Big Driver (2016)

Originaltitel: Big Driver
Regie: Mikael Salomon
Drehbuch: Richard Christian Matheson
nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Kamera: Steve Cosens
Musik: Jeff Beals
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Maria Bello, Ann Dowd, Will Harris, Joan Jett, Olympia Dukakis, Jennifer KyddTara Nicodemo
Genre: Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

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Nach einer Lesung bleibt die Schriftstellerin Tess Thorne während der Heimfahrt aufgrund einer Reifenpanne in einer verlassenen Gegend mit dem Auto liegen. Ein riesiger, aber sehr freundlicher Mann hilft ihr und bietet an, den Reifen zu wechseln. Doch noch bevor er sich an die Arbeit macht, bedrängt er Tess und ist alles andere als nett zu ihr.  Tess überlebt den Angriff und findet zurück ins Leben. Doch sie kann das Geschehen nicht vergessen und entschließt sich eines Tages, sich auf die Suche nach dem großen Mann zu machen, der ihr das angetan hat.

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Die Geschichte beginnt, King typisch, ruhig und eher harmlos. Das Grauen schleicht sich aus einer, wenngleich unerfreulichen, Alltagssituation in das Leben der Schriftstellerin. Die Überschreitung dieser Grenze wurde von Regisseur Mikael Salomon (dessen Filme „Hard Rain“ und das Remake „Andromeda“ den meisten bekannt sein dürften) hervorragend in Szene gesetzt. Man spürt das Knistern zwischen den beiden Protagonisten, erlebt das Umschwenken von Freundlichkeit in Bedrohung so hautnah, das es einem selbst als Zuschauer Angst einjagt. Dazu kommt neben der intensiven Inszenierung die unglaublich gute Schauspielleistungen von Maria Bello und Will Harris. Das Agieren der beiden passt so perfekt zusammen, dass es unglaublich authentisch wirkt, wenn der riesige Mann die Frau bedroht. Die Szenen, die dann folgen, sind hart und strapazieren die Nerven, wirken aber niemals übertrieben gewalttätig, sondern einfach nur real.

Trotz diesem harten und teilweise auch brutalen Einstieg wird die Geschichte im weiteren Verlauf in einem sehr ruhigen Ton erzählt, der eine wahnsinnig gute Atmosphäre aufkommen lässt. Die Schauspielleistung von Maria Bello ist beeindruckend und in Verbindung mit der besonnenen und stillen Inszenierung sehr emotional. Ich war absolut gebannt von den Ereignissen und Wendungen und fieberte mit der Protagonistin in jeder Sekunde mit. Alleine ihre Wandlung/Darstellung von einer hilflosen Frau in eine toughe „Kriegerin“ ist sehr glaubwürdig und intensiv.
Überhaupt sind die Charaktere King typisch und wurden allesamt sehr gut umgesetzt. Ein Wiedersehen mit der Rocksängerin und Gitarristin Joan Jett („I Love Rock ’n‘ Roll“ dürfte wohl jeder kennen), die ihre größten Erfolge in den 80er Jahren feierte, und mit der Golden Globe- und Oscargewinnerin Olympia Dukakis („Mondsüchtig“) runden das gelungene Filmerlebnis noch ab.

Man merkt dem Film in keiner Minute an, dass er fürs Fernsehen produziert wurde. Regisseur Mikael Salomon überzeugt mit stimmungsvollen Bildern und einer konsequent durchdachten Linie, als hätte er fürs große Kino gedreht. Ein wenig erinnert „Big Driver“ an den Rape & Revenge-Thriller „I Spit On Your Grave“, nur dass hier einfach mehr Menschlichkeit und Emotionen hinter dem Rachefeldzug stecken. „Big Driver“ enthält bedeutend mehr Seele als ein einfacher Slasher- und/oder Splatterfilm in dieser Art. Genre-Fans, die hier einen ähnlichen Film erwarten, könnten unter Umständen sogar enttäuscht sein. Fast schon auf melancholische Art und Weise erzählt Mikael Salomon die Geschichte einer zutiefst verletzten Frau, die sich erst später zu wehren beginnt. Auch wenn „Big Driver“ nicht zwingend etwas Neues in der Krimi- , Thriller- und Stephen King Verfilmungswelt bietet, so ist er für mich dennoch eine der besseren Adaptionen Kings (die von Frank Darabon inszenierten einmal ausgenommen, denn die sind unschlagbar spitzenmäßig) und spricht ein Publikum an, dass eine intelligente, emotionale Handlung mag, die von einem sehr fähigen Regisseur und grandiosen Schauspielern umgesetzt wurde. Wer sich für die Kurzgeschichte interessiert, die Vorlage für diesen Film war, sollte sich das Buch „Zwischen Nacht und Dunkel“ zulegen, das in Deutschland im Jahr 2010 erschien. Die zweite Geschichte dieser Kurzgeschichtensammlung ist „Big Driver“.

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Fazit: Atmosphärischer Thriller, der mehr Wert auf Emotionen als auf blutige Effekte legt. Ganz klarer Geheimtip für echte King-Fans.

© 2017 Wolfgang Brunner

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The Purge – Die Säuberung (2013)

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Originaltitel: The Purge
Regie: James DeMonaco
Drehbuch: James DeMonaco
Kamera: Jacques Jouffret
Musik: Nathan Whitehead
Laufzeit: 85 Minuten
Darsteller: Ethan Hawke, Lena Headey, Max Burkholder, Adelaide Kane, Edwin Hodge, Tony Oller, Rhys Wakefield, Arija Bareikis, Tom Yi, Chris Mulkey
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Um die hohe Verbrechensrate in den Griff zu bekommen, greift die amerikanische Regierung zu einer radikalen Maßnahme: Einmal im Jahr sind für 12 Stunden sämtliche Verbrechen, einschließlich Mord, erlaubt. Jeder kann sich seinen bestialischen „Gelüsten“ hingeben und Rache an Menschen nehmen, die ihn stören. Wie viele andere Familien schließen sich die Sandines in ihrem Haus ein und wollen einfach nur diese „Nacht der Säuberung“ überleben. Als der Sohn allerdings einen Flüchtenden ins Haus lässt, um ihm zu helfen, gerät die Familie ins Visier der Verfolger. Die Ereignisse geraten immer mehr außer Kontrolle …

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„The Purge“ wirkte schon nach wenigen Minuten wie ein Film von John Carpenter auf mich. Das Ausgangsszenario erinnerte mich an „Die Klapperschlange“, die Verschanzung im Haus an „Assault On Precinct 13“. Die an sich absurde Idee, der Bevölkerung 12 Stunden Narrenfreiheit zu schenken, um Mord und Totschlag zu begehen, wird so gut eingeführt und erläutert, dass sie letztendlich doch gar nicht so verrückt erscheint, wie es eigentlich sollte. Aber selbst wenn es jemand unglaubwürdig empfinden würde, wäre er schon bald in dem megaspannenden Plot, den uns Regisseur und Drehbuchautor James DeMonaco beschert, gefangen.
Mit einer unglaublichen Intensität und richtig guten, überraschenden Wendungen, lässt DeMonaco, der übrigens auch das Originaldrehbuch von John Carpenter zum Remake von „Assault On Precinct 13“  im Jahr 2002 bearbeitet hat, den Zuschauer mitfiebern.

An manchen Stellen steigert sich die Spannung fast schon ins Unerträgliche, bevor sie mit einer Wendung wieder überrascht und die Zeit vergessen lässt. Ethan Hawke stellt den Familienvater sehr gut dar und auch seine Unentschlossenheit, was zu tun ist, nimmt man ihm in jeder Sekunde ab.  Es ist ein Worst-Case-Szenario, in das uns DeMonaco wirft. Und das mit einer solch radikalen Wucht, dass man Angst beim Zusehen bekommt, denn die Bedrohung hat der Regisseur meisterhaft eingefangen und spürbar gemacht. Oftmals fühlt man sich an die obengenannten Carpenter-Filme erinnert, aber auch an William Lustigs „Streetfighters“, „Panic Room“ oder „Uhrwerk Orange“. Dennoch wirkte dieses Survival-Drama auf mich niemals kopiert. Rasant und kurzweilig vergehen 85 Minuten voller dramatischer und ideenreicher Spannung. Und nebenbei bekommt man eine Botschaft „untergejubelt“, über die man unweigerlich nachdenkt.

DeMonacos Thriller funktioniert sowohl in seiner Inszenierung wie auch auf schauspielerischer Ebene. Sämtliche Akteure können überzeugen und fügen sich perfekt in die Story ein. „The Purge“ bleibt im Kopf des Zuschauers haften, egal, ob man diesen Film mag oder eben nicht. Die Kettenreaktion, die durch einen kleinen Zwischenfall ausgelöst wird, ist einfach nur genial. So manch geschilderte Pattsituation lässt einen noch die nächsten Tage über den Film nachdenken. Und auch wenn viele das Ende nicht so gut fanden, ich empfand es als sehr befriedigend und dennoch offen. Mich hat dieser Hausterror bestens unterhalten und ich freue mich schon auf die nächsten Teile, denn ein Fan der Grundidee bin ich durch den ersten Teil geworden.

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Fazit: Spannend und teilweise emotional aufwühlend. Ein Thriller-Drama, das man nicht so schnell vergisst.

© 2017 Wolfgang Brunner

Blue Ruin (2013)

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Originaltitel: Blue Ruin
Regie: Jeremy Saulnier
Drehbuch: Jeremy Saulnier
Kamera: Jeremy Saulnier
Musik: Brooke Blair, Will Blair
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Macon Blair, Devin Ratray, Amy Hargreaves. Kevin Kolack, Eve Plumb, David W. Thompson, Brent Werzner
Genre: Drama, Thriller,
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Als Dwight Evans erfährt, dass der Mörder seiner Eltern wieder auf freiem Fuß ist, macht er sich kurzerhand auf den Weg, um sich an dem Täter zu rächen. Doch so einfach, wie Dwight sich das gedacht hat, ist es leider nicht …

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„Blue Ruin“ ist verstörend, erschreckend, melancholisch und unglaublich spannend. Macon Blair in der Hauptrolle schlägt den Zuschauer von der ersten Minute an in seinen Bann und läßt ihn 90 Minuten lang nicht mehr los. Jeremy Saulnier hat nach seinem zwar ganz netten, aber eher doch schwachen Debüt „Murder Party“, einen Rachethriller abgeliefert, der es in sich hat. Tatsächlich fühlt man sich manchmal an Filme von Quentin Tarantino oder den Coen-Brüder erinnert, aber Saulnier macht es meiner Meinung nach sogar noch besser.

Die Art der Inszenierung, die im Grunde genommen sehr ruhig ist, baut eine unglaubliche Spannung auf. Die blutigen Gewaltdarstellungen lassen sich zwar an einer Hand abzählen, sind aber dermaßen zielsicher und schockierend überraschend eingesetzt, dass es einem den Atem verschlägt. „Blue Ruin“ hat sich für mich einen festen Platz in der Riege so genialer Ausnahmefilme wie „To Kill A Man“, „Child Of God“ oder „The Rover“ erobert.
Macon Blair spielt grandios einen verzweifelten Mann, der den Mord an seinen Eltern rächen will und Selbstjustiz ausübt. Seine darstellerische Leistung kombiniert mit der hervorragenden Regie ergibt ein Independent-Meisterwerk, das sich hinter Großproduktionen nicht nur nicht verstecken muss, sondern besser als so mancher teure Blockbuster ist. Komischerweise ist seine darstellerische Leistung als Bartträger weitaus beeindruckender als mit glattem Gesicht, wo die Mimik nicht mehr die gleiche Intensität hat.
Düster und ausweglos wird der Spannungsbogen immer weiter in die Höhe geschraubt, bis er in einem blutigen Finale endet.

Wer sich Gedanken über den Titel machen sollte: Dwaight macht sich in seinem alten Wagen, das fast schon ein Wrack ist, auf den Weg, den Mörder seiner Eltern zu rächen. Mit „Blue Ruin“ (Blaue Ruine) ist also der blaue Schrottwagen des Protagonisten gemeint. 😉

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Fazit: Unglaublich intensiv von Macon Blair gespielter Selbstjustiz-Thriller, der den blutigen Rachefeldzug eines verzweifelten Mannes schildert. Regisseur Jeremy Saulnier sollte man sich merken.

© 2015 Wolfgang Brunner

Cold In July (2014)

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Originaltitel: Cold In July
Regie: Jim Mickle
Drehbuch: Jim Mickle, Nick Damici
nach dem Roman von Joe R. Lansdale
Kamera: Ryan Samul
Musik: Jeff Grace
Laufzeit: 110 Minuten
Darsteller: Michael C. Hall, Sam Shepard, Don Johnson, Vinessam Shaw, Nick Damici, Wyatt Russell, Lanny Flaherty, Rachel Zeiger-Haag, Brogan Hall
Genre: Thriller, Drama, Literatur
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahren

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Richard Dane wacht in der Nacht auf und überrascht einen Einbrecher. In Notwehr erschießt Dane den Mann und wird von den Bewohnern als Held gefeiert. Doch es dauert nicht lange und der Vater des Erschossenen taucht auf und sinnt auf Rache. Dane muss um sein eigenen Leben und das seiner Familie fürchten. Doch schon bald stellt sich heraus, dass nicht alles so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Dane findet Hilfe bei Bob Luke, einem sehr eigenwilligen Gesetzeshüter.

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Regisseur Mickle hat mich schon mit „Vampire Nation“ und „We Are What We Are“ total fasziniert. Was er mit „Cold In July“ abgeliefert hat, fügt sich nahtlos in meine Begeisterungsliste ein. Ein abgefahrener Rache-Thriller, der in den Südstaaten spielt, und neben tollen Schauspielern viele unerwartete Wendungen bereithält.

Eines von Mickles Vorbildern muss wohl John Carpenter sein, denn durch die wahnsinnig stimmungsvolle Musik von Jeff Grace fühlt man sich desöfteren an Carpenters Kultfilme wie zum Beispiel „Die Klapperschlange“ oder „Assault – Anschlag bei Nacht (Das Ende)“ erinnert. Da kommt so manches Mal eine unglaublich gute Stimmung auf, die den Film zu einem beeindruckenden Erlebnis macht. Die wirklich überraschenden Wendungen haben mir außerordentlich gut gefallen, genauso wie das Wiedersehen mit „Miami Vice“ Don Johnson und „Six Feet Under“ Michael C. Hall. Die beiden spielen wunderbar. Daneben glänzt Sam Shepard in einer wie auf ihn zugeschnittenen Rolle.
Der Plot funktioniert so richtig gut und läßt niemals Langeweile aufkommen.
Inszenierung, Musik, ein gutes Drehbuch und das Zusammenspiel der drei Hauptprotagonisten macht „Cold in July“ zu einem echten Überraschungshit. Hinzu kommen die gekonnt und alles andere als aufdringlich verstreuten Anspielungen auf Kultfilme wie Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ oder Tarantinos „Kill Bill“. Das macht gute Laune und erweckt desöfteren den Eindruck, man sähe einen Kultfilm. Das Potential dazu hat Mickles satirischer Actionfilm auf alle Fälle.

Was als hochspannender, fast schon gruseliger Thriller beginnt, endet in einem witzigen und dennoch brutalen Actionreißer. Diese Mischung hat es wirklich in sich …

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Fazit: „Cold in July“ erinnert sehr stark an die besten Fime von John Carpenter und wandelt sich von einem dramatischen, beängstigenden Thriller in einen brutalen, mit Witzen gespickten, Actionfilm. Absolut sehenswert!

© 2015 Wolfgang Brunner

Vengeance (2009)

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Alternativtitel:  Vengeance – Killer unter sich, Fuk sau
Originaltitel: Vengeance
Regie: Johnnie To
Drehbuch: Wai Ka-Fai
Kamera: Cheng Siu-Keung
Musik: Lo Tayu
Laufzeit: 105 Minuten
Darsteller: Johnny Hallyday, Anthony Wong, Lam Ka Tung, Lam Suet, Simon Yam
Genre: Thriller
Produktionsland: Frankreich, Hongkong
FSK: ab 18 Jahren

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Die Familie des ehemaligen Profikillers Costello wird bei einem brutalen Mordanschlag in Hongkong getötet. Nur seine Tochter überlebt und die bittet ihren Vater, den Tod ihres Mannes und der beiden Söhne zu rächen.
Costello, der aus Frankreich angereist war und in Hongkong niemanden kennt, findet Hilfe bei einer Gruppe von Profikillern. Zusammen mit ihnen sucht er die Schuldigen und gerät dabei immer mehr in eine verstrickte Geschichte …

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„Vengeance“ ist ein beeindruckender und visuell hervorragend inszenierter Rachethriller.
Mit Johnnie Hallyday (der eigentlich seine Karriere als Sänger begann) in der Hautprolle hat Regisseur To einen Glücksgriff getan. Auch wenn man sich an das Spiel des Franzosen erst einmal gewöhnen muss, so zeichnet er dennoch bereits nach kurzer Zeit einen vielschichtigen Charakter, der den Film trägt.
Die oft wunderbaren Bilder, die in diesem ruhigen Thriller präsentiert werden, erinnern an den „Film noir“. Oft musste ich aber auch zum Beispiel an „Blade Runner“ oder „Road To Perdition“ denken, wenn ich die verregneten Straßen Hongkongs sah.

Die Stimmung in diesem Film wird vor allem durch die hervorragende (Piano-) Musik von Lo Tayu bestimmt, die sich durch den ganzen Film zieht und eine einzigartige Atmosphäre vermittelt. Gerade diese Stimmung macht für mich „Vengeance“ zu einem besonderen Rachethriller. Gepaart mit der fantastischen Optik, die Johnnie To auf die Leinwand zaubert, und dem überzeugenden Schauspieler-Team gerät der Film zu einem nahezu perfekten Erlebnis.
Die Dramaturgie, der Wechsel zwischen ruhigen und actionlastigen Szenen, war optimal.

Zum Ende hin mutiert das Rachedrama dann fast schon zu einem Kultfilm, dessen Bilder sich unvergesslich ins Gedächtnis prägen.

Was mir persönlich noch sehr gut gefallen hat, war die „Europäisierung“  der Inszenierung, die zwar die Mentalität der Chinesen nicht komplett verdrängt, aber für uns Europäer doch sehr verständlich machte. Diese Gratwanderung zwischen chinesischem und europäischem Denken gelang Johnnie To wirklich sehr gut.

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Fazit: Ruhig, aber dennoch voller Action, wird hier ein Ausnahme-Rache-Thriller präsentiert, der durch die optische Präsentation im Gedächtnis haften bleibt. Johnny Hallyday in der Hauptrolle ist zwar eigenwillig, nichtsdestotrotz aber unnachahmlich überzeugend.

© 2014 Wolfgang Brunner

To Kill A Man (2014)

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Originaltitel: Matar A Un Hombre
Regie: Alejandro Fernández Almendras
Drehbuch: Alejandro Fernández Almendras
Kamera: Inti Briones
Musik: Pablo Vergara
Laufzeit: 82 Minuten
Darsteller: Daniel Candia, Alejandra Yañez, Daniel Antivilo, Ariel Mateluna, Jennifer Salas
Genre: Drama, Thriller
Produktionsland: Chile, Frankreich
FSK: ab 16 Jahren

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Jorge wird immer wieder von einer Gruppe asozialer Kleinverbrecher schikaniert. Als er eines Tages ausgeraubt wird, wendet er sich an die Behörden, die ihm zwar Hilfe versprechen, aber einfach zu langsam reagieren. Jorges Sohn will seinen Vater beschützen und das geraubte Eigentum von den Ganoven zurückfordern. Dabei wird er von einem der Verbrecher schwer verletzt. Doch die Schuldigen verdrehen die Sachlage und stellen das Ganze als Notwehr hin. Allerdings muss der Anführer der Bande dennoch für eineinhalb Jahre in den Knast.
Als er nach Absitzen der Strafe in die Stadt zurückkommt, tyrannisiert er weiterhin Jorges Familie. Und wieder mahlen die Mühlen der Behörden, bei denen Jorge Hilfe sucht, zu langsam. Ehefrau, Tochter, Sohn und Jorge selbst werden auf immer eindringlichere Art von den Straftätern bedroht, sodass Jorge nur noch einen Ausweg sieht: Er muss die Sache selbst in die Hand nehmen …

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Ich hatte von diesem Film etwas völlig anderes erwartet, nämlich Action und Blut. „To Kill A Man“ ist aber in erster Linie ein Drama, und zwar ein ziemlich gutes und überzeugendes, das unter die Haut geht.
Mit minimalistischen Mitteln und einem realistisch wirkenden Erzählstil wirft Regisseur Almendras den Zuschauer in Jorges Welt, die zwar trist, aber auch voller kleiner Freuden ist. Daniel Candia spielt seine Rolle hervorragend und weiß mit seinem Charme zu überzeugen. Man nimmt ihm ohne weiteres den sympathischen, vernünftig denkenden „Loser“ ab, der, zwar verunsichert, aber dennoch voller Überzeugung den Weg der Selbstjustiz einschlägt, nachdem die Behörden ihn im Stich lassen.‘
Sein Spiel ist es auch, das den Film zum Großteil trägt. Fast könnte man schon sagen, „To Kill A Man“ ist eine Einmannshow von Candia, der damit beweisen kann, was er drauf hat.

Die ruhige Grundstimmung des Films mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen lässt einen die Tragik, die sich  hinter der Handlung verbirgt, fast vergessen, Melancholisch und aufs Wesentliche beschränkt, inszenierte Almendras ein Drama, das angeblich auf wahren Begebenheiten beruht und sich auch tatsächlich so zugetragen haben könnte.
In ArtHaus-ähnlichem Stil begleiten wir den verzweifelten Familienvater, der sich im Laufe der Zeit immer mehr verändert und seinen Rachegedanken schließlich nachgibt.

„To Kill A Man“ hinterlässt den Zuseher mit einem bedrückenden Gefühl in der Magengegend und man kommt nicht darüber hinweg, sich selbst Gedanken zu machen, wie man in so einer Situation reagieren würde. Es ist ein ganz besonderes Drama, das hier erzählt wird. Für die einen mag es an Langweiligkeit fast nicht zu überbieten sein, denn auf Actionszenen wartet man vergebens, für den anderen ist es ein authentischer Thriller, der völlig abseits vom Mainstream seinen geradlinigen und eigenständigen Weg geht.

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Fazit: Einfühlsames Rachedrama mit einem überwältigenden Daniel Candia. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit deprimierenden Stadtbildern und allgegenwärtiger Bedrohungen durch asoziale Banden ab und zaubern ein Ergebnis auf die Leinwand, das beeindruckt und beschäftigt. Ein kleiner Film, der bei mir ganz großen Eindruck hinterließ.

© 2014 Wolfgang Brunner

Big Game (2008)

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Originaltitel: Big Game
Regie: Steven Dieveney
Drehbuch: Steven Dieveney
Kamera: Carina Sanginitto
Musik: Perry La Marca
Laufzeit: ca. 98 Minuten
Darsteller: C. Thomas Howell, Rachel Avery, Christopher Showerman, Jayson Blair, Todd Julian
Genre: Action, Thriller, Drama
Produktionsland: USA, Brasilien
FSK: ab 18 Jahre

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Sully ist vollkommen überzeugt davon, dass Detective Reynolds, der ihn ins Gefängnis gebracht hat, auch am Unfalltod seiner Frau Schuld trägt. Kaum entlassen, macht sich Sully an die Tochter von Reynolds ran und entführt sie mit Hilfe seiner durchgeknallten Freunde. Doch es werden noch drei Mitschüler der Tochter in die Sache verwickelt, die plötzlich ebenfalls in die brutalen Rachepläne verwickelt werden.

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Big Game ist eindeutig ein B-Movie, wenn nicht sogar ein C-Movie. Dennoch war ich nicht vollkommen davon enttäuscht, wie so viele Kritiken von dem Streifen behaupten. Okay, er ist definitiv nicht der große Wurf und man könnte ohne weiteres darauf verzichten, weil man wirklich nichts, aber auch gar nichts, versäumt. Aber … mir hat C. Thomas Howell in seiner Rolle gefallen.
Der Junge, den ich aus E.T., Soul Man, Die Outsider, Die Rote Flut und Hitcher – Der Highwaykiller kannte, ist so richtig erwachsen geworden.  Die Rolle als psychopathischen Sully verkörperte er aus meiner Sicht sehr überzeugend. Auch die Rolle des Detective Reynolds war mit William Katt gut besetzt, der mir nur noch einmal in der Rolle des Sgt. Fitzgibbon in Super aufgefallen ist.

Das war es aber dann auch schon, was es Gutes über Big Game zu berichten gibt. Die Handlung ist wirr und teilweise irgendwie überhaupt nicht mehr nachvollziehbar. Oft schleichen sich grobe Logikfehler ein, auf die man aber auch irgendwann gar nicht mehr achtet. Insgesamt einfach ein sehr schwacher Film mit ein paar lichten Momenten wie zum Beispiel in Bezug auf Kameraführung. Ansonsten leider Zeitverschwendung. Man hätte aus dem Film deutlich mehr machen können, hätte man sich mehr auf die „Menschenjagd“ wie in der Verfilmung von David Osborns American Way Of Life-Romans Jagdzeit aus dem Jahr 1973.

Ach ja, eines noch: Ich frage mich, warum der Film ein FSk 18-Siegel verpasst bekommen hat. Fast jeder „Tatort“ ist schlimmer. 😉

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Fazit: Schlechter B-Movie mit einer akzeptablen Schauspielerleistung von C. Thomas Howell und William Katt. Ansonsten leider unsinnige, wenig nachvollziehbare Handlung, die dennoch auf gewisse Art und Weise unterhält und einen nicht gleich die Stop-Taste drücken lässt.

© 2014 Wolfgang Brunner