Der Weihnachtsbaum (1983)

Originaltitel: Der Weihnachtsbaum
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Robert Sigl
Kamera: Wolfgang Mayer
Musik: —
Laufzeit: 18 Minuten
Darsteller: Claus Eberth, Robert Sigl
Genre: Drama, Kurzfilm
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.a.

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Jedes Jahr wartet ein vereinsamter Mann auf seinen 17-jährigen Sohn, um zusammen mit ihm die Nacht vor Weihnachten zu verbringen. Sowohl Vater als auch Sohn fürchten sich vor dem Licht der Wohnzimmer- und Schlafzimmerlampe, die immer wieder von selbst an- und ausgeht. Als der Sohn feststellt, dass die elektrische Weihnachtsbeleuchtung am Christbaum nicht richtig funktioniert, bittet ihn der Vater, nach dem Fehler zu suchen. Während der  Sohn versucht, die Beleuchtung zu reparieren, eskaliert die ohnehin schon eigenartige Spannung zwischen den beiden …

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Schon in diesem kurzen Film sieht man das zukünftige Handwerk Robert Sigls. Erst sechs Jahre später erhielt er mit seinem ersten Langfilm „Laurin“ den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsregisseur, wo er seinen Stil konsequent fortführte. „Der Weihnachtsbaum“ mutet wie ein frühes Werk des polnischen Regisseurs Roman Polanski an. Sigl kann seine Hochachtung vor ebenjenem nicht verbergen, genauso wenig wie seine Liebe zu Alfred Hitchcock. Und dennoch versprüht „Der Weihnachtsbaum“ schon einen ganz eigenen Charme, der auch die späteren Filme Sigls ausmacht. Schon damals legte der Regisseur Wert auf Ausleuchtung, um stimmungsvolle Schattenspiele in seinen Film einzubauen. Das klappte schon damals recht gut. 😉

„Der Weihnachtsbaum“ verströmt von der ersten Minute an eine beklemmende, leicht verstörende Atmosphäre, die sich durch den ganzen Film zieht. Man muss sich den Film schon mehrmals ansehen, um seine Bedeutung, die oftmals zwischen den Bildern versteckt liegt, zu erkennen: Denn es ist nicht nur der offensichtliche Konflikt zwischen Vater und Sohn, den Sigl da schildert, sondern auch eine versteckte homosexuelle Fantasie, die die beiden gegenseitig vor dem anderen zu verstecken versuchen. Der Kurzfilm funktioniert absolut, wenn man sich darin treiben lässt und das Agieren der Personen genau beobachtet. Es ist ein Kammerspiel, das zum Nachdenken anregt. Schauspielerisch bewegen sich Claus Eberth und Robert Sigl auf gleichem Niveau. Man spürt die Spannung, die in der Luft liegt. Man sieht die Unsicherheit der beiden in der hervorragenden Mimik und unterschwellig liegt schon in den ersten Minuten eine drohende Eskalation zwischen den beiden in der Luft.
Gerade das Alter des Films versprüht in seiner liebevollen Machart einen unwiderstehlichen Charme den es in der heutigen Zeit selten, wenn überhaupt, noch gibt.

„Der Weihnachtsbaum“ ist ein Mystery-Drama, das zeigt, welches Potential und welche Visionen bereits damals in dem jungen Regisseur heranwuchsen. Sechs Jahre später hat Sigl dann mit seinem umwerfend inszenierten und fotografierten Film „Laurin“ bewiesen, dass er ein großartiger visueller Regisseur ist.
„Der Weihnachtsbaum“ wird übrigens als Bonus auf der vom Negativ in 2K abgetasteten BluRay-Veröffentlichung von „Laurin“ beim Label Bildstörung enthalten sein.

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Fazit: Ein atmosphärischer Kurzfilm, der durch seine Bildersprache und die beiden Darsteller absolut überzeugen kann.

© 2017 Wolfgang Brunner

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Verlorene Tochter, Die – Alarm für Cobra 11 (1997)

cobra11

Originaltitel: Die verlorene Tochter
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Renate Kampmann
Kamera: Michael Wiesweg
Musik: Reinhard Scheuregger
Laufzeit: 46 Minuten
Darsteller: Erdogan Atalay, Mark Keller, Almut Eggert, Nina Weniger, Michael Habeck, Annette Kreft, Anne Kanis, Maximilan Wigger, Lena Sabine Berg, Manfred Richter
Genre: Action, Krimi
Produktionsland: Deutschland
FSK: ab 12 Jahren

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Andre und Semir entdecken bei einem Autounfall zufällig eine Mädchenleiche. Die ersten Ermittlungen führen zu einem LKW-Fahrer, der aber bestreitet, die Tat begangen zu haben. Doch dann findet die Schwester der Toten ein Tagebuch und macht darin eine schreckliche Entdeckung …

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Robert Sigls Beitrag zur Action-Krimi-Serie „Alarm für Cobra 11“ kann vollends überzeugen. Wie in einer Besprechung der Süddeutschen Zeitung zurecht bemerkt, erinnert „Die verlorene Tochter“ an manchen Stellen tatsächlich atmosphärisch an David Lynchs geniale Serie „Twin Peaks“. Aber Sigl geht seinen eigenen Weg und kopiert nicht. Die kleinen Anspielungen auf Lynchs Kultserie, wie zum Beispiel der rote Vorhang in der Wohnung des Ehepaars de Sand, der Kameraschwenk über nebelverhangene Wälder oder das Auffinden des Tagebuchs, machen unheimlich Spaß.
Sigls Inszenierungsstil ist auch hier wieder unverkennbar und hochwertig. Das Ermittlerteam gerät in dieser Folge zwar etwas in den Hintergrund, wie ich finde, aber das ist nicht weiter dramatisch, denn die Handlung, auf die sich das Hauptaugenmerk richtet, verdient diese „Sonderbehandlung“ unbedingt.
Schauspielerisch ist mir neben Anne Kanis auf jeden Fall Michael Habeck aufgefallen, der die Vaterrolle sehr überzeugend spielte. Gerade gegen Ende der Folge war sein Schauspiel faszinierend.

Trotz der oft bedrückenden Stimmung gelang Robert Sigl ein spannender, rasanter Krimi, der Unterhaltung auf hohem Niveau bietet. Dramatisch, aber auch einfühlsam wird hier ein „schlimmes Thema“ behandelt, das betroffen macht.
Bei dieser „Alarm für Cobra 11“-Folge stimmt Regie, Drehbuch, Musik und Schauspieler.

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Fazit: Atmosphärische Folge aus der Krimi-Reihe „Alarm für Cobra 11“, die mit handwerklich solider Regie, guten Schauspielern und einer bedrückenden Handlung überzeugen kann.

© 2015 Wolfgang Brunner

Hepzibah – Sie holt dich im Schlaf (2009)

hepzibah

Originaltitel: Hepzibah – Sie holt dich im Schlaf
Alternativtitel international: The Village
Regie: Robert Sigl
Drehbuch:  David Tully
Kamera: David Sanderson
Musik: Frank Nimsgern
Laufzeit: 93 Minuten (uncut)
Darsteller: Eleanor Tomlinson, Finn Atkins, Christopher Elson, Marketa Frosslova, David Bamber, David Fellowes, Murray Melvin, Kevin Colson, Helen Mutch, Emily Cox
Genre: Horror. Mystery
Produktionsland: Deutschland
FSK: keine Angabe

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Drei Tage vor ihrem achtzehnten Geburtstag findet Kirsten heraus, dass sie adoptiert ist und ihre echten Eltern in einem Dorf namens Selmen wohnen. Sie macht sich auf den Weg in das Dorf, in dem sie geboren wurde und entdeckt, dass dort eine vor mehreren hundert Jahren unschuldig verbrannte Hexe jedes Jahrhundert neun Opfer fordert. Alle diese Mädchen können nicht schlafen und stehen kurz vor ihren achtzehnten Geburtstag. Schon bald muss Kirsten feststellen, dass sie dieses Mal das neunte Opfer sein soll …

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Robert Sigls ruhiger Mystery-Horror-Film, der als TV-Film von PRO7 produziert wurde, hat weitaus mehr zu bieten, als so mancher denken mag. Die Regiearbeit, mit der sich Sigl fast schon „back to the roots“ in Richtung seines Langfilm-Debüts „Laurin“ bewegt, besticht mit einer ungewöhnlichen Atmosphäre, die sich durch den gesamten Film zieht. Zu der sauberen Inszenierung gesellen sich eine wunderbar ausgewogene Kameraarbeit von David Sanderson und eine extrem gute und vor allem passende Filmmusik von Frank Nimsgern.
Gerade in Verbindung mit Nimsgerns Klängen hypnotisieren manche Szenen geradezu und heben „Hepzibah“ von anderen deutschen Mystery- bzw. Horror-Produktionen erfrischend ab. Sigl versteht sein Handwerk, das merkt man alleine schon an den hervorragend ausgewählten Schauplätzen (gedreht wurde in und um Prag), die eine wirklich hervorragende Gruselatmosphäre der alten Schule verströmen. Da sieht man auch schon mal über vereinzelte Drehbuchschwächen hinweg, die Sigl allerdings gekonnt mit seiner stimmungsvollen Inszenierung überspielt.

Sandersons Kamerafahrten harmonieren perfekt mit der Regie (Sigl und Sanderson haben auch einige SOKO Donau-Folgen miteinander gedreht) und lassen „Hepzibah“ eher wie eine Kino- als eine deutsche TV-Produktion erscheinen. Zusätzlich findet dieser Eindruck seinen Grund wahrscheinlich auch darin, dass mit englischen Schauspielern gedreht wurde, was (zumindest in der Originalfassung) einen gewissen (internationalen) Touch hervorruft. Ich hatte das Glück, die ungekürzte englische Originalversion zu sehen.

Die Schauspieler agieren durch die Bank gut und überzeugend. Vor allem Eleanor Tomlinson (sie war wenig später nach „Hepzibah“ in Tim Burtons „Alice im Wunderland“ und Bryan Singers „Jack And The Giants“ zu sehen), Finn Atkins (ihr Auftreten in der Rolle der Marie Schwarz war genial) und David Fellowes waren es, die mir besonders positiv aufgefallen sind.

Wenn Kirsten aus einem alten Tagebuch vorliest und Sigl meisterhaft Szenen zwischen Gegenwart und Vergangenheit vermischt, die von einer an dieser Stelle mehr als grandiosen Musik Nimsgerns untermalt werden, nimmt das Ganze schon fast Ausmaße eines Peter Greenaway an. Für mich waren diese Szenen inszenatorisch, musikalisch und schnittechnisch absolut hervorragend gemacht.

Die locker verstreuten Anspielungen auf Horrorfilme wie zum Beispiel „Nightmare On Elm Street“ waren sehr unaufdringlich und passend, da sie niemals nachgemacht wirkten. Die stilsichere Inszenierung mit düster-schaurig-schönen Bildern von Friedhöfen, Gruften, einsamen Waldabschnitten, aufkommenden Unwettern und märchenhaft verstaubten Bibliotheksräumen macht einfach Spaß. Und auch wenn das Drehbuch nicht wirklich viel Neues zu bieten hat, so gab zumindest Regisseur Sigl sein Bestes und präsentiert einen manchmal erschreckenden, aber vorwiegend melancholisch ruhigen Gruselfilm mit einer verdammt guten Atmosphäre.

Als Grund für oftmals geradezu vernichtende (und aus meiner Sicht völlig unbegründete) Kritiken über diesen Film kann ich nur in der Tatsache sehen, dass das Film- und Kinopublikum unserer Zeit in erster Linie seine Aufmerksamkeit auf Spezial-  und Schockeffekte richtet und das echte Handwerk des Filmens außer acht lässt, denn sonst würde man das Talent aller Beteiligten dieser Produktion sehen. Für mich ist „Hepzibah“ ein sehr atmosphärischer Gruselfilm, der trotz Drehbuchschwächen hervorragend unterhält.

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Fazit: Stilsicher inszeniert und mit einer hervorragenden Filmmusik untermalt ist „Hepzibah“ ein Ausnahme-Horrorfilm aus Deutschland, der meiner Meinung nach völlig  unterschätzt wird.

© 2015 Wolfgang Brunner

Mörderisches Geheimnis – SOKO Wien (2008)

SOKO Wien

Originaltitel: Mörderisches Geheimnis
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Kerstin-Luise Neumann
Kamera: David Sanderson
Musik: Bob Gutdeutsch
Laufzeit: 45 Minuten
Darsteller: Stefan Jürgens, Gregor Seberg, Lilian Klebow, Dietrich Siegl, Sandra Cervic, Thomas Mraz, Werner Prinz, Patricia Hirschbichler
Genre: Krimi, Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Auf einem Schlangenlinien fahrenden Fiakergespann sitzt der Kutscher Laszlo tot am Kutschbock. Das SOKO-Team nimmt den Besitzer des Fiakerbetriebes unter die Lupe. Laszlos Schwester Kathi, die mit ihrem Bruder eine alte Geisterbahn im Prater betrieben hat, ist erschüttert. Und schon bald finden die Ermittler heraus, dass Laszlo von Geheimnisse umgeben ist und dass vor allem die alte Geisterbahn eine Rolle bei seinem Tod gespielt hat.

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Solche Folgen machen süchtig! 😉
Der Ermittlungsfall tritt fast schon in den Hintergrund, wenn man in den wunderschönen Bildern, die Regisseur Sigl mit seinem Kameramann Sanderson einfängt, versinkt. Die Szenen in der Geisterbahn muten, treffenderweise, wie aus einem atmosphärischen Horrorfilm an und geben der ganzen Folge einen wunderbaren Touch. Sigl spielt oft auf seine Vorbilder an und macht das so gekonnt, dass es eine wahre Freude ist. Die Musik von Gutdeutsch tut ein übriges dazu, um „Mörderisches Geheimnis“ abzurunden.

Das SOKO-Team tritt wieder einmal absolut sympathisch und überzeugend auf und macht den sowieso schon kurzen Film noch kurzweiliger, so dass, eh man sich versieht, bereits der Abspann über den Bildschirm läuft. Bei solchen Folgen fragt man sich immer wieder, warum es SOKO nicht ins Kino schafft oder zumindest die doppelte Laufzeit zugesprochen bekommt. Das Potential wäre jedenfalls da und Cast und Crew brächte mit Sicherheit einen ansehnlichen Spielfilm zustande.

Diese Folge zeigt wieder einmal, dass das hohe Niveau der Serie durchgehend erhalten bleibt und macht SOKO Wien aus diesem Grund  zu etwas besonderem.
Man sieht, dass Robert Sigl und seine Crew wie auch die Schauspieler sichtlich Freude an der Inszenierung hatten. So müssen Fernsehserien sein …

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Fazit: Atmosphärische Folge aus der SOKO-Reihe, die wieder einmal das hohe Niveau der Krimiserie beweist. Man wünscht sich unweigerlich mehr davon.

© 2015 Wolfgang Brunner

Gefallene Engel – SOKO Wien (2009)

SOKO Wien

Originaltitel: Gefallene Engel
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Amaryllis Sommerer
Kamera: David Sanderson
Musik: Lothar Scherpe
Laufzeit: 45 Minuten
Darsteller: Stefan Jürgens, Gregor Seberg, Lilian Klebow, Dietrich Siegl, Sandra Cervic, Helmut Bohatsch, Karl Fischer, Susanne Kubelka, Uwe Bohm
Genre: Krimi
Produktionsland: Österreich
FSK: k.A.

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Der langjährige Türsteher des Jugendlokals VOOM wird tot aufgefunden. Im Lokal wurden und werden Drogen gedealt und auch konsumiert. Der Besitzer des Lokals ist ein Jugendfreund von SOKO-Ermittler Carl. Und was haben die Jugendlichen Lilly und Lukas mit dem Fall zu tun?

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Was wie „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ beginnt, wird zu einem undurchschaubaren Krimi-Thriller, der (wieder einmal) bis zum Ende die Spannung hält. Die jugendlichen Darsteller gehen in ihren Rollen auf und agieren sehr überzeugend. Das hat mir so richtig gut gefallen.
Was diese Folge aber auch sehr sympathisch macht, ist, dass Carl einen Jugendfreund trifft und dadurch der Folge etwas Persönliches verliehen wird.
Auch der Umgang des SOKO Teams mit den Jugendlichen, wenn zum Beispiel Penny mit dem Mädchen Lilly spricht, vermittelt Menschlichkeit, die mir gefallen hat.
Wie bei vielen seiner Filme arbeitet Regisseur Sigl bei den Rückblenden in die Vergangenheit mit kräftigen Farben, was bei mir immer einen leicht surrealen Eindruck vermittelt, der mich sogar manchmal ein wenig an David Lynch erinnert.

Auch diese Folge zeichnet SOKO Wien als niveauvolle, hochwertige Serie aus, was sicherlich nicht nur am Handwerk Robert Sigls, sondern auch an den überaus guten Darstellern und dem Rest der Filmcrew, liegt. Regie, Kamera, Musik … das alles passt einfach und gibt dem Zuschauer keinen Grund zum Meckern. Spannung, Humor, ein wenig Melancholie … genau diese Mischung macht es einfach, um SOKO Wien zu einer der sympathischsten Krimiserien zu machen.

Insgesamt fünf Folgen drehte Robert Sigl für die fünfte Staffel der erfolgreichen Serie. „Gefallene Engel“ ist eine davon. Die anderen sind „Preis der Schönheit“, „Sein & Schein“, „Böser Zauber“ und „Blindspuren“.

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Fazit: Serien-Krimis sollten genau so sein: Handwerklich und schauspielerisch einfach gut und unterhaltsam.

© 2015 Wolfgang Brunner

Blindspuren – SOKO Wien (2009)

SOKO Wien

Originaltitel: Blindspuren
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Martin Ambrosch, Stefan Hafner, Fritz Ludl, Thomas Weingartner
Kamera: David Sanderson
Musik: Lothar Scherpe
Laufzeit: 45 Minuten
Darsteller: Stefan Jürgens, Gregor Seberg, Lilian Klebow, Dietrich Siegl, Sandra Cervic, Helmut Bohatsch, Daniela Ziegler, Tatjana Alexander, Aykut Kayacik
Genre: Krimi
Produktionsland: Österreich
FSK: k.A.

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Goriza, die im sechsten Monat schwanger ist, wird von einem Unbekannten verfolgt und stürzt schließlich über einen steilen Abhang in den Tod. Die erste Spur führt zu einem Blindenheim, in dem Goriza geputzt hat.

Ein DNA-Test verrät, dass der Täter der Vater von Gorizas ungeborenen Kindes sein muss. Somit fällt der Verdacht erst einmal auf Murat Sekic, den Ehemann der Toten.
Das SOKO-Team bekommt heraus, dass ein gewisser Martin Moser der Kindsvater ist und sieht den Fall bereits als gelöst. Dioch dann wird Moser erhängt im Blindenheim aufgefunden …

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Mit „Blindspuren“ aus der SOKO Wien-Serie entführt uns Regisseur Robert Sigl in die Welt der alten Edgar Wallace-Filme und wird bei manchen Zuschauern eine Melancholie nach den alten Schwarzweiß-Streifen auslösen. Das Agieren der Personen, die Inszenierung des Falles und die Kulissen sind so detailverliebt an die Kultklassiker der 60er und 70er Jahre angepasst, dass es eine wahre Freude ist, dem SOKO Team bei der Untersuchung der „Blindspuren“ zu folgen.

Der leichte Horror-Touch, der auch bei den Wallace-Filmen fast immer zum Tragen kam, wird von Sigl hervorragend in die Handlung eingewebt, die von den vier Drehbuchautoren übrigens sehr geschickt und interessant verfasst wurde. Die Schauspieler erinnern an die „üblichen Verdächtigen“, die damals von Joachim Fuchsberger und/oder Heinz Drache gejagt wurden.
In der Rolle des Ehemannes gibt Aykut Kayacik (Nebenrollen in „Das kleine Gespenst“, „Süperseks“ und aktuell  „Der Medicus“) einen kleinen, gelungenen Auftritt zum Besten.

Die Kulissen und die Schaauspieler erinnern, wie bereits erwähnt, in dieser SOKO Folge an die alten Edgar Wallace-Filme, die Kameraeinstellungen an Alfred Hitchcock und die Szenen, in denen die Heimleiterin verfolgt wird, könnten ohne weiteres vom „alten“ Brian dePalma sein.
Eine SOKO-Folge, die enorm Spaß macht und für mich in die Kategorie fällt: „Sehe ich mir nochmal an.“
Übrigens untermalt Lothar Scherpes Filmmusik das Ganze absolut passend und stimmungsvoll.

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Fazit: Für diese tolle SOKO Folge gilt: Edgar Wallace-Flair der 60er und 70er Jahre trifft auf Alfred Hitchcock und Brian dePalma und ergibt einen ganz besonderen, eigenen Robert Sigl Film.

© 2015  Wolfgang Brunner

Verraten und verkauft – SOKO WIEN (2012)

SOKO Wien

Originaltitel: Verraten und verkauft
Regie: Robert Sigl
Drehbuch: Kerstin Schütze
Kamera: David Sanderson
Musik: Bob Gutdeutsch
Laufzeit: 45 Minuten
Darsteller: Stefan Jürgens, Gregor Seberg, Lilian Klebow, Dietrich Siegl, Maria Happel, Helmut Bohatsch, Elena Dörfler, Konstantin Frolov
Genre: Krimi, Thriller
Produktionsland: Deutschland
FSK: k.A.

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Ein bulgarischen Bauarbeiter wird ermordet und die kleine Tochter des Bauleiters entführt. Gibt es einen Zusammenhang?  Das Ermittlerteam der SOKO Wien macht sich an die Arbeit und nimmt erst einmal den reichen Bruder des Toten ins Visier, der angeblich seinen Bruder schon Jahre nicht mehr gesehen hat.

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„Verraten und verkauft“ geht sehr behutsam mit dem Thema „Kinderhandel“ um. Die schön verschachtelte Geschichte macht Spaß und man weiß lange Zeit nicht, wohin die Ermittlungen führen. Regisseur Sigl benutzt wieder einmal all jene Zutaten, die seine Filme ausmachen, und lässt uns erneut an einer Folge der siebten SOKO-Wien-Staffel teilhaben, die Niveau zeigt.

Besonders gefallen haben mir die Szenen, in denen der Bruder des ermordeten Bauarbeiters (dargestellt von Bijan Zamani) mitspielte. Zamani konnte mich in seiner Rolle absolut überzeugen.
Die Rückblenden waren wieder in typischer Sigl-Manier gedreht und zeigen, dass der Regisseur sein Handwerk einfach versteht. Auch die Musik fiel mir in dieser Folge wieder sehr angenehm auf. Gutdeutsch schaffte an einigen Stellen eine Stimmung, die mich an alte „Haunted House“-Filme erinnerten, obwohl diese SOKO-Folge mit dieser Art von Filmen nichts zu tun hat. Dennoch verschaffte Gutdeutschs Soundtrack dieser Folge eine wirklich sehr schöne Atmosphäre.

Über die Schauspieler der SOKO-Crew brauche ich eigentlich gar nicht mehr zu sprechen, denn sie passen einfach perfekt in ihre Rollen und gehen darin auch sichtlich auf. Es ist immer wieder schön, Penny Lanz (Lilian Klebow), Helmuth Nowak (Gregor Sehberg), Carl Ribarski (Stefan Jürgens) und Otto Dirnberger (Dietrich Siegl) dabei zuzusehen, wie sie sich auf Verbrecherjagd machen. Wer sich einmal näher mit den Charakteren der Serie beschäftigen möchte, sollte sich einmal auf der SOKO Wien-Internetpräsenz des ZDF umsehen.

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Fazit: Sehr schön inszenierte Folge, die  den Zuschauer lange im Ungewissen lässt. Robert Sigls SOKO-Folgen sind und bleiben einfach sehenswert.

© 2015 Wolfgang Brunner