The Lords Of Salem (2012)

Originaltitel: The Lords Of Salem

Lauflänge: 101 Minuten (Uncut)

Regie: Rob Zombie

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Heidi La Roc arbeitet in einem kleinen Radiosender, der zu mitternächtlicher Stunde Rockmusik auflegt. Eines Abends erhält Heidi von Unbekannten eine LP in einer Holzkiste geschickt. Nichtsahnend legt sie die Scheibe auf und gerät durch die zu hörende Musik in eine Trance.  Zu spät merkt Heidi, dass sie durch die bizarre Musik einen uralten Hexenfluch zu neuem Leben erweckt, in den sie selbst mehr verwickelt ist, als sie gedacht hätte.

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Rob Zombies neuer Film spaltet die Meinungen von Fans (und auch Nichtfans) und polarisiert. Obwohl ich Rob Zombie Anhänger bin, hat er auch meine Meinung gespalten 😉

„The Lords Of Salem“ ist nichts Ganzes und nichts Halbes. Auf der einen Seite finden sich viele stimmungsvolle Aufnahmen, die an alte Horrorfilme der 70er Jahre erinnern, auf der anderen Seite fragt man sich an (leider zu) vielen Stellen, wo der logische Zusammenhang bzw. der Zusammenhang überhaupt ist. Zombie verliert den Überblick über die Handlung. Zählte er auf ein während der Vorstellung Popcorn kauende und SMS schreibende Kinopublikum unserer Zeit, die sowieso de größten Teil der Handlung nicht mitbekommen? Fast kommt es einem so vor, wenn man den Film sieht. ZU viele  unbeantwortete und nicht erklärte Szenen kommen vor, die einen meistens nur verwirren und irgendwie unbefriedigt zurücklassen.

Nicht dass ich solche Art von Filmen nicht mögen würde: David Lynch, Peter Greenaway und Konsorten liefern ebenfalls oft Filme ab, die man nicht verstand. Aber so weit schafft es Zombie nun doch nicht.

Die Darsteller gefallen, vor allem Bruce Davison und Sheri Moon Zombie haben mir gefallen. Aber das alleine reicht nicht.
Trotz der düsteren Grundstimmung und der immer wiederkehrenden Szenen, die an die „guten alten“ Horrorfilme erinnern, wirkt der Film sperrig, zumal er mit „Hexengedöns“ aufwartet, das mich meistens bei Horrofilmen langweilt und sowieso nichts Neues bringt. Aber da sind die Geschmäcker bekanntlich ja nun mal verschieden, und allein das will ich „The Lords Of Salem“ auch nicht ankreiden.

Erst gegen Ende des Films, die letzten 20 Minuten, gelang es dann Rob Zombie, mich sogar teilweise zu begeistern. Seine blasphemische Art der Kirche gegenüber und die dargestellten Bilder erinnerten mich an Ken Russels Glanzzeiten. Provokativ zeigt Zombie da plötzlich (zwar auch nicht immer logische) Bilder, die den Flair der 70er Jahre neu aufleben lassen. Da macht das Zusehen dann plötzlich Spaß und die Unlogik ist nicht weiter schlimm.

Die FSK 16 – Fassung ist ungeschnitten. Wer aber harte Kost erwartet, wartet vergebens. Die FSK 16-Einstufung erfolgt aus meiner Sicht vollkommen gerechtfertigt, eine höhere wäre ein echter Witz gewesen. (Wobei:  Derartige Witze hat die FSK ja auch schon oft genug geliefert;-) )

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Fazit: Insgesamt kurzweiliger, oftmals aber unschlüssiger Hexenhorror, der mit nicht viel Neuem aufwartet. Gegen Ende provoziert Zombie mit Ken Russel-artigen Aufnahmen, schafft es aber dennoch nicht, den Film dadurch zufriedenstellend abzurunden. (Leider) Zombies bisher schlechtester, weil unbefriedigendster Film.

© Wolfgang Brunner

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Der große Gatsby (2013)

Originaltitel: The Great Gatsby

Lauflänge: 142 Minuten

Regie: Baz Luhrmann

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Nick Carraway zieht in ein Häuschen direkt neben dem Millionär Jay Gatsby ein, wo er Nacht für Nacht rauschende Feste beobachtet. Als er Gatsby kennenlernt, erfährt er den Hintergrund dieser Partys: Gatsby versucht mit allen Mitteln, seine Jugendliebe Daisy, die sich damals für einen anderen Mann mit viel Geld entschieden hat, zurückzuerobern. Nun, da Gatsby selbst vermögend ist, rechnet er sich hohe Chancen aus. Carraway, der Daisys Cousin ist, wird von Gatsby „angeheuert“, ein Treffen mit der Frau seiner Träume zu arrangieren.
Jay Gatsby und Daisy treffen aufeinander und es scheint sich alles zum Guten für Gatsby zu wenden. Doch dann geschieht ein Unglück …

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Um es vorweg zu sagen: Baz Luhrmann hat es nach „Romeo & Julia“ und „Moulin Rouge“ erneut geschafft, einen alten Stoff dermaßen aufregend und emotional rüberzubringen, das es einem echt den Atem verschlägt. Mit „Der große Gatsby“ ist er nach seinem eher „normal“ geratenen „Australia“ wieder in seine visionäre Schiene gesprungen.

Sowohl Leonardo DiCaprio wie auch Tobey Maguire überzeugen in ihren Rollen nahezu perfekt. Die meines Erachtens meistens dezent angebrachten Special Effects machen den Film zu einem visuellen Rausch, der mich nicht selten an die späteren Werke von Peter Greenaway erinnerte.

Das Liebesdrama  ist unterhaltsam und schauspielerisch auf hohem Niveau. Der Film fasziniert desöfteren durch stark melancholische Augenblicke, die Luhrmann hervorragend in märchenhafte Bilder einfängt.

Luhrmann hat F. Scott Fitzgeralds Drama meiner Meinung nach absolut gelungen umgesetzt (ich habe den Roman kurz bevor ich mir diesen Film angesehen habe, zum wiederholten Mal gelesen).
Der Gastauftritt eines meiner indischen Lieblingsschauspielers, Amitabh Bachchan, hat mich überrascht und echt gefreut.
Über zwei Stunden vergingen wie im Flug und am Ende habe ich gedacht, dass es ohne weiteres noch einmal so lange weitergehen hätte können.

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Fazit: Uneingeschränkt volle Punktzahl für ein erneutes Meisterwerk von Baz Luhrmann, dem es immer wieder gelingt (von „Australia“ einmal abgesehen), „alte“ Stoffe in einem neuen, atemberaubenden und visionären Gewand auf die Leinwand zu bringen.

© Wolfgang Brunner

World War Z (2013)

Originaltitel: World War Z

Lauflänge: 116 Minuten

Regie: Marc Forster

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Eine weltweite Pandemie bricht aus. Menschen erkranken an einer Art Tollwut und werden Sekunden, nachdem sie infiziert wurden, zu angriffslustigen Zombies. Ex-UNO-Mann Gerry Lane gerät mit seiner Familie in das überraschend ausbrechende Chaos. Ihnen gelingt die Flucht auf einen Flugzeugträger, wo Gerry feststellen muss, dass die ganze Welt in einem apokalyptischen Chaos versinkt. Gerry lässt sich auf ein Himmelfahrtskommando ein, um Patient Null, von dem die Seuche ausging, zu finden. Vielleicht findet sich dort eine Spur, um die Welt zu retten.

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Man kann über CGI-Effekte denken, was man will, aber in „World War Z“ haben sie meiner Meinung nach vollste Berechtigung.
Argwöhnisch wegen so mancher niederschmetternder Meinung ging ich mit gemischten Gefühlen an diesen „Mainstream-Zombie-Film“ heran. Brad Pitt als Zombiejäger?
Aber was ich dann zu sehen bekam, überzeugte mich, trotzdem ich ein eingefleischter Fan von „Handmade“-Splatter-Zombie-Filmen bin, dann doch.

Regisseur Marc Forster (der mich mit seinem Bond „Ein Quantum Trost“ leider überhaupt nicht überzeugt hat, dafür aber mit „Monster’s Ball“, „Wenn Träume fliegen lernen“, „Stay“ und „Drachenläufer“ wirklich gute Filme abgeliefert hat ) wirft mit „World War Z“ den Zuschauer sozusagen ins kalte Wasser und läßt einen von den ersten Minuten an nicht enden wollenden Spannungsfilm auf ihn hernieder.
Spektakuläre Sequenzen, die eben aufgrund der Story unweigerlich durch computergenerierte Effekte dargestellt werden müssen, lassen einen manchmal den Atem anhalten.

Und dennoch: trotz aller Effekte kommt meiner Meinung nach das Schauspielern in diesem Film gar nicht mal zu kurz, wie ich eigentlich gedacht habe.
Klar, ist „World War Z“ Popcorn-Kino at it’s best und verlangt nicht wirklich viel IQ. Trotzdem macht der Film Spaß, bringt eine schockierende, wenn auch unblutige, neue Zombieversion ins Spiel, die den „Zombie“ plötzlich mainstreamtauglich macht.

Wer auf Old School Zombies steht, wird enttäuscht sein. Wer sich auf dieses apokalyptische Weltuntergangsszenario einlässt, wird mit einem wirklich spannenden Film belohnt.

Ich persönlich mag diesen Film, auch wenn ich ungern zugebe, „Mainstreamfilme“ zu mögen. 😉

Ach ja, den kurzen Gastauftritt von Moritz Bleibtreu fand ich schon auch irgendwie cool.

Fazit: Tolle Effekte, mittelmäßige Story, aber dafür ein richtig spannender Weltuntergangs-Zombie-Film. Nichts für Fans von George A. Romero und Lucio Fulci. Unter den teils ätzenden, mit CGI-Effekten überladenen Filmen ist „World War Z“ (wie auch z.B. „Dredd“) für mich eine akzeptable Ausnahme.

© Wolfgang Brunner

V/H/S – Eine mörderische Sammlung (2012)

Originaltitel: V/H/S

Lauflänge: 116 Minuten (Uncut)

Regie: David Bruckner, Glenn McQuaid, Radio Silence, Joe Swanberg, Ti West, Adam Wingard

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Eine Gruppe Kleinkrimineller erhält den Auftrag, in einem verlassenen Haus nach einem Stück Filmmaterial zu suchen, das für den Auftraggeber anscheinend einen hohen Wert besitzt. Was anfangs wie eine leichte Mission aussieht, entwickelt sich schon bald zu einem Alptraum für die Gangster. Denn in einem Zimmer des Hauses entdecken sie eine Leiche, die vor mehreren Fernsehgeräten und  einem riesigen Stapel Videokassetten  sitzt.
Die Männer machen sich auf die Suche nach dem mysteriösen Tape und schauen sich eine VHS-Kassete nach der anderen an, um festzustellen, dass sich darauf überaus grausige Filmchen befinden.

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„V/H/S“ ist ein Found Footage-Film im Stil von „Blair Witch Projekt“, „Cloverfield“, „Paranormal Activity“ und „Graveyard Encounters“. Obwohl mich das Cover sehr an den 80er Jahre Horrorfilm „Das Horrorhospital“ erinnert, verbirgt sich etwas gänzlich anderes dahinter.
Ein gewisser Charme lässt sich dem Episodenfilm nicht abstreiten, doch leider gerät der Reiz der verwackelten, Realität vortäuschenden, Kamerafahrten bald zu einem nervigen Nebeneffekt des Films.
Einiger der Episoden lassen mit ihrer Atmosphäre und dem Ende immer wieder mal an „Geschichten aus der Gruft“ denken. Sie wirken aber keineswegs nachgemacht, sondern haben eine durchaus eigene (oftmals ganz gute) Stimmung.
Aber, wie gesagt, die verwackelten Bilder nerven mehr, als das sie dem Episodenfilm Gutes tun.
Die Schauspieler wirken allesamt überzeugend.
Die Filme im Einzelnen:

TAPE 56
Die Rahmenhandlung, in die die folgenden Episoden gebettet sind, hätte man sich getrost sparen können. Sie war für mich auf jeden Fall der nichtssagendste Teil des Films.

AMATEUR NIGHT
Einer der Filme, die an „Tales From The Crypt“ denken ließen. Eine Gruppe Jugendlicher ist auf der Suche nach einem sexuellen Abenteuer. Es gelingt ihnen auch, im Laufe des Abends zwei Mädchen „abzuschleppen“, nicht wissend, dass eine nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Spannend und sehr effektvoll.

SECOND HONEYMOON
Ein Pärchen auf Fliterwochenreise. Dabei werden sie von einem geheimnisvollen Mädchen beobachtet, die sie während der gesamten Reise verfolgt. Sympathische Darsteller in einer manchmal unheimlichen, aber unbefriedigenden Story. Allerdings ist der Splattereffekt dann doch recht hoch.

TUESDAY, THE 17TH
Ich fühlte mich an, was sicherlich gewollt war, an „Freitag, der 13.“ und „Tanz der Teufel“ erinnert. Nette Umsetzung einer ganz guten Idee. Allerdings etwas verwirrend, wenn ich ehrlich bin.

THE SICK THING THAT HAPPENED TO EMILY WHEN SHE WAS YOUNGER
Gruselig, weil es an „Paranormal Activity“ erinnerte. Gute Idee, die mich sehr unterhielt, Allerdings fand ich persönlich das Ende komisch.

10/31/98
Für mich die langweiligste Geschichte, außer der Rahmenhandlung. Okay, manche Schockmomente saßen. Aber hier war ich bereits etwas angenervt von den Wackelbildern der Kamera, dass ich eigentlich nur noch das Ende des Films herbeisehnte.

Zu erwähnen ist, dass der Film mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten bei Splendid erschienen ist.

Fazit: Insgesamt unterhaltsamer, allerdings recht bald wegen der Found Footage-Art nervender Episodenfilm, der mit einigen überraschenden Wendungen aufwartet und sich auf gewisse Art und Weise vom Mainstream abhebt, was sehr lobenswert ist. Die Gore-Effekte sind oftmals sehr gelungen und äußerst blutig.
Leider erreicht „V/H/S“ keines der mir bekannten Vorbilder an Found Footage Filmen. Dazu sind die Wackler zu nervig, leider. Denn hätte man hin und wieder einmal eine etwas „ruhigere“ Gangart eingelegt, wäre „V/H/S“ durchaus so etwas wie eine außergewöhnliche „Geschichten aus der Gruft“ im modernen Found Footage-Stil geworden.

© Wolfgang Brunner