The House At The End Of Time (2013)

TheHouseAtTheEndOfTime

Originaltitel: La casa del fin de los tiempos
Buch und Regie: Alejandro Hidalgo
Kamera: Cezary Jaworski
Musik: Yoncarlos Medina
Laufzeit: 101 Minuten
Darsteller: Ruddy Rodríguez, Rosmel Bustamante, Gonzalo Cubero,
Guillermo García, Héctor Mercado
Genre: Horror
Herstellungsland: Venezuela
FSK: ab 16 Jahren

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Eines Nachts verschwindet Dulces Sohn spurlos und ihr Mann wird brutal ermordet aufgefunden. Weil auf der Tatwaffe ihre Fingerabdrücke gefunden werden, wird Dulce zu lebenslanger Haft verurteilt. 30 Jahre später wird sie aus dem Gefängnis entlassen und in ihr altes Haus zurückgebracht, wo sie, unter Beobachtung gestellt, über die Vorfälle von damals nachdenkt. Doch Dulce ist nicht allein, denn die Geister ihrer Vergangenheit sind ebenfalls noch in dem Haus. Zusammen mit einem Priester will Dulce das Rätsel ergründen, durch das sie ihren Sohn und Mann vor 30 Jahren verloren hat.

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„Das Haus am Ende der Zeit“ ist das Debüt eines jungen, venezuelanischen Filmemachers namens Alejandro Hidalgo. Diesen Namen sollte man sich unbedingt merken, denn was er mit seinem Erstling abgeliefert hat, ist eine filmische Wucht sondergleichen. Man könnte fast meinen, dass der visionäre Christopher Nolan (u.a. „The Dark Knight“-Trilogie, „Inception“ und „Interstellar“) einen Horrorfilm gedreht hat. Es ist unglaublich, mit welcher Raffinesse hier ein Plot kreiert wurde, der zum Ende hin mit einem wahren Feuerwerk an A-ha-Effekten und emotionalen Achterbahnfahrten aufgelöst wird. Klar werden jetzt wieder die ewigen Nörgler daher kommen und über die vermeintlichen Logiklöcher der wirren Handlung diskutieren, aber keiner von ihnen kann mir die Genialität dieses emotionalen Meisterwerks absprechen. „The House At The End Of Time“ ist bestes Kino: gefühlvoll, spannend, unheimlich, visionär und atemberaubend beeindruckend. Selten habe ich so eine atmosphärisch stimmige Mixtur aus Old School-Grusel, intelligenter Handlung und tollen Schauspielern gesehen.

Hidalgo hat ein inszenatorisches Gespür wie ein Profi. Wie er die Handlungen im Verlaufe des Films verwebt ist ein wahrer Geniestreich, der den Zuschauer schlichtweg verblüfft und ihm den Atem raubt. An einer Stelle habe ich mich sogar selbst dabei erwischt, wie ich vollkommen sprachlos den Kopf schüttelte, als ich die Zusammenhänge erkannte. Ich kann meine Begeisterung schwer unterdrücken, denn noch immer geistern die Überschneidungen der Szenen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durch meine Gedanken. Man muss sich auf den Film einlassen, das ist keine Frage, um die komplexe Struktur zu durchschauen. Mainstream-Publikum wird dabei Schwierigkeiten haben, denn eine geradlinige Erzählweise, der man ohne viel nachzudenken folgen kann, fehlt. Der Zuseher, der sich in den Zeitwirbel fallen lässt, wird mit einem wahren Wunder belohnt, das sich ins Gedächtnis frisst, wie es schon lange kein Horrorfilm mehr geschafft hat.

Hidalgo spielt mit einer Leichtigkeit mit Raum und Zeit, als wäre absolut nichts daran kompliziert. Und genau das ist es, was mich immer wieder an Nolan denken lässt: komplizierte Dinge auf völlig unkomplizierte Art darzustellen beziehungsweise darstellen zu können. Schauspielerisch bewegt sich der Film auf absolut hohem Niveau und kann sich getrost mit weitaus bekannteren Streifen messen. Ich möchte mich sogar insoweit ein wenig nach vorne beugen, in dem ich „The House At The End Of Time“ sogar einen bedeutend höheren Status zuspreche, als es thematisch ähnliche Großproduktionen wie zum Beispiel „The Others“ oder „The Sixth Sense“. Hidalgos Debüt ist ein Juwel unter der Masse an Horrorfilmen, und wenn man zu der überaus gekonnten Inszenierung, dem mehr als genialen Plot und den durchwegs fähigen Schauspielern noch das relativ geringe Budget berücksichtigt, so kann man diesen Film ohne Einschränkungen als „absolutes Meisterwerk“ bezeichnen.
Wer blutige Effekte und / oder Mainstreamkino erwartet, sollte die Finger davon lassen. Leider suggeriert das Plakat einen Film im Stil von „Insidious“ oder anderen Haunted House-Filmen, was in diesem Falle aber nicht zutrifft und in die Irre führt. Wer einem künstlerisch ambitionierten Film mit einem feinfühligen, gefühlvollen Plot offen ist, wird mit einem unglaublich beeindruckenden Ergebnis belohnt. So, dann mache ich mal Schluss und sehe mir „The House At The End Of Time“ gleich nochmal an. 😉
Und, wie nicht anders zu erwarten, plant Hollywood schon ein Remake dieses Ausnahmefilms und versucht, wie so oft, die Lorbeeren, die eigentlich dem ursprünglichen Macher zustünden, in Form einer (wahrscheinlich wieder einmal)  seelenlosen Neuverfilmung für sich einzuheimsen.

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Fazit: Visionär, spannend, gruselig, emotional … Mir fehlen einfach die Worte für diese geniale Achterbahnfahrt.

© 2017  Wolfgang Brunner

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Durch die Nacht (2013 / 2017)

Originaltitel: Durch die Nacht
Regie: Marco Pfeiffer
Drehbuch: Marco Pfeiffer
Kamera: Mirko Prokic
Musik: Lino Jednat
Laufzeit: 7 Minuten (Langfassung: 14 Minuten)
Darsteller: Randi Rettel, Jessica Klauß, Jan-Erik-Hohl, Nicole Schreier,
Livia Schwarz, Ralf T. Hoffmann, Aaron Wassilew, Julia Alsheimer, Nina
Michnik, Sissy Chrysos, Gabriele Kriedemann
Genre: Drama
Produktionsland: Deutschland
FSK: nicht geprüft

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Marie will ihren Freund Ben mit einem schönen Essen verwöhnen. Doch der Abend verläuft leider nicht so, wie sich Marie das vorgestellt hat. Verzweifelt begibt sie sich auf einen Spaziergang durch die Nacht und erfährt durch einige Begegnungen, was Leben wirklich bedeutet.

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Das Drama „Durch die Nacht“ kann von der ersten Einstellung an begeistern und hinterlässt deutliche Spuren in den Gedanken des Zusehers. Regisseur Marco Pfeiffer, der auch das Drehbuch verfasste, gelingt es in etwas mehr als fünf Minuten, einen derart zu packen, dass es fast schon Angst macht. Eine anfangs ärgerliche, kurze Zeit später aber wieder befriedigende Alltagssituation gerät zu einem Alptraum, in den sich jeder durch die intensiven Bilder des Kurzfilms hineinversetzen kann. Mit einfachen Mitteln wird in wenigen Minuten eine Palette an Gefühlen behandelt, dass es einen beim ersten (und auch noch zweiten Ansehen) schlichtweg überfordert. Liebe, Verlust, Trauer, Angst, Mut, Verzweiflung und am Ende Hoffnung. All dies passiert mit der Protagonistin, die wir auf ihrem verzweifelten Gang durch die Nacht begleiten. Und wir fühlen mit ihr, spüren die Trauer und die Verzweiflung, erleben aber auch in geschickt inszenierten Bildern die Hoffnung, die durch die Begegnung mit Mitmenschen in ihr aufkeimt.

„Durch die Nacht“ ist ein emotionaler, tiefgehender Kurzfilm, der mit Emotionen spielt und sie selbst für diejenigen deutlich macht, die sich noch nie in solch einer (oder ähnlichen) Lage befanden. Marie wird hervorragend von Randi Rettel verkörpert, der man sämtliche Emotionen abnimmt. Ihr natürliches, ungezwungenes Schauspiel ist herrlich erfrischend und echt, so dass man gar nicht genug davon bekommen kann. Sie drückt die Hilflosigkeit, den Kummer und die Niedergeschlagenheit, durch die sie in eine Spirale der Selbstzerstörung gerät, so natürlich aus, dass es einem Angst einjagen kann. Marco Pfeiffers Film drückt im Gegenzug aber auch aus, dass junge Menschen sich nicht nur im negativen Sinne „gehen lassen“, sondern auch sehr wohl an eine glückliche Zukunft und ein erfülltes Familienleben glauben können.
Jan-Erik-Hohl als Ben kann, wenngleich er nicht allzu oft zu sehen ist, durch seine charismatische und sehr sympathische Ausstrahlung punkten und lässt selbst einen männlichen Zuschauer am Ende dahinschmelzen. 😉
Und Jessica Klauß als Mutter mit Kind, die für Marie die rettende Hand darstellt, kann auf sehr positive Weise in ihrer Rolle überzeugen. Die wunderschöne und überaus passende Musikuntermalung stammt von Lino Jednat, von dem man sich in Zukunft auf jeden Fall noch mehr Scores in dieser Art wünscht.

Von „Durch die Nacht“ existiert eine Kurz- und eine Langfassung, die man beide gesehen haben sollte. Ich habe zuerst die Kurzfassung aus dem Jahr 2013 angesehen und mir danach viele Gedanken über die Handlung gemacht. So ging es anscheinend mehreren Zuschauern, denn nach der ursprünglich abgedrehten Kurzfassung entschieden sich die Macher nachträglich im Jahr 2017 noch eine Langfassung herzustellen, die bedeutend mehr auf die Beziehung von Marie und Ben eingeht und auch einige offenstehende Fragen der Kurzfassung beantwortet. Mir persönlich hat es die längere Fassung angetan, weil sie noch bedeutend mehr Emotionen in mir ausgelöst hat als die originale Kurzfassung. Für mich ein sehr beeindruckendes Filmerlebnis, das erstaunlicherweise trotz seiner kurzen Laufzeit enorm viel Gefühle beim Zuschauer wachrüttelt.
Beide Fassungen kann man auf der Film-Homepage begutachten. Eine Facebook-Seite zum Film gibt es ebenfalls, die noch weitere und vor allem aktuelle Informationen bereithält.

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Fazit: Kurzfilm mit tollen Darstellern (Randi Rettel ist einfach ein Glücksgriff) und einer unglaublich emotionalen Wucht, die einen nachhaltig beschäftigt.

© 2017 Wolfgang Brunner

MOLOCH – Die Dokumentation – Teil 1

Viele von euch wissen, dass ich mich für so ziemlich alle Filmgenres interessiere und sowohl Blockbuster-Produktionen als auch Independentfilme ansehe. So kommt es auch, dass ich immer wieder nach neuen Regisseuren, Schauspielern, Filmmusik-Komponisten und dergleichen suche. Ich verfolge deren Laufbahnen über Jahre hinweg und freue mich auf neue Projekte und Erfolge.

Während der letzten Jahre stieß ich so auch auf den Künstler Moloch, der zuerst nur hinter Masken zu sehen war. Seine Auftritte im Stil der Kultfiguren Michael Myers, Jason Voorhees oder Leatherface weckten meine Neugier. Wer verbirgt sich hinter der Maske? Welche Ambitionen und Ziele verfolgt Moloch?

 

Als der Künstler und Schauspieler Moloch im Jahr 2013 beim Musikvideo „Brutal Desire“ der Ausnahmeband „Mean Ugly Godz“ nach mehreren, unbedeutenderen Anläufen die Hauptrolle als Schlächter übernahm, war noch nicht abzusehen, dass er schon bald eine Art Kultstatus erreichen würde.

Moloch ist eigentlich unter anderem eine biblische Bezeichnung für Opferriten aus dem alten Phönizien und Kanaan, bei denen Kinder mittels Feuer geopfert wurden. Außerdem hat „Moloch“ die Bedeutung einer gnadenlosen und alles verschlingenden Macht. Mit letzterer Bezeichnung kommen wir dem Mann, der unter dem Pseudonym Moloch agiert, schon ein Stück näher. Denn mit Vorliebe „versteckt“ sich der Zweimeter-Mann hinter einer Maske, um seine Opfer auf brutale Weise zu massakrieren.

Es gibt drei Romane mit dem Titel „Moloch“, eine russische Erzählung, einen Film und sogar eine Oper. Nicht zu vergessen das Romanheft mit der Nummer 135 aus dem Jahr 1981 aus der Gruselserie „John Sinclair“. Aber um all dies geht es hier nicht.

Mich interessiert der Schauspieler und Mensch hinter diesem Pseudonym, den ich mittlerweile in einigen Rollen sehen durfte. Faszinierend ist, dass Moloch innerhalb kürzester Zeit überzeugen kann. Das mag zum einen an seiner imposanten Erscheinung liegen, findet aber zum anderen auch einen Grund in seiner äußerst sympathischen und charismatischen Ausstrahlung. Ein Grund für mich, den Schauspieler, das Monster hinter der Maske und den Menschen im echten Leben näher zu beleuchten.

 

Ich habe mir daher überlegt, ein außergewöhnliches Projekt in Angriff zu nehmen, in dem über Moloch und seine Projekte gesprochen wird, der Künstler aber auch mal selbst zu Wort kommt. Ich will wisssen, was Regisseure, Maskenbildner, Schauspielerkollegen, Produzenten und Fans über ihn denken. Desweiteren interessiert mich Molochs Werdegang, aber auch seine Ambitionen, seine Wünsche und Träume.

Das Projekt soll die vielen und unterschiedlichen Facetten des Künstlers behandeln und eine Übersicht über bereits abgedrehte, aktuelle und zukünftige Filme und Videos geben.

Ach ja, und jede(r), die/der bei diesem Projekt mitwirken will, kann mir gerne eine Mail an wolfgangbrunner@gmx.com senden.

Das Projekt wird in etwa vierzehntägigen Abständen weitergeführt.

© 2017 Wolfgang Brunner / Moloch

Max Schmeling (2010)

Originaltitel: Max Schmeling
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Timo Berndt, Uwe Boll
Kamera: Mathias Neumann
Musik: Jessica de Rooij
Laufzeit: 123 Minuten
Darsteller: Henry Maske, Susanne Wuest, Heino Ferch, Vladimir Weigl, Arthur Abraham, Yoan Pablo Hernández, Detlef Bothe
Genre: Filmbiografie
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahre

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Während des Zweiten Weltkriegs erzählt Max Schmeling als Soldat einem britischen Kriegsgefangenen, den er aus Kreta überführen soll, seine Lebensgeschichte. Er schildert seine ersten WM-Kämpfe, seine große Liebe zur Schauspielerin Anny Ondra und letztendlich die legendären Kämpfe gegen Joe Louis.

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Ein Film, über den nur gemeckert wird, sei es wegen des Regisseurs oder auch wegen des angeblich schlechten Schauspiels von Henry Maske. Nun gut, die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und die daraus resultierenden Meinungen logischerweise auch. Mit „Max Schmeling“ ist Uwe Boll meiner Meinung nach ein unglaublich ehrlicher und authentischer Film gelungen, der das Leben des Boxweltmeisters sehr gelungen beschreibt. Gerade mit Henry Maske wurde ein Mann für die Hauptrolle verpflichtet, der Max Schmeling sogar ziemlich ähnlich sieht (ein kurzer Blick über eine Bildersuchmaschine im Internet kann meine Aussage bestätigen). Hinzu kommt das eher schüchterne, zurückhaltende Agieren Maskes, das wohl auch dem realen Charakter Schmelings entspricht. Interessant dürfte in dieser Sache auch sein, dass Max Schmeling und Henry Maske bis zum Tod Schmelings eine sehr enge Freundschaft verband, während der Schmeling einmal geäußert hatte, dass er von Maske dargestellt werden wolle, sollte sein Leben jemals verfilmt werden. Maske empfand das natürlich als eine große Ehre und sagte Bolls Angebot zu.

Sogar die Kritiker der „großen“ Zeitungen und Zeitschriften missbilligten sowohl Maskes Schauspielleistung wie auch Bolls Regie, obwohl die filmische Biografie aus meiner Sicht (und übrigens auch der meiner Frau) absolut gelungen ist. Kurzweilig und sehr intensiv wird das Leben dieses Mannes geschildert und auch ein kleiner Einblick in seinen Charakter gewährt. Selbst die so oft verpönten Boxszenen empfand ich als sehr authentisch (müssen sie ja eigentlich auch, denn sie wurden schließlich von einem echten Boxer gespielt) und vor allem sehr spannend inszeniert. Teils mit wunderschönen Bildern und teils mit beunruhigenden Einschüben der nationalsozialistischen Vorgehensweisen inszenierte Boll ein beeindruckendes Porträt eines Mannes, der sich nicht alles gefallen ließ. Uwe Boll entführt den Zuschauer ins alte Berlin, lässt eine vergangene Welt glaubhaft wieder aufleben und setzt damit nicht nur dem Boxer Schmeling, sondern auch dem alten Berlin ein Denkmal.
Man sollte diesem Film wirklich eine Chance geben, egal ob man zu den Boll-Hassern (warum gibt es die überhaupt?) oder den Henry Maske-Verurteilern bezüglich seiner Schauspielerei gehört, denn „Max Schmeling“ hat es verdient. Hier sieht man nämlich, dass Uwe Boll sehr wohl was kann, wenn er ein anständiges Budget zur Verfügung hat.

An der Seite von Henry Maske agiert Susanne Wuest als seine große Liebe. Wuest verkörpert die Geliebte und Frau des Boxers absolut gekonnt und auch sie sieht der echten Anny Ondra verblüffend ähnlich. Die Schauspieler der beiden Hauptparts hätten besser nicht gecastet werden können. Auch Heino Ferch passt als Trainer sehr gut in das Gesamtbild. Der wirklich fantastische Score von Jessica de Rooij, die so ziemlich jeden Film von Uwe Boll musikalisch untermalt hat, rundet das Bild noch so richtig ab. Unaufdringlich vermitteln ihre Töne mal Sanftes und mal Gewaltiges und verschaffen der filmischen Biografie das nötige I-Tüpfelchen, um „Max Schmeling“ zu einem wirklich sehenswerten Film zu machen. Ich fühlte mich perfekt unterhalten und vergaß die Zeit, so hat mich die Story (und auch der Inszenierungsstil) gepackt.  Schon jetzt weiß ich, dass ich diesen Film auf jeden Fall noch einmal ansehen werde.
Man sollte sich den Film unvoreingenommen ansehen und sich schlichtweg seine eigene Meinung bilden. Es wäre zu schade, wenn sich der ein oder andere Zuschauer / Interessierte von unqualifizierten Meinungen oder hasserfüllten Vorurteilen gegenüber Schauspieler oder Regisseur dieses Ereignis entgehen lassen würde.

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Fazit: Völlig zu Unrecht missachtetes Lebensporträt eines berühmten Mannes.

© 2017 Wolfgang Brunner

Alien: Covenant (2017)

Originaltitel: Alien: Covenant
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Jed Kurzel
Laufzeit: 122 Minuten
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Guy Pearce
Genre: Horror, Science Fiction
Produktionsland: USA
FSK: ab 16 Jahre

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Das Raumschiff Covenant ist mit 2.000 schlafenden Menschen und über 1.000 menschlichen Embryonen unterwegs, um auf einem fremden Planeten eine Kolonie zu gründen. Durch einen Sonnensturm wird das Schiff beschädigt und die Mannschaft aus dem Tiefschlaf geweckt. Während sie die Schäden am Schiff untersuchen, entdecken sie einen fremden Planeten, der der Erde ähnelt und anscheinend bewohnbar ist. Als ein Teil der Crew auf dem Planeten landet und ihn erforscht, kommen zwei Männer in Kontakt mit einer seltsamen Spore. Ohne es zu wissen, wächst ein fremdartiges Lebenwesen in ihren Körpern heran, dass schon bald das Leben der gesamten Mannschaft bedroht.

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Im Vorfeld waren ja schon wieder die unterschiedlichsten Meinungen zu Ridley Scotts neuestem Alien-Film vertreten. Doch ich wollte mir, wie auch übrigens bei „Prometheus“, einfach unvoreingenommen eine eigene Meinung bilden. Und ich bin froh, dass ich mir das Filmvergnügen nicht selbst verdorben habe, indem ich die anderen Rezensionen genau durchgelesen sondern nur überflogen habe. Denn … ich finde, dass Ridley Scott wieder einmal einen visionären Film abgeliefert hat. Sicherlich muss man über die ein oder andere Logiksache hinwegsehen, das ist mir aber in diesem Fall wirklich egal, denn ich möchte mit solchen Filmen unterhalten werden. Und das hat mit „Alien: Covenant“ eindeutig hervorragend geklappt. Ein bisschen Kritik habe ich dennoch zu vermelden, aber eines nach dem anderen.

Zunächst einmal fand ich den Spannungsaufbau sehr gelungen und wirkungsvoll. Langsam wird der Zuschauer in eine bedrückende Atmosphäre eingelullt, der man sich ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr entziehen kann. Gerade die Infizierung auf dem fremden Planeten und die ersten Alien-Attacken sind grandios inszeniert und fast schon unerträglich in ihrer Spannung. Die Bilder von der „Geburt“ des ersten Aliens gehen mir in ähnlicher Weise nicht mehr aus dem Kopf wie seinerzeit eine ähnliche Szene in John Carpenters Kultfilm „Das Ding aus einer anderen Welt“. Oftmals habe ich irgendwann gemerkt, dass ich den Atem angehalten habe, so spannend waren die Angriffe der Aliens, obwohl sie mit dem Computer designt wurden. Die Attacken sahen in einigen Szenen ähnlich wie in „Starship Troopers“ aus vermittelten eine ähnliche, ausweglose Situation. und Die ersten beiden Drittel fand ich persönlich absolut atemberaubend in Szene gesetzt, enorm spannend und extremst kurzweilig. Leider verzetteln sich die Drehbuchautoren am Ende in einem ideenlosen Abklatsch des Originals, was mir nicht so gefallen hat. Da hätte ich mir dann doch eine etwas andere Wendung beziehungsweise ein innovativeres Ende gewünscht. Aber nun gut, der Mainstream möchte genau so etwas wahrscheinlich sehen und die Macher haben sich wahrscheinlich darauf eingelassen, um Erfolg an der Kinokasse zu haben. Das hat schon der mäßig erfolgreiche „Alien 3“ von David Fincher gezeigt, dass Innovation nicht immer gut beim Massenpublikum ankommt. Bei „Alien: Covenant“ wollte man deswegen wohl sichergehen und hat sich für diesen Weg entschieden, der dem Massenpublikum genau das gibt, was es will, und den „echten“ Filmfreund dann eher enttäuscht. Soweit zu meinem einzigen Kritikpunkt.

Nahezu begeistert war ich von der Entwicklung, die Ridley Scott den „menschlichen Robotern“ zugedacht hat. Es mutet fast wie eine leichte Symbiose oder wie eine Brücke zu seinem Meisterwerk „Blade Runner“ an, wenn er in „Alien: Covenant“ den Maschinenwesen unheimliche menschliche Züge verschafft. Ich denke, diese Annäherung beider Universen ist beabsichtigt, denn gerade die Anfangssequenz könnte durchaus bei „Blade Runner“ Anwendung finden. Auch darstellerisch kann man bei „Alien: Covenant“ nichts aussetzen, denn alle spielen durchwegs außerordentlich gut und nehmen ihre Rollen sichtlich ernst. Michael Fassbender, der angebliche Star des Films, wird aber aus meiner Sicht eindeutig von Danny McBride an die Wand gespielt, der seinen Protagonisten unglaublich authentisch und vor allem sehr emotional verkörpert. McBride hat mich während des ganzen Films am meisten begeistert und beeindruckt, da kam Fassbender nicht einmal annähernd mit. Ist aber einfach nur meine Meinung. Scoretechnisch hat Jed Kurzel eigene Töne mit markanten Klängen aus Jerry Goldsmiths Originalscore vermischt und für eine sehr passende und atmosphärische Musikuntermalung  gesorgt.
Alles in allem hat mir „Alien:Covenant“, genauso wie „Prometheus“, in seiner Fortführung und/oder Neuinterpretation des Alien-Universums absolut gut gefallen.

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Fazit: Ästhetisch, brutal und atmosphärisch. Trotz einiger Logikfehler ein würdiges, sehenswertes Teil im Alien-Universum-Puzzle.

© 2017 Wolfgang Brunner

Michael – (K)ein harter Vampirfilm (2017)

Originaltitel: Michael – (K)ein harter Vampirfilm
Regie: José Hidalgo
Drehbuch: José Hidalgo, Kirsten Rusche
Kamera: Niklas Meyer
Musik: José Hidalgo, Marius Knetsch, Adrian Wojtynek
Laufzeit: 91 Minuten
Darsteller: Jörn Guido, José Hidalgo, Simone Kaufmann, Klaus Thiel-Klenner, Evelyn Fytter, Andreas Rimkus
Genre: Horror, Komödie
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Mit Erschrecken muss Michael feststellen, dass sein „bestes Stück“ nicht mehr funktioniert. Deprimiert wegen seiner verlorenen Männlichkeit beginnt er zusammen mit seinem Freund Mumu und dessen Freundin Lola nach den Ursachen zu suchen. Nach einer gründlichen, ärztlichen Untersuchung lautet die Diagnose: Michael ist tot. Und die Tatsache, dass er nicht fotografiert werden kann, lässt den Schluss zu, dass er sich zu einem Vampir verwandelt hat. Michael und seine Freunde machen sich auf die Suche nach der schuldigen Vampirin. Begleitet werden sie von Michaels Vater, einem Priester, der Spezialist im Töten solcher Ungeheuer ist.

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Der deutsche Independet-Film bietet immer wieder mal Überraschungen. So auch die herrlich schräge und von Filmzitaten strotzende Vampir-Komödie „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ des Regisseurs José Hidalgo. Schon am Anfang begann ich an „Night Of The Living Dead“ und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ zu denken, als ich die Einstellungen mit Pater Engelbert (übrigens absolut gelungen dargestellt von Klaus Thiel-Klenner) sah. Und in ähnlichem Stil setzt Hidalgo seine Hommage an unzählige Horrorfilme und -bücher fort. Man muss schon genau aufpassen, um alles zu registrieren, denn unentwegt entdeckt man versteckte Anspielungen auf bekanntere und unbekanntere Kultfilme sowohl in Bild als auch Ton. Genial fand ich auch, dass literarische Größen wie zum Beispiel Anne Rice, Dean Koontz, Stephen King und Bram Stoker einen Platz unter den Vorbildern ergattert haben. Es ist wirklich eine wahre Freude, dem Protagonisten bei der Suche nach seiner fehlenden Männlichkeit zu begleiten. Womit ich auch schon bei einem sehr großen Pluspunkt dieser eigenwilligen Produktion lande: der Humor. Deutsche Filme und Humor passen für mich in den seltensten Fällen zusammen, denn meist endet diese Mischung (zumindest in Deutschland) in einer peinlichen Abfolge unlustiger Klamaukeinlagen. Nicht so bei „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“. Auch wenn nicht jeder Gag sitzt, so kann man sich über die meisten wirklich so richtig amüsieren und auch schon mal lauthals lachen. Die Situationskomik funktioniert bestens, was vielleicht sogar daran liegt, dass die Schauspieler so manches Mal amateurhaft wirken. Aber genau das ist es auch, was den Humor so trocken und eben auch authentisch wirken lässt. Ich war jedenfalls vollkommen angetan davon.

Inszenatorisch kann man nicht meckern, vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass diese liebevolle Produktion ein Budget von lediglich etwa 17.000 Euro zur Verfügung hatte. Da hat Hidalgo ganz schön was auf die Beine gestellt. Schauspielerisch konnte  mich am meisten Klaus Thiel-Klenner überzeugen, der mir schon bei „Z-Office“ sehr gut gefallen hat. Aber auch José Hidalgo brachte mich mit seinem trockenen Humor immer wieder zum Schmunzeln. Jörn Guido war in der Hauptrolle ebenfalls überzeugend und passte sich hervorragend dem Team an. Der Spaß während des Drehs ist in jeder Einstellung spürbar. Leider passt der Soundtrack nicht immer hundertprozentig zum Filmgeschehen. An manchen Stellen ließe ich mir das durchaus gefallen, an anderen hätte ich mir mehr Dramatik im Score gewünscht (zum Beispiel im Endkampf). Ich bin nicht sicher, ob das so gewollt ist.

„Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ ist zwar ein Amateurfilm, aber mit vielen professionellen Ansätzen. Jegliche Amateurhaftigkeit, die sich definitiv nicht durch den ganzen Film zieht, sondern sich nur auf einzelne Szenen beschränkt, wird durch die durchwegs sympathischen Darsteller und den wirklich witzigen Wort- und Situationswitz eingedämmt. Dazu gesellen sich die, wie oben schon erwähnt, zahlreichen und genial verstreuten Zitate aus anderen Filmen, die die Komödie noch einmal gehörig auflockern und den Film zu einem kurzweiligen Ereignis machen. „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ will nicht ernst genommen werden, sondern einfach nur intelligent und amüsant unterhalten. Und das tut er auf ganzer Linie. Der Film wurde sichtlich mit viel Hingabe und Liebe zum Film inszeniert und funktioniert in vielerlei Hinsicht. Hier waren unübersehbar Filmfans am Werk, die ein Feuerwerk an witzigen Ideen abliefern, von denen man gar nicht genug bekommen kann. Hätte mehr Budget zur Verfügung gestanden, wäre „Michael – (K)ein harter Vampirfilm“ sicherlich einem breiteren Publikum zugänglich und ein Kultfilm unter den deutschen Horror-Komödien geworden. So aber hat nur ein auserwählter Kreis von interessierten Independentfilm-Zuschauern das Privileg, dieses witzige Spektakel zu genießen. Da fragt man sich, warum solche einfallsreichen Regisseure wie José Hidalgo keine Unterstützung von zum Beispiel Fernsehsendern bekommen.
Wer aber den Regisseur dabei unterstützen möchte, dass dieser wunderbare Film auf DVD erscheint, kann dies bei der Startnext Crowdfunding Kampagne unter https://www.startnext.com/michael-vampirfilm tun.

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Fazit: Ein filmisches Feuerwerk mit unzähligen Anspielungen auf Kultfilme und einem außergewöhnlichen Humor. Mehr davon!

© 2017 Wolfgang Brunner

Big Driver (2016)

Originaltitel: Big Driver
Regie: Mikael Salomon
Drehbuch: Richard Christian Matheson
nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Kamera: Steve Cosens
Musik: Jeff Beals
Laufzeit: 84 Minuten
Darsteller: Maria Bello, Ann Dowd, Will Harris, Joan Jett, Olympia Dukakis, Jennifer KyddTara Nicodemo
Genre: Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 16 Jahre

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Nach einer Lesung bleibt die Schriftstellerin Tess Thorne während der Heimfahrt aufgrund einer Reifenpanne in einer verlassenen Gegend mit dem Auto liegen. Ein riesiger, aber sehr freundlicher Mann hilft ihr und bietet an, den Reifen zu wechseln. Doch noch bevor er sich an die Arbeit macht, bedrängt er Tess und ist alles andere als nett zu ihr.  Tess überlebt den Angriff und findet zurück ins Leben. Doch sie kann das Geschehen nicht vergessen und entschließt sich eines Tages, sich auf die Suche nach dem großen Mann zu machen, der ihr das angetan hat.

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Die Geschichte beginnt, King typisch, ruhig und eher harmlos. Das Grauen schleicht sich aus einer, wenngleich unerfreulichen, Alltagssituation in das Leben der Schriftstellerin. Die Überschreitung dieser Grenze wurde von Regisseur Mikael Salomon (dessen Filme „Hard Rain“ und das Remake „Andromeda“ den meisten bekannt sein dürften) hervorragend in Szene gesetzt. Man spürt das Knistern zwischen den beiden Protagonisten, erlebt das Umschwenken von Freundlichkeit in Bedrohung so hautnah, das es einem selbst als Zuschauer Angst einjagt. Dazu kommt neben der intensiven Inszenierung die unglaublich gute Schauspielleistungen von Maria Bello und Will Harris. Das Agieren der beiden passt so perfekt zusammen, dass es unglaublich authentisch wirkt, wenn der riesige Mann die Frau bedroht. Die Szenen, die dann folgen, sind hart und strapazieren die Nerven, wirken aber niemals übertrieben gewalttätig, sondern einfach nur real.

Trotz diesem harten und teilweise auch brutalen Einstieg wird die Geschichte im weiteren Verlauf in einem sehr ruhigen Ton erzählt, der eine wahnsinnig gute Atmosphäre aufkommen lässt. Die Schauspielleistung von Maria Bello ist beeindruckend und in Verbindung mit der besonnenen und stillen Inszenierung sehr emotional. Ich war absolut gebannt von den Ereignissen und Wendungen und fieberte mit der Protagonistin in jeder Sekunde mit. Alleine ihre Wandlung/Darstellung von einer hilflosen Frau in eine toughe „Kriegerin“ ist sehr glaubwürdig und intensiv.
Überhaupt sind die Charaktere King typisch und wurden allesamt sehr gut umgesetzt. Ein Wiedersehen mit der Rocksängerin und Gitarristin Joan Jett („I Love Rock ’n‘ Roll“ dürfte wohl jeder kennen), die ihre größten Erfolge in den 80er Jahren feierte, und mit der Golden Globe- und Oscargewinnerin Olympia Dukakis („Mondsüchtig“) runden das gelungene Filmerlebnis noch ab.

Man merkt dem Film in keiner Minute an, dass er fürs Fernsehen produziert wurde. Regisseur Mikael Salomon überzeugt mit stimmungsvollen Bildern und einer konsequent durchdachten Linie, als hätte er fürs große Kino gedreht. Ein wenig erinnert „Big Driver“ an den Rape & Revenge-Thriller „I Spit On Your Grave“, nur dass hier einfach mehr Menschlichkeit und Emotionen hinter dem Rachefeldzug stecken. „Big Driver“ enthält bedeutend mehr Seele als ein einfacher Slasher- und/oder Splatterfilm in dieser Art. Genre-Fans, die hier einen ähnlichen Film erwarten, könnten unter Umständen sogar enttäuscht sein. Fast schon auf melancholische Art und Weise erzählt Mikael Salomon die Geschichte einer zutiefst verletzten Frau, die sich erst später zu wehren beginnt. Auch wenn „Big Driver“ nicht zwingend etwas Neues in der Krimi- , Thriller- und Stephen King Verfilmungswelt bietet, so ist er für mich dennoch eine der besseren Adaptionen Kings (die von Frank Darabon inszenierten einmal ausgenommen, denn die sind unschlagbar spitzenmäßig) und spricht ein Publikum an, dass eine intelligente, emotionale Handlung mag, die von einem sehr fähigen Regisseur und grandiosen Schauspielern umgesetzt wurde. Wer sich für die Kurzgeschichte interessiert, die Vorlage für diesen Film war, sollte sich das Buch „Zwischen Nacht und Dunkel“ zulegen, das in Deutschland im Jahr 2010 erschien. Die zweite Geschichte dieser Kurzgeschichtensammlung ist „Big Driver“.

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Fazit: Atmosphärischer Thriller, der mehr Wert auf Emotionen als auf blutige Effekte legt. Ganz klarer Geheimtip für echte King-Fans.

© 2017 Wolfgang Brunner