Suicide Squad (2016)

Originaltitel: Suicide Squad
Regie: David Ayer
Drehbuch: David Ayer
Kamera: Roman Vasyanov
Musik: Steven Price
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Will Smith, Jared Leto, Margot Robbie, Joel Kinnaman, Viola Davis, Cara Delevingne,  David Harbour, Ben Affleck, Karen Fukuhara, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Ike Barinholtz, Adam Beach
Genre: Comicverfilmung, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 16 Jahre

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Die Superhelden sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Und so muss die Regierung auf eine bunt zusammengewürfelte Spezialeinheit zurückgreifen, als sich ein bedrohliches Wesen manifestiert und die gesamte Welt bedroht. Deadshot, Harley Quinn, Killer Croc, Slipknot, Diablo und Captain Boomerang heißen die Antihelden, die Metawesen, die in den Kampf gegen das Böse ausgesandt werden.

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Es fällt mir irgendwie schwer, die richtigen Worte zu „Suicide Squad“ zu finden. Zum einen ist David Ayer ein solides Comic-Feuerwerk gelungen, in dem die Charaktere, wenngleich so manches mal etwas schwach und flach ausgearbeitet, auf geheimnisvolle Art und Weise definitiv hängenbleiben. Der Plot fängt auch sehr überzeugend und unterhaltend an, verliert aber im Verlaufe des Films leider immer mehr Farbe und Eigenwilligkeit. Aber dazu später.
Erst einmal werden die Figuren sehr interessant und teils amüsant eingeführt. Das Ganze wird in einem flotten, bunten Comicstil präsentiert, der auf Größeres hoffen lässt. Die kurzen Einschübe anderer Superhelden aus dem DC-Universum machen unglaublich Spaß, wenngleich sie leider viel zu selten sind. Dennoch versprühen sie einen coolen Flair.

Rollentechnisch lässt sich eigentlich nicht viel jammern. Alle geben eine gute und überzeugende Performance ab, allen voran aber Margot Robbie als Harley Quinn, die in ihrer Rolle vollkommen aufgeht. Sie stiehlt sogar Jared Leto die Show, der als Joker zwar überzeugen kann, aber eine gewisse Härte, bei der Heath Ledger eindeutig die Meßlatte sehr hoch angesetzt hat, nicht erreicht. Und genau diese Härte hätte ich noch zu der super dargestellten Verrückheit erwartet. Aber schauspielerisch ist, wie gesagt, kaum etwas zu meckern. Und dennoch funktioniert das Team im Film nicht richtig. Zu wenig Augenmerk wird auf die verschiedenen Facetten der Charaktere gerichtet, zu plump wirkt das Zusammenspiel zwischen den Kämpfern. Da kommt kein richtiges Zusammengehörigkeitsgefühl auf. Schade, denn die Figuren hätten ein tolles Potential abgegeben. Aber das ist gar nicht der wirkliche Grund, der für mich den Film nicht überzeugend aussehen lässt. Es ist die Entwicklung der Handlung, die von einer durchaus spannenden Ausgangssituation, die große Erwartungen in mir freigesetzt hat, in eine vorhersehbare, altbackene Geschichte abgedriftet ist. Was wie eine im Comicstil inszenierte Version des Actionkrachers „The Raid“ beginnt, endet in einer inspirationslosen „Ghostbusters“-Kopie. Im Nachhinein habe ich dann in irgendeiner Rezension gelesen, dass es mir da wohl nicht alleine so ging.

„Suicid Squad“ macht den gleichen Fehler wie so viele Filme dieser Art. Man möchte zwanghaft bombastischere Effekte als die Konkurrenz inszenieren und verliert dabei den eigentlichen Sinn eines Films, nämlich eine Geschichte zu erzählen, in der die Protagonisten, und nicht die Effekte, die Hauptrolle spielen. Der Plot funktioniert einigermaßen bis zum Finale, dann geht dem Film die Luft aus, wo eigentlich hätte der meiste „Wumms“ drin sein sollen. Trotz guter Ansätze und vielen interessanten Szenen, die aber leider zu oberflächlich und kurz behandelt wurden, kann „Suicide Squad“ zwar unterhalten, vermittelt aber am Ende den Eindruck, als hätte man den Film schon vor über zehn Jahren einmal gesehen. Künstlerisch wertvoll und innovativ empfand ich die Szene, in der Joker seine geliebte Harley Quinn aus einem Becken einer chemikalischen Aufbereitungsanlage befreit, durch dessen toxische Stoffe sie zu einer irre grinsenden, verrückten Superheldin wird. Und auch das Mundtattoo auf Jokers Hand kommt ideenreich zur Geltung und erinnert kurzzeitig an Jim Hensons fabelhaften Film  „Die Reise ins Labyrinth“. So kurz diese Szenen auch sind, hinterlassen sie dennoch einen prägenden Eindruck.
„Suicid Squad“ wirkt im Nachhinein besser als er eigentlich ist. Schade, denn da hätte weitaus mehr daraus werden können.

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Fazit: Anfangs noch reizvoll entwickelt sich der Plot zu einem unausgegorenen Mischmasch  aus Superheldenfilm der Neuzeit und „Ghostbusters“-Klon der 80er Jahre.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Doctor Strange (2016)

Originaltitel: Doctor Strange
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: Jon Spaihts, Scott Derrickson, C. Robert Cargill
Kamera: Ben Davis
Musik: Michael Giacchino
Laufzeit: 115 Minuten
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Chiwetel Ejiofor, Mads Mikkelsen, Rachel McAdams, Benedict Wong, Michael Stuhlbarg, Benjamin Bratt, Scott Adkins
Genre: Abenteuer, Science Fiction
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Nach einem schlimmen Autounfall verliert der Neurochirurg Dr. Strange fast beide Hände. Nicht nur sein Ehrgeiz, sondern auch das Verlangen, seinen Beruf weiter auszuführen, führen ihn nach Tibet, wo er eine alternative Heilungsmethode sucht. Eine geheimnisvolle Frau lehrt ihn, dass es nicht nur die eine Wirklichkeit gibt, in der die Menschheit lebt, sondern noch andere Realitäten existieren. Dr. Strange lernt schnell und findet sich bald in einem schrecklichen Kampf zwischen verschiedenen Dimensionen …

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Wer andere Rezensionen von mir schon gelesen hat, weiß, dass ich Comicverfilmungen zwar ansehe (und teilweise auch mag), aber eher abgeneigt bin, wenn das meiste vom Film nur noch CGI-Effekte ausmacht. Demzufolge ging ich mit keinen besonders großen Erwartungen an „Doctor Strange“ heran. Und so kam es, dass mich diese Marvel-Comic-Adaption fast vom Hocker katapultierte. 🙂
Interessanterweise spielen aber genau in diesem Film, der mich so begeistert hat, genau jene Effekte eine Rolle, die ich in der Regel bei jedem derartigen Film verdamme, sogar eine sehr große Rolle, wenn nicht sogar die Hauptrolle. Ein Widerspruch? Eindeutig, das gebe ich zu. Aber hier geht es um einen der wenigen Ausnahmefilme, bei denen die Effekte die echte Geschichten hinter dem Plot so grandios unterstützen, dass einem die Luft wegbleibt. Sicherlich bekommt man auch bei „Doctor Strange“ die comictypischen Zutaten serviert, aber zugleich auch eine auf esoterischer Ebene verpackte Handlung, die zum Nachdenken anregt und einen auch noch nach dem Film beschäftigt.

Regisseur Scott Derrickson reiht sich mit seiner atemberaubenden Comicadaption fast schon in die Reihen visionärer Regisseure wie Christopher Nolan oder auch Jonathan Glazer. Sicherlich sind die Filme der Regisseure nicht miteinander zu vergleichen, aber eines haben sie alle gemeinsam, nämlich bisher Ungesehenes auf visionäre, atemberaubende Art auf der Leinwand zu zeigen.
Dr. Stephen Strange ist zudem ein Superheld, der sich von den anderen Superhelden aus dem Marvel-Universum unterscheidet. Er besitzt geistige Macht, setzt sein Gehirn als Waffe ein und zeigt sich als Herrscher über Raum und Zeit. Ein Thema, das eines Christopher Nolan würdig wäre, aber von Scott Derrickson gleichermaßen souverän und bildgewaltig inszeniert wurde. Visuell enorm beeindruckend und mit einer brachialen, dennoch Ohrwurm-tauglichen Filmmusik von Michael Giacchino untermalt, setzt „Doctor Strange“ die Meßlatte für künftige (Comic-)Verfilmungen mit Grips extrem hoch. Man wird süchtig nach den Aufnahmen, die entfernt an „Inception“ von Christopher Nolan  und „Die Reise ins Labyrinth“ von Jim Henson und dennoch irgendwie ein ganz eigenes Universum öffnen. Gerade die Verfolgungs- und Kampfsequenz am Ende des Films wirkte wegweisend auf mich wie seinerzeit die „Matrix“-Filme.

Für mich eher weniger ein Marvel-Film, sondern eher eine spannende Interpretation möglicher Paralleluniversen. Die Comicvorlage kenne ich nicht, wie auch die aller anderen Marvel und DC-Verfilmungen, und kann daher nur den Film beurteilen. Und der ist einfach nur grandios!

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Fazit: Noch nie gesehene visuelle, esoterische Achterbahnfahrt in Paralleluniversen. Ausnahmefilm in Sachen nervige CGI-Effektorgien, denn hier passen die Effekte.

© 2017 Wolfgang Brunner

Ant-Man (2015)

Ant-Man

Originaltitel: Ant-Man
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Edgar Wright, Joe Cornish, Adam McKay, Paul Rudd
Kamera: Russell Carpenter
Musik: Christophe Beck
Laufzeit: 117 Minuten
Darsteller: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Corey Stoll, Michael Peña, T.I., David Dastmalchian, Abby Ryder Fortson, Bobby Cannavale
Genre: Science Fiction, Action
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahre

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Hank Pym wirbt den Superdieb Scott Lang für einen großen Coup an. Pym hat eine Technologie entworfen, mit der Lebendiges und Nichtlebendiges auf Miniaturgröße geschrumpft werden kann. Eine entsprechende Formel hat er nach Ausscheiden aus der Firma zurückgelassen. Nun will Pyms Konkurrent Cross, der die Firma nun leitet,  diese Technolgie für militärische Zwecke nutzen. Lang soll Cross‘ Arbeiten boykottieren. Dabei hilft ihm ein Prototyp jenes Anzugs, mit dem er sich auch Ameisengröße schrumpfen kann .

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Ein neuer Held aus dem Marvel-Universum findet seinen Weg auf die Kinoleinwand: „Ant-Man“.
Nachdem ich der mittlerweile übertrieben vielen Comicverfilmungen fast schon überdrüssig geworden bin (nein, eigentlich bin ich sie seit einiger Zeit schon lange leid), war ich gespannt, was der Ameisenmann in mir auslösen würde.
Interessant ist, dass mir das Ganze in der ersten Hälfte außerordentlich gut gefallen hat, weil sich die Handlung eher aufbaute wie ein alter Science Fiction-Klassiker (ich dachte da in erster Linie fast ausnahmslos an „Die phantastische Reise“ aus dem Jahr 1966 oder „Die Reise ins Ich“ von 1987). Regisseur Peyton Reed, der bisher eigentlich nur für mich unbedeutende Slapstick-Komödien inszenierte, konnte mich erstaunlicherweise mit seinem neuesten Film richtig überzeugen. Zumindest eben, wie gesagt, am Anfang.
Die Handlung baut sich richtig schön langsam und unübertrieben auf und auch der verwendete Humor hat durchaus seinen Reiz und wirkt nicht peinlich, wie in vielen Komödien sonst üblich. Das liegt wahrscheinlich in erster Linie auch an dem Hauptdarsteller Paul Rudd, der überzeugend witzig daherkommt und mit seinem Charakter nie in Slapstick abrutscht.
Michael Douglas spielt, wie die anderen Akteure,  gut, fällt aber im Grunde genommen nicht weiter auf.

Ausnahmsweise wirken hier auch die Spezialeffekte richtig gut (auch in 3D), weil sie zur Handlung gehören und nicht ausschließlich der Effekte willen eingesetzt wurden. Selten hat man einen Miniaturmenschen in der für uns kleinen Welt der Insekten so gut eingesetzt gesehen wie hier. Es macht unglaublichen Spaß, wenn sich der kleine Ant-Man in einer gigantischen Welt herumschlägt und wir als Zuschauer wirklich hautnah mit dabei sein können. Hier finde ich die Spezialeffekte auf jeden Fall gerechtfertigt.

Leider verfällt der Film dann gegen Ende hin immer mehr in das typische Marvel-Schema-F der bisherigen Verfilmungen. Die Querverweise auf andere Superhelden finde ich persönlich mittlerweile unerträglich und das hat mir am Ende dann „Ant-Man“ leider auch ein wenig „madig“ gemacht. Aber nun gut, die Fans wollen das anscheinend und warten nur darauf, irgendetwas dieser Art in den Filmen zu entdecken, mein Fall ist es nicht. Nichtsdestotrotz empfinde ich „Ant-Man“ als eine der besseren, neueren Comicverfilmungen, was zum einen an den wirklich hervorragenden Spezialeffekten liegt, aber auch an dem geschickt eingestreuten Humor. Oberflächlich betrachtet reiht sich der kleine Superheld allerdings nahtlos in die Marvel-Plot-Maschinerie ein und bringt letztendlich kein bisschen Neues. Angenehm hebt er sich dennoch durch seine teils ruhige, teils witzige Inszenierung und die gut eingesetzten Effekte (die niemals übertrieben auf den Putz hauen und etwaige Vorgänger oder Konkurrenten übertrumpfen wollen) von anderen Filmen der gleichen Art ab.

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Fazit: Im Großen und Ganzen erfrischende Comic-Verfilmung, die zwar handlungstechnisch nichts wirklich Neues bietet, dafür aber mit einer sehr guten Inszenierung auftrumpfen kann.

© 2016 Wolfgang Brunner

30 Days Of Night: Dark Days (2010)

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Originaltitel: 30 Days Of Night: Dark Days
Regie: Ben Ketai
Drehbuch: Ben Ketai, Steve Niles
Kamera: Eric Maddison
Musik: Andres Boulton
Laufzeit: 89 Minuten
Darsteller: Kiele Sanchez, Rhys Coiro, Diora Baird, Harold Perrineau Jr., Mia Kirshner, Troy Ruptash, Ben Cotton, Katie Keating, Katharine Isabelle
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahre

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 Nach fast einem Jahr macht sich Stella, die das Massaker aus Teil 1 überlebt hat, auf die Suche, um sich an den Vampiren, die ihren Mann auf dem Gewissen haben, zu rächen. Die Spur führt nach Los Angeles, wo die blutrünstigen Blutsauger die Weltherrschaft anstreben.

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Obwohl die Fortsetzung zu Anfang wirklich nahtlos an das Ende des ersten Teils anknüpft, verschwindet bereits nach wenigen Minuten schon die gesamte Atmosphäre des Originals. Das liegt mit Sicherheit am Ortswechsel, der von Alaska nach Los Angeles verlegt wird. Krasser könnte der Gegensatz nicht sein. Aber, na gut, dachte ich.
Doch es ist leider nicht nur der Ortswechsel, der die Stimmung „versaut“, es sind auch die Schauspieler, die irgendwie uninspiriert rüberkommen und nicht besonders überzeugend agieren. Die Handlung lässt aus meiner Sicht ebenfalls stark zu wünschen übrig und orientiert sich zu offensichtlich an alten „Dracula“-Filmen mit Christopher Lee. Alleine schon, als ich den Namen der Vampirkönigin vernahm, Lilith, sträubten sich mir die Haare. Lilith, göttliche Blutsaugerin bei den Sumerern und Babyloniern, die Männer tötet. In unzähligen Spielen und Filmen wird die Königin der Vampire Lilith genannt. Auch wenn  es mit Sicherheit Absicht war, für mich ist der Name Lilith in Bezug auf Vampire einfach nur abgedroschen.

Das alleine ist aber nicht der Grund für meine Enttäuschung. Neben den überwiegend schlechten Schauspielern und der nicht besonders guten Regie wirkte einfach die ganze Handlung an den Haaren herbeigezogen und völlig nichtssagend. Die Vampire sahen in manchen Einstellungen so gestylt aus, als stammten sie aus einer Death-Metal-Band und die Idee, getötete Vampire wieder zum Leben erwecken hatte man schon in „Blut für Dracula“ aus dem Jahr 1965. Also auch nichts Neues. In diesem Stil wirkte das ganze Script auf mich: ohne Inspiration und Innovation.

Schade, denn „30 Days Of Night“ hätte eine bessere Fortsetzung verdient.

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Fazit: Uninspiriertes Sequel, das mit nicht wirklich guten Darstellern und einer öden Story absolut nicht überzeugen kann und auf ganzer Linie enttäuscht.

© 2015 Wolfgang Brunner

30 Days Of Night (2007)

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Originaltitel: 30 Days Of Night
Regie: David Slade
Drehbuch: Stuart Beattie, Brian Nelson, Steve Niles
Kamera: Jo Willems
Musik: Brian Reitzell
Laufzeit: 108 Minuten
Darsteller: Josh Hartnett, Melissa George, Danny Huston, Ben Foster, Mark Boone Junior, Mark Rendall, Amber Sainsbury, Manu Bennett, Megan Franich
Genre: Horror
Produktionsland: Vereinigte Staaten, Neuseeland
FSK: ab 18 Jahre

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 Als in der abgeschiedenen Kleinstadt Barrow in Alaska für 30 Tage die Sonne nicht mehr aufgeht und die Bewohner in nahezu völliger Dunkelheit leben müssen, tauchen geheimnisvolle Fremde auf. Schon bald müssen die Bewohner Barrows feststellen, dass es sich dabei um Vampire handelt, die mit brutaler Härte auf Nahrungssuche gehen …

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Da sind sie endlich: Vampire, die sich von allen anderen bisher gezeigten unterscheiden.
„30 Days Of Night“ war für mich seinerzeit der erfrischendste Beitrag zum Thema Vampir und ist es auch, nach nochmaligem Ansehen, noch immer. Die stylischen, mit äußerster Härte agierenden Blutsauger in David Slades Verfilmung der Comics von Steve Niles sind einfach der Hammer! Unheimlich, brutal und absolut „gutaussehend“. 😉

Schon alleine der Einstieg in den Film verbreitet eine unglaublich gute Stimmung: Dunkelheit, Abgeschiedenheit und eine tödliche Bedrohung. Da ist es nicht verwunderlich, wenn man sich bei der verschneiten Trostlosigkeit des Ortes an John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ erinnert fühlt. Doch der von Sam Raimi produzierte Vampir-Thriller geht einen anderen Weg und zeigt Vampire, wie man sie noch nie gesehen hat. Durch eine außergewöhnliche Optik wird die Schnelligkeit der Angreifer beeindruckend in Szene gesetzt und die Attacken der Vampire könnten rasanter nicht sein.

Erschreckend realistisch wird ein neuer Mythos über Vampire erschaffen, der zum Beispiel durch eine gutturale, Gänsehaut verursachende eigene Sprache der Blutsauger unterstrichen wird. Schauspielerisch kann Josh Hartnett (zwar nicht immer) überzeugen, aber Danny Huston, der Sohn von Regielegende John Huston, trifft mit seiner Darstellung des Vampiranführers Marlow voll ins Schwarze. Unglaublich, mit welcher Mimik er der unheimlichen Kreatur glaubhaft Leben einhaucht und den Zuschauer damit so richtig erschrecken kann.

Der Gore-Anteil in „30 Days Of Night“ ist sehr hoch und streckenweise äußerst brutal, so dass ich mich an einigen Stellen gefragt habe, ob die Damen und Herren der FSK da womöglich eingeschlafen sind und diese Szenen übersehen haben. Erschreckend realistisch wird in Köpfe und Körper gehackt und literweise Blut verspritzt. Vielleicht ist es gerade diese Härte, die den ganzen Film lang eine fast schon klaustrophobisch wirkende Stimmung verbreitet.
Für mich ist „30 Days Of Night“ einer der besten Vampirfilme überhaupt, Klassiker wie „Nosferatu“ oder Francis Ford Coppolas „Dracula“ einmal ausgenommen.

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Fazit: Gorelastige Comicverfilmung, die eine völlig neue Art von Vampiren zeigt und damit für mich ein absolutes Highlight im Genre der oftmals uninspirierten Vampirfilme ist.

© 2015  Wolfgang Brunner

Sin City 2: A Dame To Kill For (2014)

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Originaltitel: Sin City: A Dame to Kill For
Regie: Frank Miller, Robert Rodriguez
Drehbuch: Frank Miller, Robert Rodriguez, William Monahan
Kamera: Robert Rodriguez
Musik: Robert Rodriguez
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Jessica Alba, Josh Brolin, Eva Green, Joseph Gordon-Levitt, Mickey Rourke, Rosario Dawson, Bruce Willis, Stacey Keach, Julia Garner, Lady Gaga, Ray Liotta
Genre: Thriller, Aktion
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahren

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Vier Geschichten verbinden sich zu einer.
Dwight trifft seine Ex-Freundin Ava, die ihm einst das Herz brach und ihn nun um Hilfe bittet. Ihr Ehemann würde sie brutal schlagen und Dwight will ihr sofort helfen. In einem anderen Teil von Sin City erwacht Marv mitten auf der Straße und kann sich nur noch an die vorherige Nacht erinnern, wo er der schönen Stripperin Nancy beim Tanzen zusehen wollte. Nancy hegt Mordgedanken gegenüber dem mächtigen Senator Roark und gerät bald in Gefahr. Gleichzeitig tritt ein Kartenspieler auf den Plan, der ebenfalls mit dem Senator abrechnen will.

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Ich kann gar nicht verstehen, dass es Leute gibt, die diesen Film mittelmäßig finden. Okay, an der Handlung hätte man vielleicht noch etwas arbeiten können, aber auch die ist im Grunde genommen in Ordnung.
Aber das Wichtigste an diesem Film ist doch die Optik und die haut einen fast in jeder Einstellung um. Das ist unglaublich, wie stylisch Frank Miller und Robert Rodriguez diese Achterbahnfahrt aus visuellen Höhepunkten inszeniert haben. Da sprühen die Ideen nur so und lassen den Zuschauer vor Staunen den Atem anhalten.
Diese Ästhetik ist atemberaubend und beeindruckend.
Die Szene, in der Ava schwimmt, ist einfach nur genial. Da kann man sich gar nicht sattsehen an diesen künstlerischen Bildern, die sich einem unweigerlich ins Gedächtnis brennen.

Schauspielerisch haben mir am besten Jessica Alba und Josh Brolin gefallen. Vor allem erstere ging in ihrer Rolle absolut auf und es hat wirklich Spaß gemacht, ihr zuzusehen. Die „Splatter“-Szenen sind teilweise auch nicht zu verachten, ebenso wie die „Sex“-Szenen. Letztere sind allerdings meist sehr einfühlsam dargestellt und hatten für mich auch die meiste Zeit einen ästhetischen Charakter. Für mich war „A Dame To Kill For“ eine absolut gelungene Fortsetzung des ersten Sin City-Abenteuers. Visuell hat mich der zweite Teil aber, glaube ich zumindest, weitaus mehr beeindruckt als der erste.

Anfangs war ich ein wenig irritiert wegen der verschiedenen Geschichten. Aber das hat sich dann schnell gegeben und irgendwie war dann am Ende ja doch eine Verbindung ersichtlich.

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Fazit: „Sin City: A Dame To Kill For“ beschert den Zuschauern einen grandiosen Bilderrausch, der effektvoll in Szene gesetzt wurde. Handlungstechnisch hätte etwas mehr drin sein können, aber die Bildkompositionen lassen einen diesen kleine „Manko“ schnell vergessen.

 © 2015 Wolfgang Brunner

The Return Of The First Avenger (2014)

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Originaltitel: Captain America: The Winter Soldier
Regie: Anthony Russo, Joe Russo
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Kamera: Trent Opaloch
Musik: Henry Jackman
Laufzeit: 136 Minuten
Darsteller: Chris Evans, Sebastian Stan, Anthony Mackie, Scarlett Johansson, Robert Redford, Samuel L. Jackson, Cobie Smulders
Genre: Action, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahren

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Captain America, Steve Rogers, gerät in ein Netz aus Intrigen und weiß schon bald nicht mehr, wem er vertrauen kann. Selbst S.H.I.E.L.D. scheint nicht das zu sein, was es vorgibt, zu sein. Und dann taucht auch noch ein geheimnisvoller Mann namens Winter Soldier auf, der  Captain America und seine Gefährten, Natasha Romanoff alias Black Widow und Sam Wilson alias Falcon, bedroht. Das Wohl der gesamten Menschheit steht plötzlich auf dem Spiel und Captain America entdeckt, dass hinter dem Ganzen ein Gegner steckt, den er bereits kennt …

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Zunächst einmal ist der zweite Captain America-Film bedeutend besser, als ich erwartet hätte. Aber es gibt auch einen kleinen Wermutstropfen am Rande: Denn auch dieser Film bekommt von mir die „Golden Translation Raspberry“ verliehen. 😦

So, nun aber zur eigentlichen Filmbesprechung: Der zweite „Captain America“ erinnert mehr an einen guten James Bond-Film als an eine Marvel Comicverfilmung, zumindest in den ersten beiden Dritteln. Da wird man mit Autoverfolgungsjagden und Schusswechseln konfrontiert, die einem echt den Atem rauben. Diese Szenen haben einen unglaublich hohen Unterhaltungswert und inszenatorisch fühlte ich manchmal tatsächlich an alte Comicverfilmungen wie „Superman“ mit Christopher Reeve erinnert . (Ja, ich weiß, der Vergleich hinkt gewaltig. Aber dennoch fühlte ich mich von der Machart her daran erinnert.)
Denn erfreulicherweise wird auch mit spektakulären Effekte-Orgien gespart (wenn man einmal vom Ende des Films absieht), sondern die beiden Regisseure konzentrieren sich eher auf den Action-Faktor mit leisen, menschlichen Zwischentönen.

„The Return Of The First Avenger“, so der deutsche Titel (lol) ist zu einem „Avenger“-Abenteuer geraten, das mir außerordentlich gut gefällt. Die Wendungen und dramatischen Entwicklungen während der Handlung sind erstaunlich gut gelungen und geben mit jeder Minute, die der Film vorwärtsschreitet, Sinn. Die Verstrickung mit dem ersten Teil wirkt logisch und verursacht an so manchen Stellen einen Aha-Effekt. So machen Filme Spaß, auch wenn sie in das Mainstream-Raster fallen.

Schauspielerisch hat mir Scarlett Johansson am besten gefallen, aber auch Chris Evans wurde mir hier im zweiten Teil bedeutend sympathischer als im ersten. Sein Gegner, dargestellt von Sebastian Stan, konnte mich überzeugen, auch wenn es eine Weile dauerte. Samuel L. Jackson war cool, während Robert Redford an manchen Stellen ungelenk auf mich wirkte.

Auch wenn ich (mittlerweile) ein kleiner Gegner von Special-Effects-Orgien bin, so bekommt „The Return Of the Fist Avenger“ einen kleinen Pluspunkt in dieser Hinsicht zugeschrieben. Im Gegensatz zu den „Transformers“-Filmen sieht man hier zumindest, was auf dem Bildschirm / der Leinwand geschieht. Da werden sicherlich computergenerierte Effekte eingesetzt, aber in einer Geschwindigkeit, die man verfolgen kann. 😉

Handlungstechnisch, schauspielerisch und inszenatorisch habe ich bei dieser Marvel-Verfilmung fast nichts auzusetzen (fast schon wie bei „Guardians Of The Galaxy“) und Captain America ist definitiv in meiner Gunst gestiegen.

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Fazit: Absolut gelungene Comic-Verfilmung mit menschlichen Zwischentönen und atemberaubenden Action-Szenen.

© 2015 Wolfgang Brunner