch: Chris Sparling
Kamera: Eduard Grau
Musik: Víctor Reyes
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Ryan Reynolds
Genre: Thriller
Produktionsland: Spanien
FSK: ab 16 Jahre

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Der Lastwagenfahrer Paul Conroy ist im Irak eingesetzt. Eines Tages erwacht er gefesselt in einem Holzsarg. Ein Feuerzeug und ein Handy sind die einzigen Dinge, die ihm zur Verfügung stehen. Ein Wettkampf mit der Zeit beginnt. denn schon bald  wird die Luft knapp.

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Eine weitere One-Man-Show. Wie Robert Redford in  „All Is Lost“ oder im von Tom Hardy fantastisch gespielten „No Turning Back“ reiht sich nun Ryan Reynolds in die Riege von Darstellern ein, die einen Film alleine bewältigen. Um eines vorweg zu sagen: Reynolds ist besser als Redford, aber kann Hardy nicht das Wasser reichen.
Aber eins nach dem anderen. Es liegt nicht einmal an der Schauspielerleistung, die „Buried“ bei weitem nicht zu einem solche faszinierenden Ereignis macht wie „No Turning Back“. Es ist schon wirklich bemerkenswert, wie man einen ganzen Film auf engstem Raum in einem Sarg spielen lassen kann, ohne dass es langweilig wird. Denn langweilig ist Rodrigo Cortés‘ Kammerspiel auf keinen Fall. Es hapert eher an der Logik, die einem die ein oder andere Szene ein wenig vermiest. Die Sache mit dem Handyempfang zum Beispiel wirkte auf mich konstruiert und nicht glaubwürdig. Mal ist guter Empfang, mal schlechter oder eben gar keiner. Oft empfand ich die Telefonate auch nicht besonders nachvollziehbar.

Dennoch vermittelt „Buried“ oftmals eine beklemmende Atmosphäre, die Reynolds schauspielerisch auch bravourös meistert. Für den Plot, der zwar Spannung und unerwartete Wechsel enthält, abe dennoch nicht hundertprozentig zu überzeugen vermag, kann der Schauspieler ja nichts. Die Handlung ist für mich auch der Knackpunkt des Films. Auch wenn sie wohl sehr zynisch und gesellschaftskritisch wirken soll, untergräbt sie die beklemmende Spannung von Minute zu Minute und macht dadurch aus einem erschreckenden Ausgangsszenario einen eher mittelmäßigen Thriller. Ryan Reynolds legt durchaus eine fast oscarreife Leistung hin, kann aber das Handlungsdefizit leider dadurch nicht mit ausgleichen. Schon nach einer Stunde merkt man als Zuschauer, dass sich die Drehbuchautoren schwer getan haben, einen konstanten Handlungsbogen aufrechtzuerhalten. Es wird herumgesponnen und zwangsläufig wirkt das Ganze dann plötzlich wie eine künstlich in die Länge gezogene Geschichte.
Die Inszenierung ist solide, aber weitaus weniger innovativ, wie man es sich bei solch einer Story vorgestellt hätte. Da ist ein gewaltiges Potential an möglichen, raffinierten Kameraeinstellungen verschenkt worden, weil man auf eine geradlinige Erzählweise baute.

Wie schon erwähnt: Die Ausgangssituation ist wirklich toll und auch die ersten Ideen, die sich im Inneren des Sargs abspielen, sind durchaus sehenswert. Doch der Spannungsbogen läuft nicht konstant nach oben, sondern genau in die gegenteilige Richtung. Man fiebert das Ende herbei, das, nebenbei gesagt, auch nicht wirklich zufriedenstellend ist. So oft man sich auch nach knapp der Hälfte des Films endlich ein Ende herbeigesehnt hätte, so enttäuscht ist man dann, wenn es soweit ist und man nicht einmal ein akzeptables Finale serviert bekommen hat. Denn, man hält natürlich durch, weil man wissen will, wie es endet. Doch das Durchhaltevermögen lohnt sich dann leider nicht einmal.
Sehenswert ist alleine die schauspielerische Leistung von Ryan Reynolds und die, zumindest anfangs noch, teils interessanten Ideen, die man aus der Ausgangssituation herauskitzelt. Doch je mehr der Film fortschreitet, desto weniger Spannung erwartet einen.

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Fazit: Handlungstechnisch geht der Film genau den umgekehrten Weg, wie er es eigentlich machen sollte. Man wartet vergeblich darauf, dass sich die Spannungsschraube nach oben dreht, denn sie tut im Verlauf des Films genau das Gegenteil. Die schauspielerische Leistung von Ryan Reynolds ist allerdings absolut sehenswert.

© 2016 Wolfgang Brunner

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Gangster Chronicles (2013)

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Originaltitel: Pawn Shop Chronicles
Regie: Wayne Kramer
Drehbuch: Adam Minarovich
Kamera: Jim Whitaker
Musik: The Newton Brothers
Laufzeit: 112 Minuten
Darsteller: Paul Walker, Brendan Fraser, Elijah Wood, Matt Dillon, Chi McBride, Norman Reedus, Pell James, Vincent D’Onofrio, Michael Cudlitz
Genre: Komödie, Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Zwei Junkies planen, ihren Dealer hochzunehmen. Ein Mann findet den Ehering seiner vermissten Frau und macht sich auf die Suche nach ihr. Ein schlechter Elvis-Imitator schließt einen Pakt mit dem Teufel. um erfolgreich zu werden. Und alle drei Geschichten verbinden sich im Pfandleihhaus von Alton, dem Besitzer.

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Wow, was für eine Orgie an sprühenden Ideen, coolen Settings und abgedrehten Charakteren. Ich weiß gar nicht, wo genau ich anfangen soll, denn zu vieles gefällt einfach.
Da wären zum einen schon mal die durchdachten und vollkommen undurchschaubaren Stories, die in ihrer Erzählweise manchmal wie die besten Episoden aus „Geschichten aus der Gruft“ wirken.  Die Übergänge zwischen den Geschichten, die verzwickten Zusammenhänge und die teils aberwitzigen Dialoge sind einfach nur genial. Inszenatorisch ist diese filmische Kurzgeschichtensammlung meisterhaft gelungen und erinnert des öfteren an Grindhouse-Produktionen. Niveauvoller Trash wechselt sich mit schauspielerischen Glanzleistungen und einem äußerst effektiven Plot ab, der die 112 Minuten wie im Winde verstreichen lässt. Es macht unheimlichen Spaß, den irren, aggressiven, bescheuerten und manches Mal sogar philosophisch angehauchten Charakteren auf ihren mal brutalen und mal völlig abgefahrenen Wegen zu begleiten.

Regisseur Wayne Kramer liefert ein kleines Meisterwerk ab, das bei mir noch öfter den Weg in den BluRay-Player schafft. Die Besetzungsliste liest sich wie ein „Who Is Who“ der jungen Hollywood-Darstellerriege: Paul Walker in einer vollkommen untypischen Rolle, als abgefahrenen Drogenabhängiger. Elijah Wood als perverser Triebtäter, Brendan Fraser als erfolgloser Elvis-Imitator … es ist unglaublich, zu welchen grandiosen Darstellerleistungen Kramer seine Schauspieler treibt. Matt Dillon ist da als verzweifelter Ehemann eher unterfordert und Norman Reedus sieht man leider gar nicht, denn er verbirgt sich hinter einer Maske. Skurril und unkonventionell werden  die Geschichten erzählt, die alle ihren Auslöser in einem Pfandhaus haben.  Und auch diese „Rahmenhandlung“ im Pfandhaus ist grandios, vor allem Vincent D’Onofrio als Pfandleiher hat es mir da angetan. Es ist eine wahre Freude, seiner coolen Schauspielerei zuzusehen.

Das Schöne an diesem Film (der im Original übrigens „Pawn Shop Chronicles“ heißt, was auch viel mehr Sinn als „Gangster Chronicles“ ergibt) ist, dass er sich definitiv keinem Genre zuordnen lässt. Krimi, Action, Mystery, Komödie … das alles versteckt sich in den Episoden und verbindet sich zu einem meisterhaften Mix, der zwar manchmal an Tarantino erinnert, aber auf jeden Fall sehr eigenständig und voller eigener kreativer Ideen ist.
Hinzu kommen noch Jim Whitakers außergewöhnlichen Kameraeinstellungen, die den Film neben der Regie und den Schauspielern nochmals aufwerten. Wer verrückte Geschichten im Gewand einer abgedrehten, innovativen Regieführung mag, wird wie ich hellauf begeistert sein. Wer einen geradlinigen Actionfilm erwartet, schaltet wahrscheinlich nach der ersten Episode ab. Hier ist nichts, wie es scheint und endet alles anders, als man denkt.
Für mich ein äußerst herausragender Film, der unverständlicherweise nicht einmal annähernd den Bekanntheitsgrad erreicht hat, den er verdient hätte.

Kramer versucht auch, seinen Bildern eine künstlerische Note zu verleihen, indem er Szenen mit Flammen unterlegt oder comicartige Überblendungen einsetzt. Hin und wieder setzt eine gewöhnungsbedürftige, aber dadurch auch sehr mutige, Situationskomik ein, die die Grenze zur Lächerlichkeit nie überschreitet, sondern brav im Rahmen bleibt. Der Film wirkt, als Gesamtwerk gesehen, wie ein von Drogen vernebelter Alptraum, dessen Faszination man sich schwer entziehen kann, vorausgesetzt natürlich, man kann sich auf so ein filmisches Experiment einlassen.
Volle Punktzahl für dieses ausgezeichnete Meisterwerk.

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Fazit: Skurril, abgedreht und dennoch manchmal hintergründig. Abseits vom Mainstream strotzt dieser Film von innovativen Ideen, sowohl den Plot als auch die Inszenierung betreffend.

© 2016 Wolfgang Brunner

Die Wiege des Schreckens (1987)

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Originaltitel: It’s Alive 3 – Island Of The Alive
Regie: Larry Cohen
Drehbuch: Larry Cohen
Kamera: Daniel Pearl
Musik: Laurie Johnson
Laufzeit: 90 Minuten
Darsteller: Michael Moriarty, Karen Black, Gerrit Graham, Neal Israel, Macdonald Carey, Art Lund, James Dixon, William Watson, Laurene Landon, Ann Dane
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Mittlerweile wurden immer mehr der Monsterbabys geboren. Sie werden auf einer Insel ausgesetzt, damit sie kein Unheil anrichten können. Steven Jarvis, Vater eines der ältesten Kinder, kämpft dafür, dass die Kinder nicht umgebracht, sondern am Leben gelassen werden. Als nach 5 Jahren eines der Kinder von der Insel geholt werden soll, um untersucht zu werden, werden fast alle Teilnehmer getötet. Die inzwischen erwachsenen, mutierten Kinder können mit dem Expeditionsschiff entkommen und segeln Richtung Vereinigte Staaten.

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Fast zehn Jahre nach dem zweiten Teil der „Wiege“-Trilogie wagte sich Larry Cohen an den abschließenden Teil seiner Geschichte um mutierte Monsterbabys. Und er bescherte der Story meiner Meinung nach ein sehr würdiges Finale, das sich durchaus mit den beiden Vorgängern sehen lassen kann.
Cohen geht einen neuen Weg, in dem er seine Geschichte wiederum, wie schon bei Teil 2, konsequent fortsetzt und Lösungen für die Problematik mit den Monsterbabys darstellt.
Erneut führt uns die Geschichte vor Augen, dass auch anders aussehende menschliche Wesen ihre Lebensberechtigung haben. Die Idee, die Mutierten erst einmal auf einer Insel unterzubringen, um nicht das Leben von unschuldigen Menschen zu gefährden, fand ich sehr gut und alleine dieser Schauplatzwechsel brachte dem letzten Teil der Trilogie einen Hauch Abenteuer ein.

Sehr stimmungsvoll wirkt der neue Schauplatz und verleiht der Handlung eine erfrischende Abwechslung gegenüber seinen beiden Vorgängern und man kommt sofort wieder in die richtige Stimmung. Cohen ist seinem Inszenierungsstil auch glücklicherweise treu geblieben und setzt die Geschichte erneut in leicht trashigen, aber in hohem Maße unterhaltsamen Bildern um. Musik, Schnitt und Regie stimmen, zumindest im Level der kompletten Reihe. Ein echtes Meisterwerk ist auch hier wieder nicht zustande gekommen, aber eine Trashperle, die aus welchen Gründen auch immer sogar Kultstatus erlangte.
Wenngleich die Atmosphäre den ersten beiden Filmen gleicht, geht Cohen einen komplett anderen Weg mit seinem Plot für den dritten Teil. Der Schaupplatzwechsel und die Jahre, die zwischen dem zweiten und dritten Teil vergangen sind, heben „Die Wiege des Schreckens“ irgendwie auf ein anderes Niveau. Der Film wirkt runder und irgendwie leicht professioneller wie seine Vorgänger.

Die Schauspiel-Crew hat gewechselt und verleiht dem Film ebenfalls eine gewisse Art von Frische, die gut tut. Was nicht heißen soll, dass die Schauspieler der ersten beiden Teile schlecht gewesen sind, aber neue Gesichter schaden nun mal auch nicht. Michael Moriarty, mit dem Cohen fünf Jahre zuvor bereits „American Monster“ gedreht hat, wirkt in seiner Rolle sehr überzeugend, ebenso die wunderbare Karen Black, die im Jahr zuvor in Tobe Hoopers „Invasion vom Mars“ glänzte. Das neue Ensemble tut dem Film einfach gut und rundete den Gesamtplot aller drei Teile aus meiner Sicht ab.
Die „Wiege“-Trilogie von Larry Cohen übt einen seltsamen Reiz auf Zuschauer in der ganzen Welt aus und man vermag nicht wirklich verstehen, woran es eigentlich liegt. Vielleicht ist es tatsächlich die Mischung aus purem Horror und sozialkritischen Ansätzen, die sich durch alle drei Filme ziehen. In diesem Zusammenhang denke ich immer an den im Jahr 1979 entstandenen Öko-Horrorfilm „Die Prophezeiung“ von John Frankenheimer, in dem es ebenfalls um mutierte Babys ging und der die Botschaft, mehr auf die Natur zu achten, an seine Zuschauer richtet. Cohens Trilogie und Frankenheimers Thriller sind für mich beides Filme mit Kultstatus und werden wohl in unserer Zeit niemals Konkurrenz bekommen, denn ihre „altmodische“, unnachahmliche Machart ist für die damalige Zeit einfach einzigartig und wird in dieser Form heutzutage leider nicht mehr praktiziert.
Lang leben die Monster-Babys …
Ich vermag wirklich nicht zu sagen, welcher Teil mir am besten gefallen hat, aber der dritte hat es mir schon aufgrund seiner Kulisse unheimlich angetan. 😉

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Fazit: Würdiger Abschluss der „Wiege“-Trilogie mit einem wunderbaren Schauplatzwechsel, der frischen Wind in die Reihe bringt. Horrorthriller mit Kultcharakter!

© 2016  Wolfgang Brunner

Die Wiege des Satans (1978)

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Originaltitel: It Lives Again
Regie: Larry Cohen
Drehbuch: Larry Cohen
Kamera: Fenton Hamilton
Musik: Bernard Herrmann
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: John P. Ryan, Frederic Forrest, Kathleen Lloyd, John Marley, Andrew Duggan, Eddie Constantine
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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Und wieder wird eine Familie von einem unheimlichen Monsterbaby heimgesucht, das bereits dem Ehepaar Elenora und Frank Davis beschert wurde. Frank versucht, die Familie zu warnen, stösst aber auf taube Ohren. Erst als es bei der Geburt Komplikationen gibt, müssen die frischgebackenen Eltern feststellen, dass tatsächlich mit ihrem Kind etwas nicht stimmt.

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Das erfreuliche an  dieser Fortsetzung ist, dass Regisseur Larry Cohen die Story vom ersten Teil nahtlos fortsetzt. Es ist wie eine kleine Rückkehr in die Welt der Monsterbabys und man fühlt sich bereits nach den ersten Minuten wieder in der Geschichte heimelig. Aus heutiger Sicht wirkt die FSK 18-Freigabe verstaubt und lächerlich, denn die Gewaltszenen sind zum einen sehr übersichtlich und zum anderen nicht wirklich erschreckend realistisch gemacht.
Wie schon im ersten Teil lebt der Film von seinen sozialkritischen Anspielungen und einer handwerklich einwandfreien Inszenierung. Bernard Herrmanns eindringlicher Score sorgt ebenfalls wieder für eine schöne Atmosphäre. Was ich persönlich als Steigerung gegenüber dem ersten Teil empfand, war die etwas trashiger wirkende Umsetzung der Handlung. Und ich empfand, dass sich alles ein wenig politischer (eben sozialkritischer) entwickelte.

Schauspielerisch bewegt sich der zweite Teil über die Monsterbabys auf dem gleichen Level wie der erste. Auch die Story, obwohl sie den ersten Teil fortführt, bietet nichts wirklich Neues, was man nicht schon im ersten Teil gesehen hat. Da wäre wirklich mehr drin gewesen, hätte man sich vielleicht mehr Zeit gelassen, um eine Fortführung der Geschichte zu schreiben. Aber nichtsdestotrotz macht auch „Die Wiege des Satans“ ungemein Spaß und dürfte vor allem für Trashpublikum, das ein leicht angehobenes Niveau schätzt, das richtige sein.
Wie im ersten Teil bekommt man die Babys nicht oft zu sehen, kann sich aber durch die wieder sehr geschickt eingesetzte Schnitttechnik in seiner eigenen Fantasie problemlos ein Bild von ihnen machen.

Der Film ist einfach ein Produkt der 70er Jahre und seine teils pseudokritischen Aspekte, die damals bei Filmen in Mode waren, kann er nicht leugnen. Cohen legt bei seiner Fortsetzung einfach mehr drauf, soll heißen, dass es zum Beispiel statt einem Killerbaby nun drei gibt. Auß0erdem fällt der zweite Teil gegenüber dem ersten etwas blutiger aus, was allerdings dem Gedanken an mutierten Killernachwuchs bei weitem nicht mehr so bedrohlich wirken lässt. „Die Wiege des Satans“ setzt mehr auf Effekte als auf psychologischen Horror, wie es beim Original noch der Fall war. Alles in allem hat Larry Cohen aber eine wirklich gelungene Fortsetzung abgeliefert, die alte Fans begeistert und neue Fans hinzugewinnen kann.

Larry Cohens „Wiege“-Filme sind aus heutiger Sicht nichts weiter als „billiger Trash“, aber vielleicht ist es genau das, was diese Filme (und eben auch diesen zweiten Teil) ausmacht. Mit Sicherheit spielt auch ein wenig Nostalgie bei Zuschauern meines Alters (Jahrgang 1964) mit, wenn man sich „Die Wiege des Satans“ anschaut und mit heutigen Filmen vergleicht. Solch einen Flair bekommt man heutzutage einfach nicht mehr zu sehen, oder zumindest ganz, ganz selten. Ich merke, dass ich an Larry Cohens Filmen immer wieder Spaß habe, so auch bei „Die Wiege des Satans“.

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Fazit: Etwas blutrünstiger als der erste Teil, bewegt sich die Fortsetzung sowohl inszenatorisch als auch schauspielerisch auf gleichem Niveau. Nostalgie-Trash pur!

© 2016 Wolfgang Brunner

Urban Explorer (2011)

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Originaltitel: Urban Explorer
Regie: Andy Fetscher
Drehbuch: Martin Thau
Kamera: Andy Fetscher
Musik: Steven Schwalbe, Robert Henkel
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Max Riemelt, Nathalie Kelley, Nick Eversman, Klaus Stiglmeier, Catherine de Léan, Brenda Koo
Genre: Horror
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Jugendfreigabe

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Urban Explorer sind neugierige Menschen, die sich in verlassenen, unterirdischen Höhlensystemen unter Städten umsehen. Vier Urban Explorer aus dem Ausland lassen sich von dem einheimischen Führer Kris in die „Unterwelt“ Berlins führen. Bei einem Sturz verletzt sich Kris, so dass sich die Touristen auf den  Weg machen müssen, um Hilfe zu holen. In dem unterirdischen Labyrinth treffen sie dabei auf den ehemaligen Grenzsoldaten Armin, der in den verlassenen Gewölben wohnt. Als er ihnen Hilfe anbietet, folgen die Touristen ihm. Doch als sie in seiner Behausung ankommen, spüren sie schon bald, dass mit Armin irgendetwas nicht stimmt …

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„Urban Explorer“, Andy Fetchers zweite Regiearbeit, ist irgendwie ein harter Brocken. Es wird nicht einmal viel Gewalt und Blut gezeigt, aber dennoch fühlt man sich während der gesamten Spieldauer unwohl. Das liegt zum einen mit Sicherheit an den spektakulären Drehorten, die Fetcher sich da ausgesucht hat, zum anderen aber auch an der gekonnten Inszenierunsgweise, die gekonnt zwischen Spiel- und Dokumentarfilm balanciert. „Urban Explorer“ wurde an Originalschauplätzen in der unterirdischen Tunnelwelt von Berlin gedreht und man bekommt wirklich einige Gänge, Räume und Orte zu sehen, die in einem trotz unheimlicher Atmosphäre die Abenteuerlust wecken, selbst einmal an einer solchen Expedition teilzunehmen. Dieser Ausflug ins unterirdische Berlin ist es alleine schon wert, sich den Film anzusehen.
Aber es geht nicht nur um die Örtlichkeiten und die wunderbar düstere Stimmung, die dieser mit sich bringt. Fetchers Film hat weitaus mehr zu bieten, als nur eine gute Kulisse.

Ich fange mit den Schauspielern an, die mich allesamt in ihrer Natürlichkeit überzeugt haben. Keiner von ihnen ist ein Weltklasseschauspieler, aber alle agierten selbstsicher und professionell vor der Kamera und zeigten gerade in ihrer Unbedarftheit eine sehr glaubwürdige Darstellung. Was vielen sauer aufstößt, hat mir gefallen: nämlich die Tatsache, dass man die englischsprechenden Touristen nicht ins Deutsche übersetzt hat, sondern mit Untertiteln gearbeitet hat. Das machte den Horrortrip für mich auf jeden Fall noch authentischer, als er es sowieso schon war. Erst nach einem Unfall wechselt der anfangs wie ein Abenteuerfilm anmutende Streifen ins Horrorgenre. Aber auch das wird so gekonnt gemacht, dass dieser Genrewechsel irgendwie gar nicht richtig auffällt. Klaus Stiglmaier als abgedrehter Höhlen-Grenzsoldat kann einem an manchen Stellen schon richtig Angst einjagen, vor allem weil er verrückt-schräg und sympathisch-hilfsbereit gleichzeitig erscheint. Sein Schauspiel konnte sich wirklich sehen lassen.
Insgesamt trugen zu den beeindruckenden Schauplätzen auch sämtliche Schauspieler dazu bei, dass sich dieser deutsche Schocker bei mir ins Gehirn brannte.

Hinzu kommt aus meiner Sicht, dass sich „Urban Explorer“, wenngleich er sich in Richtung „Hostel“ oder anderen Torture-Filmen entwickelt, letztendlich doch seinen eigenen Weg geht und einen relativ untypischen Slasher-Film darstellt. Sicherlich fühlt man sich an den ein oder anderen Film erinnert, aber wo tut man das bei den meisten Filmen dieser Art nicht? Fetcher hätte vielleicht am Ende das Ruder nicht ganz so herumreißen und den Plot in Richtung Klischee steuern sollen. Aber mir hat es gefallen. 😉
„Urban Explorer“ ist ein kurzweiliger, handwerklich solider und visuell beeindruckender Horrorfilm aus Deutschland, der glaubhaft unterhält. Man darf gespannt sein, was Andy Fetcher als nächstes auf die Beine stellt.
Wer durch die FSK 18-Freigabe einen blutspritzenden Splatterfilm erwartet, sei gewarnt: Gegen Ende hin wird zwar nicht mit Goreszenen gegeizt, aber ein Braindead-Peter Jackson-Gemetzel findet definitiv nicht statt. Fetcher geht einen relativ ruhigen und stimmungsvollen Weg, bevor er in die Gewaltschublade greift. Und genau das machte „Urban Explorer“ für mich zu etwas besonderem. Der Film ist kein Meisterwerk, aber einfach gut und mit Herzblut gemacht. Das ist es, was für mich bei solchen Filmen zählt. Horror aus Deutschland funktioniert!

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Fazit: Visuell beeindruckende und gegen Ende brutale Abenteuerreise in die Berliner Unterwelt. Ein Film aus Deutschland, der zeigt, dass Horror auch hier funktioniert.

© 2016 Wolfgang Brunner