The Human Race (2013)

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Originaltitel: The Human Race

Laufzeit: 87 Minuten (Uncut)

Regie: Paul Hough

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80 Menschen werden aus ihrem Alltag gerissen und finden sich in einer Welt wieder, die aussieht wie die unsere. Dennoch spricht eine geheimnisvolle Stimme in ihren Köpfen von gewissen Regeln, die da lauten: Folge den Pfeilen oder Du stirbst! Bleibe auf dem Pfad oder Du stirbst! Wenn Du überrundet wirst, dann stirbst Du! Berühre nicht das Gras oder Du stirbst!
Verunsichert folgen die Menschen, die aus verschiedenen Schichten stammen, den Anweisungen und begreifen bald, dass sie tatsächlich um ihr Leben rennen …

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Der Film wird angepriesen als eine Mischung aus „The Running Man“, „Die Tribute von Panem“ und „Battle Royale“.
Okay, die Vergleiche hinken nicht wirklich, aber „The Human Race“ kommt an keinen der genannten heran. Mich persönlich hat die Handlung eher an „Predators“ mit Adrien Brody erinnert. Aber egal, wichtig ist, dass man getrost die Finger von diesem Streifen lassen kann.
Auch wenn der Anfang sogar noch vielversprechend wirkt, weil man echt keinen Schimmer hat, was da vor sich geht, gerät der Plot aber schon bald (nach ungefähr einer halben Stunde) in eine „Und täglich grüsst das Murmelt ier“-Köpfeplatz-Orgie. Was am Anfang noch wirkt, auch wenn es (wieder mal) CGI-Effekte sind, beginnt irgendwann leicht zu nerven, weil man es eben schon zig Mal gesehen hat.
Hough lässt seine Darsteller (die übrigens alle nicht besonders überzeugend sind, außer vielleicht die männliche Hautprolle) völlig charakterlos durch einen Parcour laufen und einen nach dem anderen auf die immer gleiche Art sterben. So kommt es, dass einem irgendwie völlig egal ist, wer als nächstes stirbt oder überlebt.

Spannung kommt so gut wie keine auf und auch das Ende ist nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Wer mitreden will, kann sich den Film anschauen, wer einen unterhaltsamen Splatterfilm erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht sein.
Was mich aber am allermeisten genervt hat (und für mich den Film auch irgendwie „kaputt“ gemacht hat) waren die beiden taubstummen Darsteller. Es gab eine Szene, die endlos dauerte und in der nur mit hektischen Handzeichen über Sex diskutiert wird. Die weibliche Taubstumme empfand ich dabei als wirklich extrem nervig.

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Fazit: Anfangs ganz ansehnlicher Film, der mit (leider auch nur anfangs) überraschenden „Kopfplatzern“ a la „Scanners“ aufwartet, dann aber in ziemlich unsinnige und langweilige Gefilde abschweift. Der  Regisseur hat sich aus allerlei Filmen etwas abgeguckt, aber leider keine besonders gute Mischung hervorgebracht. Insgesamt eher eine Enttäuschung.

© 2014 Wolfgang Brunner

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Tokarev – Die Vergangenheit stirbt niemals (2014)

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Originaltitel: Tokarev (Rage)

Regie: Paco Cabezas

Laufzeit: 98 Minuten

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Paul Maguire ist ein erfolgreicher Bauunternehmer und führt mit seiner Frau und seiner Tochter ein gutbürgerliches Leben. Seine Zeit als Gangster hat er lange hinter sich gelassen. Doch plötzlich scheint ihn seine Vergangenheit eingeholt zu haben. Eines Abends dringen maskierte Männer in sein Haus ein und entführen seine Tochter. Einige Zeit später findet man die Leiche das Mädchens. Sie wurde mit einer Tokarev erschossen, der Standardwaffe der Russenmafia. War der Mord ein Racheakt, eine Warnung, oder gar eine Herausforderung? Obwohl ihn sein ehemaliger Boss und der örtliche Polizeichef davor warnen, reaktiviert Maguire alte Gangsterfreundschaften und macht sich auf die Suche nach den Mördern, um blutige Rache zu üben.

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Zuerst einmal alles, was mir an dem Film gefallen hat: Nicolas Cage spielt mit.

Kommen wir jetzt zu den negativen Kritikpunkten. Der Film ist leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Teils Thriller, teils Krimi, teils Gangsterdrama, aber nichts wird konsequent durchgehalten. Außerdem fehlt der Geschichte das treibende Element. Wo zum Beispiel Liam Neeson in 96 Hours (und der Vergleich drängt sich ja geradezu auf) die Zeit im Nacken saß, bevor sich die Spur seiner Tochter für immer verlieren würde, hat Maguire quasi alle Zeit der Welt, um den Schuldigen zu finden. Der vermeintliche Schuldige ahnt nichts von der Jagd und kann somit nicht reagieren. Die Polizei ist Maguire wohlgesonnen und will nicht reagieren. Alle brenzligen Situationen, in die sich Maguire bringt, hat er zwar selbst verschuldet, er ist aber trotzdem jederzeit Herr der Lage. Durch dieses Fehlen des Drucks und der Bedrohung, fehlt es der Geschichte leider auch an Spannung. Denn wo der Charakter nicht leidet, kann der Zuschauer nicht mitleiden. Und wenn dann doch mal einer der Charaktere stirbt, ist er sowieso so unsympathisch gewesen, dass es einem nicht wirklich leidtun will.

Das reißen leider auch die namhaften Schauspieler nicht raus. Nicolas Cage nähert sich zwar manchmal an seine bekannt manische Spielweise an, bleibt aber weit unter seinen Möglichkeiten, Peter Stormare (den ich wirklich sehr gerne mag) ist nur nettes Beiwerk zur Geschichte, und Danny Glover als ermittelnder Detective wirkt blass und lustlos, so als wäre er mittlerweile doch etwas „zu alt für diesen Scheiß“.

Das Ende des Films bringt dann ein bisschen Abwechslung, doch leider wurde vorher schon zuviel kaputt gemacht, als dass es noch etwas retten könnte. Irgendwie hat man das Gefühl, als wären zuerst Ende und Anfang da gewesen, und die Autoren hätten irgendwie versucht, eine Geschichte dazwischen zu basteln. Leider haben sie sich dabei völlig in Klischees und Belanglosigkeiten verrannt. Alles ist schonmal dagewesen, und wird bei Tokarev nur noch mal schnell „abgearbeitet“.

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Fazit: Ich habe ja im Allgemeinen eine sehr hohe Meinung von den Werken junger Nachwuchsregisseure und versuche, so viele gute Aspekte wie möglich zu finden. Leider kann ich an Tokarev nicht viele gute Haare lassen (ich spare mir jetzt eine Anspielung an Cages lächerliches Haarteil in diesem Film). Die Geschichte ist Standardkost und äußerst uninspiriert umgesetzt, Kamera und Schnitt sind an manchen Stellen mehr als unschön, die Charaktere sind oberflächlich und seelenlos. Oft hat man das Gefühl, der Regisseur habe die Schauspieler mehr gebremst als gefordert. Cabezas hat bereits zwei neue Filme in Arbeit, einen davon voraussichtlich erneut mit Nicolas Cage. Mal sehen, ob sich in Zukunft aus diesem Duo noch etwas Gutes entwickelt. Bisher habe ich meine Zweifel.

© 2014 Tobias Schumacher

Yogi Bär (2010)

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Originaltitel: Yogi Bear

Laufzeit: 80 Minuten

Regie: Eric Brevig

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Der Jellystone Park, Heimat von Yogi Bär und seinem Freund Boo Boo, soll abgeholzt werden. Ein machthungriger Politiker will Geld scheffeln und schert sich nicht darum, dass ein Stück Natur zugrunde geht.
Zusammen mit Ranger Smith und der Tierfilmerin Rachel versuchen sie, das Unhel vom Jellystone Park abzuwenden. Doch Yogi Bär und Boo Boo sind etwas tollpatschig, so dass es ein Wunder wäre, wenn alles nach Plan verlaufen würde.

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„Yogi Bär“ ist eindeutig ein Kinderfilm. Und dennoch hat es auch für mich als Erwachsener ungemein Spaß gemacht, dieses Abenteuer anzuschauen. Die liebevoll animierten Braunbären Yogi und Boo Boo passen sich einigermaßen überzeugend in den Realfilm ein und lassen eine niedliche Illusion entstehen, die mich teilweise in meine eigene Kindheit zurückbrachte.
Was mir gefallen hat, waren die sozialkritischen Töne, die der Film anschlug, obwohl „Yogi Bär“ ab 0 Jahren freigegeben ist.
Ich habe den Film in 3D gesehen und muss sagen, dass die Tiefenwirkung und die dreidimensionalen Effekte sehr gelungen sind. Sicherlich sind die meisten Witze kindgerecht, aber schließlich ist der Film ja auch für kleine Kinder gedacht.
Denoch musste auch ich ein paar Mal herzhaft lachen, zum Beispiel wenn die Froschmaulschildkröte ihre Auftritte hatte. Doch ganz überzeugt hat mich „Yogi Bär“ dann doch nicht: Ein paar nette Einfälle sind zwar zu verzeichnen, doch trotz der „Öko-Botschaft“, die ich wie gesagt gut fand, wirkt der Film insgesamt irgendwie flach. Das mag an den manchmal nicht besonders guten Realschauspielern liegen, die oft in peinlichen Slapstick abdriften (was aber wohl Kleinkindern gefallen könnte), abe auch an der meiner Meinung nach ziemlich unpassenden deutschen Synchronisation der beiden Braunbären.

Insgesamt ein netter, unterhaltsamer Film mit netten Gags, dem dennoch das gewisse Etwas (leider) fehlt.

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Fazit: Netter, ansehnlicher Kinderfilm, der auch bedingt für Erwachsene geeignet sind. Die 3D-Effekte sind in Ordnung und machen Spaß. Einzig die deutsche Synchronisation der beiden Braunbären empfand ich unpassend und teilweise sogar störend.

©  2014 Wolfgang Brunner

Jug Face (2013)

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Originaltitel: Jug Face

Laufzeit: 78 Minuten

Regie: Chad Crawford Kinkle

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Die junge Ada wächst in einer Kolonie von Hinterwäldlern auf. Um den Fortbestand der Sippe zu sichern, soll sie bald, als Jungfrau, mit dem Sohn der Nachbarn vereinigt werden. Dabei ahnt niemand, dass Ada keine Jungfrau mehr ist. Mehr noch, sie ist schwanger, und zwar von ihrem eigenen Bruder. Doch das ist nicht Adas einziges Problem. Die Kolonie betet eine Sickergrube an, deren Wasser göttliche Fähigkeiten zugesprochen werden. Von Zeit zu Zeit nimmt der Geist der Grube Besitz vom dorfeigenen Töpfer und formt mit dessen Händen einen Krug. Dieser Krug zeigt das Gesicht desjenigen Koloniebewohners, der der Grube als nächstes geopfert werden soll. Als Ada in diesem „Jug Face“ ihr eigenes Gesicht erkennt, bekommt sie es mit der Angst um ihr ungeborenes Kind zu tun und versteckt den Krug. Doch damit beschwört sie das Böse herauf, denn nun erwacht die Grube zum Leben und holt sich ihre Opfer selbst.

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Ehrlich gesagt, mir fehlen ein bisschen die Worte, um das zu beschreiben, was ich da gerade gesehen habe. Nur Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Jug Face gehört zu den ungewöhnlichsten Horrorfilmen seit langem. Dabei kann man eigentlich nicht mal wirklich von einem Horrorfilm sprechen, denn Splatter, Grusel oder Schreckeffekte gibt es nicht wirklich. Eigentlich könnte man den Film eher als Hinterwäldler-Drama bezeichnen, das den verzweifelten Kampf einer jungen Frau um ihr ungeborenes Kind thematisiert. Dabei wird jedes gängige Klischee bedient: Schwarzbrennerei, Inzest, geistige Zurückgebliebenheit und religiöser Wahn. Eigentlich nichts, was den Zuschauer noch überraschen kann, wäre da nicht, tja, wäre da nicht die Sickergrube, die von einer blutdürstenden Gottheit besessen ist.

Die Atmosphäre, der der Film schafft, ist durchgehend angespannt und bedrohlich, denn der Alltag der Hinterwäldler ist bestimmt durch Tradition, Gewalt und Glaube. Doch immer, wenn es um die Grube geht, hält der übernatürliche Schrecken Einzug in die kleine Gemeinde. Als ihr ihre Blutopfer vorenthalten werden, ist plötzlich niemand mehr vor ihr sicher. Dabei leidet man als Zuschauer unglaublich mit Ada mit, die den Bann durchbrechen und sich und ihr ungeborenes Kind schützen möchte, und dabei doch ewiges Verderben über ihre kleine Gemeinde bringt.

Der Regisseur und Autor Chad Crawford Kinkle ist noch ein unbeschriebenes Blatt, denn Jug Face ist sein erster Langfilm. Im Jahr 2011 gewann er mit seinem Drehbuch einen Wettbewerb beim Slamdance Film Festival, was schließlich zur Produktion des Stoffes führte. Kurz nach der Veröffentlichung wurde der Film zu einem Festival-Renner. Kinkle zeigt hervorragend, dass man auch mit minimalstem Budget eine Geschichte eindrucksvoll erzählen kann. Dabei profitiert er nicht unerheblich von seinen großartigen Schauspielern. Lauren Ashley Carter spielt die bemitleidenswerte, aber trotzdem willensstarke Ada, Sean Young (bekannt aus Blade Runner) brilliert als religiös-fanatische und durchaus hassenswerte Mutter Loriss, und natürlich darf bei einem Hinterwäldler-Film Trashlegende Larry Fessenden (auch zu sehen in Wir sind was wir sind und You’re Next) nicht fehlen. Hinzu kommt Effektkünstler Robert Kurtzman, der sich für die wenigen, aber gut platzierten Bluteffekte verantwortlich zeichnet. Kurtzman kann mit einer bemerkenswert langen Filmografie aufwarten, auf der sich Klassiker wie Evil Dead II, Bride of Re-Animator und From Dusk Till Dawn finden lassen.

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Fazit: Jug Face ist das ambitionierte Projekt eines talentierten Jungregisseurs. Mit einem sicheren Gespür für vielschichtige Charaktere und eindringliche Bilder hat Kinkle eine kleine Perle des Independent-Horrors geschaffen, die nach dem Ansehen ein ungutes Gefühl in der Magengrube hinterlässt. Ein Film für ein kleines Publikum, dafür mit umso größerer Wirkung. Ich freue mich schon jetzt auf Kinkles zukünftige Projekte.

© 2014 Tobias Schumacher

The Machine (2013)

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Originaltitel: The Machine

Laufzeit: 91 Minuten

Regie: Caradog W. James

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Ingenieur Vincent ist nahe daran, aus im Krieg gefallenen Soldaten humanoide, funktions- und lernfähige Roboter zu erschaffen, die sogar Anzeichen einer Seele zeigen. Doch immer wieder zeigen die endgültigen Ergebnisse Fehler und Unvollkommenheit. Die junge Wissenschaftlerin Ava hilft Vincent so gut sie kann, wird aber kurz vor Vollendung eines erfolgreichen Projekts ermordet.
Vincent speist Avas Gehirnströme in eine dieser künstlichen Intelligenzen ein, um Ava zum einen nicht zu verlieren und zum anderen, um an ihr das Experiment fortzuführen. Und dieses Mal scheint der Versuch gelungen zu sein, denn die Maschine entwickelt menschliche Gefühle und eigenständiges Denken. Doch Vincents Vorgesetzter hat mit Ava anderes im Sinn und lehrt sie, auch die böse Seite des menschlichen Verhaltens …

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Künstliche Intelligenz und die für die Menschheit damit verbundenen Gefahren sind keine neuen Themen. „Blade Runner“, Spielbergs „A.I.“, „Der Zweihundert-Jahre-Mann“ und „I, Robot“ sind nur einige der Filme, die diese Thematik aus verschiedenen Sichtweisen behandeln.
Und nun kommt ein weiteres Werk mit dem Titel „The Machine“ auf den Markt, das mit einem Slogan des Online-Kinomagazins „Sound On Sight“ wirbt, der neugierig macht: „Der Film, der Blade Runner  wohl am nächsten kommt“ steht da und lässt das Herz eines jeden Science Fiction-Fans sofort höher schlagen.

Und Caradog W. James schafft es tatsächlich, in der ersten Hälfte des Films eine Atmosphäre zu schaffen, die an Ridley Scotts legendäres Meisterwerk „Blade Runner“ erinnert und mich auf Anhieb überzeugt hat. Auch die ruhige, sphärische Musik von Tom Raybould tut das Ihre dazu, um diese Stimmung einzufangen. Leider entgleitet James dann gegen Ende die Atmosphäre und aus dem ruhigen Plot mutiert ein „Action“-Film, der irgendwie nicht so ganz funktioniert. Auch wenn ein Großteil der Zuseher sich sowieso mehr Action in „The Machine“ gewünscht hätten, weil sie den Film langweilig fanden, hätte ich mich über die Fortführung der ruhigen Art gefreut, denn dann hätte der Film für mich eindeutig einem Vergleich mit „Blade Runner“ zumindest in kleinem Maße standgehalten.

Caity Lotz und Toby Stephens geben eine glaubhafte Darstellung ab, wobei Erstere eindeutig das größere Lob verdient. Ihre Darstellung einer „kalten“ Maschine, die dennoch „warm und menschlich“ denkt und empfindet ist schon bemerkenswert.

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Fazit: „The Machine“ ist für mich eine Mischung aus „Blade Runner“ und „Splice – Das Genexperiment“ mit einem Schuss weiblichen „Terminator“ gegen Ende des Films.
Schauspielerisch kann Caity Lotz („The Pact“) vollends überzeugen und begeistern. Caradog Wang hat einen künstlerischen Science Fiction Film geschaffen, der mit beeindruckenden, visuellen Bildern aufwartet, sich am Schluss aber leider in einen seichten Action-Film verwandelt, der mir zwar auch prinzipiell gefallen hat, aber die ursprünglich gute Atmosphäre  zerstörte. Denoch für Science Fiction und „Blade Runner“-Fans empfehlens-, weil sehenswert.

© 2014 Wolfgang Brunner

Ben & Mickey vs. The Dead (2012)

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Originaltitel: The Battery

Laufzeit: 101 Minuten

Regie: Jeremy Gardner

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Ben und Mickey scheinen die letzten Überlebenden in einer von Zombies bewohnten Welt zu sein. Eine Pandemie hat die Menschheit dahingerafft und die beiden Freunde ziehen mit Baseballschläger und Discman ohne Ziel durchs Land. Unverhofft stossen sie auf eine Gruppe weiterer Überlebender. Was zuerst wie ein Glücksfall aussieht, entwickelt sich zur Katastrophe für Ben und Mickey.

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Verleitet von den Pressezitaten „Ein Meisterwerk“ und „Ein klassischer Zombiefilm, wie Romero ihn gemacht und geliebt hätte“, schaffte ich mir diesen Indepedent-Film an.
In den ersten zehn Minuten war ich etwas irritiert, weil ich doch etwas komplett anderes zu sehen bekam, als ich durch die Quotes erwartet hatte. Aber es dauerte nicht lange und das Zusammenspiel der beiden Hauptakteure (einer davon ist der Regisseur und Drehbuchautor) überzuegte  mich.
„Ben & Mickey vs. the Dead“ ist für mich absolut kein typischer Zombiefilm, wie die Pressezitate weismachen wollen, sondern eine ungewohnte, daher erfrischend andere, Herangehensweise an die postapokalyptischen Zombiefilme der letzten Jahre.
Jeremy Gardner und Adam Cronheim zuzusehen, macht ungemein Spaß. Die Dialoge sind nicht flach, sondern haben einen eigensinnigen Humor, der überzeugt und einen so manches Mal zum Schmunzeln verleitet.
Der Film ist kein „Shaun Of The Dead“ und kein Romero-Reißer, sondern ein eigenständiges Stück Film, das mit viel Liebe und Hingabe inszeniert wurde.
Die Meinungen gehen bei diesem Film so weit auseinander, wie sie  weiter nicht gehen könnte. Die einen sagen, es wäre der schlechteste, langweiligste Film, den sie jemals gesehen haben, die anderen fahren eher auf meiner Schiene.
„Ben & Mickey vs. The Dead“ erinnerte mich weniger an die Filme von George A. Romero, als vielmehr an „Dark Star“ von John Carpenter, denn Gardener hat wie einst Carpenter ohne großartiges Budget das beste aus seinem Debütfilm herausgeholt.

Wer Splatter und/oder einen handfesten Horrorfilm erwartet, sollte defintiv die Finger von Gardeners Film lassen. Wer sich auf ein humorvolles Feel-Good-Movie-Experiment mit Zombie-Beilagen einlassen will, wird mit zwei sympathischen Hauptdarstellern und einem fabelhaften Soundtrack belohnt.
Für mich eine der größten Entdeckungen dieses noch jungen Jahres im Bereich des Independet-Films. Ich hoffe, dass ich von James Gardener noch weitere Filme sehen kann.

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Fazit: Außergewöhnlicher Genre-Beitrag  im Bereich des Independent-Films. Mit geringem Budget wurde hier ein wirklich guter Film auf die Beine gestellt, was nicht zuletzt an den beiden Hauptdarstellern liegt. Der einzige Feel-Good-Movie, den ich kenne, bei dem Zombies eine wichtige Rolle spielen.

© 2014 Wolfgang Brunner

Blutgletscher (2013)

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Originaltitel: Blutgletscher

Laufzeit: 100 Minuten

Regie: Marvin Kren

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Die Wissenschaftler einer Klimaforschungsanlage in den österreichischen Alpen machen eine mysteriöse Entdeckung: Sie finden einen Gletscher, der aussieht, als würden dessen Eis bluten. Als sie eine Probe entnehmen, stellen sie fest, dass es sich dabei um Mikroorganismen handelt, die in der Tierwelt seltsame Mutationen hervorbringen. Die Situation gerät vollkommen ausser Kontrolle, als einer der Wissenschaftler infiziert wird und die Organismen einen Mensch-Tier-Körper „bauen“. Zu allem Übel trifft auch noch die Ministerin mit ihren Begleitern auf der Station ein, um sich ein Bild von den Forschungsarbeiten zu machen. Es dauert nicht lange und die Menschen müssen sich in der Einsamkeit der Bergwelt gegen mutierte Monströsitäten verteidigen.

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„The Hollywood Reporter“ äußerte über Marvin Krens Creature-Horror-Film, er wäre Österreichs Antwort auf John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“. Solche Vergleiche empfinde ich immer als sehr gewagt, zumal Carpenters Alien-Terror mittlerweile einen unumstößlichen Kultstatus genießt.

Als ich nun, mit zugegebenermaßen argwöhnischer Vorfreude, „Blutgletscher“ in den Blue-Ray-Player legte, wurde ich bereits nach weniger als zehn Minuten eines besseren belehrt. Dem Film wird in Kritiken oft vorgeworfen, nicht eigenständig genug zu sein, um nicht als einfallslose Kopie von Carpentes „Ding“ durchzugehen. Dies kann ich nicht bestätigen. Sicherlich wird man desöfteren an besagten Kultfilm erinnert, genauso wie auch an Scotts „Alien“, aber „Blutgletscher“ ist dennoch anders. Das liegt mit Sicherheit zum einen an der Authenzität durch die österreichische Sprache, zum anderen aber auch an der in meinen Augen guten Charakterzeichnung des Hauptprotagonisten Janek. Und da lande ich dann auch schon unweigerlich an dem Punkt, der für mich den Film ausmacht: Gerhard Liebmann!

Marvin Kren versteht sein Handwerk als Regisseur absolut und auch die Crew und Schauspielerriege, die er um sich versammelt, sind richtig gut. Aber Liebmann als Janek hatte für mich schon Hollywood-Qualitäten. Er sieht Kurt Russell sogar ziemlich ähnlich (zumindest was seine Rolle in „Das Ding aus einer anderen Welt“ angeht), zeichnet aber einen bedeutend sympathischeren Charakter als der Amerikaner. Liebmann liefert eine derart glaubwürdige Performance ab, die so richtig emotional rüberkommt und mich wirklich begeistert hat.

„Blutgletscher“ wartet mit fantastischen Naturaufnahmen, guten Schauspielerleistungen und einem gar nicht so üblen Plot auf, der mich tatsächlich an Hollywood-Produktionen erinnert hat.
Die Kreaturen sind „handmade“ und geschickt eingesetzt. Wenn die Protagonisten blutverschmierte Gesichter zeigten, erinnerte mich das unwillkürlich an Peter Jacksons „Braindead“. 🙂

Wer sich für den Film interessiert und weitere Infos möchte, sollte sich auf der Homepage des Films umsehen.

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Fazit: Ein österreicher Beitrag zum Horror-Genre, der mich vollkommen überzeugt hat. Auch wenn die Anleihen aus großen Hollywood-Vorbildern unübersehbar sind, zeigt Marvin Kren mit seiner Crew einen atmosphärischenn und spannenden Film, der sich mit Großproduktionen aus meiner Sicht mühelos messen kann. Ausschlaggebend sind bei diesem Streifen für mich aber die schauspielerischen Leistungen, allen voran Gerhard Liebmann, der mich wirklich begeistert hat. Aber auch Edita Malovcic kann überzeugen.

© 2014 Wolfgang Brunner