Das Wundern des jungen Ulysses (2019)

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Originaltitel: Das Wundern des jungen Ulysses
Regie: René Wiesner
Drehbuch: René Wiesner
Kamera: René Wiesner
Musik: Stephan Ortlepp
Laufzeit: 17 Minuten
Darsteller: –
Genre: Kurzfilm, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Eine verlassene Wohnung, in der ein schlimmes Schicksal ihre Spuren hinterlässt.

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Ein neuer Kurzfilm von René Wiesner, der mich natürlich sehr neugierig macht, da ich seinen letzten Film „Ossarium“ sehr gelungen und gut fand. „Das Wundern des jungen Ulysses“ beginnt auf ähnliche Weise und man weiß lange Zeit nicht, was einen erwartet und um was es in diesem Kurzfilm eigentlich geht. Man betrachtet die verlassene Wohnung, sieht den Bildern zu und lässt plötzlich seine eigenen Gedanken schweifen. Man erinnert sich an Begebenheiten des eigenen Lebens, zieht sozusagen Bilanz, während man darauf wartet, dass etwas in Wiesners neuem Film passiert. Aber es geht ruhig weiter, wie es auch begonnen hat. Und irgendwann ist es dann soweit und die Magie dieser melancholischen Bilder, übrigens genial untermalt von Stephan Ortlepp, packt einen, zieht einen in den Bann und lässt einen nicht mehr los. Und während man weiter über den Film (und auch sich selbst) nachdenkt, erschließen sich von einem Moment auf den anderen immer mehr Perspektiven, die der Film aufzeigt. Man befindet sich irgendwann in einem Strudel, dem man nicht mehr entkommen kann.

Ich möchte es fast schon als kleines filmisches Wunder bezeichnen, was René Wiesner da inszeniert hat. Denn so minimalistisch und banal „Die Wunder des jungen Ulysses“ auf den ersten Blick daherkommen mag, umso bombastischer entwickelt er sich zu einem konsequenten, dramatischen Ende, das ab einem gewissen Moment fast schon wie eine Bombe im Kopf des Zuschauers detoniert. Wiesner hat es mit seinem Kurzfilm tatsächlich geschafft, mich über Tage hinweg zu beschäftigen. Immer wieder geistern diese „einfachen“ Bilder durch meinen Kopf und ich meine fast, Ortlepps unheilschwangere, düstere Töne zu hören. „Das Wundern des jungen Ulysses“ verwundert, fasziniert und schockiert eher erst, nachdem man den Film gesehen hat. Sicherlich breitet sich während der Sichtung bereits ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aus, wenn man langsam aber sicher bemerkt, um was es geht. Aber weitaus beeindruckender ist dieser Effekt, nachdem der Film zu Ende ist und man darüber nachzudenken beginnt.

Dieser Kurzfilm zeigt wieder einmal, dass man mit wenig finanziellen Mitteln etwas auf die Beine stellen kann, das nachhaltig Wirkung zeigt. Dramaturgisches Geschick, filmisches Inszenierungsvermögen und vor allem die Fähigkeit, eine Geschichte erzählen zu können. Und das, obwohl im Grunde genommen nicht einmal jemand mitspielt.  Ich muss sagen, dass mich dieser Kurzfilm geflasht hat. Es bedarf schon einer gewissen Feinfühligkeit, sich solche einem Thema anzunehmen und dies dann auch noch unspektakulär und ruhig in Szene zu setzen. Gerade diese Zurückhaltung in der Inszenierung verschafft dem Zuschauer ein weitaus beklemmenderes Gefühl, als hätte man das Thema reißerisch (und brutal) aufgearbeitet. Wieder einmal hat mich René Wiesner mit seinem filmischen Können überzeugen können, dieses Mal vielleicht sogar am meisten von all seinen kreativen Arbeiten. Ich bin schon sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von ihm zu sehen bekommen. Auf alle Fälle volle Punktzahl für „Das Wundern des jungen Ulysses“.

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Fazit: Minimalistisches, aber gerade deswegen umso eindringlicheres Kurzfilm-Drama.

© 2019 Wolfgang Brunner

Mary Shelley (2017)

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Originaltitel: Mary Shelley
Regie: Haifaa Al-Mansour
Drehbuch: Haifaa Al-Mansour, Emma Jensen, Connor McPherson
Kamera: David Ungaro
Musik: Amelia Warner
Laufzeit: 120 Minuten
Darsteller: Elle Fanning, Maisie Williams, Joanne Froggatt, Douglas Boothe, Stephen Dillane, Tom Sturridge, Bel Powley, Ben Hardy
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Mary, die selbst Geschichten schreibt, verliebt sich in den Dichter Percy Bysshe Shelley. Eines Tages eröffnet sie ihren Freunden im Haus von Lord Byron ihre Idee eines Romans um eine von den Toten wiederauferstandene Kreatur. Doch die Gesellschaft hat zu jener Zeit keinen Sinn für eine Frau, die sich als Schriftstellerin verdingt.

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Ich war sehr gespannt auf diese Filmbiografie, zumal mich seinerzeit Ken Russells ausgefallener Historientrip „Gothic“, der zumindest jene „berühmte“ Nacht in Lord Byrons Haus behandelt, total begeistert hat. Umso mehr interessierte mich, wie dieses Mal unter der Regie einer Frau an diese Lebensgeschichte herangegangen wird. „Mary Shelley“ ist anders als Ken Russells Film, wirkt aber gleichzeitig auch irgendwie wie eine Erweiterung seiner Gedankengänge. Es ist schwer zu erklären, wenn man den Film (oder beide Filme) nicht gesehen hat. Regisseurin Haifaa Al-Mansour widmet sich in ihrem Film ebenfalls „nur“ einem Ausschnitt in Shelleys Leben, was aber durchaus legitim ist, da es sich schließlich um jene Zeitspanne handelt, in der die ersten Ideen zu „Frankenstein“ in den Gedanken der jungen Autorin entstanden sind, bis hin zur Niederschrift des weltweit bekannten Romans.

Die junge Elle Fanning, die vielen in den Hauptrollen der Kinoerfolge „Super 8“ oder jüngst „The Neon Demon“ bekannt sein dürfte, meistert die Hauptrolle mit Bravour. Es macht riesigen Spaß, ihr bei der Verkörperung von Mary Shelley zuzusehen. Aber auch alle anderen Darsteller sind sehr treffend ausgewählt und machen ihre Arbeit exzellent. Regisseurin Haifaa Al-Mansour zeichnet ein sehr emotionales, melancholisches Bild der jungen Schriftstellerin, die sich seinerzeit sehr rebellisch benahm und daher gegen gängige Konventionen verstieß. Der Film ist sehr künstlerisch und schwelgt teilweise in wunderbaren Bildern, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen. Man hätte vielleicht sogar mehr aus der Geschichte machen, man hätte aber auch bedeutend weniger herausholen können. Daher empfinde ich „Mary Shelley“ als absolut empfehlenswerte Filmbiografie, die sich absolut sehen lassen kann. Mit persönlich hat vor allem der immer wieder sehr ruhige Inszenierungsstil gefallen, der ein wenig an einen ArtHouse-Film erinnerte.

Mit viel Atmosphäre (neblige Landschaften und Friedhöfe) und einer sehr opulenten Ausstattung kann „Mary Shelley“ auf ganzer Linie überzeugen, wenn man sich darauf einlassen kann, dass es in erster Linie um den Menschen und nicht um die Erschaffung des berühmten Romans geht. Tom Sturridge in der Rolle des Lord Byron hat mich richtiggehend begeistert. Seine Launen, Wutausbrüche und das exzentrische Verhalten habe ich ihm in jeder Sekunde abgenommen. Das ist echte Schauspielkunst, die der junge Mann da abgeliefert hat.
„Mary Shelley kam mir oftmals vor, als hätten Jane Campion und Peter Greenaway gemeinsam einen Film erschaffen. Manche Aufnahmen besitzen eine unglaubliche Ästhetik,  die man nicht so schnell vergisst. Haifaa Al-Mansour hat die damalige Situation bezüglich Frauenrecht und -gleichberechtigung in eine filmische Biografie verpackt und dem Film damit eine noch heute aktuelle Bedeutung gegeben. „Mary Shelley“ zeigt, dass die junge Frau und Schriftstellerin eine Art Wegbereiterin für den Kampf um Gleichberechtigung der Frauen war. Die zentrale Aussage des Film ist, dass man (vor allem als Frau) für so manche  Ideale kämpfen muss.

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Fazit: Wunderschön fotografierter und inszenierter Lebensabschnitt einer mutigen Frau.

© 2019 Wolfgang Brunner

One Percent – Streets of Anarchy (2017)

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Originaltitel: 1 %
Alternativtitel: Outlaws
Regie: Stephen McCallum
Drehbuch: Matt Nable
Kamera: Shelley Farthing-Dawe
Musik: Chris Cobilis
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Ryan Corr, Abbey Lee, Simone Kessell, Josh McConville, Aaron Pedersen, Sam Parsonson, Eddie Baroo, Jacqui William, Matt Nable
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Knuck ist Anführer des kriminellen Motorradclubs mit dem klangvollen Namen „Copperheads“. Während er im Knast saß hatte sein Stellvertreter Paddo die Leitung über den Club und veränderte in dieser Zeit ein paar der eingefahrenen Strukturen. Als Knuck wieder auf freiem Fuß ist, kommt es unausweichlich zu einem Streit zwischen den beiden, aus dem nur einer von ihnen als Sieger hervorgehen kann.

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„One Percent“ wirbt mit dem deutschen ( 🙂 ) Untertitel „Streets of Anarchy“, was wohl einen dezenten Hinweis auf die Erfolgsserie „Sons of Anarchy“ darstellen und ein entsprechendes Publikum anlocken soll. Wie nicht anders zu erwarten, hinkt dieser Vergleich natürlich, denn der Film wirkt nur auf den ersten Anschein wie ein uninspirierter Abklatsch. „One Percent“ ist auch nicht in erster Linie ein Biker-Film, wie es das Cover suggeriert, sondern vielmehr ein Drama, das im Bikermilieu spielt. Während der ersten 20 Minuten war ich mir des öfteren nicht ganz sicher, ob mir der Film gefallen und zusagen würde, denn es wurde massivst mit vulgären Ausdrücken um sich geworfen. Das wirkte anfangs definitiv etwas störend auf mich und könnte den ein oder anderen Zuseher dazu veranlassen, den Film tatsächlich abzuschalten. Aber man sollte sich einfach darauf einlassen, denn ab einem gewissen Zeitpunkt wird einem klar, dass genau diese Ausdrucksweise das Milieu, in dem der Film angesiedelt ist, wiedergibt. Vor allem kommt dadurch auch eine besondere Dramatik auf, wenn man sich der Geschichte des behinderten Bruders des Protagonisten widmet.

Schauspielerisch gibt es an „One Percent“ absolut nichts auszusetzen. Auch die Frauen haben tragende Rollen inne, aber vor allem Josh McConville, der den Part des besagten behinderten Bruders übernommen hat, kann durch seine hervorragende Performance absolut überzeugen und auch begeistern. In meinen Augen ist er letztendlich auch die tragende Figur und daher heimliche Hauptrolle dieses Dramas. Im Nachhinein betrachtet, gewinnt der Film eine ganz außergewöhnliche Bedeutung für mich, da er mich in seiner konsequenten Tragik manchmal an den grandiosen „Gilbert Grape“ mit Leonardo diCaprio erinnert. „One Percent“ wird diejenigen enttäuschen, die einen reinen Motorradfilm erwarten, denn dafür sind viel zu wenig Bikeraufnahmen vorhanden. Wer allerdings ein handfestes Drama fürs Massenpublikum erwartet, wird ebenso enttäuscht sein, da sich der Film überwiegend abseits des Mainstream bewegt. So stellt „One Percent“ für mich irgendwie einen Art Filmhybrid aus Drama und Action dar, der nicht jedermanns Sache ist. Aber, wie bereits erwähnt, durchhalten lohnt sich auf alle Fälle und „One Percent“ ist auch ein Film, der definitiv hängenbleibt. Stephen McCallums Film mag auf den ersten Blick etwas oberflächlich und ohne Konzept wirken, brennt sich aber dennoch – so war es zumindest bei mir – ins Gedächtnis, weil er sehr realitätsnah inszeniert ist. Die Beziehung der beiden Brüder stellt für mich auf jeden Fall den Mittelpunkt der ganzen Geschichte dar und endet in einem äußerst dramatischen Finale.

Für mich ist „One Percent“ nach anfänglichen Schwierigkeiten ein Film, den man sich ohne weiteres öfters ansehen kann. Um noch einmal auf den Vergleich mit „Sons of Anarchy“ zurückzukommen: Der vorliegende „One Percent“ kann natürlich aufgrund seiner geringen Laufdauer nicht mit einer entsprechenden Tiefe aufwarten. Dennoch sind die Charaktere absolut toll ausgearbeitet und auch entsprechend gespielt. In keiner einzigen Minute hatte ich das Gefühl, einer Direct to DVD-Veröffentlichung zuzusehen. Die Inszenierung, die Schnitte und das Agieren der Schauspieler wirkten auf mich niemals wie ein B-Movie. Man sollte sich vielleicht auf diesen Film einlassen, ohne Vergleiche mit „Sons of Anarchy“ anzustellen, wenngleich diese vielleicht sogar vom Regisseur beabsichtigt waren. Als eigenständiger Film funktioniert „One Percent“ auf alle Fälle und kann optimal und professionell unterhalten. Ich habe ihn auf alle Fälle genossen.

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Fazit: An die Erfolgsserie „Sons of Anarchy“ angelehntes, aber sehenswertes Drama.

© 2019 Wolfgang Brunner

Dust Devil (1992)

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Originaltitel: Dust Devil
Regie: Richard Stanley
Drehbuch: Richard Stanley
Kamera: Steven Chivers
Musik: Simon Boswell
Laufzeit: 87 Minuten / Final Cut: 108 Minuten
Darsteller: Robert John Burke, Chelsea Field, Zakes Mokae, John Matshikiza, Rufus Swart, William Hotkins, Terry Norton, Russell Copley, Marianne Sägebrecht
Genre: Horror, Mystery
Produktionsland: Südafrika, Großbritannien
FSK: ab 16 Jahre

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Ein Dämon aus alten Legenden durchstreift in Form eines Gestaltwandlers  die Wüste Namibias. Er sucht Opfer, denn mit jedem Mord wachsen seine Kräfte.
Die junge Wendy flieht vor ihrem tyrannischen Ehemann und begegnet dem geheimnisvollen Wanderer und verliebt sich in ihn.
Währenddessen begibt sich ein ortsansässiger Cop auf die Suche nach dem „Dust Devil“, um ihn ein für alle Mal auszulöschen.

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„Dust Devil“ ist ein zwar in die Jahre gekommener Kultklassiker, der aber bis heute nichts von seinem außergewöhnlichen Reiz verloren hat. Mit einer wilden Mischung aus Horror-Thriller, Mystik und Western schafft es dieser kurzweilige Film auch heute noch absolut zu faszinieren. In hypnotischen Bildern erzählt Regisseur Richard Stanley die Reise eines Wesens aus alten Legenden aus einer anderen Dimension in unserer Realität. Wenn man sich die ersten 10 Minuten von „Dust Devil“ ansieht, fühlt man sich unwillkürlich an eine Umsetzung von Stephen Kings Roman „Schwarz“, dem ersten Teil seiner „Dunklen Turm“- Reihe erinnert. Genauso habe ich mir nämlich zum Beispiel die Hauptperson Roland vorgestellt und nicht wie in der Verfilmung „Der dunkle Turm“. Aber zurück zu „Dust Devil“. Stanley schafft es von der ersten Minute an, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Das liegt vor allem am wunderbaren Agieren des Hauptdarstellers Robert (John) Burke, aber auch an den visuell einwandfreien Aufnahmen, mit denen der Regisseur seine Geschichte erzählt. Hinzu kommt der stimmige und unglaublich atmosphärische Score von Simon Boswell, der das Geschehen auf optimalste Weise untermalt. Seine Mischung aus mystischen, sphärischen Klängen und musikalischen Westernmotiven ist auch ohne Film absolut hörenswert.

Koch Media liegt mit diesem Mediabook sowohl die knapp eineinhalbstündige Kinofassung als auch den eine Stunde und 48 Minuten dauernden Final Cut vor. Gerade letzteren sollten sich Fans dieses Films unbedingt ansehen, denn die ohnehin schon komplexe Handlung wird in diesen zwanzig Minuten weitaus mehr vertieft. Man hätte diesen Plot auch gut und gerne auf drei Stunden ausdehnen können und es wäre nicht langweilig geworden. Die neuen Szenen wurden übrigens, nicht wie man es bei solchen Projekten gewohnt ist, lediglich mit deutschen Untertiteln versehen, sondern sogar neu synchronisiert. Allerdings standen wohl die Originalsprecher und -sprecherinnen nicht mehr zur Verfügung, so dass man in diesen wenigen Szenen auffällig hörbar andere Stimmen vernimmt. Ich persönlich fand das allerdings gar nicht wirklich schlimm.
Was mir bei dieser erneuten Sichtung (ich habe „Dust Devil“ das letzte Mal vor etwa fünfundzwanzig Jahren gesehen) aufgefallen ist, sind die teilweise wirklich krassen Splatter- und Goreeinlagen, bei denen ich mich fragte, warum der Film eine FSK 16- Freigabe erhalten hat. Aber das leidige Thema  FSK hat hier nichts verloren. Freunde von Goreszenen werden bei „Dust Devil“ definitiv ihren Spaß haben, zumal die Effekte allesamt handgemacht und ohne Hilfe von Computer(programmen) angefertigt wurden.

„Dust Devil“ ist für mich heute mehr denn je ein zeitlose Kultklassiker, den man sich immer wieder mal ansehen kann (und auch sollte), denn solche Filme sind in der heutigen Zeit eher selten geworden. Obwohl „Dust Devil“ Anfang der 90er Jahre entstand, wirkt er an manchen Stellen wie ein Werk aus den „goldenen 80er Jahren“. Wer diese kleine Perle noch nicht kennt, sollte dies unbedingt nachholen, zumal es nun eine mehr als würdige Veröffentlichung auf Blu-Ray durch Koch Media gibt.

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Fazit: Tolle Mediabook-Veröffentlichung eines heimlichen Kultfilms. Absolut sehenswert.

©2019 Wolfgang Brunner

Knightriders – Ritter auf heißen Öfen (1981)

Knightriders

Originaltitel: Knightriders
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Kamera: Michael Gornick
Musik: Oscar Brown, Jr., Donald Rubinstein
Laufzeit: 145 Minuten
Darsteller:Ed Harris, Tom Savini, Gary Lahti, Amy Ingersoll, Patricia Tallman, Brother Blue, Ken Foree, Scott Reiniger, Martin Ferrero, Warner Shook
Genre: Drama, Action
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Billy führt eine Schaustellertruppe an, die Ritterspiele und -turniere auf Motorrädern zum Besten gibt. Für die meisten der Truppe ist es lediglich eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, für Billy ist es allerdings eine Lebenseinstellung. Als die Medien auf die Gruppe aufmerksam werden und man mit den verrückten Bikern Geschäfte machen will, kommt es zu Diskrepanzen innerhalb der Gruppe. Billys bis dahin bester Freund Morgan, der durch die Aussicht auf Geld und Ruhm geblendet wird, macht Billy den Rang als König streitig. Ein Duell zwischen ihm und Billy bleibt unausweichlich.

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George A. Romeros „Knightriders – Ritter auf heißen Öfen“  erfuhr leider, wie viele seiner Filme, nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient hätte. Schon bei Romeros anderen Filmen, seine Kultklassiker „Night of the Living Dead“ und „Dawn of the Dead“ einmal ausgenommen, passierte dasselbe: Das Mainstream-Publikum war für derart intellektuelle Filme einfach nicht bereit genug, um diesen einen entsprechenden (natürlich auch finanziellen) Erfolg zu verschaffen. Denn Kultcharakter hat so ziemlich jeder Film von Romero, selbstredend auch der vorliegende „Knightriders“. Ähnlich wie Romeros „Bruiser“ verschwand der Film nahezu sang- und klanglos in der Versenkung, um Jahre später zu einem Kultklassiker zu avancieren. Und diesen Titel kann man „Knightriders“ ohne weiteres zusprechen.

Romero setzt auch hier in erster Linie sein Hauptaugenmerk auf  sozialkritische Aspekte, wie er das übrigens auch hervorragend im genannten „Bruiser“ und natürlich auch bei „Dawn of the Dead“ und nicht zu vergessen dem meiner Meinung nach absolut unterschätzten „Diary of the Dead“ umgesetzt hat. Es wäre kein Romero-Film ohne diese Botschaft, die in die Handlung verpackt ist. So auch bei „Knightriders“, wo der sympathische und leider viel zu früh verstorbene Regisseur als wichtigste Aussage fokussiert, dass man sein Leben gestalten soll, wie man es mag. Ed Harris verkörpert die Rolle des Anführers Billy auf geniale, einfühlsame und glaubwürdige Weise. Man nimmt ihm jede seiner Handlungen ab und fühlt mit ihm. Die Ritterturniere auf dem Motorrad sind für Billy ein Lebensmotto, nahezu der einzige Sinn des Lebens. Und genau dieses Gefühl bringt Harris während des ganzen Films rüber. Es macht absolut Spaß, ihm dabei zuzusehen, wie er seine Lebenseinstellung verteidigt und dabei auf materielle Dinge keinen Wert legt.

Sein Widersacher Morgan, erstklassig dargestellt von „Spezialeffekte-Gott“ Tom Savini, stellt das Gegenteil dieser Lebensphilosophie dar und verkörpert dadurch den Anteil unserer Bevölkerung, der den größeren Teil ausmacht. „Knightriders“ spricht aber zudem auch noch Tabuthemen (damals noch weitaus tabuisierter als heute) wie Homosexualität an. Und das auch noch mit einer sympathischen Leichtigkeit, die beim Zuschauer unwillkürlich die Frage aufkommen lässt, warum dieses „Problem“ in der Gesellschaft eigentlich eines ist. Man muss Romeros Film unter einem bestimmten Aspekt sehen, um richtig Gefallen daran zu finden. Diejenigen, denen das zu anstrengende ist, bekommen aber dennoch ein gut durchdachtes, emotionales Drama mit hervorragenden Mottorrad-Stunts zu sehen.
Unbedingt erwähnenswert, und für Fans ein Muss, sind die beiden Kurzauftritte von Stephen King und seiner Gattin Tabitha, die sich zwischen den Zuschauern tummeln und eine grandiose Darstellung abgeben. Dieser Cameo-Auftritt kam auf Wunsch Romeros zustande, der mit Stephen King gut befreundet war. Nach „Knightriders“ arbeiteten die beiden bei „Creepshow“ zusammen.
Die vorliegende Veröffentlichung von Koch Media lässt für den Romero-Fan keinerlei Wünsche mehr offen: Auf zwei Blu-Rays und einer DVD im Mediabook sind sowohl die Kinofassung als auch die ungekürzte Fassung sowie jede Menge Extras enthalten. Ein Fest für Liebhaber dieses (aus meiner heutigen Sicht zumindest) zeitlosen Klassikers, den man immer wieder mal ansehen kann (und sollte).

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Fazit: Zeitloser, gesellschaftskritischer  Kultklassiker von Regielegende George A. Romero.

© 2019 Wolfgang Brunner

One Cut of the Dead (2017)

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Originaltitel: Kamera o Tomeru na!
Regie: Shinichiro Ueda
Drehbuch: Shinichiro Ueda
Kamera: Tsuyoshi Sone
Musik: Nobuhiro Suzuki, Kailu Nagai
Laufzeit: 97 Minuten
Darsteller: Takayuki Hamatsu,  Mao, Harumi Shuhama, Yuzuki Akiyama,Kazuaki Nagaya,  Manabu Hosoi
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Japan
FSK: ab 16 Jahre

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Die Macher eines Low-Budget-Zombie-Films, der den Titel „One Cut of the Dead“ trägt, drehen in einem verlassenen Fabrikgelände. Es soll ein Film ohne jegliche Schnitte werden und Regisseur Higurashi gibt letzte Anweisungen, bevor er das Set verlässt.Die Dreharbeiten beginnen, doch es ist gar nicht so einfach, einen Zombiefilm zu inszenieren.

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„One Cut of the Dead“ macht es einem wahrlich nicht leicht. Man geht erst einmal natürlich mit einer gewissen Erwartungshaltung an diesen Film heran, wenn man zum Beispiel Vergleiche wie „Train to Busan“ oder „Shaun of the Dead“ zu hören bekommt. Das suggeriert im Vorfeld bereits eine vollkommen andere Art von Film als  „One Cut of the Dead“ letztendlich ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass man nach den ersten zehn Minuten mehr als verwundert und irritiert ist und tatsächlich überlegt, ob man den Film vielleicht doch einfach abschalten sollte. Weitere zehn Minuten später ist man dann sehr nahe dran, das Handtuch zu schmeißen. Und dann wird es plötzlich, nach einer knappen halben Stunde interessant: Der Abspann von „One Cut of the Dead“ flimmert über den Bildschirm. Das macht in erster Linie stutzig und vor allem eines noch: nämlich neugierig.

Das Szenario ändert sich von einem Moment auf den anderen und man wird mit einem komplett neuen Plot konfrontiert. Auch hier dauert es zwar eine Weile, bis man sich daran gewöhnt und sich auf die neue Situation eingelassen hat. Hat man dann aber diese ersten vierzig Minuten dieses Films überwunden, wird man mit einer der genialsten Horrorkomödien, die ich kenne, belohnt. Es ist einfach unglaublich, mit welcher Detailgenauigkeit und Raffinesse die Macher dieses Films den Plot nach dieser völlig unerwarteten Wendung vorantreiben. „One Cut of the Dead“ ist dennoch keine Zombie- Horror-Komödie à la „Shaun of the Dead“, sondern geht definitiv einen absolut anderen Weg. Noch heute, ein paar Tage nach Sichtung dieses Films, zaubern mir einige Einstellungen ein Schmunzeln ins Gesicht. Ich bin noch immer über diesen Ideenreichtum, den „One Cut of the Dead“ bietet, erstaunt und im Nachhinein wundert mich der phänomenale weltweite Erfolg dieser außergewöhnlichen Komödie absolut nicht.

Dieser Film ist ein absolut gutes Beispiel dafür, dass man mit geringfügigen finanziellen Mitteln und nur durch eine geniale Idee einen unterhaltsamen Film drehen kann. „One Cut of the Dead“ sieht man im ersten Drittel das wenige zur Verfügung stehende Budget an, aber nach besagter Wendung vergisst man diese Tatsache und genießt nur noch den ausgeklügelten Witz und die nahezu perfekte Situationskomik, die dieser Low-Budget Film bietet. Ich bin schlichtweg von diesem Streifen begeistert und zudem auch noch sehr beeindruckt, wie die Macher diese Thematik umgesetzt haben. Man sieht, gerade in der zweiten Hälfte, mit wie viel Herzblut alle Beteiligten an die Umsetzung herangegangen sind. „One Cut of the Dead“ ist mit ganz viel Liebe gedreht, was man dem Film unbedingt anmerkt. Wie gesagt, die erste knappe halbe Stunde muss man schlichtweg überstehen und in Kauf nehmen, um dann das geniale Endergebnis zu sehen. Vor allem gibt diese, im Grunde genommen unerträgliche erste halbe Stunde, am Ende absoluten Sinn. Ich bin mir sicher, dass „One Cut of the Dead“ beim zweiten Mal sogar noch besser funktioniert als beim ersten Mal. Dennoch sollte man bei der Erstsichtung definitiv ohne irgendwelche Informationen an diesen Film herangehen.

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Fazit: Herrlich erfrischende Zombie-Komödie, die ihre gesamte Genialität erst in den letzten zwei Dritteln preisgibt.

©2019 Wolfgang Brunner