Pompeii (2014)

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Originaltitel: Pompeii
Regie: Paul W. S. Anderson
Drehbuch: Janet Scott Batchler, Lee Batchler, Michael Robert Johnson
Kamera: Glen MacPherson
Musik: Clinton Shorter
Laufzeit: 102 Minuten
Darsteller: Kit Harrington, Carrie-Ann Moss, Emily Browning, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Kiefer Sutherland
Genre: Katastrophenfilm, Drama
Produktionsland: Kanada, Deutschland
FSK: ab 12 Jahren

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Der Sklave Milo kämpft als Gladiator in der Arena von Pompeii um sein Leben. Als er Cassia, die Tochter des wohlhabenden Lucretius, trifft, verlieben sich beide auf den ersten Blick ineinander. Doch eine Liebe zwischen der hübschen Bürgerstochter und einem Sklaven ist nicht möglich. Erst als der nahegelegene Vulkan Vesuv ausbricht und Pompeii in einen chaotischen Ort des Grauens verwandelt, trifft Milo die Entscheidung, nicht nur sein Leben, sondern auch das der geliebten Cassia zu retten.

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Pompeii ist bombastisch! Manchmal sogar zu bombastisch, aber mehr dazu später. Zuerst einmal war ich sehr von Kit Harrington angetan, der die Rolle des Gladiators fabelhaft und überzeugend meistert. Die Kampfszenen erinnern zwar unweigerlich an Ridley Scotts Meisterwerk Gladiator, wirken aber dennoch nie kopiert. Auch wenn die Handlung klischeehaft ist, hat Anderson sie hervorragend inszeniert, so dass nie Langeweile aufkommt, während man dem spektakulären Vulkanausbruch entgegenfiebert.
Ziemlich geschickt wird zwar immer wieder auf die Bedrohung durch den Vesuv hingewiesen, aber bis es zum Ausbruch kommt, wirft Anderson sein größtes Augenmerk auf Milos Schicksal und die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Cassia und dem Sklaven.
Kiefer Sutherlands Schauspiel  als unsymptahischer Senator Corvus macht einen oftmals aggressiv, mit anderen Worten: Sutherland macht seine Sache ziemlich gut. 😉

Die Katastrophe zieht sich dann durch die gesamte zweite Hälfte des Films und ist wirklich sehr spektakulär und beeindruckend gemacht. Nun komme ich aber zu einem Manko, das mich wirklich gestört hat und dem Film den Großteil seiner Authentizität genommen hat: Da fliegen Gesteinsbrocken durch die Luft, die Erde bricht ein, Feuer überall – also großes, großes Drama. Und dann kämpfen Milo und Senator Corvus miteinander, oder es spielt sich gerade eine ruhige Liebesszene ab, und … plötzlich herrscht in Pompeii Ruhe. Keine Brocken fliegen durch die Luft, kein Krach und Scheppern, alles still!
Lieber Regisseur: Auch wenn sich Menschen küssen oder Feinde gegeneinander kämpfen, hält die Naturkatastrophe nicht inne, um den Moment nicht mit ihrem lauten Getöse zu stören.
Normalerweise achte ich auf solche Dinge nicht wirklich, aber bei Pompeii hat es mich gestört.

Auch wenn das Ende ziemlich kitschig war, so hat es mir sowohl von der Idee wie auch von der Umsetzung gefallen.

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Fazit: Bombastisch, spannend und monumental! Schöne, wenngleich auch recht einfach gestrickte Handlung, mit guten Schauspielern und einem absolut passenden Score von Clinton Shorter. Die Stadt Pompeii erwacht in diesem Film wieder zum Leben, um in einer atemberaubenden Effekte-Orgie mit viel Getöse unterzugehen.

© 2014 Wolfgang Brunner

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Blood Simple – Eine mörderische Nacht (1984)

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Originaltitel: Blood Simple
Deutscher Alternativtitel: Blood Simple – Blut für Blut
Regie: Joel Coen, Ethan Coen
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen
Kamera: Barry Sonnenfeld
Musik: Carter Burwell, Jim Roberge
Laufzeit: 95 Minuten (Director’s Cut)
Darsteller: John Getz, Frances MrDormand, Dan Heydaya, Samm-Art Williams, M. Emmet Walsh
Genre: Thriller
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 18 Jahren

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Der Barbesitzer Julian Marty findet heraus, dass seine Frau Abby ihn mit einem gewissen Ray betrügt. Doch nicht nur das, Ray ist auch noch sein Angestellter. Dies teilt ihm der Privatdetektiv Loren Visser mit. Für Julian gibt es jetzt nur noch ein Ziel: Die beiden müssen sterben! Er erteilt dem Detektiv den Auftrag, das Ganze zu Ende zu bringen. Hört sich eigentlich alles recht einfach an. Doch Visser hat eigene Pläne und auch das Schicksal macht allen Beteiligten einen gehörigen Strich durch die Rechnung …

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„Blood Simple“ ist das Filmdebüt der Coen-Brüder. Mit diesem Film gelang ihnen gleich auf Anhieb der ganz große Wurf und er wurde zur Grundlage ihres bis heute andauerndes Erfolges. Gleich zu Anfang entpuppen sich die Beiden auch als Liebhaber des Film noir, weshalb fast alle ihre Filme sich mehr oder weniger dieses Genre zum Vorbild nehmen.

„Blood Simple – Eine mörderische Nacht“ – der reißerische deutsche Titel des Filmes klingt fast wie ein guter Horrorfilm. Auch die Atmosphäre, die der Film aufbaut – untermalt durch das geniale Piano Theme von Carter Burwell – ist eines Horrorfilms würdig. Wir haben es jedoch hier mit einem richtig guten Thriller zu tun. Was macht den Film so besonders? Es ist die ungewöhliche Perspektive. Während der Zuschauer normalerweise die Geschichte zugleich mit den Protagonisten im Film erlebt, ist er hier immer einen Schritt voraus. Manchmal ist er der einzige, der weiß, warum etwas passiert. Zudem findet sich auch hier wieder – wie es typisch für Coen-Filme ist –  ein Haufen schräger Gestalten. Etwa ein Ehemann, der für einen Doppelmord 10.000 Dollar bezahlten will. Ein Detektiv, der am Ende mehr Spuren hinterlässt, als er beseitigt. Und Ray dem kein besseres Versteck für eine Leiche einfällt, als etwa unter einem Acker, der sowieso irgendwann umgegraben wird. Zudem hinterlässt er noch ziemlich deutliche Reifenspuren.

Doch der Film schafft es, das Ganze nicht lächerlich wirken zu lassen. Dazu trägt meiner Meinung nach die anfangs angesprochene besondere Atmosphäre im Film bei. Die Schauspieler sind wirklich gut und spielen ihre Rollen überzeugend. Man fiebert teilweise richtig mit. Ich finde der Film hätte mindestens einen Oscar bekommen müssen. Eine Portion Sinn für lakonischen Sarkasmus, Ironie und Zynismus sollte man allerdings mitbringen denn dann wird der Film erst so richtig sehenswert. Man merkt es den Filmemachern richtig an wieviel Spaß sie dabei hatten die Geschichte zu erzählen.

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Fazit: Ein richtig gelungener Krimi in meinen Augen. Dazu als Erstlingswerk wirklich überraschend. Immer wieder gern!

© 2014 Lucas Dämmig

Almost Human (2013)

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Originaltitel: Almost Human
Regie: Joe Begos
Drehbuch: Joe Begos
Kamera: Joe Begos
Musik: Andy Garfield
Laufzeit: ca. 80 Minuten
Darsteller: Graham Skipper, Josh Ethier, Vanessa Leigh, Susan T. Travers, Anthony Amarall III
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: 18

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Eines Abends verschwindet Mark inmitten eines hellen Lichtstrahls, der vom Himmel schießt. Nach zwei Jahren geschehen plötzlich ungewöhnliche Morde und die damals Beteiligten vermuten schon bald, dass Mark, von wo auch immer, wieder zurückgekehrt ist. Als sie Mark begegnen, müssen sie feststellen, dass Mark nicht mehr derselbe ist. Etwas Böses hat von ihm Besitz ergriffen …

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Almost Human hat mich echt überrascht. Ich hatte ein eher unbedeutendes Filmchen erwartet, das ich ein paar Tage, nachdem ich es gesehen habe, wieder vergesse. Aber ich wurde, wie schon so oft bei unbekannten Independence-Filmen, wirklich positiv überrascht. Auch wenn die ersten fünf Minuten eher „stümperhaft“ wirken, so entwickelt sich Almost Human zu einer echten kleinen Perle, finde ich zumindest.
Josh Etier hat mich in den ersten Einstellungen nicht überzeugt, aber als Besessener wirkte er dann umso mehr auf mich.  Leider hat mich Graham Skipper, der mich manchmal an Kyle McLachlan erinnerte, nicht ganz so überzeugt. Dennoch waren es durch die Bank ganz passable Schauspielerleistungen. Einzig die deutsche Synchronisation wirkte desöfteren lustlos und unprofessionell.

Joe Begos, der hier sein Debüt ablieferte, ist eindeutig Fan von John Carpenter.  Ich fühlte mich sehr oft an Halloween oder Das Ding aus einer anderen Welt erinnert. Begos kopiert aber nicht, sondern verbeugt sich eher vor seinem Idol. Und das ist ihm wirklich gut gelungen. Hin und wieder fühlte ich mich, so wie es auch auf dem Cover angegeben ist,  an Invasion der Körperfresser erinnert, aber dennoch gelang Begos ein eigenständiger Sci-Fi-Horror, der Spaß macht.
Ich kann nicht nachvollziehen, wenn in anderen Kritiken steht, der Regisseur wäre talentlos. Für mich war gerade das Gegenteil der Fall.

Die wohldosierten Splattereffekte sind gut gemacht und wirken. Alles in allem wurde ich durch Almost Human richtig gut unterhalten und auch was Kamera und Musik betrifft, war nichts auszusetzen.

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Fazit: John Carpenter-Fans werden die Anspielungen auf Halloween und Das Ding aus einer anderen Welt mühelos erkennen. Joe Begos hat ein wirklich gutes Debüt abgeliefert, das zum größten Teil überzeugen kann. Vor allem Josh Etier als von Aliens besessener Mark hat mich (außer in den ersten fünf Minuten) überzeugt. Im Bereich Independent Film absolut sehenswert.

© 2014 Wolfgang Brunner

The Man Who Wasn’t There (2001)

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Originaltitel: The Man Who Wasn’t There
Deutscher Alternativtitel: Der unauffällige Mr. Crane
Regie: Joel Coen
Drehbuch: Ethan und Joel Coen
Musik: Carter Burwell
Laufzeit: 116 Minuten
Darsteller: Billy Bob Thornton, Frances McDormand, James Gandolfini
Genre: Drama
Produktionsland: Vereinigte Staaten
FSK: ab 12 Jahren

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Der schweigsame Friseur Ed Crane wohnt Ende der 1940er Jahre zusammen mit seiner Frau Doris in einer nordkalifornischen Kleinstadt. Ed arbeitet im Friseursalon seines Schwagers während seine Ehe nur noch auf dem Papier existiert. Es ist kein Wunder, dass er nicht glücklich ist. Zufällig macht er die Bekanntschaft des seltsamen Geschäftsmannes Tolliver, der mit chemischer Trockenreinigung reich werden will. Dafür benötigt er noch 10.000 Dollar Startkapital. Ed sieht seine Chance gekommen. Er erpresst die Summe anonym vom Chef seiner Frau Doris, Big Dave. Dieser hat eine Affäre mit Doris und will unter keinen Umständen, dass diese publik wird. Allerdings geht ziemlich bald alles schief, was nur schief gehen kann …

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„The Man Who Wasn’t There“ ist ein Spielfilm der Coen-Brüder und ein Hommage an den Film noir. Er erfüllt viele Charaktereigenschaften dieses Filmgenres. Dem Protagonisten gelingt es nicht, sein Schicksal in die Hand zu nehmen. Die zeitliche Ansiedlung und die stilistischen Mittel – besonders, dass der Film als Schwarz-Weiß-Film konzipiert wurde – tragen viel zu seiner Glaubwürdigkeit bei. Der Titel des Filmes stammt aus dem Gedicht „Antigonish“ von William Hughes Mearns. Der Mann, der nicht da war … irgendwie finde ich den Filmtitel genial. Wie ein Geist schleicht die Hauptfigur durch den Film, ist von ihrem tristen Leben gelangweilt und von anderen Menschen genervt. Trotzdem schafft sie es, ihre Umwelt nachhaltig zu beeinflussen. Die Stimme aus dem Off erzählt den dazu gehörenden Kontext. Am Ende erfährt man, dass Ed selbst die Stimme aus dem Off ist und gerade seine Geschichte niederschreibt.

Ich weiß nicht, irgendwie bin ich mit diesem Film nicht so richtig warm geworden. Jedoch fand ich ihn jetzt auch nicht richtig schlecht. Nur so mittelmäßig. Die Story ist skurill, aber nicht schlecht, die Schauspieler sind hochkarätig und im Hintergrund hört man Begleitmusik von Beethoven. Aber ich finde den Film zu trocken. Und zu langweilig. Naja. Er fängt auch noch an, philosophisch zu werden, was so gar nicht zu ihm passt. Für diesen Film sollte man Ruhe und Zeit mitbringen, falls man vorhat, ihn sich zu Gemüte zu führen.

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Fazit: Sicherlich nicht der beste Film der Coens. Pluspunkte gibt es für die Besetzung und die Filmmusik. Das Ende berührt einen doch schon irgendwie, auch dafür gibt es noch einen Punkt. Für einen ruhigen Filmabend oder vielleicht auch als Einschlafhilfe unbedenklich zu empfehlen.

© 2014 Lucas Dämmig

Laurin (1988)

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Originaltitel: Laurin
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Ádám Rozgonyi, Robert Sigl
Kamera: Nyika Jancsó
Musik:  Hans Jansen, Jaques Zwart
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Dóra Szinetár, Brigitte Karner, Károly Eperjes, Hédi Temessy, Barnabás Tóth, Kati Sír
Genre: Horror, Drama, Mystery
Produktionsland: Deutschland, Ungarn
FSK: ab 16 Jahren

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Die neunjährige Laurin lebt zusammen mit ihrer Mutter in einem idyllischen Hafenort im Europa des angehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Doch im Dorf ist es nicht so friedvoll, wie es im ersten Moment den Anschein erweckt, denn ein geheimnisvoller „Schwarzer Mann“ geht um, der Jagd auf Kinder macht. Laurin, die übernatürliche Kräfte besitzt, macht sich auf die Suche nach dem mysteriösen Mörder, als plötzlich auch ihre Mutter stirbt.

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Ich habe Laurin das erste Mal Ende der 80er Jahre gesehen und war absolut davon begeistert. Die düster-unheimliche Atmosphäre, die der Film von der ersten Minute an verströmt, versetzt einen förmlich an den märchenhaften Ort und lässt einen die Geschehnisse hautnah miterleben.
Die unheimliche Stimmung erinnert desöfteren an alte Horrorfilme, die noch  in Schwarz/Weiß gedreht wurden. Gerade das ist es, was mir an Laurin so gefällt: Atmosphärisch dicht und mit beeindruckenden, fast schon elegisch wirkenden Einstellungen bannt Regisseur Sigl eine Geschichte auf Zelluloid, die nachhaltig (zumindest verhält es sich bei mir seit nunmehr fast 25 Jahren so) im Gedächtnis haften bleibt.

Laurin ist einer der Filme, bei denen man staunt, mit welch geringem Budget ein fähiger Regisseur ein (kleines) Meisterwerk auf die Beine stellen kann. Er ist aber auch einer jener Filme, bei denen ich mir denke, dass genau dafür der Mensch das Medium Film erfunden hat.  Wunderschöne Aufnahmen (von Menschen und Landschaften) wechseln sich mit düsteren Bildern ab, die mich an Lucio Fulci, Mario Bava oder aber auch Dario Argento erinnern.
Der spannende Film wird auch noch von einer fantastischen Filmmusik untermalt, die mir wirklich außerordentlich  gut gefallen hat.

Im Jahre 1988 erhielt Robert Sigl für Laurin den Bayrischen Filmpreis als bester Nachwuchsregisseur. Zu Recht, wie ich finde.
Mit nur 26 Jahren hat Sigl meiner Meinung nach bereits ein beachtliches Gespür für Filme entwickelt und kreierte, trotz unübersehbarer Vorbilder wie zum Beispiel Alfred Hitchcock oder Roman Polanski,  einen völlig eigenen Stil.
Laurin wird oft auch als Gothic-Horror bezeichnet, dem ich durchaus zustimme.
Eine Tatsache muss ich unbedingt noch erwähnen: Es ist für mich immer wieder erstaunlich, dass. obwohl ich Laurin bereits mindestens sechs Mal gesehen habe und ich ganz sicher weiss, dass er in Farbe gedreht ist, die fantastischen Aufnahmen in meinem Gedächtnis immer wieder in schwarz-weiß erscheinen. 😉 Dieses Phänomen empfinde ich übrigens im absolut positiven Sinne.

Die fast schon märchenhaft anmutenden (Landschafts-)Aufnahmen vermitteln eine bedrückende, aber auch gleichzeitig heimelige Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht. Und der Schrecken, der sich hier -abseits aller Mainstream-Horror-Filme-  nur in den Gedanken des Zuschauers abspielt, wird virtuos ohne Blut und Geschrei zu einem verstörenden Alptraum, der berührt und zum Nachdenken anregt.

Ach ja, und Dora Szinetár hätte aus meiner Sicht für ihre Darstellung als Laurin einen Filmpreis verdient.

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Fazit: Laurin ist ein Film für den „stillen“ Horrorfan, der eher eine stimmungsvolle Bildsprache als blutiges Gemetzel genießt. Regie, Kamera, Filmmusik  und Schauspieler bewegen sich auf hohem Niveau. Wer „alte“ Gruselfilme mag, wird Laurin lieben und wer sich auf die beeindruckende Inszenierung einlässt, wird mit einem besonderen Ausnahmefilm aus Deutschland belohnt.

© 2014 Wolfgang Brunner

The Colony (2013)

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Originaltitel: The Colony
Regie: Jeff Renfroe
Drehbuch: Jeff Renfroe, Svet Rouskov, Patrick Tarr
Kamera: Pierre Gill
Musik: Jeff Danna
Laufzeit: 95 Minuten
Darsteller: Laurence Fishburne, Kevin Zegers, Bill Paxton, Charlotte Sullivan, John Tench
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: Kanada
FSK: ab 18 Jahren

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Eine neue Eiszeit ist angebrochen und die überlebenden Menschen verschanzen sich in unterirdischen „Kolonien“, von denen mittlerweile nur noch Kolonie 7 und 5 besiedelt ist. Als eines Tages ein Hilferuf  aus Kolonie 5 kommt, machen sich drei Leute aus Kolonie 7 auf, um zu helfen. Als sie die unterirdische Kolonie erreichen, machen sie eine grauenhafte Entdeckung: Es gibt doch noch andere Menschen. Allerdings sind sie den restlichen Überlebenden nicht besonders freundlich gesinnt …

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Das erste, das mir bei diesem Film aufgefallen ist, waren die „Kulissen“. Sobald man Außenaufnahmen sah, wirkten sie wie die kleinen Filmchen bei Computer-Spielen, nämlich irgendwie unecht. Es war nicht so, dass es nicht gut aussah, ganz im Gegenteil. Aber fast alles wirkte künstlich. Mich persönlich hat das nicht weiter gestört, aber es wird bestimmt den ein oder anderen geben, der diese Tatsache als Schwachpunkt sieht.
Von den Darstellern überzeugte mich Laurence Fishburne am meisten. Er brachte seine Rolle sehr sympathisch und überzeugend rüber. Aber auch die anderen Schauspieler konnten sich sehen lassen.

Handlungstechnisch hat mir The Colony, zumindest in der ersten Häfte, ganz gut gefallen. Da kam schon auch mal eine Stimmung wie in John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt oder Ridley Scotts Alien auf. In der zweiten Häfte flachte der Film dann leider aber doch sehr ab. Was die Teilnehmer der Expedition in den unterirdischen Gängen der anderen Kolonie gefunden haben, hat mich dann eher enttäuscht, hatte ich doch aufgrund des Covers etwas anderes erwartet.
Sicherlich ist der Film spannend und auch die meiste Zeit stimmungsvoll, aber letztendlich bleibt er nicht im Gedächtnis haften, weil er nichts wirklich Außergewöhnliches bringt.

Musik und Kameraführung sind sehr gut, der Rest leider eher Mittelmaß.

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Fazit: The Colony ist leider eher mittelmäßig und hält nicht, was die Angaben auf dem Cover versprechen. Der Film kann aber mit guter Musik und routinierter Kameraführung aufwarten.  Von den Schauspielern sticht einzig Laurence Fishburne heraus. Leider nur bedingte Empfehlung für Science Fiction-Fans.

© 2014  Wolfgang Brunner

Moon (2009)

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Originaltitel: Moon
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Nathan Parker
Kamera: Gary Shaw
Musik: Clint Mansell
Laufzeit: 96 Minuten
Darsteller: Sam Rockwell, Kevin Spacey
Genre: Drama, Science-Fiction
Produktionsland: UK
FSK: ab 12 Jahren

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Der Astronaut Sam Bell ist der sprichwörtliche „Mann im Mond“ oder besser gesagt, der einzige Mann, der auf dem Mond arbeitet. Nach drei langen Jahren läuft sein Arbeitsvertrag aus und er soll bald abgelöst werden. Die monotone Wartungsarbeit hat Sam schon längst satt. Er ist Mitarbeiter der Lunar Corporation, die die Energieprobleme der Erde mit einem Schlag gelöst hat, indem sie eine Möglichkeit gefunden hat, auf dem Mond Helium-3 abzubauen und zur Energiegewinnung zu nutzen. Doch plötzlich taucht auf der Mondbasis ein Doppelgänger auf. Sam entdeckt ein fürchterliches Geheimnis …

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„Moon“ ist der erste Kinofilm des britischen Regisseurs Duncan Jones. Als Inspirationsquelle dient unter anderem Kubricks „2001“  und „THX 1138“ von George Lucas. Die Idee des Filmes an sich ist schlichtweg genial, wie ich finde: Den Mond zur Gewinnung eines Rohstoffes nutzen, der auf der Erde nur sporadisch vorkommt, unseren Himmelstrabanten jedoch vollständig bedeckt? Und mit diesem den Energiebedarf der gesamten Erde zu 70% zu decken? Mit SAUBERER Energie? Das hört sich zwar realistisch an, ist aber bestimmt viel zu schön, um wahr zu sein werden jetzt viele sagen. Wie recht sie haben. Wenn es doch nur so einfach wäre …

Auf unserem Mond liegen TATSÄCHLICH unvorstellbare Mengen am Helium-3. Dorthin gelangte es mit dem Sonnenwind. Unsere  Erde ist durch ihr Magnetfeld vor dem Sonnenwind geschützt, der Mond besitzt jedoch kein solches schützendes Feld. Deshalb konnte sich Helium-3 über Jahrmilliarden hinweg im Staub seiner Oberfläche ablagern. Ein Physiker hat berechnet, dass es auf auf dem Mond insgesamt eine Million Tonnen Helium-3 geben dürfte. Das ist genug, um die Welt Tausende von Jahren lang mit Strom zu versorgen. 40 Tonnen würden ausreichen, um den Energiebedarf der USA ein Jahr lang zu decken. Doch natürlich kommt jetzt wieder der altbekannte Haken an der Sache. Die Zündtemperatur von Helium-3 liegt deutlich höher, als es mit heutigen Technologien machbar ist. Und überhaupt ist der Stoff auf dem Mond nur sehr dünn verteilt. Eine Tonne Mondstaub enthält gerade mal 0,01 Gramm davon. Man müsste auf dem Mond solarbetriebene Schmelzöfen installieren, ihn mit ähnlichen Maschinen wie im Film „abfarmen“ und dann den Staub auskochen. So könnte man pro Jahr ungefähr 2-3 Tonnen Helium-3 gewinnen. Das würde immerhin reichen um ein kleineres Land ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Doch nun zurück zum Film. Dieser lebt von seinem Hauptdarsteller, seiner Kulisse und seiner Andersartigkeit. Sam Rockwell als Astronaut Sam Bell muss sich hier öfters doppelt spielen und macht seine Sache dennoch hervorragend. Damit er dort oben nicht so einsam ist hat er eine künstliche Intelligenz in Form eines Roboters, der auf den Namen „GERTY“ hört, als Weggefährten. Er wurde so programmiert, dass er Sam in jeder erdenklichen Situation unterstützen kann. Als der er auf seinen „Doppelgänger“ trifft, kommt es zu etlichen witzigen Szenen und sie entdecken zusammen das Geheimnis der Station. Positiv zu erwähnen ist hier noch die Filmmusik. Die hat echt dazugepasst. Leider hat der Film ein paar Logiklöcher, durch die dann die Bestbewertung purzelt. Aber ansonsten war ich mit dem Film echt zufrieden. Ich werde ihn mir bestimmt noch manchmal ansehen.

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Fazit: „Moon“ stellt eine Art Hommage an viele ältere Sci-Fi-Filme dar, von denen er auch ausgiebig zitiert. Es macht meist richtig Spaß ihn anzusehen. Der Film versucht nicht neue Wege zu gehen, sondern strebt nach altbewährtem. Für Sci-Fi-Fans ein klarer Filmtipp!

© 2014 Lucas Dämmig