Ben is back (2018)

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Originaltitel: Ben is Back
Regie: Peter Hedges
Drehbuch: Peter Hedges
Kamera: Stuart Dryburgh
Musik: Dickon Hinchliffe
Laufzeit: 103 Minuten
Darsteller: Julia Roberts, Lucas Hedges, Kathryn Newton, Courtney B. Vance, Tim Guinee, Mia Fowler, Melissa van der Schyff
Genre: Drama
Produktionsland: USA
FSK: ab 12 Jahre

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Völlig unerwartet steht der 19-jährige Ben Weihnachten vor der Tür seiner Familie. Er müsste sich eigentlich in einer Entzugsklinik befinden und  hofft, dass er zusammen mit  seiner Mutter sein Drogenproblem endlich in den Griff bekommt. Bens Vater möchte ihn umgehend in die Klinik zurückschicken, aber seine Mutter kann ihn dazu bewegen, zumindest für 24 Stunden seinem Aufenthalt zuzustimmen. In dieser Zeit kommt mehr aus Bens Leben ans Tageslicht, als der Familie lieb ist.

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Julia Roberts macht ihre Arbeit enorm gut. Man nimmt ihr sämtliche Handlungsweisen uneingeschränkt ab und sie überzeugt auch absolut in ihrer emotionalen Ausdrucksweise. Mit diesem Film beweist sie erneut, dass sie noch immer eine begnadete Schauspielerin ist. Aber auch Lucas Hedges in der Rolle des Ben wirkt äußerst glaubwürdig und verkörpert den drogensüchtigen Junky genauso überzeugend wie den bemitleidenswerten und liebevollen Bruder und Sohn. „Ben is back“ ist ein sehr authentisches Drama, das neben den Auswirkungen des Drogenkonsums, und den damit einhergehenden strafrechtlichen Entwicklungen, auch noch zeigt, zu welchen familiären Problemen so eine Sucht führen kann. Schauspielerisch und inszenatorisch ist an diesem Drama nichts auszusetzen.

Auch der Spannungsbogen entwickelt sich stetig nach oben, sodass es dem Zuschauer in keiner Minute langweilig wird. Der Film hätte sogar gut und gerne noch eine halbe Stunde länger dauern dürfen, um noch detaillierter auf die Spannungen und Probleme innerhalb dieser Familie einzugehen. Es gibt zum Beispiel eine Szene in diesem Film, in der Ben eine Selbsthilfegruppe aufsucht und seine Mutter ihn begleitet. Diese Momente sind sehr eindringlich gefilmt und lassen den Zuschauer – zumindest ging es mir so – eine Weile nicht mehr los. „Ben is back“ macht nachdenklich, lässt den Zuschauer allerdings nicht nur hilflos und deprimiert zurück, sondern vermittelt auch in gewisser Weise Hoffnung. Und genau diese Mischung ist es auch, die diesen Film aus meiner Sicht sehr glaubwürdig und eben auch eindringlich macht. Man kann nämlich durchaus vieles im Leben erreichen oder Fehler beheben, wenn man sich entsprechend Mühe gibt und vor allem nicht aufgibt.

Dem ein oder anderen mag vielleicht die Entwicklung in der zweiten Hälfte des Films nicht zusagen, da sie sich dann vom Drama fort- und eher in Richtung Thriller bewegt. Mir persönlich hat dieser Richtungswechsel allerdings nicht wirklich viel ausgemacht, da die Mutter-Sohn-Beziehung weiterhin noch im Vordergrund stand. Sicherlich wollte man damit einen Weg einschlagen, um den Film auch massentauglich  und nicht zu einem besonderen ArtHouse Drama zu machen, das nur eine bestimmtes Publikum anspricht. Alles in allem bekommt man hier auf alle Fälle einen sehr guten Film mit bemerkenswerten Schauspielerleistungen geboten, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

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Fazit: Sehenswertes, sehr authentisches Familiendrama, das auf unkitschige Weise zu Herzen geht.

©2019 Wolfgang Brunner

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Das Wundern des jungen Ulysses (2019)

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Originaltitel: Das Wundern des jungen Ulysses
Regie: René Wiesner
Drehbuch: René Wiesner
Kamera: René Wiesner
Musik: Stephan Ortlepp
Laufzeit: 17 Minuten
Darsteller: –
Genre: Kurzfilm, Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Eine verlassene Wohnung, in der ein schlimmes Schicksal ihre Spuren hinterlässt.

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Ein neuer Kurzfilm von René Wiesner, der mich natürlich sehr neugierig macht, da ich seinen letzten Film „Ossarium“ sehr gelungen und gut fand. „Das Wundern des jungen Ulysses“ beginnt auf ähnliche Weise und man weiß lange Zeit nicht, was einen erwartet und um was es in diesem Kurzfilm eigentlich geht. Man betrachtet die verlassene Wohnung, sieht den Bildern zu und lässt plötzlich seine eigenen Gedanken schweifen. Man erinnert sich an Begebenheiten des eigenen Lebens, zieht sozusagen Bilanz, während man darauf wartet, dass etwas in Wiesners neuem Film passiert. Aber es geht ruhig weiter, wie es auch begonnen hat. Und irgendwann ist es dann soweit und die Magie dieser melancholischen Bilder, übrigens genial untermalt von Stephan Ortlepp, packt einen, zieht einen in den Bann und lässt einen nicht mehr los. Und während man weiter über den Film (und auch sich selbst) nachdenkt, erschließen sich von einem Moment auf den anderen immer mehr Perspektiven, die der Film aufzeigt. Man befindet sich irgendwann in einem Strudel, dem man nicht mehr entkommen kann.

Ich möchte es fast schon als kleines filmisches Wunder bezeichnen, was René Wiesner da inszeniert hat. Denn so minimalistisch und banal „Die Wunder des jungen Ulysses“ auf den ersten Blick daherkommen mag, umso bombastischer entwickelt er sich zu einem konsequenten, dramatischen Ende, das ab einem gewissen Moment fast schon wie eine Bombe im Kopf des Zuschauers detoniert. Wiesner hat es mit seinem Kurzfilm tatsächlich geschafft, mich über Tage hinweg zu beschäftigen. Immer wieder geistern diese „einfachen“ Bilder durch meinen Kopf und ich meine fast, Ortlepps unheilschwangere, düstere Töne zu hören. „Das Wundern des jungen Ulysses“ verwundert, fasziniert und schockiert eher erst, nachdem man den Film gesehen hat. Sicherlich breitet sich während der Sichtung bereits ein mulmiges Gefühl in der Magengegend aus, wenn man langsam aber sicher bemerkt, um was es geht. Aber weitaus beeindruckender ist dieser Effekt, nachdem der Film zu Ende ist und man darüber nachzudenken beginnt.

Dieser Kurzfilm zeigt wieder einmal, dass man mit wenig finanziellen Mitteln etwas auf die Beine stellen kann, das nachhaltig Wirkung zeigt. Dramaturgisches Geschick, filmisches Inszenierungsvermögen und vor allem die Fähigkeit, eine Geschichte erzählen zu können. Und das, obwohl im Grunde genommen nicht einmal jemand mitspielt.  Ich muss sagen, dass mich dieser Kurzfilm geflasht hat. Es bedarf schon einer gewissen Feinfühligkeit, sich solche einem Thema anzunehmen und dies dann auch noch unspektakulär und ruhig in Szene zu setzen. Gerade diese Zurückhaltung in der Inszenierung verschafft dem Zuschauer ein weitaus beklemmenderes Gefühl, als hätte man das Thema reißerisch (und brutal) aufgearbeitet. Wieder einmal hat mich René Wiesner mit seinem filmischen Können überzeugen können, dieses Mal vielleicht sogar am meisten von all seinen kreativen Arbeiten. Ich bin schon sehr gespannt, was wir in Zukunft noch von ihm zu sehen bekommen. Auf alle Fälle volle Punktzahl für „Das Wundern des jungen Ulysses“.

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Fazit: Minimalistisches, aber gerade deswegen umso eindringlicheres Kurzfilm-Drama.

© 2019 Wolfgang Brunner

One Percent – Streets of Anarchy (2017)

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Originaltitel: 1 %
Alternativtitel: Outlaws
Regie: Stephen McCallum
Drehbuch: Matt Nable
Kamera: Shelley Farthing-Dawe
Musik: Chris Cobilis
Laufzeit: 92 Minuten
Darsteller: Ryan Corr, Abbey Lee, Simone Kessell, Josh McConville, Aaron Pedersen, Sam Parsonson, Eddie Baroo, Jacqui William, Matt Nable
Genre: Thriller, Drama
Produktionsland: Australien
FSK: ab 16 Jahre

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Knuck ist Anführer des kriminellen Motorradclubs mit dem klangvollen Namen „Copperheads“. Während er im Knast saß hatte sein Stellvertreter Paddo die Leitung über den Club und veränderte in dieser Zeit ein paar der eingefahrenen Strukturen. Als Knuck wieder auf freiem Fuß ist, kommt es unausweichlich zu einem Streit zwischen den beiden, aus dem nur einer von ihnen als Sieger hervorgehen kann.

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„One Percent“ wirbt mit dem deutschen ( 🙂 ) Untertitel „Streets of Anarchy“, was wohl einen dezenten Hinweis auf die Erfolgsserie „Sons of Anarchy“ darstellen und ein entsprechendes Publikum anlocken soll. Wie nicht anders zu erwarten, hinkt dieser Vergleich natürlich, denn der Film wirkt nur auf den ersten Anschein wie ein uninspirierter Abklatsch. „One Percent“ ist auch nicht in erster Linie ein Biker-Film, wie es das Cover suggeriert, sondern vielmehr ein Drama, das im Bikermilieu spielt. Während der ersten 20 Minuten war ich mir des öfteren nicht ganz sicher, ob mir der Film gefallen und zusagen würde, denn es wurde massivst mit vulgären Ausdrücken um sich geworfen. Das wirkte anfangs definitiv etwas störend auf mich und könnte den ein oder anderen Zuseher dazu veranlassen, den Film tatsächlich abzuschalten. Aber man sollte sich einfach darauf einlassen, denn ab einem gewissen Zeitpunkt wird einem klar, dass genau diese Ausdrucksweise das Milieu, in dem der Film angesiedelt ist, wiedergibt. Vor allem kommt dadurch auch eine besondere Dramatik auf, wenn man sich der Geschichte des behinderten Bruders des Protagonisten widmet.

Schauspielerisch gibt es an „One Percent“ absolut nichts auszusetzen. Auch die Frauen haben tragende Rollen inne, aber vor allem Josh McConville, der den Part des besagten behinderten Bruders übernommen hat, kann durch seine hervorragende Performance absolut überzeugen und auch begeistern. In meinen Augen ist er letztendlich auch die tragende Figur und daher heimliche Hauptrolle dieses Dramas. Im Nachhinein betrachtet, gewinnt der Film eine ganz außergewöhnliche Bedeutung für mich, da er mich in seiner konsequenten Tragik manchmal an den grandiosen „Gilbert Grape“ mit Leonardo diCaprio erinnert. „One Percent“ wird diejenigen enttäuschen, die einen reinen Motorradfilm erwarten, denn dafür sind viel zu wenig Bikeraufnahmen vorhanden. Wer allerdings ein handfestes Drama fürs Massenpublikum erwartet, wird ebenso enttäuscht sein, da sich der Film überwiegend abseits des Mainstream bewegt. So stellt „One Percent“ für mich irgendwie einen Art Filmhybrid aus Drama und Action dar, der nicht jedermanns Sache ist. Aber, wie bereits erwähnt, durchhalten lohnt sich auf alle Fälle und „One Percent“ ist auch ein Film, der definitiv hängenbleibt. Stephen McCallums Film mag auf den ersten Blick etwas oberflächlich und ohne Konzept wirken, brennt sich aber dennoch – so war es zumindest bei mir – ins Gedächtnis, weil er sehr realitätsnah inszeniert ist. Die Beziehung der beiden Brüder stellt für mich auf jeden Fall den Mittelpunkt der ganzen Geschichte dar und endet in einem äußerst dramatischen Finale.

Für mich ist „One Percent“ nach anfänglichen Schwierigkeiten ein Film, den man sich ohne weiteres öfters ansehen kann. Um noch einmal auf den Vergleich mit „Sons of Anarchy“ zurückzukommen: Der vorliegende „One Percent“ kann natürlich aufgrund seiner geringen Laufdauer nicht mit einer entsprechenden Tiefe aufwarten. Dennoch sind die Charaktere absolut toll ausgearbeitet und auch entsprechend gespielt. In keiner einzigen Minute hatte ich das Gefühl, einer Direct to DVD-Veröffentlichung zuzusehen. Die Inszenierung, die Schnitte und das Agieren der Schauspieler wirkten auf mich niemals wie ein B-Movie. Man sollte sich vielleicht auf diesen Film einlassen, ohne Vergleiche mit „Sons of Anarchy“ anzustellen, wenngleich diese vielleicht sogar vom Regisseur beabsichtigt waren. Als eigenständiger Film funktioniert „One Percent“ auf alle Fälle und kann optimal und professionell unterhalten. Ich habe ihn auf alle Fälle genossen.

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Fazit: An die Erfolgsserie „Sons of Anarchy“ angelehntes, aber sehenswertes Drama.

© 2019 Wolfgang Brunner

Santa Sangre (1989)

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Originaltitel: Santa sangre
Regie: Alejandro Jodorowsky
Drehbuch: Alejandro Jodorowsky, Robert Leoni, Claudio Argento
Kamera: Damiele Nannuzzi
Musik: Simon Boswell
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Axel Jodorowsky, Adan Jodorowsky Blanca Guerra, Guy Stockwell, Thelma Tixou, Sabrina Dennison, Faviola Elenka Tapia, Jesús Juárez, Teo Jodorowsky
Genre: Horror, Drama
Produktionsland: Mexiko, Italien
FSK: ab 16 Jahre

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Die Kindheit des kleinen Fenix, der einmal Magier in einem Zirkus werden soll, ist ein wahrer Albtraum. Bei einem Streit trennt sein Vater der fanatisch religiösen Mutter beide Arme ab und bringt sich dann vor den Augen seines Sohnes selbst um.
Fenix landet in einer Nervenheilanstalt. Erst als viele Jahre später seine Mutter wieder in Erscheinung tritt, gelingt Fenix als Erwachsener die Flucht vor seiner Vergangenheit. Doch es ist ein schwerer, blutiger Weg bis zur Erlösung …

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„Santa Sangre“ ist ein Film, der mich Sicherheit nicht jedermanns Geschmack trifft. Es ist eigentlich auch gar nicht verwunderlich, das Jodorowskys kontroverser Film für manch einen zu überlastet wirkt. Denn es sind in der Tat eine Unmenge an symbolträchtigen Aphorismen versteckt, die den Film bei der ersten Sichtung förmlich überfluten. Genau das wirkt wahrscheinlich auf viele Zuseher viel zu intellektuell und überladen. Wer sich aber auf Jodorowksys Visionen einlassen kann, der wird mit einem wahnsinnig innovativen und ideenreichen Spektakel belohnt. „Santa Sangre“ ist für mich irgendwie wie eine Mischung aus Filmen von Lars von Trier, Peter Greenaway, Federico Fellini oder an manchen Stellen sogar Werner Herzog. „Santa Sangre“ hat mich tief berührt und oftmals zum Nachdenken gebracht.
Vor allem, ohne jetzt spoilern zu wollen, die Szene, in der Mutter und Vater streiten, stellt für mich eine grandiose Schlüsselszene des gesamten Films dar und hat mich enorm beeindruckt. Da kommt eine Intensität zum Tragen, die mich nicht nur während des Ansehens, sondern auch noch Tage danach schlichtweg umhaut.

Schauspielerisch möchte ich es fast Meisterleistungen nennen, die die Akteure hier abliefern. Denn es ist mit Sicherheit nicht einfach, Jodorowskys skurrile, groteske und teils makabren Visionen zum Leben zu erwecken. Die Schauspielerei wirkt an vielen Stellen theatralisch, was dem Film aber zusätzlich noch einen besonderen Reiz verschafft, dem man sich schlecht entziehen kann, sofern man sich, wie oben bereits erwähnt, darauf einlassen kann. Zumindest auf mich hat der Film einen unglaublichen Sog ausgeübt. „Santa Sangre“ dürfte Jodorowskys zugänglichster Film sein, denn mit seinen bekanntesten Werken „El Topo“ oder „Der heilige Berg“ hat der Regisseur die Geschmäcker der Kinozuschauer weitaus mehr gespalten und strapaziert. „Santa Sangre“ wirkt wie ein irrer Trip ins eigene Ich und konfrontiert den Zuschauer mit Dingen, die einem Albtraum entsprungen erscheinen. Die unglaublich intensive Atmosphäre zieht sich durch den ganzen Film.

„Santa Sangre“ ist kein weiterer „El Topo“ und hat im Grunde genommen wenig mit dem Einfallsreichtum und Mystizismus von „Der heilige Berg“ zu tun, mit dem Jodorowsky keine Geschichte erzählen, sondern eine Erfahrung mit dem Publikum teilen wollte. Jodorowsky wendet sich fast schon an das Mainstream-Publikum, wenn er seine authentische und äußerst wuchtige Geschichte einer gequälten Seele in Szene setzt. Unverändert allerdings sind seine kraftvollen, ausdrucksstarken Bilder, die lange nachwirken. Dennoch ist „Santa Sangre“  absolut kein massentauglicher Film, sondern eher unbequem, visionär und absurd. Ein Gemisch aus wahnwitzigen, poetischen, philosophischen und blutig-brutalen Ideen. „Santa Sangre“ ist einerseits ein Horrortrip, andererseits eine Art Psychothriller, der unter die Haut geht. Das Publikum wird von beeindruckenden, aber auch gewalttätigen Bildern überflutet. Das Begräbnis eines Elefanten hat Kultstatus erreicht und auch die ein oder andere Szene könnte irgendwann einmal Filmgeschichte sein. Wer echtes, emotionales und künstlerisches Kino erleben will, sollte sich „Santa Sangre“ unbedingt ansehen. Für mich ein Meisterwerk.

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Fazit: Wahnwitziges, poetisches, philosophisches, surreales und blutig-brutales Meisterwerk.

© 2019 Wolfgang Brunner

Die Abenteuer von Wolfsblut (2018)

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Originaltitel: Croc-Blanc
Regie:  Alexander Espigares
Drehbuch: Philippe Lioret, Serge Frydman, Dominique Monféry
nach dem Roman von Jack London
Kamera: –
Musik: Bruno Coulais
Laufzeit: 87 Minuten
Darsteller: –
Genre: Abenteuer, Animationsfilm, Literatur
Produktionsland: Frankreich, Luxemburg, USA
FSK: ab 6 Jahre

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Alaska zur Zeit des großen Goldrausches.
Ein Welpe, halb Hund und halb Wolf, gerät nach dem Tod der Mutter in Gefangenschaft und wird von einem alten Indianer zum Schlittenhund ausgebildet. Er bekommt aufgrund seiner Abstammung den Namen Wolfsblut. Schon bald erkämpft er sich die Position des Leittiers unter den Schlittenhunden. Doch dann gerät er in die Hände von skrupellosen Geschäftemachern, die Wolfsblut für Hundekämpfe missbrauchen.
Ein Marshall rettet ihn vor dem Tod und legt damit den Grundstein für den Beginn einer unzertrennlichen Freundschaft zwischen Mensch und Tier …

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„Die Abenteuer von Wolfsblut“ ist nicht die erste Adaption des Kinderbuchklassikers aus der Feder von Jack London. Neben Zeichentrickversionen gibt es auch zahlreiche Realverfilmungen. Unter anderem auch zwei des italienischen Regisseurs Lucio Fulci, der eigentlich für seine harten Zombiefilme bekannt ist. Das ist aber für den vorliegenden Film bedeutungslos und wollte von mir nur am Rande erwähnt werden. Der hier vorliegende Animationsfilm versprüht einen ganz eigenen Charme, der sich deutlich von den anderen Interpretationen abhebt. Man muss sich zwar, ehrlich gesagt, anfangs ein bisschen an die Art der Animation gewöhnen, denn sie wirkt anders als die von Disney/ Pixar, aber es dauert nicht lange und man gewinnt sowohl die Menschen wie auch die Tiere in diesem Film lieb. Vielleicht ist es sogar gerade diese gewisse Art und Weise der Unperfektheit dieser Animation, die diesen Film zu etwas besonderem macht. Denn genau dadurch gewinnt dieses Abenteuer absolut an Charme.

Was hier geboten wird, ist auch noch eine wirklich fantastische Gratwanderung zwischen Kinder- und Erwachsenenfilm. Obwohl der Film ab 6 Jahre freigegeben ist , wirkt er an manchen Stellen schon etwas düster, brutal und auch deprimierend. Aber so ist nun einmal das Schicksal von Wolfsblut auch im Buch von Jack London beschrieben, insoweit hält sich „Die Abenteuer von Wolfsblut“ einfach auch an die Buchvorlage. Die Geschichte wird in oftmals wunderschönen Bildern erzählt und ist, zumindest gegen Ende hin, auch sehr emotional. Ich habe diesen Film mit meinem 5-jährigen Sohn angesehen, der ebenso begeistert wie ich war und sehr wohl auch die dramatischen Teile des Films verstanden hat. Ich will damit nur sagen, dass „Die Abenteuer von Wolfsblut“ in der Tat auch für Kinder geeignet ist, obwohl er, wie bereits erwähnt, im ersten Moment manchmal zu düster erscheint. Aber Kinder können der Handlung gut folgen und lernen, dass nach einer schlimmeren Begebenheit auch wieder Schönes passiert.

„Die Abenteuer von Wolfsblut“ hat mir persönlich sehr gut gefallen und ich bin sicher, dass ich mir diesen Film noch ein weiteres Mal anschauen werde. Neben der außergewöhnlichen Animation kann auch der Score von  Bruno Coulais absolut punkten. Denn er unterstreicht und ergänzt die gezeigten Bilder perfekt. Mit Sicherheit hat auch diese wunderschöne Musik aus meiner Sicht ihren Anteil daran, dass diesen Film zu einem wirklich tollen Erlebnis für jung und alt ist. Vor allem wenn man die Buchvorlage kennt wird man seine wahre Freude daran haben. Ich habe diesen Animationsfilm auf jeden Fall sehr genossen.

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Fazit: Wunderbarer Animationsfilm nach einem Kinderbuchklassiker. Absolut sehenswert.

© 2019 Wolfgang Brunner

Galveston – Die Hölle ist ein Paradies (2018)

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Originaltitel: Galveston
Regie: Mélanie Laurent
Drehbuch: Jim Hammett
Kamera: Dagmar Weaver-Madsen
Musik: Marc Chouarain
Laufzeit: 94 Minuten
Darsteller: Ben Foster, Elle Fanning, Lili Reinhart, Adepero Oduye, Robert Aramayo, Maria Valverde, Beau Bridges
Genre: Drama, Thriller, Literatur
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Roy ist Profikiller und lebt irgendwie am Limit: Drogen und die Angst vor Lungenkrebs begleiten ihn durchs Leben. Für den in schmutzige Geschäfte verwickelten Stan  erledigt er so manch Drecksarbeit. Doch bei seinem letzten Auftrag geht einiges schief und er wird zur Flucht mit der jungen Prostituierten Rocky gezwungen,  die noch dazu ihre kleine Schwester mit hineinzieht. Ausgerechnet Roys Heimatstadt Galveston wird zum letzten Zufluchtsort für das ungleiche Trio, das von Stans Killern gejagt wird …

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Was für ein Film! Ohne jegliche Spezialeffekte, sondern nur mit atemberaubenden Schauspielerleistungen kann dieses Drama uneingeschränkt auftrumpfen. Es ist unglaublich, und aus meiner Sicht schon oscarreif, wie Ben Foster seine Rolle in diesem Drama meistert. Schon nach den ersten Minuten weiß man, was dieser Film bietet. Ein intensives Drama, dass einem wirklich den Atem nimmt. Ruhig und intensiv, aber dennoch mitreißend und voller Action. Es ist ein wirklich gelungener Genremix, den Mélanie Laurent nach einem Drehbuch von Jim Hammett in Szene gesetzt hat. Jim Hammet hat das Script nach seiner eigenen Romanvorlage (die er unter seinem richtigen Namen Nic Pizzolatto veröffentlicht hat) verfasst und dürfte den meisten Film- und Serienfanatikern durch seine Vorlage für „True Detectives“ bekannt sein.

„Galveston“ ist in erster Linie ein Roadmovie, in dem sich aber neben einer actionreichen, teilweise gewalttätigen Handlung auch ein Drama und eine sehr poetische und nachdenklich stimmende Liebesgeschichte verbirgt. Gerade letztere hat es mir persönlich angetan und mich sehr gefesselt und emotional berührt. Ein Hauch von „Lolita“ vermischt sich mit dem dramatischen Lebensabschnitt der beiden Protagonisten, die sich ihre Zuneigung nicht immer direkt zu verstehen geben. Genau das macht aber den Reiz jenes Aspekts dieses Films aus. Man fühlt und leidet mit den beiden, fühlt sich schlecht und glücklich gleichermaßen und beginnt immer wieder einen Hoffnungsschimmer inmitten all der sinnlosen Gewalt zu entdecken. „Galveston“ hätte gut und gerne auch aus der Feder von Larry Brown stammen können, der seinen Protagonisten ähnliche Steine in den Lebensweg legt. Die Lebensumstände erscheinen auch hier hoffnungslos, aber dennoch steckt der Plot seltsamerweise irgendwie doch voller Hoffnung. Es ist eine Gratwanderung, die sowohl schauspielerisch als auch inszenatorisch absolut gelungen ist.

 „Galveston“ ist, wenn man sich darauf einlässt beziehungsweise einlassen kann, ein unglaublich emotionaler Film, der noch lange im Gedächtnis haften bleibt. Der französischen Regisseurin Mélanie Laurent rechne ich hoch an, dass sie den Stoff konsequent ohne Hollywood-Touch inszeniert hat und schonungslos auf ein Ende hinarbeitet, mit dem der Durchschnittskinogänger mit Sicherheit nicht rechnet. Alleine aus diesem Grund, und natürlich den fulminanten Leistungen der Schauspieler – allen voran Ben Foster – ist „Galveston“ ein absolutes Muss für Filminteressierte. Diesen Film kann ich ohne Einschränkungen zu den Streifen zählen, die ich mir vierundzwanzig Stunden nach der Erstsichtung sofort wieder ansehen könnte. Energiegeladen und eindringlich, mit diesen beiden Wörtern lässt sich die Atmosphäre von „Galveston“ vielleicht am besten beschreiben. Der Spannungsbogen des Films entwickelt sich nach einem kurzen Intro, das der Beschreibung der Personen und der jeweiligen Situationen, in denen sie sich befinden, dient, zu einem Wirbelsturm aus den verschiedensten Emotionen. Bis hin zum dramatischen und ergreifenden Finale.
Dem Film wird immer wieder vorgeworfen, er vertiefe nicht genug die Charaktere, weswegen man ihnen nie genug nahekäme, um ihre Gefühle zu verstehen. Das kann ich definitiv nicht bestätigen. Beide Charaktere wuchsen mir ans Herz und ich konnte, gerade im letzten Drittel, die Liebe zwischen ihnen förmlich spüren. „Galveston“ ist für mich ein grandioser Film.

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Fazit: Roadmovie mit einer emotionaler Wucht, die zwischen den Bildern steckt.

© 2019 Wolfgang Brunner

Spurlos – Ein Sturm wird kommen (2015)

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Originaltitel: Strangerland
Regie: Kim Farrant
Drehbuch: Michael Kinirons, Fiona Seres
Kamera: P. J. Dillon
Musik: Keefus Ciancia
Laufzeit: 107 Minuten
Darsteller: Nicole Kidman, Hugo Weaving, Joseph Fiennes, Lisa Flanagan, Maddison Brown, Meyne Watts, Nicholas Hamilton
Genre: Drama
Produktionsland: Australien, Irland
FSK: ab 12 Jahre

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Eines kann man Kim Farrants Film auf alle Fälle attestieren: Bei „Spurlos – Ein Sturm wird kommen“ handelt es sich eindeutig um einen ganz großen Schauspielerfilm. Im Mittelpunkt stehen schauspielerische Leistungen und keinerlei Spezialeffekte, was in der heutigen Zeit ein geradezu erfrischendes Erlebnis darstellt. Hinzu kommt eine sehr feinfühlige und außergewöhnliche Inszenierungsweise, die mich teilweise an „Walkabout“ von Nicolas Roeg erinnert hat.
Nicole Kidman zeigt hier in der Tat, welch phantastische und auch mutige Schauspielerin in ihr steckt. Sie trägt zusammen mit Hugo Weaving den Film. Und auch wenn Joseph Fiennes eine sehr gute Darbietung liefert, so wird er von Kidman und Weaving eindeutig in den Schatten gestellt, was vielleicht auch daran liegen mag, dass die Charakterzeichung seiner  Rolle nicht tief genug ausgearbeitet wurde.
Regisseurin Farrant zeigt großes inszenatorische Können, indem sie eine geradlinige Geschichte absolut unkonventionell erzählt. Daher ist es mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, diesem Drama zu folgen.
Mit einer unglaublichen Intensität wird hier eine dramatische Familiengeschichte erzählt, die unter anderem auch zwischenmenschliche Probleme zweier Ehepartner behandelt. Nicole Kidman stellt eine verzweifelte Frau unglaublich glaubhaft und emotional dar. Und auch wenn ihre Handlungen oftmals nicht ganz nachvollziehbar sind, so kann man sich gut durch ihre intensive Darstellung in den Charakter  hineinversetzen.

Man kann dem Film sicherlich vorwerfen, dass er sich nicht für ein bestimmtes Genre entscheiden kann. Das finde ich persönlich aber wiederum alles andere als schlimm, denn genau diese Mischung verschafft dem Zuschauer ein Gefühl, bei dem man absolut nicht weiß, wohin die Reise führt.
Hinzu kommt die wirklich sehr intensive Atmosphäre des Films, der man sich definitiv nicht entziehen kann. Manchmal möchte man gar nicht hinschauen, kann aber seinen Blick nicht von der Leinwand abwenden, weil man so fasziniert vom Agieren der Schauspieler ist und unbedingt wissen will, wie sich der Plot weiterentwickelt.
„Spurlos – Ein Sturm wird kommen“ wird den Großteil der Zuschauer ratlos (und vielleicht sogar ein bisschen enttäuscht) hinterlassen. Sicherlich ist die Haupthandlung nachvollziehbar, doch am Ende wird man verwirrt (und der ein oder andere auch unzufrieden) zurückgelassen. Denn es verhält sich ähnlich wie bei einem Film von David Lynch oder dem oben bereits erwähnten Nicolas Roeg: Die Inszenierung, und auch der Plot, lassen dem Zuschauer jede Menge eigene Interpretationsmöglichkeiten. Man versucht die philosophischen Aspekte und teilweise auch Lebensweisheiten zu erfassen, wird aber von dem Mysterium, das dieser Film ausstrahlt, schlichtweg manchmal überfordert.

Es ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Aber wer sich auf diesen Film einlassen kann, wird mit einem fulminanten Schauspielerfilm belohnt, der sich definitiv abseits des Mainstream bewegt. Für mich persönlich eine ganz große Überraschung, die mich sowohl schauspielerisch als auch inszenatorisch absolut begeistert und überzeugt hat. „Spurlos“ hat eine enorm nachhaltige Wirkung, die auch nach Tagen noch anhält. Einige Bilder bekommt man nicht mehr aus dem Kopf, was eindeutig für die Qualität und Intensität dieses Films spricht. Auch wenn nicht wirklich viel passiert, so steckt eine gewaltige Menge in diesem Drama. Der Kameramann leistet hervorragende Arbeit und auch der Score von Keefus Ciancia könnte nicht passender sein. „Spurlos – Ein Sturm wird kommen“ ist großes Kino, das sich nicht in Hollywood-Klischees und Mainstream-Blockbuster pressen lässt, sondern seinen ganz eigenen, fantastischen Weg geht. Und das ist auch gut so … denn ich wage glatt, diesen Film als eine Art Lebenserfahrung zu bezeichnen.

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Fazit: Mystisch, schockierend, philosophisch, schön und schrecklich zugleich.  Unkonventioneller Thriller mit atemberaubenden Schauspielern.

© 2019 Wolfgang Brunner